Allgemein, Fernsehen, Musik

Zwischen Alphorn und Jazz-Kneipe: Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 1

Seit ca. Anfang 2015 bin ich ja Helene Fischer Fan, nachdem ich den Fehler (? finanziell gesehen, auf jeden Fall) gemacht habe, mir interessehalber ein ganzes Konzert und eine ganze Dokumentation auf Youtube anzugucken (Open Air Berlin Waldbühne 2013 gefolgt von „Allein im Licht“). Die Helene Fischer Show hatte ich aber trotzdem auch schon vorher zumindest in Teilen an Weihnachten gesehen. Die Sendung ist ja eine Personality Show (was auch immer das genau bedeuten mag) und erinnert ein bisschen an so eine schöne Samstagabendsendung aus den frühen 80er Jahren, die man damals schon alleine deshalb mit der ganzen Familie angeschaut hat, weil es damals ja noch gar keine richtige Auswahl gab (an die Jugend von heute: man hatte bis zum Erblühen der Privatsender in der Regel nur 3 Fernsehprogramme!) . Die Sendung ist also ein bisschen Retro und ein bisschen öffentlich-rechtlich gediegen und damit genau das richtige für den 2. Weihnachtsfeiertag. Außerdem kommt Helene Fischer in 99% davon vor, was für die meisten Leute der Hauptgrund ist einzuschalten (oder nicht einzuschalten). Auf mich hat Helene da immer einen ganz sympathischen und talentierten Eindruck gemacht (allerdings dachte ich damals sie ist ca. Ende 30 und redet bestimmt privat auch immer so gestelzt wie Carmen Nebel). Ergo, ich schaute die Sendung gerne, hätte jetzt aber nicht das Bedürfnis gehabt zu einer TV Aufzeichnung zu gehen, da diese Berichten zufolge sehr lange dauert (von 20:00 – 2 Uhr morgens) und durch viele Umbaupausen und Wiederholungen wegen Moderationsfehlern geprägt ist (die aber angeblich immer voll mega lustig und unterhaltsam sind). Neugier und Gruppenzwang haben mich aber umgestimmt. Da die Sendung erst am 25.12. um 20:15 ausgestrahlt wird (Schleichwerbung!) , sollte jeder der sich vorher nicht spoilern will, genau JETZT aufhören zu lesen. Wenn es ein Riesenproblem ist, dass ich das jetzt schon veröffentliche, meldet sich hoffentlich jemand, dann nehm ich es sofort wieder runter.

Aufzeichnungsdauer und Ablauf

Die Helene Fischer Show wird immer an 2 Aufzeichnungstagen aufgezeichnet. Der fanatische Fan geht natürlich zu beiden Tagen. Für das volle Erlebnis haben wir (ich, plus 2 Freundinnen) also natürlich auch Karten für beide Tage besorgt. Das war dann gleich ein bisschen teuer, weil die Preise im Vergleich zu 2015 um 100% angehoben wurden (wenn schon, denn schon, wird man sich gedacht haben). Da der Kartenvorverkauf ein bisschen interessant war, hatten wir danach für Tag 1 drei Karten nebeneinander im Oberrang fast ganz hinten (Schnäppchenpreis von 89 Euro) und für Tag 2 drei Karten einzeln verstreut, wobei ich durch merkwürdiges Glück ganz vorne in Reihe 1 gelandet bin.

Da Fans erzählt hatten, dass die Aufzeichnungen in den letzten Jahren immer sehr lange dauerten, habe ich mich also auf lange Wartezeiten, viel Langeweile zwischendurch und völlige Übermüdung eingestellt, irgendwer hat da wohl aber was optimiert (die Sendung wurde auch von Berlin nach Düsseldorf verlegt, weswegen wir den Plan das mit einer Städtereise nach Berlin zu verbinden aus logistischen Gründen verworfen haben), so dass Frau Fischer im Affenzahn und fast fehlerfrei durch den Abend galoppierte, weswegen es praktisch unmöglich war auf Toilette zu gehen oder etwas zu Trinken ohne Auftritte zu verpassen (wenn man während was Langweiligem rausging verpasste man automatisch den Auftritt danach auch noch) und irgendwann gegen Ende nach zwei eher „psychedelisch aber geil“ Auftritten befand mein Gehirn sich in einem Zustand der Überlastung knapp vor einem Deadlock. Der positive Nebeneffekt war aber, dass es schon 23:15 vorbei war und wir deswegen am 2. Aufzeichnungstag wieder ziemlich fit und voll aufnahmefähig waren (anstatt übermüdet und halbtot). Der 2. Tag dauerte dann tatsächlich etwas länger (ich glaube bis kurz nach Mitternacht), war aber auch angenehm straff. Etwas skurril war, dass das ZDF oder die Veranstaltungsfirma am ersten Tag wohl am Anheizer sparen musste und einen völlig unmotivierten und eher unfreundlichen Menschen irgendwo von der Straße aufgelesen hatten, der einem gleich am Anfang die Lust am Applaus eher aktiv vermieste. Für den 2. Tag wurde dann ein unterhaltsamer professioneller Animateur aufgefahren. Zwar ist es durchaus mehr oder weniger inoffiziell so, dass der erste Tag als Generalprobe gilt und der 2. als Aufzeichnungstag, trotzdem wirkt das angesichts der Höhe der GEZ Gebühren 😛 doch etwas albern. Generell waren die beiden Aufzeichnungstage fast gleich, lediglich Reinhard Fendrich war nur am ersten Tag da (ihn hätte ich definitiv nicht verpassen wollen, allein deswegen hat sich Tag 1 gelohnt) und Olly Murs sowie 2 weitere Nummern nur am Zweiten. Wenn man nur einen Aufzeichnungstag besuchen möchte, dann empfiehlt es sich sicherlich den zweiten zu nehmen.

Von dem Ablauf der Aufzeichnung und den Gästen und Besonderheiten der Schlagerbranche möchte ich im Folgenden in vermutlich mehreren Blogeinträgen (ich versuche es in 3-4 zu schaffen 😀 ) berichten, ich hoffe ich krieg es noch einigermaßen zusammen 😉

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Helene Solo mit „100 Prozent“

Da Helene grad noch keine neuen Songs hat (das neue Album kommt 2017), hat sie für die diesjährige Helene Fischer Show für ihre Soloauftritte vor allem ältere Songs ausgegraben, worüber ich aber sehr froh war, weil sie ihre „Greatest Hits“ schon bei gefühlt 3278 Promo-Auftritten als Medley präsentiert hat (meist hat so ein Medley eine durchschnittliche Länge von gefühlten 43 Minuten und da ist das 28-minütige Atemlos-Medley noch gar nicht mit eingerechnet). Da waren mir als Alternative ältere Songs mehr als Recht. „100 Prozent“ ist auch immer ganz nett, da kann man selbst als Jetzt-nicht-GANZ-so-großer-Schlagerfan (dieser Fantypus ist unter Helene Fans gar nicht mal so selten vertreten, ist aber vielleicht auch nicht so schlimm, weil Helenes Bekenntnisse zum Schlager in ihren Interviews gelegentlich auch Nicht-immer-GANZ-so-leidenschaftlich klingen) entspannt mitklatschen/mitwippen/mitsingen.

Tom Jones

Von Tom Jones kenne ich zugegebenermaßen eigentlich nur „Sex Bomb“ so wirklich und da ich dieses Lied seit Jahren mit einem etwas bizarren humoristischen Eiskunstlauf-Auftritt von Evgeny Plushenko (hier völlig sinnfrei eingefügt, aber wer die HF Show guckt, kann auch mit so was was anfangen)

(und – für Insider – mit einer langen feucht fröhlichen Hotel-Disco-Nacht mit Sasha Abt, Amber Corwin und ebendiesem Evgeny Plushenko) verbinde 😀 hatte ich jetzt nicht so das dringende Bedürfnis ausgerechnet den Song von Tom Jones in der Show zu hören. Tatsächlich war es aber dann das Duett, das er mit Helene gesungen hat, ich war aber dann tatsächlich sehr sehr positiv überrascht, denn das Arrangement (das sehr ruhig und dramatisch begann und dann in der 2. Hälfte energiegeladener wurde), fand ich wirklich fantastisch und stimmlich bei beiden absolut Top. Da merkte man auch sofort warum Tom Jones ein Weltstar ist. Ein Riesen-Highlight gleich am Anfang.

Als 2. Nummer hat Tom Jones später eine sehr ruhige Nummer gesungen, die mich stilistisch ein bisschen an einen meiner absoluten Lieblingssänger, nämlich Johnny Cash, erinnert hat und die ich einfach unglaublich gut fand. Chapeau!!!!!

Olly Murs

Olly Murs ist so ein Engländer, der recht viele Charthits hatte (glaube ich), aber die Art moderne Popmusik macht, die ich sehr wenig beachte und über die ich deswegen fast nichts weiß. Ein paar seiner Lieder kenne ich aber (habe gegoogelt). Den Song den er in der Helene Fischer gesungen hat, kannte ich nicht. Als Duett mit Helene hat er „Up“ gesungen (das kannte ich eigentlich auch nicht, aber ich hab mir den Titel gemerkt). Generell haben seine Auftritte nicht gestört, aber auch keinen besonderen Eindruck hinterlassen, was vermutlich der Grund ist, warum ich diese Art Popmusik nicht näher verfolge.

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klubbb3

klubbb3 bestehen aus Florian Silbereisen und 2 Männern aus Belgien und Holland, die hier in Deutschland eigentlich keiner kennt (außer man verfolgt die Schlagerszene in Belgien und Holland, denke ich mal) und die ich immer noch ständig verwechsle obwohl sie gar nicht die gleiche Haarfarbe haben. Das ist so die Art Party-Schlager-Musik, die man gut mal anhören kann, wenn man sich in einer Apres Ski Bar befindet oder beim Oktoberfest/Cannstatter Wasen oder auf einer Schlagerparty. Die 3 „b’s“ haben angeblich eine Bedeutung, die aber nicht verraten wird, solange das so ist tippe ich auf „Bier, Bräute, Ballermann“ 😀 (Alternativvorschläge werden gerne entgegen genommen).

Mit Helene haben die ein Duett, nein Quartett, gesungen wo alle Songs verwurstet wurden in deren Titel ein Frauenname vorkommt. Ich wusste gar nicht wie viele Songs mit Frauennamen es in der Musikgeschichte schon gab, ich glaube es waren ca. 32467.

Das Interessanteste an klubbb3 ist bisher der Text ihrer ersten Single, auf den mich meine Freundin aufmerksam gemacht hat (die irgendwie immer mehr von der Volksmusik- und Schlagerszene mitkriegt als ich, obwohl sie nicht mal Helene Fan ist), der Song heißt nämlich „Du schaffst das schon“ und lässt vom Titel her gar nicht erwarten, dass es da um so interessante Dinge geht, nämlich:

Heute Nacht, heute Nacht

wirst du die Versuchung sein.

Keine Angst, keine Angst,

trink einfach noch einen Wein,

und dann binde mir die Augen zu,

ich vertrau dir es gibt kein Tabu,

nur bei dir lass‘ ich mich wirklich fall’n

bis zum Wahnsinn …

Mach mit mir was du willst,

zeig mir alles was du fühlst,

du schaffst das schon…

Schalt mich ein schalt mich aus,

und hol alles aus mir raus,

du schaffst das schon…

Wie eine Königin,

die über mich bestimmt,

so regierst du mein Herz

und auch meinen Schmerz,

du schaffst das schon.

Allein über „Schalt mich ein, Schalt mich aus“ kann man schon locker einen ganzen Auftritt lang nachdenken.

Ich hatte ja mit den üblichen maximal 2 Songs pro Abend gerechnet (1 Duett, 1 Solo), die jedem Gast maximal zustehen, aber klubbb3 haben auch an beiden Abenden je eine Umbaupause musikalisch begleitet, so dass sie gefühlt jeden Abend 30 Minuten da waren (irgendwie hat sonst keiner der anderen Gäste in den Umbaupausen gesungen, sicherlich Zufall. Dafür hatten ein paar andere Gäste gar keine Soloauftritte). Am ersten Abend hab ich auch erst nach einigen Minuten realisiert, dass das jetzt die Umbaupause und nicht der Auftritt ist, am 2. Abend war ich da schon souveräner, obwohl sie da absurderweise in der Umbaupause auch schon den neuen Song gesungen haben, der später als tatsächlicher Auftritt nochmal kam.

Der neue Song heißt übrigens „Jetzt erst recht“ und hat glaub ich keine „Shades of Grey“ Thematik. Für die Helene Fischer Shows 2017 und 2018 erwarte ich die Weltpremien von „Immer weiter so“ und „Wir sind noch lange nicht am Ende“.

Am 2. Aufzeichnungstag hat Helene klubbb3 dann noch kurz interviewt. Das Thema Interviews in Schlagersendungen ist ja ein faszinierendes Thema. Die letzten 10 Jahre ist ja nur Helene immer 1-3 x im Jahr in den Sendungen von Florian aufgetreten und nicht umgekehrt, das musste nun dringend mal angepasst werden.

Ohne langgehütete Showbusiness und Volksmusik-Szene-Erfolgsrezepte ausplaudern zu wollen, laufen Interviews zwischen Florian Silbereisen und Helene Fischer immer so ab, dass Fanfragen eingesammelt werden, die von einem MDR/ARD/ZDF-Praktikanten dann direkt in den Outlook-Papierkorb verschoben werden und durch möglichst banale und sinnlose Fragen ersetzt werden (meist wird eine berufliche Frage mit reingenommen wie z.b. „wann kommt Dein neues Album raus?“, die Helene dann natürlich aber nicht beantwortet, sondern elegant ausweichend umschifft). Dann fragt der Florian die Helene was, z.B. „Was hast Du für Hobbies?“, „Kochst Du gerne?“, „Trägst Du privat auch mal Jogginganzug?“, „Machst Du viel Sport?“. Darauf antwortet Helene dann mit Sätzen wie „Also ich tanze sehr gerne mal spontan durchs Haus, aber das weißt DU doch am Besten“, “Ich koche sehr gerne, am Liebsten Pasta, nicht soooo, aber es schmeckt schon, aber das kannst DU ja am Besten beurteilen”, „BEI UNS ist das ja so, dass…“ , „manchmal machen wir ja ZUSAMMEN Sport und manchmal alleine“, …Dadurch wird der Eindruck erweckt (Psychologie für Angefangene), man wäre praktisch ganz nah dran an den Fischer/Silbereisens (die ja bekanntlich ihr Privat- und Berufsleben 100% strikt und konsequent trennen und trotzdem immer von der Yellow Press verfolgt werden). Man kann sich sozusagen bildlich vor Augen vorstellen wie die Helene in Starnberg/am Ammersee/auf Mallorca beim Kochen eine Gurke schält, wonach der Florian ihr fürsorglich mit einem blauweiß karierten Geschirrtuch hinterher beim Abspülen hilft, wie das bei uns zusammen zuhause halt so ist.

Jedenfalls war die spannende Frage ob sich dieses Konzept wohl auch in der Helene Fischer Show wiederfinden würde und doch JA, es kam vor. Zugegebenermaßen nicht ganz so auffällig und gehäuft wie in den Silbereisen-schen Sendungen, aber für den geübten (ich gucke jetzt schon seit Anfang 2015) Zuschauer trotzdem keine große Herausforderung, die 1-2 Exemplare zu entdecken 😉

Es gibt Leute, die behaupten, dass hinter der Marke und dem Konzept Helene Fischer ein 250 Mann Team (inkl. einiger Psychologen) stehen. Das kann gut sein, ich habe hingegen den Verdacht, dass man einfach nur das in der Volksmusik Szene erprobte Konzept mit dem schon Marianne und Michael schon seit Jahrzehnten erfolgreich waren ein paar Nummern größer gemacht hat (einmal hab ich als Eiskunstlauf-Fan ein Video aus den 60er Jahren geguckt wo Marika Kilius und Hans Jürgen Bäumler in der Show von Peter Alexander interviewt werden und das war exakt genau gleich wie wenn Florian Silbereisen Helene interviewt, bloß ohne dass Hans Jürgen Bäumler auch noch da rum steht halt).

Für die TV-Macher/Manager/ÖR-Fernsehen/Wer auch immer da sonst noch von profitiert, muss die Erkenntnis, dass sich das was man Jahrzehntelang vor allem für die werbe-nicht-so-relevante-Zielgruppe von 49+ gemacht hat bombastisch aufgezogen zu einem generationenübergreifenden Massenphänomen eignet, ja zu einem gewaltigen Euro-Zeichen-In-Den-Augen-Aufblitz Moment geführt haben.

Interessant wird allerdings die nächsten Jahre die Frage (neben der Frage wie Donald Trump als US Präsident die Welt so verändert) wie es mit dem Fischer-Silbereisen-Imperium mittel- bis langfristig weitergeht. Im Moment sehe ich da 2 mögliche Szenarien

  1. das geht einfach noch 30 Jahre so weiter, Marianne und Michael haben ja auch erst grade ihren Bühnen-Rücktritt verkündet. Im Moment scheint alles drauf hinzudeuten, da das Ganze gerade erst so richtig Fahrt aufzunehmen scheint. Vielleicht ist es aber auch nur ein sich rapide nähernder Peak, nachdem es wieder absinkt, sich verändert oder in etwas anderes umgewandelt wird.

  2. Helene Fischer beendet schlagartig ihre Karriere und hinterlässt ein Schwarzes Loch in der Mitte von Unterhaltungs-Deutschland (sowohl Fans als auch Hater/Kritiker verlieren 50% ihres Lebensinhaltes), weil ihr einfällt, dass sie keinen Bock mehr hat und mit ihren Millionen lieber den Rest ihres Leben unter einer Südseepalme rumliegen möchte. Dies würde jeder normale Mensch so machen, aber jeder normale Mensch ist ja auch nicht Helene Fischer. Falls Florian Silbereisen auch mit zurücktritt müsste übrigens Horst Seehofer gar nicht mehr damit drohen die beiden Öffentlich Rechtlichen Hauptsender zusammenlegen, weil ARD und ZDF entsetzt feststellen würden, dass sie gar nicht mehr genug Sendungsinhalte für zwei Fernsehsender haben und sich selbst zusammenlegen würden – auch der MDR würde sich sofort automatisch selbst abschalten.

Helene Solo mit “Lieb mich”

Nach diesem kleinen Exkurs in die Irrungen und Wirrungen des Showbiz, ging es weiter mit Helene Solo mit ihrem glaube ich schon ziemlich alten Song “Lieb mich” (eine Herz-Schmerz-Ballade), der aber wirklich sehr sehr schön arrangiert war und etwas beliebig mit 3 sich in blinkenden Reifen drehenden Artisten begleitet wurde (die ohne böswillig sein zu wollen ein ganz kleines bisschen nicht sooooo 100% fit und professionell wirkten).

To be continued…

Allgemein, Musik

Helene Fischer Fantypen for Dummies

Seit ca. einem Jahr bin ich ja Helene Fischer Fan. Das ist einfach so passiert. Beziehungsweise dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, der vermutlich knapp davor ist in den Duden aufgenommen zu werden, nämlich die sogenannte „Helenisierung“. Vor diesem Vorgang ist durchaus zu warnen, denn ist er erstmal losgelaufen ist er schnell voranschreitend, anscheinend umumkehrbar und führt gerne mal zu ernsthaften Löchern im Geldbeutel.

Nach einem Jahr im Helene Fischer Fan Universum hab ich festgestellt, dass das Unterhaltsamste an Helene Fischer gar nicht alleine sie selber oder ihr künstlerisches Schaffen ist, sondern dass es noch eine Metaebene der Unterhaltung gibt, die eigentlich genauso faszinierend ist, nämlich ihre Fans.

Diese möchte ich deswegen grob kategorisiert hier vorstellen, inkl. einer Bewertung der Marketingrelevanz (den das Marketing-Imperium ‚Helene Fischer‘ ist auch noch so ein Punkt der totaaaaaal faszinierend und unterhaltsam ist).

Wenn man entweder Helene Fischer oder sich selbst sehr ernst nimmt, dann empfiehlt es sich die Lektüre an dieser Stelle abzubrechen. Wer’s nicht tut, braucht dann hinterher auch nicht meckern 😉

Fantypus 1: der Anspruchsvolle

Der Anspruchsvolle „hört ja eigentlich gar keinen Schlager“ und ist deswegen latent davon angenervt, dass er das tun muss, weil Helene Fischer nichts anderes singt. (Gut, manchmal singt sie kitschige Disney Songs oder 80er/90er Jahre Klassiker, die beim Hörer zur Ausbildung eines wohlig warmen Nostalgiegefühls in der Magengrube führen (sollen)). Deswegen verbringt der Anspruchsvolle die meiste Zeit damit, zu betonen, dass Helene Fischer hoffentlich in Zukunft „andere“ Musik macht (die Vorstellungen wie, was und warum divergieren hier aber beträchtlich unter den Vetretern dieses Fan-Typus). Der Anspruchsvolle findet „Weihnachten“ das musikalisch Beste Album von Helene Fischer und findet das selber skurril.

Der Anspruchsvolle wird gerne mal dazu verführt sich Dinge im TV anzuschauen, die er eigentlich sonst nicht anschauen würde, weil Helene darin auftritt. So zum Beispiel Sendungen von Florian Silbereisen. Dabei  erleidet er einen Kulturschock, während dessen er sich verzweifelt fragt, wann denn endlich Oliver Kalkofe von links ins Bild hüpft. Da Oli Kalkofe ausbleibt, kompensiert er das durch das reflexartige Absondern eigener sarkastischen Äußerungen im Sekundentakt, was zu regelmäßigen Konflikten mit „Fantypus 2: der Alt-Fan“ führt.

Der Anspruchsvolle kann durchschnittlich 98% der Kritik, die  Kritiker an Helene äußern nachvollziehen, findet die restlichen 2% aber ausreichend, um sie trotzdem für eine – Quatsch DIE – Göttin zu halten.

Der Anspruchsvolle ist für die Marketing-Abteilung vermutlich anstrengend, da er auf den ersten Blick den Eindruck erweckt immer nur zu meckern, zu lästern und zu hinterfragen. Allerdings ist er aus Marketing Sicht trotzdem wichtig und vermutlich gar nicht mal so kompliziert, kauft er doch wie alle anderen Fantypen reflexartig alles wo Helene Fischer draufsteht, vor allem sämtliche Live-Alben und Live-DVDs und Dokumentationen. Er besitzt sogar einen Helene Fischer Parfum Flakon und das Studioalbum von „Farbenspiel“, das er aber noch nie komplett angehört hat.

Fantypus 2: der Alt-Fan

Der Alt-Fan war schon 2005 Helene Fischer Fan oder zumindest 2008. Der Alt-Fan fühlt sich im Schlager-Kosmus rundum wohl und mag an Helene Fischer außer Helene Fischer vor allem die Musik von Jean Frankfurter (die Vorstellung von Alben ohne Jean Frankfurter erfüllt ihn mit tiefer Skepsis). Er bezeichnet Helene gerne mit Beschreibungen wie „Unser Sonnenschein“ und mag an ihr am Meisten, dass sie so nett, süß, authentisch, warmherzig und bodenständig ist, sowie ihre von Herzen kommenden natürlich spontanen Zwischenmoderationen. Er hofft im tiefsten Inneren immer noch, dass Geschenkübergaben und Autogrammstunden auf Tourneen wieder eingeführt werden und ärgert sich, dass er Helene im Stadion mit 45000 anderen teilen muss, die sie gar nicht richtig zu würdigen wissen und auch noch Schuld daran sind, dass richtige „Fannähe“ nicht mehr wie früher möglich ist.

Der Alt-Fan neigt dazu Atemlos-Parodien von Carolin Kebekus kein bisschen lustig zu finden und diese Meinung ausgiebig und markig auf der Facebook-Seite von Frau Kebekus zu äußern, um sich dann darüber zu wundern, dass sie Helene Fischer Fans hinterher noch doofer findet als vorher.

Der Alt-Fan äußert gelegentlich Bedenken, dass der (31 jährigen) Helene Fischer ihre jugendliche Frische und der kindliche Charme verloren zu gehen scheint. Der Alt-Fan ist aus Marketing Sicht wichtig, denn ihm wird eine ausgeprägte Fan-Treue nachgesagt. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass der Alt-Fan sich eine neue Schlagerprinzessin sucht wenn Helene Fischer mit 39,5 Jahren dann doch endgültig der kindliche Charme verloren gegangen ist.

Für die Marketing Abteilung ist der Alt-Fan keine besondere Herausforderung, denn man kann die Marketing Methoden einsetzen, mit denen man in der Schlagerbranche schon 50 Jahre Erfahrung hat.

Fantypus 3: der Hard-Core Fan

Der Hard-Core Fan ist vermutlich kein richtiger eigener Fan-Typ, sondern eine extreme und finanzstarke Einzelausgabe aus dem Pool der anderen Fantypen. Er ist daran zu erkennen, dass er deutschlandweit bei JEDEM Konzert und JEDER Fernsehshow in einer der ersten Reihen steht oder sitzt, so dass der zuhause gebliebene Fan vor dem Fernseher das Gefühl hat ihn schon öfter gesehen zu haben als Helene.

Der Hard-Core Fan gibt durchschnittlich 67 520 Euro im Jahr für Helene Fischer aus. Aus Marketing Sicht ist er somit immens wichtig, benötigt aber keine besondere Aufmerksamkeit mehr, da er sich zum Selbstläufer entwickelt hat.

Fantypus 4: der Gelegenheitsfan

Der Gelegenheitsfan ist das Gegenteil des Hard-Core-Fan. Er geht ins Stadion, weil er auf Mallorca so oft mit „Atemlos“ beschallt wurde oder weil die Helene ja schon geil aussieht oder so ne tolle Figur hat. Er zieht sich quer durch jede Gesellschaftsschicht und jedes Alter. Er tritt gern in männlichen oder weiblichen Kleingruppen auf. Männliche Vertreter nerven andere Besucher gerne damit, dass sie alle 10 Minuten ein neues Bier holen gehen oder sich atemlos durch langweilige Balladen gröhlen. Weibliche Gelegenheitsfangruppen sind gerne an stereotypischen Bemerkungen wie „was will die nur mit dem Silbereisen“ oder „die macht halt schon ne geile Show“ zu erkennen.

Der Gelegenheitsfan ist aus Marketing Sicht kompliziert. Er ist per Definition flüchtig, deswegen ist es wichtig das Marketing-Konzept so zu gestalten, dass kontinuierlich genug neue Gelegenheitsfans nachproduziert werden.

Fantypus 5: Fischis

Fischis nennen sich selber so. Fischis tragen Shirts mit der Aufschrift „Egal wie Fisch Du bist, Helene ist Fischer“ (ohne Witz). Fischis finden Helene ist einfach perfekt, die perfekte Mama (das mit den Silberfischen wird ja wohl irgendwann noch kommen), die perfekte Schwester, der perfekte Lieblingsmensch, das perfekte Paar (das nur in Kombination mit Florian), die Schönste, die Tollste, die Hübscheste, alles was sie tut ist prinzipiell sooooo süß, dass man sofort sterben gehen muss. Das alles äußern Fischis auf Instagram, in What’s App Gruppen und in sonstigen Social Media. Wären Fischis 20 Jahre früher geboren, wären sie Kelly Family Fans (hatten die eigentlich auch nen Namen?).

Fischis schreiben gerne Fan-Fiction, mehr möchte man darüber aber nicht wissen (es gibt auch „alternative Fischis“, die nicht auf Helene & Florian stehen, die schreiben dann einfach Fan-Fiction über Helene und jemand anderen).

Fischis sind die einzige Fangruppierung, die es heutzutage noch schafft regelmäßig Selfies mit Helene zu bekommen, da sie hartnäckig genug sind, um auch mal bis 5 Uhr morgens neben einem Hintereingang rumzustehen. Auf den geposteten Fotos lässt sich dann oft verwundert feststellen, dass Fischis gar nicht wie 12,13 oder 14 aussehen, sondern wie 25 (das liegt aber daran, dass den minderjährigen Fischis von Erziehungsberechtigten regelmäßig nicht erlaubt wird Helene nachzureisen, worüber sie dann auch ihren Unmut in sozialen Netzwerken äußern).

Fischis sind aus Marketing-Sicht wichtig, weil sie kostenloses Social Media Marketing betreiben, in dem sie alles begeistert weiter verteilen, was auf Instagram woher auch immer so auftaucht. Außerdem sind sie die Nr.1 Fangruppierung, die nur wegen Helene auch Sachen von Florian Silbereisen kauft, vor allem Tickets für seine Sendung. Die finanzielle Bedeutung hingegen ist schwankend und hängt vom Alter ab oder vom Geldbeutel der Eltern. Fischis sind aus Marketing Sicht nicht soo kompliziert, ein bis zwei Häppchen im Jahr (wie ein „Vom Winde verweht“ artiger Kuss bei Florian Silbereisen), durchschnittlich eins im Sommer, eins im Winter, plus zusätzlich wenn man grade was zu promoten hat reichen aus, um Fischis für Wochen in Ekstase zu versetzen.