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Buch-Tipp: „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“

„Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ von William Kent Krueger spielt im Jahre 1961 in einer Kleinstadt namens New Bremen im Mittleren Westen der USA. Der 13-jährige Frank lebt dort mit seinem jüngeren Bruder Jake, seiner 18-jährigen Schwestern Ariel und seinen Eltern. Der Vater ist ein methodistischer Pfarrer, der in seinem Beruf zu 100% aufgeht, die Mutter hat die Rolle als „Pfarrersfrau“ eher mäßig motiviert angenommen, nachdem ihr Mann nach den Erfahrungen als Soldat im 2. Weltkrieg das Jurastudium zugunsten seiner Berufung als Geistlicher aufgegeben hat. Sie leitet aber begeistert den Kirchenchor und Ariel gilt als große musikalische Hoffnung.

Frank ist eigentlich ein ganz normaler Junge, etwas wild und risikobereit, außerdem neigt er dazu zu plappern und zu klatschen und auch mal ein bisschen aufzuschneiden. Sein Bruder Jake stottert und ist entsprechend eher ruhig und zurückhaltend, da er viel gehänselt wird. Im Vergleich zu seinem Bruder wirkt er sehr verantwortungsbewusst und erwachsen. Die idyllische Kindheit der beiden Brüder wird in diesem Sommer durch einige Todesfälle getrübt, zuerst wird ein geistig etwas gehandicappter Junge vom Zug erfasst und dann finden Frank und Jake auch noch die Leiche eines Landstreichers in der Nähe der Bahngleise. Doch leider sollen das nicht die einzigen Todesfälle in dem Buch bleiben und der nächste Tod trifft die Familie deutlich schlimmer, so dass deren ganzes Leben aus den Fugen gerät.

Das Buch beginnt trotz der eher tragischen Ereignisse am Anfang mit einer großen Leichtigkeit und auch viel Humor, so dass ich zuerst fast etwas geschockt war als die Ereignisse dann doch abrupt sehr traurig und düster wurden. Allerdings bleibt die Geschichte durchgehend inspirierend und auch im Grunde positiv, so dass das ganze Buch am Ende sehr poetisch und lebensbejahend war. Außerdem ist es erstaunlich spannend und in der Mitte hatte ich fast das Gefühl einen Krimi zu lesen. Am Ende ist die Auflösung der Geschichte dann aber doch etwas zu leicht vorhersehbar (ich habe eigentlich fast alle Wendungen im Voraus erraten), um als Krimi durchgehen zu können, was mich aber nicht gestört hat, da es darum eigentlich gar nicht ging. Die zentralen Themen des Buches sind sicher der Umgang mit einem Verlust, Vergebung und auch wie man in schwierigen Zeiten Hoffnung schöpft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und die Geschichte hat mich sehr berührt. Mir hat auch gut gefallen, dass Frank als Held in dem Buch fast ein bisschen ambivalent war, er hat nicht nur positive Charaktereigenschaften und einige seiner Entscheidungen im Buch haben auch sehr negative Konsequenzen. Ich fand dies durchaus sympathischer als die oftmals sehr eindimensional positiven Charaktere wenn Kinder Hauptpersonen in Büchern sind.

Das Einzige was mir etwas merkwürdig vorkam war dass fast alle Charaktere in dem Buch sehr liberal wirkten, dafür das das Buch 1961 im Mittleren Westen der USA spielte. Ob das so realistisch dargestellt war, kann ich aber auch nicht beurteilen. Insgesamt ein sehr schöner und bewegender Roman, der trotz des eher traurigen Themas nicht deprimierend ist.

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Lesetipp: „Visions of Hanna“ von Rascha Peper

Die letzten beiden Wochen war ich zur Abwechslung einmal mit einem älteren Roman beschäftigt, der bereits 2003 in der 1. Auflage erschien und
den ich aus einer Bücherkiste entnommen habe. Da ich wie alle Bücherbegeisterten dazu neigte viel zu viele Bücher anzuhäufen, kaufe ich inzwischen nur noch sehr selten Bücher und lese stattdessen auch viel auf dem eReader. Physische Bücher lasse ich mir meist nur noch zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken oder bekomme sie entweder geliehen oder eben aus Büchertauschecken, die es ja zum Glück immer häufiger gibt.

„Visions of Hanna“ von der niederländischen Autorin Rascha Peper ist ein Familienroman mit einer eher ungewöhnlichen „Hauptfigur“.
Hanna – die dem Buch den Titel gibt – ist nämlich längst tot. Der Leser erfährt am Anfang des Buches nur vage, dass Hanna nach einem Bootsunglück auf offenem Meer mit einer Yacht versunken ist und und ihre Leiche mitsamt dem Boot nie geborgen wurde. Wie es genau dazu kam bleibt am Anfang offen. Trotzdem bleibt sie zentrales Thema des Buches, denn die Charaktere des Buches haben alle nie wirklich mit Hannas Tod abgeschlossen. Eeder ihr Vater, ein pensionierter Schneider, noch ihr Ex-Freund Gerard, ein Meeresforscher, der inzwischen in New York lebt und auch nicht dessen bester Freund Robin, der Hanna vor Jahren Gerard ausspannte, was zu einem Verwürfnis zwischen den beiden führte. Robin ist Taucher und besessen von dem Gedanken Hanna doch noch zu bergen, auch wenn ihm die Motive dafür selbst nicht 100% klar sind. Auch Emma, Hannas 15-jährige Nichte, ist merkwürdig faszinierend vom Schicksal ihrer Tante und verliebt sich dann auch noch mit der ganzen Leidenschaft einer 15-jährigen in den 37-jährigen Robin.

Die Erzählweise des Buches ist eher ruhig und gemächlich, aber für mich nie langweilig, vor allem weil die Geschichte viel leisen Humor und einen gewissen Hang zur Skurrilität mitbringt. Auch wachsen einem die unterschiedlichen Charaktere in Windeseile ans Herz, so dass die Geschichte mich trotz der relativ wenig „Handlung“ im klassischen Sinn sofort in den Bann zog und auch sehr gut unterhielt. Im Prinzip geht es in dem Buch darüber wie die betroffenen Personen mit Verlusten umgehen, wie sie versuchen ihr eigenes Leben mehr schlecht als recht weiter zu leben und um Versöhnung. Besonders gut gefallen haben mir dabei als Charaktere Emma und ihr Onkel Gerard, in dessen Leben sich auch noch eine Vielzahl weiterer sehr skurril und unterhaltsam ausgearbeitete Nebencharaktere tummeln.

Nicht ganz schlüssig war für mich die Bedeutung eines anderen Charakters (mit einem etwas merkwürdigen Fetisch), der keinen wirklichen Bezug zu Hanna hat, außer dass er am Ende zufällig eine Entdeckung macht, die etwas mit ihr zu tun hat. Außerdem war ich nicht 100% zufrieden mit dem Ende des Buches, das eine etwas vage Andeutung enthielt, die aber nie wirklich aufgelöst wurde. Wirklich überrascht hat mich diese Wendung auch nicht, aber sie hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen hat, da ich sie auch eher unnötig fand. So erweckte das Buch für mich den Eindruck eines wirklich lesenswerten, liebenswerten Romans bei dem ich mir nicht sicher bin ob die Autorin wirklich wusste worauf sie mit dem Buch am Ende heraus will.

 

Bücher

Skandinavien-Krimi: „Die Opfer, die man bringt“ von Hjorth/Rosenfeldt

Heute möchte ich mal wieder einen Skandinavien Krimi vorstellen und zwar „Die Opfer, die man bringt“, den neuesten Band von Hjorth und Rosenfeldt aus der Reihe rund um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann.

Cover

Das Cover zeigt die Silhouette eines Mannes in einem Mantel in dessen Körper sich ein Friedhof erkennen lässt (was irgendwie nix mit der Handlung zu tun hat, Mordopfer spielen in dem Buch eher eine untergeordnete Rolle), ansonsten ist das Cover im typischen Stil der Krimireihe gehalten, was dazu führt dass Leser der Reihe es wohl beim Stöbern sofort erkennen werden. Insgesamt ist das Cover wohl eher noch kein Grund das Buch zu kaufen.

Autor

Die beiden Autoren sind mir persönlich nur von dieser Reihe bekannt, arbeiten wohl aber zum Beispiel auch als Drehbuchautoren (z.B. „Die Brücke“).

Charaktere

Die Charaktere der Polizisten und natürlich von Sebastian Bergmann nehmen in dieser Reihe auf jeden Fall eine sehr zentrale Rolle ein. Oft dreht sich die Handlung mindestens genauso viel – wenn nicht sogar noch mehr – um das Privatleben des Ermittlungsteams als um den Kriminalfall. Und da gibt es mehr als genug Stoff. Sebastian Bergmann ist zwar Kriminalpsychologe, aber selbst im Bereich Empathie und Sozialkompetenz eher schwach bestückt. Außerdem nimmt seine ungesunde Obsession mit seiner erwachsenen Tochter Wanja, die auch Teil des Ermittlungsteams ist, wie in jedem Krimi der Reihe einen Teil der Handlung ein. Sebastian Bergmann ist sicher einer der schillerndsten Figuren im Krimi-Bereich im Moment und sicher auch eine der Provozierendsten. Auch über die Kommissare Ursula, Torkel und Wanja erfahren wir in diesem Buch wie immer Privates und erfreulicherweise haben zumindest diese in diesem Roman eher normale Probleme (oder sogar mal gar keine). Dafür wirken gegenüber Jungpolizist Billy sogar die meisten Kriminellen noch normal. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte an der Reihe, man ist aus skandinavischen Krimis ja Einiges an „kaputten“ Kommissaren gewohnt, aber bei Hjorth und Rosenfeldt hat man zuweilen das Gefühl, dass sie Charakterentwicklung nur über Eskalation vorantreiben können. Das ist mir dann doch langsam etwas zu viel des Gutes, zumal Sebastian Bergmann als Hauptcharakter eben auch schon ein Extrem darstellt.

Plot

Im Zentrum der Krimihandlung steht eine Vergewaltigungsreihe, die etwas außergewöhnlich ist. Der Täter scheint nicht wahllos Frauen anzugreifen, sondern die Opfer gezielt herauszusuchen. Außerdem scheinen sich zumindest ein paar der Frauen zu kennen. Insgesamt hat mir die Handlung des Kriminalfalls recht gut gefallen, da es sich nicht um eine typische „psychopathischer Serienkiller“ Handlung handelt. Die Suche nach Motiv und Identität des Täters bleibt aber aufgrund der vielen privaten Nebenstränge fast ein bisschen im Hintergrund, was dazu führt dass die Auflösung des Falls gefühlt schleppend voranschreitet. Die Auflösung ist dann durchaus überraschend, aber am Ende in Teilen mal wieder ein bisschen dick aufgetragen.

Schreibstil

Die Kapitel im Buch sind eher kurz, durch den klaren und direkten Schreibstil kommt Spannung auf. Ich sehe beim Schreibstil einen klaren Pluspunkt für das Autorenduo, denn sie sind sehr gut darin den Leser zu fesseln, obwohl die Bücher immer recht komplexe unterschiedliche Handlungen miteinander vereinen.

Fazit

Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Kriminalfall ordentlich und auch die privaten Handlungsstränge sind fesselnd. Trotzdem lässt mich die Reihe immer ambivalent zurück und selbst kaufen würde ich die Bücher wohl eher nicht mehr (ich „erbe“ sie immer von meiner krimibegeisterten Mutter). Die Krimis sind auf jeden Fall nur etwas für Kenner der Reihe, denn würde man das aktuellste Buch lesen ohne die Vorgänger zu kennen, bliebe man wohl ziemlich verwirrt zurück, da die privaten Handlungsstränge alle Vorkenntnisse benötigen. Ansonsten stört mich, dass die Autoren gefühlt bei jedem Buch immer noch was drauf legen müssen was die moralischen Abgründe und schockierenden Verhaltensweisen angeht, das ist mir persönlich zu plump. Auch in diesem Buch wird am Ende mal wieder eine Entwicklung ins Spiel gebracht, die eher abstoßend ist und meiner Meinung nach auch eher unnötig. Insgesamt finde ich die Reihe unterhaltsam, allerdings trifft sie nicht wirklich zu 100% meinen Geschmack.

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Krimi-Tipp: „Die Suche“ von Charlotte Link

In den letzten Monaten habe ich einige sehr dicke Krimis von Deutschen Autorinnen (Nele Neuhaus und Petra Hammesfahr) gelesen, die ich von meiner Mutter „geerbt“ habe und die ich aber eher langatmig fand. Deswegen hatte ich fast schon Bedenken einen weiteren anzufangen, habe mich aber trotzdem an „Die Suche“ von Charlotte Link gewagt, da die Handlung auf dem Klappentext sehr interessant klang. Und diesmal wurde ich von der Geschichte auch nicht enttäuscht, obwohl das Buch auch ein sehr dicker Wälzer ist und es sich nicht um eine klassische Krimihandlung handelt.

Das Buch beginnt mit dem Verschwinden des 14 jährigen Teenagers Hannah. Sie verpasst sehr zum Ärger ihres überbehütenden und kontrollsüchtigem Vater nach einem Besuch bei ihrer Großmutter den verabredeten Zug nach Hause und lässt sich von einem zufällig vorbeikommenden Nachbarsjungen mitnehmen. Dieser setzt sie am Zielort ab, aber als Hannah dort versucht ihren Vater zu erreichen, geht der nicht ans Telefon. Wenig später verschwindet Hannah spurlos und wird nie wieder gefunden. Jahre später wird die Leiche einer anderen 14-jährigen gefunden, gleichzeitig verschwindet in einem kleinen Küstenstädtchen die 14-jährige Amely, die aber nach ca. einer Woche unter sehr mysteriösen Umständen wieder auftaucht und aufgrund des erlebten Traumas nicht erzählen kann was passiert ist. Und dann gibt es noch Mandy, eine 14-jährige aus einem schwierigen Elternhaus, die nach einem Streit mit ihrer Mutter von Zuhause weggelaufen ist.

Die Scotland Yard Polizistin Kate aus London hat eigentlich gar nichts mit dem Fall der 14-jährigen Amely zu tun, da sie aber aus privaten Gründen in der Pension von deren Eltern übernachtet als diese verschwindet, wird sie mehr oder weniger gegen ihren Willen in den Fall hineingezogen. Eigentlich ist der leitende Ermittler nämlich Caleb Hale, mit dem Kate schon vor einigen Jahren zu tun hatte, als ihr Vater brutal ermordet wurde (dies ist die Art etwas unwahrscheinlicher Zufälle über die man in einem Krimi halt mal hinwegsehen muss ;-)). Lange stochert Caleb Hale im Nebel und es ist unklar ob es sich bei den Fällen der verschwundenen Teenager um eine Serie handelt. Außerdem gibt es viele Verdächtige, die alle Dreck am Stecken zu haben scheinen. Kate ist zudem noch ziemlich mit ihrem Privatleben beschäftigt, das Haus ihrer Eltern das sie vermietet hatte, wurde von ihren Mietern verwüstet und verdreckt zurück gelassen (auch der Grund warum sie in der Pension von Amelys Eltern unterkam), außerdem hat sie nach Jahren des erfolglosen Online-Datings plötzlich sogar 2 Verehrer, die um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Trotzdem schafft sie es nicht sich aus dem Kriminalfall rauszuhalten, obwohl sie weiß dass Caleb Hale davon nicht begeistert sein dürfte.

Insgesamt hat das Buch also auch fast alle Zutaten, die mich an den anderen beiden Krimis der letzten Zeit gestört haben, die Geschichte ist ziemlich komplex und es geht in der Mitte ermittlungstechnisch wenig voran. Trotzdem konnte mich „Die Suche“ fast komplett überzeugen, denn die Geschichte ist zwar sehr vielschichtig, aber gut erzählt und kann auch mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen. Und ganz am Ende kommt tatsächlich noch eine thrillerartige Hochspannung auf . Außerdem fand ich die Charaktere in dem Buch alle sehr gut und vielschichtig herausgearbeitet, auch Kate fand ich sympathisch und glaubwürdig geschildert. Natürlich gibt es einige Punkte die man kritisieren könnte, so sind die Probleme der Ermittler sicher auch etwas klischeehaft und nicht gerade neu in der Krimiwelt (Kommissar mit Alkoholproblem und Kommissarin mit Selbstbewußtseinsproblem in Sachen Beziehungen…), allerdings ist es vermutlich auch eher schwierig in dem Bereich noch neue Ideen zu entwickeln. Und die Kommissare wirkten definitiv nicht so problembehaftet wie es bei manchen nordischen oder skandinavischen Reihen eine Zeitlang Mode war. Insgesamt für mich von den relativ neu erschienen Krimis der großen Deutschen Autorinnen mit Abstand der Beste.

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Promi-Autobiografie: „Ich war mein größter Feind“ von Adele Neuhauser

Adele Neuhauser ist aktuell meine Lieblings-Tatort-Schauspielerin. Ich muss zugeben, dass ich vor dem Tatort ihren Namen und ihr Gesicht auch schon kannte und sicher die eine oder andere Produktion gesehen hatte, aber leider nicht näher mit ihrer künstlerischen Arbeit vertraut war. Das lässt sich für ihre vergangene Arbeit als Theaterschauspielerin nicht mehr ändern, aber ich hoffe, ich werde die Zeit finden zumindest noch mehr von ihren anderen Filme und Serien anzuschauen. Die Tatort Figur der „Bibi Fellner“ finde ich aber dermaßen
charmant und gelungen, dass ich auf Anhieb zu einem Riesenfan von ihr wurde (ich war etwas entsetzt in dem Buch zu lesen, wie laut Adele Neuhauser die künstlerische Ausgestaltung von Bibi Fellner von den Deutschen Sendeanstalten – explizit nicht den Österreichischen – eingeschränkt wird…da wundert es mich nicht mehr, dass alle neuen Tatort Kommissare gefühlt nach 3 Folgen schon wieder hinwerfen 😛 ) und deswegen habe ich mich auch sehr darauf gefreut ihre Autobiografie zu lesen, die mir auch von meiner Freundin von Glimrende empfohlen wurde.

Das Buch macht auf den ersten Blick mit dem Titel „Ich war mein größter Feind“ einen eher düsteren Eindruck, ich kann in der Hinsicht allerdings Entwarnung geben, denn das Buch ist keineswegs traurig oder deprimierend, sondern sehr menschlich, unterhaltsam, berührend und abwechslungsreich. Adele hat das Buch nach eigener Aussage nach einer (unerwartet) sehr schweren Zeit in ihrem Leben geschrieben, nämlich nachdem beide Eltern und ihr Bruder Alexander innerhalb kurzer Zeit verstorben sind. Trotzdem ist es ein sehr lebensbejahendes und nach Vorne blickendes Buch geworden.

Es ist keine klassische chronologische Autobiographie, die mit der frühen Kindheit anfängt und sich ins Erwachsenenleben fortsetzt, sondern es sind ineinander abgeschlossene Kapitel, die sich jemals mit einem anderen Abschnitt oder Thema aus Adeles Leben beschäftigt. Dabei gibt es eine sehr gelungene Ausgewogenheit zwischen beruflichen und privaten Themen, es gibt tiefere Einblicke in Adeles Theaterkarriere (was ich sehr spannend fand, da ich mich mit diesem Teil des Showbusiness wenig auskenne) und dem damit verbundenen künstlerischen Prozess, sowie Einblicke in ihre spätere mehr TV- und Filmorientierte Karriere. Aber auch ihre Kindheit, die Lebensgeschichte ihrer Eltern, ihre Ausbildung, ihre Ehe und ihr Sohn, sowie Reflektionen über ihr eigene Entwicklung kommen nicht zu kurz. Der Schreibstil ist kurzweilig, gut zu lesen, nicht übermäßig sentimental, aber trotzdem sehr ehrlich und berührend, so dass ich das eine der schönsten Autobiografien fand, die ich bisher gelesen habe. Zudem ist Adele Neuhauser wie ich finde wirklich ein sehr faszinierender und besonderer Mensch.

Aufgelockert wird das Buch mit sehr schönen Bildern von Adele in jedem Alter und von ihren Familienmitgliedern.

Bücher

Buchtipp: „Schamlos“ von Bile und Srour

Heute möchte ich ein Sachbuch für Jugendliche vorstellen, nämlich „Schamlos“ von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz.

Die 3 Autorinnen sind norwegische Bloggerinnen, Muslimas und Feministinnen, die gemeinsam dieses Buch für junge Mädchen geschrieben haben. Im Buch erzählen sie erstens selbst von ihren Erfahrungen darüber wie es ist als muslimisches Mädchen „mit Migrationshintergrund“ in einem westlichen Land wie Norwegen aufzuwachsen, gleichzeitig haben sie aber auch einige anonyme Geschichten (bzw. eher Kurzberichte) von anderen Mädchen aus ihren Communities aufgenommen. Abgerundet wird das Buch mit einigen Fotos aus dem Leben der Autorinnen, sehr sehr hübschen Illustrationen sowie durch Diskussionen zwischen den Dreien über Politik, Gesellschaft, „negative soziale Kontrolle“ und die sonstigen im Buch behandelnden Themen. Diese Diskussionen sind im Buch durch pinke Blasen abgebildet, was das Schriftbild sehr schön auflockert und das Gefühl eines spontanen Chats vermittelt. Generell ist das Buch sehr hübsch und und leicht lesbar gestaltet und hat mit ca. 150 Seiten eine angenehme Länge, die es sehr kurzweilig macht und sicher für die angepeilte Zielgruppe junger Mädchen auch sehr zugänglich. Ein paar wenige Geschichten waren nicht auf Anhieb verständlich wenn man nicht aus Norwegen kommt (so geht es in einem Artikel um eine norwegisches Abi-Tradition, von der ich noch nie gehört hatte und einmal um eine norwegische Fernsehserie für Teenager, diese werden aber in den Fußnoten am Ende des Buches erklärt.)

Die Geschichten und Diskussionen behandeln alle möglichen Themen wie Religion, Familienleben, Sex/Aufklärung, Mobbing, Rassismus, das Verhältnis zwischen muslimischen Jugendlichen und ihren Eltern, Schule und Politik. Viele schwierige Themen mit Zündstoff also, die im Buch aber sehr direkt und locker rübergebracht werden, so dass man nie das Gefühl hat ein „schweres“ Buch zu lesen, sondern ein sehr lebendiges und sympathisches Buch das zum Nachdenken und Debattieren anregt und außerdem eine Anlaufstelle für junge Mädchen sein will, die niemanden haben mit dem sie über solche Themen reden können.

Ich finde das Buch ist absolut lesenswert und vor allem für jeden geeignet, der sich seine Meinungen über das Leben anderer Menschen gerne anhand derer eigener Erzählungen und Erfahrungen bildet und nicht anhand seiner eigenen festgefahrenen Meinungen und Vorurteile. Von dem her ist es sicher auch ein Buch das möglichst viele erwachsene Politiker, Lehrer und sonstige Menschen lesen sollten um nicht immer nur „über“ andere Personengruppen zu diskutieren sondern mit ihnen.

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Krimi-Rezension: „Als Luca verschwand“ von Petra Hammesfahr

„Als Luca verschwand“ ist der neueste Kriminalroman von Petra Hammesfahr. Ich habe schon einige Bücher von ihr gelesen und habe sie eher als eine Autorin in Erinnerung, die in ihren Thrillern auf Hochspannung setzt. Deswegen war ich gespannt ob das Thema „ein Säugling verschwindet“ in dem neuesten Buch nicht zu reißerisch oder nervenaufreibend umgesetzt sein würde. Die Befürchtung war allerdings völlig unbegründet, denn „Als Luca verschwand“ ist definitiv kein Thriller, eigentlich noch nicht mal wirklich ein Krimi. Ich würde es am Ehesten als Familiendrama rund um einen Kriminalfall bezeichnen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Familie des 9-monatigen Luca. Dieser wird von seiner Mutter Mel bei einem Einkauf vor dem Drogeriemarkt abgestellt, während sie mit dessen 3-jährigem Bruder Einkäufe erledigt. Als sie den Laden verlässt ist Luca verschwunden. In seiner Nähe wurde eine stadtbekannte Frau gesehen, die dafür bekannt ist, dass sie kleinen Kindern Lollies schenkt und ansonsten aber als harmlos gilt. Natürlich gerät sie sofort unter Verdacht, aber auch die Mutter und Lucas Familie scheint nicht ganz koscher:
warum zum Beispiel lies Mel den Kinderwagen mit Luca unbewacht im Freien stehen? Was für Konflikte schwelen in der Familie und was hat Mels angespanntes Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter Gabi – einer schrulligen aber bekannten Krimiautorin – mit der Sache zu tun? Der ermittelnde Kommissar Klinkhammer steht zudem unter besonderem Druck, denn er kennt Gabi – die Oma des kleinen Luca – schon länger.

Das Buch hat ein eher ruhiges Erzähltempo und außerdem viele Perspektivenwechsel. Normalerweise mag ich das, allerdings fand ich es in diesem Buch fast etwas too much, da es teilweise etwas schwer war den ständigen Sprüngen zu folgen.Nach und nach werden die Motive der einzelnen Personen und die Hintergründe der belastenden Familienbeziehungen aufgedeckt. Parallel erfährt der Leser mehr von Anni, der Frau, die Luca angeblich entführt haben soll und deren tragischer Lebensgeschichte. Die Kommissare ermitteln in beide Richtungen, da völlig unklar ist wer Luca nun wirklich entführt hat.

Im Prinzip ist die Geschichte durchaus sehr interessant und ich mag eigentlich auch ruhige komplexe Geschichten, allerdings fand ichdass in diesem Roman die Hintergründe der Familienmitglieder fast ein bisschen langsam und nur häppchenweise aufgedeckt wurden, was dazu führte dass man oft nicht wirklich nachvollziehen konnte, warum einzelne Personen so irrational handelten, da man gar nicht wußte warum es Spannungen mit anderen Personen in der Familie gibt.
Auch die Handlungsweisen der Kommissare fand ich in Teilen nicht nachvollziehbar. Dass man ermittelt obwohl man wie Kommissar Klinkhammer mit der betroffenen Familie näher verbandelt ist, kommt in Romanen ja öfters vor, aber dass man deswegen auch noch Alleingänge macht und wichtige Infos nicht weitergibt, wirkte dann doch etwas zu viel des Guten. Außerdem fand ich es etwas irritierend, dass in dem Buch ein 9-monatiges Kind verschwindet und trotzdem gefühlt die Hälfte der Personen im Buch ständig mit Infos hinter dem Berg halten, obwohl sie selbst gar keinen wirklichen Grund dazu haben. Das Verschwinden von Luca bleibt deswegen auch gefühlt fast eine Nebensache.

Aus all diesen Gründen hat mich das Buch nicht so wirklich vom Hocker gerissen, auch wenn ich den Kriminalfall im Prinzip nicht uninteressant fand. Für mich ein Buch, das man zur Unterhaltung gut lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss.

Allgemein, Bücher

Besondere Short Stories: „Cat Person“ von Kristen Roupenian

Heute möchte ich einen Kurzgeschichtenband vorstellen, der für mich wirklich aus der Masse der Bücher herausgestochen ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
„Cat Person“ von Kristen Roupenian ist eine Sammlung von 12 Stories. Die titelgebende Geschichte wurde ursprünglich im New Yorker veröffentlicht, über einen Internet Hype bekannt und von Feuilleton-Zeitschriften mit Lob und Superlativen geradezu überhäuft. Laut THE GUARDIAN ist „Cat Person“ 2,6 Millionen mal geteilt worden und somit die ‚meistdiskutierte Story aller Zeiten‘ (ich vermute geteilt heißt auf Twitter, was ich nicht nutze und ergo hätte ich die angeblich meistdiskutierte Story aller Zeiten schlicht überhaupt nicht mitbekommen , wäre ich nicht beim Stöbern auf den Kurzgeschichten-Band gestoßen 😉 Spannend hierbei ist, dass die Geschichte wohl wirklich viral im Internet so oft verbreitet wurde, dass die Autorin allein daraus einen millionenschweren Vertrag für den zugehörigen Kurzgeschichten-Band bekommen hat, eine Art als Schriftsteller einzusteigen, die denke ich auch heute noch eher eine Ausnahme darstellt.

Mich machen solche übertriebene Lobpreißungen allerdings meist eher etwas skeptisch und da ich in letzter Zeit sowieso eine Pechsträhne mit Büchern hatte, die mich nicht wirklich überzeugt haben, ging ich eher ohne allzu große Erwartungen an das Buch heran. Auch lese ich das Genre Kurzgeschichten eher selten. Die Frage ist also, wie fand ich das Buch: Überraschenderweise muss ich sagen, dass es mich wirklich vom Hocker gehauen hat, denn die Geschichten sind kreativ, gemein, böse, brilliant geschrieben, teilweise schockierend, irritierend, anregend und kurzweilig, oft auch witzig…wirklich bemerkenswert etwas inhaltlich und stilistisch derart auf den Punkt gebrachtes und brilliant geschriebenes als Debut herauszubringen.

Trotz meiner Lobeshymne wird das Buch vermutlich nicht für jeden etwas sein, denn es ist wie jemand anders irgendwo treffend schrieb kein „nettes“ Buch. Die Geschichten legen schonungslos die Abgründe menschlicher Begierden, Sehnsüchte und verkorkster Beziehungen offen und sind dabei auch oft noch auf eine Art und Weise gemein, die mich an Roald Dahl denken lies (obwohl die Stories vom Inhalt her eigentlich völlig anders sind und natürlich weitaus moderner).

Die „Hype-Geschichte“ Cat Person fand ich auch wirklich gelungen, darin geht es um eine junge Frau (gerade dem Teenager Alter entwachsen), die einen älteren Typen kennenlernt und nach einer spaßigen und charmanten Chat-Flirt-Arie mit ihm ins Bett steigt, nur um festzustellen, dass das reale Erlebnis doch eher ein Erwachen mit Schrecken ist, es geht um Begierde, Flirten, schlechten Sex,…trotzdem ich die Story wirklich gut fand, gibt es doch einige Geschichten, die ich zwar einerseits skurriler, aber andererseits sogar noch einen Ticken genialer fand. Die meisten Geschichten im Buch beschäftigen sich mit den Irrungen und Wirrungen von sexuellen Beziehungen zwischen Frau und Mann oder Frau und Frau, es gibt aber auch einige Geschichten in denen einen Mutter-Kind Beziehung im Vordergrund steht oder die aus Sicht eines Kindes erzählt wird.

Bücher

Buch Tipp: „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ von Emma Braslavsky

„Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ von Emma Braslavsky ist ein Buch auf das ich ausschließlich wegen des ungewöhnlichen Titels aufmerksam geworden bin. Den Klappentext fand ich auch interessant, konnte mir aber konkret wenig unter dem Buch vorstellen. Es hat aber auf jeden Fall sofort meine Neugierde geweckt. Auch Cover und Gestaltung der Hardcover Ausgabe sind überdurchschnittlich gelungen, weswegen ich froh bin, dass ich mir die gebundene Ausgabe des Buches als Geschenk gewünscht hatte. Worum geht es nun aber?

Das Buch kann wohl am Ehesten als Menschheits-Satire beschrieben werden oder als Abenteuerroman über das Schicksal der Menschheit, wie die Autorin es in einem Interview glaube ich ungefähr formuliert hatte. Das Buch spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, wann genau erfährt der Leser aber nicht. Der Eindruck, dass es sich um die Zukunft handelt wird daraus gewonnen, dass Wissenschaft und Technik etwas weiter fortgeschritten zu sein scheinen (so kann z.B. die Smartwatch der Hauptfigur Gewitter inzwischen punktgenau voraussagen) und dass der Klimawandel wohl so weit voran geschritten ist, dass Orkane und andere Extremwetterlagen deutlich mehr Menschen töten als heutzutage sowieso schon., Allerdings wirkt die Weltlage doch mehr oder weniger wie heute, so dass das Buch sich sehr aktuell anfühlt und nicht wie eine ferne Dystopie oder Utopie.

Hauptpersonen des Buches sind einerseits Jo und Jivan, ein Pärchen Ende 30, das auf den ersten Blick nicht besonders gut zusammenpasst. Jo ist eine freiheitsliebende und fanatische Umweltaktivistin, die unbedingt die Welt retten will (oder wenigstens in einer entsprechenden Organisation beruflich ganz nach oben kommen). Jivan ist ein ziemlich chauvinistischer Loser, der sein mit dem Bau von Bunkeranlagen verdientes Geld ständig durch seine Spielsucht (Online-Games) verliert und sich deswegen in eine finanziell unmögliche Lage manövriert hat, von der er seiner Frau Jo aber nichts erzählt. Sein Verhältnis zu Jo wirkt eher manisch und unter Liebe scheint er zahlreiche Manipulationsversuche zu verstehen.

Die zweite Hauptperson des Buches ist Roana, eine 19-jährige, die von ihrem Vater zu einem einsamen Sabbatical am Fuße eines Vulkans verdonnert wurde (angeblich eine Familientradition), damit sie endlich erwachsen wird und in seine langweiligen beruflichen Fußstapfen tritt. Roana aber hält es erstens in der einsamen Einöde nicht aus und setzt sich nach Buenos Aires ab und ist zweitens (ziemlich größenwahnsinnig) davon überzeugt dass sie zu Höherem berufen ist, nur wozu genau und wie weiß sie noch nicht.

Die dritte Hauptperson des Buches ist kein Mensch, sondern eine Insel…und zwar eine die bisher keine kannte. Freigelegt durch einen Orkan wird sie zum Symbol für einen Neuanfang (oder die Rettung?) der ganzen Menschheit, die eine ganze Armada von Staaten, Organisationen und Gruppierungen für sich beanspruchen möchte, notfalls auch gewaltsam.

Das Buch folgt seinen Protagonisten mit viel Wortwitz und Ironie durch die Irrungen und Wirrungen ihrer Versuche gleich die Welt zu verbessern oder alternativ zumindest ihre eigene Haut zu retten. Das Buch ist sicher nicht für jeden was, denn es ist nicht sehr linear, oft absurd und sehr verspielt, ich fand es aber sehr unterhaltsam und interessant. Was mir auch gefallen ist, dass dem Buch seine schwierigen Charaktere trotz aller Satire trotzdem am Herz zu liegen scheint und diese mit all ihren Unzulänglichkeiten liebevoll gestaltet sind. Das Buch ist also nicht zu zynisch, was bei Satiren schnell mal dazu führt, dass sie ins Verächtliche oder Destruktive abdriften (ein Problem, dass ich zum Beispiel mit „The White Tiger“ von Aravind Adiga hatte, das ich vor einiger Zeit gelesen habe). Für mich also ein sehr gelungenes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der es etwas außergewöhnlicher mag.

Das Buch hat übrigens auch einen sehr unterhaltsamen musikalischen Buchtrailer:

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Krimi-Tipp: „Todesstiche“ von Nina Darnton

„Todesstiche“  von Nina Darnton kommt optisch im typischen Thriller Design daher, auch der Titel klingt natürlich nach einem eher reißerischen Thriller (die dazu abgedruckte Wespe passt null zur Handlung und ist wohl eine sehr unkreative Verarbeitung des Wortes „Stich“ im Titel). Dieser Eindruck täuscht aber eher, was vielleicht für eine Vermarktung des Buches nicht ganz optimal ist, denn eigentlich handelt es sich bei dem Buch eher um einen psychologischen Krimi oder sogar noch eher um einen Entwicklungsroman der Hauptperson Jennifer und ein Familiendrama.

Die Hauptrolle im Buch spielt Jennifer, eine amerikanische Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Ihr Mann arbeitet den ganzen Tag als Haushalt und Jennifer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die perfekte verständnisvolle Helikopter-Mutter für ihre 3 Kinder zu sein. Auf andere berufstätige Mütter schaut sie eher herunter und sie ist stolz auf ihr geradezu perfektes Leben und ihre perfektes Leben. Sie ist also geradezu unerträglich unsympathisch 😉 und man wünscht ihr irgendwelche Probleme geradezu auf den Hals. Diese kommen dann auch in Form einer Hiobsbotschaft aus Spanien, wo ihre älteste Tochter Emma aktuell studiert. Emma wurde festgenommen, nachdem in ihrer Wohnung ein Mann erstochen wurde. Laut Emma versuchte er sie zu vergewaltigen, worauf ein zufällig vorbeikommender Algerier ihn erstach, um Emma zu retten. Jennifer fliegt sofort nach Spanien, um ihrer Tochter zur Seite zu stehen. Während die Polizei Emmas Geschichte für höchst unglaubwürdig hält und immer mehr Indizien gegen ihre Version sprechen, hält Jennifer eisern zu Emma, bis auch ihr immer mehr Zweifel an ihrer Tochter kommen.

Der Ausgangspunkt des Buches erinnerte mich etwas an den Fall Amanda Knox (auch wenn der Mordfall sich letztendlich nicht sehr ähnelt), weswegen das Buch mein Interesse weckte (ich hatte erst vor einiger Zeit eine Netflix Doku über Amanda Knox gesehen). Das Buch hat mich definitiv auch nicht enttäuscht, es ist gut geschrieben, die Infos über Land und Leute wirken kompetent recherchiert und mir gefiel sehr gut, dass die Autorin sehr viel Wert auf Charakterentwicklung und psychologische Hintergründe legt. Das Buch las sich eher wie altmodischer psychologischer Krimi a la Ruth Rendell, was schon immer ein Krimi-Genre ist, dass ich besonders liebe. Auch macht Jennifer im Laufe des Buches eine glaubhafte Entwicklung durch, so dass sie einem doch fast noch sympathisch wird. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, allerdings finde ich die Vermarktung als Thriller bei der Deutschen Ausgabe etwas unglücklich, da Thriller-Fans vermutlich enttäuscht sein werden (die englische Originalausgabe heißt zum Beispiel „Perfect Mother“, was auch viel besser zum Inhalt passt). Diese Ambivalenz verspürte wohl auch der Verlag zu irgendeinem Zeitpunkt, denn es sind im Internet zwei Cover Versionen zu finden, einen mit Untertitel „Thriller“ und einen mit Untertitel „Roman“.

Als Schwachpunkt würde ich sehen, dass eigentlich gar nicht so wirklich viel passiert, so dass man nicht wirklich von Überraschungen in der Handlung sprechen kann. Auch die eine existierende Wendung hat etwas Unausweichliches, weswegen sie nicht wirklich überrascht. Trotzdem für mich ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch.