Bücher

Buchtipp: „Die letzten Tage meiner Kindheit“ von Rafel Nadal

Heute möchte ich ein Buch aus einem Genre vorstellen, das ich normalerweise nicht so häufig lese, nämlich einem historischen Roman, und zwar geht es um „Die letzten Tage meiner Kindheit“ des spanischen Autors und Journalisten Rafel Nadal (nicht zu verwechseln mit dem Tennispieler Rafael Nadal 😉 Lustigerweise beginnt die Autorenbeschreibung im Buch mit den Worten „Rafel Nadal kann besser schreiben als Tennis spielen“, diese Verwechslung ist dem Autor wohl schon häufiger passiert).

Der Hauptteil des Buches spielt Anfang und Mitte der 1940er Jahre in einem kleinen spanischen Dorf, wenige Jahre nach Ende des spanischen Bürgerkrieges. Die Geschichte erzählt von der Kindheit und dem weiteren Lebensweg von Lluc, dessen (alleinerziehende) Mutter am letzten Tag des Bürgerkriegs auf dem Dorfplatz vor den Augen ihres Sohnes erschossen wurde, als sie einem Verwundeten Kämpfer beistehen wollte. Lluc wächst seitdem bei Senora Stendhal, deren Vater und deren halbwüchsigem Sohn Dani auf, die er alle verehrt und bei denen er sich geborgen fühlt. Doch das Leben im Dorf ist weiterhin von Angst, Gewalt und Misstrauen geprägt, viele Anhänger des Widerstands gegen Franco verstecken sich seit dem Krieg immer noch in den Bergen und Wäldern rings um das Dorf und träumen von einem Umsturz der Regierung oder versuchen nur irgendwie zu überleben. Bei einer Rückkehr ins Dorf droht ihnen die Hinrichtung. Auch im Dorf stehen sich heimliche Sympathisanten der Rebellen sowie treue Anhänger der Regierung gegenüber und wenige reiche Großgrundbesitzer dominieren das ganze Dorf, während andere kaum über die Runden kommen. Trotz allem verlebt Lluc zunächst eine halbwegs  normale Kindheit, er bewundert den leidenschaftlichen und politisch engagierten Dani, er schwärmt für Senora Stendhal, doch eines Tages wird er durch schlimme Ereignisse so getroffen, dass er sich den Rebellen im Wald anschließt und wird fortan von dem Gedanken beherrscht für Gerechtigkeit für seine Mutter und seine Ersatzfamilie zu sorgen…doch im Laufe seines Lebens muss er realisieren, dass Rache oft dazu führt, dass man genauso schlimm wird wie seine Gegner und dass es im Krieg keine „Guten“ gibt

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, die Hoffnungslosigkeit, Brutalität und Ungerechtigkeit der damaligen Zeit in Spanien wird eindringlich geschildert und man leidet mit Lluc und den restlichen Personen mit. Allerdings ist es etwas schwierig die ganzen historischen Zusammenhänge zu verstehen, wenn man mit der Geschichte Spaniens nicht in der Tiefe vertraut ist. Um den Grundtenor des Buches zu verstehen ist das aber nicht so wichtig. Trotzdem hätte ich mir für mich selbst mehr Hintergrundwissen über die damalige Zeit in Spanien gewünscht.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Buch im letzten Drittel, als Lluc sich in die Berge zu den Rebellen absetzt vorübergehend doch einen recht abrupten und auch etwas unausgewogenen stilistischen Bruch erlebt, der bei mir den Lesefluss doch kurzzeitig etwas gestört hat. Insgesamt fand ich den Roman aber sehr lesenswert.

Bücher

Buchtipp: „Die Geschichte der Bienen“

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde ist ein Buch von dem ich im Vorfeld schon recht viel gelesen und gehört hatte.
Das Buch erzählt (in abwechselnden Kapiteln) drei verschiedene Geschichten in 3 verschiedenen Zeitebenen, die aber alle ein gemeinsames Thema haben: die Bienen und ihre Auswirkungen im Kleinen auf die Protagnisten des jeweiligen Abschnitts und auf die Menschheit im Großen.

Der erste Teil spielt im Jahr 1852. Der Biologe und Naturforscher William hat eine Sinnkrise, träumte es ihm doch am Beginn seiner Berufskarriere von dem großen Durchbruch als Forscher und von großem Ruhm und Anerkennung. Stattdessen hat er zwar eine Menge Nachkommen produziert und verdient seinen Lebensunterhalt aus seiner Sicht mehr oder weniger sinnlos als Händler…für seine Forschung blieb neben Alltag und Familie aber fast keine Zeit mehr, so dass er in eine tiefe Depression gefallen ist (zu Beginn des Besuches verlässt er nicht mal mehr das Bett). Doch dann erlebt nochmal einen kreativen Aufschwung und träumt dann als Erschaffer eines modernen Bienenstocks in die Geschichte einzugehen.

Der zweite Teil spielt 2006 in den USA: der Bienenfarmer Henry, der die jahrzehntelange Tradition seiner Familie weiterführt, hofft, dass auch sein Sohn einmal seine Farm übernehmen wird, für die seine ganze Leidenschaft schlägt. Doch der studiert stattdessen Journalismus und seine Frau würde auch lieber im Ruhestand
nach Florida ziehen als noch Jahre auf der Farm zu verbringen. Eine Horrorvorstellung für Henry. Als wäre das nicht genug, werden in den USA zunehmend mehr Bienenfarmen von einem merkwürdigen Bienen-Sterben (oder besser gesagt Bienen-Verschwinden) befallen…

Der letzte Teil spielt in der Zukunft, im Jahr 2098, in China. Die Bienen sind inzwischen komplett von der Erde verschwunden, ein Großteil der Menschen ausgestorben.
Nur China geht es noch relativ gut, denn das Land hat es rechtzeitig geschafft mit Hilfe einer großen Disziplin und kollektiven Arbeitsleistung aller auf Handbestäubung umzustellen. Der Preis dafür ist aber hart, jeder Bürger ab einem Alter von 8 Jahren muss täglich 12 Stunden im Feld und auf Bäumen arbeiten, einen freien Tag gibt es nur alle paar Monate. Für die gebildete Tao ist es eine Horrorverstellung, dass ihr 3-jähriger Sohn auch schon in wenigen Jahren in diesem Alltag landen wird und versucht deswegen ihn mit so viel Bildung zu überschütten, damit er eine Chance auf eine der wenigen anderen Karrieren im Land bekommt. Doch ihre Träume finden ein jähes Ende als es bei einem harmlosen Familienausflug an einem der wenigen freien Tag zu einem merkwürdigen Unglück kommt.

Am Anfang des Buches wirken die 3 Handlungsstränge (bis auf das Bienenthema) völlig autark, bis zum Ende des Buches wird aber schlüssig ein Bogen zwischen den 3 Geschichten gespannt, die ich aber sowieso auch alle 3 für sich alleine überzeugend fand. Dem Buch gelingt es sehr gut, die Familiengeschichten gefühlvoll in den Mittelpunkt zu rücken und aber auch das große gesellschaftspolitische Thema überzeugend damit zu verknüpfen. Einerseits geht es in dem Buch sehr viel darum was für (oft unerfüllbare) Erwartungen Eltern an ihre Kinder richten und was in der Realität daraus wird, andererseits gelingt es dem Buch ohne erhobenem Zeigefinder auf drängende Fragen der Menschheit aufmerksam zu machen. Gut gefallen hat mir auch der leise Humor in den Geschichten über William und Henry, deren etwas festgefahrene und egozentrische Sichtweisen mit Humor geschildert werden, ohne dass es respektlos rüber kommt. Diese Geschichten funktionieren deswegen (obwohl sie natürlich auch einen ernsten Grundton haben) auch gut als Auflockerung gegenüber der doch deutlich düsteren Zukunfts-Dystopie rund um Tao.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und aus meiner Sicht hat es die vielen positiven Kritiken definitiv verdient.

Bücher

Lesetipp: „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) von Jay Asher

Normalerweise passiert es sehr selten, dass ich mir zuerst die Verfilmung eines Buches anschaue und hinterher das Buch lese (schon alleine deshalb, weil die Bücher ja in der Regel zuerst erscheinen). Ich bin aber durchaus jemand, der sich gern Buchverfilmungen anguckt, ohne mich arg daran zu stören, wenn Buch und Film oder Fernsehserie inhaltlich nicht 100% gleich sind. Bei „13 Reasons Why“ war es nun so, dass ich mir zuerst die darauf basierende Netflix Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ angeschaut habe und hinterher nun auch noch das Buch lesen wollte. Die Serie hat mir dabei ausnehmend gut gefallen, ich fand sie wirklich gelungen und mitreißend.

Das Buch ist inhaltlich bis auf einige Kleinigkeiten fast gleich: der Teenager Clay bekommt eines Tages plötzlich ein Päckchen mit altmodischen Audiotapes. Als er neugierig hineinhört, hört er zu seinem Schock die Stimme seiner Mitschülerin Hannah, die sich vor einiger Zeit umgebracht hat…Hannah hat vor ihrem Selbstmord 13 Kassettenseiten aufgenommen, für 13 Personen, die aus ihrer Sicht an ihrem Selbstmord mitverantwortlich waren und diese Kassetten vor ihrem Selbstmord an den ersten dieser 13 Personen schicken lassen, mit der Botschaft die Kassetten anzuhören und dann an den nächsten auf der Liste weiterzuschicken.

Das Buch behandelt dann im Endeffekt diese 13 Kassetten, die Clay sich innerhalb kurzer Zeit anhört und wie er damit zurecht kommt. Dabei ist der gesprochene Text von Hannah kursiv gedruckt und die Gedanken von Clay sind in Normalschrift. Das fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt aber mit der Zeit immer besser damit zurecht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich muss aber sagen, dass mir hier die Netflix Serie doch noch einen Ticken besser gefallen hat und ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, dass ich diese zuerst gesehen habe (auch wenn es natürlich etwas von der Spannung nimmt). Für mich war die Serie auch deswegen etwas besser, weil sie sich mehr Zeit für die Darstellung der verschiedenen Charaktere nimmt und weil man auch mehr über diese erfährt. Bedingt durch den Aufbau des Buches erfährt man eben wirklich alles aus Hannahs Sicht, was die beteiligten Personen weniger als komplexe Menschen wirken lässt, sondern mehr als reine Akteure…Auch Clay bleibt in der Rolle des passiven Zuhörers im Buch sehr blass und eindimensional, was in der Serie überhaupt nicht der Fall war. Sehr gut gelungen fand ich dagegen auch im Buch die Art und Weise wie Hannah dargestellt ist, auch wenn sie ein „schwieriger“ Charakter ist, bei dem es trotzdem Anteilnahme an ihrem Schicksal gar nicht immer so leicht ist ihn zu mögen.

Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen und kann deswegen nichts über die Qualität der Deutschen Übersetzung sagen.

Bücher

Lesetipp: „Das Floss der Medusa“ von Franzobel

Normalerweise lese ich eher selten bis gar nie historische Romane, „Das Floss der Medusa“ hat aber meine Aufmerksamkeit geweckt, da als Cover das gleichnamige berühmte und beeindruckende Gemälde von Jean Géricault gewählt wurde, das ich sogar schon live im Louvre gesehen habe. Da auch der Klappentext spannend klang, habe ich also mal eine Ausnahme bei meinen Lesegewohnheiten gemacht.

Der Roman beschäftigt sich mit einem tatsächlich stattgefundenem historischen Ereignis: im Jahr 1816 segelte die französische Fregatte Medusa mit ca. 400 Passagieren (darunter Militär, hochrangige Politiker, Matrosen, „normale“ Bürger mit Kindern, Missionare und Forscher…) nach Afrika, in die afrikanische Kolonie Senegal, die kürzlich von Großbritannien an Frankreich zurückgegeben wurde. Aufgrund der Inkompetenzen des unerfahrenen Kapitäns lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Da nicht genug Rettungsboote vorhanden waren, wurden knapp 150 Menschen kurzerhand auf ein selbstgebautes Floß verfrachtet, dass von den Rettungsbooten gezogen werden sollten. Diese kappten aber schon nach kurzer Zeit die Seile, so dass das Floß 13 Tage im Meer trieb. Als es letztendlich gefunden wurde, leben von den ursprünglich 147 Personen nur noch 15  gerade so und diese hatten sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Diese dramatische (und nicht sehr appetitliche) Katastrophe behandelt der Roman trotz des unschönen Themas mit viel Witz, Intelligenz und Spannung.

Die Geschichte entwickelt der österreichische Autor „Franzobel“ anhand der Einzelschicksale einiger Passagiere (von denen es die meisten – aber vermutlich nicht alle – auch tatsächlich historisch belegt gegeben hat). Das Buch startet hierbei schon am Anfang der Reise und der Autor nimmt sich Zeit die unterschiedlichen Personen und ihre Motive und Hoffnungen, die sich mit der Reise nach Afrika verbinden vorzustellen. Dabei hat der Autor einen interessanten, oft auch humorvoll ironischen Stil. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich am Anfang, dass das Buch zwar in einer zum 19. Jahrhunderten passenden etwas altmodischen Sprache geschrieben ist, aber trotzdem aus der Distanz eines heute lebenden Erzählers erzählt wird, so benutzt der Autor zum Beispiel Vergleiche wie „er war so muskulös wie Arnold Schwarzenegger“ oder „es war ein Gewusel wie an einem Flughafen“. Diese offensichtlich absichtlichen Stilbrüche wirken zuerst mal etwas merkwürdig, ich habe mich aber schnell dran gewöhnt und insgesamt hat mir der Stil des Buches hervorragend gefallen.

Die Geschichte liest sich dann auch sowohl spannend, aber auch lässt sich auch viel Zeit für Charakterentwicklung und Informationen über die politischen Zustände im Jahre 1816 als Frankreich nach den Auswirkungen der französischen Revolution noch immer völlig zerrissen ist zwischen liberalen Revolutionären und Royalisten. Auch diese Konflikte finden sich auf dem Schiff wieder und verstärken die durch die Notsituation ausbrechenden Konflikte. Das Buch ist natürlich etwas brutal, denn auch schon vor den dramatischen Ereignissen ist das Leben auf so einem Schiff nichts für empfindliche Personen…wer sich davon nicht abschreckend lässt wird mit einem Buch belohnt, das aus der Masse heraussticht.

Reiten

Lesetipp: „Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“

„Arschlochpferd 2 – Scheiß auf den Halsring“ ist der zweite Roman von Nika S. Daveron, der als „Ableger“ zu ihrem Blog und ihrer Facebook Seite „Arschlochpferd“ veröffentlicht wurde. Der Blog Arschlochpferd beschäftigt sich mit humorvollen und ironischen Beiträgen mit den Irrungen, Wirrungen und Verrücktheiten der Online- und Offline-Reiterszene.

Nachdem im ersten Band die verplante und ignorante Möchtegern-Einhorn-Reiterin im Mittelpunkt stand, hat der 2. Band eine neue Hauptdarstellerin: Dressursusi, gerade volljährig geworden, hauptberuflich Tochter, von ihren Reitkünsten überzeugt und ambitioniert die Dressurwelt zu erobern, kauft sich ihr erstes eigenes Pferd (bzw. lässt es sich von Mutti kaufen).

Das Buch begleitet Dressursusi und ihr Pferd (der zukünftige Dressurkracher mit dem klingenden Namen „Wonderful Days Mon Amour „) durch die ersten Monate ihrer Karriere als Pferdebesitzerin und Möchtegern-Dressur-Star. Da Dressursusi ähnlich wenig Ahnung von Pferden hat wie die Protagonistin von Band 1 ist dies mit einigen Unannehmlichkeiten für Reiter und vor allem Pferd verbunden. Auch die Geduld von Dressursusis Eltern, Freunden, Reitlehrern und Stallkollegen wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte liest sich wie schon im ersten Band wie eine Mischung aus Roman und humoristischen Sachbuch, es gibt eine  Romanhandlung, die aber immer wieder durch humoristischen Sach-Einlagen aus der Pferdewelt unterbrochen sind, die teilweise auch schon vom Blog bekannt sind. Diese Einschübe wirken manchmal ein bisschen wie ein Bruch im Buch, lockern aber die Romanhandlung trotzdem nett auf. Wenn man von dem Buch nicht erwartet, dass es sich dabei um einen großartigen reinen Roman handelt, bietet das Buch sehr gelungene Unterhaltung mit einer satirischen Erzählweise, die leider wie schon in Band gar nicht so übertrieben ist, wie man es sich wünschen würde (fürs Pferd).