Fernsehen, Musik

Ich bin doch keine Maschine – Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 2

Und munter weiter geht’s mit dem Bericht zur Helene Fischer Show 2016

Mary Poppins

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Ein obligatorischer Pflichtprogrammpunkt bei der Helene Fischer Show sind Musicals, was ja auch Sinn macht, da Helene bekanntlich staatlich ausgebildete Musical-Darstellerin ist. In den Musicals in der Sendung übernimmt sie dann meistens auch die weibliche Hauptrolle, während die männliche Hauptrolle aus unerfindlichen Gründen durch Mark Keller ersetzt wird, was bei leidenschaftlichen Musical Fans nicht so gut ankommt, aber dem Laienpublikum (also auch mir) vermutlich völlig egal sein dürfte. Nachdem ich 2015 das Pech hatte, dass beide Musicals überhaupt nicht mein Ding waren, hatte ich dieses Jahr das ausgleichende Glück, dass exakt die zwei Musicals dabei waren, die ich tatsächlich unbedingt mal sehen will 😀

Mary Poppins war das erste davon und es hat meine Erwartungen voll erfüllt, charmant, tolle Musik, schöne Kostüme, nettes Bühnenbild, genau mein Geschmack (ich mag eher so die alten traditionellen Broadway-Musicals und lieber Musicals, die nicht so dramatisch sind und/oder keine Menschen in Tierkostümen beinhalten).

Besonders gut gefallen haben mir bei dem Musical die beiden Kinder-Darsteller (ich glaube sie waren auch so ziemlich die Einzigen, die wirklich aus dem Cast des Musicals stammten), die beide sehr viel Ausdruck und Bühnenpräsenz hatten.

Ich werde mir Mary Poppins (das seit wenigen Wochen in Stuttgart im SI-Centrum läuft) sicherlich ansehen, warte aber im Moment noch ab, ob die Tickets noch etwas günstiger werden (Musicals im SI-Centrum finde ich persönlich ja preislich wirklich immer an der absoluten Schmerzgrenze, wenn man gute Plätze will, grad wenn man sich z.B. im Vergleich die Preise für Helene Fischer Konzertkarten anguckt, wo man vom Preis- /Leistungsverhältnis doch nochmal eine Schippe mehr geboten bekommt).

Bei der Nummer bemerkte man besonders stark ein spezielles Helene Fischer Zuschauer Phänomen, dass man vielleicht umgangsprachlich als „Helene Fischer Autismus“ bezeichnen können, nämlich die Angewohnheit der Fans zu 99,99% nein 100% auf Helene Fischer fixiert zu sein. Das äußert sich z.B. dadurch, dass am Ende von Mary Poppins das ganze Ensemble hochmotiviert tanzend und singend noch einen Song auf der Bühne performt hat, während Helene als Mary Poppins in der Luft davonschwebte und 99,99% des Publikums der entschwindenden Rückansicht von Helene nachstarrte (dieser Flug war übrigens live nicht grad überwältigend spektakulär, da die Fluggeschwindigkeit nach ca. 1,5 km/h aussah, aber das ist bestimmt sowas das im Fernsehen dann total geil rüberkommt 😀 ). Dieses Phänomen fällt sogar Gelegenheitszuschauern vor dem TV auf (O-Ton meine Mutter letztes Jahr „immer wenn Helene auftritt drehen die voll durch und wenn nicht, hocken alle nur so rum“).

Wir witzelten dann später irgendwann, dass wenn auf der linken Bühnenseite Madonna, Lady Gaga, Robbie Williams und die Stones zusammen die Performance ihres Lebens hinlegen würden, während Helene auf der rechten Bühnenseite in Trainingsklamotten auf ihrem Smartphone rumspielen würde, trotzdem alle mit offenem Mund Helene anstarren würden 😛

Generell war die Stimmung am ersten Tag ein bisschen mau, ich hatte den Eindruck da waren mehr „kann man sich ja mal angucken“ Zuschauer da. Am 2. Tag war die Stimmung viel besser und energiegeladener , allerdings befinden sich unter den Helene Fans auch ein gewisser Anteil an selbstdarstellerisch veranlagten Fans, bei denen man manchmal den Eindruck hat, dass mit sich selbst beschäftigt sein und ins Fernsehen kommen fast wichtiger ist als zuzugucken. Außerdem sind die Fans von Helene wirklich sehr heterogen, was ja immer als großen Vorteil dargestellt wird, aber auch den Nachteil hat, dass sehr sehr unterschiedliche Vorlieben und Erwartungen aufeinanderprallen. Insgesamt ergibt das eine etwas merkwürdige Dynamik, die sich in Form einer durchaus komplizierten Gesamtatmosphäre niederschlägt und dazu führt, dass die Aufgabe als Gast-Act in dieser Sendung aufzutreten vermutlich eher eine etwas undankbare Aufgabe ist. Ich könnte mir vorstellen, dass abgesehen von der natürlich sehr sehr guten Promo-Möglichkeit, diese Sendung nicht unbedingt die Nummer 1 auf der Auftritts-Wunschliste namhafter Künstler ist.

Ich hab den Eindruck Helene ist das durchaus auch bewusst, denn sie machte an Tag 1 eine etwas süffisante Bemerkung über die Diszipliniertheit des Publikums , die man wirklich nur als Kompliment auffassen kann, wenn man sehr merkbefreit ist 😀

Allerdings möchte ich noch anmerken, dass das auch am Gesamtkonzept der Sendung liegt, denn wenn man unbedingt will, dass für jeden was dabei ist, dann ist halt automatisch auch für jeden etwas nicht dabei. Und das führt halt dazu, dass Teile des Publikums ständig gelangweilt drauf warten, dass z.B. der nächste Party-Schlager oder Dance-Popsong kommt, während andere gerne in Ruhe eine Ballade genießen würden, ohne das irgendwer in der Reihe dahinter vor sich hin quasselt oder 5x so laut durch einen gar nicht klatschbaren Song klatscht wie hinterher beim Abschlussapplaus. Dies führt dazu, dass Teile des Publikum sich ständig gegenseitig auf die Nerven gehen, was der Gesamtstimmung auch nicht so zuträglich ist und der Einzelne kann daran halt auch nicht so viel verändern.

Reinhard Fendrich

Reinhard Fendrich war einer der Gäste auf die ich mich am Allermeisten gefreut habe, leider war er nur am ersten Aufzeichnungstag da. Dafür musste die Nummer glücklicherweise 2x aufgenommen werden (ich glaub weil sie beim ersten Mal die – eigentlich völlig unnötige – Pyrotechnik vergessen hatten), was mich sehr gefreut hat.

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Lustigerweise hatte eine Freundin noch 2 Tage vor der Sendung zu mir gemeint, Reinhard Fendrich wäre ein toller möglicher Gast, worauf ich drauf hinwies, dass der schon zu politisch/gesellschaftskritisch wäre. Damit hatte ich offenbar nicht völlig recht, aber ein bisschen schon, denn Helene nuschelte beim Anmoderieren zwar was von Songs mit wichtiger Botschaft wie „Schwarzoderweiss“ in ihren Bart (am Montag wurde die Anmoderation dann aber noch ohne Erwähnung von „Schwarzoderweiss“ wiederholt), die Helene, Quatsch „wir“, praktisch rund um die Uhr im Auto beim daneben sitzen hört, aber Singen durfte Reinhard Fendrich natürlich trotzdem nur ein für die HF Show passendes Hit-Medley (ohne wichtige Botschaften) im Duett mit Helene, das aber trotzdem total genial war 😀 Reinhard Fendrich ist einfach ein zeitloser Vollblut-Musiker, dessen Songs egal ob neu oder alt, politisch oder einfach über Liebe nicht oft genug gehört oder gespielt werden können. Schleichwerbung:

Meine österreichische Freundin hat von Helenes Fähigkeiten im Bereich „Singen in österreichischer Mundart“ übrigens sehr lobend gesprochen, das können anscheinen nur ganz wenige (das glaub ich sofort, ich kann ja nicht mal meinen eigenen Dialekt wirklich).

Ich find’s trotzdem etwas schade, dass Reinhard Fendrich keine Solo-Nummer hatte, aber vielleicht wollte er ja auch nicht.

Helene im Duett mit Bibi & Tina Darstellerin Lina Larissa Strahl

Die nächste Nummer war ein Duett von Helenes Song „Unser Tag“ mit der Hauptdarstellerin der „Bibi & Tina“ Filme (dafür bin ich zu alt, bei mir gab’s noch Bibi Blocksberg ohne Freundin und ohne Pferde), die auch als Sängerin aktiv ist. Habe übrigens heute (Einwurf für Ex-Rosenstolz Fans) in der Bunte gelesen, dass Peter Plate, der auch „Unser Tag“ geschrieben hat, auch Filmmusik für Bibi & Tina macht 🙂

Etwas merkwürdig wirkte die Nummer auf mich dadurch, dass die inzwischen 19-jährige Sängerin wie eine 12-jährige angezogen war und aber selbst in Turnschuhen größer war als Helene mit High Heels, was irgendwie ein ulkiges Gesamtbild ergab. Außerdem tanzten Helenes obligatorischen 10-12 US-Tänzer etwas sinnlos auf einem Haufen auf der rechten Bühnenseite rum während Helene und Lina Larissa auf der linken Bühnenhälfte sangen.

Die Tänzer fand ich diesmal sowieso relativ schlecht in die Sendung integriert, bei den meisten Nummern wirkten sie einfach nicht übermäßig notwendig, weswegen wir uns fragten, ob es sich wirklich gelohnt hat, die extra dafür aus den USA einzufliegen, aber ich hab inzwischen gelernt, dass Wiederholungen, Beständigkeit und möglichst wenige und wenn dann graduell schleichende Veränderungen wohl DAS Erfolgsrezept schlechthin im Universum der Marke Helene Fischer ist (damit immer alle schön mitgenommen werden und möglichst niemand vergrault wird) . Apropos, wo war eigentlich Maria Voskania?

Horst Lichter

Horst Lichter ist Fernsehkoch. Fernsehköche treten ja im Fernsehen in vielen Sendungen auf, z.B. Talkshows, Quizsendungen, Musiksendungen, Spieleshows, Polit-Sendungen (bestimmt) und manchmal abwegigerweise sogar in Kochsendungen. Damit war er natürlich auch der perfekte Kandidat für den obligatorischen Slot „Humor“, der in vergangenen HF Show Ausgaben übrigens auch schon von Wettermoderatoren abgedeckt wurde. Nach einer sehr traumatisierenden sexistischen Altherren-Bemerkung von Horst Lichter (der Humor) mussten wir an Tag 1 auf Toilette, weswegen ich aber die Hälfte des darauffolgenden Helene Duetts mit Gregory Porter verpasst habe. Eisern hab ich deswegen an Tag 2 den ganzen Auftritt von Horst Lichter verfolgt (Sketch in Anlehnung an was von Jerry Lewis), weiß aber trotzdem immer noch nicht so richtig was das jetzt eigentlich war. Aber Helene trägt eine lustige Brille.

Gregory Porter

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Gregory Porter ist dieser amerikanische Jazz-Sänger, der immer eine Sturmhaube und eine Mütze trägt (aus welchen Gründen auch immer). Er hat eine wunderschöne warme Stimme und war für mich eine echte Bereicherung für die Sendung. Mit Helene hat er eine Cover Version von „Purple Rain“ gesungen (das covert Helene gerne) und dann noch einen Solo-Song. Ich hab mich zwar sehr gefreut, dass er dabei war, aber ich finde das dieses Jahr die musikalische und inhaltliche Bandbreite der Sendung wirklich ein bisschen arg weit gefächert war (ein tollkühner Spagat), was ich ein bisschen schwierig finde, wegen dem Publikums-Aspekt den ich weiter oben beschrieben habe. Da frage ich mich ob man sich nicht irgendwann doch mal ein *bisschen* auf irgendwas festlegen sollte oder Sendungen mit einem roten Faden machen sollte. Nur weil man eine „Sendung, bei der für jeden was dabei ist“ macht, muss das ja trotzdem nicht heißen, dass man unbedingt immer ALLES gleichzeitig auffahren muss, das in der Unterhaltungsindustrie jemals von irgendjemandem erfunden wurde.

Tim Bendzko

Tim Bendzko verkörpert eigentlich den Typus “gefühlvoller männlicher junger Pop-Sänger”, den ich gar nicht mag, weil mir das zu “ich zerbrech an der Welt”-mäßig schnulzig-jammerig ist. Wobei ich von dieser Art Sänger Tim Bendzko eigentlich immer schon am Liebsten mag, weil “Nur mal kurz die Welt retten” ja echt ein putziger Gute Laune Song war. Den neuen Hit “Keine Maschine” fand ich im Radio aber blöd, weil der Text so doof ist und so. Jedenfalls hat Tim den natürlich hier auch gesungen (eigentlich hätt ich es ja ironisch-lustiger gefunden, wenn Helene den Text “Ich bin ein Mensch und keine Maschine” im Duett mit performt hätte, aber vielleicht hat sie auch gedacht, das wär jetzt echt zu platt 😉 ) und er hat mir live dann echt super gut gefallen. Mit Helene gab es ein Duett mit einem Song von Herbert Grönemeyer, das ich auch richtig richtig gut fand. Bei dieser HF Show hatte Helene finde ich im Pop und Jazz/Soul/Songwriter-Bereich wirklich lauter Duettpartner, die super zu ihr gepasst haben und umgekehrt, das war in den vergangenen Sendungen nicht immer so und ich hoffe, dass sie sich da inzwischen auch etwas mehr austoben kann als früher.

Jedenfalls hab ich mir das aktuelle Album direkt mal in die Musikbibliothek gezogen (Amazon Prime), “Keine Maschine” schon 7x angehört (eigentlich ist der Text auch gar nicht so doof) und da ist mir doch vorhin glatt die Maus bei Amazon auf den “Kaufen“ Button gerutscht. Wenn das so weitergeht hab ich irgendwann noch ein Album von Philipp Poisel oder so. Das tollste Lied auf dem Album find ich ist übrigens bisher “Warum ich Lieder singe“ auch wenn das Lied natürlich auch echt schnulzig-jammerig ist 😉 Ich hab mich übrigens noch nicht getraut den Song namens “Sternenstaub” anzuklicken, aber das wär doch auch ein schöner Titel für Helenes nächstes Album.

Ich glaub der Tim Bendzko fand das Publikum übrigens auch ein bisschen merkwürdig (von der ersten Reihe sieht man die Gesichtsausdrücke so gut, Fluch und Segen zugleich 😀 ), aber vielleicht war er ja nur etwas überfordert von den Menschen, die die HF Show traditionell benutzen um ihren Weihnachtsschmuck mal um den Hals oder auf dem Kopf Probe zu tragen.

To be continued….

Allgemein, Fernsehen, Musik

Zwischen Alphorn und Jazz-Kneipe: Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 1

Seit ca. Anfang 2015 bin ich ja Helene Fischer Fan, nachdem ich den Fehler (? finanziell gesehen, auf jeden Fall) gemacht habe, mir interessehalber ein ganzes Konzert und eine ganze Dokumentation auf Youtube anzugucken (Open Air Berlin Waldbühne 2013 gefolgt von „Allein im Licht“). Die Helene Fischer Show hatte ich aber trotzdem auch schon vorher zumindest in Teilen an Weihnachten gesehen. Die Sendung ist ja eine Personality Show (was auch immer das genau bedeuten mag) und erinnert ein bisschen an so eine schöne Samstagabendsendung aus den frühen 80er Jahren, die man damals schon alleine deshalb mit der ganzen Familie angeschaut hat, weil es damals ja noch gar keine richtige Auswahl gab (an die Jugend von heute: man hatte bis zum Erblühen der Privatsender in der Regel nur 3 Fernsehprogramme!) . Die Sendung ist also ein bisschen Retro und ein bisschen öffentlich-rechtlich gediegen und damit genau das richtige für den 2. Weihnachtsfeiertag. Außerdem kommt Helene Fischer in 99% davon vor, was für die meisten Leute der Hauptgrund ist einzuschalten (oder nicht einzuschalten). Auf mich hat Helene da immer einen ganz sympathischen und talentierten Eindruck gemacht (allerdings dachte ich damals sie ist ca. Ende 30 und redet bestimmt privat auch immer so gestelzt wie Carmen Nebel). Ergo, ich schaute die Sendung gerne, hätte jetzt aber nicht das Bedürfnis gehabt zu einer TV Aufzeichnung zu gehen, da diese Berichten zufolge sehr lange dauert (von 20:00 – 2 Uhr morgens) und durch viele Umbaupausen und Wiederholungen wegen Moderationsfehlern geprägt ist (die aber angeblich immer voll mega lustig und unterhaltsam sind). Neugier und Gruppenzwang haben mich aber umgestimmt. Da die Sendung erst am 25.12. um 20:15 ausgestrahlt wird (Schleichwerbung!) , sollte jeder der sich vorher nicht spoilern will, genau JETZT aufhören zu lesen. Wenn es ein Riesenproblem ist, dass ich das jetzt schon veröffentliche, meldet sich hoffentlich jemand, dann nehm ich es sofort wieder runter.

Aufzeichnungsdauer und Ablauf

Die Helene Fischer Show wird immer an 2 Aufzeichnungstagen aufgezeichnet. Der fanatische Fan geht natürlich zu beiden Tagen. Für das volle Erlebnis haben wir (ich, plus 2 Freundinnen) also natürlich auch Karten für beide Tage besorgt. Das war dann gleich ein bisschen teuer, weil die Preise im Vergleich zu 2015 um 100% angehoben wurden (wenn schon, denn schon, wird man sich gedacht haben). Da der Kartenvorverkauf ein bisschen interessant war, hatten wir danach für Tag 1 drei Karten nebeneinander im Oberrang fast ganz hinten (Schnäppchenpreis von 89 Euro) und für Tag 2 drei Karten einzeln verstreut, wobei ich durch merkwürdiges Glück ganz vorne in Reihe 1 gelandet bin.

Da Fans erzählt hatten, dass die Aufzeichnungen in den letzten Jahren immer sehr lange dauerten, habe ich mich also auf lange Wartezeiten, viel Langeweile zwischendurch und völlige Übermüdung eingestellt, irgendwer hat da wohl aber was optimiert (die Sendung wurde auch von Berlin nach Düsseldorf verlegt, weswegen wir den Plan das mit einer Städtereise nach Berlin zu verbinden aus logistischen Gründen verworfen haben), so dass Frau Fischer im Affenzahn und fast fehlerfrei durch den Abend galoppierte, weswegen es praktisch unmöglich war auf Toilette zu gehen oder etwas zu Trinken ohne Auftritte zu verpassen (wenn man während was Langweiligem rausging verpasste man automatisch den Auftritt danach auch noch) und irgendwann gegen Ende nach zwei eher „psychedelisch aber geil“ Auftritten befand mein Gehirn sich in einem Zustand der Überlastung knapp vor einem Deadlock. Der positive Nebeneffekt war aber, dass es schon 23:15 vorbei war und wir deswegen am 2. Aufzeichnungstag wieder ziemlich fit und voll aufnahmefähig waren (anstatt übermüdet und halbtot). Der 2. Tag dauerte dann tatsächlich etwas länger (ich glaube bis kurz nach Mitternacht), war aber auch angenehm straff. Etwas skurril war, dass das ZDF oder die Veranstaltungsfirma am ersten Tag wohl am Anheizer sparen musste und einen völlig unmotivierten und eher unfreundlichen Menschen irgendwo von der Straße aufgelesen hatten, der einem gleich am Anfang die Lust am Applaus eher aktiv vermieste. Für den 2. Tag wurde dann ein unterhaltsamer professioneller Animateur aufgefahren. Zwar ist es durchaus mehr oder weniger inoffiziell so, dass der erste Tag als Generalprobe gilt und der 2. als Aufzeichnungstag, trotzdem wirkt das angesichts der Höhe der GEZ Gebühren 😛 doch etwas albern. Generell waren die beiden Aufzeichnungstage fast gleich, lediglich Reinhard Fendrich war nur am ersten Tag da (ihn hätte ich definitiv nicht verpassen wollen, allein deswegen hat sich Tag 1 gelohnt) und Olly Murs sowie 2 weitere Nummern nur am Zweiten. Wenn man nur einen Aufzeichnungstag besuchen möchte, dann empfiehlt es sich sicherlich den zweiten zu nehmen.

Von dem Ablauf der Aufzeichnung und den Gästen und Besonderheiten der Schlagerbranche möchte ich im Folgenden in vermutlich mehreren Blogeinträgen (ich versuche es in 3-4 zu schaffen 😀 ) berichten, ich hoffe ich krieg es noch einigermaßen zusammen 😉

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Helene Solo mit „100 Prozent“

Da Helene grad noch keine neuen Songs hat (das neue Album kommt 2017), hat sie für die diesjährige Helene Fischer Show für ihre Soloauftritte vor allem ältere Songs ausgegraben, worüber ich aber sehr froh war, weil sie ihre „Greatest Hits“ schon bei gefühlt 3278 Promo-Auftritten als Medley präsentiert hat (meist hat so ein Medley eine durchschnittliche Länge von gefühlten 43 Minuten und da ist das 28-minütige Atemlos-Medley noch gar nicht mit eingerechnet). Da waren mir als Alternative ältere Songs mehr als Recht. „100 Prozent“ ist auch immer ganz nett, da kann man selbst als Jetzt-nicht-GANZ-so-großer-Schlagerfan (dieser Fantypus ist unter Helene Fans gar nicht mal so selten vertreten, ist aber vielleicht auch nicht so schlimm, weil Helenes Bekenntnisse zum Schlager in ihren Interviews gelegentlich auch Nicht-immer-GANZ-so-leidenschaftlich klingen) entspannt mitklatschen/mitwippen/mitsingen.

Tom Jones

Von Tom Jones kenne ich zugegebenermaßen eigentlich nur „Sex Bomb“ so wirklich und da ich dieses Lied seit Jahren mit einem etwas bizarren humoristischen Eiskunstlauf-Auftritt von Evgeny Plushenko (hier völlig sinnfrei eingefügt, aber wer die HF Show guckt, kann auch mit so was was anfangen)

(und – für Insider – mit einer langen feucht fröhlichen Hotel-Disco-Nacht mit Sasha Abt, Amber Corwin und ebendiesem Evgeny Plushenko) verbinde 😀 hatte ich jetzt nicht so das dringende Bedürfnis ausgerechnet den Song von Tom Jones in der Show zu hören. Tatsächlich war es aber dann das Duett, das er mit Helene gesungen hat, ich war aber dann tatsächlich sehr sehr positiv überrascht, denn das Arrangement (das sehr ruhig und dramatisch begann und dann in der 2. Hälfte energiegeladener wurde), fand ich wirklich fantastisch und stimmlich bei beiden absolut Top. Da merkte man auch sofort warum Tom Jones ein Weltstar ist. Ein Riesen-Highlight gleich am Anfang.

Als 2. Nummer hat Tom Jones später eine sehr ruhige Nummer gesungen, die mich stilistisch ein bisschen an einen meiner absoluten Lieblingssänger, nämlich Johnny Cash, erinnert hat und die ich einfach unglaublich gut fand. Chapeau!!!!!

Olly Murs

Olly Murs ist so ein Engländer, der recht viele Charthits hatte (glaube ich), aber die Art moderne Popmusik macht, die ich sehr wenig beachte und über die ich deswegen fast nichts weiß. Ein paar seiner Lieder kenne ich aber (habe gegoogelt). Den Song den er in der Helene Fischer gesungen hat, kannte ich nicht. Als Duett mit Helene hat er „Up“ gesungen (das kannte ich eigentlich auch nicht, aber ich hab mir den Titel gemerkt). Generell haben seine Auftritte nicht gestört, aber auch keinen besonderen Eindruck hinterlassen, was vermutlich der Grund ist, warum ich diese Art Popmusik nicht näher verfolge.

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klubbb3

klubbb3 bestehen aus Florian Silbereisen und 2 Männern aus Belgien und Holland, die hier in Deutschland eigentlich keiner kennt (außer man verfolgt die Schlagerszene in Belgien und Holland, denke ich mal) und die ich immer noch ständig verwechsle obwohl sie gar nicht die gleiche Haarfarbe haben. Das ist so die Art Party-Schlager-Musik, die man gut mal anhören kann, wenn man sich in einer Apres Ski Bar befindet oder beim Oktoberfest/Cannstatter Wasen oder auf einer Schlagerparty. Die 3 „b’s“ haben angeblich eine Bedeutung, die aber nicht verraten wird, solange das so ist tippe ich auf „Bier, Bräute, Ballermann“ 😀 (Alternativvorschläge werden gerne entgegen genommen).

Mit Helene haben die ein Duett, nein Quartett, gesungen wo alle Songs verwurstet wurden in deren Titel ein Frauenname vorkommt. Ich wusste gar nicht wie viele Songs mit Frauennamen es in der Musikgeschichte schon gab, ich glaube es waren ca. 32467.

Das Interessanteste an klubbb3 ist bisher der Text ihrer ersten Single, auf den mich meine Freundin aufmerksam gemacht hat (die irgendwie immer mehr von der Volksmusik- und Schlagerszene mitkriegt als ich, obwohl sie nicht mal Helene Fan ist), der Song heißt nämlich „Du schaffst das schon“ und lässt vom Titel her gar nicht erwarten, dass es da um so interessante Dinge geht, nämlich:

Heute Nacht, heute Nacht

wirst du die Versuchung sein.

Keine Angst, keine Angst,

trink einfach noch einen Wein,

und dann binde mir die Augen zu,

ich vertrau dir es gibt kein Tabu,

nur bei dir lass‘ ich mich wirklich fall’n

bis zum Wahnsinn …

Mach mit mir was du willst,

zeig mir alles was du fühlst,

du schaffst das schon…

Schalt mich ein schalt mich aus,

und hol alles aus mir raus,

du schaffst das schon…

Wie eine Königin,

die über mich bestimmt,

so regierst du mein Herz

und auch meinen Schmerz,

du schaffst das schon.

Allein über „Schalt mich ein, Schalt mich aus“ kann man schon locker einen ganzen Auftritt lang nachdenken.

Ich hatte ja mit den üblichen maximal 2 Songs pro Abend gerechnet (1 Duett, 1 Solo), die jedem Gast maximal zustehen, aber klubbb3 haben auch an beiden Abenden je eine Umbaupause musikalisch begleitet, so dass sie gefühlt jeden Abend 30 Minuten da waren (irgendwie hat sonst keiner der anderen Gäste in den Umbaupausen gesungen, sicherlich Zufall. Dafür hatten ein paar andere Gäste gar keine Soloauftritte). Am ersten Abend hab ich auch erst nach einigen Minuten realisiert, dass das jetzt die Umbaupause und nicht der Auftritt ist, am 2. Abend war ich da schon souveräner, obwohl sie da absurderweise in der Umbaupause auch schon den neuen Song gesungen haben, der später als tatsächlicher Auftritt nochmal kam.

Der neue Song heißt übrigens „Jetzt erst recht“ und hat glaub ich keine „Shades of Grey“ Thematik. Für die Helene Fischer Shows 2017 und 2018 erwarte ich die Weltpremien von „Immer weiter so“ und „Wir sind noch lange nicht am Ende“.

Am 2. Aufzeichnungstag hat Helene klubbb3 dann noch kurz interviewt. Das Thema Interviews in Schlagersendungen ist ja ein faszinierendes Thema. Die letzten 10 Jahre ist ja nur Helene immer 1-3 x im Jahr in den Sendungen von Florian aufgetreten und nicht umgekehrt, das musste nun dringend mal angepasst werden.

Ohne langgehütete Showbusiness und Volksmusik-Szene-Erfolgsrezepte ausplaudern zu wollen, laufen Interviews zwischen Florian Silbereisen und Helene Fischer immer so ab, dass Fanfragen eingesammelt werden, die von einem MDR/ARD/ZDF-Praktikanten dann direkt in den Outlook-Papierkorb verschoben werden und durch möglichst banale und sinnlose Fragen ersetzt werden (meist wird eine berufliche Frage mit reingenommen wie z.b. „wann kommt Dein neues Album raus?“, die Helene dann natürlich aber nicht beantwortet, sondern elegant ausweichend umschifft). Dann fragt der Florian die Helene was, z.B. „Was hast Du für Hobbies?“, „Kochst Du gerne?“, „Trägst Du privat auch mal Jogginganzug?“, „Machst Du viel Sport?“. Darauf antwortet Helene dann mit Sätzen wie „Also ich tanze sehr gerne mal spontan durchs Haus, aber das weißt DU doch am Besten“, “Ich koche sehr gerne, am Liebsten Pasta, nicht soooo, aber es schmeckt schon, aber das kannst DU ja am Besten beurteilen”, „BEI UNS ist das ja so, dass…“ , „manchmal machen wir ja ZUSAMMEN Sport und manchmal alleine“, …Dadurch wird der Eindruck erweckt (Psychologie für Angefangene), man wäre praktisch ganz nah dran an den Fischer/Silbereisens (die ja bekanntlich ihr Privat- und Berufsleben 100% strikt und konsequent trennen und trotzdem immer von der Yellow Press verfolgt werden). Man kann sich sozusagen bildlich vor Augen vorstellen wie die Helene in Starnberg/am Ammersee/auf Mallorca beim Kochen eine Gurke schält, wonach der Florian ihr fürsorglich mit einem blauweiß karierten Geschirrtuch hinterher beim Abspülen hilft, wie das bei uns zusammen zuhause halt so ist.

Jedenfalls war die spannende Frage ob sich dieses Konzept wohl auch in der Helene Fischer Show wiederfinden würde und doch JA, es kam vor. Zugegebenermaßen nicht ganz so auffällig und gehäuft wie in den Silbereisen-schen Sendungen, aber für den geübten (ich gucke jetzt schon seit Anfang 2015) Zuschauer trotzdem keine große Herausforderung, die 1-2 Exemplare zu entdecken 😉

Es gibt Leute, die behaupten, dass hinter der Marke und dem Konzept Helene Fischer ein 250 Mann Team (inkl. einiger Psychologen) stehen. Das kann gut sein, ich habe hingegen den Verdacht, dass man einfach nur das in der Volksmusik Szene erprobte Konzept mit dem schon Marianne und Michael schon seit Jahrzehnten erfolgreich waren ein paar Nummern größer gemacht hat (einmal hab ich als Eiskunstlauf-Fan ein Video aus den 60er Jahren geguckt wo Marika Kilius und Hans Jürgen Bäumler in der Show von Peter Alexander interviewt werden und das war exakt genau gleich wie wenn Florian Silbereisen Helene interviewt, bloß ohne dass Hans Jürgen Bäumler auch noch da rum steht halt).

Für die TV-Macher/Manager/ÖR-Fernsehen/Wer auch immer da sonst noch von profitiert, muss die Erkenntnis, dass sich das was man Jahrzehntelang vor allem für die werbe-nicht-so-relevante-Zielgruppe von 49+ gemacht hat bombastisch aufgezogen zu einem generationenübergreifenden Massenphänomen eignet, ja zu einem gewaltigen Euro-Zeichen-In-Den-Augen-Aufblitz Moment geführt haben.

Interessant wird allerdings die nächsten Jahre die Frage (neben der Frage wie Donald Trump als US Präsident die Welt so verändert) wie es mit dem Fischer-Silbereisen-Imperium mittel- bis langfristig weitergeht. Im Moment sehe ich da 2 mögliche Szenarien

  1. das geht einfach noch 30 Jahre so weiter, Marianne und Michael haben ja auch erst grade ihren Bühnen-Rücktritt verkündet. Im Moment scheint alles drauf hinzudeuten, da das Ganze gerade erst so richtig Fahrt aufzunehmen scheint. Vielleicht ist es aber auch nur ein sich rapide nähernder Peak, nachdem es wieder absinkt, sich verändert oder in etwas anderes umgewandelt wird.

  2. Helene Fischer beendet schlagartig ihre Karriere und hinterlässt ein Schwarzes Loch in der Mitte von Unterhaltungs-Deutschland (sowohl Fans als auch Hater/Kritiker verlieren 50% ihres Lebensinhaltes), weil ihr einfällt, dass sie keinen Bock mehr hat und mit ihren Millionen lieber den Rest ihres Leben unter einer Südseepalme rumliegen möchte. Dies würde jeder normale Mensch so machen, aber jeder normale Mensch ist ja auch nicht Helene Fischer. Falls Florian Silbereisen auch mit zurücktritt müsste übrigens Horst Seehofer gar nicht mehr damit drohen die beiden Öffentlich Rechtlichen Hauptsender zusammenlegen, weil ARD und ZDF entsetzt feststellen würden, dass sie gar nicht mehr genug Sendungsinhalte für zwei Fernsehsender haben und sich selbst zusammenlegen würden – auch der MDR würde sich sofort automatisch selbst abschalten.

Helene Solo mit “Lieb mich”

Nach diesem kleinen Exkurs in die Irrungen und Wirrungen des Showbiz, ging es weiter mit Helene Solo mit ihrem glaube ich schon ziemlich alten Song “Lieb mich” (eine Herz-Schmerz-Ballade), der aber wirklich sehr sehr schön arrangiert war und etwas beliebig mit 3 sich in blinkenden Reifen drehenden Artisten begleitet wurde (die ohne böswillig sein zu wollen ein ganz kleines bisschen nicht sooooo 100% fit und professionell wirkten).

To be continued…