Allgemein

Für Leseratten: Letzter Teil der Buch-Highlights 2015

Und zum Abschluss möchte ich noch einige Jugendbücher vorstellen, die mir besonders gut gefallen haben, sowie einige Bücher, die nicht aus dem Genre „Roman“ sind.

Jugendbücher:

Jugendbücher lese ich persönlich auch als Erwachsene immer noch sehr gerne, ich finde sprachlich stehen gute Jugendbücher Romanen für Erwachsene oftmals nicht nach und man findet komischerweise in diesem Genre oftmals einfacher Bücher, die sich mit außergewöhnlichen oder schwierigen Themen beschäftigen.

  • Lilly Lindner: Was fehlt wenn ich verschwunden bin: Normalerweise verschlinge ich Bücher, die mir gefallen in Windeseile…und nur Bücher, die ich mittelmäßig finde oder die mir nicht gefallen, lese ich stockend und gelegentlich widerwillig. Bei diesem Buch war das ganz anders, ich konnte es nicht verschlingen, weil ich fast auf jeder Seite über einen Satz gestolpert bin, den ich nochmal lesen musste, über den ich nachdenken musste und den ich nachvollziehen musste, weil er einfach eine Sache so auf den Punkt getroffen hat, wie ich es noch nie zuvor gelesen habe. In diesem Buch geht es im Prinzip über Magersucht und obwohl die Krankheit selbst finde ich in diesem Buch gar nicht sooo zentral thematisiert wird, habe ich noch kein Buch gelesen, in dem die Verzweiflung , die dahinter steckt so eindringlich und verständlich geschildert wird. Genauso habe ich noch kein Buch gelesen in dem trotz all der Verzweiflung so viel Liebe für einige besondere Personen ausgedrückt wurde. Das Buch regt auf vielen Ebenen zum Nachdenken an, zum Nachdenken über Worte, Wortbedeutungen, Sätze, über den Inhalt, über Familien, … Das Buch ist in zwei Hälften geteilt, die erste Hälfte wird aus Sicht der 9-jährigen Phoebe erzählt, die Briefe an ihre große Schwester April schreibt, die sich wegen ihrer Magersucht in einer Klinik befindet. Der zweite Teil ist dann aus Sicht von April geschrieben. Ich habe ein paar wenige negative Rezensionen zu diesem Buch gelesen, darin wurde meist entweder kritisiert, dass es zu viele Wortspiele gäbe. Diese Kritik kann ich nicht richtig nachvollziehen, denn Wortspiele habe ich in diesem Buch nicht gefunden, nur die Auseinandersetzung mit Worten. Die andere Kritik war meist, dass keine 9-jährige so schreiben könnte wie Phoebe. Diese Kritik kann ich bis zu einem gewissen Grad schon nachvollziehen.
    Anfangs hatte ich auch Schwierigkeiten mir Phoebe als 9-jährige vorzustellen. Und ja, ich kenne keine 9-jährige, die so spricht oder schreibt wie Phoebe in dem Buch. Aber ich kenne sonst auch keine 19-, 29-, 39-, 49-, 59-, 69-, 79-, 89-, oder 99-jährige, die so spricht oder schreibt und offensichtlich gibt es zumindest eine Person auf der Welt, die sich so ausdrücken kann, ich würde mich also nicht anmaßen zu beurteilen was einen Wortschatz eine 9-jährige haben kann. Von dem her habe ich am Anfang einfach irgendwann beschlossen mich auf dieses Mädchen einzulassen. Ich muss dazu sagen, dass mich die beiden Hälften des Romans auch unterschiedlich beeindruckt haben. Den Teil aus Phoebes‘ Sicht fand ich zum Nachdenken anregend. Den 2. Teil, aus Aprils Sicht fand ich mitreissend, schmerzhaft und er hat mich sogar zum Weinen gebracht. Trotzdem finde ich dass beide Hälften auf ihre eigene Weise funktionieren.
    Generell habe ich noch nie ein Buch gelesen wie dieses von Lilly Lindner. Aber ich hab jetzt definitiv große Lust alles zu lesen was sie geschrieben hat.
  • Rainbow Rowell: Eleanor & Park: An dem Buch „Eleanor & Park“ hat mich als erstes das Cover angesprochen, wirklich schlicht und ohne knallige Farben hat es mir trotzdem auf den ersten Blick gefallen und es passt perfekt zum Klappentext, denn es zeigt zwei Teenager, die nebeneinander sitzen (wenn man den Klappentext liest, ist es klar, dass sie vermutlich im Bus sind) und Musik hören.
    Liebesgeschichten sind ansonsten eher nicht so mein Genre, aber wegen dem attraktiven Gesamtbild wollte ich der Geschichte unbedingt eine Chance geben.
    Das ganze Buch dreht sich dann auch um die beiden Titelhelden, Park, ein eher unauffälliger Teenager asiatischer Herkunft, der versucht bei seinen Mitschülern möglichst wenig anzuecken, in dem er sich auf der täglichen Busfahrt (und vermutlich auch in der Schule) möglichst still und unauffällig verhält. Park kommt aus einer ganz normalen stabilen Mittelstandsfamilie und ist ein ganz normaler Teenager. Eleanor stammt aus eher turbulenten Familienverhältnissen und kommt an Parks Schule nachdem sie ein Jahr nicht bei ihrer richtigen Familie gewohnt hat. Sie hat es zuhause schwer und auch im Schulbus fällt sie sofort negativ auf, hat sie doch knallrote Haare, einen ungewöhnlichen Kleidungsstil und ist etwas pummelig. Alles Dinge, die bei zickigen „coolen“ Teenies nicht so gut ankommen. Eher widerstrebend lässt Park sie im Schulbus neben sich sitzen, weil er wie immer nicht auffallen will und schon gar nicht dadurch, dass er nett zu einer neuen Mitschülerin ist, die von allen anderen verspottet wird.
    So „unromantisch“ beginnt die Beziehung zwischen Eleanor und Park und das Buch zeigt sehr schön wie mit der Zeit aus einer unfreiwilligen Zweckgemeinschaft Liebe wird. Die beiden Hauptfiguren sind dabei wirklich sympathisch, die Unterschiede zwischen den beiden Familien sind toll dargestellt und das Buch hat mich deswegen wirklich sehr gut unterhalten.
  • Sanne Munk Jensen: Wir wollten nichts, wir wollten alles: „Wir wollten nichts, wir wollten alles“ ist ein sehr außergewöhnliches Jugendbuch. Die Geschichte beginnt damit, dass Liam und Louise, zwei junge Menschen, mit Handschellen aneinander gekettet tot aus dem Hafenwasser gezogen werden. Offenbar haben die beiden gemeinsam Selbstmord begangen, aber wie konnte es zu dieser Verzweiflungstat kommen? Die Geschichte wird aus Sicht von der toten Louise erzählt, immer abwechselnd erzählt sie in Rückblenden die Geschichte ihres letzten Lebensjahres, von dem Moment an als sie Liam kennenlernte. Dazwischen wird erzählt wie Louises und Liams Eltern und Freunde mit der Situation nach dem Selbstmord umgehen und wie sie verzweifelt versuchen mit ihrer Trauer klar zu kommen und herauszufinden was mit Liam und Louise passiert ist.Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen, die Charaktere sind lebensecht und die Verzweiflung und Gefühle aller Protagonisten sind jederzeit glaubhaft und berührend. Die Geschichte selbst ist absolut nichts für schwache Nerven, da es sehr viel Gewalt und krasse Szenen gibt, was für die Handlung aber auch unvermeidbar ist. Ich denke das Buch ist deswegen aber auch eher für ältere Jugendliche oder Erwachsene geeignet. Es ist auch keines dieser Jugendbücher, die man als Erwachsener zwar auch lesen kann, bei dem man aber immer merkt, dass es doch eigentlich ein Jugendbuch ist, sondern es ist absolut ein Buch das man in jedem Alter lesen kann. Für mich ist das eines der besten Bücher, das ich in den letzten Monaten gelesen habe, weil sowohl Handlung als auch Stil außergewöhnlich und überdurchschnittlich sind.
  • Seita Vuorela: Wir fallen nicht: Die Hauptpersonen in „Wir fallen nicht“ sind zwei Brüder: Wladimir und Mitja. Die beiden sind mit ihrer Mutter auf einer Camping-Reise, es ist aber kein normaler Sommerurlaub, denn einige Zeit vorher ist etwas Furchtbares geschehen. Mitja ist mit seinem besten Freund in einem leerstehenden Gebäude umhergestreunt und sein bester Freund kam dabei bei einem Sturz ums Leben. So gestaltet sich die Prämisse dieses außergewöhnlichen Romans…Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, einmal erzählt Mitja seine Geschichte als Ich-Erzähler, dann gibt es Teile, die aus Wladimirs Sicht erzählt werden und Teile die aus der Sicht eines geheimnisvollen Mädchens erzählt werden, auf das Mitja während seiner Streifzüge am Urlaubsort trifft.Die Geschichte, die mit diesem Roman erzählt wird ist wirklich außergewöhnlich und auch ganz anders als ich anhand des Klappentextes erwartet hatte. Die Atmosphäre ist mystisch und auch etwas bedrohlich, die Sprache ist definitiv eine der größten Stärken des Romans. Die Autorin schreibt poetisch und trotzdem ist es jederzeit glaubhaft, dass die Geschichte aus Sicht von Teenagern erzählt wird. Man glaubt Mitja jedes Wort und die Gefühle der Protagonisten sind jederzeit glaubhaft.Von einer 5 Sterne Bewertung hat mich lediglich die Tatsache abgehalten, dass es recht früh ersichtlich ist, worauf die Geschichte hinausläuft. Außerdem ist es manchmal vielleicht etwas zu viel des Guten was die Mystik angeht. Trotzdem ein ganz hervorragender Roman!
          

Autobiographisches

  • Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft: Hape Kerkeling mag ich schon „immer“, in meiner Kindheit als „Comedian“, später als Moderator und auch „Ich bin dann mal weg“ hat mir als Buch schon ausnehmend gut gefallen. Also wollte ich auf jeden Fall auch seine Autobiografie lesen, ich habe mich dann aber für die Hörbuch Variante entschieden. Auch wenn ich inzwischen festgestellt habe, dass Hörbücher im Allgemeinen doch nicht so mein Ding sind, bin ich in diesem Fall froh, das Hörbuch genommen zu haben, da Hape Kerkeling einfach unheimlich toll vorliest und wer sonst könnte seine Kindheit optimal schildern, wenn nicht er selbst? Die Autobiografie ist auch tatsächlich hervorragend, es handelt sich dabei um ein sehr warmherziges Buch, voller toller Beschreibungen von Personen und Ereignissen, es handelt sich dabei aber keineswegs um ein besonders lustiges Buch (auch wenn es natürlich witzige Passagen und Ereignisse gibt), da Hape nicht gerade eine einfache Kindheit hatte. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall jedem, der Interesse an Hape hat oder generell gerne gute Autobiografien liest.
  • Adam Fletcher: Make me German – Wie ich einmal loszog, ein perfekter Deutscher zu werden: Hierbei handelt es sich um ein Wendebuch (das Buch ist einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch abgedruckt) von dem Briten Adam Fletcher, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt und sich in diesem Buch aus Sicht eines „Zugezogenen“ (oder Neigschmecktem, wie man hier in Schwaben sagen würde 😉 ) versucht typische Deutsche Traditionen, Marotten und Klischees zu erforschen und am Besten gleich selbst auszuprobieren. Normalerweise mag ich eher keine Bücher aus dem Genre „Humor“, aber ich fand dieses Buch durchweg sehr gelungen und vor allem kann ich viele von Adam’s Eindrücken über Deutschland und die Deutschen auch sehr gut nachvollziehen. Ein sehr nettes Buch für zwischendrin, dass durch die Zweisprachigkeit auch nicht so umfangreich ist, wie es auf den ersten Blick wirkt (ich habe es übrigens auf Englisch gelesen).

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