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Buchtipp: „Die beste Depression der Welt“ von Helene Bockhorst

„Die beste Depression der Welt“ ist der Debutroman der jungen Comedienne Helene Bockhorst. Die Protagonistin Vera hat vor einiger Zeit einen Blogeintrag über einen misslungenen Selbstmordversuch geschrieben, der viral ging und mit dem sie kurzzeitig eine große Aufmerksamkeit als Autorin bekam. Als Ergebnis davon gab’s 25000 Euro Vorschuß um einen Ratgeber zum Thema Depressionen zu schreiben. Das Problem daran: Vera hat eine (im Moment nur leichte bis mittelschwere) Depression und kann sich natürlich nicht aufraffen zu schreiben (an manchen Tagen ist schon Aufstehen oder Duschen eine Herausforderung die den ganzen Tag in Anspruch nimmt). Während sie ihren Verleger mit Ausreden hinzuhalten versucht oder gar nicht erst ans Telefon geht wenn er anruft (den Vorschuss gibt sie blöderweise schon großzügig aus), versucht sie auf jegliche Art und Weise sich zum Schreiben zu motivieren oder Material für ihr Buch zu sammeln. Sie rafft sich zum Beispiel zu Lach-Yoga, Thai-Massagen, dem Besuch einer Schamain und Meditationskursen auf. Unterstützt wird sie vor allem von ihrer resoluten Freundin Pony.

So wechseln sich Phasen der Ernüchterung, Resignation und Verzweiflung mit gelegentlichen Anstürmen von Tatendrang ab (einmal macht sich Vera sogar zu einer hoffentlich erleuchtenden Reise nach Japan auf).

Bissig, ironisch und mit viel Talent schildert Vera ihren Alltag zwischen Depression und dem Versuch ihr Buch zu schreiben. Trotz des schweren Themas ist das Buch unglaublich unterhaltsam und oft auch wirklich lustig, trotzdem wird das Thema Depression niemals verharmlost oder nicht ernst genommen und die Aufarbeitung von Veras Kindheit, dem Verlust  ihrer behinderten Schwester und der toxischen Beziehung zu ihrer Mutter ist sehr berührend.

Also ein Buch das sowohl sehr lustig als auch sehr traurig ist und für mich bisher eines der Lese Highlights 2020 war.