Bücher

Buch-Tipp: „Eine redliche Lüge“ von Husch Josten

„Eine redliche Lüge“ von Husch Josten ist laut Beschreibung ein Gesellschaftsroman. Ich muss zugeben, dass mich bei dem Buch zunächst primär das vor allem von der Farbgebung attraktive Cover ansprach. Doch auch die Thematik klingt durchaus lesenswert: die junge Elise arbeitet nach ihrem Studium und vor ihrem Einstieg ins Berufsleben den Sommer 2019 lang als „Hausmädchen“ für das charismatische Paar Margaux und Philippe, die in ihrem außergewöhnlich geformten Haus in der Normadie an vielen Abenden illustre Abendessen für verschiedene Gäste aus verschiedenen Gesellschaftsschichten abhalten. Teils werden dort Business-Kontakte für zukünftige Projekte , teils das Dorf-Netzwerk gepflegt, Elise bereit das Essen vor und versorgt die Gäste und ist so immer hautnah dabei. Sie bekommt Gespräche mit über gesellschaftspolitische Themen, über Liebe, Betrug, die Vergangenheit, die Gesellschaft, aber auch Klatsch und Tratsch, mal mehr, mal weniger anregend. Außerdem vergöttert sie Margaux bis zu einem gewissen Grad und stellt das Paar auf einen Podest. Um so schockierender für sie als am Ende des Sommers alles was sie als perfekt ansah auseinanderbricht.

Der Roman ist flüssig, leicht und unterhaltsam geschrieben und erweckt wirklich ein Gefühl in Frankreich bei diesen Abenden dabei zu sein, das Gefühl wird sehr gut rüber gebracht. Restlos überzeugen konnte mich der Roman allerdings trotzdem nicht, denn etwas zu konstruiert wirkt das ganze Setup. Außerdem lebt er zu sehr großen Teilen davon, dass von Anfang an klar ist, dass die von Elise verklärte Idylle irgendwann durch einen „Knall“ endet, das Buch steuert damit unaufhaltsam auf einen Höhepunkt zu, der für mich dann aber irgendwie eher banal wirkte. So hatte ich zwar viel Spaß beim Lesen des Romans, die Lobeshymnen bezüglich der gesellschaftlichen Relevanz aus den Pressetexten kommen mir aber dann doch etwas überzogen vor, für mich fehlt es dafür doch etwas an Substanz. Das klingt jetzt aber kritischer als es gemeint ist, eine vergnügliche und clevere Lektüre war das Buch trotzdem.

Hörbuch

Hörspiel-Tipp: „Krabat“ von Otfried Preussler

„Krabat“ von Otfried Preussler ist eines meiner absoluter Lieblings-Jugendbücher aller Zeiten. Ich habe es als Kind bestimmt um die 10x gelesen und auch als Erwachsene 1-2x. Als ich nun sah, dass es eine Neuauflage der Hörspiel-Fassung von 2016 gibt, habe ich beschlossen mich mal an eine andere Umsetzung zu wagen.
Die Geschichte dürfte Vielen vermutlich bekannt sein, der Kampf gegen Schwarze Magie, die Kraft der Liebe, für ein Jugendbuch sehr düster und teils auch brutal, basierend auf der alten sorbischen Krabat-Sage, ist es ein sehr poetisches und kraftvolles Buch. Der 14-jährige Waisenjunge Krabat wird von einem Traum wiederholt auf eine Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm aufmerksam gemacht, sie scheint nach ihm zu rufen und nachdem er sich dorthin aufgemacht hat, beginnt er eine Lehre als Müllerbursche. Zunächst findet er die Arbeit trotz des strengen und teils grausamen Müllermeisters spannend, vor allem als er lernt, dass dort nicht nur die Arbeit als Müllersbursche gelehrt wird, sondern die Kunst der Schwarzen Magie. Doch bald muss Krabat erkennen, dass er einen Pakt eingegangen ist, der ins Verderben führt und dass in der Mühle schlimme Dinge vorgehen…

Das Hörspiel wird von den vielen Beteiligten Lesern sehr gut gelesen und ist mit sehr sehr schöner mystischer und atmosphärisches Musik unterlegt, alles ist sehr harmonisch arrangiert, Max Mauff liest den Krabat sehr sensibel, sehr gut gefallen hat mir auch Laura Maire als seine Angebetete Kantorka.

So hat mir das Hörspiel wirklich gut gefallen, auch wenn ich als Fan des Buches sagen muss, dass es mich doch nicht ganz in gleichem Massen verzaubern konnte wie das Buch, aber das ist vermutlich auch sehr schwierig, wenn man das Buch so sehr mag und den für ein Hörspiel notwendigen Kürzungen geschuldet und vermutlich eher eine individuelle Sache, generell ist das Hörspiel absolut empfehlenswert. Ausgesprochen gelungen finde ich auch das Cover der neuen Ausgabe.

Bücher

Buch-Tipp: „Uns zusammenhalten“ von Mirthe van Doornik

„Uns zusammenhalten“ von Mirthe van Doornik ist ein sehr berührender Roman aus den Niederlanden. Es geht um die beiden Schwestern Kine und Nico, die in den 90ern mit ihrer Mutter Nora in einem tristen Vorstadthochhaus leben. Die Mutter ist alkoholkrank, esoterisch und hippiemäßig angehaucht und ist immer auf der Suche nach einem ganz anderen Leben. Der Vater holt die Mädchen ab und zu ab, kümmert sich aber wenig und irgendwann findet er eine neue Liebe.
Kine und Nico müssen sich also schon in jungen Jahren ganz alleine durchschlagen. Als die Familie z.B. eine Reise nach Disneyland Paris gewinnt, setzen sich Nora und ihr aktueller Lover ab um das Grab von Jimi Hendrix zu besuchen, Kine und Nico bleiben alleine zurück, mit einer Freiheit die sie gar nicht wollen. Die Geschichte wird immer abwechselnd aus der Sicht von Nico und von Kine erzählt und behandelt immer Zeitsprünge im Abstand einiger Jahre. In jungen Jahren sind die Schwestern sehr eng und geben sich gegenseitig halt, doch mit der Zeit zieht die ältere Nico sich immer mehr in sich selbst zurück, während sie ihre Mutter aktiv ablehnt und ihr nicht verzeihen kann, ist Kine ein ganz anderer Typ, widerstandsfähiger, aktiver und nie ganz bereit ihre Mutter aufzugeben. So begleitet der Leser Kine und Nico von der relativ frühen Kindheit bis ins Erwachsenenleben, sieht wie sie erwachsen werden, wie sich Noras Zustand immer mehr verschlechtert und wie die beiden Schwestern unter diesen schweren Umständen erwachsen werden.

Für mich war „Uns zusammenhalten“ eines der besten Bücher die ich dieses Jahr gelesen habe. Auch wenn die Geschichte in jeder Hinsicht schwer ist, ist es trotzdem kein besonders trauriges Buch, ich fand es nicht mal besonders deprimierend. Zu liebenswert sind Kine und Nico und zu berührend ist die Geschichte erzählt und auch Humor spielt durchaus eine Rolle. Gut finde ich, dass nicht geurteilt wird und auch Noras Rolle mit Empathie betrachtet wird, etwas das dem Leser sehr schwer fällt, schafft zumindest Kine in dem Buch und es wirkt alles zu 100% glaubwürdig und wie aus dem echten Leben, nicht wie eine fiktionale oder beschönigte Version der Ereignisse.

Für mich eine klare Leseempfehlung.