Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Das Signal“ von Ursula Poznanski

Heute will ich ein absolutes Hörbuch-Highlight vorstellen: „Das Signal“ von Ursula Poznanski. Die Autorin ist schon seit Jahren eine meiner absoluten Favoritinnen im Bereich Thriller und Krimis für Jugendliche und Erwachsene, da ihre Bücher immer innovativ sind, gut geschrieben, spannend und das bei gleichbleibend hohem Niveau. In vielen ihrer Thriller spielen moderne Technologien und teilweise auch Science Fiction Elemente eine Rolle, so ist das durchaus bei „Das Signal“, wobei die Technologien hier etwas profaner und alltäglicher daher kommen als in manch anderen Romanen: Die Innenarchitektin Viola Decker findet sich nach einem Unfall schockiert im Krankenhaus wieder, beim Einsturz ihres Weinkellers wurde sie unter Schutt begraben und verlor ein Bein. Warum sie in dem bekannterweise unsicheren Gewölbe unterwegs war, weiß sie nicht mehr. Ihr Mann, ein im TV bekannter etwas windiger Meinungsforscher kümmert sich auf den ersten Blick wundervoll um Viola, doch sie traut seiner Fürsorge nicht ganz. Vor allem nachdem er ohne Absprache eine unnahbare Pflegerin für sie engagiert und sie aus Sicherheitsgründen ins Erdgeschoss ihres Hauses verbannt, während er selbst im Schlafzimmer im Obergeschoss schläft.

Da Viola nicht mobil ist, stattet sie ihren Mann (und mit der Zeit noch so einiges mehr) mit GPS-Trackern aus und wird immer süchtiger danach zu verfolgen wo er sich aufhält. Doch bald stellt sie fest, dass zu viel zu wissen auch unliebsame Überraschungen bedeuten kann. Und immer noch bleibt das Rätsel was an dem Tag als sie ihr Bein verlor eigentlich genau passiert ist…

Mir hat das Buch wirklich hervorragend gefallen. Die Charaktere sind alle interessant und was mein Highlight war: Viola ist von Anfang an nicht das typische Thriller-Opfer, dass versucht sich gegen einen gefährlichen Bösewicht zu verteidigen, sondern eine durchaus selbst moralisch ambivalente Person mit einem starken eigenen Willen. Dadurch machte mir dieser Thriller deutlich mehr Spaß als die typischen 08/15 Krimis.

Getoppt wird das sowieso schon gute Buch noch durch Tessa Mittelstädt (vielen Zuschauer:innen bekannt als langjährige Assistentin im Kölner Tatort) als Sprecherin, die einen der besten Hörbuch-Jobs macht, die ich bisher gehört habe. Sie bringt die Geschichte und auch die Hauptperson wirklich zum Leben, so dass ich mir keine perfektere Art und Weise vorstellen könnte, dieses Buch zu konsumieren. 

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ von Christine Werner, Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek

Heute möchte ich ein ganz besonderes Kinder- und Jugend-Hörbuch (das aber absolut auch für Erwachsene genauso geeignet ist) vorstellen: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ von Christine Werner, Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek. Das Buch trägt den Untertitel „Neonazis haben unsere Väter ermordet“ und somit bekommt man schon eine Idee worum es geht: Gamze und Semiya sind die Töchter zweier der Männer, die von der rechtsextremen Terrorzelle NSU ermordet wurde. Die beiden lesen jeweils Vorwort und Nachwort des Hörbuches selbst, gelesen wird es sonst sehr sehr gut von Pegah Ferydoni, Aysima Ergün und Elisabeth Günther (letztere spricht Erklärtexte über die Ermittlungen und den anschließenden Gerichtsprozess die in die sonstige Hörbuchhandlungen Immer wieder erklärend eingebunden werden). 

Normalerweise höre ich bei Hörbüchern eher leichte Thriller und Krimis, da es mir schwer fällt mich auf komplexe Themen einzulassen, wenn ich nebenher Auto fahre oder andere Tätigkeiten ausführe. Allerdings dachte ich mir, da das Buch für Kinder und Jugendliche gedacht ist, wird die Erzählweise sicher zugänglich sein. Außerdem finde ich dass die NSU-Morde (und das damit zusammenhängende Staatsversagen) ein Thema sind das in Deutschland beschämend wenig Aufmerksamkeit bekommt. Die Opfer mussten jahrelang darum kämpfen überhaupt als unschuldige Opfer angesehen zu werden und Polizei und Behörden schlossen jahrelang aus, dass die Täter aus dem rechtsextremen Milieu stammen. Da heutzutage Rechtsextreme wieder erstarken und „konservative“ Politiker wieder primär damit beschäftigt sind rechtsextreme Gefahren klein zu reden ist so ein Buch wichtiger als je zuvor.

Und das Buch ist wirklich großartig. Gamze und Semiya erzählen aus ihrer Sicht wie die Morde an ihren Vätern ihr ganzes Leben aus den Bahnen warf, nicht nur wurden ihre geliebten Väter kaltblütig ermordet, noch dazu wurden ihre Familien unter den Verdacht gestellt, selbst irgendwelche kriminellen Verbindungen zu haben und die Aufklärung dauerte Jahre, nur um in einen extrem belastenden und unbefriedigenden Prozess zu münden. 

Natürlich ist das kein Buch zum Wohlfühlen, die Geschehnisse machen auch unheimlich wütend, trotzdem ist es kein hoffnungsloses Buch, zu viel Stärke strahlen die beiden Frauen aus. Ich finde das Buch sollte Pflichtlektüre in Schulen sein, ich habe selbst noch viel über die Geschehnisse damals gelernt, das ich noch nicht wusste. Auch wird das Hörbuch sehr lebendig rübergebracht und exzellent gelesen. Hundertprozentige Lese- oder Hörempfehlung 

Bücher

Buch-Tipp: „Spielverderberin“ von Marie Menke

„Spielverderberin“ von Marie Menke ist ein Roman, der sich mit drei jungen Frauen beschäftigt: Sophie, Lotte und Romy. Sophie und Lotte stammen aus der gleichen ländlichen Gegend im Süthland (eine Region, die mir überhaupt nichts sagte, was wie sich rausstellte daran liegt dass die Autorin sie erfunden hat) und kennen sich seit Kindertagen. Romy zieht erst später mit ihren Eltern aus München in die Region und ist aus Sicht von Sophie und Lotte ein faszinierendes Stadtkind. Während Lotte und Romy sich eng anfreunden, bleibt Sophie zunächst außen vor. Diese Konstellation ändert sich als Lotte aus offensichtlich psychischen Gründen Zeit in einer Klinik verbringen muss. Sophie und Romy nähern sich an und die ganze Freundschaftsdynamik ändert sich…

Der Hauptteil des Buches wird aus Sicht von Sophie ca 5 Jahre später erzählt, die drei Freundinnen sind inzwischen erwachsen, Sophie und Romy leben in Köln, während Lotte immer noch im Süthland wohnt. Angeregt durch einen Chat von Lotte treffen sich die drei erstmalig wieder, doch die Kluft die sich durch ein tragisches Ereignis vor 5 Jahren gebildet hat, stellt sich als unüberwindbar heraus. 

Das Buch spielt mit der Frage was genau damals zwischen den drei Freundinnen ereignet hat, was erst gegen Ende aufgelöst wird und als Spannungsbogen durchaus funktioniert. Trotzdem hat mich das Buch nicht zu 100% überzeugt, denn Sophie ist mir als Ich-Erzählerin einfach etwas zu ich-bezogen und anstrengend gewesen, ihre Obsession mit Romy wirkte für mich eher nervig, ihre Minderwertigkeitskomplexe bezüglich dem Aufwachsen auf dem Landleben irgendwie überzogen und künstlich überhöht (empfinde ich zumindest als jemand die selbst auf dem Land aufgewachsen ist so). Über Romy und Lotte erfährt man relativ wenig, ich denke mehrere Perspektiven hätten dem Buch mehr Vielschichtigkeit gebracht.