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Mein Soundtrack of 2015

Seit ich (seit etwa einem Jahr) wieder mit dem Auto zur Arbeit fahre, verbringe ich wieder deutlich mehr Zeit mit dem Hören von Musik. Ich bin zwar schon immer ein großer Musik-Fan, aber in den letzten Jahren bin ich meist und viel mit dem Zug zur Arbeit gefahren und hab mich auf der Fahrt dann doch eher mit Lesen beschäftigt. Da ich mit Hörbüchern aber nicht viel anfangen kann (ich habe das letztes Jahr mal erprobt, bin aber in die Sache nie richtig reingekommen), verbringe ich die Zeit im Auto (dank Berufsverkehr auf der A8 gerne um die anderthalb Stunden am Tag :-P) meist mit dem Hören von Mp3s.

Radio höre ich gar nicht, da es mir tierisch auf den Wecker geht (immer die gleichen Chart-Hits, pseudo-künstlerische jammerige deutsche Pop-Musik mit „ich kann die Welt nicht ertragen“ oder „schmalzige Liebe“ Texten, Werbung, ständig Nachrichten, Verkehrsinfos, doofe Gewinnspiele, Werbung und überdrehte gut gelaunte Radiomoderatoren am frühen Morgen, ich bin dagegen geradezu allergisch und vor allem SWR3 finde ich ist eher eine Krankheit als ein Radiosender). Und da ich, weil ich wieder viel mehr Musik höre, auch wieder viel mehr Musik kaufe, möchte ich hier mal meine persönlichen Highlights von 2015 vorstellen. Das sind teilweise Alben, die auch 2015 veröffentlicht wurden und teilweise ältere Alben, die ich 2015 entdeckt habe (da ich ja kein Radio höre, schaffe ich es öfters „neue“ Künstler zu entdecken, die grade ihr 6. Studioalbum rausgebracht haben oder so).

Hier also meine persönliche Top 12 von 2015 (eigentlich hätte es eine Top 10 Liste werden sollen, aber ich bin halt schlecht im Streichen):

  1. Helene Fischer – Farbenspiel Live – die Stadiontournee – Helene hat es ja irgendwie geschafft mich mit einem derartigen Fan-Virus zu infizieren, der sogar noch meine Teenie-Begeisterung für Madonna und Guns N’Roses weit übertrifft. Und das obwohl ihre eigene Musik rein stilistisch gar nicht wirklich mein Ding ist (nein ich höre sonst keinen Schlager und es ist durchaus etwas nervig, dass man wenn man Helene CDs kauft, dann ständig Werbung für „Michelle“ – igitt! – , „Howard Carpendale“ und „Udo Jürgens“ auf Facebook eingeblendet kriegt…nein ich möchte keinen Udo Jürgens Schoko-Adventskalender kaufen 😛 – was es alles gibt 😀 )  und sie ansonsten auch gerne Songs singt, die ich eigentlich nicht mag (kitschige Disney-Musical Songs, Cover-Songs von Künstlern, die ich nicht ausstehen kann – wie Bryan Adams oder Bon Jovi und Power Balladen die man im Original schon 50 000 x zu oft gehört hat wie „My Heart will go on“ oder „The Power of Love“). Irgendwie schafft sie es aber immer, dass ich das Ergebnis davon sogar geil finde, wenn ihr das bei mir so gelingt und das repräsentativ ist, ist ihr überwältigender Erfolg nicht verwunderlich. Das Live-Album der Stadiontournee finde ich genial, weil Helene live einfach klasse singt (bei 90% aller anderen Künstler sind Live-Alben eher ernüchternd…), die Arrangements ihrer Live-Songs immer genial sind und ich bei der Stadion-Tour live dabei war und das Album somit eine tolle Erinnerung darstellt. Außerdem hat es Helene bei dieser Tournee tatsächlich mal geschafft auch bei den Cover Songs so halbwegs meinen Geschmack zu treffen (z.B. ist „The Rose“ von Bette Midler eins meiner absoluten Lieblingssongs).
  2. Janet Jackson – Unbreakable – der 2. Platz kam für mich etwas überraschend, da ich Janet Jackson gar nicht mehr groß auf dem Schirm hatte. Ich mag aber ihre Alben aus den 80ern sehr gerne und auch eins ihrer etwas neueren Alben („The Velvet Rope“, wahrscheinlich auch schon 20 Jahre alt oder so), aber nachdem ich eine etwas merkwürdige Rezension zu ihrem Album bei Spiegel Online gelesen habe, die mich zumindest auf das Album aufmerksam gemacht hat, hab ich mir das gleich gekauft und ich muss sagen, ich finde es richtig richtig geil. Tolle Mischung aus eher chilligen Songs, typischem „Jackson-Sound“ und extrem angenehm zu hören. Vermutlich fehlt auf der CD ein „großer Hit“, aber dafür sind fast alle Songs gut und ich höre das Album grad rauf und runter.
  3. Jennifer Rostock – Schlaflos – „Jennifer Rostock“ ist meine absolute deutsche Lieblingsband im Moment und „Schlaflos“ ist meiner Meinung nach ein absolutes Ausnahmealbum, allein „KBAG“ habe ich dieses Jahr vermutlich 1000x gehört. Geile Mischung aus ernsthaften Songs (wie „Schlaflos“, der richtig unter die Haut geht) und Songs die richtig abrocken und Spaß machen (wie „Wenn der Vodka 2x klingelt“ und „KBAG“).
  4. Madonna – Rebel Heart – Ich bin ja schon seit Jahrzehnten Madonna Fan. Alle ihre Alben und Touren der 80’er und 90’er finde ich absolut genial und auch vieles aus dem neuen Jahrtausend. Die letzten Jahre waren dann aber doch etwas zäh und ihre letzten beiden Studioalben fand ich tatsächlich auch mit viel Fan-Wohlwollen nicht wirklich gut. „Rebel Heart“ ist aber definitiv eine Kehrtwende und wirklich wirklich gut und für mich mal wieder ein Highlight.
  5. Nena – Oldschool – Noch eine „alte Heldin“, ich mag Nena ja schon immer (sie reiht sich nahtlos in die lange Liste von Promis ein, die ich total mag und sonst fast keiner – ich mag neben Nena z.B. auch Katja Riemann und sogar Sylvie Meis) und nachdem sie ähnlich wie Madonna längere Zeit eher durchwachsene Alben rausgebracht hat, finde ich Oldschool mal wieder richtig toll. Vor allem das selbstironische und etwas zickige „Berufsjugendlich“ hat es mir angetan.
  6. Shelby Lynne – I can’t imagine – ich habe schon lange eine Vorliebe für amerikanische Country Musik. Shelby Lynne ist in Deutschland relativ unbekannt, aber ich mag ihre warme Country typische Stimme sehr gerne und sie macht ruhige gechillte Country/Folk-Pop Musik.
  7. The Essential Dixie Chicks – Die Dixie Chicks sind mal wieder so eine Band, die ich besonders spät entdeckt habe (natürlich hatte ich schon von Ihnen gehört, aber mich nie mit ihrer Musik beschäftigt), nämlich als es sie schon gar nicht mehr gab. Aber sie machen richtig geile Country Musik, Old School und schnörkellos. Außerdem haben sie den Mut bewiesen sich mit George Bush und seiner Politik anzulegen.
  8. Johnny Cash: American III Solitary Man – Johnny Cash finde ich schon ewig toll und ich habe schon Einige seiner Alben. Dieses  Jahr kam „Solitary Man“  hinzu, ein Spätwerk, das ich aber besonders gelungen finde. Und wer einmal „One“ von Johnny Cash gehört hat, wird sicher nie mehr die U2 Version hören.
  9. Sia – Some People Have Real Problems – Sie hatte dieses Jahr großen kommerziellen Erfolg mit ihrem Album „1000 Forms of Fear“, aber ich muss sagen, dass mir ihre älteren Alben deutlich besser gefallen, da sie etwas origineller und alternativer waren und stilistisch mehr mein Ding. Von den 4 Alben, die ich von ihr gekauft habe, ist „Some People have real Problems“ mein absoluter Favorit. Geht eher in die Richtung Jazz/Electro/Soul/Pop und ist nicht so kommerziell Mainstream-Pop-mäßig produziert wie ihre aktuelle Musik. Ihre verwaschene Art zu singen muss man aber mögen, ich find’s irgendwie geil.
  10. Jessie J – Sweet Talker – Nach dem ganzen Country geht’s deutlicher poppiger und moderner weiter. Jessie J hat Power, ihre Musik ist richtig geil zum Dampf ablassen und tanzen (man darf bloß nicht den Fehler machen die Texte zu übersetzen, dagegen sind Helene Fischer Texte Literatur ;-)).
  11. Leslie Clio – Eureka – Leslie Clio ist eine deutsche Pop-Sängerin, die Englisch singt und es völlig überzeugend schafft dabei nicht wie eine deutsche Pop-Sängerin zu klingen, die englisch singt und die richtig gute Soul/Pop Musik macht. Leider finde ich ihr 2. Album „Eureka“ trotzdem nicht ganz so gut wie das erste, da es deutlich „mainstreamiger“ geworden ist und etwas von dem Besonderen verloren gegangen ist, das ihr erstes Album ausgemacht hat, aber es ist immer noch ein richtig nettes Album.
  12. Udo Lindenberg: MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic (Doppelzimmer Edition)- Udo Lindenberg ist irgendwie so jemand den es seit meiner Kindheit schon immer gibt. Ich hab ihn aber nie groß beachtet, dann aber vor ein paar Jahren hat mir „Stark wie zwei“ als Album gut gefallen und seitdem höre ich ihn richtig gerne. Sein Musical würde ich auch gerne sehen. Aus irgendwelchen Gründen stört mich sein nuscheliger Gesangsstil auch kein bisschen (wohingegen ich Herbert Grönemeyer deswegen kaum hören kann). Das MTV Unplugged Album ist toll, weil auch ein paar richtig geile Duette drauf sind, mit Künstlern, die ich auch sonst toll finde wie Jennifer Weiss von Jennifer Rostock, Inga Humpe und Alina Süggeler von Frida Gold). Meine Lieblingssongs von dem Album sind „Horizont“, „Ein Herz kann man nicht reparieren“ und „Cello“.
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Urlaub am Wilden Kaiser – Impressionen

Dieses Jahr war ich also – mit 3 Freundinnen – zum ersten Mal im Urlaub im Tirol. Genau genommen eigentlich auch zum ersten Mal überhaupt in Österreich, zu mehr als ein paar Durchfahrten auf dem Weg nach Ungarn hat es bisher nämlich leider nicht gereicht, obwohl das Land für mich als Berg-Fan eigentlich ein total offensichtliches Reiseziel sein müsste. Ziel unsrer Reise war Going am Wilden Kaiser. Dorthin reisen in der Regel wohl vermutlich vor allem Wanderer und Bergdoktor-Fans. Den „Bergdoktor“ hab ich zwar eigentlich noch nie so richtig gesehen (gelegentlich mal 10 Minuten Ende davon, wenn danach im ZDF was anderes kam), aber um die wichtigsten Eckdaten und Charaktere zu kennen reicht das eigentlich sowieso schon 😉

Hier ein paar Urlaubseindrücke in Stichworten 🙂

Wandern

Berge

Zum Wandern ist diese Region sehr gut geeignet. Von der Schwierigkeit her würde ich es mit dem Allgäu vergleichen, es gibt sicherlich viele Möglichkeiten sowohl im Flachland gemütlich zu wandern als auch etwas anspruchsvoller auf dem Berg. Mein Highlight des Urlaubs war die Wanderung entlang der Streif/des Hahnenkamm-Rennens, also praktisch entlang der Abfahrtsstrecke vom Gipfel bis zum Ziel. Die Wanderung verläuft teilweise genau auf der Abfahrtsstrecke, teilweise daneben und immer wieder kreuzend und man kann alle „Stationen“ besichtigen.

Streif

Das Beste daran war, dass ich trotz der 2-3 Stunden bergab überhaupt keine Probleme mit meinen Knien bekommen habe. Bis letztes Jahr war das komplett anders, da habe ich vom Wandern an sich und vom bergab wandern erst recht starke Knieschmerzen bekommen. Ich habe schon das ganze Jahr bemerkt, dass meine Knie durch das High Intervall Kraft-Ausdauer Training auch beim Joggen viel belastbarer geworden sind, aber das es so viel ausmacht hätte ich nicht gedacht. Ich hab also gar keine Knieprobleme, ich war immer nur zu unsportlich!

Unterkunft

Das Hotel war sehr schön, wir hatten ein „Suite“ für 4 Personen, die sehr großzügig war, mit 2 Bädern und 2 Schlafzimmern. Der einzige Wehrmutstropfen, es war sehr dunkel und hatte keine vernünftigen Spiegel, was spätestens beim Kontaktlinsen einsetzen und beim Schminken sehr unpraktisch ist…aber das war auch der einzige Wehrmutstropfen. Zum Hotel gehörten ein Pool, ein Whirl-Pool, ein Schwimmbad, ein Saunabereich, Massageangebote, da lässt es sich also aushalten.

Musik

Auch musikalisch gab es einige Erkenntnisse. Das Hotel schien für die musikalische Untermalung die CD „Die 100 abwegigsten Schlager und Volksmusik-Songs – kennt garantiert keiner“ angeschafft zu haben. Manche Songs waren so obskur, nicht mal googeln brachten den Interpret ans Licht. Gut ab und zu war mal was dazwischen, das man kennt. Aber in den meisten Fällen nicht unbedingt kennen möchte. Mein Fazit: Zwischen Helene Fischer und sonstigem modernem Schlager klafft eine Qualitätslücke so groß wie das Universum. Genauso zwischen Gabalier und sonstiger Volksmusik. Sonstiger moderner Schlager klingt alles gleich. Und langweilig. Und austauschbar. Dass ich nur Helene und Uralt-Schlager höre, hat also sehr gute Gründe.

Textlich lassen sich aber durchaus Perlen finden. Meine Highlights waren „Der Herrgott liebt die Volksmusik“, „Kinder mit weißen Haaren“, „Die Uschi hat eine schöne…Mähne“, „Wärst Du eine Träne in meinen Augen, ich würde dich nicht weinen, um dich nicht zu verlieren“ 😀

Alleinunterhalter

Der Björn…sicherlich unvergesslich, was ja auch eine Leistung gibt. 5 versaute Kalauer auf 1 Lied, 3 Stunden lang. Die schlechtesten Versionen von „Die Hölle morgen früh“ und von „Schickeria“, die man sich nur vorstellen kann. Sogar den Helene-Florian Witz kannte ich schon von Instagram (Silberfischchen, haha). Die wirklich volkstümlichen Lieder hat er ganz ok gesungen, aber das war’s dann auch schon…aber der Unterhaltungswert war nicht zu verachten. Ich möchte bloß nicht wissen was für wichtige Informationen in meinem Gehirn jetzt für immer durch schlechte versaute Witze ersetzt wurden 😀

Essen

Die traditionelle Tiroler Küche wäre auf Dauer nichts für mich. Ist zwar irgendwie lecker (Tiroler Gröstl z.B.), aber 3 Gabel Kässpatzen führten bei mir gleich wieder zu einem 3tägigen Völlgefühl. Außerdem passt die Tiroler Küche glaube ich nicht unbedingt hundert prozentig zu der Gymondo-Low-Carb Ernährung 😉 Das Beste an der Tiroler Küche ist definitiv Griebenschmalz. Von Schmalzbrot könnte ich mich problemlos jeden Tag ernähren. Ansonsten war das Essen im Hotel aber sehr in Ordnung, vor allem die Hauptspeisen waren sehr lecker, sowie das Barbecue-Buffet.

Einkehr

Das absolute Highlight definitiv das „Cafe Monika“ in Ellmau. Zielsicher strebten wir das vermutlich einzige Rauchercafe in Ellmau an. Mit putzigem 60er Jahre Einrichtungs-Charme und skurrilen Persönlichkeiten drin. Definitiv ein Erlebnis. Und der Apfelstrudel war wirklich lecker. Der Latte Macchiato nicht so. Erstaunlich immer wieder: vor 10 Jahren oder so war es völlig normal, dass in jedem Lokal geraucht wird. Heute findet man es völlig abartig (ich bekam auch gleich etwas Kopfweh und Übelkeit), sogar die einzige Raucherin in unsrer Runde war vom Geruch nach kaltem Rauch abgeschreckt. Das Rauchverbot ist definitiv ein Beispiel für: „Früher war NICHT alles besser!“.

Ansonsten haben wir einige Bergstation-Restaurants ausgenützt, mein Highlight war dabei das Kürbis-Ingwer-Schaumsüppchen auf der Bergstation in Kitzbühel:

Hoch Kitzbühel

Chillen

Auch was Erholung angeht war der Urlaub nicht zu verachten.  Das Wetter war gut genug, dass wir sogar einen Nachmittag im Bikini am Pool verbringen konnten. Und das Hallenbad haben wir auch einmal benutzt, für mich als Hallenbad-Hasser (und Schwimmen an sich mag ich ja auch nicht) sozusagen ein Rekord.

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Selbstverständlich haben wir NICHT jeden Tag einen Verdauungsschnaps vom Schnapsmobil getrunken. Naja gut, genau genommen doch, aber als Schwabe gehört sich das. So zumindest der Eindruck, den man gewinnen konnte, wenn man die gesamten Hotelgäste beobachtet hat. Mein Favorit war „Haselnuss mit echter Haselnuss drin“. Außerdem: abartig aber irgendwie trotzdem gut, der „Bergteufel“.

Cocktails (von schwankendem Alkohol und Zuckergehalt, je nach Mixer) haben wir aber wirklich nicht jeden Tag getrunken. Sondern nur an 5 von 7.

Alkohol

Tiere

Knuffige Alpakas…wilde Kühe beim Almabtrieb…niedliche, aber geruchsintensive Ziegen…überdurchschnittlich süßes Kälbchen.

Kälbchen

Bergdoktor

Wir haben die „Film-Praxis“ des Bergdoktors besichtigt. Von sehr vielen Rentnern überlaufen und mit einer Einrichtung und medizinischem Gerät, das schon in den 50er Jahren veraltet gewirkt hätte. Meine Freundin S. meinte im Fernsehen sieht das nicht ganz so altmodisch aus. Zu dem „Bergdoktor-Hof“ musste man eine Stunde zu Fuß einen Berg hochwandern, deswegen war dieser Drehort deutlich weniger überlaufen. Für 5 Euro konnte man den Drehort besichtigen (und bekam einen Schnaps dazu). Das war sehr faszinierend, egal ob man die Serie kennt oder nicht, denn dabei handelt es sich um ein 400 Jahre altes Bauernhaus, das schon allein deswegen interessant war (wie ein Bauernhof-Museum), aber auch die Kulissen-Möbel aus der Serie waren interessant (deutlich verstaubter als ich erwartet hätte, aber vermutlich wird sowas nur dann hergerichtet wenn es mal wieder aktiv gefilmt wird, was bei Bücherregalen oder ähnlichem vermutlich nicht besonders oft vorkommt). Ansonsten ist es in der Realität völlig undenkbar, dass heutzutage noch jemand in diesem Haus wohnt, denn es gibt nicht mal fließend Wasser.

Bergdoktor

Städte

Kitzbühel hat mir gut gefallen, ein nettes kleines Städtchen in dem wir die Innenstadt und 2 Kirchen besichtigt haben und dann auf den Berg gefahren sind um die Streif zu besichtigen.

Kitzbühel

Am letzten Tag stand noch ein kurzer Ausflug nach Kufstein auf dem Programm, da hat mir die (kleine) Altstadt und die Festung auch gut gefallen, vor allem das kleine Gässchen hinter der Festung mit putzigen Restaurants. Bloß zu einer Besichtigung der Festung hatte niemand so richtig Lust (ich war an dem Tag auch irgendwie faul und schlapp).

Anreise und Abreise

Total smooth und ohne Stau und das trotz A8. Zwar wurde bis zu unsrer Heimfahrt auch unsre Grenze zu Deutschland kontrolliert, aber es sah nicht so aus, als ob da besonders viele Autos oder LKWs angehalten wurden. Das wäre auch logistisch gar nicht möglich. Es gibt an der Grenze auch gar keine Grenzgebäude oder ähnliches mehr, so dass die Grenzkontrolle aus einer provisorischen Fahrbahnverengung nach dem Übergang zu Deutschland bestand, mit 2 Polizisten und 2 Autos auf der Straße und aus einem Zelt mit ein paar Beamten auf dem daneben liegenden Tankstellen-Parkplatz.

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Pferdebuch Rezension: „Grundausbildung des jungen Reitpferdes“ von Ingrid und Reiner Klimke

Die letzten beiden Wochen habe ich ein schönes Reitbuch aus der Bibliothek ausgeliehen, nämlich „Grundausbildung des jungen Reitpferdes“ von Ingrid und Reiner Klimke. Auf den ersten Blick klingt es natürlich als ob dieses Buch nur etwas für Leute ist, die ein Jungpferd haben oder Jungpferde ausbilden, aber das ist keineswegs der Fall. Denn die Grundausbildung eines Pferdes bleibt ja unabhängig vom Pferdealter immer gleich und die meisten Freizeitreiter bleiben ja sowieso ihr Leben lang auf einem Level, der unter „Grundausbildung“ laufen dürfte. Wobei es bei diesem Buch geht ist die klassische Grundausbildung der FN im ersten Ausbildungsjahr, also der Weg von der Remonte bis zu der Befähigung eine solide A-Dressur gehen zu können, bzw. ein A-Springen und ein A-Geländeritt (und um ehrlich zu sein, die Anzahl der Freizeitpferde, die das tatsächlich jemals erreichen, dürfte gar nicht mal so groß sein und innerhalb eines Jahres schon gar nicht). Von dem her kann man von den Inhalten dieses Buches als Freizeitreiter vermutlich sein ganzes Reiterleben lang gut zehren.

Und obwohl die Ausbildung des Pferdes im Mittelpunkt steht, werden in diesem Buch die zu vermittelnden Inhalte (Bahnfiguren, Lektionen und die Skala der Ausbildung) sehr gut und anschaulich erklärt inkl. schematischer Bebilderung von Bahnfiguren und Cavaletti- und Sprungaufbauten, so dass sich das Buch auch als Nachschlagewerk für Reiter gut eignet. Es ist auch ein gutes Buch wenn einem die FN-Richtlinien zu theoretisch und trocken sind, denn diese werden in diesem Buch kompakt auf den Punkt gebracht. Inhaltlich stehen die Dressurausbildung, Cavaletti Arbeit, Springen und Geländeritte (Vielseitigkeit) im Fokus.

Zu dem Buch gibt es auch eine entsprechende DVD-Reihe, die sicherlich auch sehenswert ist:

Ich habe ja in letzter Zeit auch viele DVDs und Bücher von Uta Gräf geschaut und gelesen. Im Vergleich zu Uta Gräf ist die Arbeit der Klimkes mit den Pferden deutlich konservativer, vor allem was die Arbeit vom Boden und das Longieren angeht, da arbeitet Uta Gräf bzw. ihr Ehemann ja eher „FN-fern“ mit vielen Elementen aus dem Natural Horsemanship und z.B. auch mit früher Arbeit am Langzügel. Bei den Klimkes ist in der Vorbereitung auch alles ganz klassisch nach FN, also das Longieren. Beide Wege führen aber ganz offensichtlich zu hervorragend gerittenen zufriedenen athletischen Pferden, denen man die Lebensfreunde und die Freude an der Arbeit am Gesichtsausdruck ablesen kann. Für mich sind beide Reiterinnen Vorbilder, in der Art und Weise wie sie es schaffen im großen Sport trotzdem klassisch auszubilden und in der Art und Weise wie sie mit Ehrgeiz, Disziplin und trotzdem viel Spaß an der Sache das Reiten zu ihrem Beruf gemacht haben.

Bei Ingrid Klimke merkt man auch am Schreibstil, dass sie eher der ernsthafte disziplinierte und nüchterne Typ ist (ich denke viele der Formulierungen stammen auch noch von ihrem Vater, was die oft etwas altmodische Ausdrucksweise erklären dürfte). Bei Uta Gräf hingegen merkt man auch schon am Schreibstil, dass sie eher ein quirliger verspielter Typ ist (trotz der sicher genauso ausgeprägten Disziplin), so dass die Begeisterung und die Leichtigkeit in Uta Gräf’s Büchern eher rüber kommt. Trotzdem finde ich Bücher von beiden sehr angenehm zu lesen. Ingrid Klimke’s Buch ist besser darin Basisarbeit und Grundlagen zu beschreiben, während Uta Gräfs Bücher inhaltlich meistens eher nach der Grundausbildung ansetzt, weswegen sie für Freizeitreiter weniger konkret Umsetzbares enthalten, dafür aber sehr viel Inspiration.

Egal was für einen Stil man da beim Lesen bevorzugt, wenn es darum geht gute Büchern über die klassische FN Reitweise zu lesen, würde ich jederzeit Bücher und DVDs von den Klimkes oder von Uta Gräf empfehlen. Das Buch von Ingrid Klimke ist vielleicht nichts für Menschen, die einen sehr lockeren und verspielten eher Roman-artigen Schreibstil bei Sachbüchern mögen, denn die Bücher der Klimkes sind wie gesagt schon eher altmodisch formuliert und knapp auf den Punkt gebracht. Ein Kapitel in dem Buch hat mir auch nicht so gut gefallen, bei der Beschreibung der Paraden wird noch der eher altmodische und irreführende Begriff „Kreuz anspannen“ verwendet, der oft zu Missverständnissen bei Reitanfängern (und auch fortgeschrittenen) Reitern führt. Auch fand ich das Kapitel übers „an den Zügel stellen“ nicht besonders verständlich formuliert, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass das generell extrem schwierig zu beschreiben ist und diese Themen in diesem Buch doch eher knapp gehalten sind.

Besonders gut gefallen hat mir das Kapitel über Cavaletti-Arbeit, dazu hat Ingrid Klimke ein komplettes Buch geschrieben, da könnte ich mir gut vorstellen, mir das in Zukunft als Nachschlagewerk zu bestellen. Da Ingrid Klimke ja Vielseitigkeitsreiterin ist, nehmen Springen und Gelände (damit ist nicht Ausreiten gemeint, sondern Geländesprünge aus der Vielseitigkeit 😉 ) auch einen großen Teil des Buches ein. Das ist für mich jetzt nicht so praxisrelevant, denn mit einem Ex-Hufrehe-Pony wird es wohl keine große Springkarriere mehr geben (und für Geländesprünge wäre ich glaube ich auch zu ängstlich ;-)). Aber ich fand diese Kapitel trotzdem sehr interessant. Und zumindest virtuell ist das ja schon geil:

Ganz besonders positiv herauszuheben sind noch die Fotos in diesem Buch, den fast jede Seite ist mit einem oder mehreren Reitbildern von Dressur, Geländesprüngen, Cavaletti-Arbeit und Springen bebildert und praktisch jedes Bild in diesem Buch ist einfach perfekt. Insgesamt erhält das Buch von mir auf jeden Fall eine Empfehlung, vorausgesetzt man mag schnörkellose und eher konservative Reitbücher und möchte ein gutes Buch über die klassische Ausbildungsskala der FN lesen.

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Reiten lernen – in Theorie und Praxis

Da ich meine bisherige Urlaubswoche weitgehend damit verbracht habe mich über dumme Menschen zu ärgern und nachdem mein Plan heute ein paar nette Reitbilder zu machen daran scheiterte, dass ich mal wieder keine Speicherkarte in meine Kamera getan habe, hab ich mir gedacht, ich mach stattdessen mal was Schönes Eremit-mäßiges ganz ohne Menschen. Ich sortiere meine Lieblings-Pferdebücher und Reit-DVDs aus meiner Sammlung, damit ich die alle zusammen ins Regal stellen kann. Das kann ja nicht so lange dauernd, dachte ich…

Der erste Zwischenstand sah dann mal so aus:

Pferdesammlung

Hierzu sei gesagt, dass ich einige meiner Pferdebücher an meine Mutter ausgeliehen habe, das sind also keineswegs alle…und dann ist da noch die Vermutung, dass irgendwo bestimmt noch eine Kiste ist an die ich nicht gedacht habe 😀

Einige Zeit später hatte ich dann 3 Stapel: Links die „Must-Reads“, in der Mitte die „schon gut, aber irgendwie liest man die doch höchstens einmal“ und „Bücher, die man eigentlich doch nicht braucht“. Immerhin ist der „Must-Read“ Stapel knapp der Höchste, also hab ich gar nicht mal so viel Geld verschwendet 😉 Im Hintergrund noch 2 besonders „schöne“ Bände, ein toller „Islandpferde“ Bildband und „Irrwege der modernen Dressur“ von Philippe Karl, das zum Nachdenken anregt.

Bücher sortiert

Jetzt wo ich die guten Bücher alle zusammen habe, werde ich im nächsten Blogpost Einige davon kurz vorstellen.

Trotz meiner Bücherbegeisterung habe ich aber über die Jahre fest gestellt, dass man aus Büchern nicht reiten lernen kann. Man kann sie benutzen, um für sich selbst zu verstehen was man Lernen möchte und um die theoretischen Hintergründe zu verstehen, aber Bekanntlich lernt man „Reiten nur durchs Reiten“ und das am Besten durch guten Reitunterricht, deswegen möchte ich erstmal all denjenigen danken, dir mir heute und in den vergangenen Jahren beim Reiten lernen geholfen haben

Gisela Gelhausen: weil noch vor wenigen Jahren jeder der mein Pony aus seiner Schulpferdezeit kennt bei Verwendung des Begriffs „Verlasspferd“ in Bezug auf sie in haltloses Gekicher ausgebrochen wäre und ich dank Gise mein Pony heute definitiv als Verlasspferd (mit Zusatz „trotzdem dem größten Dickschädel der Welt“) bezeichnen kann. Und weil ich dank ihr nun auch alleine ausreiten kann.

Karin Rauscher: die mein Pony schon länger kennt als ich selber und die sich durch besonders einfühlsamen und trotzdem strengen Unterricht und unglaublich gute Sitzschulungen auszeichnet

– Ulrike Störzbach vom Barockreitzentrum in Heimsheim fürs Beibringen von Langzügel und Doppellonge und für das Organisieren toller Fortbildungsveranstaltungen (und für die Möglichkeit mal einen Friesen und einen PRE zu reiten 🙂 ).

– Reynir Adalsteinsson, für den die Bezeichnung „isländischer Reitmeister“ wirklich angemessen ist und bei dem ich zu seinen Lebzeiten einige tolle Kurse mitreiten durfte (und dem ich sogar verzeihe, dass er mein Pony mal als „häßlichstes Pferd der Welt“ bezeichnet hat. Außerdem vermute ich, dass er wenn er noch leben würde und das Pony sportlich erschlankt ohne 100 Kilo Übergewicht sehen könnte, sich zumindest zu einem „durchschnittlichen Zottel“ durchringen könnte 😉 ). Von dem ich übrigens noch ein wundervolles Video besitze, wo er von dem 1,28m großen heutigen Verlasspferd Gletta bei der Handarbeit einmal quer durch die Reithalle gedrängt wird und ihr irgendwann „HÖRST DU ZU!!!“ ins Gesicht brüllt. Ich habe den Verdacht, dass gar nicht mal so viele Islandpferde das hingekriegt haben 🙂

reynir

Martina Funke fürs Beibringen von vernünftigem Leichttraben und für schnörkellos guten Basis-Unterricht

– Klaus Osterloh vom Islandpferdezentrum Münzenfelder Hof für die ersten Anfängerreitstunden mit Islandpferden und für die Ruhe und vermittelte Sicherheit

– Yasmin Rieser für kompetente reiterliche Hilfe im Zustand „ahnungsloser Erstpferdebesitzer“

– Ela für überdurchschnittlich guten Unterricht unter fast unmöglichen Bedingungen bei einem Pferdeverleih

– Antje für neue Impulse und Kopfarbeit

Heike Hackenjos, bei der ich wegen der örtlichen Ferne bisher nur eine einzige Longenstunde hatte, die aber so gut war, dass man deswegen glatt nach Heidelberg umsiedeln könnte

Und außer den Reitlehrern noch Special Thanks :

– an die Karl May Festspiele in Bad Segeberg, denn ohne diese hätte mein Onkel nie einen Reiturlaub in Mexiko gewonnen, hätte er nie deswegen mit dem Reiten angefangen, hätte ich nicht wegen ihm auch wieder mit dem Reiten angefangen, hätte ich jetzt nicht das allerbeste Pferd der Welt, sondern meine Reiterfahrungen würden sich auf ein paar chaotische Reiturlaube und schlechte Schulpferdeerfahrungen in meiner Kindheit beschränken

– und auch ein dickes Dankeschön, an die wahrscheinlich beste (und professionellste und pünktlichste) Masssattlerei im süddeutschen/Bodenseeraum: Equinomic und Herrn Urban Truniger, denn ohne einen gut passenden Sattel ist Reiten praktisch unmöglich (sowohl für Pferd als auch für den Reiter) und jeder der schon mal einen Sattel für ein winziges kurzrückiges rundrippiges Islandpferd gesucht hat, weiß, dass das gar nicht mal so einfach ist.

– und an Tvistur, den ganz besonderen Rabauken mit dem ich im Moment von Woche zu Woche die Anzahl der Ausritte bei denen er mich nicht in den Acker geworfen hat kontinuierlich erhöhe 🙂

tvistur

– und last but not least natürlich ein besonders dickes Dankeschön an das Allerbeste Pferd der Welt:

gletta

Liest sich jetzt alles in etwa so als hätte ich grad nen Oscar gewonnen. Kein Wunder, dass diese Dankesreden alle so lang sind. Wenn man da erstmal loslegt … 😀

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Pferde-DVD Rezension: Uta Gräf – Direkt am Viereck – Folge 1

Uta Gräf habe ich vor einigen Jahren beim „German Masters“ in Stuttgart zum ersten Mal reiten gesehen (ich glaube es war ein Grand Prix Kür Wettbewerb). Damals kannte ich sie noch gar nicht. Sie stach damals aus einem Feld von bestenfalls mäßigen Ritten und schlimmstenfalls gräßlichen Ritten (*hust* Frau I.W. *hust*) derart positiv heraus, dass ich mir damals gedacht habe, dass sie alleine den doch recht gesalzenen Eintrittspreis wert war. Mit ihrem damaligen Nr.1 Pferd „Le Noir“ zeigte sie eine unheimlich harmonische Kür mit grandiosen Übergängen (vor allem einem traumhaften Schritt-Piaffe-Schritt Übergang). Außerdem war sie so ziemlich die einzelne die ihr Pferd entspannt ein- und am langen Zügel wieder ausreiten konnte (was ein bezeichnendes Bild auf die anderen Teilnehmer dort wirft). Seitdem hat sie es geschafft sich im deutschen Dressursport als eine Art Lichtgestalt zu etablieren (Frau I.W. wäre dann im direkten Vergleich Darth Vader 😀 ).

Da mir fast alles, was ich von Uta Gräf reiterlich bisher gesehen habe, außerordentlich gut gefällt, habe ich mir schon mehrere ihrer DVDs gekauft.

In Folge 1 ihrer neuesten DVD-Reihe werden 2 verschiedene Pferde (Helios und Damon Jerome NRW) über einige Zeit ihrer Ausbildung begleitet, Helios ist dabei eher ein „Normalopferd“, also kein Pferd mit einer überdurchschnittlichen Dressurveranlagung oder mit spektakulären Grundgangarten. Hier ein kurzer Ausschnitt mit diesem Pferd: https://www.youtube.com/watch?v=MgfVRDic-hU

Die DVD zeigt Ausschnitte aus seiner Ausbildung über 2 Jahre hinweg, von seinem Ausbildungsstand als 6-jährigem bis hin zu seinem Ausbildungstand als 8-jährigem und bis zu seinem ersten Start in einer S-Dressur. Gut zu sehen ist bei diesen Videos, dass selbst bei einer Reiterin wie Uta Gräf die Ausbildung eines „normalen“ Pferdes Arbeit ist und auch bei ihr nicht sofort alles perfekt aussieht. Helios ist der Typ Pferd, der dazu neigt sich etwas zu eng zu machen. Man sieht bei ihm deshalb sehr gut, wie es fast 2 Jahre konsequenter Arbeit dauert, um eine 100% korrekte Dehnungshaltung zu erarbeiten, bei der das Pferd wirklich konstant ans Gebiss zieht. Das hilft einem als mäßig talentierter Reiter vielleicht, sich nicht ständig unrealistische Ziele für seine Freizeitreiterei zu setzen 😉 Leider lassen ja viele Sportreiter das Erarbeiten einer korrekten Dehnungshaltung deswegen einfach weg 😛

Insgesamt sieht man wie mit zunehmenden Training aus einem doch etwas schwerfällig wirkenden Pferd ein immer athletischerer und kraftvolleres Pferd wird. Bei seiner ersten S-Dressur wirkt Helios dann fast schon elegant. Uta Gräf zeigt also auf dieser DVD eindrucksvoll wozu Dressur ursprünglich gedacht war, nämlich ein Pferd nicht nur genauso schön zu präsentieren wie es sich im Freilauf auf der Koppel zeigt, sondern es durch die Dressur sogar noch schöner zu machen als vorher. Nicht umgekehrt, wie man es leider häufig sieht.

Bei Damon Jerome NRW werden Trainingsausschnitte als 8-jähriger gezeigt, leider ist von ihm nicht ganz so viel auf der DVD wie von Helios, vielleicht kommt davon bei Folge 2 noch mehr. Damon Jerome NRW ist sozusagen der Gegenpol zu „Helios“, eines dieses Hochleistungszuchtprodukte, die prädestiniert sind im Dressursport möglichst spektakulär auszusehen. Von ihm habe ich leider kein Youtube Video in guter Qualität gefunden, nur diesen kurzen Ausschnitt von Pferdia TV, aber der ist dafür auch besonders gelungen (wenn man so mal Zügel aus der Hand kauen lassen reiten könnte…). https://www.facebook.com/pferdia/videos/230663410319163/

Eigentlich mag ich solche „Gangwunder“ Pferde gar nicht so besonders, da mir die Gangarten meist zu künstlich exaltiert aussehen, allerdings liegt das sicher auch daran, dass man selten solche Pferde gut geritten sieht. Oft werden sie noch zusätzlich unter Spannung gehalten und die spektakulären Grundgangarten künstlich noch mehr verstärkt, bis sozusagen eine Karikatur eines Pferdes dabei herauskommt. Damon Jerome NRW ist wie sein Vater Damon Hill  eines der wenigen „modernen“ Dressur-Pferde, die wirklich gut geritten werden.

Ganz besonders beeindruckt haben mich bei der DVD:

– Die Arbeit an den Fliegenden und Einerwechseln, selten sowas Beeindruckendes gesehen

– eine Sequenz in der Uta Gräf von Damon Jerome eine Trabverstärkung fordert und danach überprüft ob er sich danach mit Zügel aus der Hand kauen lassen direkt wieder in die Dehnungshaltung schicken lässt. Beim ersten Mal klappt das nicht auf Anhieb und Uta Gräf merkt an, dass das ein Zeichen sein kann, dass sie zu viel verlangt hat. Sie reitet das Gleiche zur Überprüfung noch ein 2. Mal, mit dem Hinweis, dass falls er sich wieder nicht gleich in die Dehnung schicken lässt, dies dann definitiv ein Zeichen für eine zu frühe zu hohe Anforderung wäre und sie dann wieder einen Schritt zurückgehen würde (es hat dann aber gleich geklappt).

– wie Uta Gräf beim Erarbeiten von neuen und schweren Lektionen aussitzend praktisch non-stop vom Pferd kommentiert was sie tut, warum sie es tut, was sie fühlt, nur so kann man nämlich wirklich etwas lernen. Allein die sportliche Leistung da die ganze Zeit zu reden, finde ich übrigens schon fast überirdisch.

Die DVD ist nicht unbedingt was für Leute, die Spektakuläres oder „schön aufbereitetes“ auf einer Reit-DVD sehen wollen. Es gibt keine (schlechten) Beine schmeißenden Lampenaustreter Dressurritte a la „schwarzer Wunderhengst“ 😉 und auch kein Gegenprogramm in Form einer aufwändig dekorierten und bemalten Reithalle in der jemand mit klassischer Musik unterlegt vor sich hin schwebt, sondern es wird zu 95% schnörkellose Trainingsarbeit an verschiedenen Lektionen und in verschiedenen Ausbildungsstufen auf dem Reitplatz gezeigt, von Uta Gräf durchgehend während des Reitens kommentiert, mit ein paar zusätzlichen wenigen Off-Kommentaren eines Sprechers. Abgerundet wird das mit wenigen kurzen Szenen aus Turnieren, der beiden vorgestellten Pferde (aber keine kompletten Wettkampfritte).

Dabei ist die DVD wie fast alle Reit-DVDs recht teuer, aber hat mit 130 Minuten auch eine deutlich überdurchschnittliche Länge (ich habe schon Reit-DVDs mit 45 Minuten Spielzeit fürs gleiche Geld gekauft).

Es gibt von Uta Gräf übrigens auch noch eine ältere 3-teilige DVD-Reihe „Dressurreiten mit Begeisterung“, die ich auch habe und die auch sehr empfehlenswert ist. Darauf gibt es auch sehr viel unheimlich gutes Reiten zu sehen, es werden aber auch noch ein paar andere Themen mit behandelt, wie pferdegerechte Haltung und Fütterung, vorbereitende Bodenarbeit (Uta’s Pferde werden vom Boden von ihrem Lebensgefährten ausgebildet, nach Prinzipien des Natural Horsemanship), Ausbildung des Reiters und einige Ausschnitte aus der Working Equitation, da ihr Lebensgefährte in dieser Disziplin zuhause ist. Außerdem wird in der Reihe eher die ganze Zeit das Zielbild („wie sieht das perfekte Endbild beim Reiten“) gezeigt und nicht so sehr der Weg dahin. Zum Einstieg finde ich diese DVD fast besser.

Als tatsächliche „Lehr“-DVD für normale Reiter und Freizeit-Reiter eignen sich die DVDs von Uta Gräf übrigens denke ich kaum, denn sie reitet auf einem Niveau, das fern der Praxis von so ziemlich jedem liegen dürfte und der Ausbildungsstand der Pferde auf dem Video fängt auf einer Ausbildungsstufe an, die die meisten Freizeit-Pferde gar nie erreichen werden. Aber man kann sich trotzdem einiges abgucken, nämlich wie man Pferde motiviert, wozu „Dressurreiten“ und „Lektionen“ eigentlich dienen, dass man zum guten Reiten Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit braucht und natürlich vor allem wie klassisches Reiten nach FN auf hohem Niveau eigentlich aussehen sollte (das kann man sich bei 99,9% der Reiter, die der Meinung sind, sie reiten nach FN nämlich nun mal leider keineswegs abschauen).

Zum Abschluss noch eines meiner Lieblings-Wettkampfritte von Uta Gräf, mit „Le Noir“, leider ist die Kamera-Perspektive nicht so toll (auf der 3. DVD der „Dressurreiten mit Begeisterung“ Reihe ist dieser Ritt übrigens in optimaler Qualität drauf). . Wenn ich nicht grad 1,58m groß wäre und reiten könnte wie Uta Gräf, dann wäre „Le Noir“ mein Traumpferd. Von dem Ritt in Stuttgart beim German Masters habe ich leider nie ein Video gefunden, aber dieser Ritt war denke ich vergleichbar gut (trotz der etwas oft überstrapazierten Musikwahl ;-)). Wobei dem Ritt im Vergleich zu Stuttgart in der ersten Hälfte etwas die Leichtigkeit fehlt und auch die ersten Übergänge in die Piaffe waren nicht sooo gut, dafür finde ich die Galopppirouetten und generell die Galopplektionen und die 2. Hälfte inkl. der finalen Halt-Parade super :

Allgemein

Für Leseratten: Letzter Teil der Buch-Highlights 2015

Und zum Abschluss möchte ich noch einige Jugendbücher vorstellen, die mir besonders gut gefallen haben, sowie einige Bücher, die nicht aus dem Genre „Roman“ sind.

Jugendbücher:

Jugendbücher lese ich persönlich auch als Erwachsene immer noch sehr gerne, ich finde sprachlich stehen gute Jugendbücher Romanen für Erwachsene oftmals nicht nach und man findet komischerweise in diesem Genre oftmals einfacher Bücher, die sich mit außergewöhnlichen oder schwierigen Themen beschäftigen.

  • Lilly Lindner: Was fehlt wenn ich verschwunden bin: Normalerweise verschlinge ich Bücher, die mir gefallen in Windeseile…und nur Bücher, die ich mittelmäßig finde oder die mir nicht gefallen, lese ich stockend und gelegentlich widerwillig. Bei diesem Buch war das ganz anders, ich konnte es nicht verschlingen, weil ich fast auf jeder Seite über einen Satz gestolpert bin, den ich nochmal lesen musste, über den ich nachdenken musste und den ich nachvollziehen musste, weil er einfach eine Sache so auf den Punkt getroffen hat, wie ich es noch nie zuvor gelesen habe. In diesem Buch geht es im Prinzip über Magersucht und obwohl die Krankheit selbst finde ich in diesem Buch gar nicht sooo zentral thematisiert wird, habe ich noch kein Buch gelesen, in dem die Verzweiflung , die dahinter steckt so eindringlich und verständlich geschildert wird. Genauso habe ich noch kein Buch gelesen in dem trotz all der Verzweiflung so viel Liebe für einige besondere Personen ausgedrückt wurde. Das Buch regt auf vielen Ebenen zum Nachdenken an, zum Nachdenken über Worte, Wortbedeutungen, Sätze, über den Inhalt, über Familien, … Das Buch ist in zwei Hälften geteilt, die erste Hälfte wird aus Sicht der 9-jährigen Phoebe erzählt, die Briefe an ihre große Schwester April schreibt, die sich wegen ihrer Magersucht in einer Klinik befindet. Der zweite Teil ist dann aus Sicht von April geschrieben. Ich habe ein paar wenige negative Rezensionen zu diesem Buch gelesen, darin wurde meist entweder kritisiert, dass es zu viele Wortspiele gäbe. Diese Kritik kann ich nicht richtig nachvollziehen, denn Wortspiele habe ich in diesem Buch nicht gefunden, nur die Auseinandersetzung mit Worten. Die andere Kritik war meist, dass keine 9-jährige so schreiben könnte wie Phoebe. Diese Kritik kann ich bis zu einem gewissen Grad schon nachvollziehen.
    Anfangs hatte ich auch Schwierigkeiten mir Phoebe als 9-jährige vorzustellen. Und ja, ich kenne keine 9-jährige, die so spricht oder schreibt wie Phoebe in dem Buch. Aber ich kenne sonst auch keine 19-, 29-, 39-, 49-, 59-, 69-, 79-, 89-, oder 99-jährige, die so spricht oder schreibt und offensichtlich gibt es zumindest eine Person auf der Welt, die sich so ausdrücken kann, ich würde mich also nicht anmaßen zu beurteilen was einen Wortschatz eine 9-jährige haben kann. Von dem her habe ich am Anfang einfach irgendwann beschlossen mich auf dieses Mädchen einzulassen. Ich muss dazu sagen, dass mich die beiden Hälften des Romans auch unterschiedlich beeindruckt haben. Den Teil aus Phoebes‘ Sicht fand ich zum Nachdenken anregend. Den 2. Teil, aus Aprils Sicht fand ich mitreissend, schmerzhaft und er hat mich sogar zum Weinen gebracht. Trotzdem finde ich dass beide Hälften auf ihre eigene Weise funktionieren.
    Generell habe ich noch nie ein Buch gelesen wie dieses von Lilly Lindner. Aber ich hab jetzt definitiv große Lust alles zu lesen was sie geschrieben hat.
  • Rainbow Rowell: Eleanor & Park: An dem Buch „Eleanor & Park“ hat mich als erstes das Cover angesprochen, wirklich schlicht und ohne knallige Farben hat es mir trotzdem auf den ersten Blick gefallen und es passt perfekt zum Klappentext, denn es zeigt zwei Teenager, die nebeneinander sitzen (wenn man den Klappentext liest, ist es klar, dass sie vermutlich im Bus sind) und Musik hören.
    Liebesgeschichten sind ansonsten eher nicht so mein Genre, aber wegen dem attraktiven Gesamtbild wollte ich der Geschichte unbedingt eine Chance geben.
    Das ganze Buch dreht sich dann auch um die beiden Titelhelden, Park, ein eher unauffälliger Teenager asiatischer Herkunft, der versucht bei seinen Mitschülern möglichst wenig anzuecken, in dem er sich auf der täglichen Busfahrt (und vermutlich auch in der Schule) möglichst still und unauffällig verhält. Park kommt aus einer ganz normalen stabilen Mittelstandsfamilie und ist ein ganz normaler Teenager. Eleanor stammt aus eher turbulenten Familienverhältnissen und kommt an Parks Schule nachdem sie ein Jahr nicht bei ihrer richtigen Familie gewohnt hat. Sie hat es zuhause schwer und auch im Schulbus fällt sie sofort negativ auf, hat sie doch knallrote Haare, einen ungewöhnlichen Kleidungsstil und ist etwas pummelig. Alles Dinge, die bei zickigen „coolen“ Teenies nicht so gut ankommen. Eher widerstrebend lässt Park sie im Schulbus neben sich sitzen, weil er wie immer nicht auffallen will und schon gar nicht dadurch, dass er nett zu einer neuen Mitschülerin ist, die von allen anderen verspottet wird.
    So „unromantisch“ beginnt die Beziehung zwischen Eleanor und Park und das Buch zeigt sehr schön wie mit der Zeit aus einer unfreiwilligen Zweckgemeinschaft Liebe wird. Die beiden Hauptfiguren sind dabei wirklich sympathisch, die Unterschiede zwischen den beiden Familien sind toll dargestellt und das Buch hat mich deswegen wirklich sehr gut unterhalten.
  • Sanne Munk Jensen: Wir wollten nichts, wir wollten alles: „Wir wollten nichts, wir wollten alles“ ist ein sehr außergewöhnliches Jugendbuch. Die Geschichte beginnt damit, dass Liam und Louise, zwei junge Menschen, mit Handschellen aneinander gekettet tot aus dem Hafenwasser gezogen werden. Offenbar haben die beiden gemeinsam Selbstmord begangen, aber wie konnte es zu dieser Verzweiflungstat kommen? Die Geschichte wird aus Sicht von der toten Louise erzählt, immer abwechselnd erzählt sie in Rückblenden die Geschichte ihres letzten Lebensjahres, von dem Moment an als sie Liam kennenlernte. Dazwischen wird erzählt wie Louises und Liams Eltern und Freunde mit der Situation nach dem Selbstmord umgehen und wie sie verzweifelt versuchen mit ihrer Trauer klar zu kommen und herauszufinden was mit Liam und Louise passiert ist.Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen, die Charaktere sind lebensecht und die Verzweiflung und Gefühle aller Protagonisten sind jederzeit glaubhaft und berührend. Die Geschichte selbst ist absolut nichts für schwache Nerven, da es sehr viel Gewalt und krasse Szenen gibt, was für die Handlung aber auch unvermeidbar ist. Ich denke das Buch ist deswegen aber auch eher für ältere Jugendliche oder Erwachsene geeignet. Es ist auch keines dieser Jugendbücher, die man als Erwachsener zwar auch lesen kann, bei dem man aber immer merkt, dass es doch eigentlich ein Jugendbuch ist, sondern es ist absolut ein Buch das man in jedem Alter lesen kann. Für mich ist das eines der besten Bücher, das ich in den letzten Monaten gelesen habe, weil sowohl Handlung als auch Stil außergewöhnlich und überdurchschnittlich sind.
  • Seita Vuorela: Wir fallen nicht: Die Hauptpersonen in „Wir fallen nicht“ sind zwei Brüder: Wladimir und Mitja. Die beiden sind mit ihrer Mutter auf einer Camping-Reise, es ist aber kein normaler Sommerurlaub, denn einige Zeit vorher ist etwas Furchtbares geschehen. Mitja ist mit seinem besten Freund in einem leerstehenden Gebäude umhergestreunt und sein bester Freund kam dabei bei einem Sturz ums Leben. So gestaltet sich die Prämisse dieses außergewöhnlichen Romans…Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, einmal erzählt Mitja seine Geschichte als Ich-Erzähler, dann gibt es Teile, die aus Wladimirs Sicht erzählt werden und Teile die aus der Sicht eines geheimnisvollen Mädchens erzählt werden, auf das Mitja während seiner Streifzüge am Urlaubsort trifft.Die Geschichte, die mit diesem Roman erzählt wird ist wirklich außergewöhnlich und auch ganz anders als ich anhand des Klappentextes erwartet hatte. Die Atmosphäre ist mystisch und auch etwas bedrohlich, die Sprache ist definitiv eine der größten Stärken des Romans. Die Autorin schreibt poetisch und trotzdem ist es jederzeit glaubhaft, dass die Geschichte aus Sicht von Teenagern erzählt wird. Man glaubt Mitja jedes Wort und die Gefühle der Protagonisten sind jederzeit glaubhaft.Von einer 5 Sterne Bewertung hat mich lediglich die Tatsache abgehalten, dass es recht früh ersichtlich ist, worauf die Geschichte hinausläuft. Außerdem ist es manchmal vielleicht etwas zu viel des Guten was die Mystik angeht. Trotzdem ein ganz hervorragender Roman!
          

Autobiographisches

  • Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft: Hape Kerkeling mag ich schon „immer“, in meiner Kindheit als „Comedian“, später als Moderator und auch „Ich bin dann mal weg“ hat mir als Buch schon ausnehmend gut gefallen. Also wollte ich auf jeden Fall auch seine Autobiografie lesen, ich habe mich dann aber für die Hörbuch Variante entschieden. Auch wenn ich inzwischen festgestellt habe, dass Hörbücher im Allgemeinen doch nicht so mein Ding sind, bin ich in diesem Fall froh, das Hörbuch genommen zu haben, da Hape Kerkeling einfach unheimlich toll vorliest und wer sonst könnte seine Kindheit optimal schildern, wenn nicht er selbst? Die Autobiografie ist auch tatsächlich hervorragend, es handelt sich dabei um ein sehr warmherziges Buch, voller toller Beschreibungen von Personen und Ereignissen, es handelt sich dabei aber keineswegs um ein besonders lustiges Buch (auch wenn es natürlich witzige Passagen und Ereignisse gibt), da Hape nicht gerade eine einfache Kindheit hatte. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall jedem, der Interesse an Hape hat oder generell gerne gute Autobiografien liest.
  • Adam Fletcher: Make me German – Wie ich einmal loszog, ein perfekter Deutscher zu werden: Hierbei handelt es sich um ein Wendebuch (das Buch ist einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch abgedruckt) von dem Briten Adam Fletcher, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt und sich in diesem Buch aus Sicht eines „Zugezogenen“ (oder Neigschmecktem, wie man hier in Schwaben sagen würde 😉 ) versucht typische Deutsche Traditionen, Marotten und Klischees zu erforschen und am Besten gleich selbst auszuprobieren. Normalerweise mag ich eher keine Bücher aus dem Genre „Humor“, aber ich fand dieses Buch durchweg sehr gelungen und vor allem kann ich viele von Adam’s Eindrücken über Deutschland und die Deutschen auch sehr gut nachvollziehen. Ein sehr nettes Buch für zwischendrin, dass durch die Zweisprachigkeit auch nicht so umfangreich ist, wie es auf den ersten Blick wirkt (ich habe es übrigens auf Englisch gelesen).
Allgemein

Für Leseratten: Bücher Highlights aus dem 1. Halbjahr 2015

Da ich mir fest vorgenommen habe ab jetzt mindestens 1x in der Woche zu bloggen (damit das nicht gleich wieder einschläft 😉 ), gibt’s heute was zu einem meiner größten Hobbies seit Kindertagen: Lesen.

Ich lese sehr gerne und auch recht viel (je nach Zeit) und ich dachte mir ich stelle einfach mal die Bücher vor, die mich dieses Jahr so richtig vom Hocker gerissen haben, entweder weil sie besonders unterhaltsam oder besonders anregend oder besonders berührend waren. Die meisten davon sind auch tatsächlich erst dieses Jahr erschienen, es sind aber sicher auch ein paar Ältere dabei. Und damit es etwas übersichtlicher wird, das Ganze hier nach Kategorien, in diesen Blogpost beginne mal mit Krimis und mit Gesellschaftsromanen.Übrigens komme ich bestimmt in die Hölle, weil ich hier alles politisch unkorrekterweise mit Amazon verlinke (und vor allem weil ich auch immer alles dort kaufe, aber ich versuche meinen „Guter Mensch“-Index in anderen Bereichen wieder auszugleichen 😉 ):

Krimis und Thriller

Krimis und Thriller lese ich ganz gerne, bin aber auch schnell „übersättigt“, da es hier doch viel Einheitsbrei und 08/15 Bücher gibt…wenn da was besonders heraussticht, freut es mich immer ganz besonders.

  • Andreas Föhr: „Wolfschlucht“ und „Der Prinzessinnenmörder“: Regionalkrimis (vor allem aus Bayern) gibt es ja wie Sand am Meer. Ich mag sehr viele Autoren und Reihen gerne (auch Kluftinger), aber Andreas Föhr sticht für mich qualitativ positiv hervor. Er schreibt lustig, unterhaltsam, die Krimihandlung ist meist recht überzeugend und die Bücher haben genau die richtige Menge an Skurrilität. Für jeden Freund von Regionalkrimis mit satirischer Neigung.
  • Richard Galbraith: „Der Ruf des Kuckucks“ und „Der Seidenspinner“: Richard Galbraith ist niemand anderes als das Pseudonym von Joanne K. Rowling (wer jetzt nicht weiß wer das ist, ist auf einem Buch-Blog vermutlich fehl am Platz 😉 ). Unter diesem Namen schreibt sie neuerdings eine Krimi-Reihe rund um den chaotischen Privatermittler Cormoran Strike, die richtig richtig richtig gut sind. Die Bücher sind kreativ, humorvoll, mit interessanten Charakteren und ausschweifend und detailreich. Für jeden der intelligente Britische dicke Krimis mag (wenn einen der Umfang von z.B. Elizabeth George Krimis abschreckt, dann ist es vielleicht nicht ganz das Richtige).
  • Stephen King: Mr. Mercedes: Der Altmeister des Horrors hier mal im Thriller-Genre unterwegs (wobei er ja schon sehr oft Bücher geschrieben hat, die nichts mit Horror zu tun haben, bloß wird er von den meisten Leuten immer automatisch in diese Ecke eingeordnet. Mr. Mercedes hat mir richtig gut gefallen, es hat einen wundervoll perfide und wundervoll komplex ausgearbeiteten „Psychopathen“ und einen sympathischen Ermittler mit Ecken und Kanten und die Story ist ein intelligentes Katz-und-Maus Spiel.
  • Paula Hawkins: The Girl on the Train: Dieses Buch wird grade ziemlich gehypt (und am Stuttgarter Hbf war neulich jede 2. Litfaßsäule damit zugekleistert), es hat diesen Hype aber meiner Meinung nach auch durchaus verdient. Nach dem Klappentext erwartete ich einen typischen „Stalker-Psychothriller“, der Klappentext ist in der Hinsicht aber recht irreführend, die Handlung war deutlich komplexer und vielschichtiger als ich erwartet hatte und schon alleine die Hauptcharaktere sind sehr außergewöhnlich, wobei es schwierig ist viel über sie zu verraten, ohne der Handlung zu sehr vorzugreifen. Das Buch hat auch ein paar Schwächen, die mich aber kaum gestört haben. Ich habe diesen Roman übrigens auf Englisch gelesen und kann deswegen keine Aussage über die Qualität der deutschen Übersetzung machen.

Familiengeschichten und Gesellschaftsromane

  • Matthew Thomas: Wir sind nicht wir: Hierbei handelt es sich um einen richtig dicken Schmöker, der einerseits auf einer Ebene eine Familiengeschichte ist, andererseits ein typischer Gesellschaftsroman über den „American Dream“ und der diese beiden Ebenen auf wirklich 100% überzeugende Weise miteinander verbindet. Für mich eines der besten Bücher, die ich 2015 bisher gelesen habe. Natürlich sollte man dicke Schmöker mögen, wenn man sich an dieses Buch ranwagt, wobei ich noch nie so ein dickes Buch gelesen habe, bei dem die Seiten trotzdem so schnell vorbeifliegen…
  • Ayana Mathis: Zwölf Leben: Das Buch „Zwölf Leben“ handelt von Hattie und August, einem afroamerikanischen Paar, das in den 20er Jahren aus dem Süden der USA nach Philadelphia umgezogen ist, und deren 11 Kinder (und einem Enkelkind). Die Geschichte ist in chronologischen Episoden erzählt, die erste spielt in den 20 Jahren, die letzte in den 80 er Jahren und jede Episode greift einen kurzen Lebensmoment eines Kindes heraus.Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hattie, die Mutter, je nach Alter des Kindes spielt sie in den Episoden entweder eine zentrale Rolle oder sie bleibt im Hintergrund, ist aber immer präsent. So bekommt man am Ende des Buches einen großen Einblick in diese Familie, obwohl man immer nur auf kleine Abschnitte einzelner Personen geblickt hat. Das funktioniert erstaunlich gut und hat mir ausnehmend gut gefallen.

Im nächsten Post geht’s weiter mit mehr Lesestoff 😉

Allgemein

Intervalltraining für Pferde? „Equikinetic“ von Michael Geitner

Da ich schon längere Zeit das Thema Longenarbeit mit meinem Pony wieder intensivieren wollte, mein Pony sehr gerne mit Dualgassen arbeitet und weil ich bei meinem eigenen Fitnesstraining sehr gute Erfahrungen mit Intervalltraining gemacht habe, habe ich mir neulich das Buch „Equikinetic“ von Michael Geitner gegönnt. Dabei handelt es sich um eine Longiermethode in der Quadratvolte mit klar vorgegebenen Arbeitsintervallen:

http://www.cavallo.de/pferdevideos/video-equikinetic-neues-trainings-konzept-fuer-pferde.1000414.233219.htm

Es handelt sich hierbei um dieses Buch:

http://www.amazon.de/Equikinetic-%C2%AE-Pferde-effektiv-longieren/dp/3275020099/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1432558436&sr=1-1&keywords=equikinetic

Das Buch zur „Equikinetic“ fand ich leider nur mittelmäßig. Wie immer verliert sich Michael Geitner in recht vielen persönlichen Erfahrungen und Infos zu seinen Pferden, was zwar nett ist und für mich auch deswegen interessant war, weil er auch eine Stute mit EMS/Cushing (und Arthrose) hat und es deswegen zu diesem Thema überdurchschnittlich viel Inhalt gab, aber eigentlich passt es ja nicht so richtig rein. Außerdem wird die Methode etwas zu enthusiastisch dargestellt, quasi als Problemlösung für sämtliche Pferdegesundheitsprobleme der Welt, was nun wirklich etwas übertrieben ist. Dann besteht das Buch zu 90 Prozent aus allgemeinen Infos zu Anatomie und Muskeln und Sehnen und Faszien, was zwar im Prinzip sehr interessant ist, aber auch eher nur oberflächlich betrachtet wird (zu diesen Themen gibt es bessere Pferdebücher z.B. von Gillian Higgins oder Gerd Heuschmann). Infos zur tatsächlichen Trainingsmethodik werden dann mehr oder weniger auf 2-3 Seiten abgehandelt. Dass das ausreicht liegt daran, dass die Methode im Prinzip ja nicht kompliziert ist. Trotzdem wären ein paar mehr Infos zum Trainingsplan (Intervalle und Steigerung) gut gewesen, das war doch alles etwas unstrukturiert dargestellt.

Die erste Einheit haben wir heute erfolgreich hinter uns gebracht (8 Intervalle zu 1 Min mit je 30 Sekunden Pause dazwischen) . Mit Gletta lief das auch recht problemlos (gut die Handwechsel waren noch etwas holprig), sie kennt die Arbeit in der Quadratvolte aber auch schon sehr gut (aus dem Reitunterricht und aus der normalen Arbeit mit Dualgassen). Die ersten beiden Intervalle habe ich im Schritt gemacht, danach ging’s in den Trab. Ich hatte den Eindruck, dass Gletta damit gut zurechtgekommen ist und ich das recht schnell steigern kann.

Den Vorteil dieser Longiermethode sehe ich darin, dass das Pferd die Aufgabe schnell versteht, dass das Training durch die Intervalle klar strukturiert ist und man sich nicht verzetteln kann und dass man durch die Gassen fast automatisch einen perfekten Zirkel zustande bekommt (auch wenn bei der Equikinetic eine Quadratvolte gelegt wird, longiert man einen Kreis in Innstellung, was ein Unterschied zur tatsächlichen Arbeit in der Quadratvolte ist) und man sich als Longenführer fast komplett auf die Peitschenführung und Impulse am Kappzaum konzentrieren kann. Außerdem verhindert die Quadratvolte zielloses Umherwandern des Longenführers 😉

Den Nachteil von der Arbeit in der Quadratvolte sehe ich darin, dass man immer erst die ganzen Gassen anschleppen und aufbauen muss, was bei der Kürze der Einheiten oft in etwa die gleiche Zeit in Anspruch nimmt wie das Training selber. Das ist aber natürlich eigentlich nur eine Disziplinfrage 😉

Sicher stellt sich die Frage ob Longieren auf einem kleinen Zirkel für ein Rehepferd eine gute Idee ist.

Ich habe aber in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass ruhiges Longieren in eher untertourigem Tempo und in kurzen Einheiten für die regenerierten Rehehufe auch in engen Wendungen unbedenklich zu sein scheint (deckt sich auch mit den Aussagen von Herrn Geitner). Problematisch sehe ich eher das „Zentrifugieren“ in hohem Tempo. Da ich im Moment nur einen kleinen Reitplatz oder Roundpen mit Maximal-Durchmesser 13-14 Meter zur Verfügung habe, lassen sich enge Wendungen /Kreise bei der Platzarbeit nicht ganz vermeiden. Ich arbeite mit meinem Pony nach der Devise, je kleiner der Kreis desto niedriger das Tempo und das scheint gut zu klappen. Galopp generell nur in kleinen Dosen und am Liebsten im Gelände auf Wiesenwegen geradeaus.