Bücher

Lesend in den Winter – Buchrezensionen November 2016

 

Diesen Monat habe ich zwei Bücher gelesen, auf die ich primär durch Titel und Buchcover aufmerksam geworden bin. In beiden Fällen machen die Cover Lust auf ein Leseerlebnis, das eher außergewöhnlich sein dürfte und in beiden Fälle wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Grade weil ich die Cover so mochte, möchte ich diesmal auch beide Bücher mit Cover vorstellen:

Leveret Pale – „Wahn: denn den Sinn habe ich erschossen“ (Genre: Horror)

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Auf das Buch bin ich vor allem durch das Cover und den Titel aufmerksam geworden, denn Beides finde ich absolut genial. Die kompakte (104 Seiten) im Books on Demand Verlag erschienene Sammlung von Kurzgeschichten ist der Nachfolgeband der Horrorgeschichten Sammlung „Wahnsinn“, die ich bisher noch nicht gelesen habe (aber wie ich schon verraten kann, auf jeden Fall auch noch lesen möchte). „Wahn“ soll im Vergleich zum Erstling eher weniger klassische Horrorgeschichten enthalten, sondern eben eher Geschichten, die sich mit dem Thema Wahn und Wahnvorstellungen (desöfteren im Kontext von Drogenkonsum) beschäftigen. Ich fand aber, dass zumindest einige der Geschichte durchaus auch als eher klassische Horror-Geschichten angesehen werden konnten.

Insgesamt fand ich die Sammlung sehr abwechslungsreich, es sind sehr kurze Geschichten dabei, aber auch zwei bis drei längere. Generell merkt man dem Autor sein sehr junges Alter (anscheinend ist er erst 17!) noch an, der Schreibstil wirkt auf mich noch etwas sprunghaft und man merkt manchmal, dass er sich von vielen verschiedenen klassischen und modernen Autoren aus dem Bereich Horror inspirieren lässt, wie er auch selbst sagt. Allerdings sind die Geschichte sprachlich und inhaltlich definitiv auf sehr hohem Niveau und auch oft originell und kreativ, auch den eher schwarzen Humor, der öfters durchscheint hat mir super gefallen. Da es finde ich gar nicht so viele Autoren gibt, die Horror wirklich gut können, hat es mich sehr gefreut in dem Bereich ein neues Talent kennen zu lernen und dann auch noch aus Deutschland. Am Überzeugendsten fand ich übrigens die Geschichten bei denen ich den Eindruck hatte, dass der Autor eigene Erfahrungen mit einbringen konnte.

Generell bin ich Büchern aus Selbstverlagen und Books on Demand übrigens eher skeptisch gegenüber gestellt, weil es dort doch auch viel gibt, dass mich sprachlich und vom Lektorat her nicht überzeugt. Ein paar kleine Lektorats-Fehler (konkret waren es 3) sind mir in „Wahn“ auch aufgefallen, aber es war keineswegs so, dass es störend war und da das Buch ansonsten auf einem sehr hohen sprachlichen Niveau ist, hat es mich nicht gestört.

Insgesamt würde ich „Wahn“ vor allem Horror-Fans empfehlen und Leute, die gerne etwas außergewöhnliche und alternative Kurzgeschichten für zwischendurch mögen.

Rose Kleinknecht-Herrmann: „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“

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Auf das Buch „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“ von Rose Kleinknecht-Herrmann bin ich ebenfalls vor allem durch das Cover und den doch eher außergewöhnlichen Titel aufmerksam geworden. Das Buch ist von Rose Kleinknecht-Herrmann, die selbst von 1946 bis 1985 in Paris und Stuttgart unterrichtet hat, aus Sicht des alternden Lehrers Wolfgang Fink geschrieben.

Fink erzählt in der Ich-Perspektive über sein Berufs-Privatleben als Lehrer an einem Gymnasium. Wann genau die Ereignisse spielen ist dabei nicht immer ersichtlich, insgesamt deckt das Buch aber wohl das System von den 60ern bis 80ern ab. Wolfgang Fink ist dabei kein übermäßig sympathischer Ich-Erzähler, er ist frustriert, demotiviert und auch in seine Ehe mit Ehefrau Ute hat sich Frust und Resignation eingeschlichen, ebenso in das konfliktbehaftete Zusammenleben mit seinen beiden Kindern im Teenager Alter. Fink kann wohl durchaus als „gescheiterte Existenz“ beschrieben werden, der durch den Jahrzehntelangen Schulbetrieb so zermürbt ist, dass er einen damals noch vollkommen unbekannten „Burnout“ erleidet.

Mitgefühl für ihn zu empfinden fällt einerseits durchaus sehr leicht, beschreibt er sein Leiden doch so glaubhaft, dass man durchaus „mit leidet“, andererseits ist es doch fast unmöglich seine Sicht auf die Welt und seine Mitmenschen nachzuvollziehen, denn Wolfgang Fink sieht sich eigentlich immer als Opfer der Umstände, des Systems und sein Blick auf seine Mitmenschen ist auch oft eher grausam und lieblos, zumindest schonungslos. Eine ambivalente Gestalt und damit ein hervorragender Protagonist, wenn auch eher ein Anti-Held.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, man lernt sehr viel über das Schulsystem und gesellschaftliche Fragen aus einer Zeit, die knapp vor meiner eigenen Schulzeit lag (ich bin 1979 geboren), aber auch über die Probleme bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Schulbetrieb, vor allem was Lehrer angeht, die die damalige Zeit noch miterlebt haben. Ein Roman ist das Buch wohl eher nicht, eher eine Geschichte die schildert, wie einer an seiner Umwelt scheitert. Kleine Abstriche in der Bewertung gibt es von mir lediglich deswegen, weil ich die ersten zwei Drittel geringfügig besser fand als das Ende, das sich ein bisschen im Sande verläuft.

 

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