Fernsehen, Musik

Ich bin doch keine Maschine – Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 2

Und munter weiter geht’s mit dem Bericht zur Helene Fischer Show 2016

Mary Poppins

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Ein obligatorischer Pflichtprogrammpunkt bei der Helene Fischer Show sind Musicals, was ja auch Sinn macht, da Helene bekanntlich staatlich ausgebildete Musical-Darstellerin ist. In den Musicals in der Sendung übernimmt sie dann meistens auch die weibliche Hauptrolle, während die männliche Hauptrolle aus unerfindlichen Gründen durch Mark Keller ersetzt wird, was bei leidenschaftlichen Musical Fans nicht so gut ankommt, aber dem Laienpublikum (also auch mir) vermutlich völlig egal sein dürfte. Nachdem ich 2015 das Pech hatte, dass beide Musicals überhaupt nicht mein Ding waren, hatte ich dieses Jahr das ausgleichende Glück, dass exakt die zwei Musicals dabei waren, die ich tatsächlich unbedingt mal sehen will 😀

Mary Poppins war das erste davon und es hat meine Erwartungen voll erfüllt, charmant, tolle Musik, schöne Kostüme, nettes Bühnenbild, genau mein Geschmack (ich mag eher so die alten traditionellen Broadway-Musicals und lieber Musicals, die nicht so dramatisch sind und/oder keine Menschen in Tierkostümen beinhalten).

Besonders gut gefallen haben mir bei dem Musical die beiden Kinder-Darsteller (ich glaube sie waren auch so ziemlich die Einzigen, die wirklich aus dem Cast des Musicals stammten), die beide sehr viel Ausdruck und Bühnenpräsenz hatten.

Ich werde mir Mary Poppins (das seit wenigen Wochen in Stuttgart im SI-Centrum läuft) sicherlich ansehen, warte aber im Moment noch ab, ob die Tickets noch etwas günstiger werden (Musicals im SI-Centrum finde ich persönlich ja preislich wirklich immer an der absoluten Schmerzgrenze, wenn man gute Plätze will, grad wenn man sich z.B. im Vergleich die Preise für Helene Fischer Konzertkarten anguckt, wo man vom Preis- /Leistungsverhältnis doch nochmal eine Schippe mehr geboten bekommt).

Bei der Nummer bemerkte man besonders stark ein spezielles Helene Fischer Zuschauer Phänomen, dass man vielleicht umgangsprachlich als „Helene Fischer Autismus“ bezeichnen können, nämlich die Angewohnheit der Fans zu 99,99% nein 100% auf Helene Fischer fixiert zu sein. Das äußert sich z.B. dadurch, dass am Ende von Mary Poppins das ganze Ensemble hochmotiviert tanzend und singend noch einen Song auf der Bühne performt hat, während Helene als Mary Poppins in der Luft davonschwebte und 99,99% des Publikums der entschwindenden Rückansicht von Helene nachstarrte (dieser Flug war übrigens live nicht grad überwältigend spektakulär, da die Fluggeschwindigkeit nach ca. 1,5 km/h aussah, aber das ist bestimmt sowas das im Fernsehen dann total geil rüberkommt 😀 ). Dieses Phänomen fällt sogar Gelegenheitszuschauern vor dem TV auf (O-Ton meine Mutter letztes Jahr „immer wenn Helene auftritt drehen die voll durch und wenn nicht, hocken alle nur so rum“).

Wir witzelten dann später irgendwann, dass wenn auf der linken Bühnenseite Madonna, Lady Gaga, Robbie Williams und die Stones zusammen die Performance ihres Lebens hinlegen würden, während Helene auf der rechten Bühnenseite in Trainingsklamotten auf ihrem Smartphone rumspielen würde, trotzdem alle mit offenem Mund Helene anstarren würden 😛

Generell war die Stimmung am ersten Tag ein bisschen mau, ich hatte den Eindruck da waren mehr „kann man sich ja mal angucken“ Zuschauer da. Am 2. Tag war die Stimmung viel besser und energiegeladener , allerdings befinden sich unter den Helene Fans auch ein gewisser Anteil an selbstdarstellerisch veranlagten Fans, bei denen man manchmal den Eindruck hat, dass mit sich selbst beschäftigt sein und ins Fernsehen kommen fast wichtiger ist als zuzugucken. Außerdem sind die Fans von Helene wirklich sehr heterogen, was ja immer als großen Vorteil dargestellt wird, aber auch den Nachteil hat, dass sehr sehr unterschiedliche Vorlieben und Erwartungen aufeinanderprallen. Insgesamt ergibt das eine etwas merkwürdige Dynamik, die sich in Form einer durchaus komplizierten Gesamtatmosphäre niederschlägt und dazu führt, dass die Aufgabe als Gast-Act in dieser Sendung aufzutreten vermutlich eher eine etwas undankbare Aufgabe ist. Ich könnte mir vorstellen, dass abgesehen von der natürlich sehr sehr guten Promo-Möglichkeit, diese Sendung nicht unbedingt die Nummer 1 auf der Auftritts-Wunschliste namhafter Künstler ist.

Ich hab den Eindruck Helene ist das durchaus auch bewusst, denn sie machte an Tag 1 eine etwas süffisante Bemerkung über die Diszipliniertheit des Publikums , die man wirklich nur als Kompliment auffassen kann, wenn man sehr merkbefreit ist 😀

Allerdings möchte ich noch anmerken, dass das auch am Gesamtkonzept der Sendung liegt, denn wenn man unbedingt will, dass für jeden was dabei ist, dann ist halt automatisch auch für jeden etwas nicht dabei. Und das führt halt dazu, dass Teile des Publikums ständig gelangweilt drauf warten, dass z.B. der nächste Party-Schlager oder Dance-Popsong kommt, während andere gerne in Ruhe eine Ballade genießen würden, ohne das irgendwer in der Reihe dahinter vor sich hin quasselt oder 5x so laut durch einen gar nicht klatschbaren Song klatscht wie hinterher beim Abschlussapplaus. Dies führt dazu, dass Teile des Publikum sich ständig gegenseitig auf die Nerven gehen, was der Gesamtstimmung auch nicht so zuträglich ist und der Einzelne kann daran halt auch nicht so viel verändern.

Reinhard Fendrich

Reinhard Fendrich war einer der Gäste auf die ich mich am Allermeisten gefreut habe, leider war er nur am ersten Aufzeichnungstag da. Dafür musste die Nummer glücklicherweise 2x aufgenommen werden (ich glaub weil sie beim ersten Mal die – eigentlich völlig unnötige – Pyrotechnik vergessen hatten), was mich sehr gefreut hat.

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Lustigerweise hatte eine Freundin noch 2 Tage vor der Sendung zu mir gemeint, Reinhard Fendrich wäre ein toller möglicher Gast, worauf ich drauf hinwies, dass der schon zu politisch/gesellschaftskritisch wäre. Damit hatte ich offenbar nicht völlig recht, aber ein bisschen schon, denn Helene nuschelte beim Anmoderieren zwar was von Songs mit wichtiger Botschaft wie „Schwarzoderweiss“ in ihren Bart (am Montag wurde die Anmoderation dann aber noch ohne Erwähnung von „Schwarzoderweiss“ wiederholt), die Helene, Quatsch „wir“, praktisch rund um die Uhr im Auto beim daneben sitzen hört, aber Singen durfte Reinhard Fendrich natürlich trotzdem nur ein für die HF Show passendes Hit-Medley (ohne wichtige Botschaften) im Duett mit Helene, das aber trotzdem total genial war 😀 Reinhard Fendrich ist einfach ein zeitloser Vollblut-Musiker, dessen Songs egal ob neu oder alt, politisch oder einfach über Liebe nicht oft genug gehört oder gespielt werden können. Schleichwerbung:

Meine österreichische Freundin hat von Helenes Fähigkeiten im Bereich „Singen in österreichischer Mundart“ übrigens sehr lobend gesprochen, das können anscheinen nur ganz wenige (das glaub ich sofort, ich kann ja nicht mal meinen eigenen Dialekt wirklich).

Ich find’s trotzdem etwas schade, dass Reinhard Fendrich keine Solo-Nummer hatte, aber vielleicht wollte er ja auch nicht.

Helene im Duett mit Bibi & Tina Darstellerin Lina Larissa Strahl

Die nächste Nummer war ein Duett von Helenes Song „Unser Tag“ mit der Hauptdarstellerin der „Bibi & Tina“ Filme (dafür bin ich zu alt, bei mir gab’s noch Bibi Blocksberg ohne Freundin und ohne Pferde), die auch als Sängerin aktiv ist. Habe übrigens heute (Einwurf für Ex-Rosenstolz Fans) in der Bunte gelesen, dass Peter Plate, der auch „Unser Tag“ geschrieben hat, auch Filmmusik für Bibi & Tina macht 🙂

Etwas merkwürdig wirkte die Nummer auf mich dadurch, dass die inzwischen 19-jährige Sängerin wie eine 12-jährige angezogen war und aber selbst in Turnschuhen größer war als Helene mit High Heels, was irgendwie ein ulkiges Gesamtbild ergab. Außerdem tanzten Helenes obligatorischen 10-12 US-Tänzer etwas sinnlos auf einem Haufen auf der rechten Bühnenseite rum während Helene und Lina Larissa auf der linken Bühnenhälfte sangen.

Die Tänzer fand ich diesmal sowieso relativ schlecht in die Sendung integriert, bei den meisten Nummern wirkten sie einfach nicht übermäßig notwendig, weswegen wir uns fragten, ob es sich wirklich gelohnt hat, die extra dafür aus den USA einzufliegen, aber ich hab inzwischen gelernt, dass Wiederholungen, Beständigkeit und möglichst wenige und wenn dann graduell schleichende Veränderungen wohl DAS Erfolgsrezept schlechthin im Universum der Marke Helene Fischer ist (damit immer alle schön mitgenommen werden und möglichst niemand vergrault wird) . Apropos, wo war eigentlich Maria Voskania?

Horst Lichter

Horst Lichter ist Fernsehkoch. Fernsehköche treten ja im Fernsehen in vielen Sendungen auf, z.B. Talkshows, Quizsendungen, Musiksendungen, Spieleshows, Polit-Sendungen (bestimmt) und manchmal abwegigerweise sogar in Kochsendungen. Damit war er natürlich auch der perfekte Kandidat für den obligatorischen Slot „Humor“, der in vergangenen HF Show Ausgaben übrigens auch schon von Wettermoderatoren abgedeckt wurde. Nach einer sehr traumatisierenden sexistischen Altherren-Bemerkung von Horst Lichter (der Humor) mussten wir an Tag 1 auf Toilette, weswegen ich aber die Hälfte des darauffolgenden Helene Duetts mit Gregory Porter verpasst habe. Eisern hab ich deswegen an Tag 2 den ganzen Auftritt von Horst Lichter verfolgt (Sketch in Anlehnung an was von Jerry Lewis), weiß aber trotzdem immer noch nicht so richtig was das jetzt eigentlich war. Aber Helene trägt eine lustige Brille.

Gregory Porter

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Gregory Porter ist dieser amerikanische Jazz-Sänger, der immer eine Sturmhaube und eine Mütze trägt (aus welchen Gründen auch immer). Er hat eine wunderschöne warme Stimme und war für mich eine echte Bereicherung für die Sendung. Mit Helene hat er eine Cover Version von „Purple Rain“ gesungen (das covert Helene gerne) und dann noch einen Solo-Song. Ich hab mich zwar sehr gefreut, dass er dabei war, aber ich finde das dieses Jahr die musikalische und inhaltliche Bandbreite der Sendung wirklich ein bisschen arg weit gefächert war (ein tollkühner Spagat), was ich ein bisschen schwierig finde, wegen dem Publikums-Aspekt den ich weiter oben beschrieben habe. Da frage ich mich ob man sich nicht irgendwann doch mal ein *bisschen* auf irgendwas festlegen sollte oder Sendungen mit einem roten Faden machen sollte. Nur weil man eine „Sendung, bei der für jeden was dabei ist“ macht, muss das ja trotzdem nicht heißen, dass man unbedingt immer ALLES gleichzeitig auffahren muss, das in der Unterhaltungsindustrie jemals von irgendjemandem erfunden wurde.

Tim Bendzko

Tim Bendzko verkörpert eigentlich den Typus “gefühlvoller männlicher junger Pop-Sänger”, den ich gar nicht mag, weil mir das zu “ich zerbrech an der Welt”-mäßig schnulzig-jammerig ist. Wobei ich von dieser Art Sänger Tim Bendzko eigentlich immer schon am Liebsten mag, weil “Nur mal kurz die Welt retten” ja echt ein putziger Gute Laune Song war. Den neuen Hit “Keine Maschine” fand ich im Radio aber blöd, weil der Text so doof ist und so. Jedenfalls hat Tim den natürlich hier auch gesungen (eigentlich hätt ich es ja ironisch-lustiger gefunden, wenn Helene den Text “Ich bin ein Mensch und keine Maschine” im Duett mit performt hätte, aber vielleicht hat sie auch gedacht, das wär jetzt echt zu platt 😉 ) und er hat mir live dann echt super gut gefallen. Mit Helene gab es ein Duett mit einem Song von Herbert Grönemeyer, das ich auch richtig richtig gut fand. Bei dieser HF Show hatte Helene finde ich im Pop und Jazz/Soul/Songwriter-Bereich wirklich lauter Duettpartner, die super zu ihr gepasst haben und umgekehrt, das war in den vergangenen Sendungen nicht immer so und ich hoffe, dass sie sich da inzwischen auch etwas mehr austoben kann als früher.

Jedenfalls hab ich mir das aktuelle Album direkt mal in die Musikbibliothek gezogen (Amazon Prime), “Keine Maschine” schon 7x angehört (eigentlich ist der Text auch gar nicht so doof) und da ist mir doch vorhin glatt die Maus bei Amazon auf den “Kaufen“ Button gerutscht. Wenn das so weitergeht hab ich irgendwann noch ein Album von Philipp Poisel oder so. Das tollste Lied auf dem Album find ich ist übrigens bisher “Warum ich Lieder singe“ auch wenn das Lied natürlich auch echt schnulzig-jammerig ist 😉 Ich hab mich übrigens noch nicht getraut den Song namens “Sternenstaub” anzuklicken, aber das wär doch auch ein schöner Titel für Helenes nächstes Album.

Ich glaub der Tim Bendzko fand das Publikum übrigens auch ein bisschen merkwürdig (von der ersten Reihe sieht man die Gesichtsausdrücke so gut, Fluch und Segen zugleich 😀 ), aber vielleicht war er ja nur etwas überfordert von den Menschen, die die HF Show traditionell benutzen um ihren Weihnachtsschmuck mal um den Hals oder auf dem Kopf Probe zu tragen.

To be continued….

6 Gedanken zu „Ich bin doch keine Maschine – Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 2“

  1. Weihnachtsschmuck auf dem Kopf??? Muss ich mir das vorstellen wie „dressed from head to toe in maple leaf“? :p

    Ich freue mich auf die Fortsetzung und glaube, nach Deiner detaillierten Beschreibung muss ich mir die Sendung gar nicht mehr angucken 😉

  2. Also man kann sich z.B. Stofftiere oder blinkende Dinge auf den Kopf setzen oder sich einfach eine komplette Christbaum-Lichterkette um den Hals hängen, da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt 😉

    Generell könnten sich die Eiskunstlauf-Fans von Helene Fans durchaus noch ein paar Ideen holen, auch im Bereich „selbstgemacht Fan T-Shirts“ 😀 Aber mal schauen wie das kommendes Jahr in Helsinki aussieht, vielleicht gibt es da ja inzwischen auch neue spannende Trends 😉

  3. Fendrich hatte doch einen Solosong gesungen, Direkt vor dem Duett mit Helene. Oder halluziniere ich mir da jetzt was zusammen?
    Wie immer großartig geschrieben und bei so vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen. Gibt’s den Helene – Autismus auch in schriftlicher Form oder beschränkt sich das auf das Visuelle? Ich glaube nämlich, dass ich auch betroffen bin. Zumindest im Frühstadium aber vielleicht gibt’s da ja Gegenmittel? 😀

    1. Also er hat kurz alleine gesungen, bevor Helene auf die Bühne kam, aber ich glaub das war nur der erste Song vom Medley und sehr kurz, als richtigen Solo-Auftritt würd ich das nicht bezeichnen. Die anderen mit Solo-Auftritten kamen ja alle 2x.

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