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Krimi-Tipp: „Todesstiche“ von Nina Darnton

„Todesstiche“  von Nina Darnton kommt optisch im typischen Thriller Design daher, auch der Titel klingt natürlich nach einem eher reißerischen Thriller (die dazu abgedruckte Wespe passt null zur Handlung und ist wohl eine sehr unkreative Verarbeitung des Wortes „Stich“ im Titel). Dieser Eindruck täuscht aber eher, was vielleicht für eine Vermarktung des Buches nicht ganz optimal ist, denn eigentlich handelt es sich bei dem Buch eher um einen psychologischen Krimi oder sogar noch eher um einen Entwicklungsroman der Hauptperson Jennifer und ein Familiendrama.

Die Hauptrolle im Buch spielt Jennifer, eine amerikanische Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Ihr Mann arbeitet den ganzen Tag als Haushalt und Jennifer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die perfekte verständnisvolle Helikopter-Mutter für ihre 3 Kinder zu sein. Auf andere berufstätige Mütter schaut sie eher herunter und sie ist stolz auf ihr geradezu perfektes Leben und ihre perfektes Leben. Sie ist also geradezu unerträglich unsympathisch 😉 und man wünscht ihr irgendwelche Probleme geradezu auf den Hals. Diese kommen dann auch in Form einer Hiobsbotschaft aus Spanien, wo ihre älteste Tochter Emma aktuell studiert. Emma wurde festgenommen, nachdem in ihrer Wohnung ein Mann erstochen wurde. Laut Emma versuchte er sie zu vergewaltigen, worauf ein zufällig vorbeikommender Algerier ihn erstach, um Emma zu retten. Jennifer fliegt sofort nach Spanien, um ihrer Tochter zur Seite zu stehen. Während die Polizei Emmas Geschichte für höchst unglaubwürdig hält und immer mehr Indizien gegen ihre Version sprechen, hält Jennifer eisern zu Emma, bis auch ihr immer mehr Zweifel an ihrer Tochter kommen.

Der Ausgangspunkt des Buches erinnerte mich etwas an den Fall Amanda Knox (auch wenn der Mordfall sich letztendlich nicht sehr ähnelt), weswegen das Buch mein Interesse weckte (ich hatte erst vor einiger Zeit eine Netflix Doku über Amanda Knox gesehen). Das Buch hat mich definitiv auch nicht enttäuscht, es ist gut geschrieben, die Infos über Land und Leute wirken kompetent recherchiert und mir gefiel sehr gut, dass die Autorin sehr viel Wert auf Charakterentwicklung und psychologische Hintergründe legt. Das Buch las sich eher wie altmodischer psychologischer Krimi a la Ruth Rendell, was schon immer ein Krimi-Genre ist, dass ich besonders liebe. Auch macht Jennifer im Laufe des Buches eine glaubhafte Entwicklung durch, so dass sie einem doch fast noch sympathisch wird. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, allerdings finde ich die Vermarktung als Thriller bei der Deutschen Ausgabe etwas unglücklich, da Thriller-Fans vermutlich enttäuscht sein werden (die englische Originalausgabe heißt zum Beispiel „Perfect Mother“, was auch viel besser zum Inhalt passt). Diese Ambivalenz verspürte wohl auch der Verlag zu irgendeinem Zeitpunkt, denn es sind im Internet zwei Cover Versionen zu finden, einen mit Untertitel „Thriller“ und einen mit Untertitel „Roman“.

Als Schwachpunkt würde ich sehen, dass eigentlich gar nicht so wirklich viel passiert, so dass man nicht wirklich von Überraschungen in der Handlung sprechen kann. Auch die eine existierende Wendung hat etwas Unausweichliches, weswegen sie nicht wirklich überrascht. Trotzdem für mich ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch.

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Young Adult Tipp: „The Exact Opposite of Okay“

„The Exact Opposite of Okay“ von Laura Steven ist ein Young Adult Roman, der sich mit dem Thema „Slut Shaming“ auseinander setzt. Hauptperson des Buches ist die 18-jährige Izzy, die Vollwaise ist und mit ihrer Oma zusammen in eher prekären Verhältnissen lebt: die Familie hat nicht viel Geld und die gesundheitlich angeschlagene Oma hält die beiden mit einem schlecht bezahlten Job über Wasser. Izzy ist nicht besonders gut in der Schule, liebt aber das Schreiben von Drehbüchern und das Filmen von Comedy-Sketches. Sie träumt von einer Karriere als Comedy Star oder Drehbuchautorin, hat aber nicht mal das Geld um sich ein College-Studium oder eine Ausbildung leisten zu können. Sie versteckt ihre Gefühle und Schwächen hinter Witzeleien und sarkastischen Bemerkungen und verbringt ihre Freizeit am Liebsten mit ihren besten Freunden, der indisch stämmigen Ajita und ihren langjährigem Sandkastenfreund Danny. Als Izzy auf einer Party mit zwei Jungs schläft und dann auch noch Nacktfotos mit einem der beiden austauscht, gerät sie in einen Strudel der Ereignisse, der ihr ganzes Leben aus der Bahn wirft.

Das Buch ist in Tagebuch-Form geschrieben und beginnt kurz vor dem großen „Sex-Skandal“. Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam, auch wenn Izzys Dauer-Sarkasmus vor allem anfangs etwas anstrengend sein kann (und das sage ich als großer Sarkasmus Fan 😉 ). Ich lese aber generell gerne Bücher in Tagebuch-Form, deswegen hat mir das Format sehr gut gefallen. Die Ereignisse und auch die Charaktere sind für mich gut herausgearbeitet, lediglich die Reaktionen (bzw. Nicht-Reaktionen) der Schule auf die Ereignisse fand ich irgendwie etwas befremdlich (auch wenn Izzy im Buch volljährig war, fände ich es merkwürdig wenn eine Schule bei derartigen Ereignissen überhaupt keine Maßnahmen ergreift um seine Schüler zu beschützen und zum Beispiel Mobbing einzudämmen). Gut gefallen hat mir, dass Izzy in dem Buch sehr vielschichtig geschildert wird, sie ist nicht nur die „Heldin“, sondern handelt teilweise auch sehr gedankenlos (damit meine ich jetzt nicht mal das Versenden von Nacktbildern über das Smartphone, sondern eher Zwischenmenschliches im Umgang mit ihrer besten Freundin) und ihr Charakter entwickelt sich im Laufe des Buches glaubwürdig weiter, so dass die hinter ihrer Fassade verborgenen Gefühle zu Tage treten können.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass das Buch teilweise fast etwas mehr wie ein feministisches Manifest wirkt als wie ein Roman, der rein um seiner Story wegen erzählt wird, was sich zum Beispiel darin äußert, dass vor allem Izzys Freund Danny etwas zu schablonenhaft ausgearbeitet wirkt. Man hat etwas den Eindruck seine Rolle existiert primär um ein bestimmtes Verhalten zu demonstrieren. Davon einmal abgesehen fand ich das Buch aber wirklich sehr gelungen und es sticht sowohl thematisch als auch vom Stil aus der Masse der Young Adult Romane heraus.

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Krimi-Tipp: „Das Geheimnis der Grays“ von Anne Meredith

Heute möchte ich die Neuauflage eines historischen Krimis vorstellen und zwar „Das Geheimnis der Grays“ (Originaltitel: „Portrait Of A Murderer“) von Anne Meredith. Anne Meredith ist ein Pseudonym der britischen Autorin Lucy Beatrice Malleson, die unter dem weiteren Synonym Anthony Gilbert eine langjährige Krimireihe rund um den Ermittler Arthur Crook verfasste. Unter dem Pseudonym Anne Meredith hat sie nur 2 Bücher veröffentlicht, eine Autobiografie und eben den psychologischen Krimi „Das Geheimnis der Grays“.

Der Roman erschien erstmalig 1933 und spielt an Weihnachten 1932. Die ziemlich zerstrittene Familie Gray versammelt sich an Weihnachten beim autoritären und übellaunigen Familienoberhaupt Adrian Gray im alten Herrenhaus der Familie auf dem Land. Vordergründig natürlich um gemeinsam Weihnachten zu feiern.
Allerdings haben die meisten Familienmitglieder andere Absichten, denn sie stecken in mehr oder minder ernsten finanziellen Schwierigkeiten und erhoffen sich von den Festtagen, den Vater dazu zu kriegen, Ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Adrians ältester Sohn Richard möchte sich einen Adelstitel erkaufen, wird jedoch von einer Geliebten erpresst. Der Schwiegersohn Eustace hat mit windigen Spekulationsgeschäften nicht nur seine Klienten sondern auch Adrian über den Tisch gezogen. Und der jüngere Sohn Hildebrand ist ein mittelloser Künstler, der eine ganze Horde von Kindern durchbringen muss, für die er sich eigentlich gar nicht nicht interessiert. Lediglich die jüngste Tochter Ruth und ihr Mann stecken nicht in Schwierigkeiten und haben beim Weihnachtsbesuch keine Hintergedanken. Der 1. Weihnachtsfeiertag beginnt statt mit Geschenken dann direkt mit einem Schock, Adrian Gray wird ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden…

Dies klingt auf den ersten Blick wie ein typischer Whodunnit im Stile von Agatha Christie, entpuppt sich aber als psychologischer Krimi bei dem (für die damalige Zeit sicher noch außergewöhnlich und innovativ) die Gefühlswelt des Mörders im Vordergrund steht. Denn wer der Mörder ist, wird schon im ersten Drittel des Buches enthüllt, der Mord wird nämlich in der Ich-Perspektive aus Sicht des Mörders geschildert. Dieser versucht in Folge seine Tat zu vertuschen und diese stattdessen einem anderen Familienmitglied anzuhängen.

Der Roman nimmt sich anfangs viel Zeit die verschiedenen Familienmitglieder vorzustellen, wobei der Blick auf die damalige Gesellschaft ziemlich bissig und ironisch gerät. Glücklich sind nur die wenigstens der vorgestellten Paare und Familienmitglieder.
Im 2. Teil steht der Mörder und sein Innenleben im Vordergrund, im 3. Teil dann die Auswirkungen des Mordes und die Frage ob der Mörder mit seinem Vertuschungsversuch davon kommt. Der Stil ist natürlich etwas altmodisch, allerdings trotzdem sehr leicht lesbar und wer gerne altmodische Krimis wie z.B. von Agatha Christie liest, wird mit dem Buch sicher seine Freude haben. Ich fand es sehr unterhaltsam und auch durchaus vom Aufbau kreativ. Auch wenn die Aufmachung des Klett-Cotta Verlags vielleicht etwas irreführend ist (der englische Titel passt auch viel besser zum Inhalt als der Deutsche) hat es mir eigentlich sogar besser gefallen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen klassischen „Wer ist der Mörder?“ Roman gehandelt hat.

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Buchrezension: „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent

Heute habe ich eine ungewöhnliche Aufgabe: ich rezensiere ich ein Buch mit dem ich nicht so richtig warm wurde, nämlich „Mein Ein und Alles“ von Gabriell Tallent. Ich hatte die Leseprobe gelesen und fand sie sehr vielversprechend, außerdem mag ich solche Geschichten eigentlich, also Geschichten darüber wie jemand sich aus schwierigen Lebensumständen befreit und so eine Geschichte schien „Mein Ein und Alles“ zu sein.

Das Buch dreht sich um die 14-jährige Turtle (eigentlich Julia) Alveston aus Kalifornien. Sie lebt mit ihrem Vater in einem ziemlich heruntergekommenen Haus nahe der Meeresküste , in einer bewaldeten Gegend bei Mendocino (beim Lesen des Buches habe ich realisiert, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie darüber nachgedacht hatte wo sich der im Schlager besungene Ort eigentlich befindet). Sie geht zur Schule, ist dort aber eine Außenseiterin, was auch an ihrem eigenen abweisenden Verhalten liegt, sie scheint nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Menschen zu hassen, vor allem gerade, die die eigentlich versuchen auf sie zu zu gehen. Die Gründe dafür werden schnell klar, sobald man etwas mehr über die toxische und kranke Beziehung zwischen ihrem Vater Martin und ihr erfährt. Turtle glaubt nicht daran etwas am Status Quo ihres Lebens verändern zu können, sucht auch oft Entschuldigungen für ihren Vater und zerfleischt sich gedanklich selbst…doch als sie auf einem Streifzug durch die Wälder Jacob und Brett kennenlernt – 2 Jungs im Highschool-Alter – verändert sich ihr Leben langsam aber sicher und die Geschehnisse nehmen einen Lauf der zu einer immer größeren Eskalation führt. Irgendwann kämpft Turtle nicht mehr nur um ihre Befreiung sondern um Leben und Tod.

Das Buch ist also durchaus sehr interessant, die Thematik verstörend und Turtle eine spannende und komplexe Hauptfigur. Trotzdem hatte ich einige Probleme mit dem Buch: erstens ist die Sprache irgendwie sperrig. Die Landschaftsbeschreibung blieben für mich irgendwie schwer zugänglich, so dass ich es irgendwie nicht schaffte diese Teile aufzunehmen. Interessanterweise passt auch das Cover irgendwie zu diesem Gefühl, es zeigt ein irgendwie altmodisch wirkendes Dickicht von Nadelbäumen, das gleichzeitig anzieht und irritiert.

Der Rest des Buches ist im Prinzip gut geschrieben, allerdings war ich von einigen Schimpfwörtern irritiert, die irgendwie zu altmodisch für ein Buch wirkten in dem eine 14-jährige die Hauptrolle spielt (auch ihr Vater dürfte vermutlich nicht viel älter als 40-50 sein). So wurde z.B. das Wort „Luder“ häufig verwundet, was ich mir als Sprache bei einer 14-jährigen einfach schwer vorstellen konnte. Da wäre es interessant mal ins Original hineinzulesen um zu vergleichen was für Wörter dort verwendet wurden. Ich bin mir bei diesem Buch sprachlich wirklich nicht sicher, ob ich ein Problem mit der Buchsprache an sich hatte oder auch eher mit der Übersetzung. Insgesamt wirkt der Stil irgendwie unausgewogen.

Mein zweites Problem mit dem Buch war, dass ich es insgesamt doch ziemlich schwer zu verdauen fand. Eigentlich bin ich bei dramatischen Familiengeschichten hart im nehmen und lese zwischendurch auch gerne mal düstere oder schwierige Bücher, aber aus irgendeinem Grund kam ich bei diesem Buch fast an meine Grenzen (vielleicht lag es auch daran, dass ich es ausgerechnet im trüben November angefangen habe???). Ich glaube es war eine Kombination aus der teils etwas schwer zugänglichen Sprache und der Tatsache, dass die geschilderten Ereignisse, sowie die Charaktere Martin und auch Turtle selbst, als Charaktere schwer zu ertragen sind. Deshalb bewegte ich mich eher langsam Kapitel für Kapitel durch das Buch und hatte irgendwann in der Mitte mal das Bedürfniss parallel etwas Leichtes zu lesen (was ich nur nicht getan habe, weil meine Lesezeit diesen Monat etwas begrenzt war).

Trotzdem fand ich das Buch durchaus lesenswert und kann nicht sagen, dass es mich nicht zum Nachdenken gebracht hätte. Interessanterweise fand ich die letzten Kapitel in denen sich Turtles Lebenssituation massiv gewandelt hat sehr viel bewegender und emotionaler als alles davor, vielleicht auch weil Turtle als Mensch da aufgetaut ist. Insgesamt habe ich also ein sehr ambivalentes Verhältnis zu dem Buch, weswegen ich auch nicht sagen kann ob und wem ich es weiterempfehlen würde.

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Michelle Hunziker – „Ein scheinbar perfektes Leben“

Heute möchte ich mal wieder eine Promi-Autobiographie vorstellen (das entwickelt sich gerade zu einem neuen Lieblingsgenre von mir). Und zwar: „Ein scheinbar perfektes Leben“ von Michelle Hunziker. In dem Buch erzählt sie davon wie sie mit Anfang 20 in die Fänge einer spirituellen Sekte geriet und Jahre brauchte, um sich daraus wieder zu befreien.

Michelle Hunziker kannte ich natürlich, allerdings habe ich ihre frühe Karriere und ihr Privatleben kaum verfolgt (natürlich habe ich mitbekommen, dass sie mit Eros Ramazotti verheiratet war, aber das war es dann auch schon). Das erste Mal wurde ich bei Wetten dass wirklich auf sie aufmerksam (wo ich sie als Co-Moderatorin deutlich angenehmer fand als Thomas Gottschalk, dessen Stil mir immer zu egozentrisch war). Deshalb bin ich mit wenig Vorwissen in das Buch gestartet und fand es sehr interessant zu erfahren wie Michelle aufgewachsen ist und wie die ersten Jahre ihrer Karriere und ihres jungen Erwachsenenlebens verliefen. Auch über das Showbusiness erfährt man am Rande ein bisschen, aber den Hauptteil des Buches nimmt wie erwartet Michelles Sektenerfahrung ein.

Das Buch beginnt mit einigen Episoden aus Michelles Kindheit in der Schweiz, die von Ausgrenzung in der Schule und der Alkoholsucht ihres Vaters geprägt war, zu dem Michelle den Kontakt als junge Erwachsene erstmal komplett aufgab. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht immer einfach. Nach der Geburt ihrer Tochter Aurora mit 19 und der Ehe mit Eros Ramazotti nahm Michelles Karriere so langsam Fahrt auf. Doch gut ging es ihr zu dieser Zeit trotzdem nicht und als sie über einen gemeinsamen Freund eine „Prana-Heilerin“ kennenlernte (ursprünglich sollte sie Eros bei einem Problem mit seiner Stimme helfen), nahm das Unheil seinen Lauf. Zuerst suchte Michelle bei ihr nur Hilfe wegen eines damals auftretenden Haarausfalles, doch mit der Zeit nahm die Heilerin immer mehr Einfluß auf Michelles Leben…

Mir hat an dem Buch super gefallen, dass Michelle sehr viel Wert darauf legt zu erklären, welche Zufälle, Charaktereigenschaften, Situationen und persönlichen Probleme in der Summe dazu führten, dass sie langsam in die Fänge der Sekte geriet. Es wird deutlich, dass so etwas nicht von jetzt auf sofort passiert, sondern ein schleichender Prozess ist. Außerdem wird im Detail erläutert welche manipulativen und grausamen Techniken die Sekte benutzte, um Michelle von ihren Freunden und ihrer Familie zu entfremden und unter ihrer Kontrolle zu behalten. Auch ihre eigene Gefühlswelt und Gedankengänge in der Sekte schildert Michelle intensiv und auch wie und warum die Versuche ihrer Familie zu ihr durchzudringen gerade das Gegenteil bewirkten wird sehr anschaulich. Deshalb ist das Buch sicherlich gut für Angehörige von Sektenmitgliedern geeignet.

Der Stil des Buches ist einerseits sehr emotional (man merkt, dass Michelle ein eher gefühltsbetonter Mensch ist), gleichzeitig aber trotzdem sehr analytisch, selbstkritisch und klar geschrieben, insgesamt ein Schreibstil, der sich sehr gut liest. Mir hat es sehr imponiert wie reflektiert Michelle ihre eigenen Schwächen und die Beziehung zu ihrer Mutter analysiert und wie sie teilweise auch sehr hart mit sich selbst ins Gericht geht und Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernimmt.

Als einzige Schwächen des Buches würde ich anmerken, dass die Episoden aus der Kindheit und Jugend anfangs teils etwas sprunghaft wirken (auch dadurch, dass der Teil recht kurz ist) und zweitens, dass einige Kapitel etwas sehr ausufernd von den spirituellen Inhalten der Sekte erzählen. Das ist eine Detailtiefe, die man an der Stelle vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte, da hätte man das Buch etwas kürzen können, ohne dass wichtige Inhalte verloren gegangen wären. Ich fand es aber durchaus beeindruckend wie die Sektenführerin es geschafft hat so ziemlich jede Weltreligion und spirituelle Richtung von der man jemals gehört hat zu einem Wirrwarr zu verquicken). Das sind aber nur Kleinigkeiten, insgesamt fand ich das Buch sehr gelungen und absolut lesenswert.

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Buchrezension: „Amerika“ von Kai Wieland

Aufmerksam geworden bin ich auf „Amerika“ anhand des Titels, der wenn man sich den Klappentext anschaut ganz im Widerspruch zu dem Schauplatz des Buches steht. „Amerika“ spielt nämlich keineswegs in den USA oder einer anderen amerikanischen Region, sondern in einem Ort, der gar nicht so weit weg ist von meiner eigenen Heimat. Das gesamte Buch spielt sich in einem kleinen fiktiven Dorf im Schwäbischen namens Rillingsbach ab, konkreter einem kleinen Dorf in der Nähe von Murrhardt (bei Heilbronn). Mich hat es gereizt mal ein Buch aus der (weiteren) eigenen Region zu lesen und außerdem war ich auch neugierig was es mit dem Titel auf sich hat.

Das Buch ähnelt im Aufbau ein bisschen einem Kammerspiel, der Erzähler ist ein junger Mann, der im ganzen Buch nur als „der Chronist“ bezeichnet wird. Man erfährt nicht viel über ihn (nur dass er in der Dorfkneipe Fanta trinkt und gerne auf Youtube unterwegs ist). Er möchte eine Dorfchronik über Rillingsbach schreiben, wozu und welcher Art erfährt der Leser nie. Deswegen sitzt der Chronist in der einzigen Dorfkneipe zusammen mit Martha, der Wirtin, Heide (der jüngsten Stammkundin, die aber vermutlich auch schon eher im Rentenalter ist) und Frieder und Alfred, 2 älteren Herren, die sich selten ganz grün sind. Die Dorfkneipe war früher (vor Kriegsende) mal ein gut gehendes Hotel, das Marthas Familie gehörte, inzwischen ist sie aber nur noch von den wenigen Stammgästen des Dorfes bevölkert und auch Rillingsbach selbst ist mehr oder weniger tot.

So erzählen die Dorfbewohner in wechselnden Episoden aus ihrer eigenen Geschichte und die ihrer Familie und daraus entspinnt sich mit der Zeit ein immer größeres Bild, von Rillingsbach, von den einzelnen Personen, von Nachkriegsdeutschland und von der unheilvollen Geschichte rund um den Tod von Hildes Vater, der im Dorf seit Jahrzehnten zu einem emotionalen Schwelbrand führte.
Was aber hat Amerika nun mit Rillingsbach zu tun? Die USA sind auf mehrere Arten und Weise für den Ort und die Geschichte einzelner Personen wichtig, nach dem Krieg als Besatzungsmacht und für Alfred als eine Art große Sehnsucht, die er sich auch erfüllt. Als einziger Rillingsbacher wohl schafft er den Sprung über den großen Teich, allerdings nur zu einer eher skurrilen Rundreise zu den Schauplätzen an denen berühmte Amerikaner ermordert wurden (z.B. Martin Luther King, Bonnie & Clyde, John F. und Bobby Kennedy), die statt eines Traumurlaubs eher zu einer Zerreißprobe für seine Ehe wird…

Der Schreibstil des Buches ist eher nüchtern und distanziert, man blickt von außen durch die betont neutrale Brille des Chronisten auf die Lebensgeschichten (wobei eine leise Ironie immer spürbar ist) und das Buch will offenbar sehr viel und sehr viel auf einmal. Es geht um persönliche Träume, unverwirklichte Lebensziele, Versuche der Freiheit und Stagnation der einzelnen Charaktere, gleichzeitig um die (Nicht-) – Aufarbeitung der Nazi-Zeit, um Entnazifizierungsmaßnahmen, um ambivalente Einstellungen gegenüber der Amerikaner, um schwelende Konflikte und sogar um einen ungelösten Mord. Zunächst hatte ich das Gefühl mit dem Buch doch etwas zu fremdeln, aber im Nachhinein hat es doch unheimlich viele Themen über die man nachdenken kann und irgendwie doch auch alle untergebracht ohne dass es unglaubwürdig wirken würde.
Von dem her fand ich das Lesen des Buches sehr bereichernd. Eine kleine Kritik, die ich habe ist aber, dass aus welchen Gründen auch immer die Frauenfiguren Martha und Hilde in dem Buch für mich deutlich lebendiger rüber kamen, während Frieder und Alfred irgendwie schwer zu fassen blieben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich mit den Frauenfiguren natürlich mehr identifizieren konnte.

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Thriller – Tipp – „In deinem Namen“ von Harlan Coben

Heute möchte ich mal wieder einen sehr gelungenen Thriller vorstellen: „In Deinem Namen“ von Harlan Coben. Da dieses Genre sich ja durch eine gewisse typische Struktur auszeichnet, möchte ich die Rezension als Experiment heute auch mal in einer speziellen dazu passenden Struktur schreiben:

Cover

Das Cover zeigt eine mystisch wirkende Holzhütte (an einem Seeufer?), das zwar eine passende Thriller-artige Atmosphäre verbreitet, aber rein gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Das Cover bekommt also keinen Preis für „passt zur Handlung“, ist aber zumindest nett anzuschauen

Autor

Harlan Coban ist für mich ein Thriller Autor mit dem man nicht viel falsch machen kann. Ich habe über die Jahre einige Bücher von ihm gelesen, zuletzt fiel er mir allerdings mal wieder auf, weil er auch der Autor der hervorragenden Netflix Serie „Safe“ war, die ich wirklich klasse fand und die bei mir auch die Lust geweckt hat mal wieder einen Roman von ihm zu lesen.

Charaktere

Die Hauptfigur des Thrillers heißt absurderweise Nap, was wie sich herausstellt eine Abkürzung für Napoleon Dumas ist. Nap ist in Frankreich geboren, was den Namen Napoleon aber deswegen nicht unbedingt realistischer macht 😉
Nap ist Polizist, der nie über den Tod seines Zwillingsbruders im Alter von 18 Jahren und das Verschwinden seiner Jugendliebe hinweg gekommen ist.
Ansonsten spielen nur relativ wenige Personen eine größere Rolle in dem Buch. Naps beste Freundin, sein Mentor – auch ein Polizist der stark mit den Ereignissen rund um den Tod von Naps Bruder verbunden ist -und seine Jugendliebe, die verschwundene Maura sind die wichtigsten Charaktere im Roman. Mir hat diese  „Übersichtlichkeit“ gut gefallen.

Plot

Der Polizist Nap hat im Alter von 18 Jahren ein schlimmes Trauma erlitten. Sein Zwillingsbruder starb zusammen mit seiner damaligen Freundin, die beiden wurden von einem Zug überrollt. Ob es Selbstmord oder ein Unfall war, wurde nie richtig geklärt. In der gleichen Nacht verschwand auch noch Naps damalige
Freundin Maura, die seitdem verschwunden blieb. Als im Zuge eines aktuellen Mordfalls Spuren zu Maura führen, wittert Nap die Chance endlich herauszufinden was mit Maura, aber auch mit seinem Bruder damals wirklich geschah.

Schreibstil
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nap Dumas geschrieben. Nap gibt sich nach außen hin ziemlich hart und schnoddrig, es wird aber schnell klar, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist, der viele Altlasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Mir ist er ziemlich schnell ans Herz gewachsen, auch wenn ich schnoddrige männliche Ich-Erzähler in Romanen normalerweise nicht so besonders mag.

Fazit

Für mich war das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und ich fand auch die Geschichte für einen Thriller kreativ und thematisch eher außergewöhnlich. Außerdem fand ich es zur Abwechslung mal wieder recht nett einen Thriller zu lesen, der nicht Teil einer Serie ist.
Mit Bauchgefühl ist es mir gelungen, den „Bösewicht“ im Roman ziemlich früh zu vermuten, trotzdem finde ich das Buch nicht allzu vorhersehbar, wenn man Viel-Leser ist, bekommt man halt mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür. Die Geschichte an sich hatte für mich vom Feeling her auch nicht so viel von einem Psychothriller, stattdessen sendet es gewisse Vibes von Akte X und Stranger Things aus, auch wenn die Hauptpersonen alle erwachsen sind. Ich fand es sehr unterhaltsam und spannend zu lesen, ohne, dass man sich Sorgen um unnötige Brutalität oder Serienkiller-Gemetzel machen muss. Es ist also auch für Leute geeignet, die 08/15 Serienkiller Thriller eher nicht so mögen und es gerne etwas „mysteriöser“ haben.

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Buchrezension: „Der Blumensammler“ von David Whitehouse

Auf das Buch „Der Blumensammler“ von David Whitehouse bin ich wegen des wirklich schönen, liebevoll gestalteten und filigranen Covers aufmerksam geworden. Da das Buch auch sehr gute Amazon-Rezensionen hatte, habe ich es mir besorgt, auch wenn ich mir anhand des Klappentextes noch nicht wirklich viel unter der Handlung vorstellen konnte. Interessanterweise ging es mir beim Lesen des Buches erstmal für eine ziemlich lange Zeit weiterhin so, der Roman spielt abwechselnd auf 2 verschiedenen Zeitebenen und erzählt die Geschichte von 3 unterschiedliche Personen, was diese drei miteinander zu tun haben erschließt sich sich zuerst einmal aber nicht.

Da ist einmal ein älterer Tiefseeforscher, der bei einem Tauchunfall fast ertrinkt, aber dabei den Flugschreiber eines lang verschollenen Fluges findet. Dann ist da Dove, ein junger einsamer Mann, der als Kleinkind adoptiert wurde und Zeit seines Lebens mit unkontrollierten Wutanfällen zu kämpfen hat und jetzt auch noch von rasenden Kopfschmerzen und merkwürdigen Erinnerungen „angefallen“ wird, die nicht seine eigenen zu sein scheinen. Und dann ist da noch Peter, der einige Jahrzehnte vor Dove in der Bibliothek in einem Buch über Blumen einen Liebesbrief entdeckt, der von der Suche nach 6 sehr seltenen Blumen erzählt.

Natürlich hängen alle diese Geschichten zusammen, wie genau das der Fall ist, erschließt sich aber erst nach und nach im Laufe der Geschichte.

Ich war mir Lesen teilweise unschlüssig was ich von dem Buch halten soll. Die Geschichten sind durchaus interessant, manchmal auch mit einem feinen Humor zu sehen und die ganze Idee ist auch spannend. Trotzdem wurde ich nie so wirklich hundertprozentig in die Geschichte hineingezogen und alles in Allem ist die Geschichte vielleicht auch ein kleines bisschen zu konstruiert um wirklich die Magie zu entfalten, die der Autor vermutlich beabsichtigt hat. Außergewöhnlich und kreativ ist die Geschichte aber sicherlich und vom Schreibstil auch leicht lesbar und sympathisch (am Anfang fand ich manche Formulierungen manchmal ein bisschen zu blumig – ok beim Thema des Buches ist das vermutlich vertretbar 😉 ).

 

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„Wenn Liebe nicht reicht“ von Nova Meyerhenrich – Ein bewegender und hilfreicher Erfahrungsbericht über Depressionen

Nova Meyerhenrich ist TV-Moderatorin (aktuell moderiert sie zum Beispiel „Prominent“ auf VOX) und Schauspielerin. Ich muss zugeben, dass mir ihre Arbeit weitgehend unbekannt ist, da ich die TV-Sendungen, die sie moderierte nie wirklich gesehen habe („Prominent“ sah ich nur zu Zeiten von „Mein Name ist Constanze Rick! gelegentlich). Ihr erstes Buch „Wenn Liebe nicht reicht“ hat aber gar nichts mit der Glamour-Welt des Showbusiness zu tun, sondern ist ein ehrlicher und schonungsloser Erfahrungsbericht aus ihrem eigenen Leben: er erzählt von den Depressionen unter denen ihr Vater litt und aufgrund derer er sich letztendlich das Leben nahm und wie das Leben mit der Krankheit des Vaters sich auf sie und ihre Familie auswirkte.

Nova Meyerhenrich möchte mit ihrem Buch anderen betroffenen Angehörigen helfen und das Thema Depression zu einem Gesprächsthema machen, über das offen geredet wird, denn ihrer Familie fehlte diese Hilfe und es dauerte lange bis die Krankheit bei ihrem Vater überhaupt erkannt und diagnostiziert wurde, da die Krankheit damals noch viel mehr tabuisiert war wie heutzutage.

Jedes Kapitel im Buch beginnt mit einem Zitat eines Dialoges zwischen Nova und ihrer Mutter und schildert dann mehr oder weniger chronologisch von der Geschichte der Familie und der Entstehung der Krankheit ihres Vater. Abgerundet werden die persönlichen Erzählungen durch kleine Einschübe, in denen Dr. Mazda Adli (Psychiater und Depressionsforscher) sachliche Informationen zu dem Krankheitsbild Depression liefert. Diese Einschübe fand ich wirklich sehr informativ und erst beim Lesen wurde mir bewusst, dass ich die genauen Symptome einer Depression vorher auch noch gar nicht wirklich kannte bzw. mir noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, etwas das bei den meisten körperlichen „Volkskrankheiten“ ja eher undenkbar ist. Auch ein Zeichen, dass das Wissen über psychische Erkrankungen in Deutschland vermutlich noch sehr lückenhaft ist.

Das Buch ist in einem klaren und eingängigen Schreibstil geschrieben, ist eher sachlich und trotzdem sehr ehrlich und emotional bewegend, mir hat es wirklich ausnehmend gut gefallen. Nova Meyerhenrich erzählt mit großer Offenheit darüber wie sich die Krankheit des Vaters schleichend entwickelte, wie die Familie damit kämpfte, welche praktischen (z.B. finanziellen) und emotionalen Auswirkungen es auf die ganze Familie hatte und auch darüber wie sie zeitweise selbst in eine Co-Depression abrutschte, obwohl sie es schaffte nach außen hin im Beruf immer noch „perfekt“ zu funktionieren.

Ich denke, dass das Buch hervorragend geeignet ist, um die von Nova Meyerhenrich selbst gesetzten Ziele – zu helfen und aufzuklären – zu erreichen und für mich ist es sowohl für Betroffene, Angehörige, aber auch jeden anderen ein sehr empfehlenswertes Buch.

 

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Krimi-Rezension: „Rachgier“ von Val McDermid

Von ValMcDermid habe ich über die Jahre schon einige Krimis gelesen und vor allem vom Schreibstil her, hat mich diese Autorin noch nie enttäuscht, weswegen ich auch auf „Rachgier“ sehr gespannt war. Ihre älteren Bücher zeichneten sich für mich vor allem durch tiefgründige psychologische Spannung aus, die ich sonst vor allem aus älteren Kriminalromanen wie von Martha Grimes oder Ruth Rendell kannte (solche psychologischen Krimis scheinen leider im Moment aus der Mode zu sein). „Rachgier“ ist aber kein Krimi, sondern der schon 10. Teil einer Thriller-Reihe rund um die Ermittlerin Carol Jordan und den Profiler Tony Hill. Ich glaube ich habe schonmal 1 oder 2 Bücher aus der Reihe gelesen, die mir aber nicht besonders in Erinnerung blieben.

In „Rachgier“ leitet Carol Jordan ein neu gegründetes Sonderermittlungsteam, das für die Aufklärung von besonders schwierigen ungelösten Fällen gegründet wurde. Das Team kommt aber nicht so richtig in die Gänge, da Carol mit den Nachwirkungen eines schweren Traumas (ihr Bruder und dessen Frau wurden im Rahmen eines älteren Falles brutal ermordet) und mit ihrer Alkoholsucht zu kämpfen hat. Tony versucht sie zu unterstützen und scheint ansonsten mehr oder weniger nur am Rande Teil des Teams zu sein. Unter diesen schwierigen Bedingungen wird die Spezialeinheit mit einem besonders perfiden Killer konfrontiert, dessen Motiv und Identität man als Leser früh erfährt: er wurde von seiner Freundin und Geschäftspartnerin verlassen und sinnt auf Rache, in Stellvertretung zunächst durch Mord an anderen Frauen. Zum Finden seiner Opfer schleicht er sich heimlich in Hochzeiten ein und flirtet mit einsamen Frauen, die dort alleine sind, nur um sie nach wenigen Tagen oder Wochen zu töten. All dies ist früh im Buch schon klar, weswegen sich die Handlung primär darum dreht wie die Spezialeinheit mit sich selbst kämpft und den Fall (nicht) löst.

Insgesamt ist die Idee und Handlung des Buches schon originell, außerdem bekommen die einzelnen Ermittler des Teams individuell genügend Raum im Buch, so dass man alle gut kennenlernt, auch wenn man mit der Serie nicht vertraut ist. Insgesamt fand ich aber, dass die Handlung sich doch etwas dahinzieht, grad da ermittlungstechnisch eigentlich nicht viel passiert. Außerdem muss ich zugeben, dass Carol Jordan mir mit ihrer märtyrerhaften Art und der ganzen Selbstzerstörung in diesem Buch ausgesprochen unsympathisch war und Tony Hill recht blass blieb, was einen irritierenden Gesamteindruck ergab, der durch das Ende nicht wirklich verbessert wurde. Deutlich sympathischer fand ich die Ermittlerin Paula, die Storyline rund um ihren Pflegesohn Torin hatte aber irgendwie mit dem Rest der Handlung nichts zu tun und wirkte deswegen etwas konstruiert.

Insgesamt kann man also schon sagen, dass mich das Buch etwas enttäuscht hat und außerdem nicht wirklich Lust darauf gemacht hat, noch mehr Bände aus der Reihe zu lesen. Für Val McDermids Klasse wiederum spricht, dass es trotzdem sehr gut geschrieben und kurzweilig zu lesen war. Trotzdem wirkt es für mich wie eine ziemlich beliebige 08/15 Psychothriller Reihe (die Themen Spezialermittlungsteam, Profiler und so weiter sind ja nun auch nicht neu in dem Genre), die im Falle dieses Buches eher versucht durch eine etwas abwegige Charakterentwicklung aufzufallen, die mich aber nicht wirklich überzeugt hat. Mit ValMcDermids älteren Krimis aus anderen Reihen kann dieses Buch meiner Meinung nach nicht mithalten.