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Krimi-Tipp: „Bluthaus“ von Romy Fölck

Heute möchte ich „Bluthaus“ vorstellen, den 2. Regionalkrimi aus der Elbmarsch von Romy Fölck. Hauptperson der Krimireihe ist die Polizistin Frida Paulsen, die nach dramatischen Ereignissen im Vorgänger-Band mit ihrer Karriere als Polizistin hadert und eigentlich gerade eine Pause aus dem Polizeidienst nimmt.

Cover

Ein Reetdach-bedecktes Häuschen, das im Buch auch tatsächlich eine wichtige Rolle spielt: von dem her kann man sagen „Thema getroffen“.

Autor

Romy Fölck ist eine recht neue Stimme in der Deutschen Krimi-Szene. Ihren ersten Roman „Totenweg“ habe ich auch schon gelesen und für ziemlich gut befunden. Da Norddeutschland im Regionalkrimi-Markt noch nicht ganz so dominierend vertreten ist wie zum Beispiel die Alpenregion freue ich mich immer über neue Autoren in diesem Genre.

Charaktere

Hauptpersonen in dem Buch sind Frida Paulsen, eine noch junge Polizistin, die bei den Geschehnissen im ersten Band „Totenweg“ fast ums Leben kam. Weiterhin spielt ihr Kollege Bjarne Haverkorn eine wichtige Rolle im Buch. Er ist ein älterer bodenständiger Ermittlungsbeamter, dessen Privatleben auch in diesem Band einige Turbulenzen durchläuft. Die Krimihandlung dreht sich in diesem Band um Friedas alte und sprunghafte Jugendfreundin Jo, die im ersten Band auch schon auftauchte. Abgesehen davon gibt es in dem Buch noch einige Nebencharaktere, aber im Gegensatz zu anderen Krimireihen ist das Ermittlungsteam überschaubar, was mal eine nette Abwechslung ist. 

Plot

Eine Frau wird in einem alten leerstehenden Bauernhaus brutal erstochen und verblutet. Frida Paulsens Freundin Jo findet das Opfer und versucht sie zu retten. Nach der Befragung durch die Polizei verschwindet Jo aber und behauptet die Polizei wolle ihr etwas anhängen. Auch Frida merkt, dass Jo etwas verheimlicht und macht sich auf die Suche nach der Freundin. Hat sie etwa wirklich etwas mit dem Mord zu tun?

Schreibstil

Der Schreibstil ist sachlich, gut lesbar und unterhaltsam, so dass man Romy Fölcks Bücher schnell weglesen kann. Trotzdem sind die Charaktere lebendig geschildert und man kann sich gut mit ihnen identifizieren. 

Fazit

Die Krimis von Romy Fölck sind sehr gute Unterhaltung, wenn man gerne Regionalkrimis liest und einen gelungenen Mix zwischen Privatkram und Krimihandlung mag. Eigentlich würde ich dem Buch eine volle Leseempfehlung geben, hätten mich nicht einige unlogischen und unrealistischen Verhaltensweisen der Polizisten beim Ermitteln etwas genervt. So spielt zum Beispiel ein Teil der Handlung direkt an der Küste. Es gibt einen Notfall und Frida versucht einen Notruf abzusetzen, landet aber im dänischen Mobilnetz und beim dänischen Notruf. Anstatt dann auf Englisch um Hilfe zu bitten legt sie einfach auf und spricht einem Kollegen auf die Mailbox. Das fand ich einfach völlig abstrus und später passiert es dann auch nochmal fast genauso. Solche Versuche die Handlung künstlich dramatisch zu halten, finde ich dann doch auch handwerklich etwas arg ungeschickt.

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Krimi Rezension: „Der Unfall auf der A35“ von Graeme Macrae Burnet

Den Roman „Der Unfall auf der A35“ habe ich auf meine Leseliste genommen, da ich auf sehr unterschiedliche Rezensionen dazu gestoßen bin. Den Ausschlag zum Lesen hat dann auch tatsächlich eine sehr negative Rezension gegeben, die bemängelte, dass es sich bei dem Roman keineswegs um einen Krimi handeln würde. Auch sonst war die Leserin oder der Leser nicht überzeugt.
Da ich zwar sehr gerne Krimis lese, aber es in dem Genre doch eher selten Innovationen zu entdecken gibt, war ich dadurch neugierig auf einen Krimi der nicht einem typischen entspricht. Außerdem fand ich Cover und Klappentext ansprechend.

Hauptfiguren des Buches sind der französische Polizist Georges Gorski und der 17 jährige Teenager Raymond. Beide leben in der elsässischen Kleinstadt Saint Louis. Gorski ist dort Polizeichef, hat aber Probleme mit dem Selbstwertgefühl, seinem Privatleben, seinen Kollegen (und dem Alkohol).
Raymond ist der Sohn des Anwalts Bertrand Barthelme. Dieser kommt am Anfang des Buches durch einen angeblichen Unfall auf der A35 ums Leben. Eigentlich würde der Fall zu Akten gelegt werden, denn nichts daran scheint verdächtig. Aber Bertrands attraktive Ehefrau bittet Gorski um Nachforschungen und da er sich von ihr angezogen fühlt, fängt er an auf eigene Faust zu ermitteln. Raymond findet im Schreibtisch seines verstorbenen Vaters einen Zettel mit einer unbekannten Adresse in einer nahegelegenen Kleinstadt und fängt ebenfalls an sich auf die Spurensuche zu machen.

Die Kritik, dass das Buch kein Krimi sei, kann ich durchaus nachvollziehend, denn der Kriminalfall steht in dem Buch keineswegs im Vordergrund.
Stattdessen beschäftigt es sich ausführlich mit dem Innenleben der beiden ziemlich problembelastenden Charaktere Gorski und Raymond. Düster und negativ wirkt das Buch dadurch aber nicht, denn es hat einen sehr leisen schwarzen Humor und vor allem die (auch sexuellen) Irrungen und Wirrungen des pubertierenden Raymonds sind sehr unterhaltsam zu lesen. So würde ich das Haupttheme des Buches eher als Charakterstudie zweier Männer, die mit ihrem Leben und ihrer Position in der von ihnen eher verhassten Kleinstadt Saint Louis nicht zurechtkommen sehen. Mich hat es aber überhaupt nicht gestört, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich durch die vorher gelesenen Rezensionen „vorgewarnt“ war und dem Buch deswegen gegenüber sehr offen eingestellt war.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und direkt und dadurch sehr kurzweilig zu lesen und der Autor vermittelt glaubwürdig, dass das Buch in einem Frankreich vor einigen Jahrzehnten spielt (wann genau konnte ich nicht so richtig fassen, aber aus den Informationen zu schließen die über die Lebensgeschichte des Vaters preis gegeben werden habe ich eine Handlung geschlossen, die ca. Ende der 1970er oder Anfang der 1980er Jahre spielt).

Auch die Geschichte rund um den Autor und das Setting des Buches ist durchaus spannend. Wer sich dafür interessiert, sollte (erst nach Lektüre des Buches) gerne einmal Google bemühen.

Insgesamt fand ich das Buch kurzweilig, unterhaltsam und kreativ und für mich war es deswegen eine gute Wahl.

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Jörg Maurer: „Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“

„Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“ ist schon die 11. Folge der Krimiserie von Jörg Maurer rund um Kommissar Jennerwein und sein Team.
Damit ist es wie bei vielen Regionalkrimi-Serien wohl auch eher ein Buch für Kenner und Fans der Serie und nicht unbedingt zum Einstieg geeignet.

In diesem Band hat Kommissar Jennerwein sein ganzes Team zum Feiern in seine Berghütte eingeladen. Es soll also mal nicht um Verbrechen und Ermittlungen gehen, sondern einfach nur um Spaß. So beginnt der Abend in der Hütte auch entsprechend entspannt, nach und nach kommen die Teammitglieder an (wenn auch teilweise mit erheblichen Schwierigkeiten), doch im Laufe des Abends wird klar, dass sich ein brandgefährlicher Eindringling unter den Feiernden befindet. Und so geht es plötzlich nicht mehr um einen geselligen Abend unter Kollegen, sondern ums pure Überleben.

Parallel zu der aktuellen Krimihandlung hat der Roman noch einen Sub-Plot in dem wir mehr über die Jugend von Jennerwein erfahren,  er erzählt nämlich seinen Kollegen von seinem ersten „Kriminalfall“. Zu Schulzeiten wurde seine Schule von einem Übeltäter heimgesucht, der während der ganzen Adventszeit Stinkbomben im Schulgebäude zündete…Jennerwein versuchte damals den Schuldigen zu ermitteln, was angeblich der Einstieg in seinen Berufswunsch als Polizist war. So springt das Buch zwischen diesen beiden Erzählsträngen hin und her, was eine abwechslungsreiche Geschichte ergibt.

Was mich an dem Roman etwas überrascht hat, ist dass die Handlung rund um die Berghütte doch relativ action-reich ist, ich hatte eher eine Art klassischen „Whodunnit“ Krimi auf einer Berghütte erwartet. Dadurch war das Buch aber sehr kurzweilig und unterhaltsam zu lesen, auch wenn die Handlung natürlich teilweise etwas ins Absurde abdriftete (das ist bei den Jennerwein Krimis aber öfters so). Insgesamt ist es ein nettes Buch für die Vorweihnachtszeit, das einen kurzweilig unterhält sofern man nicht zu viel Realismus erwartet.