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Buch-Tipp: „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tolkien

Jedes Jahr suche ich mir ein Buch von der Longlist des Deutschen Buchpreises zum Lesen aus. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tolkien hat es zwar nicht auf die Shortlist geschafft, war aber definitiv eine gute Wahl. Bei dem Debütroman der Autorin handelt es sich um ein weiteres Werk aus dem aktuell sehr beliebten Genre der autofiktionalen Erzählungen: Die Protagonistin Lale hat keinen guten Start ins Leben. Ihre Mutter hat ein Drogenproblem und Lale kommt schon auf Entzug und zu früh ins Leben. Als ihre Mutter ihr als Kleinkind auch noch versehentlich Zugang zu Drogen gewährt, wird Lale ihrer Mutter weggenommen und landet einige Zeit später bei Freunden ihres Vaters in einer Berliner Männer-WG, in die später ihr leiblicher Vater auch einzieht. Dort geht es auch ziemlich wild zu und nicht alle der dort lebenden Männer haben Lales Wohl im Sinn. Obwohl es immer wieder Menschen in Lales Leben gibt die sich einigermaßen kümmern fehlen Schutz und Vertrauen…

Das Buch schildert Lales Aufwachsen bis ins Erwachsenenleben, mit einer nüchternen und direkten Sprache und ich persönlich fand das Buch trotz der teilweise sehr schweren Themen nicht übermäßig düster oder bedrückend, vielleicht liegt es an der etwas distanzierten Erzählweise, die ich aber trotzdem sehr feinfühlig und bewegend fand. Lale ist ein Mensch mit dem man sich absolut identifizieren und mitfühlen kann, ihre Suche nach Stabilität und sich selbst wird toll geschildert und auch die schwierigen Verhältnisse und das Fehlverhalten der Erwachsenen wird ungeschönt, aber nie verurteilend beschrieben. Insgesamt ein sehr besonderer und lesenswerter Roman.

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Buch-Tipp: „Lila Wolken im Kopf“ von Alicia Zett

„Lila Wolken im Kopf“ von Alicia Zett ist bereits jetzt eines meiner Lese-Highlights von 2026. Das Buch wiederum ist nicht ganz neu, sondern eine überarbeitete und modernisierte Neuauflage von Alicia Zetts Debütroman „Traumtänzerin“, der damals im Self-Publishing erschienen ist. Da ich den Ursprungsroman aber nicht kenne, war der romantische Jugendroman komplett neu für mich.

Charlie, die Protagonistin des Buches steht kurz vor dem Abitur und versucht die letzten Woche an der Schule hinter sich zu bringen. Zwar hat sie an der Schule zwei sehr enge Freunde, doch in letzter Zeit stürzt gerade das sie ins Gefühlchaos, denn sie ist verliebt in ihre beste Freundin Mia, die davon rein gar nichts weiß und selbst in einen Mitschüler verliebt ist. Als Mia tatsächlich mit diesem zusammen kommt, ist Charlie am Boden zerstört und nimmt zunächst gar nicht wahr, dass Victoria, eine der beliebten Mädchen der Schule , die sonst nur gemeine Kommentare für Charlie übrig haben, plötzlich erstaunlich nett zu ihr ist…

Das Buch behandelt so einige Probleme, Charlie kommt aus einem nicht ganz einfachen Elternhaus, vor ihrem Vater hat sie Angst und auch gegenüber ihrer Mutter kann sie sich ein Coming Out nicht vorstellen. Trotzdem bleibt das Buch sehr leicht und locker und mich hat der mitreißende Schreibstil von Alicia Zett einfach total abgeholt, es macht einfach richtig Spaß mit Charlie mitzufiebern und ich finde das Buch ist absolut auch für erwachsene Leser:innen geeignet, auch wenn die Themen Erste Liebe, familiäre Konflikte und Freundschaft natürlich primär Teenager ansprechen sollen. Ich lese aber gerade im Romance Bereich besonders gerne Young Adult Romane, da ich bei diesem Thema in diesem Genre irgendwie mehr Leichtigkeit und Intensität wahr nehme, vielleicht die Magie der ersten Liebe 😉

Auch die Unsicherheiten die Charlie wegen der Entdeckung ihrer sexuellen Orientierung erlebt sind absolut glaubwürdig und sensibel geschildert, so dass das Buch durch Ernsthaftigkeit auf der einen Seite und viel Humor und Romantik auf der anderen Seite überzeugt. 

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Buch-Tipp: „Das Knistern im All“ von Stefan Lohse

„Das Knistern im All“ von Stefan Lohse ist ein Coming of Age Roman an dem mich auf den ersten Blick das etwas ungewöhnlich gezeichnete Cover angesprochen hat. Im Mittelpunkt des Buches steht Matti, ein privilegierter Teenager aus reichem Hause, der mit seiner psychischen Gesundheit und der Beziehung zu seinen Eltern zu kämpfen hat. Während einer Klassenfahrt hat er Aussetzer an die er sich hinterher nicht mehr erinnern kann und meint am Strand einen Impala zu sehen. Trotz dieser Probleme und eines späteren Klinikaufenthalts kann sich Matti auf seine Freunde verlassen und muss auch noch herausfinden wer seiner Freunde für ihn vielleicht sogar etwas mehr bedeutet…

Der mit 166 Seiten sehr kurz gehaltene Roman hat eher leise Töne zu bieten und ist trotz des nicht ganz leichten Themas trotzdem stellenweise auch sehr lustig und charmant, besonders gut gefallen hat mir die heterogene Klassengemeinschaft und Mattis Freundeskreis, sowie die Entwicklung von Mattis Beziehung zu seiner Mutter.

Trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, dass manche Themen des Buches es verdient gehabt hätten, etwas mehr herausgearbeitet zu werden. Aber auf jeden Fall ein berührender Roman, der zum Nachdenken anregt.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Teufelsring“ von Frida Skybäck

„Teufelsring“ von Frida Skybäck ist der 4. Teil der schwedischen Krimireihe rund um die Polizistin Fredrika Storm. Ich habe die ersten Bücher der Reihe gelesen und den 4. Teil nun erstmals als Hörbuch gehört, sehr gut gelesen von Tanja Geke, die es schafft sowohl Frauen- als auch Männerstimmen der zahlreichen Charaktere im Buch unterschiedlich und sehr lebensecht zu lesen, ein echter Pluspunkt fürs Hörbuch.

Aber auch der Fall kann überzeugen: vielschichtig, komplex und interessant. Am Anfang des Buches macht eine urlaubende Familie eine schreckliche Entdeckung: ein junger Mann liegt erschlagen in einem Feld.

Es stellt sich heraus, dass Matthias Lindquist der Sohn einer Frau war, die vor 15 Jahren ebenfalls erschlagen wurde und der Täter wurde damals nie gefunden. Hängen die beiden Fälle etwa zusammen? 

Das Buch bietet eine gelungene Mischung aus Ermittlungskrimi, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und der Weiterentwicklung der persönlichen Geschichten der beiden Ermittler Frida und Henry. Den Mix aus Krimi und Privatleben der Ermittler finde ich dabei ausgewogen. Der Krimi hat mir auch richtig gut gefallen, mit dem kleinen Wermutstropfen, dass ich als erfahrene Krimi-Leserin den Täter/die Täterin trotz komplexer Handlungsstränge früh korrekt erraten habe. Meinem Hörspaß hat das aber keinen Abbruch getan und ich werde der Reihe auf jeden Fall treu bleiben. 

Bücher

Buch-Tipp: „The Spotlight“ von Nicola Martin

„The Spotlight“ von Nicola Martin ist ein unterhaltsamer Krimi/Thriller aus dem Showbiz-Milieu. Kirby – die Hauptperson –  war früher Drummerin einer kurzzeitig erfolgreichen Girlband. Diese brach auseinander als Hailey – ein Bandmitglied – unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, gerade als die Band versuchte ihr neues Album aufzunehmen. Kirby, die damals schon mit einem Drogenproblem kämpfte und kurzzeitig sogar im Gefängnis landete hat sich Jahre später wieder einigermaßen aufgerappelt und arbeitet auf einem alternativen Outdoor Campingplatz. Doch so ganz kann Kirby die Zeit im Rampenlicht nicht vergessen und als Alice, die damals dritte in der Girlband (die heute unter dem Künstlernamen Silver zu einer Art Taylor Swift der Popwelt im Roman aufgestiegen ist) ihr die Möglichkeit zu einem Vorspielen für ihre anstehende Welttournee bietet, greift Kirby zu und befindet sich bald in die Welt des Showbiz zurückkatapultiert.

Doch zwischen Tourneen und Fan-Hate (hartnäckig hält sich unter Fans das Gerücht, dass Kirby Hailey damals ermordet hat) stellt Kirby bald fest, dass auf Tour so einige verstörende Dinge passieren, die ihre Erinnerungen zurück in die Zeit lenken als Hailey ums Leben kam – genau wie Hailey damals scheint Silver heute auf Tour von einem Stalker verfolgt zu werden. 

Also beginnt Kirby in Gegenwart und Vergangenheit zu wühlen…

Das Buch hat mir gut gefallen, Kirby ist eine unterhaltsame Anti-Heldin mit Ecken und Kanten, das Tourleben und die Musikszene wird sehr glaubwürdig geschildert und macht Spaß, vor allem wenn man selbst gerne auf Konzerte geht. Die Wendungen in der Thriller-Handlung fand ich manchmal etwas dick aufgetragen und sprunghaft, aber insgesamt wirklich gute Unterhaltung.

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Buch-Tipp: „Frieda“ von Geraldine Oetken

„Frieda“ von Geraldine Oetken ist ein leises und trauriges Buch, das dazu passend mit einem ruhigen und wie ich finde sehr schönen Cover ausgestattet wurde. Das Buch wurde geschrieben von Geraldine Oetken, die aus einer Oldenburger Unternehmerfamilie stammt. Im Mittelpunkt des Buches steht Frieda, Geraldines Urgroßtante, über die sie nur sehr wenig weiß: angeblich sei sie ihm Alter von 5 Jahren auf den Kopf gefallen. Sie starb 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung. Mit diesem mageren Rahmen legt Geraldine los, sie möchte mehr erfahren: was widerfuhr ihrer Urgroßtante im unmenschlichen System der Nazis in dem ihr Leben als minderwertig und „lebensunwert“ angesehen wurde. Sie möchte aber auch herausfinden warum es in ihrer Familie so wenig über Frieda zu erzählen gibt und warum die Firma der Familie während der NS-Zeit in der kollektiven Erinnerung quasi nicht zu existieren scheint. An welche Dinge möchte man sich nicht erinnern?

Entsprechend sind die Themen des Buches natürlich sehr schwer, es geht um Euthanasie und Hungermorde, um das unmenschliche System der Nazis und darüber wie die Gesellschaft weggeschaut hat, aber auch darüber wie noch heute versucht wird Aufarbeitungen im Wege zu stehen. 

Der Stil des Buches ist dabei sehr persönlich, denn Geraldine Oetken spricht ihre Tante Frieda oft direkt mit Du an, so wird eine Nähe geschaffen, obwohl Frieda ihre Verwandte natürlich nicht wirklich kannte und auch Schwierigkeiten hat überhaupt noch konkrete Spuren ihres Lebens zu finden. Und auch wenn über Friedas Leben wenig bekannt ist, lernt man um so mehr über den Rechercheprozess der Autorin und was das mit ihr persönlich macht und um so mehr über die grausame Realität in Heimen für Behinderte und psychische Kranke während der NS-Zeit. 

Ein sehr wichtiges Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte, auch um sich notwendigerweise bewusst zu machen wie nahe unter der Oberfläche auch heute schon wieder die Unmenschlichkeit lauert, die unser ganzes Land schon einmal ins Verderben gerissen hat und wie wir alle dazu beitragen, das solche Dinge geschehen können. 

Bücher

Krimi-Tipp: „Ein unglücklicher Tod“ von Peter Grainger

„Ein unglücklicher Tod“ von Peter Grainger ist der erste Teil einer britischen Krimireihe, die nicht komplett neu ist, sondern im englischsprachigen Raum schon 2013 im Selbstverlag erschienen ist und wohl sehr erfolgreich war (was man auch daran sieht, dass es 17 Bände gibt). Nun ist also der erste Band im Diogenes Verlag und auf deutsch erschienen und ich kann direkt sagen, dass das Buch tatsächlich sehr überzeugen kann, denn der Kommissar, DC Smith, ein älterer etwas bodenständiger aber trotzdem geheimnisvoller Veteran weckt sofort die Sympathie der Leser:innen und der junge Polizei-Assistent, der DC Smith zugeteilt wird bietet einen passenden Kontrast dazu. Am Anfang des Buches erfährt man, dass DC Smith nach einer schief gegangenen Ermittlung zurück im Dienst ist (nicht unbedingt zur Begeisterung seiner Vorgesetzten, die nichts dagegen gehabt hätten wenn er in Rente geht) und erst mal die Ermittlungen in einem auf den ersten Blick ziemlich harmlos erscheinenden Badeunfall abschließen soll: ein Teenager ist nach einer feucht fröhlichen Party am Fluss ertrunken. Doch nach Gesprächen mit Zeugen und dem Autopsiebericht hat Smith das Gefühl, dass an dem Tod des Jugendlichen etwas faul ist. 

Der Schreibstil des Buches ist ruhig und verfügt über einen leisen Humor, genauso ist das Buch zwar kurz, aber trotzdem entwickelt der Kriminalfall sich erstaunlich tiefgründig und außergewöhnlich. Mir gefiel auch, das viele Dinge irgendwie zwischen den Zeilen stehen, es einem aber trotzdem immer klar ist worauf die Geschichte hinaus läuft. 

Fast verwunderlich, dass es so lange gedauert ist, bis die Reihe im Deutschen Markt erscheint. Ich freue mich schon auf weitere Bände der Reihe.

Bücher

Buch-Tipp: „Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm

„Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm ist eines der beiden Bücher, die ich mir thematisch zur Pride Month im Juni herausgesucht habe. Es ist im Selbstverlag erschienen und ist ein biografisch geprägter Roman über Johannes, der beim Besuch einer Vorstellung der „Rocky Horror Show“ in München über die er als Journalist eine Kritik schreiben soll, direkt in seineJugend im provinziellen Bayern zurück katapultiert wird und sich plötzlich mit seinem Aufwachsen als Kind und Teenager, der nicht „richtig reinpasst“, mit seinem eher distanzierten Verhältnis zu den eigenen Eltern und seinen wehmütigen Erinnerungen an die inzwischen verstorbenen Großeltern beschäftigen muss.

Mich hat das Buch extrem positiv überrascht und abgeholt, denn nur selten habe ich eine Geschichte, die aus Sicht eines Kindes erzählt wird, so authentisch und glaubwürdig wahr genommen. Man ist als Leser:in direkt selbst wieder 8,9 oder 10 Jahre alt und denkt und fühlt wie ein Kind. Dadurch wächst einem der junge Johannes sofort ans Herz und man ist mitten drin in der Geschichte. Auch sprachlich ist das Buch extrem stark. Im Lektorat gab es 2-3 Fehler, was ich für ein Buch im Selbstverlag aber völlig im Rahmen finde (zumal man heutzutage leider auch in professionell lektorierten Büchern von großen Verlagen derartiges vorfindet).

Toll fand ich, dass der Protagonist Johannes ein ähnlicher Jahrgang ist wie ich selbst, weswegen viele seiner Kindheitserinnerungen bei mir direkt nostalgische Gefühle wecken (allein die Bedeutung von Masters of the Universe Action Figuren für Kinder in den 80ern…), so dass ich mich mit vielen seiner Erlebnisse identifizieren konnte.

Ein absoluter Lese-Tipp für jeden der gerne berührende Coming-of-Age Bücher liest. Die Rocky Horror Show zu kennen und zu mögen ist ein weiterer Pluspunkt, aber absolut nicht nötig um Spaß an dem Buch zu haben. 

Bücher, gesellschaft

Buch-Tipp: „Wolfgang Grupp“ von Volker ter Haseborg

Das Buch das ich heute vorstelle, gehört nicht wirklich zu meinen typischen Genres, lese ich doch eher selten bis nie Biografien aus dem Bereich Wirtschaft. Das Buch von Volker ter Haseborg über Wolfgang Grupp hat aber meine Neugierde geweckt, da es sich bei trigema um ein Unternehmen aus Baden-Württemberg handelt und Wolfgang Grupp sicher eine einmalige polarisierende Person in der Deutschen Wirtschaftslandschaft darstellt. Und ich kann gleich eingangs sagen: das Buch ist richtig gut! Was vor allem an der hervorragenden journalistischen Arbeit von Volker der Haseborg liegt, der nicht nur mit Wolfgang Grupp sprach, sondern auch mit dessen Familie, trigema Mitarbeitern und diversen Weggefährten und was für mich am Positivsten war: das Buch betreibt keine Hofberichterstattung, sondern ist durchaus auch kritisch was Grupps Ansichten und Verhaltensweisen angeht. Dabei liest sich das Buch auch noch super spannend und kurzweilig und ich fand neben der Lebensgeschichte von Grupp und der Geschichte des Unternehmens trigema  die Einblicke in das (in heutigen Zeiten sicher einzigartige) wirtschaftliche Konzept von trigema unheimlich interessant. Es wird sicher spannend sein zu sehen, ob Grupps Kinder es langfristig schaffen werden das Unternehmen auch weiterhin erfolgreich zu führen, während sie ihm ihren eigenen Stempel aufdrücken. Ich wünsche es Ihnen auf jeden Fall, denn 

Bonita Grupp und Wolfgang Grupp Jr. fand ich auch von ihren Aussagen im Buch und aus Interviews beide sehr sympathisch.

Toll fand ich auch das Kapitel über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von trigema, die primär auf Wunsch der Kinder und Ehefrau von Wolfgang Grupp durchgeführt wurde, der damit zwar einverstanden war, aber sehr damit zu kämpfen hatte seinen Großvater nicht völlig uneingeschränkt verehren zu können. 

Wolfgang Grupp bleibt sicher ein schwieriger und ambivalenter Charakter (mit in manchen Dingen  – vor allem Ukrainekrieg – für mich fragwürdigen politischen Ansichten, die im Buch auch durchaus kritisch angesprochen werden), dessen Lebensleistung man aber sicher anerkennen muss (genauso wie dass er wollte dass eine Biografie über ihn geschrieben wird, die auch kritisieren darf, die Größe dies zuzulassen haben wohl die Wenigsten). Durch die Thematisierung des Selbstmordversuchs (der während der Interviewphase des Buches passierte und auch den Autor sehr schockierte) wird Grupp aber auch menschlicher. Für mich steht er auch nach der Lektüre für eine bestimmte Generation (schwäbischer) Mann, der sich ganz durch seine Arbeit und das „gebraucht werden“ definiert und der nie gelernt hat auf eine andere Art und Weise Selbstwert und Sinn zu finden. Von dem her bietet das Buch alles: eine interessante Unternehmensgeschichte, so einiges Skurriles, Trauriges und Menschliches und Einblicke in wirtschaftliche und politische Problematiken vor denen natürliches auch andere Unternehmen in Deutschland stehen. 

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Komm spielen“ von Linwood Barclay

„Komm spielen“ von Linwood Barclay ist ein Mystery-Thriller den ich als Hörbuch gehört habe und der jetzt schon eines meiner Hörbuch- und Lese-Highlights von 2026 ist. Ich war anfangs etwas skeptisch, da ich nicht sicher war ob das Buch eher dem Genre Horror oder Thriller zuzuordnen ist und ich etwas Sorge hatte, dass es mir zu gruselig sein könnte. Aber zum Glück steht in dem Buch die Geschichte im Vordergrund und nicht der Versuch Schockmomente zu erzeugen. Gruselig ist die Geschichte aber natürlich trotzdem, aber eher auf leisen Füßen. Sie wird abwechselnd auf zwei Ebenen erzählt: die Kinderbuch-Schriftstellerin Annie zieht mit ihrem Sohn Charlie nach zwei schlimmen Schicksalsschlägen über den Sommer aus New York in ein Sommerhaus auf dem Land. Nach einer Krise hat sie aufgehört zu schreiben und erhofft sich einen Neuanfang. Doch bald merkt sie, dass in dem Sommerhaus etwas so ganz und gar nicht stimmt…

In der Kleinstadt Lucknow steht Harry, der Polizeichef, unter Druck. Irgendwas stimmt in der Stadt nicht, zwei Männer werden vermisst, es ereignen sich merkwürdige Vorkommnisse und seit wann gibt es eigentlich diesen neuen Laden in der Innenstadt, der Modelleisenbahnen verkauft?

Erst gegen Ende des Buches erfährt man als Leser:in wie die beiden Handlungsstränge zusammen hängen, die Auflösung hat mich völlig überzeugt und war auch nicht allzu einfach zu erraten. 

Für mich ist die große Stärke des Buches die liebevolle Entwicklung der Charaktere und der Kleinstädte in denen sich alles abspielt. Es erinnert mich an Romane von Stephen King, ein Buch dem man anmerkt, dass dem Autor die Geschichte und die Charaktere wirklich wichtig sind.

Gelesen wurde das Buch von Anne Düe, die das Buch eher unaufgeregt, aber trotzdem animiert und eingängig liest, mir hat es sehr gut gefallen, dass sie nicht versucht hat das Buch irgendwie reißerisch zu präsentieren.