Musik

„Eigentlich höre ich ja gar keinen Schlager“ – Konzertbericht Helene Fischer in Köln

Gestern war ich also bei Helene Fischer. Ich finde Helene ja schon ziemlich lange ziemlich gut (so ca. 2009 – lange vor Atemlos – hab ich sie glaub das erste Mal beim Echo gesehen und gedacht: „das kann man sich für Schlager ja echt gut anschauen/anhören“). Seitdem hab ich sie immer gerne angeschaut, wenn es sich so ergeben hat (die Helene-Fischer-Show ist so schön Retro an Weihnachten, wie so eine Sendung aus der Zeit als es nur 3 Programme gab und man mit der ganzen Familie angeguckt hat was halt grade kam), vor allem weil ich ihre Musical-Stimme sehr schön finde, warm und klar, ähnlich wie Barbra Streisand, die ich auch sehr gerne mag.

Ich finde sie auch nicht „zu perfekt“ oder habe ein Problem mit unglaubwürdiger Kräuterbutter Werbung (oder was man sonst so heutzutage gemeinhin an ihr nicht mag)…übrigens glaub ich auch nicht, dass George Clooney ne Nespresso daheim hat oder Thomas Gottschalk dauernd Gummibärchen isst.

Allerdings wäre ich trotzdem eher nicht auf die Idee gekommen zu einem Schlagerkonzert zu gehen, bis meine Mutter sich das gewünscht hat. Daraufhin hab ich mit etwas Mühe Tickets in einer halbwegs südlichen Stadt ergattert (war ja eigentlich alles schon ausverkauft, außer irgendwelcher Zusatzkonzerte im Osten), deshalb auch Köln und nicht Stuttgart.
Zur Einstimmung hab ich ein paar ältere Konzerte von Helene recherchiert und festgestellt, dass Helene’s Live Shows viel geiler sind als erwartet, ein bisschen wie Madonna, bloß jugendfrei und mit Stimme (bei Madonna ist ja alles entweder Playback oder eher ausbaufähig live gesungen). Im Fernsehen kommt sie ja immer etwas übertrieben seriös und gestelzt rüber (vor allem für eine 30-jährige), aber das ist bei den Live-Konzerten gar nicht so. Seitdem hab ich mich echt auf das Konzert gefreut. Man sollte bei Youtube allerdings nicht weiter zurücksuchen als ca. 2009, außer zwecks Skurrilität (nachdem ich ein paar Videos von den Anfängen von Helene’s Karriere gesehen habe, also aus der Zeit als Florian Silbereisen noch ausgesehen hat wie seine eigene Switch-Parodie, gönne ich ihr übrigens jede verdiente Million schon als Entschädigung für Auftritte aus dieser Zeit 😉 Ein Highlight (ich übernehme keine Verantwortung für abgestorbene Gehirnzellen): https://www.youtube.com/watch?v=3u3V6bGSLqE#t=2m40s )

Die Anfahrt nach Köln mit der Bahn hatte ich aufgrund langjähriger Anreiseerfahrungen zu Urlauben und Events (mit Highlights wie: hinter Oldtimertraktorkette feststecken, liegengebliebener Zug, verdächtiges Gepäckstück im Zug, gestrichener Flug mit Info-Email im Spam Ordner, Notarzteinsatz im Flugzeug, …) sehr großzügig geplant.
Prompt blieben wir nach dem in die S-Bahn einsteigen an der 2. Haltestelle wegen eines „Notarzteinsatz im Zug“ auf „unbestimmte Zeit“ (eine meiner Lieblingsbahnformulierungen) stehen. Nach nur 15 Minuten mussten/durften wir aber die S-Bahn wechseln und haben unsren Zug zum Glück noch gekriegt (bei Zugbindung muss man als Bahn-Kunde ja die Verspätung der Bahnen hinterher vermutlich aufwändig beweisen, deswegen war mir das sehr recht).

Am Stuttgarter Hbf hab ich mich dank Stuttgart 21 Umbauten übrigens auch nicht mehr ausgekannt, obwohl ich da seit 15 Jahren regelmäßig unterwegs bin und von der S-Bahn zu den Fernzügen und umgekehrt muss man jetzt echt wandern…dann doch lieber mit dem Auto auf der A8 im Berufsverkehr.

Im Zug hab ich dann festgestellt, dass ich alles Wichtige eingepackt habe außer Unterhaltungsmedien (Buch, Kindle, Tablet) und mit dem Smartphone rumspielen ging auch nicht, weil ich das Ladegerät vergessen habe und mit Netzverbindung geht der Akku zu schnell leer. Außerdem hat man in der Bahn eh nie Datenempfang.
Also musste ich 3 Stunden Bahn fahren ohne Ablenkung und mit schlafendem Mitreisenden. Da ich mich extrem schnell langweile eine echte Herausforderung. Das „DB Mobil“ Magazin bot wie immer auch nur Unterhaltung für ca. 5 Minuten inkl.eines Interviews mit Jan Böhmermann wo er mal wieder Helene Fischer disst. Wobei er ihre Musik ja gerne scheisse finden darf, aber seine abwertend gemeinte Aussage, dass „Helene irgendwann keine Stadion mehr füllen wird“ vor einiger Zeit finde ich wirklich saudumm, weil es a) extrem wenige internationale und nationale Künstler gibt, die über Jahre und Jahrzehnte Stadien füllen, außer so Leuten wie AC/DC oder Grönemeyer und b) 99,9% der Musiker niemals auch nur in die Nähe von einmaligen Stadionkonzerten kommen und deutsche weibliche Künstler schon erst recht nicht (mir fällt da höchstens Nena in den 80ern ein, die mag ich übrigens auch sehr gerne, obwohl fast alle anderen die furchtbar finden 😉 ), so dass es selbst wenn das Helene’s allereinzigste Stadiontour bleiben sollte meiner Meinung nach eine unheimlich tolle Leistung ist, das überhaupt mal geschafft zu haben. Und ich finde sowas sollte man immer respektieren (ich finde die Scorpions z.B. musikalisch auch furchtbar, aber ihr Erfolg ist/war trotzdem was Besonderes).
Jetzt kling ich vermutlich schon wie so ein Helene Fischer Ultra, aber das musste jetzt mal gesagt werden 😉

Unser Hotel war super von mir ausgewählt, ca. 5 Minuten Fußweg vom Stadion weg und echt empfehlenswert (DHSH Gästehaus Köln, ein 2 Sterne Gästehaus der Deutschen Sporthochschule – eigentlich für Sportler, kann man aber auch so buchen – das aber durchaus mit so manchen 3 Sterne Hotels mithalten kann. Sauber, großzügige helle Zimmer, gutes Bad/Dusche und Frühstück auch völlig in Ordnung). Für ein Event im Rhein-Energie-Stadion echt unschlagbar. Wir waren also gechillt so um 17 Uhr rum im Hotel und sind dann so um 18:00 zum Stadion gelaufen.
Ich hab mich da schon gewundert, dass es an dem ersten Eingang den wir fanden (Südseite des Stadions) keine Schlange gab und wir innerhalb von 5 Minuten drin waren, bei einer Zuschaueranzahl von knapp 40 000 irgendwie verwunderlich (bei Madonna in der Halle und ca. 10 000 Zuschauern war immer eine Riesenschlange). Außerdem hat auch keiner unsre Taschen kontrolliert (da hätt ich auch meine Spiegelreflexkamera mitnehmen können). Heut hab ich aber auf Fotos Bilder vom Haupteingang im Norden gesehen, da war sehr wohl eine Riesenschlange. Glück gehabt offenbar, dass wir von hinten kamen.

Hinter dem Eingang mussten wir dann einige aufdringliche Douglas Mitarbeiter abwehren (das Parfum haben wir trotz Proben-Abwehr mehr als genug wahr genommen, war genauso wie wenn man in eine Douglas Filiale reinläuft 😛 ), aber sonst hielt sich das mit dem Merchandising echt in Grenzen und Kräuterbutter gabs auch keine (ich finde ja Til Schweiger hätte ruhig vorbei kommen können und Werbung für den gemeinsamen Tatort machen 😀 ).

Die Preise für Essen und Getränke fand ich dann gar nicht so überteuert wie erwartet, war ok, wir haben uns mit 2x Erdbeerbowle (lecker, aber gefährlich), Wurst und selbstgemachten Kartoffelchips (extrem unpraktisch im Handling) versorgt.

Erdbeerbowle Grundprodukt
Erdbeerbowle Grundprodukt
Warten auf Konzertbeginn…

Unsre Plätze fand ich echt in Ordnung, das waren auf der Tribüne so Business Seats (voll die VIP-weichen Sitze, nicht so Plastikschalen wie im Rest vom Stadion) und mein Platz gehört im Normalbetrieb wohl eigentlich:

Mein Platz
Mein Platz

(nebendran war „Begleitung von Toni Schmumacher“ und „Dopingarzt“ 😀 ).
Der junge Mann neben mir hat dann übrigens das Toni Schumacher Schild hinter meinem Rücken weggeklaut und mitgenommen (falls das hier jemand vom Rhein-Energie-Stadion liesst: ich saß da nur, ich hab das Schild nicht geklaut! ).

Die Zeit bis zur Vorgruppe ging dann echt im Flug rum, aber die Stimmung im Stadion und Drumherum war auch echt toll, wie auf einem XXL-Volksfest, aber ohne die negativen Ausschweifungen (nicht, dass die Leute da nicht saufen, aber es liegen halt keine Schnapsleichen mitten auf der Hauptstraße wie beim Oktoberfest und es kotzt nicht ständig jemand :-P). Sozusagen ein Volksfest mit Niveau 😀 Und alle waren so offen und fröhlich und gut gelaunt. Nicht, dass ich behaupten will, dass bei anderen Konzerten lauter schlecht gelaunte Leute rumliefen, aber es ist mir halt trotzdem irgendwie besonders aufgefallen, die sehr positive angenehme Grundstimmung. Und das Publikum ist wirklich so heterogen wie die Zeitungen immer schreiben, von 8 – 88, wie auf Ravensburger Brettspielen 😉

@Steffi: den Kommentar, dass unsrer Norwegen Busreise letztes Jahr ein paar Helene-Fans gut getan hätten, kann ich absolut unterschreiben.Ich würd definitiv lieber auf der Busfahrt ständig Atemlos singen anstatt zwischen lauter miesepetrigen Nörgeltouristen zu hocken 😉

Die Vorband „Glasperlenspiel“ fand ich dann tatsächlich ganz gut. Die machen so „Gute-Laune-Elektro-Pop“. Zwei Songs kannte ich auch schon, „Echt“ und „Nie vergessen“, aber mehr auf so eine „hat man schonmal gehört“ Art. Die Sängerin hat gut gesungen und die Musik war echt ok, bloß sind die Lieder alle etwas gleichartig und die Versuche der Sängerin die Leute zum Mitsingen zu bewegen warennicht grad von Erfolg gekrönt, aber das geht auch echt nicht, wenn man die Songs kaum kennt. Vorband ist natürlich auch immer eine schwere Aufgabe, weil alle grade erst ankommen oder Essen/Trinken (ich hab auch gegessen und getrunken). Dafür haben die das aber gut gemacht und es war definitiv eine Vorband, die man sich gut anhören konnte. Und ich finds auch gut, dass es kein Schlager-Act war (Helene hat ja sehr viele „eigentlich höre ich sonst gar keinen Schlager“-Fans, dazu gehöre ich auch :D, wobei ich diese Uralt-Dorffest-Schlager alle sehr gerne mag, aber sonst halt keine aktuellen Schlagersänger).

Glasperlenspiel
Glasperlenspiel

Das tatsächliche Konzert fand ich dann echt großartig, ganz anders als alle Konzerte wo ich bisher war (als Jugendliche war ich bei Guns N’Roses im Stadion, plus 2x bei Pur und den Prinzen – ich hatte schon immer einen flexiblen Musikgeschmack :D, als Erwachsene bei Melissa Etheridge, Nena, 2x bei Madonna und Rosenstolz), die Stimmung war so toll, sogar auf der Tribüne wo wir waren. Ich war bei Madonna einmal im Innenraum und bei G’N’R im Stadion auf den Tribünen und beim 2. Mal Madonna und Rosenstolz auch auf der Tribüne. Und bei allen Konzerten sind die Leute auf der Tribüne eigentlich immer gesessen, bei G’N’R hatte ich damals auch das Gefühl schon etwas von der Stimmung abgeschnitten zu sein (meine Eltern hatten mir mit 14 Innenraum nicht erlaubt). Das war gestern gar nicht so, weil fast alle auf den Tribünen auch von Anfang an fast die ganze Zeit gestanden sind und mitgesungen haben.

Überrascht war ich erstmal von der Lautstärke. Ich hatte gelesen, dass der Sound bei Helene in der Vergangenheit oft relativ leise war/ist, was mich etwas mit Besorgnis erfüllt hat, weil ich es hasse Musik zu leise zu hören und alle anderen Leute immer finden, dass ich abartig laut Musik höre. deswegen war ich erstmal kurzzeitig geschockt als Glasperlenspiel los spielten, weil ich spontan im ersten Moment dachte mir haut es das rechte Trommelfell weg, in Kombination mit Bass durch den ganzen Körper. So die erste Hälfte von Helene fand ich dann auch wirklich sehr laut und mein rechtes Ohr hat sogar leicht weh getan, aber egal. besser als zu leise. Vielleicht werde ich auch alt 😀 , wobei beim Rausgehen die Leute hinter mir sich drüber lustig gemacht haben, dass die Tochter in ein paar Tagen auch noch zu AC/DC geht wenn sie bei Helene schon Ohrstöpsel wollte, also fanden andere es wohl auch sehr laut (und es gibt offenbar noch mehr Leute mit einem flexiblen Musikgeschmack 😉 ).  In der 2. Konzerthälfte war es aber nicht mehr so extrem, keine Ahnung ob das daran lag, dass es keine so basslastigen Songs mehr waren oder ob die noch was nachjustiert haben, da fand ich den Sound dann jedenfalls genau richtig.

Helene fand ich toll, sie ist allerdings wirklich unglaublich winzig (jaja, genauso groß wie ich halt 😛 ) und die Bühne unglaublich riesig. Vielleicht wurde das signalgelbe Einstiegs-Outfit deswegen zum „Künstlerin erstmal finden“ ausgewählt 😉 Rein körperlich sah die Glasperlenspiel Sängerin echt ungefähr doppelt so groß aus 😀

Wahre Größe kommt von innen
Wahre Größe kommt von innen

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Die Show war auch klasse, die ersten paar Songs hatte ich etwas optische und akustische Reizüberflutung, das war so dynamisch und schnell/schnell, ich war richtig erleichtert als die erste Ballade kam (ich werde vermutlich tatsächlich alt ). So richtig megamäßig gepackt hats mich dann ab dem „Party Rock Medley“, einer theoretisch gewagten aber praktisch total geilen Komposition bestehend aus „Seven Nation Army“, „Sexy“ von Marius Müller Westernhagen, „Männer“ von Grönemeyer, „Sex on Fire“ von Kings of Leon und „The Best“ von Tina Turner. Aus irgendeinem Grund finde ich passt vor allem „Sexy“ total zu Helene’s Stimme, hätte ich nicht gedacht.
Danach fand ich auch die Gesamtstimmung nochmal so richtig am Kochen, obwohl die schon von Anfang an richtig gut war. Ab da wars bis zum Ende ein richtiger Flow. Wobei ich überrascht war, dass mir ganz andere Sachen am Besten gefallen haben, als ursprünglich erwartet. Bei Madonna fand ich immer dieses Gesamtding aus Show/Musik/Tänzern/Bühnenbild am Besten und weil Helene das ja auch so ähnlich macht, dachte ich, dass mir das hier auch am Besten gefallen wird, aber es hat sich rausgestellt, dass mir bei Helene eigentlich immer die Nummern am Allerbesten gefallen haben, wo sie einfach nur gesungen hat und gar nicht so viel Drumrum war (gut die Diskrepanz in dieser Hinsicht zwischen Madonna und Helene könnten an Madonna’s sehr begrenzten Live-Gesangfähigkeiten liegen 😉  ). Die amerikanischen Tänzer bei Helene sind zwar z.B. auch wirklich super, aber ich hab festgestellt,ich hätte die da gar nicht unbedingt gebraucht.

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In der kitschigen Blume hat Helene sehr schön gesungen
In der kitschigen Blume hat Helene sehr schön gesungen
Die Bilder find ich für ne Kompaktkamera im Automatikmodus echt nicht übel
Die Bilder find ich für ne Kompaktkamera im Automatikmodus echt nicht übel

Musikalisch fand ich dann wie gesagt das Party Rock Medley wirklich Hammer, dann „Ich wollt nie erwachsen sein“ (von Peter Maffay aus Tabaluga & Lily) und dann fand ich ausgerechnet „Everything I do“ von Bryan Adams absolut hammermäßig gut, obwohl ich den Song eigentlich absolut nicht ausstehen kann. Das hat Helene aber soooo toll gesungen. Von Helene’s eigenen Songs fand ich die Songs super, die Peter Plate von Rosenstolz für sie geschrieben hat (nicht sehr verwunderlich, Rosenstolz war ja auch meine Lieblingsband) und „Ein kleines Glück“, was der Graf von Unheilig für sie geschrieben hat (schon verwunderlicher, weil ich Unheilig musikalisch wirklich furchtbar finde) und natürlich „The Rose“ von Bette Midler,was einer meiner absoluten Lieblingssongs von einer meiner Lieblingssängerinnen ist. Ich liebe ja Barbra Streisand und Bette Midler und Helene ist die Einzige, die das singen kann und es gefällt mir dann genauso gut wie das Original. Und die Flugshow war geil (ich weiß das Pink das auch schon gemacht hat, aber da war ich ja nicht), siehe:

Wir waren uns einig, dass wir das auch mal gerne machen würden (aber vermutlich benötigt man dazu einen absolut nicht unerhebliches Ausmass an Körperspannung um nicht dazuhängen wie ein Mehlsack 😛 ).

Ansonsten muss ich sagen, live fand ich auch, dass Helene mit ihren „Uptempo-Schlagern“ stimmlich doch recht unterfordert ist, die Diskrepanz zu den Balladen und den Cover Songs fand ich da ziemlich krass, da bin ich echt mal gespannt was sie in Zukunft macht. Die Show hat sich vom Schlager ja eh schon sehr weit entfernt, bloß die deutschen Uptempo-Schlager sind da quasi noch übrig (wozu ich Atemlos nicht zählen würde, das ist ein reiner Party-Song). Die Schlager Songs sind halt zum Mitsingen fürs Publikum am Besten, aber Helene kann da stimmlich echt nicht viel zeigen. Ich finde ihre Stimme kommt bei ihren deutschen Balladen und bei englischen Musical- und Pop-Songs am besten zur Geltung (Rock klingt auch nicht schlecht, aber immer sehr retro nach einer Mischung aus Bonnie Tyler und Doro Pesch). Von dem her würde ich mir fürs nächste Album etwas Risikobereitschaft wünschen (den kommerziellen Erfolg von Atemlos und Farbenspiel zu toppen ist ja eh kaum vorstellbar), den eine Sängerin sollte von ihren eigenen Songs stimmlich halt eher nicht unterfordert werden…und ich hatte vom Mitsingen abgesehen echt nicht den Eindruck, dass die Schlagersongs besser angekommen sind als der Rest (der Anteil der tatsächlichen Schlagerfans bei einem Helene Konzert heutzutage würde mich eh mal interessieren, ich kenne eigentlich auch immer nur so „eigentlich hör ich das ja gar nicht“ Fans).

Noch ein paar Bühnenbild-Impressionen
Noch ein paar Bühnenbild-Impressionen
Hauptsache bunt
Hauptsache bunt

Bei Atemlos braucht Helene übrigens eigentlich nichts mehr zu machen, da könnte sie vermutlich auch auf der Bühne rumstehen und das Publikum würde das trotzdem alleine singen 😀
Es gab auch noch ein paar „Social Media“ Dinge, die ich schon aus beruflichen Gründen interessant fand. Helene hat mit der Person, die auf dem am Weitesten entfernten Platz sitzt (sowas um 150 Meter von der Bühne weg) ein Selfie gemacht, also die Person wurde auf der Leinwand eingeblendet und Helene hat mit einem iPad (Schleichwerbung) ein Selfie von sich mit der Person auf dem Leinwand gemacht (klingt jetzt komplizierter als es ist). das ist echt ne witzige Idee, wobei es mir peinlich wäre mit vollem Namen auf einer Leinwand vor 38 000 Menschen eingeblendet und angesprochen zu werden, aber ich würd mir auch nie so schlechte Plätze kaufen, da kann mir das ja nicht passieren (ich setz mich bei Veranstaltungen auch nie ganz nach vorne, damit ich nicht Gefahr laufe irgendwie einbezogen zu werden, sowas ist vermutlich nur was für extrovertierte Menschen 😛 ).

Und es gab eine Lightshow im Handy die man aktivieren konnte, so dass dann alle Handy zur Musik hübsch leuchten (hat bei mir nicht funktionieren, wegen zu alter Android Version), das fand ich auch nett. Alternativ natürlich das Einschalten der Taschenlampen-App im Handy zur Erzeugung von romantischer Stimmung. Übrigens haben bei meinem letzten Konzert die Leute tatsächlich noch mit Feuerzeugen romantische Stimmung erzeugt (ja, ich werde ja alt), allerdings muss ich sagen, das ist kein Beispiel für „früher war alles besser“, weil die leuchtenden Handys wirklich viel schöner aussehen. Außerdem raucht ja heutzutage keiner mehr und die Feuerzeug-Sache geht deswegen heute vermutlich gar nicht mehr 😀

Romantisch atmosphärisches Handy Bling Bling
Romantisch atmosphärisches Handy Bling Bling

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Insgesamt fand ich das Konzert jedenfalls echt ein einmaliges Erlebnis und mit Abstand das unterhaltsamste Konzert wo ich je war. Als Madonna Fan von mehreren Jahrzehnten schmerzt es auch etwas zu sagen, dass mir rein gar nichts einfällt was mir bei Madonna besser gefällt als bei Helene (außer dem etwas höheren Coolness-Faktor von Madonna’s Musik).

Ich werde auf jeden Fall wieder hingehen wenn Helene auf Tour geht.

Das Schlusswort überlass ich dem gestrigen Abend (ok, das ist jetzt zugegebenermaßen gesanglich auch nicht besser als Madonna 😀 ):

Fitness

Fitnesstraining mit Gymondo – Ein Erfahrungsbericht

Vor ca. 5 Wochen habe ich mich nach dem Lesen eines Werbeartikels zum Thema „Wie kriegt man einen Sixpack“ probeweise bei Gymondo (Online-Fitnesscenter) angemeldet, um zu sehen ob das in dem Artikel beschriebene Trainingsprogramm wirklich effektiv ist (oder bloß Werbe Bla Bla).

Mein Fitnessziel für 2015 ist etwas mehr Krafttraining in mein Training einzubauen (und ein Sixpack ;-)). Die letzten Jahre habe ich 1x die Woche Yoga gemacht (meist in einem professionellen Yoga-Center) und bin 1x die Woche Joggen gegangen. Ich war ganz zufrieden mit meinem Sportprogramm, aber hatte den Eindruck, es stagniert seit Jahren auf dem gleichen Level.

Gymondo kostet eine Monatsgebühr (die im Vergleich zu einem normalen Fitnesscenter sehr moderat ist) und bietet dafür viele Workout-Videos aus den Bereichen Cardio, Kraft, Dance und so Zeugs wie Yoga/Pilates, außerdem gibt es mehrwöchige Fitnessprogramme (teilweise kombiniert mit Ernährungsprogrammen), die einen festen Trainingsplan (3-4 Trainings die Woche) vorgeben. Interessanterweise dauern viele Workouts gerade mal ca. 20 Minuten (in dem Sixpack-Werbeartikel stand auch drin, dass man dafür 4x die Woche ca. 20 Minuten trainieren muss, was ja gar nicht so zeitaufwändig ist).

Ich hab mir dann ein Fitnessprogramm rausgesucht („Fit in den Frühling“), mit 4 Workouts die Woche (Di, Do, Sa, So). Die Workouts sind größtenteils Bodyshaping/Kraft-Trainings (ohne Geräte nur mit dem eigenen Körpergewicht, höchstens Hanteln kommen mal in Einsatz) mit ca. 20 Minuten Länge, ein paar Cardio-Trainings (z.B. Hip Hop, Capoeira) und einige Yoga/Pilates/Rücken Workouts dazwischen. Die Trainingseinheiten sind wie gesagt meist nur 18 – 25 Minuten lang, manchmal sind welche zwischen 30 und 45 Minuten dabei und einmal war ein 70 Minuten „Tactical Cardio“ Training angesagt.

In der ersten Trainingswoche habe ich mich kurzzeitig etwas übernommen, weil der Sprung von 2 auf 6 Workouts die Woche (Gymondo + Laufen + Yoga) wohl doch etwas zu viel war, da hatte ich kurz Knie und Rücken, aber nach einem Ruhetag, lief es ab der 2. Woche dann rund. Ich trainiere aktuell immer noch so:

– 4x die Woche Gymondo
– 1x Joggen
– 1x Yoga

Dazu habe ich mir den Ernährungsplan angesehen und ein paar Dinge davon umgesetzt:
– abends möglichst keine Kohlenhydrate mehr
– generell weniger Kohlenhydrate
– möglichst wenig verarbeitete und gesüßte Lebensmittel
– Nüsse als Snacks, statt Schokolade
– normaler Kaffee statt Latte Macchiato bei der Arbeit

Eigentlich alles Sachen, die man ja eh schon weiss 😉 Der Verzicht auf tägliche Schokolade ist mir erstaunlich leicht gefallen, mit dem vermehrten Sport ist der Heißhunger auf Süßes von alleine verschwunden. Natürlich habe ich mich nicht immer streng daran gehalten (an einem Tag hab ich mich von Grillhähnchen und Bananen Split ernährt, hat aber auch nichts geschadet). Und Latte Macchiato gibt’s jetzt halt 1x die Woche, statt 5x.

Bei mir hat das Training sehr schnell viel Wirkung gezeigt:
– Ich habe in 4 Wochen ca. 3 Kilo abgenommen (die Weihnachts- und Osterschokolade ;-)). Da ich nicht mehr abnehmen muss/darf, werde ich ab jetzt etwas mehr essen können, den veränderten Grundernährungsplan werde ich aber beibehalten
– Vor allem am Bauch sieht man wirklich schon viel Veränderung muskulär
– ich fühle mich deutlich fitter (das merke ich vor allem auch beim Joggen) und habe das Gefühl meine Knie sind schon deutlich belastbarer geworden, da ich letztes Jahr schon bei viel weniger Sport oft Knieprobleme bekommen habe und auch mein Rücken ist noch stärker geworden (Rückenprobleme hatte ich aber auch durch das Yoga schon seit Jahren so gut wie gar nicht mehr).
– beim Reiten hat sich mein Sitz sehr verbessert, da ich durch die verbesserten Bauchmuskeln nicht mehr so ins Hohlkreuz komme
– ich bin tatsächlich auch beweglicher geworden, obwohl ich immer dachte, dass viel Krafttraining unbeweglicher macht, aber die Programme enthalten ja auch viele Beweglichkeitsanteile
– seit ich 4x – 6x die Woche nach Plan Sport mache, habe ich keine Schwierigkeiten mehr mich dafür zu motivieren. Bei 2x die Woche musste ich mich oft aufraffen. Jetzt fehlt es an den trainingsfreien Tagen eher.

Von den Workouts gefallen mir bei Gymondo die Bodyshaping/Kraft-Workouts am Besten, da diese so kurz knackig und intensiv sind. Ich glaube sie orientieren sich vielleicht etwas am HIIT Prinzip (High Intensity Intervall Training). Dabei habe ich Krafttraining wegen der Monotonie bisher immer gehasst. Aber 20 Minuten sind einfach so kurz und die Workouts so anstrengend, dass einem nicht langweilig werden kann.
Die Cardio Workouts sind auch nicht schlecht, vor allem mit Capoeira konnte ich mich anfreunden, nachdem ich den Grundschritt mal kapiert habe. Hip Hop ist eigentlich nur Aerobic mit „coolerer“ Haltung und ist mir deswegen leicht gefallen, weil ich vor ein paar Jahren regelmäßig Aerobic gemacht habe.
Yoga und Pilates fand ich eher mittelmäßig, Yoga ist im Fitnessstudio eigentlich nie gut. Wenn man das ernsthaft machen will, sollte man ein Yoga-Studio besuchen. Zur Auflockerung zwischendrin aber ok.
Pilates fand ich eher langweilig und auch noch weniger anstrengend als Yoga (ich dachte immer das sei ein intensives Training. Im Vergleich zu den anderen Gymondo Workouts ist es aber eher lahm).
Die beiden Rückentrainings, die dabei waren, sind einfach aber extrem angenehm (fast wie Wellness).
Nicht gefallen hat mir bisher nur das 70 Minuten „Tactical Cardio“ (ich hab den Eindruck, das ist im Grunde Zirkeltraining oder so ähnlich), weil das einfach in der Länge zu monoton ist.

Von der Schwierigkeit her habe ich bisher meist Workouts der Kategorie „Mittel“ gemacht und fand sie gerade richtig. Meist komme ich gut ins Schwitzen und es sind 1-2 Übungen dabei wo ich kurz mal richtig die Zähne zusammenbeißen muss, aber ich fand die Übungen immer gut meistbar. Es werden auch jeweils eine einfache und eine schwierige Variante gezeigt (jeder Workout wird von einer Trainer(in) durchgeführt und 2 Mittrainierende zeigen je eine schwierige und eine leichte Variante). Meine Grundfitness war aber wohl schon ganz gut (die Facebook Kommentare unter den Workouts scheinen die Workouts in der Masse doch als eher hart einzustufen), dabei war ich früher in der Schule immer eine der Unsportlichsten…

Die Übungen werden gut angesagt und es gibt viele Kommentare zur korrekten technischen Ausführung (bezüglich Knie und Rücken), allerdings sind die Cardio und Krafteinheiten eben sehr schnell und intensiv, so dass ich vor allem die Bodyshaping Einheiten eher nur für etwas Geübte empfehlen würde, da die Übungen für Beine und Po sehr viele schnell ausgeführte Lunges und Squats beeinhalten und man definitiv schon vorher langsam geübt haben sollte, speziell diese Übungen korrekt auszuführen. Es wird zwar immer wieder auf die korrekte Technik hingewiesen, allerdings schafft man das erfahrungsgemäß gar nicht, wenn man nicht genug Kraft oder Kondition hat und ich denke, dann ist die Gefahr zu hoch die Knie zu überlasten. Genauso kann man sicher Rückenschmerzen bekommen, wenn man die Bauchmuskeln bei anderen Übungen nicht genug aktiviert.
Es gibt aber auch Workout-Videos die einzelne Übungen im Detail erklären, Workouts mit der Schwierigkeit „leicht“ und ein Programm für Einsteiger.

Insgesamt gefällt mir Gymondo hervorragend (nee, ich werde nicht von denen für diesen Blogbeitrag bezahlt 😉 ) und sogar besser als ein richtiges Fitnessstudio, da man da immer erst hinfahren muss, plus ich mag den Geruch und die Atmosphäre in Fitness-Studios nicht und Workouts sind dort auch immer so lange…ich habe absolut den Eindruck, dass dieses HIIT Prinzip beim Fitnesstraining deutlich effektiver ist als 60 Minuten mit mittlerer Intensität irgendwas zu machen. Und es spart auch noch Zeit und macht mehr Spaß!

Das mit dem Sixpack in 8 Wochen halte ich auch für tatsächlich machbar, allerdings muss man dazu sagen, dass ein Sixpack generell nur möglich ist, wenn man (fast) kein Bauchfett hat, weil man die Bauchmuskeln sonst nicht sieht, darauf weist Gymondo allerdings auch hin. Ohne Diät wird das also nichts, außer man ist eh schon sehr schlank.

Allgemein

Intervalltraining für Pferde? „Equikinetic“ von Michael Geitner

Da ich schon längere Zeit das Thema Longenarbeit mit meinem Pony wieder intensivieren wollte, mein Pony sehr gerne mit Dualgassen arbeitet und weil ich bei meinem eigenen Fitnesstraining sehr gute Erfahrungen mit Intervalltraining gemacht habe, habe ich mir neulich das Buch „Equikinetic“ von Michael Geitner gegönnt. Dabei handelt es sich um eine Longiermethode in der Quadratvolte mit klar vorgegebenen Arbeitsintervallen:

http://www.cavallo.de/pferdevideos/video-equikinetic-neues-trainings-konzept-fuer-pferde.1000414.233219.htm

Es handelt sich hierbei um dieses Buch:

http://www.amazon.de/Equikinetic-%C2%AE-Pferde-effektiv-longieren/dp/3275020099/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1432558436&sr=1-1&keywords=equikinetic

Das Buch zur „Equikinetic“ fand ich leider nur mittelmäßig. Wie immer verliert sich Michael Geitner in recht vielen persönlichen Erfahrungen und Infos zu seinen Pferden, was zwar nett ist und für mich auch deswegen interessant war, weil er auch eine Stute mit EMS/Cushing (und Arthrose) hat und es deswegen zu diesem Thema überdurchschnittlich viel Inhalt gab, aber eigentlich passt es ja nicht so richtig rein. Außerdem wird die Methode etwas zu enthusiastisch dargestellt, quasi als Problemlösung für sämtliche Pferdegesundheitsprobleme der Welt, was nun wirklich etwas übertrieben ist. Dann besteht das Buch zu 90 Prozent aus allgemeinen Infos zu Anatomie und Muskeln und Sehnen und Faszien, was zwar im Prinzip sehr interessant ist, aber auch eher nur oberflächlich betrachtet wird (zu diesen Themen gibt es bessere Pferdebücher z.B. von Gillian Higgins oder Gerd Heuschmann). Infos zur tatsächlichen Trainingsmethodik werden dann mehr oder weniger auf 2-3 Seiten abgehandelt. Dass das ausreicht liegt daran, dass die Methode im Prinzip ja nicht kompliziert ist. Trotzdem wären ein paar mehr Infos zum Trainingsplan (Intervalle und Steigerung) gut gewesen, das war doch alles etwas unstrukturiert dargestellt.

Die erste Einheit haben wir heute erfolgreich hinter uns gebracht (8 Intervalle zu 1 Min mit je 30 Sekunden Pause dazwischen) . Mit Gletta lief das auch recht problemlos (gut die Handwechsel waren noch etwas holprig), sie kennt die Arbeit in der Quadratvolte aber auch schon sehr gut (aus dem Reitunterricht und aus der normalen Arbeit mit Dualgassen). Die ersten beiden Intervalle habe ich im Schritt gemacht, danach ging’s in den Trab. Ich hatte den Eindruck, dass Gletta damit gut zurechtgekommen ist und ich das recht schnell steigern kann.

Den Vorteil dieser Longiermethode sehe ich darin, dass das Pferd die Aufgabe schnell versteht, dass das Training durch die Intervalle klar strukturiert ist und man sich nicht verzetteln kann und dass man durch die Gassen fast automatisch einen perfekten Zirkel zustande bekommt (auch wenn bei der Equikinetic eine Quadratvolte gelegt wird, longiert man einen Kreis in Innstellung, was ein Unterschied zur tatsächlichen Arbeit in der Quadratvolte ist) und man sich als Longenführer fast komplett auf die Peitschenführung und Impulse am Kappzaum konzentrieren kann. Außerdem verhindert die Quadratvolte zielloses Umherwandern des Longenführers 😉

Den Nachteil von der Arbeit in der Quadratvolte sehe ich darin, dass man immer erst die ganzen Gassen anschleppen und aufbauen muss, was bei der Kürze der Einheiten oft in etwa die gleiche Zeit in Anspruch nimmt wie das Training selber. Das ist aber natürlich eigentlich nur eine Disziplinfrage 😉

Sicher stellt sich die Frage ob Longieren auf einem kleinen Zirkel für ein Rehepferd eine gute Idee ist.

Ich habe aber in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass ruhiges Longieren in eher untertourigem Tempo und in kurzen Einheiten für die regenerierten Rehehufe auch in engen Wendungen unbedenklich zu sein scheint (deckt sich auch mit den Aussagen von Herrn Geitner). Problematisch sehe ich eher das „Zentrifugieren“ in hohem Tempo. Da ich im Moment nur einen kleinen Reitplatz oder Roundpen mit Maximal-Durchmesser 13-14 Meter zur Verfügung habe, lassen sich enge Wendungen /Kreise bei der Platzarbeit nicht ganz vermeiden. Ich arbeite mit meinem Pony nach der Devise, je kleiner der Kreis desto niedriger das Tempo und das scheint gut zu klappen. Galopp generell nur in kleinen Dosen und am Liebsten im Gelände auf Wiesenwegen geradeaus.