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Hörbuch-Tipp: „Bachelorette Party“ von Camilla Sten

„Bachelorette Party“ von Camilla Sten ist ein  Thriller, den ich als Hörbuch gehört habe und der ein im Moment sehr beliebtes Setting gewählt hat: eine einsame Insel auf der die Protagonist:innen von der Außenwelt abgeschnitten sind. Da nicht alle Autor:innen es schaffen solche Geschichten wirklich gut umzusetzen, war ich gespannt wie es Camilla Sten (übrigens die Tochter der bekannten schwedischen Krimi-Autorin Viveca Sten) gelungen ist.

Schauplatz des Geschehens ist eine kleine Insel in den schwedischen Schären. 10 Jahre vor Beginn der aktuellen Geschichte verbrachten vier Freundinnen dort ein jährliches Mädels-Treffen, mit verstörendem Ausgang, die vier Freundinnen verschwinden spurlos und werden nie gefunden…nun – 10 Jahre später – will Anneliese auf der Insel ihren Jungesellinnen-Abschied feiern, zusammen mit ihren besten Freundinnen. Eine davon ist Tessa, eine Podcasterin deren Leben gerade in Scherben liegt und die sich fast besessen für True Crime interessiert und die das Verschwinden der vier Frauen nie losließ. Die Insel gehört inzwischen der Schwester einer der verschwundenen Frauen, sie will dort ein exklusives Yoga-Retreat für die Teilnehmerinnen der Bachelorette-Party veranstalten. Exklusiv vor allem, weil das neue Hotel auf der Insel eigentlich noch gar nicht eröffnet ist…

Was eigentlich ein entspanntes Achtsamkeits-Wochenende werden soll, erfüllt Tessa von Anfang an mit Unbehagen, denn irgendwas fühlt sich für sie nicht richtig an…

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und es hat meine Erwartungen definitiv erfüllt: die Atmosphäre auf der Insel ist beklemmend, die Thriller Handlung spannend und auch nicht ZU vorsehbar und das Buch wird nie langweilig. Kleinere Schwächen waren für mich lediglich, dass einige der Charaktere etwas blass bleiben und Tessa teilweise etwas hysterisch und kopflos reagiert (vor allem ironisch, da sie irgendwo im Buch mal die Theorie aufstellt, dass sie sich so intensiv mit True Crime beschäftigt hat, damit sie im Fall einer echten Gefahr auf alles vorbereitet ist, hat wohl eher nicht so gut geklappt).

Das Hörbuch ist mit etwas unter 9 Stunden eher kompakt und hört sich somit sehr gut, wenn man etwas Spannendes und Kurzweiliges hören möchte. Julia Nachtmann liest das Buch sehr dynamisch und lebendig und haucht vor allem der erzählenden Hauptfigur Tessa sehr viel Leben und Persönlichkeit ein. Für mich ein perfekter Urlaubs-Thriller. 

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Hörbuch-Tipp: „The Exes“ von Leodora Darlington

Den Thriller „The Exes“ von Leodora Darlington habe ich als Hörbuch gehört. Von dem Buch habe ich mir einen etwas außergewöhnlichen Roman versprochen, keine 08/15 Krimi- oder Thrillerkost. Diese Erwartung wurde auch durchaus erfüllt. Auch wenn ich das Buch vielleicht nicht unbedingt als Thriller einordnen würde, dafür passiert meines Erachtens vielleicht etwas zu wenig Aufregendes. Wenn dann passt auf jeden Fall eher das Genre des psychologischen Thrillers der leisen Töne. 

Natalie, die Hauptperson, ist mit James verheiratet, doch zu Beginn des Buches fängt die Ehe schon an zu bröckeln, denn James hat entdeckt, dass Natalies Ex-Freunden die Beziehung zu ihr in der Vergangenheit scheinbar nicht gut bekommen ist, denn ganze drei von ihnen sind tot. James Misstrauen ist geweckt und Natalie muss sich zusammen mit ihrer Therapeutin ihrer Vergangenheit stellen und alte Wunden wieder aufreissen. 

Dabei weiß man als Hörer:in nie so richtig wem man trauen kann, denn Natalie ist eine sogenannte unzuverlässige Erzählerin, so stellt sich durchgängig die Frage: kann man ihrer Einschätzung und Darstellung der Geschichte trauen? Kann sie sich selbst trauen? 

Insgesamt hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen, einziger Wermutstropfen für mich war, dass ein Charakter im Buch sich in seiner Rolle so unpassend verhält , dass mir irgendwie klar war, dass etwas mit dieser Person nicht stimmt, was einerseits etwas irritierend war und zweitens eine der Wendungen wenig überraschend ausfallen lies. 

Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus der Ich-Perspektive von Natalie, dieser weit größte Teil des Buches wird gelesen von Sandrine Mittelstädt. Außerdem gibt es gegen Ende kurze Sequenzen aus Sicht von anderen Personen, gelesen von Benito Bause und Viola Müller (die aufgrund der wenigen „Sendezeit“ nicht wirklich dazu kommen besonders aufzufallen, aber auf jeden Fall auch gut lesen). Insgesamt fand ich die Sprecher:innen alle sehr gut, wenn auch etwas kühl von der Ausstrahlung. 

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Hörbuch-Tipp: „Das Signal“ von Ursula Poznanski

Heute will ich ein absolutes Hörbuch-Highlight vorstellen: „Das Signal“ von Ursula Poznanski. Die Autorin ist schon seit Jahren eine meiner absoluten Favoritinnen im Bereich Thriller und Krimis für Jugendliche und Erwachsene, da ihre Bücher immer innovativ sind, gut geschrieben, spannend und das bei gleichbleibend hohem Niveau. In vielen ihrer Thriller spielen moderne Technologien und teilweise auch Science Fiction Elemente eine Rolle, so ist das durchaus bei „Das Signal“, wobei die Technologien hier etwas profaner und alltäglicher daher kommen als in manch anderen Romanen: Die Innenarchitektin Viola Decker findet sich nach einem Unfall schockiert im Krankenhaus wieder, beim Einsturz ihres Weinkellers wurde sie unter Schutt begraben und verlor ein Bein. Warum sie in dem bekannterweise unsicheren Gewölbe unterwegs war, weiß sie nicht mehr. Ihr Mann, ein im TV bekannter etwas windiger Meinungsforscher kümmert sich auf den ersten Blick wundervoll um Viola, doch sie traut seiner Fürsorge nicht ganz. Vor allem nachdem er ohne Absprache eine unnahbare Pflegerin für sie engagiert und sie aus Sicherheitsgründen ins Erdgeschoss ihres Hauses verbannt, während er selbst im Schlafzimmer im Obergeschoss schläft.

Da Viola nicht mobil ist, stattet sie ihren Mann (und mit der Zeit noch so einiges mehr) mit GPS-Trackern aus und wird immer süchtiger danach zu verfolgen wo er sich aufhält. Doch bald stellt sie fest, dass zu viel zu wissen auch unliebsame Überraschungen bedeuten kann. Und immer noch bleibt das Rätsel was an dem Tag als sie ihr Bein verlor eigentlich genau passiert ist…

Mir hat das Buch wirklich hervorragend gefallen. Die Charaktere sind alle interessant und was mein Highlight war: Viola ist von Anfang an nicht das typische Thriller-Opfer, dass versucht sich gegen einen gefährlichen Bösewicht zu verteidigen, sondern eine durchaus selbst moralisch ambivalente Person mit einem starken eigenen Willen. Dadurch machte mir dieser Thriller deutlich mehr Spaß als die typischen 08/15 Krimis.

Getoppt wird das sowieso schon gute Buch noch durch Tessa Mittelstädt (vielen Zuschauer:innen bekannt als langjährige Assistentin im Kölner Tatort) als Sprecherin, die einen der besten Hörbuch-Jobs macht, die ich bisher gehört habe. Sie bringt die Geschichte und auch die Hauptperson wirklich zum Leben, so dass ich mir keine perfektere Art und Weise vorstellen könnte, dieses Buch zu konsumieren. 

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Hörbuch-Tipp: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ von Christine Werner, Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek

Heute möchte ich ein ganz besonderes Kinder- und Jugend-Hörbuch (das aber absolut auch für Erwachsene genauso geeignet ist) vorstellen: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ von Christine Werner, Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek. Das Buch trägt den Untertitel „Neonazis haben unsere Väter ermordet“ und somit bekommt man schon eine Idee worum es geht: Gamze und Semiya sind die Töchter zweier der Männer, die von der rechtsextremen Terrorzelle NSU ermordet wurde. Die beiden lesen jeweils Vorwort und Nachwort des Hörbuches selbst, gelesen wird es sonst sehr sehr gut von Pegah Ferydoni, Aysima Ergün und Elisabeth Günther (letztere spricht Erklärtexte über die Ermittlungen und den anschließenden Gerichtsprozess die in die sonstige Hörbuchhandlungen Immer wieder erklärend eingebunden werden). 

Normalerweise höre ich bei Hörbüchern eher leichte Thriller und Krimis, da es mir schwer fällt mich auf komplexe Themen einzulassen, wenn ich nebenher Auto fahre oder andere Tätigkeiten ausführe. Allerdings dachte ich mir, da das Buch für Kinder und Jugendliche gedacht ist, wird die Erzählweise sicher zugänglich sein. Außerdem finde ich dass die NSU-Morde (und das damit zusammenhängende Staatsversagen) ein Thema sind das in Deutschland beschämend wenig Aufmerksamkeit bekommt. Die Opfer mussten jahrelang darum kämpfen überhaupt als unschuldige Opfer angesehen zu werden und Polizei und Behörden schlossen jahrelang aus, dass die Täter aus dem rechtsextremen Milieu stammen. Da heutzutage Rechtsextreme wieder erstarken und „konservative“ Politiker wieder primär damit beschäftigt sind rechtsextreme Gefahren klein zu reden ist so ein Buch wichtiger als je zuvor.

Und das Buch ist wirklich großartig. Gamze und Semiya erzählen aus ihrer Sicht wie die Morde an ihren Vätern ihr ganzes Leben aus den Bahnen warf, nicht nur wurden ihre geliebten Väter kaltblütig ermordet, noch dazu wurden ihre Familien unter den Verdacht gestellt, selbst irgendwelche kriminellen Verbindungen zu haben und die Aufklärung dauerte Jahre, nur um in einen extrem belastenden und unbefriedigenden Prozess zu münden. 

Natürlich ist das kein Buch zum Wohlfühlen, die Geschehnisse machen auch unheimlich wütend, trotzdem ist es kein hoffnungsloses Buch, zu viel Stärke strahlen die beiden Frauen aus. Ich finde das Buch sollte Pflichtlektüre in Schulen sein, ich habe selbst noch viel über die Geschehnisse damals gelernt, das ich noch nicht wusste. Auch wird das Hörbuch sehr lebendig rübergebracht und exzellent gelesen. Hundertprozentige Lese- oder Hörempfehlung 

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Hörbuch-Tipp: „Death at Morning House“ von Maureen Johnson

„Death at Morning House“ von Maureen Johnson ist ein Mystery-Krimi für Jugendliche, der mich in jeder Hinsicht überrascht und überzeugt hat. Ich habe ihn als Hörbuch gehört, das sehr kompetent und angenehm von Katja Körber gelesen wird.

Im Mittelpunkt des Buches steht Marlowe Wexler, ein queerer Teenager. Marlowe hat einen Crush auf ihre Mitschülerin Akilah. Bei einem Date versucht sie Akilah mit einem romantischen Candlelight-Dinner zu beeindrucken, brennt dabei aber leider versehentlich das Cottage von Bekannten ab, in dem sie für diese in deren Abwesenheit als Ferienjob nach dem Rechten geschaut hat. Nach diesem Faux-Pax ist es mit der Romantik erstmal vorbei und Marlowe wird um der deprimierenden Realität zu entkommen ein Ferienjob als Tourguide im Morning House angeboten. Dabei handelt es sich um ein altes Anwesen auf einer Insel nahe der Grenze zu Kanada, das in den 1930er Jahren von dem fragwürdigen Arzt Dr. Ralston (mit einer Besessenheit für Eugenik und einem gesunden Lebensstil) und seinen (Adoptiv)kindern bewohnt wurde , bis zu dem Tag als unter tragischen Umständen zwei der Kinder zu Tode kamen. 

Als Marlowe bei ihrem Job ankommt und die anderen jugendlichen Tour-Guides kennen lernt, merkt sie schnell, dass es dort so einiges an Spannungen und Geheimnissen in Gegenwart und Vergangenheit zu entdecken gibt. Und dann kommt es auch noch zu einem mysteriösen Verschwinden…

Das Buch hat mir wirklich hervorragend gefallen, aus den folgenden Gründen: für einen Jugend-Krimi (und um ehrlich zu sein auch im Vergleich zu vielen Krimis für Erwachsene) ist das Buch unheimlich vielschichtig, es gibt zwei Erzählebenen die sich abwechseln, erstens Marlowes Erlebnisse in der Gegenwart und die Geschehnisse um die Familie Ralston in den 1930er Jahren. Beide Handlungsstränge sind interessant und am Ende gelingt es der Autorin auch beides glaubwürdig miteinander zu verbinden. Die Charaktere sind zahlreich aber trotzdem auch überwiegend sehr gut ausgearbeitet und der Stil ist unheimlich charmant, mit viel Humor und einer sympathischen und etwas vom Pech verfolgten „Heldin wieder Willen“. Definitiv ein großes Lese- oder Hörvergnügen.

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Hörbuch-Tipp: „Konfetti Blues“ von Lutz van der Horst

„Konfetti Blues“ ist der erste Roman von Comedian Lutz van der Horst, den ich als Hörbuch (vom Autor selbst gelesen) gehört habe. Laut Untertitel handelt es sich bei dem Buch um einen Liebesroman, bei dem aber natürlich der Humor und auch das Thema Comedy nicht zu kurz kommt. Held der Geschichte ist der bisexuelle Max, der versucht eine Karriere als Comedian zu starten, aber bisher nur „lustige“ Pannenvideos (die Sorte wo Kinder ausrutschen und in eine Pfütze fallen) mit genauso „lustigen“ Texten versehen darf. An seiner Karriere als Stand-Up Comedian arbeitet er bisher eher erfolglos und seine erste TV-Sendung lief nur noch nach Mitternacht und wurde nach 3 Folgen aus ihm nicht bekannten Gründen direkt wieder abgesetzt. 

Während es im Berufsleben also nicht läuft, sieht es privat nicht viel besser aus. Zwar erblickt Max  bei einer wilden Partynacht Yuma, den (scheinbaren) Mann seiner Träume, doch der weist nach einem One Night Stand plötzlich ein sehr abweisendes Verhalten auf und auch Max’ Outing bei seinen Eltern verläuft eher katastrophal. 

So stolpert Max auf der Suche nach beruflichem und privaten Erfolg durch sein Leben, doch sucht er vielleicht an den falschen Stellen nach seinem Liebesglück?

Mit gut 7 Stunden Hörzeit ist das Hörbuch gut für zwischendurch geeignet, Lutz van der Horst liest gut und engagiert, so dass mir das Hörbuch sehr viel Spaß gemacht hat. Auch wenn die Liebesgeschichte vielleicht etwas vorhersehbar ist, hat mir die Mischung aus Liebesgeschichte und skurrilem Humor gut gefallen. 

Max als Hauptperson ist charmant, aber hat gleichzeitig auch Ecken und Kanten, genau wie die anderen Charaktere im Buch, was es für mich sehr lebensecht gemacht hat. 

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Hörbuch-Tipp: „Totholz“ von Andreas Föhr

Die Regionalkrimi-Reihe von Andreas Föhr rund um Kommissar Wallner und den ausgesprochen exzentrischen Wachtmeister Kreuthner gehört schon lange zu meinen Lieblingsreihen. Bisher habe ich aber alle Bücher gelesen, „Totholz“ ist mein erstes Hörbuch. Das war auf jeden Fall eine gute Idee, denn der Sprecher Michael Schwarzmaier macht auf jeden Fall einen super Job und liest auch die Charaktere hervorragend mit authentischem Dialekt.
Wer die Reihe kennt, wird bekommen was er erwartet: viel Humor, einige skurrile Situationen, einen Polizisten mit einer sehr frei ausgelegten Vorstellung von Recht und Gesetz, etwas Privatleben und viele familiäre Verflechtungen. So beginnt das Buch gleich damit, dass Kreuthner gemeinsam mit Wallners Opa Manfred versucht einer konkurrierende Schwarzbrennerin eine Lektion zu erteilen. Diese nächtliche Aktion verläuft aber etwas explosiver als sich Kreuthner vorgestellt hatte und setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die dann sogar zur Entdeckung einer Leiche führen.

Fortan versuchen Wallner und Kreuthner rauszufinden, wer der Tote ist und wer Grund hatte ihn zu ermorden. Doch auch diverse andere Handlungsstränge halten die Polizisten auf Trab. Ich muss zugeben, dass der Kriminalfall in dem Band nicht zu meinen Favoriten gehörte, etwas verworren und überladen waren die Handlungstränge. Insgesamt fand ich den Band aber trotzdem unterhaltsam zu hören, hoffe aber dass der nächste Band vielleicht einen etwas strafferen Fall anzubieten hat.

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Hörbuch-Tipp: „You’d Be Home Now“ von Kathleen Glasgow

„You’d Be Home Now“ von Kathleen Glasgow ist ein Young Adult Roman dessen zentrales Thema etwas ernsthafter und dramatischer ist als es sonst oft der Fall ist. Schon das Cover – verziert mit einigen Pillen – lässt erraten worum es geht: Drogensucht bei Teenagern und die generelle Drogen-/Opiodkrise in den USA (deren Ausmaße für uns in Deutschland trotz vieler Filme und Berichte darüber finde ich immer noch schwer vorstellbar ist).
Hauptperson des Buches ist die Jugendliche Emory, die in ihrer Familie nach eigenem Gefühl ein Schattendasein führt. Ihre ältere Schwester Maddie ist schön, erfolgreich und selbstbewusst. Ihr Bruder Joey dagegen ist das Schwarze Schaf der Familie: drogensüchtig und am Anfang des Buches gerade in der Entzugsklinik gelandet, nachdem sein ebenfalls drogensüchtiger Freund Luther einen Autounfall verursacht hat, bei dem Emory sich schwer am Knie verletzte und eine andere Schulkameradin sogar ums Leben kam.
Emory fällt in ihrer Familie weder positiv noch negativ besonders auf und fühlt sich in ihrer Familie deswegen nicht wohl, auch die super kritische und extrem kontrollierende Mutter (die ihren Kindern sogar den Umgang mit Freunden verbietet oder erlaubt) macht das Familienleben nicht gerade angenehm. Emorys Rebellionen geschehen ganz heimlich, ansonsten hat sie es sich zur Aufgabe gemacht die Auswirkungen der Suchtprobleme ihres Bruders möglichst erfolgreich zu vertuschen, auch wenn sie alles damit natürlich nur noch schlimmer macht…

Die Geschichte wird in der Ich-Form aus Sicht von Emory erzählt und beim Hörbuch sehr gut und für eine Teenagerstimme glaubwürdig und sympathisch von Nora Schulte gelesen. Generell höre ich am Liebsten Hörbücher die sehr dynamisch sind und viele Dialoge enthalten, aber Nora Schulte hat es geschafft, dass mich auch dieses aus Sicht einer Person erzählte Hörbuch durchgehend gefesselt hat.

Das Buch an sich hat mir auch gut gefallen. Joeys Drogensucht und die Auswirkungen auf seine Familie wird soweit ich es beurteilen kann realistisch und nicht romantisiert erzählt und das Buch hebt sich von den typischen Young Adult Roman durch seine Thematik ab. Kleinere Schwächen gab es aus meiner Sicht auch: handlungstechnisch passiert in dem Roman gar nicht sooo viel, dafür werden viele verschiedene Teenie-Themen aufgegriffen, das wirkt vielleicht minimal überladen. Trotzdem hat mir das Buch wirklich gut gefallen und wer sich an das Thema heranwagen will, erhält auf jeden Fall ein sehr gelungenes Hörbuch.

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Hörbuch-Tipp: „Die Burg“ von Ursula Poznanski

„Die Burg“ von Ursula Poznanski habe ich mir als Hörbuch rausgesucht, da ich einen leichten, aber unterhaltsamen Thriller haben wollte, der nicht zu blutig ist und aus meiner Erfahrung mit Ursula Poznanskis Büchern war ich zuversichtlich das all das auf „Die Burg“ zutrifft. Meine Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht: das Trendthema „KI“ wurde unterhaltsam in Szene gesetzt (ob alles davon realistisch ist, ist bei einem Thriller ja nicht wirklich wichtig). Auch Fans von Escape Rooms und Escape Room Spielen sollten mit dem Buch voll auf ihre Kosten kommen: der exzentrische Millinär Nevio (der sofort an jemanden wie Elon Musk erinnert) hat eine alte Burg komplett in ein KI-gesteuertes Escape Room Adventure umgebaut. Vor der Eröffnung hat er eine gemischte Runde von Personen eingeladen, um die Anlage auf Herz und Nieren zu testen: darunter Maxim, den Besitzer einiger traditioneller Escape Rooms, Professor Melerski, der die historische Umsetzung der Burg-Escape Rooms bewerten soll und Yvonne, Influencerin, die natürlich kräftig die Werbetrommel rühren soll. Dazu kommen noch Emil, ein ehemaliger Top-Athlet und Petra, die die Teilnahme bei einem Gewinnspiel gewonnen hat. Doch während alle ein harmloses spannendes Wochenende erwarten, hat die KI andere Pläne…

Während des Hörens war ich mir nicht zu 100% sicher, ob es sich bei „Die Burg“ um einen Thriller für Erwachsene oder Jugendliche handelt (da Poznanski ja auch viele Jugendthriller schreibt). Da auf blutige Details weitgehend verzichtet wurde, würde ich sagen, dass das Buch sich an der Grenze bewegt. Für Fans von wirklich brutalen Thrillern ist das Buch also vermutlich nichts, aber für mich war es genau das Richtige. Ein paar Kleinigkeiten kann man sicherlich bemängeln, die Charakterentwicklung bleibt teilweise etwas auf der Strecke (vor allem bei den Mitarbeitern) und manchmal benehmen sich die Charaktere etwas sehr blauäugig (so stellen die Mitarbeiter bestimmt 2x fest, dass sie sich wohl nicht lautstark vor der „mitlauschenden“ KI unterhalten sollten, damit diese nichts von ihren Plänen erfährt, kommen aber trotzdem das ganze Buch lang nicht auf die Idee sich darauf zu einigen das eben tatsächlich nicht mehr zu tun). Das Hören der Geschichte macht aber einfach Spaß, was einen über kleine Schwächen großzügig hinwegsehen lässt.

Der Sprecher Rainer Strecker hat mich bei dem Buch zu 100% überzeugt. Er liest lebendig und mit einer zur Story passenden Art und Weise, die das ganze Hörbuch fast wie ein Hörspiel wirken lässt. Das passt hervorragend zu dem dynamischen und spielerischen Ansatz des Buches.

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Hörbuch-Tipp: „Eine Idee von Mord“ von Anne Holt

„Eine Idee von Mord“ von Anne Holt ist schon der 3. Krimi in der Reihe rund um die eigenwillige Ermittlerin Selma Falck. Da ich schon die ersten beiden Teile als Hörbuch gehört habe und wissen wollen wie es mit Selma weiter geht, habe ich mich auch beim dritten Band für das Hörbuch entschieden.

Zum Buch: gerade hat sich Selma Falck von den lebensbedrohenden Strapazen ihres letzten Falles erholt, schon scheint sie wieder zur Zielscheibe zu werden. Während sie mit 2 Freundinnen in einem Cafe sitzt, wird sie von einem Streifschuss an der Schulter getroffen, dieser tötet ihre Freundin Linda, die neben ihr saß. Diese ist Parlamentsabgeordnete und nicht nur Selma fragt sich: war sie das eigentliche Ziel des Attentats oder sollte es tatsächlich Linda treffen? Doch als bald darauf noch andere Morde geschehen, wird schnell klar, dass dieser Fall deutlich komplexer und undurchsichtiger ist als zunächst angenommen.

Insgesamt hat mir auch dieser Band wieder gefallen und da mir die Hauptcharaktere, vor allem Selma und ihr Bekannter Einar trotz oder wegen der zahlreichen Ecken und Kanten ans Herz gewachsen sind, werde ich bei der Reihe sicherlich dabei bleiben. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich den Fall diesmal etwas langatmig fand, was meiner Meinung auch daran lag, dass neben dem Journalisten Lars Winter noch weitere Charaktere hinzu kamen, die scheinbar ähnliche Funktionen im Buch ausführten und dadurch etwas austauschbar wirkten. Trotzdem wieder ein kreativer und vielschichtiger Krimi.

Gelesen wird das Buch wie immer von Katja Bürkle, die einen guten Job macht, vor allem gefällt mir wie sehr sich die verschiedenen gelesenen Charaktere voneinander unterscheiden und dass auch die Männerstimmen von ihr immer authentisch und glaubwürdig klingen. Ein wenig mehr Dynamik würde mir eventuell trotzdem sogar noch etwas besser gefallen, allerdings liegt die fehlende Dynamik vermutlich weniger an der Sprecherin, sondern mehr daran, dass die  Selma Falck Krimis von Anne Holt generell sehr ausufernd geschrieben sind. Etwas mehr straffen könnte man die Bücher meiner Meinung nach, ohne dass Qualität verloren ginge.