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Lesetipp: „Das Kaff“ von Jan Böttcher

Das Cover von „Das Kaff“ von Jan Böttcher zeigt ein eher kühl und stilistisch nüchtern wirkendes Dorf im Flachland aus der Schräg-Oben-Vogelperspektive, passend
zum Beruf der Hauptperson des Buches: Der Architekt Micha kehrt nach vielen Jahren im hippen Berlin zurück in sein norddeutsches Heimatdorf, um dort einen Bau-Auftrag zu begleiten (einige eher unspektakuläre Wohnungen in einer Art Reihenhaussiedlung der Beschreibung nach). Am Anfang weiß man noch nicht viel über Micha, seine Erlebnisse im Dorf werden anhand kurzer episodenhafter Kapitel erzählt, die ein widersprüchliches Bild von Micha zeichnen. Er scheint ein reicher erfolgreicher
Architekt zu sein, der es geschafft hat dem Dorf zu entkommen, aber warum schläft er dann in der Wohnung eines Freundes (skurrilerweise auf dem Dachboden), der grad zufällig im Urlaub ist? Und warum ist er so wütend auf alles und jeden, jede Person aus seiner Vergangenheit (sogar seine tote Mutter) und aus seinem aktuellen beruflichen Umfeld?

Der Stil des Buches ist eher assoziativ, teilweise fast poetisch, und Vieles wird zwischen den Zeilen gesagt, trotzdem fand ich das Buch sehr kurzweilig und gut lesbar, mit einem leisen Humor und ironischen Zwischentönen. Durch die kurzen Kapitel lässt es sich auch gut immer wieder zwischendurch lesen ohne dass man den Faden verliert.
Micha ist nicht unbedingt eine sympathische Hauptperson, im Verlauf des Buches wird schnell klar, dass er mit sich selbst nicht im Reinen ist, was sich dadurch äußert, dass er einerseits sehr arrogant auf sein Umfeld und die Menschen aus seiner Dorf-Vergangenheit und seiner Familie reagiert (vor allem seine Schwester und seinen Bruder stößt er immer wieder vor den Kopf), sich andererseits aber auch zu Ihnen hingezogen fühlt, vor allem zu seinem alten Regional-Fußballklub, wo er sogar als Jugendtrainer wieder einsteigt.

Je weiter das Buch voran schreitet, desto mehr erfährt man über Michas Vergangenheit, über die Krankheitsgeschichte seiner Mutter und man merkt auch, dass hinter seinen aggressiven Fassade trotz allem ein Mensch steckt, der ein großes Herz für andere hat und mit der Zeit ergibt sich auch eine Annäherung an seine Familie und eine Aufarbeitung seiner Jugend…Für Menschen, die bei Büchern eine klar erkennbare Handlung und eine lineare Erzählweise möchten, dürfte „Das Kaff“ eventuell nicht ganz das Richtige sein. Mir hat das Buch aber grade deswegen und auch wegen des etwas eneckenden und außergewöhnlichen Hauptcharakters gut gefallen.

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