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Krimi-Tipp: „Der dunkle Garten“ von Tana French

Tana French ist eine irische Krimiautorin, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. Typisch für sie ist sicher ihr weitschweifiger und detailreicher Erzählstil, der das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und nicht den jeweiligen Plot. Für Leute, die es kurz und knapp mögen oder die auf Action stehen, ist diese Autorin also definitiv grundsätzlich nichts. Mir hat aber gerade das an ihren Büchern immer besonders gefallen, da ich psychologische Krimis schon immer sehr gerne mag und mich auch gern in dicke Wälzer vertiefe. Trotzdem hatte ich bei den Büchern von Tana French zuletzt auch mal einen Durchhänger, da mir bei einem oder zwei ihrer neueren Krimis die Hauptcharaktere zu unsympathisch waren.

„Der dunkle Garten“ konnte mich aber mal wieder fast zu 100% überzeugen (wenn auch dort die Hauptcharaktere nicht unbedingt dadurch glänzen besonders liebenswert zu sein). Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht Toby, er ist Ende 20, arbeitet im Marketing Bereich und kam bisher immer recht störungsfrei durch Leben. Er hat Kumpels mit denen er sich gern locker betrinkt, eine fast schon zu perfekt liebenswerte Freundin und trotz gelegentlicher beruflicher Turbulenzen läuft bei ihm eigentlich alles immer rund, er sieht sich als Glückskind…zumindest bis ihn nach einer durchzechten Kneipennacht 2 Einbrecher nachts in seiner Wohnung überfallen und zusammenschlagen. Toby landet mit einem Schädelbruch und diversen anderen Blessuren im Krankenhaus und hat noch lange an den Folgeschäden zu kämpfen: Gedächtnisstörungen, eine eingeschränkte Funktion seines linken Beines und der linken Hand und noch andere kleinere Probleme, die dazu führen, dass er sich alles bloß nicht leistungsfähig vorkommt.

Als er von seiner Cousine erfährt, dass sein Onkel Hugo an einem tödlichen Gehirntumor erkrankt ist, nimmt er deren Vorschlag bei seinem Onkel in dem alten geliebten Familiensitz „Ivy House“ zu leben und sich in dessen letzten Monaten um ihn zu kümmern, nach etwas zögern an. Da seine Freundin auch noch mitkommt und Toby mit dem Haus, das früher seinen Großeltern gehörte, eine Kindheitsidylle verbindet, läuft auch erst mal alles toll an. Huge geht es zunächst noch recht gut, Toby leidet nicht so unter Angststörungen wie in der alten Wohnung und er fängt langsam an sich wieder besser zu fühlen und erinnert sich an glückliche Jugendzeiten im Ivy House mit seiner Cousin Susanna und seinem Cousin Leon. Doch dann machen die Kinder von Susanna bei einem Familientreffem im Garten des Ivy House eine folgenschwere Entdeckung. Und schon wird Tobys ganzes Selbstverständnis, sowie sein Bild von seiner Jugend und Familie völlig erschüttert.
Aus dieser Situation heraus macht sich Toby auf die Geheimnisse der Vergangenheit und sich selbst zu erforschen und was ans Licht kommt ist selten erfreulich. Noch dazu machen ihm seine Gedächtnislücken zu schaffen, er kann sich selbst nicht trauen.

Das Buch ist sicher kein klassischer Krimi, es benötigt schon einige hundert Seiten um zu dem Punkt zu kommen, wo überhaupt ein wirklicher klassischer Kriminalfall auftaucht. Mir hat aber gerade diese langsame und geheimnisvolle Erzählweise gefallen. Fans von tiefgründigen psychologischen Krimis werden mit dem Buch sicherlich auf ihre Kosten kommen.

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Stephen King und Hakan Nesser – Buchrezensionen aus dem Januar

Heute möchte ich einen Kurzüberblick über 2 Bücher aus dem Genre Thriller und Krimi liefern, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.

In „Das Institut“ von Stephen King stehen außergewöhnliche Kinder im Vordergrund. Der hochintelligente Luke Ellis wird mitten in der Nacht von einer Truppe schwarzgekleideter Personen entführt, seine Eltern dabei brutal ermordet. Danach findet er sich in einem Institut mit Krankenhaus-Charme mitten im Nirgendwo wieder, zusammen mit vielen anderen Kindern. Schnell wird klar, dass nicht Lukes Intelligenz der Grund für seine Entführung ist, sondern seine nur sehr rudimentären und von ihm nicht steuerbaren telekinetischen Fähigkeiten. Denn auch die anderen Kinder, die im Institut gefangen gehalten werden haben entweder leichte telepathische oder telekinetische Begabungen. Was genau im Institut abläuft wissen Luke und die anderen Kinder nicht, es gibt Gerüchte, angebliche Verbündete und unangenehme Tests und Experimente. Zudem bleiben die Kinder nicht lange im noch relativ komfortablen Vorderbau des Instituts, wo es außer unangenehmen Ereignissen immerhin noch einen Aufenthaltsraum und einen Spielplatz gibt. Nach wenigen Wochen werden die meisten Kinder in den Hinterbau verlegt und von dort ist bisher noch kein Institutsinsasse zurückgekehrt. Luke wird schnell klar, dass er seine Intelligenz dazu nutzen muss aus dem Institut zu fliehen…

Mir hat „Das Institut“ sehr gut gefallen und von den neueren Stephen King Büchern der letzten Jahre ist es finde ich definitiv das spannendste, es liest sich ein bisschen wie eine Mischung aus Abenteuerroman und Thriller, auch wenn man auch hier keine rasante Action oder übermäßig Übersinnliches erwarten sollte. Was der Hintergrund des geheimnisvollen Instituts ist, erfährt man erst im Laufe der Geschichte und das Buch kann auch hier durchaus überraschen. Für mich ein starker „später“ King.

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„Der Verein der Linkshänder“ von Hakan Nesser vereint gleich zwei von dessen berühmten Detektiven in einem Buch, nämlich Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti. Van Veeteren steht inzwischen knapp vor seinem 75. Geburtstag (womit er etwas hadert) und ist schon jahrelang im Ruhestand. Doch als sein alter Kollege Münster ihn darüber informiert, dass sich in einem uralten Kriminalfall neue Entwicklungen ergeben haben, wird sein Ehrgeiz noch einmal geweckt. Vor über 20 Jahren geschah in einer kleinen Pension ein rätselhafter Mord. Vier alte Bekannte, die in ihrer Jugend einem „Verein der Linkshänder“ angehörten, kamen bei einem Wiedersehen in der kleinen Pension um, als diese in Brand gesetzt wurde. Ein 5. Angehöriger der Clique verschwand damals spurlos und die ermittelnden Beamten kamen damals zum Schluss, dass er der Mörder gewesen sein musste, auch wenn sein Motiv nie wirklich geklärt werden konnte. Nun aber wurde seine vergrabene Leiche ganz in der Nähe der Pension gefunden und es ist klar: er war damals ebenfalls Opfer, nicht der Mörder.

Besonders am Anfang hat mir das Buch wirklich gut gefallen, die Erzählweise ist ruhig, fast philosophisch, manchmal humorvoll und die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt: wir lernen den Verein der Linkshänder und seine Mitglieder zu Zeiten seiner Gründung kennen, ein Teil der Geschichte erzählt die Geschehnisse rund um den Mord in der Pension und ansonsten werden die aktuellen Ermittlungen geschildert. Am Anfang nahm mich die komplexe Geschichte sofort gefangen, leider verliert das Buch in der 2. Hälfte aber ziemlich an Fahrt und Fokus und die Ermittlungen dümpeln ziemlich ergebnislos vor sich hin (so dass auch vermutlich fast jeder Leser den Mörder so wie ich vor den Kommissaren erraten dürfte). Auch Inspektor Barbarotti wird erst ziemlich spät im Buch in die Geschichte eingeführt und bleibt deswegen auch relativ blass. Auf mich wirkte es deswegen nach einem etwas bemühten Kunstgriff Van Veeteren UND Barbarotti in einem Buch unterzubringen.

Insgesamt ist mein Fazit dieses Schweden-Krimis deswegen eher durchwachsen und ich würde das Buch eher nur für Fans der beiden Reihen empfehlen.

 

 

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Buch-Tipp: „Leibnitz“ von Andreas Kiendl

„Leibnitz“ ist das Roman-Debüt des österreichischen Schauspielers Andreas Kiendl (bekannt z.B. aus SOKO Kitzbühel). Der Roman spielt, wie man dem Titel unschwer entnehmen kann, im steirischen Leibnitz, einer Kleinstadt mit etwas über 100 000 Einwohnern. Der Roman wird teilweise als Krimi vermarktet, was ich aber relativ irreführend finde, denn eine klassische Krimihandlung wird man als Leser definitiv vermissen. Ich fand das aber gar nicht schlimm, den die Geschichte ist auch so faszinierend genug.

Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Claudia und Christian. Claudia wuchs in einem eher alternativen und intellektuellen Elternhaus auf, ihre Mutter eher liberal freigeistige Lehrerin, ebenso ihr Stiefvater. Wie um dagegen zu rebellieren wandte sich Claudia früh der Religion zu und verliebte sich in Christian, der aus einer traditionellen eher spießigen Leibnitzer Familie kommt. Die beiden bekommen zwei Kinder, leben mit Christians Eltern in einem Haus und teilen begeistert das gemeinsame Hobby im Chor zu singen. Abgesehen davon läuft es zwischen Claudia und Christian am Beginn des Buches nicht besonders gut. Claudia hatte vor einiger Zeit eine Affäre, seitdem ist ihr Verhältnis zu den Schwiegereltern komplett zerrüttet und das mit Christian, der seitdem mehr trinkt als es selbst für einen steirischen Mann üblich ist, ebenfalls schwer angeschlagen. Als Claudias Mutter Anna ihrer Tochter eröffnet, dass sie mit dem Stiefvater nach Kanada auswandern will, bricht Claudias Welt erst recht zusammen. Denn obwohl Claudia ihre Mutter meist ablehnt, verzeiht sie ihr diesen “Verrat” trotzdem nicht. Claudia ist mit der Gesamtsituation alleine mit Schwiegereltern, Kindern und oft betrunkenem Mann mehr als unglücklich, doch etwas später baut Christian angetrunken einen Autounfall und im Haus der Familie verändern sich die Machtverhältnisse von da an…

Das Buch erzählt davon aufbauend in mehreren zeitlich teilweise länger auseinander liegenden Abschnitten von der Entwicklung der Ehe und der Familie, von Eskalationen, Hoffnungsschimmern, Rückschlägen und menschlichen Abgründen…

Was das Buch für mich interessant (aber auch etwas nervig machte) ist, dass kaum einer der Hauptcharaktere wirklich sympathisch ist. Claudia lehnt das Leben ihren freiheitsliebende Mutter ab, gleichzeitig verachtet sie ihre Schwiegereltern mit denen sie in einem Haus lebt quasi genauso und schaut wegen deren kleinbürgerlicher Spießigkeit auf sie herab. Christian ist ein Großkotz und Lebemann, der aber hinter großen Worten nicht wirklich viel zu bieten hat und weinerlich dem Alkohol verfällt. Wer nach Charakteren sucht mit denen er sich identifizieren kann, wird also vermutlich eher schwer fündig werden, aber als Psychogramm einer zerrüttenden Familie funktioniert der Roman trotzdem ganz hervorragend und ist faszinierend zu lesen. Die Einstufung als Kriminalroman finde ich aber definitiv vom Verlag eher unglücklich.

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Krimi Tipp: „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos

Heute möchte ich einen außergewöhnlichen Krimi/Thriller vorstellen nämlich „Die Einsamkeit der Schuldigen – Das Verlies“ von Nienke Jos (das Buch wird glaube ich unter Thriller geführt, ist aber definitiv kein typischer Spannungsthriller, sondern eher ein sehr raffinierter psychologischer Krimi).

Der Roman beginnt ziemlich mysteriös, denn als Leser weiß man erstmal gar nicht, welche Rolle die vielen vorgestellten Personen in dem Buch eigentlich einnehmen. Am Anfang steht das vergangene Erlebnis eines kleinen Jungen, der nachts ein traumatisierendes Erlebnis hat. In Folge und in der Gegenwart lernen wir einige erwachsene Charaktere kennen: Junia, ist Mountain-Bikerin und Sporturlaub-Reiseführerin, die gerade ins Allgäu gezogen ist, um dort in einem Hotel zu arbeiten und davon träumt endlich sesshaft zu werden. Passenderweise lernt sie dort den Arzt Thies kennen, der auf den ersten Blick genau das ist was sie sucht. Doch Thies ist unglücklich mit einer älteren Alkoholikerin verheiratet und hat offensichtlich einigen Dreck am Stecken.

Ann Beck nimmt an einer von Junia geführten Mountainbike Tour statt, ist unglücklich verheiratet und mit ihrem Leben unzufrieden und verschwindet nach der Mountainbike Tour spurlos. Ein unbekannter Ich-Erzähler träumt davon eine Frau zu entführen, scheitert aber bei der Umsetzung (noch) an seiner Angst. Und der Psychologe Theodor ist unglaublich glücklich verheiratet, kompetent und leidenschaftlich in seinem Job in einer psychologischen Klinik und wirkt fast schon zu perfekt um wahr zu sein.

Was diese Charaktere miteinander verbindet erschließt sich erst im Laufe des Romans ganz allmählich. Das Buch nimmt sich viel Zeit die einzelnen Personen und deren Gefühlswelten und Abgründe vorzustellen und springt vor allem Anfang sehr oft zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her. Ich fand das aber keineswegs verwirrend, sondern sogar eine spannende Art und Weise langsam in das Geschehen hineinzufinden. Die Faszination der Geschichte liegt dann auch weniger darin begründet, dass die Handlung klassisch thrillermäßig spannend ist, sondern darin das Rätsel zu lösen wie alles zusammen hängt. Das gelingt dem Buch finde ich sehr gut, auch wenn die Auflösung am Ende, dann alles fast nochmal etwas sehr explizit aufdröselt.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und es sticht aus der Masse von Krimis und Thrillern definitiv als außergewöhnlich heraus. Allerdings enthält es teilweise trotzdem sehr brutale Gewaltszenen. Wer das gar nicht mag, ist mit dem Buch nicht gut beraten.

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Young Adult Tipp: „Das Schicksal weiß schon, was es tut“

„Das Schicksal weiß schon, was es tut“ von Brigid Kemmerer ist ein Young Adult Roman, der meine Aufmerksamkeit vor allem durch das schlichte, aber sehr gelungene Cover erlangte. Vom Setup gewinnt das Buch vielleicht keinen Kreativ-Preis, denn im Zentrum steht die Liebesgeschichte zweier an der High School sozial geächteten Teenager (dass zwei Außenseiter oder zwei Nerds sich ineinander verlieben kommt in diesem Genre vermutlich genauso oft vor wie die Variante, dass sich ein Außenseiter in den mega beliebten Cheerleader/Football Star verliebt. Es wäre sicher einmal eine interessante Aufgabe einen Young Adult Roman zu schreiben in dem sich zwei beliebte Teenager ohne Problem ineinander verlieben und das interessant zu gestalten 😉 ).

Die beiden Hauptcharaktere in „Das Schicksal weiß schon, was es tut“ haben aber beide die Besonderheit nicht schon immer an ihrer High School geächtet zu sein, sondern bei beiden liegt der Grund erst relativ kurz in der Vergangenheit. Maegan hat vor ca. einem Jahr bei einem wichtigen SAT-Test betrogen, was dazu führte, dass auch die Tests aller ihrer Mitschüler annuliert und neu geschrieben werden mussten. Entsprechend begeistert sind ihre Mitschüler von Maegan. Rob hingegen wurde in Sippenhaft genommen. Seit Vater hat als Finanzberater mit windigen Betrügereien die halbe Kleinstadt-Community um ihr Geld gebracht. Nachdem er verhaftet wurde, versuchte er Selbstmord zu begehen, scheiterte aber und lebt seit dem pflegebedürftig bei Rob und dessen Mutter, die seitdem auch noch mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Und als wäre das noch nicht alles kam Maegans Schwester Samantha gerade schwanger vom College heim, so dass auch bei Maegan der Haussegen schief hängt. In dieser schwierigen Situation lernen Maegan und Rob sich mehr oder wenig unfreiwillig näher kennen, da beide keinen anderen Partner für ein Mathe-Projekt finden und trotz Startschwierigkeiten merken sie bald, dass der andere gar nicht so übel ist…

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus Sicht von Rob und Maegan erzählt, die Sprache ist dabei sehr humorvoll und trotzdem feinfühlig und liest sich wunderbar leicht weg. Auch die Chemie zwischen Rob und Maegan stimmt. Interessanterweise gerät die Liebesgeschichte in der 2. Hälfte des Buches eher etwas in den Hintergrund, da die Geschichte rund um Robs Vater einen wichtigeren Teil einnimmt. Dies macht das Buch deutlich weniger vorhersehbar als es am Anfang den Eindruck erwecken mag. Insgesamt hat mich das Buch hervorragend unterhalten, auch wenn man sich eventuell die Geschichte rund um Samanthas Schwangerschaft hätte sparen können, da der Hauptplot denke ich völlig ausgereicht hätte um dem Buch die nötige Tiefe zu verleihen. Das ist aber nur eine Kleinigkeit und tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

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Krimi-Tipp: „Verborgen im Gletscher“ von Arnaldur Indridason

Heute möchte ich den neuesten Island Krimi des bekannten isländischen Krimiautors Arnaldur Indridason vorstellen: „Verborgen im Gletscher“. Von Arnaldur Indridason habe ich über die Jahre schon sehr viele Krimis gelesen, seine bekannteste und beliebteste Reihe ist sicher die um Kommissar Erlendur. Er hat aber auch einige Krimis geschrieben, die vor einigen Jahrzehnten spielen, z.B. während des 2. Weltkrieges oder in den 50er Jahren (diese haben mir teilweise nicht soooo gut gefallen, da ich einige der Bücher etwas sehr zäh fand). In „Verborgen im Gletscher“ steht ein weiterer anderer Kommissar im Mittelpunkt, nämlich der pensionierte Kommissar Konrad. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr weiss, ob ich aus dieser neueren Reihe schonmal ein Buch gelesen habe. Auf jeden Fall hatte ich so oder so keine Probleme in die Welt von Kommmissar Konrad einzutauchen. Konrad ist eigentlich schon pensioniert und lebt seit dem Krebstod seiner Frau Erna alleine ein eher ruhiges Leben (außer wenn er auf seine beiden Enkelsöhne aufpasst). Doch dann finden Touristen zufällig in einem auftauenden Gletscher die Leiche eines Mannes und es stellt sich heraus, dass der Tote ein Vermisster aus einem schon Jahrzehnte alten ungelösten Fall von Konrad ist. Damals wurde der Vermisste nie gefunden und der damals Mordverdächtige beteuerte vehement seine Unschuld und kam schließlich mangels Beweisen frei.

Konrad möchte eigentlich nicht wieder in die Sache hereingezogen werden, aber die alte Niederlage als Ermittler lässt ihm einfach keine Ruhe. Als dann noch der ursprüngliche Mordverdächtige von Konrad verlangt endlich nach dem wahren Täter zu suchen und unerwartet neue Zeugen auftauchen, fängt Konrad an immer intensiver auf eigene Faust und inoffiziell zu ermitteln, auch wenn es seinen ehemaligen Polizeikollegen nicht zu 100% gefällt.

Mir hat der Krimi um den Toten im Gletscher gut gefallen. Die Biografie des pensionierten Kommissars und das Setting der Story mit dem alten ungelösten Mordfall gewinnt vielleicht keine Originalitätspreise, trotzdem ist Konrad sympathisch und seine privaten Verhältnisse und einige familiäre Konflikte aus der Vergangenheit machen ihn menschlich und greifbar. Inhaltlich handelt es sich um einen klassischen Ermittlungskrimi ohne viel Action, Konrad spricht mit allen möglichen Zeugen, wer schon ein Buch von Arnaldur Indridason gelesen hat kennt dessen ruhige etwas spröde und nüchterne Erzählweise sicherlich. Action und Hochspannung darf man bei seinen Krimis nicht erwarten. Wem dieser ruhige unaufgeregte Erzählstil aber gefällt, wird an dieser neuen Reihe sicher seine Freude haben.

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Buchrezension: „No plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten

Heute möchte ich zur Abwechslung einmal ein Sachbuch vorstellen und zwar „No Plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten“ von Harriet Dyer. Das Buch ist vom Umfang her mit 130 Seiten sehr kompakt und auch bei Vermittlung der Inhalte und Tipps wurde vor allem Wert auf eine kurze und knackige Darstellung gelegt, jede der Seiten enthält entweder einen einzelnen präzise formulierten schriftlichen Tipp oder gelegentlich auch mal eine anschauliche Grafik. Dabei ist das Buch in mehrere Kapitel gegliedert, z.B. „Haushalt“, „Kosmetik“, „Reisen“ oder „Upcycling“. Am Besten gefallen haben mir die grundsätzlichen Informationen zu Plastik, also welche Arten von Plastik gibt es, was sind die Problematiken, … auch finde ich es gut, dass das Buch so übersichtlich und auf den Punkt gehalten wurde, so dass man es wirklich innerhalb von ca. einer Stunde durchlesen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mir die meisten Tipps im Buch schon bekannt waren (einen Teil davon habe ich auch schon umgesetzt, vor allem im Kosmetikbereich) und das Buch sich deswegen meiner Meinung nach vor allem für völlige Einsteiger in die Thematik eignet.

Am Anfang des Buches wird explizit darauf hingewiesen, dass nicht auf die Umweltbilanz von alternativen Produkten eingegangen wird, da das Buch nur darstellen möchte an welchen Stellen wie auf Plastik verzichtet werden kann. Das kann ich einerseits verstehen, da es sonst nicht möglich gewesen wäre die Kapitel so kurz und übersichtlich zu halten. Andererseits finde ich es schon wichtig zu wissen, was für Vor- und Nachteile ein Alternativprodukt hat und diese eventuell gar nicht so eine gute Umweltbilanz haben, wie man eventuell erwartet (z.B. enthalten wohl einige Bambuskaffeebecher laut Stiftung Warentest durchaus auch Plastik).

Das finale Kapitel über „Upcycling“ ist zwar interessant, aber die Tipps wohl eher nur was für sehr bastelfreudige Menschen mit Talent in dem Bereich. Für diese sind die Tipps sicher nett, allerdings weiß ich nicht ob man mit kurzen rein textuellen Anweisungen wirklich immer zurecht kommt.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für den Neueinstieg in das Thema Plastikvermeidung. Wenn man sich schon etwas mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann man aber vermutlich auf diversen Zero Waste Blogs fundiertere und tiefgehendere Informationen und Praxiserfahrungen finden.

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Buchtipp: „Schöne Monster“ von Sharlene Teo

„Schöne Monster“ von Sharlene Teo besticht auf den ersten Blick durch ein wunderschönes Cover, das mich sofort ansprach und Lust auf das Buch weckte. Doch auch inhaltlich konnte mich der Roman, der in Singapur spielt zum Glück mindestens genauso überzeugen. Im Zentrum des Romans der auf 3 Zeitebenen aus 3 Perspektiven erzählt wird stehen dazu passend auch 3 Frauen, die eng miteinander verbunden sind: Die überdurchschnittliche schöne und anziehende Amisa wächst in den 70er Jahren in einem kleinen Dorf auf dem Land auf und verlässt als Teenager ihre Familie, um auf eigene Faust nach Singapur zu ziehen. Dort hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bis sie als Darstellerin einer eher trashigen Horror-Film-Trilogie entdeckt wird. Der Regisseur verspricht Amisa großen Ruhm, mangels Verleih und wirklichem Kassenerfolg bleibt die Trilogie aber der einzige Ausflug ins Film-Business und Amisa wird nur für ein paar Nerds ein Star. Genauso wie ihre Karriere nie abhebt, verläuft auch ihr Leben nicht wie erhofft…

Im Jahr 2003 ist Amisas Tochter Szu 16 Jahre alt. Im Gegensatz zu ihrer Mutter ist sie nicht mit einem schönen Aussehen gesegnet und auch sonst in der Schule eher eine Außenseiterin, die bestenfalls von ihren coolen Mitschülerinnen in Ruhe gelassen wird. Szu passt nirgends so richtig rein, eckt überall an, fühlt sich mit sich selbst nicht wohl und auch von ihrer Mutter abgelehnt. Als die ebenfalls eher unbeliebte Circe sich mit ihr anfreundet, wendet sich für beide Mädchen erst mal alles zum Besseren. Doch als Amisa schwer krank wird, wird die aus einer Notgemeinschaft entstandene Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

2020 treffen wir Circe, Szu’s Freundin aus Teenagerzeiten wieder. Die hat gerade eine Scheidung hinter sich und fühlt sich mit Anfang 30 in ihrem Job als Social-Media-Marketing-Irgendwas schon langsam zum alten Eisen gehörend. Ausgerechnet zu dieser Zeit wird sie zurück in ihre Jugend katapultiert, als ihre Firma eine Kampagne für eine Neuauflage der Horrorfilme mit Szu’s Mutter erstellen soll. Die Erinnerungen zwingen Circe mehr oder weniger gegen ihren Willen dazu ihre schwierige Beziehung zu Szu zu reflektieren, die nie wirklich aufgearbeitet wurde…

Das Buch erzählt immer abwechselnd in Szenen aus dem Leben von Amisa, Szu und Circe, die Zeitsprünge und Perspektivenwechsel sind dabei wirklich gut umgesetzt. Die Charaktere sind durchweg interessant und faszinierend und jeder auf seine eigenen Art und Weise liebenswert, obwohl vor allem Szu und Circe als sehr widersprüchliche und eher sperrige Charaktere gezeichnet sind. Um so mehr kann man sich in beide einfühlen, wobei mir Szu am meisten ans Herz gewachsen ist. Die Sprache ist mitreissend und poetisch, trotzdem modern und leicht, so dass ich das Buch in kurzer Zeit verschlungen habe. Für mich zu 100% lesens- und empfehlenswert und eines meiner bisherigen Lese-Highlights von 2019.

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Buchrezension: „Wir im Fenster“ von Lene Albrecht

„Wir im Fenster“ von Lene Albrecht spielt in Berlin. Linn lebt dort mit ihrem Freund und erwartet aktuell ihr erstes Kind, doch ihre Gedanken kreisen im Moment fast ständig um die Vergangenheit, und zwar um eine Zeit in ihrer Kindheit und Jugend, in der sie viel Zeit mit ihrer Jugendfreundin Laila verbrachte. Die beiden Mädchen lernten sich zufällig kennen und waren erst mal ein Herz und eine Seele. Als Leser erfährt man erstmal gar nicht so viel über die Lebensumstände der beiden Mädchen, man kann erahnen, dass beide nicht grade in einem sozial begünstigen Teil von Berlin aufwachsen und dass Lailas familiäre Umstände irgendwie nicht ganz einfach sind. Sie verbringt die meiste Zeit bei ihrer Großmutter oder bei Linn. Linns Familie hingegen wirkt recht normal, auch wenn die Eltern sich natürlich mal streiten. Linn und Laila verbringen viel Zeit miteinander und wirken erstmal fast wie verschmolzen, grade Laila scheint auf Linn eine ungehöre Faszination auszuüben, doch als die Mädchen älter werden und Laila aufgrund schwieriger Lebensumstände bei Linn zuhause einzieht, weil ihre Großmutter zurück in die Türkei geht, verschiebt sich das Macht- und damit auch das Freundschaftsverhältnis der beiden. Linn hängt immer mehr mit der Teenie-Clique aus der Nachbarschaft ab, während Laila sich zurückzieht, nachmittags oft verschwindet oder den ganzen Tag lesend im gemeinsamen Zimmer verbringt. Die Verbindung der beiden Mädchen wird schwächer und auch immer ambivalenter.

Linn reflektiert ihre Geschichte mit Laila in Rückblenden, Gedankenfetzen und Erinnerung, die oft schwammig und unstrukturiert sind, so bleibt zum Beispiel lange unklar warum Laila überhaupt bei Linns Familie wohnt und auch Linn selber weiß das als Kind gar nicht so richtig. Der Leser weiß nur, dass der Kontakt zu Laila komplett abbrach und dass Linn die Geschichte nie wirklich verarbeitet und verwunden hat, aber die Hintergründe bleiben lange im Dunkeln.

Mir hat das Buch einerseits gut gefallen, denn Linns Denkweise als Kind und auch wie sie viele Situationen als Kind einfach nur wahrgenommen hat ohne sie wirklich zu verstehen oder zu bewerten, kommt sehr gut rüber, deshalb wirkten die Szenen aus der Kindheit auf mich sehr authentisch und auch das Setting in einem eher strukturschwachen Teil von Berlin kam atmosphärisch sehr gut rüber. Trotzdem riss mich das Buch nicht ganz vom Hocker, denn der betont melancholische Tonfall und die erwachsene Linn wirkten auf mich irgendwie etwas anstrengend und zu ich-bezogen. So fand ich das Buch sehr interessant, aber kein reines Lesevergnügen, da mir die Hauptfigur nicht 100% sympathisch war.

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Jugendbuch: „Ich bin V wie Vincent“

„Ich bin V wie Vincent“ von Lucinde Hutzenlaub ist ein Jugendbuch ab 12 Jahre in dem es um das schwierige, aber für Jugendliche sicher immer hochaktuelle Thema Mobbing geht.

Im Mittelpunkt des Buches steht Milo. Er ist mit seinen Eltern und seinem Bruder Carl aus Namibia nach Deutschland gezogen, da sein Vater aus beruflichen Gründen umsiedeln musste. Milo vermisst seine Freunde, die Farm seiner Eltern in Namibia und mit dem Deutschen Wetter kann er sich auch nicht so recht anfreunden. Seine Stimmung ist also sowieso schon nicht gut und dann stellt sich seine neue Schulklasse auch noch als Katastrophe heraus. Sein Mitschüler Max terrorisiert gefühlt die halbe Klasse und pickt sich Milo direkt als nächstes Opfer heraus. Einziger Lichtblick in der Klasse ist Nike, in die sich Milo unsterblich verliebt. Doch auch sie hat so ihre Probleme mit Max.

Während sich Milo im realen Leben ohnmächtig fühlt, kommt ihm in der virtuellen Welt eine Idee…er eröffnet einen anonymen Youtube Account unter dem Pseudonym „V wie Vincent“ (angelehnt an seinen Lieblingsfilm „V wie Vendetta“), in dem er sich gegen Mobbing und für mehr Zusammenhalt und Courage ausspricht und zu seiner großen Überraschung wird der Kanal ein Riesenerfolg…und hat echte Konsequenzen in der wirklichen Welt, leider nicht nur Positive.

Das Buch ist sehr kurzweilig und einfach zu lesen, die Sprache ist direkt gehalten und für die angepeilte Altersgruppe sicher gut lesbar. Allerdings hatte ich aufgrund des männlichen Protagonisten erwartet, dass das Buch sich vielleicht eher an männliche jugendliche Leser richtet, dafür fand ich die Liebesgeschichte aber irgendwie ein bisschen arg schmalzig formuliert und bin mir sehr unsicher ob das Jungs in dem Alter so ansprechen würde. Was mich auch noch etwas störte ist dass Milo auf mich ein bisschen sehr idealisiert war und alles etwas sehr schwarz/weiss gemalt. Die „Bösen“ im Buch hören ständig Deutsch-Rap, Milo hört Woodstock Musik aus der Zeit seiner Eltern und gerne auch mal Klassik…hmmm…die (nett wirkenden!) Jungs an der Supermarkt Kasse hinter mir gestern wirkten auf mich nicht so als ob sie sich mit so einem Milo identifizieren würden oder so sprechen würden wie er.

Von dem her bin ich etwas hin und her gerissen von dem Buch, es ist sehr unterhaltsam und leicht zu lesen und sicher auch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing, in dem viele Schüler Situationen und Dinge aus dem Schulalltag wieder erkennen können. Die Autorin schrieb am Ende des Buches, dass sie das Buch aufgrund eigener Mobbing-Erfahrungen in ihrer Kindheit geschrieben hat und deswegen nehme ich an, dass es deswegen so geschrieben ist und dass Milo und was er erreicht wirklich inspirierend wirken soll.

Allerdings habe ich doch etwas Bedenken, dass es für wirklich Betroffene zu unrealistisch rüber kommen könnte, denn das das in der realen Welt ein Betroffener so hinkriegen würde wie in dem Buch halte ich für unwahrscheinlich. Die Jugendlichen in dem Buch handeln eher „übermenschlich“, doch wie oft wird gerade ein Mobbing-Opfer dazu in der Lage sein? Außerdem befremdete mich etwas, dass die Jugendlichen in dem Buch doch sehr „alleine gelassen“ werden, im Prinzip müssen Milo und Nike die ganzen Probleme (wozu z.B. auch durchaus aggressive sexuelle Belästigung zählt) „alleine“ lösen, während Lehrer und Eltern offenbar vorher ewig nichts getan haben und dann später auch nichts tun bzw. nicht viel. Die Erwachsenen im Buch agieren sehr passiv. Das mag tatsächlich realistisch sein, aber läuft der hoffnungsvollen Botschaft der Geschichte vielleicht etwas zuwider, denn beim Betroffenen könnte der Eindruck aufkommen, dass er sich selbst helfen muss…

Das klingt jetzt beim Schreiben alles erst mal ganz schön negativ, aber so habe ich das Buch nun auch nicht empfunden. Ich denke es eignet sich aber besser, um in der Klasse zum Beispiel gemeinsam gelesen und dann mit Lehrer besprochen zu werden als zumindest jüngere Leser ganz damit allein zu lassen. Gut fand ich auch, dass aktuelle Themen wie Social Media und Youtube-Channels mit eingebaut wurden.