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Buchtipp aus Finnland: „So also endet die Welt“ von Philip Teir

„So also endet die Welt“ von Philip Teir ist ein finnischer Familien- und Gesellschaftsroman. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine ganz normale finnische Familie, die eigentlich nur ihren verlängerten Sommerurlaub am Meer verbringen möchte. Julia ist Schriftstellerin, die mit ihrem ersten Roman einen Achtungserfolg in Finnland erreichte, aber im Moment an einer Schreibblockade leidet. Außerdem hat sie manchmal das vage Gefühl, das ihr Leben ohne ihren Ehemann schöner sein könnte, ohne wirklich einen Grund dafür nennen zu können. Erik, ihr Ehemann, arbeitet als IT-Angestellter in einem großen Warenhaus, dass unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidet. Er hadert damit, dass er nicht wie sein früherer Kumpel mit einem IT-Startup zum Millionär wurde. Kurz nach Urlaubsbeginn erfährt Erik dann auch noch, dass er seinen Job verloren hat, verbirgt die Situation aber vor seiner Familie. Die 13-jährige Alice schlägt sich in der Zwischenzeit mit eher normalen Teenagerproblemen und -freuden rum und Anton, der sensible 10-jährige Sohn ist damit beschäftigt sich Sorgen um alles möglich zu machen.

Trotzdem beginnt der Urlaub recht entspannt. Julia freut sich darauf Zeit im ehemaligen Haus ihrer Eltern zu verbringen, wo sie viele unbeschwerte Sommer am Meer verbrachte. Erik versucht sich von seinem Jobverlust nicht die Laune verderben zu lassen. Anton wagt sich zumindest mit seiner Schwester Alice alleine in die Natur…nach einigen Tagen trifft Julia auch noch ihre alte Kindheitsfreundin Marika. Die lebt inzwischen mit ihrem neuen Freund Chris und dem 14-jährigen Sohn in einer Art Aussteigerkommune. Chris hat eine Bewegung gegründet, die primär aus fatalistischen ehemaligen Umweltschützern besteht und überzeugt ist, dass der Klimawandel sowieso nicht mehr aufzuhalten ist und es mehr Sinn macht sich einfach darauf vorzubereiten. Was die Bewegung zu einer Bewegung macht deren Hauptbeschäftigung aus dem Schreiben von Blogs, Reden schwingen, Sex und Drogenkonsum besteht. Julia und Erik finden die neuen Nachbarn aber zunächst ganz unterhaltsam und charmant. Doch mit der Zeit zeigen sich im familiären Zusammenleben Risse, so dass nicht nur die ganze Welt den Bach hinunter zu gehen scheint, sondern auch die Beziehungen. Und sogar das idyllische Ferienhaus scheint so langsam vor sich zu vermodern…

Das Buch schildert die Ereignisse dabei aus Sicht vieler verschiedener Familienmitglieder, die alle irgendwie mit sich selbst und den Beziehungen zu ihren Mitmenschen beschäftigt sind. Der Ton ist dabei eher sachlich und nüchtern, aber auch mit einer feinen Ironie, die dem Buch zusätzlichen Charme verleiht. Mir hat das Buch, das zu beschreiben versucht wie die Welt im ganz großen und ganz kleinen gleichermaßen zu enden scheint, aber trotzdem nie düster ist, wirklich gut gefallen. Definitiv eines meiner Lesehighlights im Jahr 2020 bisher.

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Young Adult Tipp: „Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner

„Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner ist ein Young Adult Roman, der ein schwieriges Thema angeht. Die 15-jährige Helene Mey und ihre Freundin Cassie sind unzertrennliche Freundinnen. Bis zu dem Zeitpunkt als ein ehemaliger Mitschüler der beiden an der Schule einen Amoklauf begeht. Cassie ist unter den Toten und Helene hadert mit ihrem Überleben, Schuldgefühlen und ihrer Wut. Sie erträgt die Vorstellung nicht, dass der Täter Cassie zufällig ausgewählt hat und möchte unbedingt herausfinden, ob der Täter Cassie oder die anderen Opfer kannte, um einen Sinn hinter der Tat zu finden. Etwas Halt in dieser schwierigen Zeit gibt ihr nur ihre Freundschaft zu dem zwei Jahre älteren Erik, für den aber auch Cassie vor ihrem Tod schwärmte. Als Erik Interesse an Helene zu zeigen beginnt, möchte sie dieses deswegen erstmal gar nicht zulassen…

Der Roman hat also die typischen Zutaten eines Young Adults Romans, auf der einen Seite ein durchaus schweres Thema, das für viele Teenager Relevanz haben dürfte. Auf der anderen Seite die im Genre fast schon obligatorische Liebesgeschichte. Vom Schreibstil hat mir das Buch hervorragend gefallen, der ist eingängig, trotzdem durchaus etwas poetisch und Helene ist ein sehr interessanter und vielschichtiger Hauptcharakter, nicht auf den ersten Blick liebenswert, oft in ihrem Zorn egoistisch und etwas rücksichtslos, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Ihr Trauerprozess und wie sie langsam ins Leben zurückfinden wird ist glaubhaft beschrieben, die Liebesgeschichte ist einfühlsam und nicht kitschig und die Thematik rund um die Nachwirkungen eines Amoklaufs auf Freunde, Familie und Helene selbst wird im Buch gut herausgearbeitet. Lediglich den Epilog des Buches fand ich vom Stil etwas mit dem Rest brechend und für mich wäre er auch nicht wirklich nötig gewesen.

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Die letzten Tage von Virginia Woolf: „Ach, Virginia“ von Michael Kumpfmüller

„Ach, Virginia“ von Michael Kumpfmüller ist ein sehr außergewöhnlicher biografischer Roman, der sich ausschließlich mit den letzten 10 Tagen des Lebens der Schriftstellerin Virginia Woolf beschäftigt. Diese beging am 28. März 1941 Selbstmord, indem sie ins Wasser ging, das Buch spielt also in den 10 Tagen zuvor und man wird quasi direkt in die Gedankenwelt der Schriftstellerin geworfen. Sie hat gerade ihr letztes Buch fertig gestellt, hält dieses aber für komplett misslungen und ist wie schon mehrmals bisher in ihrem Leben am Rande eines Zusammenbruchs. Sie fürchtet, dass ihr Ehemann sie zu einer Einweisung in einer psychatrischen Klinik zwingen oder überreden wird. Sie kann nicht schlafen, leidet gelegentlich darunter Stimmen zu hören, tigert durch die Wohnung, kann weder arbeiten noch sich ausruhen und die Hilfeversuche ihres Ehemannes und ihrer Schwester, sowie der befreundeten Ärztin Octavia lehnt sie ab. So werden die letzten Tage in Virginias Leben aus Sicht der Schriftstellerin geschildert, wobei natürlich ihr Innenleben, sowie die Reflektion über vergangene und aktuelle Beziehungen (zum Beispiel ihre mehrjährige Liebesbeziehung zu der Schriftstellerin Vita Sackville-West) den größten Raum einnehmen. Auch ohne bis ins Detail mit Werk und Leben von Virginia Woolf vertraut zu sind, kann man dem Roman hierbei problemlos folgen (ich habe allerdings parallel etwas Recherche betrieben und mich mit ihrer Biografie beschäftigt).

Wieviel genau vom Inhalt der letzten Tage belegt ist und wieviel der Fantasie des Autors entsprungen kann ich natürlich ohne tiefere Kenntnisse nicht beurteilen, gehe aber davon aus, dass viele der Ereignisse belegt sind, denn sowohl die Abschiedsbriefe an Virginias Ehemann Leonard und ihre Schwester, also auch die Autobiografie von Virginias Ehemann und Virginias eigene Tagebucheinträge der letzten Tage, stehen als belegte Quellen zur Verfügung. Trotzdem ist das Buch natürlich ein fiktiver Roman, aber aus meiner Sicht hervorragend gelungen, mitreißend und glaubwürdig.

Jetzt ist das Thema des Buches natürlich sehr bedrückend, zumal man schon zum Beginn des Buches weiß, dass es mit dem Selbstmord der Hauptperson enden wird. Trotzdem fand ich die Lektüre weder deprimierend noch besonders schwer. Für mich ein faszinierender und außergewöhnlicher Roman, der auch Lust weckte sich mehr mit Virginia Woolfs Romanen und anderen Werken über ihr Leben zu beschäftigen.

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Krimi-Tipp: „Der dunkle Garten“ von Tana French

Tana French ist eine irische Krimiautorin, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. Typisch für sie ist sicher ihr weitschweifiger und detailreicher Erzählstil, der das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und nicht den jeweiligen Plot. Für Leute, die es kurz und knapp mögen oder die auf Action stehen, ist diese Autorin also definitiv grundsätzlich nichts. Mir hat aber gerade das an ihren Büchern immer besonders gefallen, da ich psychologische Krimis schon immer sehr gerne mag und mich auch gern in dicke Wälzer vertiefe. Trotzdem hatte ich bei den Büchern von Tana French zuletzt auch mal einen Durchhänger, da mir bei einem oder zwei ihrer neueren Krimis die Hauptcharaktere zu unsympathisch waren.

„Der dunkle Garten“ konnte mich aber mal wieder fast zu 100% überzeugen (wenn auch dort die Hauptcharaktere nicht unbedingt dadurch glänzen besonders liebenswert zu sein). Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht Toby, er ist Ende 20, arbeitet im Marketing Bereich und kam bisher immer recht störungsfrei durch Leben. Er hat Kumpels mit denen er sich gern locker betrinkt, eine fast schon zu perfekt liebenswerte Freundin und trotz gelegentlicher beruflicher Turbulenzen läuft bei ihm eigentlich alles immer rund, er sieht sich als Glückskind…zumindest bis ihn nach einer durchzechten Kneipennacht 2 Einbrecher nachts in seiner Wohnung überfallen und zusammenschlagen. Toby landet mit einem Schädelbruch und diversen anderen Blessuren im Krankenhaus und hat noch lange an den Folgeschäden zu kämpfen: Gedächtnisstörungen, eine eingeschränkte Funktion seines linken Beines und der linken Hand und noch andere kleinere Probleme, die dazu führen, dass er sich alles bloß nicht leistungsfähig vorkommt.

Als er von seiner Cousine erfährt, dass sein Onkel Hugo an einem tödlichen Gehirntumor erkrankt ist, nimmt er deren Vorschlag bei seinem Onkel in dem alten geliebten Familiensitz „Ivy House“ zu leben und sich in dessen letzten Monaten um ihn zu kümmern, nach etwas zögern an. Da seine Freundin auch noch mitkommt und Toby mit dem Haus, das früher seinen Großeltern gehörte, eine Kindheitsidylle verbindet, läuft auch erst mal alles toll an. Huge geht es zunächst noch recht gut, Toby leidet nicht so unter Angststörungen wie in der alten Wohnung und er fängt langsam an sich wieder besser zu fühlen und erinnert sich an glückliche Jugendzeiten im Ivy House mit seiner Cousin Susanna und seinem Cousin Leon. Doch dann machen die Kinder von Susanna bei einem Familientreffem im Garten des Ivy House eine folgenschwere Entdeckung. Und schon wird Tobys ganzes Selbstverständnis, sowie sein Bild von seiner Jugend und Familie völlig erschüttert.
Aus dieser Situation heraus macht sich Toby auf die Geheimnisse der Vergangenheit und sich selbst zu erforschen und was ans Licht kommt ist selten erfreulich. Noch dazu machen ihm seine Gedächtnislücken zu schaffen, er kann sich selbst nicht trauen.

Das Buch ist sicher kein klassischer Krimi, es benötigt schon einige hundert Seiten um zu dem Punkt zu kommen, wo überhaupt ein wirklicher klassischer Kriminalfall auftaucht. Mir hat aber gerade diese langsame und geheimnisvolle Erzählweise gefallen. Fans von tiefgründigen psychologischen Krimis werden mit dem Buch sicherlich auf ihre Kosten kommen.

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Stephen King und Hakan Nesser – Buchrezensionen aus dem Januar

Heute möchte ich einen Kurzüberblick über 2 Bücher aus dem Genre Thriller und Krimi liefern, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.

In „Das Institut“ von Stephen King stehen außergewöhnliche Kinder im Vordergrund. Der hochintelligente Luke Ellis wird mitten in der Nacht von einer Truppe schwarzgekleideter Personen entführt, seine Eltern dabei brutal ermordet. Danach findet er sich in einem Institut mit Krankenhaus-Charme mitten im Nirgendwo wieder, zusammen mit vielen anderen Kindern. Schnell wird klar, dass nicht Lukes Intelligenz der Grund für seine Entführung ist, sondern seine nur sehr rudimentären und von ihm nicht steuerbaren telekinetischen Fähigkeiten. Denn auch die anderen Kinder, die im Institut gefangen gehalten werden haben entweder leichte telepathische oder telekinetische Begabungen. Was genau im Institut abläuft wissen Luke und die anderen Kinder nicht, es gibt Gerüchte, angebliche Verbündete und unangenehme Tests und Experimente. Zudem bleiben die Kinder nicht lange im noch relativ komfortablen Vorderbau des Instituts, wo es außer unangenehmen Ereignissen immerhin noch einen Aufenthaltsraum und einen Spielplatz gibt. Nach wenigen Wochen werden die meisten Kinder in den Hinterbau verlegt und von dort ist bisher noch kein Institutsinsasse zurückgekehrt. Luke wird schnell klar, dass er seine Intelligenz dazu nutzen muss aus dem Institut zu fliehen…

Mir hat „Das Institut“ sehr gut gefallen und von den neueren Stephen King Büchern der letzten Jahre ist es finde ich definitiv das spannendste, es liest sich ein bisschen wie eine Mischung aus Abenteuerroman und Thriller, auch wenn man auch hier keine rasante Action oder übermäßig Übersinnliches erwarten sollte. Was der Hintergrund des geheimnisvollen Instituts ist, erfährt man erst im Laufe der Geschichte und das Buch kann auch hier durchaus überraschen. Für mich ein starker „später“ King.

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„Der Verein der Linkshänder“ von Hakan Nesser vereint gleich zwei von dessen berühmten Detektiven in einem Buch, nämlich Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti. Van Veeteren steht inzwischen knapp vor seinem 75. Geburtstag (womit er etwas hadert) und ist schon jahrelang im Ruhestand. Doch als sein alter Kollege Münster ihn darüber informiert, dass sich in einem uralten Kriminalfall neue Entwicklungen ergeben haben, wird sein Ehrgeiz noch einmal geweckt. Vor über 20 Jahren geschah in einer kleinen Pension ein rätselhafter Mord. Vier alte Bekannte, die in ihrer Jugend einem „Verein der Linkshänder“ angehörten, kamen bei einem Wiedersehen in der kleinen Pension um, als diese in Brand gesetzt wurde. Ein 5. Angehöriger der Clique verschwand damals spurlos und die ermittelnden Beamten kamen damals zum Schluss, dass er der Mörder gewesen sein musste, auch wenn sein Motiv nie wirklich geklärt werden konnte. Nun aber wurde seine vergrabene Leiche ganz in der Nähe der Pension gefunden und es ist klar: er war damals ebenfalls Opfer, nicht der Mörder.

Besonders am Anfang hat mir das Buch wirklich gut gefallen, die Erzählweise ist ruhig, fast philosophisch, manchmal humorvoll und die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt: wir lernen den Verein der Linkshänder und seine Mitglieder zu Zeiten seiner Gründung kennen, ein Teil der Geschichte erzählt die Geschehnisse rund um den Mord in der Pension und ansonsten werden die aktuellen Ermittlungen geschildert. Am Anfang nahm mich die komplexe Geschichte sofort gefangen, leider verliert das Buch in der 2. Hälfte aber ziemlich an Fahrt und Fokus und die Ermittlungen dümpeln ziemlich ergebnislos vor sich hin (so dass auch vermutlich fast jeder Leser den Mörder so wie ich vor den Kommissaren erraten dürfte). Auch Inspektor Barbarotti wird erst ziemlich spät im Buch in die Geschichte eingeführt und bleibt deswegen auch relativ blass. Auf mich wirkte es deswegen nach einem etwas bemühten Kunstgriff Van Veeteren UND Barbarotti in einem Buch unterzubringen.

Insgesamt ist mein Fazit dieses Schweden-Krimis deswegen eher durchwachsen und ich würde das Buch eher nur für Fans der beiden Reihen empfehlen.

 

 

Allgemein, Fitness, yoga

Yez Yoga Festival in Stuttgart – Ein Tag voller Yoga

Heute geht es zur Abwechslung mal wieder nicht um Bücher. Denn ich möchte von einem tollen (noch relativen neuen) Event für Yogafreunde in Stuttgart erzählen, dem Yez Yoga Festival. Das Yoga Festival fand dieses Jahr schon zum 2. Mal statt und wird organisiert von dem Fußballer und Ex-Bundesliga-Spieler Timo Hildebrand, sowie dem Stuttgarter Yoga-Studio Yoga13. Zusammen mit einer guten Freundin war ich schon letztes Jahr bei der Premiere dabei und absolut begeistert, aber vielleicht damals zu erschöpft um darüber zu berichten? 😉 Keine Ahnung, aber dieses Jahr möchte ich die Gelegenheit auf jeden Fall nützen etwas detaillierter über das Festival zu schreiben.

Es dauert 2 Tage und findet in der Carl-Benz-Arena in Stuttgart statt (direkt neben dem Fußball-Stadion). Wir hatten uns sowohl letztes Jahr als auch dieses Jahr für ein Tagesticket für den Samstag entschieden. Der Yoga-Samstag geht dabei von 9:00 bis 20:00 und es werden jeweils Einheiten in 2 unterschiedlichen Spaces angeboten, einmal 8 teilweise sehr unterschiedliche Yoga-Sessions im großen Main Space und dazu noch kleinere Workshops (zum Beispiel zum Thema Blackroll, therapeutisches Yoga für den Rücken oder Faszientraining) in kleinem Blackroll Space. Dazu gibt es noch einen Shop- und Ausstellungsbereich mit Ständen von den zahlreichen Sponsoren (auch Shopping technisch wäre also Einiges geboten, allerdings bin ich Yoga-mäßig sehr gut ausgerüstet) , sowie einen Catering Bereich mit sehr sehr leckeren ausschließlich veganen Leckereien und Mittagsgerichten (wir entschieden uns für eine gebackene Süßkartoffel, mit Chutney, Linsen und Salat, eine sehr gute Entscheidung).

Von der Atmosphäre her muss man sich sicher etwas umstellen, wenn man in Kursen kleine ruhige Yoga-Klassen gewohnt ist oder zuhause praktiziert. Denn auf dem Main Floor reihen sich hunderte Matten neben und hintereinander und auch die Umgebungsgeräusche sind recht vielfältig (so ist z.B. der Ausstellungsbereich und der kleine Space nur mit einem Vorhang vom Main Space getrennt, so dass man hört wenn dort parallel Veranstaltungen stattfinden oder Menschen laut reden und lachen). Allerdings muss ich sagen, dass das erstens wohl dem typischen Yoga in Indien deutlich näher kommt als das „verwestlichte Feelgood-Entspannungs-Yoga“, das hier so weit verbreitet ist und zweitens, dass ich mich irgendwie in so einer Menschenmenge tatsächlich teilweise besser auf mich selbst fokussieren konnte als zuhause oder in einer ganz ruhigen Umgebung, wo jedes kleines Geräusch um so mehr auffällt. Ein tolles Erlebnis und spätestens bei Mantras oder kurzes Chants wird das Gruppenerlebnis definitiv um so eindrucksvoller.

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Eröffnungsrede von Timo Hildebrand mit dem Yez Yoga Orga Team

Wie auch letztes Jahr nahmen wir ausschließlich an den Sessions im Main Space teil.Von den 8 angebotenen Yoga-Klassen haben wir auch dieses Jahr wieder 6 Stück „geschafft“, was eine zusammengerechneten Netto-Yoga-Zeit von 6:45 h ergab. Im letzten Jahr hatten wir es genauso gemacht und ich muss sagen, dass ich danach wirklich ziemlich erschöpft war. Dieses Jahr fielen mir die 6 Sessions im Vergleich geradezu leicht (obwohl auch wieder 2 sehr anspruchsvolle und sportliche dabei waren). Dabei denke ich, dass 2 Faktoren zusammen kamen: erstens bin ich tatsächlich schon deutlich fitter und geübter (letztes Jahr fielen mir einige Übungen wie Side-Planks und dynamische Übergänge mit vielen Chaturangas noch sehr schwer, dieses Jahr war ich da fast schon im Flow), zweitens war finde ich das Programm für den Samstag auch noch ein bisschen „cleverer“ aufgebaut. Letztes Jahr kamen fast alle anstrengenden Stile und Sessions am Stück und erst ganz am Ende ruhigere Stile wie Yin Yoga. Diesmal startete das Festival mit 3 kraftvollen Sessions, gefolgt von 2 ruhigeren bzw. alternativen, um dann am Ende nochmal Aktivität aufzunehmen. Ich denke, so kann der Körper zwischendrin auch besser regenerieren. Jedenfalls hätte ich denke ich dieses Jahr auch alle 8 Sessions am Samstag geschafft, allerdings wollten wir in Ruhe Mittagessen und die letzte Session ließen wir dann auch aus, um ums nicht ganz so spät auf den Heimweg zu machen.

Die Yoga-Stile waren dabei wieder abwechslungsreich und gut gemischt. Der Morgen begann mit einer langsamen klassischen Vinyasa Einheit mit Susanne Klingenstein aus Stuttgart zum Aufwärmen, gerade richtig um den Körper auf Betriebstemperatur zu kriegen 😉

Danach folgte das für mich erste große Highlight, die Jivamukti Session mit Gabriele Bozic aus München. Jivamukti Yoga habe ich erst wenige Male gemacht, ist aber ein relativ moderner Stil der definitiv sehr viel Spaß bereitet und durch die Kombination mit teilweise sehr mitreissender Musik unglaublich viel Energie im Körper erzeugt. Irgendwie fühlt man sich egal wie anstrengend es ist, hinterher kraftvoller als vorher. Außerdem hat Gabriela eine sehr charmante und humorvolle Art, die unheimlich motiviert.

Die Anusara Session mit Kat Swenson war herausfordernd und mit sehr klaren Anweisungen angesagt, die für diesen Yoga Stil, der sehr auf korrekte Ausführung und Ausrichtung bedacht ist, typisch und passend sind. Ich fand den Kontrast zwischen der sehr spielerischen Vermittlungsform von Gabriele Bozic und der etwas „autoritär“ (im positiven Sinne) wirkenden Kat Swenson etwas amüsant, so direkt hintereinander.

Nach der Mittagspause kam die für uns „experimentellste“ Stunde, nämlich eine Budokon Einheit mit Carola Fassl aus Wien. Dabei handelt es sich um eine interessante Mischung aus Bewegungen, die z.B. aus dem Kampfsport, aus Contemporary Dance und Animal Movements stammt und komplett im freien Raum ohne Matten stattfand. Mir hat es sehr gut gefallen, da man gezwungen war sich etwas aus seiner Komfortzone raus zu bewegen. Grad für introvertierte Menschen immer eine gute Sache! Außerdem würde ich mich generell gerne auch mehr mit Tanz beschäftigen.

Die nächste Klasse war wieder ein herausforderndes Highlight, eine weitere Jivamukti Stunde, diesmal mit Tobias Holzinger von Yoga13 . Diese Stunde verband wieder perfekt Humor, Musik, Chants, wirklich anstrengende Asanas und eine sehr kreative Session-Gestaltung.

Zum Abschluss gab es dann wieder komplettes Yoga-Neuland für mich: „Therapeutisches Fliegen“ mit Afia Joy Adu-Sanyah aus Frankfurt. Therapeuthisches Fliegen ist eine Art des Paar-Yogas, das auf den ersten Blick dem Acro-Yoga ähnelt, aber so wie ich verstanden habe eher einen therapeutischen Fokus in der Auswirkung der Übungen hat. Meiner Freundin und mir war es fürs erste Mal definitiv schon akrobatisch genug 😉 Die Übung, die wir in der Einheit gezeigt bekamen und dann auch selbst ausprobieren durften, war diese hier: https://www.instagram.com/p/BYsagFylarN/

Da wir es etwas anspruchsvoll fanden, das gleich als 2 komplette Anfänger zusammen zu probieren, waren wir froh, dass wir als dritte Partnerin eine schon etwas erfahrenere Yoga-Schülerin ins Team holen konnten, die die Übung schonmal gemacht hatte. So klappte es dann tatsächlich besser als wir erwartet hatten und war ein spannendes Erlebnis! Etwas schade war lediglich, dass die Session mit einer Länge von 45 Minuten etwas knapp bemessen war.

Danach begaben wir uns hochzufrieden und voller toller Anregungen für die eigene Yoga-Praxis auf dem Heimweg! Ich kann das Festival allen yoga-begeisternten (mit mindestens guten Grundkenntnissen in einer gängigen Yoga-Richtung) nur empfehlen. Falls es in eine 3. Runde geht, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

 

Bücher

Buch-Tipp: „Leibnitz“ von Andreas Kiendl

„Leibnitz“ ist das Roman-Debüt des österreichischen Schauspielers Andreas Kiendl (bekannt z.B. aus SOKO Kitzbühel). Der Roman spielt, wie man dem Titel unschwer entnehmen kann, im steirischen Leibnitz, einer Kleinstadt mit etwas über 100 000 Einwohnern. Der Roman wird teilweise als Krimi vermarktet, was ich aber relativ irreführend finde, denn eine klassische Krimihandlung wird man als Leser definitiv vermissen. Ich fand das aber gar nicht schlimm, den die Geschichte ist auch so faszinierend genug.

Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Claudia und Christian. Claudia wuchs in einem eher alternativen und intellektuellen Elternhaus auf, ihre Mutter eher liberal freigeistige Lehrerin, ebenso ihr Stiefvater. Wie um dagegen zu rebellieren wandte sich Claudia früh der Religion zu und verliebte sich in Christian, der aus einer traditionellen eher spießigen Leibnitzer Familie kommt. Die beiden bekommen zwei Kinder, leben mit Christians Eltern in einem Haus und teilen begeistert das gemeinsame Hobby im Chor zu singen. Abgesehen davon läuft es zwischen Claudia und Christian am Beginn des Buches nicht besonders gut. Claudia hatte vor einiger Zeit eine Affäre, seitdem ist ihr Verhältnis zu den Schwiegereltern komplett zerrüttet und das mit Christian, der seitdem mehr trinkt als es selbst für einen steirischen Mann üblich ist, ebenfalls schwer angeschlagen. Als Claudias Mutter Anna ihrer Tochter eröffnet, dass sie mit dem Stiefvater nach Kanada auswandern will, bricht Claudias Welt erst recht zusammen. Denn obwohl Claudia ihre Mutter meist ablehnt, verzeiht sie ihr diesen “Verrat” trotzdem nicht. Claudia ist mit der Gesamtsituation alleine mit Schwiegereltern, Kindern und oft betrunkenem Mann mehr als unglücklich, doch etwas später baut Christian angetrunken einen Autounfall und im Haus der Familie verändern sich die Machtverhältnisse von da an…

Das Buch erzählt davon aufbauend in mehreren zeitlich teilweise länger auseinander liegenden Abschnitten von der Entwicklung der Ehe und der Familie, von Eskalationen, Hoffnungsschimmern, Rückschlägen und menschlichen Abgründen…

Was das Buch für mich interessant (aber auch etwas nervig machte) ist, dass kaum einer der Hauptcharaktere wirklich sympathisch ist. Claudia lehnt das Leben ihren freiheitsliebende Mutter ab, gleichzeitig verachtet sie ihre Schwiegereltern mit denen sie in einem Haus lebt quasi genauso und schaut wegen deren kleinbürgerlicher Spießigkeit auf sie herab. Christian ist ein Großkotz und Lebemann, der aber hinter großen Worten nicht wirklich viel zu bieten hat und weinerlich dem Alkohol verfällt. Wer nach Charakteren sucht mit denen er sich identifizieren kann, wird also vermutlich eher schwer fündig werden, aber als Psychogramm einer zerrüttenden Familie funktioniert der Roman trotzdem ganz hervorragend und ist faszinierend zu lesen. Die Einstufung als Kriminalroman finde ich aber definitiv vom Verlag eher unglücklich.

Allgemein, Bücher

Roman-Biografie über Michael Ende: „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“ von Charlotte Roth ist eine Romanbiografie über den Schriftsteller Michael Ende. Wie vermutlich die meisten Kinder habe ich dessen berühmtesten Bücher „Lukas und der Lokomotivführer“, „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ als Kind begeistert gelesen (und vor allem die Augsburger Puppenkisten Adaption vom Lukas geliebt). Mit seinem Leben und seiner Entwicklung als Autor habe ich mich aber nie näher beschäftigt. Trotzdem hat mich die Idee einer Romanbiografie über sein Leben sofort angesprochen, schon alleine durch den sehr faszinierenden und inspirierenden Titel.

Die Geschichte beginnt schon vor der Geburt Michael Endes, mit dem Kennenlernen seiner Eltern Edgar Ende und seiner Mutter Luise. Edgar Ende ist Künstler und Maler, vor und auch nach Michaels Geburt in Garmisch-Partenkirchen nur mit sehr wechselhaftem und unzuverlässigem kommerziellen Erfolg gesegnet. Michaels Mutter liebt ihren kleinen Sohn abgöttisch, eine Liebe die schon in den ersten Jahren des Familienlebens bei mir beim Lesen ein etwas unwohles Gefühl hervorrief, obwohl nichts im Text eine Erklärung dafür lieferte. Das das Gefühl etwas gerechtfertigt war, zeigte sich im späteren Verlauf des Buches allerdings noch, denn die Liebe von Michaels Mutter erschien dann später doch oft als durchaus „erdrückend“. Auch der starke Zusammenhalt der armen aber glücklichen Familie aus den ersten Jahren bleibt nicht lange erhalten, so dass Michaels Kindheit zuerst durch viele erbitterte Streitereien der Eltern und dann auch noch durch die Gräuel der Nazi-Zeit geprägt sind. Trotzdem bekommt Michael von seinen Eltern schon immer ein Faible für Kunst, Fantasie und Träumereien vermittelt. Nachdem es beruflich für seinen Vater zuerst etwas bergauf ging, wird dessen Kunst während der Nazizeit zu entarteter Kunst erklärt und verboten, die Familie landet wieder ganz am Anfang und kann sich nur durch die Arbeit der Mutter als Heil-Masseurin mit Mühe und Not in einer kleinen Münchner Wohnung über dem Wasser halten.

Beeindruckend fand ich bei dem Teil der Geschichte die Erzähl- und Bildkraft der Autorin Charlotte Roth, die den Einfluss der schwierigen Zeit auf das Kind Michael so lebhaft vermittelte, dass es für mich eine der eindrücklichsten und bewegendsten Schilderungen einer Kindheit im 3. Reich war, auch wenn das hier nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte ausmachte. So lernte ich auch in diesem Buch das erste Mal welchen Einfluß diese Kindheitserfahrungen zum Beispiel auf die Entstehnung von „Momo“ waren und was Hintergrund und Inspiration für die Zeit stehlenden Grauen Herren waren, etwas das mir als Kind nicht bewußt war.

Der 2. Teil des Buches beschäftigt sich dann entsprechend einerseits überwiegend mit Michael Endes schriftstellerischer Karriere, die durch bemerkenswert viele Zweifel, Schreibblockaden und Fehlschläge geplagt war und andererseits mit seinen Beziehungen zu seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, deren großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen, sowie seinem etwas schwierigem Verhältnis zum Thema Treue. Besonders interessant fand ich auch zu erfahren wie schwierig und für den Autor deprimierend der Prozess der Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ verlief und wie unzufrieden und verhasst der endgültige Film für Michael Ende war (er wurde nur unter Androhung einer für seinen Verlag und ihn selbst existenzbedrohenden Klage dazu genötigt sich nicht mehr gegen den Film zu positionieren) . Da ich den Film als Kind gar nicht so schrecklich fand (obwohl ich die Kritik von Michael Ende aus dem Buch jetzt im Nachhinein schon gut nachvollziehen kann und es auch als Kind schon etwas merkwürdig fand, dass Fuchur aussieht wie ein putziger Hund), war das quasi erst mal etwas schockierend. Aber genauso habe ich erst dieses Jahr erfahren, dass Stephen King die doch sehr kultige Verfilmung von „Shining“ mit Jack Nicholson hasste. Vermutlich kommt es gar nicht so oft vor, dass eine Romanverfilmung die künstlerischen Ansprüche des Autors erfüllt.

Sprachlich und stilistisch fand ich das Buch wirklich herausragend und auch sonst hat es mir immens Spaß gemacht auf diese Art und Weise mehr über den Autor Michael Ende und seine Werke zu erfahren. So erhält man als Leser nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Texten und Figuren eines Autors und ich habe richtig Lust bekommen die Klassiker von Michael Ende unter diesen neuen Voraussetzungen mal wieder zu lesen. Fans von Biografien (man sollte sich bewusst sein, dass bei einer Romanbiografie der künstlerische Ausdruck vor 100% Faktentreue steht, was im Vorwort auch betont wird) und Fans von Büchern über Autoren und Literatur, sowie allen Lesern, die Michael Endes Bücher mögen empfehle ich das Buch uneingeschränkt.

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Für Eiskunstlauf-Fans: „Beautiful on the Outside“ von Adam Rippon

Heute möchte ich eine englischsprachige Sport-Autobiografie vorstellen: „Beautiful on the outside“ des erst 30 jährigen US-amerikanischen Eiskunstläufers Adam Rippon. Adam ist nun nicht unbedingt einer der allergrößten Stars des Eiskunstlaufs gewesen und auch kein mehrfacher Welt- oder Olympiasieger. Seine größten sportlichen Erfolge waren trotzdem beachtlich, nämlich der Gewinn der Amerikanischen Meisterschaften, der Gewinn der Team-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2018, sowie gute Top Ten Platzierungen bei Olympia und Weltmeisterschaften.
Auch unabhängig vom Amateuer Sport ist Adam Rippon inzwischen wohl einer der bekanntesten männlichen Eiskunstläufer in den USA, den seine Entertainmentqualitäten, sowie wie er sich während der Olympischen Spiele 2018 mit dem homophoben Vize-Präsident der USA Mike Pence anlegte, sorgten dafür dass er der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. So spielte er z.B. in Taylor Swifts Musikvideo zu „You need to calm down“ mit, arbeitet fürs Fernsehen und führt einen erfolgreichen Youtube Channel.

In seiner Autobiografie geht es aber fast ausschließlich um seine (inzwischen beendete) Karriere als Amateur Eiskunstläufer und von dem her macht es tatsächlich Sinn, dass er das Buch über diesen Teil seines Lebens schon mit „zarten“ 30 Jahren veröffentlicht hat.

Das Buch erzählt von den ersten Jahren seiner Eiskunstlaufkarriere als Kind bis hin zu dem absoluten Karriere-Highlight, den Olympischen Winterspielen 2018. Im Gegensatz zu vielen anderen Top-Läufern stammt er nicht aus einer privilegierten Familie (Eiskunstlaufen ist ein sehr teurer Sport, den man noch dazu in der Regel jahrelang selbst finanzieren muss, bevor Preisgelder oder Sponsorenverträge eventuell ausreichen, um zumindest die Kosten zu decken), sondern aus einer ziemlich normalen Familie mit noch dazu 6 Kindern, so dass seine Mutter viele Opfer bringen und unermüdlich daran arbeiten musste, seine Eislaufkarriere zu unterstützen. Auch begann er erst mit 9 oder 10 Jahren mit dem Training, was für einen Wettkampfläufer sehr spät ist (die meisten Top-Läufer beginnen bereits mit 3 oder 4 Jahren). Dafür hat er es später definitiv noch sehr beeindruckend weit gebracht.

Sehr gut gefallen hat mir an dem Buch erstens der sehr witzige, selbstironische, aber trotzdem sehr reflektierte erwachsene Schreibstil. Das allein hat es zu einem Vergnügen gemacht das Buch zu lesen, aber auch der Inhalt kann vollends überzeugen. Mir hat vor allem gut gefallen, dass das Buch eine sehr gute Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Themen findet: Entwicklung der (nicht immer problemlosen) Beziehung zu seiner Mutter und seinem Vater , Schilderung vom Eiskunstlauf-Trainingsalltag, Anekdoten über seine Trainer (Eiskunstlauffans werden vor allem Nikolai Morozov und Rafael Aratunian natürlich kennen), Wettbewerbe, aber auch Coming Out, Privat- und Liebesleben und Freundschaften mit anderen Eisläufern wie Ashley Wagner und Mirai Nagasu. Dabei ist das Buch für ein amerikanisches Buch über Eiskunstlaufen sehr offen und nicht dem schönen Schein verpflichtet (wie es bei anderen Eiskunstlauf Biografien doch oft zu sein scheint) und auch Themen wie Alkohol, Sex und leichte Drogen werden nicht ausgeklammert.

Mir hat vor allem gut gefallen, dass man durch das Buch einmal einen Einblick bekommt, wie viele verschiedene Faktoren im Hintergrund die Karriere eines Eisläufers beeinflussen, als Fan schaltet man meist den TV (oder heute Youtube) ein, sieht einen Wettbewerb bei dem ein Läufer einen schlechten Tag hat und stürzt und hat aber keine Ahnung, welche finanziellen Hindernisse, privaten Beziehungsprobleme oder sonstige Unwegsamkeiten den Läufer die letzten Tage oder Wochen so begleitet haben. Man bekommt dadurch nochmal einen ganz anderen Blick darauf wie schwierig so eine Sportler-Karriere ist, allein deswegen fand ich das Buch für jeden Sportfan lesenswert.

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Krimi Tipp: „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos

Heute möchte ich einen außergewöhnlichen Krimi/Thriller vorstellen nämlich „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos (das Buch wird glaube ich unter Thriller geführt, ist aber definitiv kein typischer Spannungsthriller, sondern eher ein sehr raffinierter psychologischer Krimi).

Der Roman beginnt ziemlich mysteriös, denn als Leser weiß man erstmal gar nicht, welche Rolle die vielen vorgestellten Personen in dem Buch eigentlich einnehmen. Am Anfang steht das vergangene Erlebnis eines kleinen Jungen, der nachts ein traumatisierendes Erlebnis hat. In Folge und in der Gegenwart lernen wir einige erwachsene Charaktere kennen: Junia, ist Mountain-Bikerin und Sporturlaub-Reiseführerin, die gerade ins Allgäu gezogen ist, um dort in einem Hotel zu arbeiten und davon träumt endlich sesshaft zu werden. Passenderweise lernt sie dort den Arzt Thies kennen, der auf den ersten Blick genau das ist was sie sucht. Doch Thies ist unglücklich mit einer älteren Alkoholikerin verheiratet und hat offensichtlich einigen Dreck am Stecken.

Ann Beck nimmt an einer von Junia geführten Mountainbike Tour statt, ist unglücklich verheiratet und mit ihrem Leben unzufrieden und verschwindet nach der Mountainbike Tour spurlos. Ein unbekannter Ich-Erzähler träumt davon eine Frau zu entführen, scheitert aber bei der Umsetzung (noch) an seiner Angst. Und der Psychologe Theodor ist unglaublich glücklich verheiratet, kompetent und leidenschaftlich in seinem Job in einer psychologischen Klinik und wirkt fast schon zu perfekt um wahr zu sein.

Was diese Charaktere miteinander verbindet erschließt sich erst im Laufe des Romans ganz allmählich. Das Buch nimmt sich viel Zeit die einzelnen Personen und deren Gefühlswelten und Abgründe vorzustellen und springt vor allem Anfang sehr oft zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her. Ich fand das aber keineswegs verwirrend, sondern sogar eine spannende Art und Weise langsam in das Geschehen hineinzufinden. Die Faszination der Geschichte liegt dann auch weniger darin begründet, dass die Handlung klassisch thrillermäßig spannend ist, sondern darin das Rätsel zu lösen wie alles zusammen hängt. Das gelingt dem Buch finde ich sehr gut, auch wenn die Auflösung am Ende, dann alles fast nochmal etwas sehr explizit aufdröselt.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und es sticht aus der Masse von Krimis und Thrillern definitiv als außergewöhnlich heraus. Allerdings enthält es teilweise trotzdem sehr brutale Gewaltszenen. Wer das gar nicht mag, ist mit dem Buch nicht gut beraten.