Allgemein, Fitness, yoga

Yez Yoga Festival in Stuttgart – Ein Tag voller Yoga

Heute geht es zur Abwechslung mal wieder nicht um Bücher. Denn ich möchte von einem tollen (noch relativen neuen) Event für Yogafreunde in Stuttgart erzählen, dem Yez Yoga Festival. Das Yoga Festival fand dieses Jahr schon zum 2. Mal statt und wird organisiert von dem Fußballer und Ex-Bundesliga-Spieler Timo Hildebrand, sowie dem Stuttgarter Yoga-Studio Yoga13. Zusammen mit einer guten Freundin war ich schon letztes Jahr bei der Premiere dabei und absolut begeistert, aber vielleicht damals zu erschöpft um darüber zu berichten? 😉 Keine Ahnung, aber dieses Jahr möchte ich die Gelegenheit auf jeden Fall nützen etwas detaillierter über das Festival zu schreiben.

Es dauert 2 Tage und findet in der Carl-Benz-Arena in Stuttgart statt (direkt neben dem Fußball-Stadion). Wir hatten uns sowohl letztes Jahr als auch dieses Jahr für ein Tagesticket für den Samstag entschieden. Der Yoga-Samstag geht dabei von 9:00 bis 20:00 und es werden jeweils Einheiten in 2 unterschiedlichen Spaces angeboten, einmal 8 teilweise sehr unterschiedliche Yoga-Sessions im großen Main Space und dazu noch kleinere Workshops (zum Beispiel zum Thema Blackroll, therapeutisches Yoga für den Rücken oder Faszientraining) in kleinem Blackroll Space. Dazu gibt es noch einen Shop- und Ausstellungsbereich mit Ständen von den zahlreichen Sponsoren (auch Shopping technisch wäre also Einiges geboten, allerdings bin ich Yoga-mäßig sehr gut ausgerüstet) , sowie einen Catering Bereich mit sehr sehr leckeren ausschließlich veganen Leckereien und Mittagsgerichten (wir entschieden uns für eine gebackene Süßkartoffel, mit Chutney, Linsen und Salat, eine sehr gute Entscheidung).

Von der Atmosphäre her muss man sich sicher etwas umstellen, wenn man in Kursen kleine ruhige Yoga-Klassen gewohnt ist oder zuhause praktiziert. Denn auf dem Main Floor reihen sich hunderte Matten neben und hintereinander und auch die Umgebungsgeräusche sind recht vielfältig (so ist z.B. der Ausstellungsbereich und der kleine Space nur mit einem Vorhang vom Main Space getrennt, so dass man hört wenn dort parallel Veranstaltungen stattfinden oder Menschen laut reden und lachen). Allerdings muss ich sagen, dass das erstens wohl dem typischen Yoga in Indien deutlich näher kommt als das „verwestlichte Feelgood-Entspannungs-Yoga“, das hier so weit verbreitet ist und zweitens, dass ich mich irgendwie in so einer Menschenmenge tatsächlich teilweise besser auf mich selbst fokussieren konnte als zuhause oder in einer ganz ruhigen Umgebung, wo jedes kleines Geräusch um so mehr auffällt. Ein tolles Erlebnis und spätestens bei Mantras oder kurzes Chants wird das Gruppenerlebnis definitiv um so eindrucksvoller.

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Eröffnungsrede von Timo Hildebrand mit dem Yez Yoga Orga Team

Wie auch letztes Jahr nahmen wir ausschließlich an den Sessions im Main Space teil.Von den 8 angebotenen Yoga-Klassen haben wir auch dieses Jahr wieder 6 Stück „geschafft“, was eine zusammengerechneten Netto-Yoga-Zeit von 6:45 h ergab. Im letzten Jahr hatten wir es genauso gemacht und ich muss sagen, dass ich danach wirklich ziemlich erschöpft war. Dieses Jahr fielen mir die 6 Sessions im Vergleich geradezu leicht (obwohl auch wieder 2 sehr anspruchsvolle und sportliche dabei waren). Dabei denke ich, dass 2 Faktoren zusammen kamen: erstens bin ich tatsächlich schon deutlich fitter und geübter (letztes Jahr fielen mir einige Übungen wie Side-Planks und dynamische Übergänge mit vielen Chaturangas noch sehr schwer, dieses Jahr war ich da fast schon im Flow), zweitens war finde ich das Programm für den Samstag auch noch ein bisschen „cleverer“ aufgebaut. Letztes Jahr kamen fast alle anstrengenden Stile und Sessions am Stück und erst ganz am Ende ruhigere Stile wie Yin Yoga. Diesmal startete das Festival mit 3 kraftvollen Sessions, gefolgt von 2 ruhigeren bzw. alternativen, um dann am Ende nochmal Aktivität aufzunehmen. Ich denke, so kann der Körper zwischendrin auch besser regenerieren. Jedenfalls hätte ich denke ich dieses Jahr auch alle 8 Sessions am Samstag geschafft, allerdings wollten wir in Ruhe Mittagessen und die letzte Session ließen wir dann auch aus, um ums nicht ganz so spät auf den Heimweg zu machen.

Die Yoga-Stile waren dabei wieder abwechslungsreich und gut gemischt. Der Morgen begann mit einer langsamen klassischen Vinyasa Einheit mit Susanne Klingenstein aus Stuttgart zum Aufwärmen, gerade richtig um den Körper auf Betriebstemperatur zu kriegen 😉

Danach folgte das für mich erste große Highlight, die Jivamukti Session mit Gabriele Bozic aus München. Jivamukti Yoga habe ich erst wenige Male gemacht, ist aber ein relativ moderner Stil der definitiv sehr viel Spaß bereitet und durch die Kombination mit teilweise sehr mitreissender Musik unglaublich viel Energie im Körper erzeugt. Irgendwie fühlt man sich egal wie anstrengend es ist, hinterher kraftvoller als vorher. Außerdem hat Gabriela eine sehr charmante und humorvolle Art, die unheimlich motiviert.

Die Anusara Session mit Kat Swenson war herausfordernd und mit sehr klaren Anweisungen angesagt, die für diesen Yoga Stil, der sehr auf korrekte Ausführung und Ausrichtung bedacht ist, typisch und passend sind. Ich fand den Kontrast zwischen der sehr spielerischen Vermittlungsform von Gabriele Bozic und der etwas „autoritär“ (im positiven Sinne) wirkenden Kat Swenson etwas amüsant, so direkt hintereinander.

Nach der Mittagspause kam die für uns „experimentellste“ Stunde, nämlich eine Budokon Einheit mit Carola Fassl aus Wien. Dabei handelt es sich um eine interessante Mischung aus Bewegungen, die z.B. aus dem Kampfsport, aus Contemporary Dance und Animal Movements stammt und komplett im freien Raum ohne Matten stattfand. Mir hat es sehr gut gefallen, da man gezwungen war sich etwas aus seiner Komfortzone raus zu bewegen. Grad für introvertierte Menschen immer eine gute Sache! Außerdem würde ich mich generell gerne auch mehr mit Tanz beschäftigen.

Die nächste Klasse war wieder ein herausforderndes Highlight, eine weitere Jivamukti Stunde, diesmal mit Tobias Holzinger von Yoga13 . Diese Stunde verband wieder perfekt Humor, Musik, Chants, wirklich anstrengende Asanas und eine sehr kreative Session-Gestaltung.

Zum Abschluss gab es dann wieder komplettes Yoga-Neuland für mich: „Therapeutisches Fliegen“ mit Afia Joy Adu-Sanyah aus Frankfurt. Therapeuthisches Fliegen ist eine Art des Paar-Yogas, das auf den ersten Blick dem Acro-Yoga ähnelt, aber so wie ich verstanden habe eher einen therapeutischen Fokus in der Auswirkung der Übungen hat. Meiner Freundin und mir war es fürs erste Mal definitiv schon akrobatisch genug 😉 Die Übung, die wir in der Einheit gezeigt bekamen und dann auch selbst ausprobieren durften, war diese hier: https://www.instagram.com/p/BYsagFylarN/

Da wir es etwas anspruchsvoll fanden, das gleich als 2 komplette Anfänger zusammen zu probieren, waren wir froh, dass wir als dritte Partnerin eine schon etwas erfahrenere Yoga-Schülerin ins Team holen konnten, die die Übung schonmal gemacht hatte. So klappte es dann tatsächlich besser als wir erwartet hatten und war ein spannendes Erlebnis! Etwas schade war lediglich, dass die Session mit einer Länge von 45 Minuten etwas knapp bemessen war.

Danach begaben wir uns hochzufrieden und voller toller Anregungen für die eigene Yoga-Praxis auf dem Heimweg! Ich kann das Festival allen yoga-begeisternten (mit mindestens guten Grundkenntnissen in einer gängigen Yoga-Richtung) nur empfehlen. Falls es in eine 3. Runde geht, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

 

Bücher

Buch-Tipp: „Leibnitz“ von Andreas Kiendl

„Leibnitz“ ist das Roman-Debüt des österreichischen Schauspielers Andreas Kiendl (bekannt z.B. aus SOKO Kitzbühel). Der Roman spielt, wie man dem Titel unschwer entnehmen kann, im steirischen Leibnitz, einer Kleinstadt mit etwas über 100 000 Einwohnern. Der Roman wird teilweise als Krimi vermarktet, was ich aber relativ irreführend finde, denn eine klassische Krimihandlung wird man als Leser definitiv vermissen. Ich fand das aber gar nicht schlimm, den die Geschichte ist auch so faszinierend genug.

Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Claudia und Christian. Claudia wuchs in einem eher alternativen und intellektuellen Elternhaus auf, ihre Mutter eher liberal freigeistige Lehrerin, ebenso ihr Stiefvater. Wie um dagegen zu rebellieren wandte sich Claudia früh der Religion zu und verliebte sich in Christian, der aus einer traditionellen eher spießigen Leibnitzer Familie kommt. Die beiden bekommen zwei Kinder, leben mit Christians Eltern in einem Haus und teilen begeistert das gemeinsame Hobby im Chor zu singen. Abgesehen davon läuft es zwischen Claudia und Christian am Beginn des Buches nicht besonders gut. Claudia hatte vor einiger Zeit eine Affäre, seitdem ist ihr Verhältnis zu den Schwiegereltern komplett zerrüttet und das mit Christian, der seitdem mehr trinkt als es selbst für einen steirischen Mann üblich ist, ebenfalls schwer angeschlagen. Als Claudias Mutter Anna ihrer Tochter eröffnet, dass sie mit dem Stiefvater nach Kanada auswandern will, bricht Claudias Welt erst recht zusammen. Denn obwohl Claudia ihre Mutter meist ablehnt, verzeiht sie ihr diesen “Verrat” trotzdem nicht. Claudia ist mit der Gesamtsituation alleine mit Schwiegereltern, Kindern und oft betrunkenem Mann mehr als unglücklich, doch etwas später baut Christian angetrunken einen Autounfall und im Haus der Familie verändern sich die Machtverhältnisse von da an…

Das Buch erzählt davon aufbauend in mehreren zeitlich teilweise länger auseinander liegenden Abschnitten von der Entwicklung der Ehe und der Familie, von Eskalationen, Hoffnungsschimmern, Rückschlägen und menschlichen Abgründen…

Was das Buch für mich interessant (aber auch etwas nervig machte) ist, dass kaum einer der Hauptcharaktere wirklich sympathisch ist. Claudia lehnt das Leben ihren freiheitsliebende Mutter ab, gleichzeitig verachtet sie ihre Schwiegereltern mit denen sie in einem Haus lebt quasi genauso und schaut wegen deren kleinbürgerlicher Spießigkeit auf sie herab. Christian ist ein Großkotz und Lebemann, der aber hinter großen Worten nicht wirklich viel zu bieten hat und weinerlich dem Alkohol verfällt. Wer nach Charakteren sucht mit denen er sich identifizieren kann, wird also vermutlich eher schwer fündig werden, aber als Psychogramm einer zerrüttenden Familie funktioniert der Roman trotzdem ganz hervorragend und ist faszinierend zu lesen. Die Einstufung als Kriminalroman finde ich aber definitiv vom Verlag eher unglücklich.

Allgemein, Bücher

Roman-Biografie über Michael Ende: „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“ von Charlotte Roth ist eine Romanbiografie über den Schriftsteller Michael Ende. Wie vermutlich die meisten Kinder habe ich dessen berühmtesten Bücher „Lukas und der Lokomotivführer“, „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ als Kind begeistert gelesen (und vor allem die Augsburger Puppenkisten Adaption vom Lukas geliebt). Mit seinem Leben und seiner Entwicklung als Autor habe ich mich aber nie näher beschäftigt. Trotzdem hat mich die Idee einer Romanbiografie über sein Leben sofort angesprochen, schon alleine durch den sehr faszinierenden und inspirierenden Titel.

Die Geschichte beginnt schon vor der Geburt Michael Endes, mit dem Kennenlernen seiner Eltern Edgar Ende und seiner Mutter Luise. Edgar Ende ist Künstler und Maler, vor und auch nach Michaels Geburt in Garmisch-Partenkirchen nur mit sehr wechselhaftem und unzuverlässigem kommerziellen Erfolg gesegnet. Michaels Mutter liebt ihren kleinen Sohn abgöttisch, eine Liebe die schon in den ersten Jahren des Familienlebens bei mir beim Lesen ein etwas unwohles Gefühl hervorrief, obwohl nichts im Text eine Erklärung dafür lieferte. Das das Gefühl etwas gerechtfertigt war, zeigte sich im späteren Verlauf des Buches allerdings noch, denn die Liebe von Michaels Mutter erschien dann später doch oft als durchaus „erdrückend“. Auch der starke Zusammenhalt der armen aber glücklichen Familie aus den ersten Jahren bleibt nicht lange erhalten, so dass Michaels Kindheit zuerst durch viele erbitterte Streitereien der Eltern und dann auch noch durch die Gräuel der Nazi-Zeit geprägt sind. Trotzdem bekommt Michael von seinen Eltern schon immer ein Faible für Kunst, Fantasie und Träumereien vermittelt. Nachdem es beruflich für seinen Vater zuerst etwas bergauf ging, wird dessen Kunst während der Nazizeit zu entarteter Kunst erklärt und verboten, die Familie landet wieder ganz am Anfang und kann sich nur durch die Arbeit der Mutter als Heil-Masseurin mit Mühe und Not in einer kleinen Münchner Wohnung über dem Wasser halten.

Beeindruckend fand ich bei dem Teil der Geschichte die Erzähl- und Bildkraft der Autorin Charlotte Roth, die den Einfluss der schwierigen Zeit auf das Kind Michael so lebhaft vermittelte, dass es für mich eine der eindrücklichsten und bewegendsten Schilderungen einer Kindheit im 3. Reich war, auch wenn das hier nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte ausmachte. So lernte ich auch in diesem Buch das erste Mal welchen Einfluß diese Kindheitserfahrungen zum Beispiel auf die Entstehnung von „Momo“ waren und was Hintergrund und Inspiration für die Zeit stehlenden Grauen Herren waren, etwas das mir als Kind nicht bewußt war.

Der 2. Teil des Buches beschäftigt sich dann entsprechend einerseits überwiegend mit Michael Endes schriftstellerischer Karriere, die durch bemerkenswert viele Zweifel, Schreibblockaden und Fehlschläge geplagt war und andererseits mit seinen Beziehungen zu seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, deren großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen, sowie seinem etwas schwierigem Verhältnis zum Thema Treue. Besonders interessant fand ich auch zu erfahren wie schwierig und für den Autor deprimierend der Prozess der Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ verlief und wie unzufrieden und verhasst der endgültige Film für Michael Ende war (er wurde nur unter Androhung einer für seinen Verlag und ihn selbst existenzbedrohenden Klage dazu genötigt sich nicht mehr gegen den Film zu positionieren) . Da ich den Film als Kind gar nicht so schrecklich fand (obwohl ich die Kritik von Michael Ende aus dem Buch jetzt im Nachhinein schon gut nachvollziehen kann und es auch als Kind schon etwas merkwürdig fand, dass Fuchur aussieht wie ein putziger Hund), war das quasi erst mal etwas schockierend. Aber genauso habe ich erst dieses Jahr erfahren, dass Stephen King die doch sehr kultige Verfilmung von „Shining“ mit Jack Nicholson hasste. Vermutlich kommt es gar nicht so oft vor, dass eine Romanverfilmung die künstlerischen Ansprüche des Autors erfüllt.

Sprachlich und stilistisch fand ich das Buch wirklich herausragend und auch sonst hat es mir immens Spaß gemacht auf diese Art und Weise mehr über den Autor Michael Ende und seine Werke zu erfahren. So erhält man als Leser nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Texten und Figuren eines Autors und ich habe richtig Lust bekommen die Klassiker von Michael Ende unter diesen neuen Voraussetzungen mal wieder zu lesen. Fans von Biografien (man sollte sich bewusst sein, dass bei einer Romanbiografie der künstlerische Ausdruck vor 100% Faktentreue steht, was im Vorwort auch betont wird) und Fans von Büchern über Autoren und Literatur, sowie allen Lesern, die Michael Endes Bücher mögen empfehle ich das Buch uneingeschränkt.

eiskunstlauf

Für Eiskunstlauf-Fans: „Beautiful on the Outside“ von Adam Rippon

Heute möchte ich eine englischsprachige Sport-Autobiografie vorstellen: „Beautiful on the outside“ des erst 30 jährigen US-amerikanischen Eiskunstläufers Adam Rippon. Adam ist nun nicht unbedingt einer der allergrößten Stars des Eiskunstlaufs gewesen und auch kein mehrfacher Welt- oder Olympiasieger. Seine größten sportlichen Erfolge waren trotzdem beachtlich, nämlich der Gewinn der Amerikanischen Meisterschaften, der Gewinn der Team-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2018, sowie gute Top Ten Platzierungen bei Olympia und Weltmeisterschaften.
Auch unabhängig vom Amateuer Sport ist Adam Rippon inzwischen wohl einer der bekanntesten männlichen Eiskunstläufer in den USA, den seine Entertainmentqualitäten, sowie wie er sich während der Olympischen Spiele 2018 mit dem homophoben Vize-Präsident der USA Mike Pence anlegte, sorgten dafür dass er der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. So spielte er z.B. in Taylor Swifts Musikvideo zu „You need to calm down“ mit, arbeitet fürs Fernsehen und führt einen erfolgreichen Youtube Channel.

In seiner Autobiografie geht es aber fast ausschließlich um seine (inzwischen beendete) Karriere als Amateur Eiskunstläufer und von dem her macht es tatsächlich Sinn, dass er das Buch über diesen Teil seines Lebens schon mit „zarten“ 30 Jahren veröffentlicht hat.

Das Buch erzählt von den ersten Jahren seiner Eiskunstlaufkarriere als Kind bis hin zu dem absoluten Karriere-Highlight, den Olympischen Winterspielen 2018. Im Gegensatz zu vielen anderen Top-Läufern stammt er nicht aus einer privilegierten Familie (Eiskunstlaufen ist ein sehr teurer Sport, den man noch dazu in der Regel jahrelang selbst finanzieren muss, bevor Preisgelder oder Sponsorenverträge eventuell ausreichen, um zumindest die Kosten zu decken), sondern aus einer ziemlich normalen Familie mit noch dazu 6 Kindern, so dass seine Mutter viele Opfer bringen und unermüdlich daran arbeiten musste, seine Eislaufkarriere zu unterstützen. Auch begann er erst mit 9 oder 10 Jahren mit dem Training, was für einen Wettkampfläufer sehr spät ist (die meisten Top-Läufer beginnen bereits mit 3 oder 4 Jahren). Dafür hat er es später definitiv noch sehr beeindruckend weit gebracht.

Sehr gut gefallen hat mir an dem Buch erstens der sehr witzige, selbstironische, aber trotzdem sehr reflektierte erwachsene Schreibstil. Das allein hat es zu einem Vergnügen gemacht das Buch zu lesen, aber auch der Inhalt kann vollends überzeugen. Mir hat vor allem gut gefallen, dass das Buch eine sehr gute Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Themen findet: Entwicklung der (nicht immer problemlosen) Beziehung zu seiner Mutter und seinem Vater , Schilderung vom Eiskunstlauf-Trainingsalltag, Anekdoten über seine Trainer (Eiskunstlauffans werden vor allem Nikolai Morozov und Rafael Aratunian natürlich kennen), Wettbewerbe, aber auch Coming Out, Privat- und Liebesleben und Freundschaften mit anderen Eisläufern wie Ashley Wagner und Mirai Nagasu. Dabei ist das Buch für ein amerikanisches Buch über Eiskunstlaufen sehr offen und nicht dem schönen Schein verpflichtet (wie es bei anderen Eiskunstlauf Biografien doch oft zu sein scheint) und auch Themen wie Alkohol, Sex und leichte Drogen werden nicht ausgeklammert.

Mir hat vor allem gut gefallen, dass man durch das Buch einmal einen Einblick bekommt, wie viele verschiedene Faktoren im Hintergrund die Karriere eines Eisläufers beeinflussen, als Fan schaltet man meist den TV (oder heute Youtube) ein, sieht einen Wettbewerb bei dem ein Läufer einen schlechten Tag hat und stürzt und hat aber keine Ahnung, welche finanziellen Hindernisse, privaten Beziehungsprobleme oder sonstige Unwegsamkeiten den Läufer die letzten Tage oder Wochen so begleitet haben. Man bekommt dadurch nochmal einen ganz anderen Blick darauf wie schwierig so eine Sportler-Karriere ist, allein deswegen fand ich das Buch für jeden Sportfan lesenswert.

Bücher

Krimi Tipp: „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos

Heute möchte ich einen außergewöhnlichen Krimi/Thriller vorstellen nämlich „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos (das Buch wird glaube ich unter Thriller geführt, ist aber definitiv kein typischer Spannungsthriller, sondern eher ein sehr raffinierter psychologischer Krimi).

Der Roman beginnt ziemlich mysteriös, denn als Leser weiß man erstmal gar nicht, welche Rolle die vielen vorgestellten Personen in dem Buch eigentlich einnehmen. Am Anfang steht das vergangene Erlebnis eines kleinen Jungen, der nachts ein traumatisierendes Erlebnis hat. In Folge und in der Gegenwart lernen wir einige erwachsene Charaktere kennen: Junia, ist Mountain-Bikerin und Sporturlaub-Reiseführerin, die gerade ins Allgäu gezogen ist, um dort in einem Hotel zu arbeiten und davon träumt endlich sesshaft zu werden. Passenderweise lernt sie dort den Arzt Thies kennen, der auf den ersten Blick genau das ist was sie sucht. Doch Thies ist unglücklich mit einer älteren Alkoholikerin verheiratet und hat offensichtlich einigen Dreck am Stecken.

Ann Beck nimmt an einer von Junia geführten Mountainbike Tour statt, ist unglücklich verheiratet und mit ihrem Leben unzufrieden und verschwindet nach der Mountainbike Tour spurlos. Ein unbekannter Ich-Erzähler träumt davon eine Frau zu entführen, scheitert aber bei der Umsetzung (noch) an seiner Angst. Und der Psychologe Theodor ist unglaublich glücklich verheiratet, kompetent und leidenschaftlich in seinem Job in einer psychologischen Klinik und wirkt fast schon zu perfekt um wahr zu sein.

Was diese Charaktere miteinander verbindet erschließt sich erst im Laufe des Romans ganz allmählich. Das Buch nimmt sich viel Zeit die einzelnen Personen und deren Gefühlswelten und Abgründe vorzustellen und springt vor allem Anfang sehr oft zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her. Ich fand das aber keineswegs verwirrend, sondern sogar eine spannende Art und Weise langsam in das Geschehen hineinzufinden. Die Faszination der Geschichte liegt dann auch weniger darin begründet, dass die Handlung klassisch thrillermäßig spannend ist, sondern darin das Rätsel zu lösen wie alles zusammen hängt. Das gelingt dem Buch finde ich sehr gut, auch wenn die Auflösung am Ende, dann alles fast nochmal etwas sehr explizit aufdröselt.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und es sticht aus der Masse von Krimis und Thrillern definitiv als außergewöhnlich heraus. Allerdings enthält es teilweise trotzdem sehr brutale Gewaltszenen. Wer das gar nicht mag, ist mit dem Buch nicht gut beraten.

Bücher

Young Adult Tipp: „Das Schicksal weiß schon, was es tut“

„Das Schicksal weiß schon, was es tut“ von Brigid Kemmerer ist ein Young Adult Roman, der meine Aufmerksamkeit vor allem durch das schlichte, aber sehr gelungene Cover erlangte. Vom Setup gewinnt das Buch vielleicht keinen Kreativ-Preis, denn im Zentrum steht die Liebesgeschichte zweier an der High School sozial geächteten Teenager (dass zwei Außenseiter oder zwei Nerds sich ineinander verlieben kommt in diesem Genre vermutlich genauso oft vor wie die Variante, dass sich ein Außenseiter in den mega beliebten Cheerleader/Football Star verliebt. Es wäre sicher einmal eine interessante Aufgabe einen Young Adult Roman zu schreiben in dem sich zwei beliebte Teenager ohne Problem ineinander verlieben und das interessant zu gestalten 😉 ).

Die beiden Hauptcharaktere in „Das Schicksal weiß schon, was es tut“ haben aber beide die Besonderheit nicht schon immer an ihrer High School geächtet zu sein, sondern bei beiden liegt der Grund erst relativ kurz in der Vergangenheit. Maegan hat vor ca. einem Jahr bei einem wichtigen SAT-Test betrogen, was dazu führte, dass auch die Tests aller ihrer Mitschüler annuliert und neu geschrieben werden mussten. Entsprechend begeistert sind ihre Mitschüler von Maegan. Rob hingegen wurde in Sippenhaft genommen. Seit Vater hat als Finanzberater mit windigen Betrügereien die halbe Kleinstadt-Community um ihr Geld gebracht. Nachdem er verhaftet wurde, versuchte er Selbstmord zu begehen, scheiterte aber und lebt seit dem pflegebedürftig bei Rob und dessen Mutter, die seitdem auch noch mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Und als wäre das noch nicht alles kam Maegans Schwester Samantha gerade schwanger vom College heim, so dass auch bei Maegan der Haussegen schief hängt. In dieser schwierigen Situation lernen Maegan und Rob sich mehr oder wenig unfreiwillig näher kennen, da beide keinen anderen Partner für ein Mathe-Projekt finden und trotz Startschwierigkeiten merken sie bald, dass der andere gar nicht so übel ist…

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus Sicht von Rob und Maegan erzählt, die Sprache ist dabei sehr humorvoll und trotzdem feinfühlig und liest sich wunderbar leicht weg. Auch die Chemie zwischen Rob und Maegan stimmt. Interessanterweise gerät die Liebesgeschichte in der 2. Hälfte des Buches eher etwas in den Hintergrund, da die Geschichte rund um Robs Vater einen wichtigeren Teil einnimmt. Dies macht das Buch deutlich weniger vorhersehbar als es am Anfang den Eindruck erwecken mag. Insgesamt hat mich das Buch hervorragend unterhalten, auch wenn man sich eventuell die Geschichte rund um Samanthas Schwangerschaft hätte sparen können, da der Hauptplot denke ich völlig ausgereicht hätte um dem Buch die nötige Tiefe zu verleihen. Das ist aber nur eine Kleinigkeit und tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Bücher

Krimi-Tipp: „Verborgen im Gletscher“ von Arnaldur Indridason

Heute möchte ich den neuesten Island Krimi des bekannten isländischen Krimiautors Arnaldur Indridason vorstellen: „Verborgen im Gletscher“. Von Arnaldur Indridason habe ich über die Jahre schon sehr viele Krimis gelesen, seine bekannteste und beliebteste Reihe ist sicher die um Kommissar Erlendur. Er hat aber auch einige Krimis geschrieben, die vor einigen Jahrzehnten spielen, z.B. während des 2. Weltkrieges oder in den 50er Jahren (diese haben mir teilweise nicht soooo gut gefallen, da ich einige der Bücher etwas sehr zäh fand). In „Verborgen im Gletscher“ steht ein weiterer anderer Kommissar im Mittelpunkt, nämlich der pensionierte Kommissar Konrad. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr weiss, ob ich aus dieser neueren Reihe schonmal ein Buch gelesen habe. Auf jeden Fall hatte ich so oder so keine Probleme in die Welt von Kommmissar Konrad einzutauchen. Konrad ist eigentlich schon pensioniert und lebt seit dem Krebstod seiner Frau Erna alleine ein eher ruhiges Leben (außer wenn er auf seine beiden Enkelsöhne aufpasst). Doch dann finden Touristen zufällig in einem auftauenden Gletscher die Leiche eines Mannes und es stellt sich heraus, dass der Tote ein Vermisster aus einem schon Jahrzehnte alten ungelösten Fall von Konrad ist. Damals wurde der Vermisste nie gefunden und der damals Mordverdächtige beteuerte vehement seine Unschuld und kam schließlich mangels Beweisen frei.

Konrad möchte eigentlich nicht wieder in die Sache hereingezogen werden, aber die alte Niederlage als Ermittler lässt ihm einfach keine Ruhe. Als dann noch der ursprüngliche Mordverdächtige von Konrad verlangt endlich nach dem wahren Täter zu suchen und unerwartet neue Zeugen auftauchen, fängt Konrad an immer intensiver auf eigene Faust und inoffiziell zu ermitteln, auch wenn es seinen ehemaligen Polizeikollegen nicht zu 100% gefällt.

Mir hat der Krimi um den Toten im Gletscher gut gefallen. Die Biografie des pensionierten Kommissars und das Setting der Story mit dem alten ungelösten Mordfall gewinnt vielleicht keine Originalitätspreise, trotzdem ist Konrad sympathisch und seine privaten Verhältnisse und einige familiäre Konflikte aus der Vergangenheit machen ihn menschlich und greifbar. Inhaltlich handelt es sich um einen klassischen Ermittlungskrimi ohne viel Action, Konrad spricht mit allen möglichen Zeugen, wer schon ein Buch von Arnaldur Indridason gelesen hat kennt dessen ruhige etwas spröde und nüchterne Erzählweise sicherlich. Action und Hochspannung darf man bei seinen Krimis nicht erwarten. Wem dieser ruhige unaufgeregte Erzählstil aber gefällt, wird an dieser neuen Reihe sicher seine Freude haben.

Allgemein, yoga

Yoga-DVD: „Fluid Yoga“ von Klaus Busch & Tülin Sensan

Heute möchte ich gerne eine außergewöhnliche Yoga-DVD vorstellen, die mir freundlicherweise von Klaus Busch von Fluid Yoga & GetFluid aus Bremen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde.

Ich war recht gespannt auf die DVD, da die Yoga Richtung „Fluid Yoga“ sich laut Trailer und Beschreibung doch etwas von den mir bekannteren Richtungen unterscheidet (ich mache im Kurs Iyengar Yoga habe zusätzlich schon einige Erfahrungen mit Stilen wie Vinyasa, Anusara und Jivamukti gesammelt). Allerdings muss man sofern man schon etwas Hatha Yoga Erfahrung hat keine Sorge haben, dass das Fluid Yoga sich zu sehr von den bekannteren Richtungen unterscheidet. Wenn ich es beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es vergleichbar mit einer sehr sehr ruhigen Version von Vinyasa Yoga ist. Die Übungen werden zwar dynamisch ausgeführt, allerdings quasi in Zeitlupe und mit sehr sehr viel Fokus auf Details und Mikrobewegungen.

Auf der DVD gibt es eine kurze Einleitung, die sehr schön und stimmungsvoll gefilmt ist (hinterlegt mit schönen herbstlichen Naturaufnahmen) und in der die Hintergründe und Intention der DVD kurz erklärt werden. Man merkt dabei, dass auch sehr viel Wert darauf gelegt wurde eine besonders ästhetische DVD zu erstellen.

Der Praxisteil besteht aus 5 Übungsreihen und einer Tiefenentspannung. Die Yoga-Sequenzen sind in sehr reduziertem Rahmen gefilmt, mit voller Konzentration auf den Lehrer. Die Anweisungen weichen von „typischen“ Ansagen (z.B. aus dem Vinyasa Yoga) etwas ab, sind aber gut verständlich und auch recht intuitiv, so dass ich persönlich ohne größere Schwierigkeiten direkt damit zurecht kam. Allerdings wird nicht jede auszuführende Bewegung genau angesagt, so dass es nützlich sein kann, sich die Yoga-Übungsreihen vor dem Mitüben einmal anzuschauen.

Die einzelnen Module möchte ich hier kurz im Detail vorstellen:

  • Sonnengruß: eine ca. 14-minütige Interpretation eines Sonnengrußes bei der jede Seite je einmal sehr detailliert und präzise durchlaufen wird. Die Sequenz ist eher einfach und damit am Ehesten auch für komplette Einsteiger geeignet, vorausgesetzt man schaut sich die Sequenz vorher in Ruhe an.
  • Halbmond: eine kurze 7-minütige Einheit rund um den Halbmond, mit Dreiecksvarianten, dem klassischen Halbmond und einer seitlichen Halbmond Dehnung. Bei dieser Übungsreihe empfiehlt es sich auf jeden Fall die kurze Sequenz einmal komplett anzuschauen, bevor man sie selbst mitmacht, da nicht auf beiden Seiten alles detailliert angesagt wird und es im Dreieck nicht möglich ist, gleichzeitig auf den Bildschirm zu sehen. Ich habe direkt mitgemacht und dafür aber alles gleich 2x wiederholt. Fasziniert war ich davon wie stark meine Beweglichkeit sich durch/während dieser kurzen Sequenz verbesserte
  • Mondgruß: Der Mondgruß ist eine Reihe, die komplett im Sitzen und Liegen ausgeführt wird, aber gleichzeitig die vermutlich anspruchsvolle Sequenz, denn es handelt sich um eine 15-minütige Mischung aus Vorbeuge und Boot gefolgt von diversen Pflug und Schulterstand Variationen. Gerade wenn man den Pflug oder den klassischen Schulterstand noch nicht zu 100% beherrscht, sollte man mit dieser Reihe vorsichtig sein. Ich fand sie aber mit am Interessantesten, da ich Pflug und Krähe noch nie auf so eine dynamische und spielerische Art und Weise ausgeführt habe. Ich denke, das ist eine Sequenz mit der man sich immer wieder beschäftigen kann. Außerdem werden die Bauchmuskeln sehr gut beansprucht. Auch hier empfehle ich die Sequenz zuerst anzuschauen.
  • Vorwärtsbeugen: Eine ca. 12 minütige Sequenz aus mehreren Vorwärtsbeuge- Variationen im Sitzen inkl. gedrehter Varianten. Das ist eine Sequenz, die für mich persönlich herausfordernd ist, da meine Dehnfähigkeit in Vorwärtsbeugen nicht gerade überragend ist, aber auch hier war ich wieder extrem überrascht, wie sehr sich das innerhalb kürzester Zeit verbesserte, so einen starken Effekt in so kurzer Zeit hatte ich bisher weder in statischen Iyengar Yoga Stunden noch in dynamischen Vinyasa Einheiten. Die Methode die Asanas durch kleine und langsame vibrationsartige Bewegungen auszuführen scheint also wirklich nochmal eine besondere Wirkung auf den Körper zu haben.
  • Liegende Bäume: Wie der Name schon verspricht, handelt es sich hier um eine Sequenz (ebenfalls knapp 15 Minuten), die komplett im Liegen ausgeführt wird und diverse (auch gedrehte) Baum-Varianten und Bein-Dehnungen erhält. Wer keine besonders gute Beweglichkeit in der Hüfte und in den Beinrückseiten hat, sollte für diese Sequenz einen Yoga-Gurt bereitlegen.
  • Tiefenentspannung: eine klassische 12-minütige Tiefenentspannung (beginnend vom Kopf bis zu den Füßen angeleitet), die mir zu Abrundung der DVD sehr gut gefallen hat.

Zusätzlich enthält die DVD ein Lexikon (Liste der Asanas in den einzelnen Übungsreihen) . Alle Texte und Ansagen können wahlweise in Deutsch oder Englisch abgespielt werden. Musikalisch untermalt sind die Videosequenzen mit Gitarrenklängen.

Insgesamt hat mir die Yoga-DVD sehr gut gefallen, die einzelnen Übungsreihen sind durchdacht und abwechslungsreich und auch wenn es kein körperlich extrem forderndes Yoga ist, wirken die Asanas durch die langsamen Mikrobewegungen sehr intensiv und erhöhen Körpergefühl und Beweglichkeit auf sehr effektive Art und Weise. Ich hatte bisher noch nicht die Zeit alle Übungsreihen direkt hintereinander auf einmal zu üben, stelle mir das aber sehr intensiv vor und freue mich darauf, das demnächst einmal auszuprobieren.

Empfehlen würde ich die DVD für jeden außer für komplette Neueinsteiger ins Yoga, da man die einzelnen Asanas aus meiner Sicht erstmal unter Anleitung kennen lernen sollte, um Fehler in der Ausführung zu vermeiden (davon Yoga ausschließlich im Selbststudium zu lernen halte ich sowieso nichts, da ich das Risiko sich Fehler anzugewöhnen oder sich sogar zu schaden für zu hoch halte). Für fortgeschrittene Anfänger oder Fortgeschrittene ist sie aber auf jeden Fall zu empfehlen und vor allem für jeden, der einmal eine neue Sicht auf für ihn bekannte Yoga-Asanas und einen etwas anderen Stil  kennen lernen möchte. Für mich war der größte Aha-Effekt bei dieser Yoga-Richtung wie sehr man seine Dehnfähigkeit und Beweglichkeit mit so kurzen ruhigen Einheiten verbessern kann, außerdem mochte ich die ruhige fast meditative Atmosphäre der DVD total gerne, die auch dazu führt, dass man sich ganz wunderbar konzentriert darin vertiefen kann.

Weitere detaillierte Informationen zur DVD und zu den Übungsreihen, sowie ein FAQ, findet man auch auf der zugehörigen Internetseite http://www.fluid-yoga.de

 

 

Bücher

Buchrezension: „No plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten

Heute möchte ich zur Abwechslung einmal ein Sachbuch vorstellen und zwar „No Plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten“ von Harriet Dyer. Das Buch ist vom Umfang her mit 130 Seiten sehr kompakt und auch bei Vermittlung der Inhalte und Tipps wurde vor allem Wert auf eine kurze und knackige Darstellung gelegt, jede der Seiten enthält entweder einen einzelnen präzise formulierten schriftlichen Tipp oder gelegentlich auch mal eine anschauliche Grafik. Dabei ist das Buch in mehrere Kapitel gegliedert, z.B. „Haushalt“, „Kosmetik“, „Reisen“ oder „Upcycling“. Am Besten gefallen haben mir die grundsätzlichen Informationen zu Plastik, also welche Arten von Plastik gibt es, was sind die Problematiken, … auch finde ich es gut, dass das Buch so übersichtlich und auf den Punkt gehalten wurde, so dass man es wirklich innerhalb von ca. einer Stunde durchlesen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mir die meisten Tipps im Buch schon bekannt waren (einen Teil davon habe ich auch schon umgesetzt, vor allem im Kosmetikbereich) und das Buch sich deswegen meiner Meinung nach vor allem für völlige Einsteiger in die Thematik eignet.

Am Anfang des Buches wird explizit darauf hingewiesen, dass nicht auf die Umweltbilanz von alternativen Produkten eingegangen wird, da das Buch nur darstellen möchte an welchen Stellen wie auf Plastik verzichtet werden kann. Das kann ich einerseits verstehen, da es sonst nicht möglich gewesen wäre die Kapitel so kurz und übersichtlich zu halten. Andererseits finde ich es schon wichtig zu wissen, was für Vor- und Nachteile ein Alternativprodukt hat und diese eventuell gar nicht so eine gute Umweltbilanz haben, wie man eventuell erwartet (z.B. enthalten wohl einige Bambuskaffeebecher laut Stiftung Warentest durchaus auch Plastik).

Das finale Kapitel über „Upcycling“ ist zwar interessant, aber die Tipps wohl eher nur was für sehr bastelfreudige Menschen mit Talent in dem Bereich. Für diese sind die Tipps sicher nett, allerdings weiß ich nicht ob man mit kurzen rein textuellen Anweisungen wirklich immer zurecht kommt.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für den Neueinstieg in das Thema Plastikvermeidung. Wenn man sich schon etwas mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann man aber vermutlich auf diversen Zero Waste Blogs fundiertere und tiefgehendere Informationen und Praxiserfahrungen finden.

Bücher

Buchtipp: „Der Ausflug“ von Caroline Hulse

Im Mittelpunkt von „Der Ausflug – Ein Familienroman“ von Caroline Hulse stehen vier Erwachsene, ein Kind und ein überdimensionierter Fantasiehase: Matt und Claire waren ein Paar und haben eine gemeinsame 7-jährige Tochter, Scarlett. Scarlett verarbeitet die Trennung ihrer Eltern mit Hilfe ihres überdimensionierten imaginären Freunds. Posey, der Hase, ist die Reinkarnation eines schon vor längerem verlorenen Plüschtiers und zwar unsichtbar, aber dafür über 1,40m groß.

Alex ist Matts neue Freundin: Wissenschaftlerin, vernünftig und analytisch und trockene Alkoholikerin. Der letzte in der Runde ist Patrick, Claires neuer Freund: beruflich erfolgreich, etwas spiessig und verbissen und versucht sich seinen Selbstwert durch die Teilnahme an einem Triathlon zu beweisen. Eigentlich läuft es bei allen auf den ersten Blick relativ gut, doch dann eröffnen Matt und Claire ihren Partnern, dass sie Weihnachten dieses Jahr alle zusammen zu viert feiern werden, damit Scarlett Weihnachten mit beiden Eltern verbringen kann. Ort des Geschehens ist ein Wald-Ressort für die ganze Familie (mit zahlreichen Aktivitäten für Jung und Alt, wie Spa, Minigolf, Burlesque Tanzkursen für Kinder, Weihnachtsmann, Schwimmbad und Bogenschießen)…zwar halten fast alle Beteiligten das insgeheim für eine ganz furchtbare Idee, doch da ja alle erwachsen und vernünftig sind und sich sowieso als Patchwork-Familie ganz hervorragend verstehen, traut sich keiner Nein zu sagen…

Der Roman erzählt in der Folge im Wechsel aus den Perspektiven von Matt, Alex, Patrick und Scarlett die Geschehnisse bis hin zum Höhepunkt des Ausflugs (der wie man recht früh in der Story erfährt nicht ganz so harmonisch ausfällt wie erhofft). Die Geschichte wird dabei mit viel Witz, Ironie und bissigem Humor erzählt und ist extrem kurzweilig und unterhaltsam, ohne dass es zu klamaukig wird. Wie man sich denken kann, verläuft der Ausflug nicht ganz so wie geplant und die Befindlichkeiten und Gefühlswelten der verschiedenen Charaktere, die schnell an ihre Grenzen geraten, werden wirklich gut dargestellt. Lediglich Claire bleibt bis zum Schluss etwas eindimensional, da man sie nur von außen kennen lernt, als fast zu perfekte immer freundliche, immer großherzige Gastgeberin…das ist aber sicher auch als Stilmittel bewusst so gewählt.

Insgesamt für mich ein fast perfektes Buch wenn man mal eine bissige und humorvolle Charakterstudie lesen will. Lediglich die Darstellung von Scarlett fand ich etwas zu frühreif/erwachsen für eine Siebenjährige.