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Frankfurter Buchmesse 2024 – Teil 2

Am Nachmittag der Frankfurter Buchmesse habe ich mir die Buchvorstellung von Ursula Poznanski angeschaut, die ihren neuen Jugendbuch-Thriller „Scandor“ präsentierte. Von Ursula Poznanski habe ich immer mal wieder Bücher gelesen, sie ist bekannt dafür sehr regelmäßig vor allem Thriller für Erwachsene und Jugendliche herauszubringen (wobei man letztere auch als Erwachsene sehr gut lesen kann), die sich meist mit Utopien und Zukunftsthemen beschäftigen und die trotz hohen Outputs immer durch eine hohe Qualität überzeugen. In „Scandor“ geht es um einen besonderen Wettbewerb, in dem 100 Menschen mit einem neuartigen Lügendetektor am Arm gegeneinander antreten. Wer lügt fliegt raus, der Gewinner bekommt 5 Millionen Euro. 

Ursula Poznanski wurde zu ihrem Schaffensprozess befragt, sie veröffentlicht in der Regel zwei Bücher im Jahr, an denen sie ca. 4-5 Monate schreibt und im Hinterkopf entwickelt sie während sie ein Buch schreibt oft schon Ideen für das nächste. Sie betonte dass es sich bei der schriftstellerischen Arbeit einfach auch um einen Beruf handelt und sie sich jeden Tag hinsetzt mit dem Ziel ca. 1500 Worte zu schreiben. Außerdem wurde sie gefragt wie und wann sie entscheidet ob ein Buch ein Jugendbuch wird oder ein Thriller für Erwachsene, was sich laut ihr immer sehr schnell von selbst ergibt. Erstens sind in Jugendbuch-Thrillern für sie die meisten Gewaltszenen (wie z.B. die Auffindung eines abgetrennten Fingers) nicht denkbar und zweitens haben die Jugendbuch-Thriller in der Regel sehr junge Protagonisten. Wobei ich sagen muss, dass ich schon Bücher von ihr gelesen habe, wo ich nicht sicher hätte sagen können, ob es jetzt ab 14 ist oder für Erwachsene, was daran liegt, dass ihre Thriller glücklicherweise generell nicht sehr gewalttätig oder blutrünstig sind (was ich bei Thrillern überhaupt nicht mag, wenn man das Gefühl hat, dass Thriller-Autor:innen Gewalt nur um der Gewalt willen in ihre Bücher einbauen). Mir hat das Interview mit der sehr charismatischen Schriftstellerin sehr gut gefallen.

Ursula Poznanski im Gespräch

Ich schaute im Anschluss noch kurz bei der Signierstunde von Desiree Nick vorbei, die ihr neues Kochbuch promotete und ich sehr gerne sehen wollte wie sie in echt aussieht. Ich kann sagen, absolut fantastisch! Ich mag Desiree Nick trotz oder gerade wegen ihrer scharfzüngigen Art und häufigen Provokationen. Auf der Buchmesse war sie aber gar nicht scharfzüngig, sondern kümmerte sich sehr herzlich um die oft erst etwas schüchternen Menschen in der Schlange. Mein Highlight war ein Schüler, der offenbar im Rahmen eines Schulausflugs da war und sich sein Deutsch-Heft mitten zwischen den Aufgaben signieren liess (was Desiree Nick zu der Aussage brachte, dass sie sich wundert, dass die Schüler heutzutage immer noch von Hand schreiben). 

Desiree Nick signiert

Danach schlenderten meine Freundin und ich noch etwas durch die Halle 3.1, von der wir noch lange nicht alles geschafft hatten und schauten uns auch die etwas kleineren und abgelegenen Stände an. Wie immer begegnet man dabei einigen eher links- oder rechtsextremistischen Verlagen (die irgendwie immer auch durch ein besonders unprofessionelles und abschreckendes Design auffallen) oder extrem esoterischen oder religiösen Anbietern (mein Highlight dieses Jahr war irgendeine Gruppierung die vor Patientenverfügungen warnte), aber auch kleinere Nischenverlage und Regionalverlage. Ich freute mich vor allem den hier in Bawü ansässigen Pinguletta Verlag zu entdecken, von dem ich dieses Jahr zwei gute Bücher bzw. Buchreihen gelesen habe (die „Wintertöchter“ Trilogie von Mignon Kleinbek und „ALS und andere Ansichtssachen“ von Christian Bär, beides sehr empfehlenswert).

Noch ein Fotospot in Action

Zum Ende des Besuchs der Buchmesse gab es dann noch ein richtiges Highlight, meine Freundin hatte zwei Plätze bei einem Meet and Greet mit Frank Schätzing ergattert und mich als ihre Begleitung mitgenommen. Frank Schätzing stellte dort seinen neuen (schon vom Umfang her sehr epischen) Roman „Helden“ vor. Ich hatte im Vorfeld schon etwas dazu recherchiert und herausgefunden, dass es sich dabei um eine Fortsetzung zu einem in Köln spielenden Mittelalter Krimi namens „Tod und Teufel“ handelt. Etwas verwirrt war ich deswegen trotzdem, hatte ich doch überhaupt nicht mitbekommen, wann Frank Schätzing in dieses Genre gewechselt ist. Die Auflösung kam dann am Anfang des Gesprächs, denn erst da realisierte ich, dass Frank Schätzing diesen ersten Band schon vor 30 Jahren geschrieben hatte (was nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, da er aufgrund der „Fortsetzung“ dieses Jahr neu herausgebracht wurde und ich nur das neue Erscheinungsdatum gesehen hatte).

„Helden“ erzählt nun also die Geschichte des Hauptcharakters des alten Romans weiter, allerdings nicht mehr in Köln, sondern in Schottland in den Highland und wohl als komplett unabhängige Geschichte, so dass man den neuen Roman auch für sich alleine lesen kann (was ich wohl vermutlich auch machen werde, den den neuen Band habe ich nun schon da). Frank Schätzing, der mit seiner sehr freundlichen Ehefrau zusammen da war, erzählte Einiges zur Entstehungsgeschichte des Romans, zu seinen Recherchen und dazu wie und wieviel am Tag er schreibt (Spoiler: ich finde sehr lange), was sehr interessant im Vergleich zu Ursula Poznanski war (die natürlich deutlich mehr Bücher in kurzer Zeit und dafür aber deutlich weniger komplexe Bücher schreibt). Sehr spannend auch, dass er die Arbeit an dem Buch zwischendrin unterbrach, um ein Sachbuch über den Klimawandel zu schreiben, nachdem er sich so sehr über eine Journalistin geärgert hatte, die bei einem gemeinsamen Event zum Thema Klimaschutz versucht hatte ihn und Carla Reemtsma gegeneinander auszuspielen, anstatt an konstruktiven Lösungen und Diskussionen interessiert zu sein.

„Helden“ von Frank Schätzing

Ein weiterer Punkt, der „Helden“ besonders macht ist die wirklich beeindruckende Marketing Kampagne und das Design des Buchcovers und des Drumherums (z.B. visuell tolle Charakter-Karten für alle wichtigen Protagonisten). Alle Visuals zum Buch wurden von Frank Schätzing mit KI erstellt und obwohl ich bei KI-generierten Bildern wirklich sehr kritisch und eher ablehnend bin, muss ich sagen, dass das wirklich sehr sehr gut gelungen ist, die Bilder sind extrem atmosphärisch und ästhetisch (gut, man denkt sofort an eine Hochglanz Netflix Serie, die irgendein Cross-Over zwischen Games of Thrones und Herr der Ringe beinhaltet, aber man bekommt auf jeden Fall sofort einen Eindruck vom Stil der Geschichte und auch die Charakterkarten sind wirklich gelungen und vermitteln durchaus eine Persönlichkeit der Protagonisten). Als jemand, die schon immer über Cover und visuelle Darstellungen auf Bücher aufmerksam ist, finde ich dieses Cover und Marketing wirklich zu 100% gelungen und es macht sofort Lust das Buch zu kaufen.

Das ganze Meet & Greet ging super schnell rum und war sehr unterhaltsam und damit eine hervorragende Abrundung der Buchmesse. Danach begaben wir uns wie immer mit Sinneseindrücken etwas überladen, aber glücklich, auf den Heimweg. Hoffentlich bis zum kommenden Jahr!

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