Allgemein, Bücher

(Verspätete) Bücher-Highlights aus 2015

Bevor 2016 zu weit voranschreitet, möchte ich noch ein paar persönliche Buch-Highlights aus der 2. Hälfte von 2015 vorstellen, also Bücher, die ich überdurchschnittlich gut fand oder die ich aus einem anderen Grund besonders erwähnenswert finde.

1. Katharina Hartwell:  „Der Dieb in der Nacht“ – Genre: Belletristik

„Der Dieb in der Nacht“ ist der zweite Roman der Autorin Katharina Hartwell. Ihr Erstlingswerk „Das Fremde Meer“ hat mir auch schon sehr gut gefallen, vor allem die poetische und wunderschöne Sprache und die spannende Grundidee hatten mir es da wirklich angetan. Allerdings gab es in dem Erstlings-Roman im Mittelteil für mich doch ein paar Längen, so dass mich der Roman nicht komplett vom Hocker gerissen hat. „Der Dieb in der Nacht“ kommt jetzt im Vergleich etwas kompakter und gradliniger und weniger mystisch herbei.

Im Fokus der Geschichte steht das Verschwinden des 19-jährigen Felix. Er verschwand vor einigen Jahren plötzlich spurlos, ein Ereignis, dass das Leben seiner Familie und seines besten Freundes Pauls nachhaltig beeinflusst und geprägt hat. Das Buch beginnt mit Paul, der in Prag plötzlich unerwartet einen mysteriösen Mann, Ira Blixen, trifft, der ihn an seinen Jugendfreund Felix erinnert, obwohl er ihm eigentlich gar nicht ähnlich sieht. Als sich herausstellt, dass Blixen auch noch nach einem Gedächtnisverlust keine Erinnerung an sein früheres Leben hat, ist Felix nach kurzer Zeit völlig überzeugt, Felix vor sich zu haben. Er lädt Blixen in sein Leben und nach Deutschland ein, eine Entscheidung die weitreichende Folgen für alle Beteiligten haben wird.

Das ganze Setting des Buches ist sehr düster und mysteriös, die Sprache ist einfach unheimlich schön und poetisch und dabei manchmal unheimlich treffend und zum Denken anregend, so dass man eigentlich ständig das Bedürfnis hat, irgendwelche Textzeilen zu unterstreichen. Aber auch die Story an sich hat mich wirklich überzeugt, im Mittelpunkt stehen Paul und Felix‘ Schwester Louise, später auch Felix‘ Mutter Agnes. Das ganze Buch ist ein psychologisches Verwirrspiel um Blixen und um die Reaktionen der Personen auf ihn und um ihre Beziehungen untereinander. Dabei handelt es sich nicht um „leichte“ Lektüre, man muss sich schon konzentrieren und nachdenken, die Belohnung ist ein sehr komplexes, kreatives und für mich trotz der düsteren Grundstimmung sehr schönes Buch.
Ich könnte mir trotzdem vorstellen, dass es nicht jedermans Geschmack trifft, aber von mir persönlich eine eindeutige Leseempfehlung.

2. Gillian Flynn – „Cry Baby“ – Genre: Thriller/Krimi

Thriller und Krimis lese ich ja inzwischen nicht mehr ganz so viel wie früher, da diese doch zu oft nach dem gleichen 08/15 Schema geschrieben sind. Über Ausnahmen zu der Regel freue ich mich aber immer.

Gillian Flynn’s Schreibstil hat mir schon in „Gone Girl“ sehr gut gefallen. Dem Klappentext zufolge handelt es sich bei „Cry Baby“ um ein früheres Werk, das erst jetzt veröffentlicht wurde. Das birgt ja oft die Gefahr, dass es sich dabei um ein eher schwaches Erstlingswerk handelt, das nachträglich veröffentlicht wird, um auf der Erfolgswelle mit zu schwimmen. Aber „Cry Baby“ muss sich meiner Meinung nach hinter den anderen Büchern der Autorin keineswegs verstecken.

Hauptfigur der Geschichte ist die Journalistin Camille aus Chicago, die von ihrem Chef zurück in ihre Heimatstadt (eine Kleinstadt in Missouri) geschickt wird, um eine Story über 2 dort verschwundene und ermordete kleine Mädchen zu schreiben. Schnell wird klar, dass es sich bei Camille nicht um eine typische Heldin handelt, schleppt sie doch eine ganze Menge Probleme und Wunden aus der Vergangenheit mit sich herum. Und in ihrer Heimatstadt, zurück bei ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrer 13-jährigen Halbschwester fangen die Probleme erst so richtig an. Camille muss sich mit ihrer Mutter, ihrer Halbschwester, ihrer Vergangenheit und den aktuellen Morden auseinandersetzen…

Mir hat das Buch von Anfang an sehr gut gefallen, was es wirklich auszeichnet ist die bissige und ironische Art, die Gillian Flynn’s Schreibstil auszeichnet, sowie das (nicht sehr schmeichelhafte) Porträt, dass sie von den Charakteren und der Kultur dieser amerikanischen Kleinstadt im Mittleren Westen zeichnet. Was man sich von einem Buch von Gillian Flynn nicht gerade erhoffen sollte, sind liebenswerte sympathische Charaktere, irgendwelche „netten“ und halbwegs geistig gesunden Menschen waren in diesem Buch kaum aufzutreiben. Eventuell könnte man dem Buch vorwerfen die Charaktere und Geschehnisse etwas überzeichnet zu haben, aber es passt zu der Geschichte und hat mich kaum gestört. Ich fand die Handlung und das Verhalten der Personen im Buch aber durchaus teilweise ziemlich heftig und verstörend.

Als Thriller würde ich das Buch übrigens nicht unbedingt bezeichnen, den im Grunde ist die Geschichte recht vorhersehbar, die Spannung liegt in der Art und Weise wie sie aufgedeckt wird. Mir hat das Buch trotz ein paar kleiner Schwächen sehr gut gefallen.

3. Tanja Kinkel – „Schlaf der Vernunft“ – Genre: Belletristik/Geschichte

„Schlaf der Vernunft“ ist mein erstes Buch von Tanja Kinkel. Ich habe von dieser Autorin zwar schon oft gehört, da sie aber meistens historische Romane aus den länger vergangenen Jahrhunderten schreibt (was leider überhaupt nicht mein Genre ist), habe ich tatsächlich noch keines ihrer Bücher gelesen.

„Schlaf der Vernunft“ beschäftigt sich zwar auch mit der Vergangenheit, aber mit der jüngeren deutschen, konkret spielt der Roman auf 2 Zeitebenen, einmal in den 70’er Jahren und einmal 1998. Der Roman dreht sich dabei, um das Leben von Martina, einer fiktiven RAF-Terroristin, die bis 1998 im Gefängnis saß, weil sie an einem Attentat auf einen (ebenfalls fiktiven) Staatssekretär beteiligt war. Der Roman beginnt im Jahr 1998 mit Martina’s Begnadigung. Im Mittelpunkt der Geschichte steht nicht nur Martina allein, sondern auch ihre Tochter Angelika und eine ganze Menge anderer Personen, die durch Martina’s Taten der Vergangenheit beeinflusst wurden: ein ehemaliger Leibwächter, der das Attentat knapp überlebte, Angehörige der Opfer, eine ehemalige Freundin Martina’s, die es zur erfolgreichen Politikerin gebracht hat. Das Buch springt dabei in der Erzählung ständig zwischen den beiden Zeitebenen und den verschiedenen Personen hin und her, was aber hervorragend umgesetzt ist. Ein Großteil der Geschichte nimmt die schwierige Mutter-Tochter-Geschichte ein und schildert wie Angelika in ihrer Kindheit den verwirrenden „Verlust“ der Mutter, die sie verlassen hat, um in den Untergrund zu gehen, verkraftet hat und wie sie im Heute damit zurecht kommt, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird.

Weiterhin wird auf beeindruckende Art und Weise aufgezeigt was die Entlassung von Martina auch Jahre später für Auswirkungen auf die Angehörigen ihrer Opfer hat.

Die Teile des Romans, die in den 70’er Jahren spielen erzählen vom Leben der jungen Martina, wie sie überhaupt erst in den Dunstkreis der RAF geriet und schildert ihre zunehmende Radikalisierung. Diesen Teil fand ich besonders lehrreich, da ich zu jung bin, um mich an diesen Teil der deutschen Geschichte selbst zu erinnern und definitiv auch zu wenig darüber weiß (ich habe mir vorgenommen jetzt wirklich unbedingt mal den „Baader-Meinhof-Komplex“ zu lesen, was ich mir schon seit Jahren vornehme).

Ein paar winzig kleine Schwächen hat der Roman sicherlich auch, ein paar der Dialoge (vor allem zwischen Angelika und Martina) wirken auf mich doch etwas zu konstruiert, aber das sind nur Kleinigkeiten. Insgesamt erhält der Roman von mir eine absolute Leseempfehlung, da er spannende Unterhaltung, mit lehrreichen, aufwändig recherchierten Informationen und einer sehr gelungenen Sprache kombiniert. Definiert eines meiner Lese-Highlights von 2015.

4. Andrea Volk – „Auf den Hengst gekommen“ – Genre: Krimi/Humor

Gut, dieses Buch ist nicht tatsächlich überdurchschnittlich gut, aber ich möchte es als Reiterin und Pferdefreundin hier trotzdem erwähnen, weil es generell sehr sehr wenige gute Bücher gibt, in denen Pferde eine zentrale Rolle spielen.
Normalerweise mag ich eher keine Bücher aus dem Genre „Humor“. Und schon gar keine, die auch noch mit einem „humorvollen“ Cover ausgestattet sind (der Grund dafür ist nicht, dass ich nicht gerne lustige Bücher lese, sondern dass bei Humor halt die Geschmäcker oft so stark auseinander gehen, dass es nie gesagt ist, ob das jeweilige Buch den eigenen Humor trifft oder völlig daneben liegt…) Deswegen hätte ich dieses Buch vermutlich übersehen, wenn ich es nicht zufällig durch  meine Mutter in die Hände bekommen hätte.

Oftmals sind Bücher oder Filme, die von Pferden handeln, ziemlich kitschig und auch unrealistisch und wenn man sich selbst mit Pferden auskennt, verdreht man ob der Geschehnisse oftmals die Augen. Dieses Buch wurde aber offenbar tatsächlich von einer Reiterin (mit Pensionsstallerfahrung) geschrieben, denn alles was dort im Bezug aufs Reiten und den Umgang mit, sowie die Haltung von Pferden zu lesen ist, ist doch sehr fundiert. Die Stärken des Buches liegen meiner Meinung nach eindeutig auf der Seite des Humors, der Schreibstil ist ironisch und kabarettistisch (entsprechend natürlich etwas überzogen, aber für meinen Geschmack gerade richtig, ich könnte mir aber vorstellen, dass der Stil nicht für jeden passt) und hat mich überzeugt und gut unterhalten. Die Geschehnisse auf dem Einstellbetrieb von Bauer Helmut (der eine grandiose und definitiv gar nicht mal so übertriebene Darstellung eines Stallbesitzer-Bauerns ist 😉 ) und die Darstellung der verschiedenen Einsteller sind teilweise wirklich zum Schießen komisch und geben die Realität eines durchschnittlich durchgeknallten Einstellbetriebs durchaus wirklichkeitsnah wieder.

Die Krimihandlung ist tatsächlich auch gar nicht so schlecht, aber für mich jetzt nicht der Hauptpunkt, der den Krimi lesenswert macht. Ergänzt wird das Ganze auch noch durch einige Gedanken zum Thema Tierschutz und artgerechte Handlung, die durchaus so gut in die Handlung integriert sind, dass es nicht bemüht wirkt.

Insgesamt ist das sicher nicht der beste Krimi aller Zeiten, aber sehr kurzweilig und lustig und für Reiter(innen) auf jeden Fall zu empfehlen.

5. Monika Fagerholm – „Das amerikanische Mädchen“ – Genre: Belletristik

„Das amerikanische Mädchen“ ist noch ein Roman auf den ich rein zufällig gestoßen bin, der Titel und das packende Cover haben es mir angetan als ich auf einem Buchportal nach gebrauchten Büchern stöberte.

Der Schreibstil und die Erzählweise des Romans sind sicherlich sehr außergewöhnlich. Der Schreibstil ist poetisch, für mich aber gleichzeitig sehr klar und präzise und außergewöhnlich schön. Die gesamte Geschichte wird im Grund zeitlich linear erzählt. Allerdings sind dementgegen die einzelnen Unterabschnitte nicht wirklich linear erzählt, meist wird man als Leser komplett ohne Kontext in eine Szene geworfen, deren Bedeutung und Handlung und Charaktere sich erst mit der Zeit aus der fortlaufenden Erzählung ergibt. Das macht das ganze Leseerlebnis zu einem Puzzle, das aber hervorragend aufgelöst ist, immer fallen alle Teile innerhalb kurzer Zeit auf ihren Platz und mir hat gerade das gefallen, denn auch die Charaktere erwachen so mit dem Text Schritt für Schritt zum Leben. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder Leser mit der Erzählweise zurecht kommt, was auch die recht unterschiedlich ausfallenden Bewertungen erklären dürfte (also ist dies kein Buch, dass ich generell weiterempfehlen würde, vor allem nicht, da es auch noch sehr dick ist). Für mich funktioniert das Buch aber perfekt, es entwickelt gerade durch die besondere Erzählweise einen richtigen Sog und ich fand es auch keineswegs schwierig der Handlung zu folgen. Es ist aber sicherlich kein Buch, das man nebenher so runterlesen kann, sondern es erfordert schon etwas Konzentration.

Zum Inhalt möchte ich gar nicht so viel sagen, da für mich in dem Buch ganz klar die Charaktere und ihre Interaktionen im Vordergrund stehen, in dem Buch geht es für mich um das Erwachsen werden, um Geheimnisse, um Liebe, um Beziehungen, um Verluste, um Familiengeheimnisse und darum wie gefährlich die Vermischung von Realität und Fantasie werden kann.

Für mich eine Ausnahmebuch und dadurch ganz klar eine 5 Sterne Bewertung.

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