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Lesetipp: ein gelungenes 10-jähriges „Kluftinger“ Jubiläum

„Kluftinger“ ist der 10. Band aus der Krimireihe rund um Kommissar Kluftinger und trägt dazu passend auch schlicht den Namen seines Protagonisten als Titel. Auch der Inhalt des Buches bleibt hier konsequent, mehr noch als in allen anderen Folgen steht der Kommissar im Mittelpunkt und diesmal erfährt der Leser auch zum ersten Mal richtig viel über seine Vergangenheit, privat als auch im beruflichen Sinne. Sogar Kluftingers Vornamen wird verraten (und spielt eine prominentere Rolle als man erwarten würde).

Am Anfang des Buches spielen Ereignisse aus Kluftingers Privatleben die wichtigste Rollen, denn sein Sohn Markus und dessen Frau Yumiko sind tatsächlich Eltern geworden und der Kommissar glänzt in seiner neuen Rolle als Opa. Auch wenn Kluftingers Familie den ganzen Roman über eine wichtige Rolle spielt, ist das Verhältnis zwischen Privatleben und Ermittlung aber gut ausgewogen und sehr positiv fand ich auch, dass der Humor im Buch diesmal weniger klamaukig rüberkommt als in einigen anderen Büchern der Reihe, wo das manchmal etwas zu viel des Guten war.

Besonders gut gefallen hat mir in dem Buch die Darstellung des typisches „Landlebens“ und der Besonderheiten der Bevölkerung, da ich selbst vom Land komme, kann ich das denke ich recht gut beurteilen (auch wenn Schwaben und Bayern natürlich nochmal ein völlig unterschiedlicher Menschenschlag sind ;-)).

Der Kriminalfall steht diesmal völlig im Zeichen von Kluftingers Vergangenheit, denn irgendjemand trachtet dem Kommissar nach dem Leben und Klufti und seine Kollegen durchwühlen dessen Vergangenheit nach jemandem der offenbar auf Rache sinnt…und es scheint gleich mehrere Kandidaten zu geben. Anhand dieser Ermittlung werden immer wieder Episoden aus Kluftingers Vergangenheit geschildert (auch textlich durch Kursivschrift besonders hervorgehoben) und der Leser erfährt nicht nur wie Kluftinger als junger Teenager drauf war, sondern auch wie er seine Frau Erika kennenlernte und wie er zum Kriminalkommissar aufstieg.

Insgesamt fand ich den Band trotz des definitiv genug vorhandenen Humors etwas ernster als manche andere Bänder, was mir aber gut gefallen hat. Der Kriminalfall ist durch die Verwobenheit mit der Vergangenheit etwas ungewöhnlich, kommt aber bei der Auflösung teils fast ein bisschen gemächlich daher. Das Einzige was mir nicht ganz so gut gefallen hat, ist das ein Handlungsstrang der Auflösung am Ende irgendwie gar nicht aufgelöst wurde und der Grund dafür hat sich mir irgendwie auch nicht erschlossen. Das ist aber nur eine Kleinigkeit über die man hinwegsehen kann.

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Buchrezensionen zum Jahresende – Einmal schwermütig, einmal leicht

Das literarische Jahr möchte ich mit zwei sehr unterschiedlichen Büchern beenden, einem das sehr schwer und schwierig ist und zum Ausgleich einmal netter Krimi-Klamauk für zwischendurch 😉

Beile Ratut – „Das Schwarze Buch der Gier“ (Genre: Belletristik)

„Das Schwarze Buch der Gier“ wird aus Sicht von Alba erzählt, einer Frau, die im Alter von 6 Jahren ihren großen Bruder verlor. Bis zu ihrem 6. Geburtstag verlebte Alba eine einfache, aber recht sorglose und behütete Kindheit irgendwo auf dem Land, sie bewunderte ihren größeren Bruder Samuel und fühlte sich von ihren Eltern beschützt und geliebt. An ihrem 6. Geburtstag passiert das Unfassbare, ihr Bruder geht zum Spielen aus dem Haus und kommt nicht wieder. Zuletzt beobachtete sein Freund wie er mit einem Autofahrer sprach. Seitdem ist Samuel spurlos verschwunden und in Albas Elternhaus zieht die Sprachlosigkeit ein. Ihr Vater, schon immer eher ruhig, wird noch schweigsamer. Ihre Mutter stürzt sich in Arbeit und Routine. Alba bleibt ruhig, unauffällig und blass, eine Außenseiterin, gut in der Schule, aber ohne wirklichen Kontakt zu anderen Menschen.

Das Buch spielt teilweise in Albas Kindheit und erzählt in Rückblicken von der Zeit als ihr Bruder verschwand und ihrer Schulzeit danach. Der größte Teil des Buches aber handelt von der erwachsenen Alba und ihrem Versuch einen Platz im Leben zu finden und Kontakte zu ihren Mitmenschen oder zu Männern aufzubauen. Dabei steht immer das Verschwinden ihres Bruders im Weg und ihr Denken wird immer mehr beherrscht von der Frage was ihrem Bruder wohl geschehen ist , wer ihn gestohlen hat und was mit ihm passiert ist. Immer mehr beschäftigt sie sich gedanklich mit den Abgründen der Menschen und der Menschheit, mit Gier, Grausamkeit und dem was aus ihrer Sicht hinter der Fassade der Zivilisation jederzeit lauert, so lange bis sie selbst ganz von Angst und Misstrauen dominiert ist.

Das Buch ist in einem sehr ruhigen, etwas schwermütigen Tonfall geschrieben und ist oft trotz der teilweise sehr verstörenden Texte geradezu poetisch. Mir hat es sehr gut gefallen, es hat nicht viel Handlung, aber die Fragen die aufgeworfen werden, entwickeln eine gewaltige Wucht, am Ende gibt es auch etwas Hoffnung, trotzdem ist es jetzt natürlich nicht unbedingt ein Buch, das man unbeschränkt weiterempfehlen kann. Jedem der auch mal etwas lesen möchte und kann, das nicht immer einfach zu ertragen ist, sollte hier aber auf jeden Fall zugreifen, denn die Autoren ist sehr talentiert.

Volker Klüpfel/Martin Kobr – „Himmelhorn“ (Genre: Regionalkrimi)

„Himmelhorn“ ist schon der neunte Regionalkrimi rund um den unter Regionalkrimi Fans sicherlich jedem bekannten Kommissar Kluftinger. Am Anfang des neuen Falls ist Kluftinger gerade dabei zusammen mit seinem Lieblingsfreund/feind sein neues Elektro-Mountainbike im Oytal bei Oberstdorf auszuprobieren, als die beiden eine grausliche Entdeckung machen, 3 abgestürzte Bergsteiger in der Nähe eines besonders gefährlichen Aufstiegs auf den Himmelhorn, den namensgebenden Berggipfel dieses Krimis. Schnell stellt sich raus, dass es sich dabei um einen relativ bekannten Bergsteiger handelt, der hier mit seiner Produktionsfirma einen Bergfilm drehen wollte, sowie zweier lokaler Bergführer. Während Kluftinger hier relativ schnell wittert, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging, zeigen sich Teile seines Teams merkwürdig demotiviert. Und zuhause ist bei Kluftinger auch viel los, Schwiegertochter Miki ist hochschwanger, der Sohn im Studiumsstress und Kluftinger entdeckt zur Entspannung den Unterhaltungswert einer schmalzigen Vorabendserie.

Ingesamt bietet der neue Kluftinger-Krimi wie immer sehr nette und abwechslungsreiche Unterhaltung. Gut gefallen hat mir diesmal, dass die Handlung weitgehend ohne übertriebenen Klamauk auskommt (das war in ein paar anderen Vorgängerbänden durchaus zu viel des Guten), der Kriminalfall an sich, sowie dass das Oytal so eine große Rolle spielt, da ich in dieser Region selbst schon oft im Urlaub war.

Nicht so gut gefallen hat mir der wieder sehr hohe Anteil an Privatkram, darunter litt der tatsächliche Krimi etwas, vor allem da sehr viele eher unwichtige Nebenstränge in die Handlung eingearbeitet wurden. Ebenso haben die Autoren die Angewohnheiten reale Nachrichten-Ereignisse als kleine Gimmicks in den Geschichten zu verarbeiten, was ich ein bisschen unnötig finde. Insgesamt war es aber auch in der inzwischen 9. Ausgabe ein vergnügliches Leseerlebnis einer Reihe, die bisher noch nicht allzu viele Abnutzungserscheinungen zeigt.