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Buchrezension: „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent

Heute habe ich eine ungewöhnliche Aufgabe: ich rezensiere ich ein Buch mit dem ich nicht so richtig warm wurde, nämlich „Mein Ein und Alles“ von Gabriell Tallent. Ich hatte die Leseprobe gelesen und fand sie sehr vielversprechend, außerdem mag ich solche Geschichten eigentlich, also Geschichten darüber wie jemand sich aus schwierigen Lebensumständen befreit und so eine Geschichte schien „Mein Ein und Alles“ zu sein.

Das Buch dreht sich um die 14-jährige Turtle (eigentlich Julia) Alveston aus Kalifornien. Sie lebt mit ihrem Vater in einem ziemlich heruntergekommenen Haus nahe der Meeresküste , in einer bewaldeten Gegend bei Mendocino (beim Lesen des Buches habe ich realisiert, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie darüber nachgedacht hatte wo sich der im Schlager besungene Ort eigentlich befindet). Sie geht zur Schule, ist dort aber eine Außenseiterin, was auch an ihrem eigenen abweisenden Verhalten liegt, sie scheint nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Menschen zu hassen, vor allem gerade, die die eigentlich versuchen auf sie zu zu gehen. Die Gründe dafür werden schnell klar, sobald man etwas mehr über die toxische und kranke Beziehung zwischen ihrem Vater Martin und ihr erfährt. Turtle glaubt nicht daran etwas am Status Quo ihres Lebens verändern zu können, sucht auch oft Entschuldigungen für ihren Vater und zerfleischt sich gedanklich selbst…doch als sie auf einem Streifzug durch die Wälder Jacob und Brett kennenlernt – 2 Jungs im Highschool-Alter – verändert sich ihr Leben langsam aber sicher und die Geschehnisse nehmen einen Lauf der zu einer immer größeren Eskalation führt. Irgendwann kämpft Turtle nicht mehr nur um ihre Befreiung sondern um Leben und Tod.

Das Buch ist also durchaus sehr interessant, die Thematik verstörend und Turtle eine spannende und komplexe Hauptfigur. Trotzdem hatte ich einige Probleme mit dem Buch: erstens ist die Sprache irgendwie sperrig. Die Landschaftsbeschreibung blieben für mich irgendwie schwer zugänglich, so dass ich es irgendwie nicht schaffte diese Teile aufzunehmen. Interessanterweise passt auch das Cover irgendwie zu diesem Gefühl, es zeigt ein irgendwie altmodisch wirkendes Dickicht von Nadelbäumen, das gleichzeitig anzieht und irritiert.

Der Rest des Buches ist im Prinzip gut geschrieben, allerdings war ich von einigen Schimpfwörtern irritiert, die irgendwie zu altmodisch für ein Buch wirkten in dem eine 14-jährige die Hauptrolle spielt (auch ihr Vater dürfte vermutlich nicht viel älter als 40-50 sein). So wurde z.B. das Wort „Luder“ häufig verwundet, was ich mir als Sprache bei einer 14-jährigen einfach schwer vorstellen konnte. Da wäre es interessant mal ins Original hineinzulesen um zu vergleichen was für Wörter dort verwendet wurden. Ich bin mir bei diesem Buch sprachlich wirklich nicht sicher, ob ich ein Problem mit der Buchsprache an sich hatte oder auch eher mit der Übersetzung. Insgesamt wirkt der Stil irgendwie unausgewogen.

Mein zweites Problem mit dem Buch war, dass ich es insgesamt doch ziemlich schwer zu verdauen fand. Eigentlich bin ich bei dramatischen Familiengeschichten hart im nehmen und lese zwischendurch auch gerne mal düstere oder schwierige Bücher, aber aus irgendeinem Grund kam ich bei diesem Buch fast an meine Grenzen (vielleicht lag es auch daran, dass ich es ausgerechnet im trüben November angefangen habe???). Ich glaube es war eine Kombination aus der teils etwas schwer zugänglichen Sprache und der Tatsache, dass die geschilderten Ereignisse, sowie die Charaktere Martin und auch Turtle selbst, als Charaktere schwer zu ertragen sind. Deshalb bewegte ich mich eher langsam Kapitel für Kapitel durch das Buch und hatte irgendwann in der Mitte mal das Bedürfniss parallel etwas Leichtes zu lesen (was ich nur nicht getan habe, weil meine Lesezeit diesen Monat etwas begrenzt war).

Trotzdem fand ich das Buch durchaus lesenswert und kann nicht sagen, dass es mich nicht zum Nachdenken gebracht hätte. Interessanterweise fand ich die letzten Kapitel in denen sich Turtles Lebenssituation massiv gewandelt hat sehr viel bewegender und emotionaler als alles davor, vielleicht auch weil Turtle als Mensch da aufgetaut ist. Insgesamt habe ich also ein sehr ambivalentes Verhältnis zu dem Buch, weswegen ich auch nicht sagen kann ob und wem ich es weiterempfehlen würde.

Bücher

Michelle Hunziker – „Ein scheinbar perfektes Leben“

Heute möchte ich mal wieder eine Promi-Autobiographie vorstellen (das entwickelt sich gerade zu einem neuen Lieblingsgenre von mir). Und zwar: „Ein scheinbar perfektes Leben“ von Michelle Hunziker. In dem Buch erzählt sie davon wie sie mit Anfang 20 in die Fänge einer spirituellen Sekte geriet und Jahre brauchte, um sich daraus wieder zu befreien.

Michelle Hunziker kannte ich natürlich, allerdings habe ich ihre frühe Karriere und ihr Privatleben kaum verfolgt (natürlich habe ich mitbekommen, dass sie mit Eros Ramazotti verheiratet war, aber das war es dann auch schon). Das erste Mal wurde ich bei Wetten dass wirklich auf sie aufmerksam (wo ich sie als Co-Moderatorin deutlich angenehmer fand als Thomas Gottschalk, dessen Stil mir immer zu egozentrisch war). Deshalb bin ich mit wenig Vorwissen in das Buch gestartet und fand es sehr interessant zu erfahren wie Michelle aufgewachsen ist und wie die ersten Jahre ihrer Karriere und ihres jungen Erwachsenenlebens verliefen. Auch über das Showbusiness erfährt man am Rande ein bisschen, aber den Hauptteil des Buches nimmt wie erwartet Michelles Sektenerfahrung ein.

Das Buch beginnt mit einigen Episoden aus Michelles Kindheit in der Schweiz, die von Ausgrenzung in der Schule und der Alkoholsucht ihres Vaters geprägt war, zu dem Michelle den Kontakt als junge Erwachsene erstmal komplett aufgab. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht immer einfach. Nach der Geburt ihrer Tochter Aurora mit 19 und der Ehe mit Eros Ramazotti nahm Michelles Karriere so langsam Fahrt auf. Doch gut ging es ihr zu dieser Zeit trotzdem nicht und als sie über einen gemeinsamen Freund eine „Prana-Heilerin“ kennenlernte (ursprünglich sollte sie Eros bei einem Problem mit seiner Stimme helfen), nahm das Unheil seinen Lauf. Zuerst suchte Michelle bei ihr nur Hilfe wegen eines damals auftretenden Haarausfalles, doch mit der Zeit nahm die Heilerin immer mehr Einfluß auf Michelles Leben…

Mir hat an dem Buch super gefallen, dass Michelle sehr viel Wert darauf legt zu erklären, welche Zufälle, Charaktereigenschaften, Situationen und persönlichen Probleme in der Summe dazu führten, dass sie langsam in die Fänge der Sekte geriet. Es wird deutlich, dass so etwas nicht von jetzt auf sofort passiert, sondern ein schleichender Prozess ist. Außerdem wird im Detail erläutert welche manipulativen und grausamen Techniken die Sekte benutzte, um Michelle von ihren Freunden und ihrer Familie zu entfremden und unter ihrer Kontrolle zu behalten. Auch ihre eigene Gefühlswelt und Gedankengänge in der Sekte schildert Michelle intensiv und auch wie und warum die Versuche ihrer Familie zu ihr durchzudringen gerade das Gegenteil bewirkten wird sehr anschaulich. Deshalb ist das Buch sicherlich gut für Angehörige von Sektenmitgliedern geeignet.

Der Stil des Buches ist einerseits sehr emotional (man merkt, dass Michelle ein eher gefühltsbetonter Mensch ist), gleichzeitig aber trotzdem sehr analytisch, selbstkritisch und klar geschrieben, insgesamt ein Schreibstil, der sich sehr gut liest. Mir hat es sehr imponiert wie reflektiert Michelle ihre eigenen Schwächen und die Beziehung zu ihrer Mutter analysiert und wie sie teilweise auch sehr hart mit sich selbst ins Gericht geht und Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernimmt.

Als einzige Schwächen des Buches würde ich anmerken, dass die Episoden aus der Kindheit und Jugend anfangs teils etwas sprunghaft wirken (auch dadurch, dass der Teil recht kurz ist) und zweitens, dass einige Kapitel etwas sehr ausufernd von den spirituellen Inhalten der Sekte erzählen. Das ist eine Detailtiefe, die man an der Stelle vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte, da hätte man das Buch etwas kürzen können, ohne dass wichtige Inhalte verloren gegangen wären. Ich fand es aber durchaus beeindruckend wie die Sektenführerin es geschafft hat so ziemlich jede Weltreligion und spirituelle Richtung von der man jemals gehört hat zu einem Wirrwarr zu verquicken). Das sind aber nur Kleinigkeiten, insgesamt fand ich das Buch sehr gelungen und absolut lesenswert.

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Buchrezension: „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ von Thomas Klupp

„Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ von Thomas Klupp spielt in einem kleinen bayerischen Dorf namens Weiden. Benedikt, die Hauptperson, ist 16 Jahre alt und ein ziemlich typischer Teenie mit typischen Teenie-Sorgen (Schule). Sein Vater ist vielbeschäftiger Oberarzt, seine Mutter repräsentiert mit Ausdauer und Begeisterung die bayerische Land-Oberschicht, obwohl sie in Wirklichkeit aus einer armen und eher rustikalen Bauern Familie vom Land kommt. Umso wichtiger ist es ihr den Schein zu wahren und durch Lions Club Events ihre Rolle als wohltätige Society-Lady zu zementieren (z.B. durch klischeehafte Events wie „syrische Flüchtlinge kochen für ein Buntes Weiden“).

Aus diesem Grund zählen für sie nur gute Noten, die ihre beiden Töchter – Benedikts ältere Zwillingsschwestern – zuverlässig abgeliefert haben. Benedikt dagegen ist ein Sport-Crack, spielt erfolgreich Tennis im Jugendbereich (trotz einer Affinität zu leichtem Drogenkonsum) und gibt nach außen den Mustersohn. Bloß seine Schulnoten im MINT-Bereich können damit nicht ganz mithalten, weswegen er schon seit einigen Jahren mit bewundernswerter krimineller Energie Noten, komplette korrigierte Klausuren und Unterschriften seiner Eltern fälscht. Nicht sehr überraschend bringt ihn das mit der Zeit in immer größere Schwierigkeiten und er muss so einige Tricks anwenden, damit die ganze Sache nicht auffliegt.

Das Buch ist in einer ziemlich flapsigen Teenie-Sprache in einer lockeren Tagebuch-Form geschrieben (ob diese „authentisch“ ist und 16-jährige 2018 genau so reden vermag ich eher nicht zu beurteilen), das Buch ist sehr leicht und unterhaltsam zu lesen und Benedikt ist durchaus ein sympathischer Zeitgenosse, trotz seinem Hang zum lügen und betrügen. Auch der Blick auf die etwas heuchlerische Familie ist durchaus amüsant und vage ein bisschen gesellschaftskritisch und auch an Situationskomik mangelt es dem Roman nicht.

Insgesamt liest sich der Roman also sehr flüssig und unterhaltsam dahin, allerdings fragte ich mich nach ca. 1/3 des Buches worauf die Handlung eigentlich hinaus will. Leider blieb diese Frage bis zum Ende unbeantwortet, denn so wirklich viel passieren tut in dem Buch eigentlich nicht, die Story ist doch eher dünn und auch irgendeine Form von Botschaft konnte ich zumindest nicht erkennen. So blieb die Geschichte für mich eine nette Unterhaltung für zwischendurch, hat mich aber nicht komplett vom Hocker gerissen.

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Indische Gesellschaftskritik: „The White Tiger“ von Aravind Adiga

Heute möchte ich ein etwas älterer Buch vorstellen (ursprünglicher Erscheinungstermin 2008), das einen etwas ambivalenten Eindruck bei mir hinterlassen hat.

„The White Tiger“ von Aravind Adiga ist schon ein paar Jahre alt, ich habe es von einem Bekannten ausgeliehen bekommen. Ich lese sehr gerne Bücher aus Indien, einem vielschichten, schwierigen und faszinierendem Land und da ich von diesem Autor noch nichts gelesen hatte, war ich an dem Buch natürlich interessiert.

Die Hauptperson in „The White Tiger“ ist Balram, ein junger Mann der aus dem indischen Hinterland stammt (von Balram nur als „Darkness“ bezeichnet, im Gegensatz zu den städtischen Regionen von Indien, die verhältnismäßig reich sind), wo Korruption und Armut das Leben prägt und ein gesellschaftlicher Aufstieg für Menschen wie Balram und seine Familie völlig unmöglich scheint.

Das Buch ist in einer sehr außergewöhnlichen Form geschrieben, Balram schreibt darin fiktive Briefe an das chinesische Staatsoberhaupt, das zu einem Staatsbesuch nach Indien gekommen ist, um sich zu informieren, warum in Indien die Start-Up und Unternehmer-Kultur im Gegensatz zu China so erfolgreich ist (das in fast allen anderen Belangen natürlich die Nase vorn hat). Balram erzählt in dieser Briefform seine Lebensgeschichte, wie er sich vom armen Dorfjungen, der die Schule abbrechen musste, zum Fahrer eines reichen Unternehmers in Delhi hocharbeitete und zuletzt selbst zum Gründer eines erfolgreichen Unternehmens in Bangalore wurde: sozusagen eine indische „vom Tellerwäscher zum Millionär“ Geschichte mit einem kleinen Haken: nämlich dass Balram für seinen Aufstieg in buchstäblicher Form über Leichen ging: er ermordete nämlich kaltblütig seinen Arbeitgeber (was der Leser gleich am Anfang des Buches erfährt).

Wie es so weit kommen konnte wird also in Briefform erzählt, der Schreibstil ist hierbei sehr ironisch, bissig und teilweise provokativ, das Buch liest sich schnell und unterhaltsam und es ist auch durchaus gelungen.Balrams Wut über die gesellschaftlichen Zwänge in denen er feststeckt und über die grassierende Korruption in Indien ist nachvollziehbar. Der Blick auf die indische Gesellschaft ist schonungslos und fast keiner, egal ob arm, reich, Opfer oder Täter, Politiker oder Familien-Matriarchin (wie Balrams Großmutter) kommt dabei gut weg. Balrams Chef ist genauso in den gesellschaftlicher Zwängen seiner gesellschaftlichen Schicht gefangen wie Balram als sein Angestellter und die beiden verbindet fast eine unangenehme Hass-Liebe.

Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall lesenswert, ich hatte aber doch so etwas meine Probleme mit dem so einseitigen Blick auf die indische Gesellschaft,  ich habe schon mehrere Bücher über Indien gelesen (z.B. von Arundhati Roy) und ich finde auch gesellschaftskritische Bücher können ein Land durchaus in allen seinen Facetten zeigen, ohne sich komplett aufs Negative zu fokussieren und ohne deswegen gleich oberflächlich zu werden. Mir war das Buch wohl insgesamt einfach einen Ticken ZU zynisch (vergleichbar wäre wohl ein Buch über Trumps USA in dem quasi alles völlig korrupt und hoffnungslos ist) und ich finde es doch etwas schwierig mich mit einem kaltblütigen Mörder zu identifizieren, selbst wenn seine Lebensgeschichte durchaus nachvollziehbar war. Der Autor ist sicherlich sehr talentiert, aber mir schien es als hätte er das Buch allein aus Wut heraus geschrieben (oder alternativ aus einem Gefühl des schlechten Gewissens, denn er selbst stammt aus einer eher privilegierten Mittelklasse Familie). Mich würde durchaus interessieren ob sich das in seinen neueren Romanen etwas verändert hat, vielleicht traue ich mich ja noch mal an einen heran 😉

Hinweis: ich habe das Buch auf englisch gelesen, die Deutsche Ausgabe heißt „Der weiße Tiger“, ich kann aber natürlich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen.

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Buchrezension: „Amerika“ von Kai Wieland

Aufmerksam geworden bin ich auf „Amerika“ anhand des Titels, der wenn man sich den Klappentext anschaut ganz im Widerspruch zu dem Schauplatz des Buches steht. „Amerika“ spielt nämlich keineswegs in den USA oder einer anderen amerikanischen Region, sondern in einem Ort, der gar nicht so weit weg ist von meiner eigenen Heimat. Das gesamte Buch spielt sich in einem kleinen fiktiven Dorf im Schwäbischen namens Rillingsbach ab, konkreter einem kleinen Dorf in der Nähe von Murrhardt (bei Heilbronn). Mich hat es gereizt mal ein Buch aus der (weiteren) eigenen Region zu lesen und außerdem war ich auch neugierig was es mit dem Titel auf sich hat.

Das Buch ähnelt im Aufbau ein bisschen einem Kammerspiel, der Erzähler ist ein junger Mann, der im ganzen Buch nur als „der Chronist“ bezeichnet wird. Man erfährt nicht viel über ihn (nur dass er in der Dorfkneipe Fanta trinkt und gerne auf Youtube unterwegs ist). Er möchte eine Dorfchronik über Rillingsbach schreiben, wozu und welcher Art erfährt der Leser nie. Deswegen sitzt der Chronist in der einzigen Dorfkneipe zusammen mit Martha, der Wirtin, Heide (der jüngsten Stammkundin, die aber vermutlich auch schon eher im Rentenalter ist) und Frieder und Alfred, 2 älteren Herren, die sich selten ganz grün sind. Die Dorfkneipe war früher (vor Kriegsende) mal ein gut gehendes Hotel, das Marthas Familie gehörte, inzwischen ist sie aber nur noch von den wenigen Stammgästen des Dorfes bevölkert und auch Rillingsbach selbst ist mehr oder weniger tot.

So erzählen die Dorfbewohner in wechselnden Episoden aus ihrer eigenen Geschichte und die ihrer Familie und daraus entspinnt sich mit der Zeit ein immer größeres Bild, von Rillingsbach, von den einzelnen Personen, von Nachkriegsdeutschland und von der unheilvollen Geschichte rund um den Tod von Hildes Vater, der im Dorf seit Jahrzehnten zu einem emotionalen Schwelbrand führte.
Was aber hat Amerika nun mit Rillingsbach zu tun? Die USA sind auf mehrere Arten und Weise für den Ort und die Geschichte einzelner Personen wichtig, nach dem Krieg als Besatzungsmacht und für Alfred als eine Art große Sehnsucht, die er sich auch erfüllt. Als einziger Rillingsbacher wohl schafft er den Sprung über den großen Teich, allerdings nur zu einer eher skurrilen Rundreise zu den Schauplätzen an denen berühmte Amerikaner ermordert wurden (z.B. Martin Luther King, Bonnie & Clyde, John F. und Bobby Kennedy), die statt eines Traumurlaubs eher zu einer Zerreißprobe für seine Ehe wird…

Der Schreibstil des Buches ist eher nüchtern und distanziert, man blickt von außen durch die betont neutrale Brille des Chronisten auf die Lebensgeschichten (wobei eine leise Ironie immer spürbar ist) und das Buch will offenbar sehr viel und sehr viel auf einmal. Es geht um persönliche Träume, unverwirklichte Lebensziele, Versuche der Freiheit und Stagnation der einzelnen Charaktere, gleichzeitig um die (Nicht-) – Aufarbeitung der Nazi-Zeit, um Entnazifizierungsmaßnahmen, um ambivalente Einstellungen gegenüber der Amerikaner, um schwelende Konflikte und sogar um einen ungelösten Mord. Zunächst hatte ich das Gefühl mit dem Buch doch etwas zu fremdeln, aber im Nachhinein hat es doch unheimlich viele Themen über die man nachdenken kann und irgendwie doch auch alle untergebracht ohne dass es unglaubwürdig wirken würde.
Von dem her fand ich das Lesen des Buches sehr bereichernd. Eine kleine Kritik, die ich habe ist aber, dass aus welchen Gründen auch immer die Frauenfiguren Martha und Hilde in dem Buch für mich deutlich lebendiger rüber kamen, während Frieder und Alfred irgendwie schwer zu fassen blieben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich mit den Frauenfiguren natürlich mehr identifizieren konnte.

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Thriller – Tipp – „In deinem Namen“ von Harlan Coben

Heute möchte ich mal wieder einen sehr gelungenen Thriller vorstellen: „In Deinem Namen“ von Harlan Coben. Da dieses Genre sich ja durch eine gewisse typische Struktur auszeichnet, möchte ich die Rezension als Experiment heute auch mal in einer speziellen dazu passenden Struktur schreiben:

Cover

Das Cover zeigt eine mystisch wirkende Holzhütte (an einem Seeufer?), das zwar eine passende Thriller-artige Atmosphäre verbreitet, aber rein gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Das Cover bekommt also keinen Preis für „passt zur Handlung“, ist aber zumindest nett anzuschauen

Autor

Harlan Coban ist für mich ein Thriller Autor mit dem man nicht viel falsch machen kann. Ich habe über die Jahre einige Bücher von ihm gelesen, zuletzt fiel er mir allerdings mal wieder auf, weil er auch der Autor der hervorragenden Netflix Serie „Safe“ war, die ich wirklich klasse fand und die bei mir auch die Lust geweckt hat mal wieder einen Roman von ihm zu lesen.

Charaktere

Die Hauptfigur des Thrillers heißt absurderweise Nap, was wie sich herausstellt eine Abkürzung für Napoleon Dumas ist. Nap ist in Frankreich geboren, was den Namen Napoleon aber deswegen nicht unbedingt realistischer macht 😉
Nap ist Polizist, der nie über den Tod seines Zwillingsbruders im Alter von 18 Jahren und das Verschwinden seiner Jugendliebe hinweg gekommen ist.
Ansonsten spielen nur relativ wenige Personen eine größere Rolle in dem Buch. Naps beste Freundin, sein Mentor – auch ein Polizist der stark mit den Ereignissen rund um den Tod von Naps Bruder verbunden ist -und seine Jugendliebe, die verschwundene Maura sind die wichtigsten Charaktere im Roman. Mir hat diese  „Übersichtlichkeit“ gut gefallen.

Plot

Der Polizist Nap hat im Alter von 18 Jahren ein schlimmes Trauma erlitten. Sein Zwillingsbruder starb zusammen mit seiner damaligen Freundin, die beiden wurden von einem Zug überrollt. Ob es Selbstmord oder ein Unfall war, wurde nie richtig geklärt. In der gleichen Nacht verschwand auch noch Naps damalige
Freundin Maura, die seitdem verschwunden blieb. Als im Zuge eines aktuellen Mordfalls Spuren zu Maura führen, wittert Nap die Chance endlich herauszufinden was mit Maura, aber auch mit seinem Bruder damals wirklich geschah.

Schreibstil
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nap Dumas geschrieben. Nap gibt sich nach außen hin ziemlich hart und schnoddrig, es wird aber schnell klar, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist, der viele Altlasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Mir ist er ziemlich schnell ans Herz gewachsen, auch wenn ich schnoddrige männliche Ich-Erzähler in Romanen normalerweise nicht so besonders mag.

Fazit

Für mich war das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und ich fand auch die Geschichte für einen Thriller kreativ und thematisch eher außergewöhnlich. Außerdem fand ich es zur Abwechslung mal wieder recht nett einen Thriller zu lesen, der nicht Teil einer Serie ist.
Mit Bauchgefühl ist es mir gelungen, den „Bösewicht“ im Roman ziemlich früh zu vermuten, trotzdem finde ich das Buch nicht allzu vorhersehbar, wenn man Viel-Leser ist, bekommt man halt mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür. Die Geschichte an sich hatte für mich vom Feeling her auch nicht so viel von einem Psychothriller, stattdessen sendet es gewisse Vibes von Akte X und Stranger Things aus, auch wenn die Hauptpersonen alle erwachsen sind. Ich fand es sehr unterhaltsam und spannend zu lesen, ohne, dass man sich Sorgen um unnötige Brutalität oder Serienkiller-Gemetzel machen muss. Es ist also auch für Leute geeignet, die 08/15 Serienkiller Thriller eher nicht so mögen und es gerne etwas „mysteriöser“ haben.

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Buchrezension: „Der Blumensammler“ von David Whitehouse

Auf das Buch „Der Blumensammler“ von David Whitehouse bin ich wegen des wirklich schönen, liebevoll gestalteten und filigranen Covers aufmerksam geworden. Da das Buch auch sehr gute Amazon-Rezensionen hatte, habe ich es mir besorgt, auch wenn ich mir anhand des Klappentextes noch nicht wirklich viel unter der Handlung vorstellen konnte. Interessanterweise ging es mir beim Lesen des Buches erstmal für eine ziemlich lange Zeit weiterhin so, der Roman spielt abwechselnd auf 2 verschiedenen Zeitebenen und erzählt die Geschichte von 3 unterschiedliche Personen, was diese drei miteinander zu tun haben erschließt sich sich zuerst einmal aber nicht.

Da ist einmal ein älterer Tiefseeforscher, der bei einem Tauchunfall fast ertrinkt, aber dabei den Flugschreiber eines lang verschollenen Fluges findet. Dann ist da Dove, ein junger einsamer Mann, der als Kleinkind adoptiert wurde und Zeit seines Lebens mit unkontrollierten Wutanfällen zu kämpfen hat und jetzt auch noch von rasenden Kopfschmerzen und merkwürdigen Erinnerungen „angefallen“ wird, die nicht seine eigenen zu sein scheinen. Und dann ist da noch Peter, der einige Jahrzehnte vor Dove in der Bibliothek in einem Buch über Blumen einen Liebesbrief entdeckt, der von der Suche nach 6 sehr seltenen Blumen erzählt.

Natürlich hängen alle diese Geschichten zusammen, wie genau das der Fall ist, erschließt sich aber erst nach und nach im Laufe der Geschichte.

Ich war mir Lesen teilweise unschlüssig was ich von dem Buch halten soll. Die Geschichten sind durchaus interessant, manchmal auch mit einem feinen Humor zu sehen und die ganze Idee ist auch spannend. Trotzdem wurde ich nie so wirklich hundertprozentig in die Geschichte hineingezogen und alles in Allem ist die Geschichte vielleicht auch ein kleines bisschen zu konstruiert um wirklich die Magie zu entfalten, die der Autor vermutlich beabsichtigt hat. Außergewöhnlich und kreativ ist die Geschichte aber sicherlich und vom Schreibstil auch leicht lesbar und sympathisch (am Anfang fand ich manche Formulierungen manchmal ein bisschen zu blumig – ok beim Thema des Buches ist das vermutlich vertretbar 😉 ).

 

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Krimi-Rezension: „Rachgier“ von Val McDermid

Von ValMcDermid habe ich über die Jahre schon einige Krimis gelesen und vor allem vom Schreibstil her, hat mich diese Autorin noch nie enttäuscht, weswegen ich auch auf „Rachgier“ sehr gespannt war. Ihre älteren Bücher zeichneten sich für mich vor allem durch tiefgründige psychologische Spannung aus, die ich sonst vor allem aus älteren Kriminalromanen wie von Martha Grimes oder Ruth Rendell kannte (solche psychologischen Krimis scheinen leider im Moment aus der Mode zu sein). „Rachgier“ ist aber kein Krimi, sondern der schon 10. Teil einer Thriller-Reihe rund um die Ermittlerin Carol Jordan und den Profiler Tony Hill. Ich glaube ich habe schonmal 1 oder 2 Bücher aus der Reihe gelesen, die mir aber nicht besonders in Erinnerung blieben.

In „Rachgier“ leitet Carol Jordan ein neu gegründetes Sonderermittlungsteam, das für die Aufklärung von besonders schwierigen ungelösten Fällen gegründet wurde. Das Team kommt aber nicht so richtig in die Gänge, da Carol mit den Nachwirkungen eines schweren Traumas (ihr Bruder und dessen Frau wurden im Rahmen eines älteren Falles brutal ermordet) und mit ihrer Alkoholsucht zu kämpfen hat. Tony versucht sie zu unterstützen und scheint ansonsten mehr oder weniger nur am Rande Teil des Teams zu sein. Unter diesen schwierigen Bedingungen wird die Spezialeinheit mit einem besonders perfiden Killer konfrontiert, dessen Motiv und Identität man als Leser früh erfährt: er wurde von seiner Freundin und Geschäftspartnerin verlassen und sinnt auf Rache, in Stellvertretung zunächst durch Mord an anderen Frauen. Zum Finden seiner Opfer schleicht er sich heimlich in Hochzeiten ein und flirtet mit einsamen Frauen, die dort alleine sind, nur um sie nach wenigen Tagen oder Wochen zu töten. All dies ist früh im Buch schon klar, weswegen sich die Handlung primär darum dreht wie die Spezialeinheit mit sich selbst kämpft und den Fall (nicht) löst.

Insgesamt ist die Idee und Handlung des Buches schon originell, außerdem bekommen die einzelnen Ermittler des Teams individuell genügend Raum im Buch, so dass man alle gut kennenlernt, auch wenn man mit der Serie nicht vertraut ist. Insgesamt fand ich aber, dass die Handlung sich doch etwas dahinzieht, grad da ermittlungstechnisch eigentlich nicht viel passiert. Außerdem muss ich zugeben, dass Carol Jordan mir mit ihrer märtyrerhaften Art und der ganzen Selbstzerstörung in diesem Buch ausgesprochen unsympathisch war und Tony Hill recht blass blieb, was einen irritierenden Gesamteindruck ergab, der durch das Ende nicht wirklich verbessert wurde. Deutlich sympathischer fand ich die Ermittlerin Paula, die Storyline rund um ihren Pflegesohn Torin hatte aber irgendwie mit dem Rest der Handlung nichts zu tun und wirkte deswegen etwas konstruiert.

Insgesamt kann man also schon sagen, dass mich das Buch etwas enttäuscht hat und außerdem nicht wirklich Lust darauf gemacht hat, noch mehr Bände aus der Reihe zu lesen. Für Val McDermids Klasse wiederum spricht, dass es trotzdem sehr gut geschrieben und kurzweilig zu lesen war. Trotzdem wirkt es für mich wie eine ziemlich beliebige 08/15 Psychothriller Reihe (die Themen Spezialermittlungsteam, Profiler und so weiter sind ja nun auch nicht neu in dem Genre), die im Falle dieses Buches eher versucht durch eine etwas abwegige Charakterentwicklung aufzufallen, die mich aber nicht wirklich überzeugt hat. Mit ValMcDermids älteren Krimis aus anderen Reihen kann dieses Buch meiner Meinung nach nicht mithalten.

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Buch-Rezension: „Bungalow“ von Helene Hegemann

Nachdem ich letztes Jahr ein Buch von der Nominierungsliste des Deutschen Buchpreises gelesen habe, habe ich mir gedacht, dass das eine nette Lese-Tradition werden könnte und habe mir auch dieses Jahr wieder ein Buch davon rausgesucht. Die Wahl fiel dabei auf „Bungalow“ von Helene Hegemann, erstens weil ich das Cover mochte (ich bin überzeugte Buch-nach-Cover-Auswählerin) und zweitens weil alle anderen Büchern mir irgendwie zu abgedreht klangen und entweder in der Zukunft spielten oder in irgendeiner Fantasy-artigen Welt, worauf ich zu dem Zeitpunkt keine Lust hatte. Nun spielt zwar auch „Bungalow“ nicht wirklich in der gleichen Version Deutschlands in der wir aktuell leben, aber in einer, die auf beunruhigende Art und Weise gar nicht so anders ist, man muss sich alles das tatsächlich passiert nur ein bisschen entgleister vorstellen und schon kann man sich gut vorstellen in der gleichen Version von Deutschland zu leben wie Charlie, die Hauptperson des Buches. Sozusagen in einer apokalyptische Version der heutigen Welt, ständig liegen irgendwo tote Tiere rum, die Ozonbelastung verursacht Hausarrest, Terror und Selbstmorde häufen sich und ein Krieg bricht demnächst aus. In diesem Deutschland wohnt Charlie, in einer Stadt, die nicht explizit als Berlin erwähnt wird, aber trotzdem danach klingt.

Charlie ist 12 Jahre alt und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einer Plattenbauwohnung. Sie ist meist mit Überleben und Überlebensstrategien beschäftigt und versucht gleichzeitig vor ihren Schulkameraden und -freunden zu verbergen wie zerrüttet ihre Familienverhältnisse sind.

Neben der Hochhaus-Siedlung in der Charlie lebt, befindet sich eine ganz andere Welt, adrette Bungalows in denen eher gut situierte Menschen wohnen. Charlies Welt wird auf den Kopf gestellt als ein aus ihrer Sicht faszinierendes Ehepaar dort einzieht, Maria (egozentrische Schauspielerin) und Georg (ihr Mann in Form eines Anhängsels). Charlie ist fasziniert von den beiden und projiziert alle ihre Wünsche und Hoffnungen auf die beiden, sie beobachtet und versucht Begegnungen herbeizuführen, während ihr Alltag mit ihrer Mutter immer mehr den Bach runter geht.

Ich muss zugeben, dass ich etwas Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte, da die ersten Kapitel wirklich etwas schwer zugänglich sind und in etwas anstrengenden und prätentiösen Schachtelsätzen geschrieben sind, so dass man den Eindruck gewinnt, es handelt sich um ein Buch, das versucht pseudo-intellektuell rüber zu kommen…das ging in den ersten paar Kapiteln so, als Maria und Georg vorgestellt werden. Sobald die Geschichte aus Sicht von Charlie erzählt wird, wird die Sprache bildgewaltig, direkt und emotional und ab da hat mich das Buch richtig gepackt und mitgerissen. Da Maria und Georg prätentiös und pseudo intellektuell sind (und für Charlie wohl kaum die Lösung sein werden, die sie sich erträumt), vermute ich da im Nachhinein ein absichtliches Stilmittel, das aber die Gefahr birgt, das viele Leser am Anfang abbrechen.

Das Buch ist natürlich düster, deprimierend und keine leichte Lektüre, aber ich fand es in weiten Teilen auch wirklich bewegend, gerade die Freundschaft zwischen Charlie und ihrem Schulkameraden Iskender fand ich wirklich sehr authentisch und auch Charlies noch sehr kindliche Gefühlswelt obwohl ihr Denken sich schon in Weiten Teilen um Sex dreht ist toll getroffen. Insgesamt hat mich das Buch deswegen doch sehr überzeugt, obwohl sich sicher Schwächen finden lassen, wenn man danach sucht. Für mich war es aber definitiv ein Buch, das zum Nachdenken anregt und mir deshalb wirklich sehr gut gefallen hat.

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Krimi-Rezension: „Escape Room“ von Chris McGeorge

Die Hauptperson in „Escape Room“ von Chris McGeorge ist Morgan Sheppard, ein bekannter Fernsehmoderator, der es als Kind zu Berühmtheit brachte als er den angeblichen Selbstmord seines Mathelehrers als Mord enttarnte und den Mörder entlarvte. Aktuell läuft es für Sheppard aber nicht mehr so gut, seine TV-Sendung ist ziemlich trashig, er hat ein Problem mit Drogen und Alkohol und führt ein ziemlich rücksichtsloses Jet Set Leben.
Im Urlaub in Paris lernt er eine attraktive Frau kennen, doch anstatt mit ihr in Paris erwacht er ohne Erinnerung daran was passiert ist in einem Hotelzimmer in London, ans Bett gefesselt und ziemlich verwirrt. Mit ihm im Zimmer noch eine Handvoll anderer Personen und im Badezimmer eine Leiche.Schnell wird klar, dass ein Unbekannter mit Sheppard ein perfides Spiel spielt. Innerhalb weniger Stunden soll er den Mörder ermitteln, nur dann werden er und seine Mitstreiter frei gelassen. Gelingt ihm das nicht, wird der Unbekannte das Hotel in die Luft sprengen.

Der Autor ist laut eigenen Angaben bzw. Klappentext ein Fan von klassischen Krimis wie z.B. von Agatha Christie und möchte diese stilistisch gerne gemischt mit modernen Elementen wiederbeleben. Ersichtlich wird dies sicher daran, dass der Roman ein ziemlich konstruiert wirkendes Szenario als Prämisse benutzt, was in altmodischen Krimis ja als Stilmittel oft vorkam (und „Der Mörder ist immer der Gärtner“), aber in modernen Krimis und Thrillern eher aus der Mode gekommen ist.
Ich fand diese Idee eigentlich sehr nett, allerdings weicht der Autor in der Umsetzung von dem „geschlossenen System“ des Hotelzimmers mit einer Reihe verdächtiger Charaktere doch wieder ab, da ein Teil der Geschichte in der Vergangenheit spielt und in Rückblenden aus der jüngeren Vergangenheit von Sheppard und den anderen Charakteren erzählt. Außerdem gibt es intensive Rückblicke in die Kindheitsgeschichte von Sheppard , diese haben mir aber gut gefallen und sind auch wichtig um die Auflösung des Romans zu verstehen. Insgesamt weicht das das Konzept halt sehr auf, so dass die eigentlichen Ermittlungsgespräche von Sheppard mit den verdächtigen Personen und auch das verschlossene Hotelzimmer im Endeffekt für die Auflösung gar nicht wirklich wichtig sind, was ich ein bisschen schade fand.
Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam, wenn auch vom Schreibstil keine literarische Hochleistung (2-3 Schreibfehler habe ich auch entdeckt, was für eine mäßige Lektoratsleistung spricht).
Für mich war das Buch eine nette Unterhaltung für zwischendurch von einem talentierten Autor, der in Zukunft aber sicher noch etwas Feinschliff in seine Arbeit und in seinen Schreibstil bringen kann.