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Buchtipps Mai: Krimi und Young Adult

Diese Woche möchte ich 2 ältere Bücher aus unterschiedlichen Genres gemeinsam vorstellen, die ich im letzten Monat gelesen habe. Das erste ist ein Young Adult Roman, den mir meine Freundin von Glimrende schon vor längerer Zeit empfohlen hat. Das zweite ist mal wieder ein Krimi der Deutschen Beststellerautorin Charlotte Link, für die ich in den letzten Monaten ein wiedererwachtes Faible entwickelt habe.

„Nicht nur ein Liebesroman“ von Emma Mills

„Nicht nur ein Liebesroman“ von Emma Mills ist ein Young Adult Roman, ein Genre das ich auch als Erwachsene persönlich sehr gerne mag. Hauptperson des Buches ist die 17-jährige Sloane, die mit ihren Eltern von New York nach Florida zieht. Sloane ist eigentlich ein ziemlich selbstbewußter Teenager, sie ist eine exzellente Sängerin und hat einen Hang zu ironischen und schnippischen Bemerkungen. Trotzdem hatte sie aber offenbar an ihrem früheren Wohnort Schwierigkeiten echte Freundschaften aufzubauen. Umso sehr freut sie sich, dass sie in Florida schnell Anschluß findet. Auf einer Party lernt sie die Zwillinge Vera und Gabe kennen, Vera ist glamourös, Social Media Sternchen, eine Lichtgestalt um die sich der gesamte Freundeskreis dreht. Gabe ist eher verschlossen, neigt zu Mißmutigkeit und ist zunächst mal gar nicht so begeistert von Sloane, die ihn auf der Party ungebeten gegen einen Mobber verteidigt.

Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben worum es in dem Buch genau geht, wie der Titel schon sagt, ist es „Nicht nur ein Liebesroman“ und die natürlich wie in den meisten Young Adult Romanen vertretene Liebesgeschichte spielt auch wirklich eine eher untergeordnete Rolle. Hauptthema des Buches ist wohl Sloane selbst, ihre Entwicklung und ihre Beziehungen zu ihrer Familie und zu ihren Freunden. Mir hat gut gefallen, dass Sloane kein typischer Young Adult Charakter ist, oftmals erzählen diese Bücher eine „vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan“ Geschichte und die Protagonisten haben anfangs Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein oder ihrem Aussehen, doch obwohl Sloane Schwierigkeiten mit Nähe hat, ist sie von Anfang ein starker Charakter der gerade deswegen oft aneckt. Auch die anderen Charaktere im Buch werden zwar eher nebenbei ausgearbeitet, sind aber vielschichtig und interessant und auch die Probleme in Sloanes Familie werden mit Humor und Leichtigkeit thematisiert.
Der Schreibstil des Buches ist anfangs etwas ungewöhnlich, etwas spröde und sprunghaft vielleicht, genau wie ihr Hauptcharakter Sloane, aber wenn man sich darauf einlässt entwickelt die Geschichte auch gerade dadurch eine schöne Faszination.

„Die letzte Spur“ von Charlotte Link

„Die letzte Spur“  von 2014 ist ein weiterer ziemlich dicker Wälzer der Deutschen Schriftstellerin Charlotte Link. Im Zentrum des Geschehens steht Elaine Dawson, eine junge Frau vom Land, die ein ziemlich trostloses Leben führt. Nach dem Tod der Eltern pflegt sie alleine ihren nach einem Unfall querschnittsgelähmten und verbitterten Bruder. Sie sieht keine Perspektive ihrem tristen Leben zu entfliehen und fühlt sich als ewige Verliererin. Als ihre frühere Schulfreundin Rosanna sie zu ihrer Hochzeit nach Gibraltar einlädt wagt sie sich trotzdem in dieses für ihre Verhältnisse große Abenteuer. Als aufgrund Nebels ihr Flug nach Gibraltar gestrichen wird und Elaine am Flughafen strandet, trifft sie auf den Anwalt Marc, der sie aus Mitleid mit zu sich nach Hause nimmt. An nächsten Morgen setzt er sie nach eigener Aussage in die Bahn zum Flughafen. Ab diesem Moment hat niemand mehr was von Elaine gesehen oder gehört.
Fünf Jahre später langweilt sich die Journalistin Rosanna in ihrem Leben in Gibraltar, ihre Ehe ist in keinem guten Zustand und als sie von ihrem ehemaligen Chef in England den Auftrag bekommt eine Reportage über verschwundene Frauen zu schreiben in der auch Elaines Geschichte nochmal aufgearbeitet werden soll, nimmt Rosanna den Auftrag begeistert an. Doch schnell ist sie in die Geschichte persönlicher und emotionaler verstrickt als sie es sich vorgestellt hatte.

Bei der Geschichte handelt es sich nicht um einen reinen Krimi in klassischem Sinne, der Plot ist sehr komplex und raffiniert und wird nach und nach aufgedröselt, die Charaktere sind sehr interessant und trotz der eher ruhigen Erzählweise kommt teilweise sogar richtige Thrillerspannung auf. Mir hat diese Mischung aus Beziehungsdrama und Krimi mit Thrillerelementen wirklich sehr gut gefallen und wie immer liefert Charlotte Link mit dem Buch auf sehr hohem Niveau ab.

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Buchtipp: „Der Outsider“ von Stephen King

„Der Outsider“ von Stephen King ist sicher kein 100% klassischer Krimi, da er ähnlich wie die Romane der „Mr. Mercedes“ Trilogie auch übernatürliche Elemente enthält. Der Roman spielt überwiegend in Flint City, Oklahoma, einer Kleinstadt in der der College-Professor und Baseballtrainer Terry Maitland beliebt und hochangesehen ist. Um so schockierender ist es als ein kleiner Junge ermordet und verstümmelt aufgefunden wird und gleich diverse Zeugen Terry Maitland eindeutig als Täter identifizieren. Auch forensische Spuren bestätigen seine Täterschaft. Der Polizist Ralph Anderson lässt sich aufgrund der völlig unmissverständlichen Ausgangslage und der Tatsache, dass Terry auch seinen eigenen Sohn trainierte dazu hinreißen Coach Maitland in aller Öffentlichkeit während eines Baseballspiels publikumswirksam zu verhaften, vor den Augen von dessen Frau und der 2 kleinen Töchter.

Um so verwirrender entwickeln sich dann die nächsten Tage für die Ermittler, denn Terry Maitland scheint nicht nur der eindeutige Täter zu sein, sondern gleichzeitig auch noch ein bombensicheres Alibi zu haben. Er war während der Tat auf einem Schriftsteller-Kongress, zusammen mit 3 Kollegen, die bezeugen können, dass er die ganze Zeit vor Ort war und zusätzlich wurde er auch noch zur Tatzeit bei einer Lesung im Publikum gefilmt. Eigentlich eine völlig unmögliche Situation.

Der erste Teil des Romans liest sich wie ein klassischer „Whodunit“ Krimi, der mit einer ziemlich mysteriösen Ausgangslage beginnt. Nachdem die Ereignisse rund um Terry Maitland ein tragisches – wenn auch nicht unerwartetes – Ende nehmen, ist Ralph Anderson um so motivierter Licht in die rational unmöglich scheinenden Ereignisse zu bringen. Zusammen mit Maitlands Anwalt und einem Privatdetektiv, den dieser engagiert hatte, versucht Anderson herauszufinden was wirklich hinter dem Mord steckt. Ab diesem Punkt nimmt das Buch eine Wendung hin zu einem klassischeren Stephen King Roman und als die Ermittlungen das Team aus Flint City heraus führen tritt eine alte Bekannte auf den Plan: Holly Gibney, die schrullige Assistentin des inzwischen verstorbenes Detektives Jim Hodges aus der Mr. Mercedes Trilogie. Der Rest des Buches fühlt sich dann eher wie eine Fortsetzung dieser Reihe an, die „alten“ King Themen wie Freundschaft und Loyalität im Kampf von „Gut“ gegen „Böse“ spielen wieder eine große Rolle und der Schreibstil ist auch wieder klassischer wie man es von Stephen King gewohnt ist.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es weder besonders gruselig, noch besonders Thriller-mäßig spannend ist, sondern trotz der übernatürlichen Elemente ein eher ruhiger Krimi ist.

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Skandinavien-Krimi: „Die Opfer, die man bringt“ von Hjorth/Rosenfeldt

Heute möchte ich mal wieder einen Skandinavien Krimi vorstellen und zwar „Die Opfer, die man bringt“, den neuesten Band von Hjorth und Rosenfeldt aus der Reihe rund um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann.

Cover

Das Cover zeigt die Silhouette eines Mannes in einem Mantel in dessen Körper sich ein Friedhof erkennen lässt (was irgendwie nix mit der Handlung zu tun hat, Mordopfer spielen in dem Buch eher eine untergeordnete Rolle), ansonsten ist das Cover im typischen Stil der Krimireihe gehalten, was dazu führt dass Leser der Reihe es wohl beim Stöbern sofort erkennen werden. Insgesamt ist das Cover wohl eher noch kein Grund das Buch zu kaufen.

Autor

Die beiden Autoren sind mir persönlich nur von dieser Reihe bekannt, arbeiten wohl aber zum Beispiel auch als Drehbuchautoren (z.B. „Die Brücke“).

Charaktere

Die Charaktere der Polizisten und natürlich von Sebastian Bergmann nehmen in dieser Reihe auf jeden Fall eine sehr zentrale Rolle ein. Oft dreht sich die Handlung mindestens genauso viel – wenn nicht sogar noch mehr – um das Privatleben des Ermittlungsteams als um den Kriminalfall. Und da gibt es mehr als genug Stoff. Sebastian Bergmann ist zwar Kriminalpsychologe, aber selbst im Bereich Empathie und Sozialkompetenz eher schwach bestückt. Außerdem nimmt seine ungesunde Obsession mit seiner erwachsenen Tochter Wanja, die auch Teil des Ermittlungsteams ist, wie in jedem Krimi der Reihe einen Teil der Handlung ein. Sebastian Bergmann ist sicher einer der schillerndsten Figuren im Krimi-Bereich im Moment und sicher auch eine der Provozierendsten. Auch über die Kommissare Ursula, Torkel und Wanja erfahren wir in diesem Buch wie immer Privates und erfreulicherweise haben zumindest diese in diesem Roman eher normale Probleme (oder sogar mal gar keine). Dafür wirken gegenüber Jungpolizist Billy sogar die meisten Kriminellen noch normal. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte an der Reihe, man ist aus skandinavischen Krimis ja Einiges an „kaputten“ Kommissaren gewohnt, aber bei Hjorth und Rosenfeldt hat man zuweilen das Gefühl, dass sie Charakterentwicklung nur über Eskalation vorantreiben können. Das ist mir dann doch langsam etwas zu viel des Gutes, zumal Sebastian Bergmann als Hauptcharakter eben auch schon ein Extrem darstellt.

Plot

Im Zentrum der Krimihandlung steht eine Vergewaltigungsreihe, die etwas außergewöhnlich ist. Der Täter scheint nicht wahllos Frauen anzugreifen, sondern die Opfer gezielt herauszusuchen. Außerdem scheinen sich zumindest ein paar der Frauen zu kennen. Insgesamt hat mir die Handlung des Kriminalfalls recht gut gefallen, da es sich nicht um eine typische „psychopathischer Serienkiller“ Handlung handelt. Die Suche nach Motiv und Identität des Täters bleibt aber aufgrund der vielen privaten Nebenstränge fast ein bisschen im Hintergrund, was dazu führt dass die Auflösung des Falls gefühlt schleppend voranschreitet. Die Auflösung ist dann durchaus überraschend, aber am Ende in Teilen mal wieder ein bisschen dick aufgetragen.

Schreibstil

Die Kapitel im Buch sind eher kurz, durch den klaren und direkten Schreibstil kommt Spannung auf. Ich sehe beim Schreibstil einen klaren Pluspunkt für das Autorenduo, denn sie sind sehr gut darin den Leser zu fesseln, obwohl die Bücher immer recht komplexe unterschiedliche Handlungen miteinander vereinen.

Fazit

Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Kriminalfall ordentlich und auch die privaten Handlungsstränge sind fesselnd. Trotzdem lässt mich die Reihe immer ambivalent zurück und selbst kaufen würde ich die Bücher wohl eher nicht mehr (ich „erbe“ sie immer von meiner krimibegeisterten Mutter). Die Krimis sind auf jeden Fall nur etwas für Kenner der Reihe, denn würde man das aktuellste Buch lesen ohne die Vorgänger zu kennen, bliebe man wohl ziemlich verwirrt zurück, da die privaten Handlungsstränge alle Vorkenntnisse benötigen. Ansonsten stört mich, dass die Autoren gefühlt bei jedem Buch immer noch was drauf legen müssen was die moralischen Abgründe und schockierenden Verhaltensweisen angeht, das ist mir persönlich zu plump. Auch in diesem Buch wird am Ende mal wieder eine Entwicklung ins Spiel gebracht, die eher abstoßend ist und meiner Meinung nach auch eher unnötig. Insgesamt finde ich die Reihe unterhaltsam, allerdings trifft sie nicht wirklich zu 100% meinen Geschmack.

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Krimi-Tipp: „Die Suche“ von Charlotte Link

In den letzten Monaten habe ich einige sehr dicke Krimis von Deutschen Autorinnen (Nele Neuhaus und Petra Hammesfahr) gelesen, die ich von meiner Mutter „geerbt“ habe und die ich aber eher langatmig fand. Deswegen hatte ich fast schon Bedenken einen weiteren anzufangen, habe mich aber trotzdem an „Die Suche“ von Charlotte Link gewagt, da die Handlung auf dem Klappentext sehr interessant klang. Und diesmal wurde ich von der Geschichte auch nicht enttäuscht, obwohl das Buch auch ein sehr dicker Wälzer ist und es sich nicht um eine klassische Krimihandlung handelt.

Das Buch beginnt mit dem Verschwinden des 14 jährigen Teenagers Hannah. Sie verpasst sehr zum Ärger ihres überbehütenden und kontrollsüchtigem Vater nach einem Besuch bei ihrer Großmutter den verabredeten Zug nach Hause und lässt sich von einem zufällig vorbeikommenden Nachbarsjungen mitnehmen. Dieser setzt sie am Zielort ab, aber als Hannah dort versucht ihren Vater zu erreichen, geht der nicht ans Telefon. Wenig später verschwindet Hannah spurlos und wird nie wieder gefunden. Jahre später wird die Leiche einer anderen 14-jährigen gefunden, gleichzeitig verschwindet in einem kleinen Küstenstädtchen die 14-jährige Amely, die aber nach ca. einer Woche unter sehr mysteriösen Umständen wieder auftaucht und aufgrund des erlebten Traumas nicht erzählen kann was passiert ist. Und dann gibt es noch Mandy, eine 14-jährige aus einem schwierigen Elternhaus, die nach einem Streit mit ihrer Mutter von Zuhause weggelaufen ist.

Die Scotland Yard Polizistin Kate aus London hat eigentlich gar nichts mit dem Fall der 14-jährigen Amely zu tun, da sie aber aus privaten Gründen in der Pension von deren Eltern übernachtet als diese verschwindet, wird sie mehr oder weniger gegen ihren Willen in den Fall hineingezogen. Eigentlich ist der leitende Ermittler nämlich Caleb Hale, mit dem Kate schon vor einigen Jahren zu tun hatte, als ihr Vater brutal ermordet wurde (dies ist die Art etwas unwahrscheinlicher Zufälle über die man in einem Krimi halt mal hinwegsehen muss ;-)). Lange stochert Caleb Hale im Nebel und es ist unklar ob es sich bei den Fällen der verschwundenen Teenager um eine Serie handelt. Außerdem gibt es viele Verdächtige, die alle Dreck am Stecken zu haben scheinen. Kate ist zudem noch ziemlich mit ihrem Privatleben beschäftigt, das Haus ihrer Eltern das sie vermietet hatte, wurde von ihren Mietern verwüstet und verdreckt zurück gelassen (auch der Grund warum sie in der Pension von Amelys Eltern unterkam), außerdem hat sie nach Jahren des erfolglosen Online-Datings plötzlich sogar 2 Verehrer, die um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Trotzdem schafft sie es nicht sich aus dem Kriminalfall rauszuhalten, obwohl sie weiß dass Caleb Hale davon nicht begeistert sein dürfte.

Insgesamt hat das Buch also auch fast alle Zutaten, die mich an den anderen beiden Krimis der letzten Zeit gestört haben, die Geschichte ist ziemlich komplex und es geht in der Mitte ermittlungstechnisch wenig voran. Trotzdem konnte mich „Die Suche“ fast komplett überzeugen, denn die Geschichte ist zwar sehr vielschichtig, aber gut erzählt und kann auch mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen. Und ganz am Ende kommt tatsächlich noch eine thrillerartige Hochspannung auf . Außerdem fand ich die Charaktere in dem Buch alle sehr gut und vielschichtig herausgearbeitet, auch Kate fand ich sympathisch und glaubwürdig geschildert. Natürlich gibt es einige Punkte die man kritisieren könnte, so sind die Probleme der Ermittler sicher auch etwas klischeehaft und nicht gerade neu in der Krimiwelt (Kommissar mit Alkoholproblem und Kommissarin mit Selbstbewußtseinsproblem in Sachen Beziehungen…), allerdings ist es vermutlich auch eher schwierig in dem Bereich noch neue Ideen zu entwickeln. Und die Kommissare wirkten definitiv nicht so problembehaftet wie es bei manchen nordischen oder skandinavischen Reihen eine Zeitlang Mode war. Insgesamt für mich von den relativ neu erschienen Krimis der großen Deutschen Autorinnen mit Abstand der Beste.

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Krimi-Rezension: „Als Luca verschwand“ von Petra Hammesfahr

„Als Luca verschwand“ ist der neueste Kriminalroman von Petra Hammesfahr. Ich habe schon einige Bücher von ihr gelesen und habe sie eher als eine Autorin in Erinnerung, die in ihren Thrillern auf Hochspannung setzt. Deswegen war ich gespannt ob das Thema „ein Säugling verschwindet“ in dem neuesten Buch nicht zu reißerisch oder nervenaufreibend umgesetzt sein würde. Die Befürchtung war allerdings völlig unbegründet, denn „Als Luca verschwand“ ist definitiv kein Thriller, eigentlich noch nicht mal wirklich ein Krimi. Ich würde es am Ehesten als Familiendrama rund um einen Kriminalfall bezeichnen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Familie des 9-monatigen Luca. Dieser wird von seiner Mutter Mel bei einem Einkauf vor dem Drogeriemarkt abgestellt, während sie mit dessen 3-jährigem Bruder Einkäufe erledigt. Als sie den Laden verlässt ist Luca verschwunden. In seiner Nähe wurde eine stadtbekannte Frau gesehen, die dafür bekannt ist, dass sie kleinen Kindern Lollies schenkt und ansonsten aber als harmlos gilt. Natürlich gerät sie sofort unter Verdacht, aber auch die Mutter und Lucas Familie scheint nicht ganz koscher:
warum zum Beispiel lies Mel den Kinderwagen mit Luca unbewacht im Freien stehen? Was für Konflikte schwelen in der Familie und was hat Mels angespanntes Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter Gabi – einer schrulligen aber bekannten Krimiautorin – mit der Sache zu tun? Der ermittelnde Kommissar Klinkhammer steht zudem unter besonderem Druck, denn er kennt Gabi – die Oma des kleinen Luca – schon länger.

Das Buch hat ein eher ruhiges Erzähltempo und außerdem viele Perspektivenwechsel. Normalerweise mag ich das, allerdings fand ich es in diesem Buch fast etwas too much, da es teilweise etwas schwer war den ständigen Sprüngen zu folgen.Nach und nach werden die Motive der einzelnen Personen und die Hintergründe der belastenden Familienbeziehungen aufgedeckt. Parallel erfährt der Leser mehr von Anni, der Frau, die Luca angeblich entführt haben soll und deren tragischer Lebensgeschichte. Die Kommissare ermitteln in beide Richtungen, da völlig unklar ist wer Luca nun wirklich entführt hat.

Im Prinzip ist die Geschichte durchaus sehr interessant und ich mag eigentlich auch ruhige komplexe Geschichten, allerdings fand ichdass in diesem Roman die Hintergründe der Familienmitglieder fast ein bisschen langsam und nur häppchenweise aufgedeckt wurden, was dazu führte dass man oft nicht wirklich nachvollziehen konnte, warum einzelne Personen so irrational handelten, da man gar nicht wußte warum es Spannungen mit anderen Personen in der Familie gibt.
Auch die Handlungsweisen der Kommissare fand ich in Teilen nicht nachvollziehbar. Dass man ermittelt obwohl man wie Kommissar Klinkhammer mit der betroffenen Familie näher verbandelt ist, kommt in Romanen ja öfters vor, aber dass man deswegen auch noch Alleingänge macht und wichtige Infos nicht weitergibt, wirkte dann doch etwas zu viel des Guten. Außerdem fand ich es etwas irritierend, dass in dem Buch ein 9-monatiges Kind verschwindet und trotzdem gefühlt die Hälfte der Personen im Buch ständig mit Infos hinter dem Berg halten, obwohl sie selbst gar keinen wirklichen Grund dazu haben. Das Verschwinden von Luca bleibt deswegen auch gefühlt fast eine Nebensache.

Aus all diesen Gründen hat mich das Buch nicht so wirklich vom Hocker gerissen, auch wenn ich den Kriminalfall im Prinzip nicht uninteressant fand. Für mich ein Buch, das man zur Unterhaltung gut lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss.

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Krimi-Rezension: „Muttertag“ von Nele Neuhaus

„Muttertag“ ist der neueste Krimi von Nele Neuhaus aus ihrer Krimireihe mit den Kommissaren Pia Sander und Oliver von Bodenstein (wobei die Kommissarin
in den ersten Bänden noch Kirchhoff hieß und der Roman immer noch als „Kirchhoff/Bodenstein“ Krimi zum Beispiel bei Amazon aufgeführt wird). Ich habe alle oder zumindest die meisten der Bücher aus der Reihe gelesen, da meine Mutter ein Fan der Reihe ist.
So richtig begeistert hat mich bisher aber nur der Band „Schneewittchen muss sterben“, die anderen Krimis fand ich in der Regel aber solide Unterhaltung.
„Muttertag“ ist wie die meisten der Vorgängerromane ein sehr umfangreiches Buch geworden. Normalerweise mag ich dicke Schmöker (so war ich auch immer ein großer Fan der Krimis von Elizabeth George, die ja auch immer sehr dick waren). Da ich die Charaktere ihrer Bücher aber sehr lieb gewonnen hatte, hat mich das gar nicht gestört, denn mit Charakteren die man mag, möchte man als Leser ja gerne so viel Zeit wie möglich verbringen. Ein perfektes Buch ist für mich eines an dessen Ende man traurig ist, dass es schon zu Ende ist…wie sah das Lesevergnügen nun bei „Muttertag“ aus?

Am Anfang des Buches war ich eigentlich sehr zuversichtlich. Der Kriminalfall wirkte nämlich sehr vielversprechend.
Die Komissarin Pia Sander wird am Anfang des Buches in ein altes Herrenhaus gerufen, dort wurde ein alter Mann – Theodor Reifenrath- tot aufgefunden. Die Familie Reifenrath betrieb dort früher einen Mineralwasserproduktionsbetrieb, der aber schon vor Jahrzehnten Pleite ging. Danach kümmerten sich das Mordopfer und seine (inzwischen seit Jahren verschollene) Frau auf dem großen Grundstück jahrzehntelang um Pflegekinder, die aus schwierigen Verhältnissen stammten. Jetzt liegt Theo mit einer Kopfwunde tot in seinem Haus, auf den ersten Blick ist er vielleicht nur nach einem Schwächeanfall gestürzt und eines natürlichen Todes gestorben. Doch dann finden die Ermittler nicht nur den halb verhungerten Hund des Toten, sondern auch noch menschliche Knochen und die Ermittler müssen nicht nur herausfinden, ob Theo ermordet wurde, sondern auch noch was hinter den Menschenknochen steckt. Schnell stellt sich heraus, dass es in der Vergangenheit der Reifenraths so einige dunkle Flecken und „Leichen im Keller“ gibt.

Die ersten 80 Seiten des Romans waren wirklich unterhaltsam geschrieben und machten Lust auf einen komplexen und interessanten Kriminalfall. Allerdings konnte
das Buch meine Erwartungen dann leider nicht wirklich erfüllen, mich haben gleich mehrere Punkte gestört. Erstens gestaltete sich der Mittelteil des Buches leider als sehr langatmig (und mit Mittelteil meine ich leider so ca. die Seiten 100 – 500). Die Ermittler befragen unzählige Verdächtige und Personen, die man sich allein wegen der Fülle schon kaum merken kann, so richtig voran geht in der Krimihandlung aber nichts. Das ist vielleicht im Hinblick auf die Darstellung von Polizeiarbeit realistisch, aber als Unterhaltung nicht ganz so mitreißend. Zweitens gibt es neben der normalen Ermittlungsarbeit noch eine Nebenhandlung, die sich eines für mich etwas unnötigen (und noch dazu durchschaubaren) Identitätskniffes bedient…und Drittens fremdelte ich in dem Buch auch noch etwas mit den Charakteren. Oliver von Bodenstein ist zwar weiterhin sympathisch, spielt in diesem Band aber eine eher untergeordnete Rolle und bleibt blass. Pia Sander war mir in diesem Band aber irgendwie unsympathisch, da sie eine gewisse Selbstgerechtigkeit entwickelt zu haben scheint. Noch dazu zog sich durch den Roman für mich eine Tendenz zum „Victim Blaming“, was ich angesichts des heiklen Themas ziemlich unangenehm fand. Der einzige Charakter der für mich im Buch eine positive Charakterentwicklung erfuhr war Pias Chefin Nicola.

Zusammengefasst war dieses Buch für mich also kein Schmöker in den ich mich mit Begeisterung vertieft habe, denn mir fehlte gerade das eingangs erwähnte: anstatt mit geliebten Charakter mitzufiebern war ich am Ende eher froh sie los zu sein. Für große Fans der Reihe ist das Buch sicherlich trotzdem geeignet, mich hat es leider nicht überzeugt.

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Krimi-Tipp: „Todesstiche“ von Nina Darnton

„Todesstiche“  von Nina Darnton kommt optisch im typischen Thriller Design daher, auch der Titel klingt natürlich nach einem eher reißerischen Thriller (die dazu abgedruckte Wespe passt null zur Handlung und ist wohl eine sehr unkreative Verarbeitung des Wortes „Stich“ im Titel). Dieser Eindruck täuscht aber eher, was vielleicht für eine Vermarktung des Buches nicht ganz optimal ist, denn eigentlich handelt es sich bei dem Buch eher um einen psychologischen Krimi oder sogar noch eher um einen Entwicklungsroman der Hauptperson Jennifer und ein Familiendrama.

Die Hauptrolle im Buch spielt Jennifer, eine amerikanische Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Ihr Mann arbeitet den ganzen Tag als Haushalt und Jennifer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die perfekte verständnisvolle Helikopter-Mutter für ihre 3 Kinder zu sein. Auf andere berufstätige Mütter schaut sie eher herunter und sie ist stolz auf ihr geradezu perfektes Leben und ihre perfektes Leben. Sie ist also geradezu unerträglich unsympathisch 😉 und man wünscht ihr irgendwelche Probleme geradezu auf den Hals. Diese kommen dann auch in Form einer Hiobsbotschaft aus Spanien, wo ihre älteste Tochter Emma aktuell studiert. Emma wurde festgenommen, nachdem in ihrer Wohnung ein Mann erstochen wurde. Laut Emma versuchte er sie zu vergewaltigen, worauf ein zufällig vorbeikommender Algerier ihn erstach, um Emma zu retten. Jennifer fliegt sofort nach Spanien, um ihrer Tochter zur Seite zu stehen. Während die Polizei Emmas Geschichte für höchst unglaubwürdig hält und immer mehr Indizien gegen ihre Version sprechen, hält Jennifer eisern zu Emma, bis auch ihr immer mehr Zweifel an ihrer Tochter kommen.

Der Ausgangspunkt des Buches erinnerte mich etwas an den Fall Amanda Knox (auch wenn der Mordfall sich letztendlich nicht sehr ähnelt), weswegen das Buch mein Interesse weckte (ich hatte erst vor einiger Zeit eine Netflix Doku über Amanda Knox gesehen). Das Buch hat mich definitiv auch nicht enttäuscht, es ist gut geschrieben, die Infos über Land und Leute wirken kompetent recherchiert und mir gefiel sehr gut, dass die Autorin sehr viel Wert auf Charakterentwicklung und psychologische Hintergründe legt. Das Buch las sich eher wie altmodischer psychologischer Krimi a la Ruth Rendell, was schon immer ein Krimi-Genre ist, dass ich besonders liebe. Auch macht Jennifer im Laufe des Buches eine glaubhafte Entwicklung durch, so dass sie einem doch fast noch sympathisch wird. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, allerdings finde ich die Vermarktung als Thriller bei der Deutschen Ausgabe etwas unglücklich, da Thriller-Fans vermutlich enttäuscht sein werden (die englische Originalausgabe heißt zum Beispiel „Perfect Mother“, was auch viel besser zum Inhalt passt). Diese Ambivalenz verspürte wohl auch der Verlag zu irgendeinem Zeitpunkt, denn es sind im Internet zwei Cover Versionen zu finden, einen mit Untertitel „Thriller“ und einen mit Untertitel „Roman“.

Als Schwachpunkt würde ich sehen, dass eigentlich gar nicht so wirklich viel passiert, so dass man nicht wirklich von Überraschungen in der Handlung sprechen kann. Auch die eine existierende Wendung hat etwas Unausweichliches, weswegen sie nicht wirklich überrascht. Trotzdem für mich ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch.

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Krimi-Tipp: „Bluthaus“ von Romy Fölck

Heute möchte ich „Bluthaus“ vorstellen, den 2. Regionalkrimi aus der Elbmarsch von Romy Fölck. Hauptperson der Krimireihe ist die Polizistin Frida Paulsen, die nach dramatischen Ereignissen im Vorgänger-Band mit ihrer Karriere als Polizistin hadert und eigentlich gerade eine Pause aus dem Polizeidienst nimmt.

Cover

Ein Reetdach-bedecktes Häuschen, das im Buch auch tatsächlich eine wichtige Rolle spielt: von dem her kann man sagen „Thema getroffen“.

Autor

Romy Fölck ist eine recht neue Stimme in der Deutschen Krimi-Szene. Ihren ersten Roman „Totenweg“ habe ich auch schon gelesen und für ziemlich gut befunden. Da Norddeutschland im Regionalkrimi-Markt noch nicht ganz so dominierend vertreten ist wie zum Beispiel die Alpenregion freue ich mich immer über neue Autoren in diesem Genre.

Charaktere

Hauptpersonen in dem Buch sind Frida Paulsen, eine noch junge Polizistin, die bei den Geschehnissen im ersten Band „Totenweg“ fast ums Leben kam. Weiterhin spielt ihr Kollege Bjarne Haverkorn eine wichtige Rolle im Buch. Er ist ein älterer bodenständiger Ermittlungsbeamter, dessen Privatleben auch in diesem Band einige Turbulenzen durchläuft. Die Krimihandlung dreht sich in diesem Band um Friedas alte und sprunghafte Jugendfreundin Jo, die im ersten Band auch schon auftauchte. Abgesehen davon gibt es in dem Buch noch einige Nebencharaktere, aber im Gegensatz zu anderen Krimireihen ist das Ermittlungsteam überschaubar, was mal eine nette Abwechslung ist. 

Plot

Eine Frau wird in einem alten leerstehenden Bauernhaus brutal erstochen und verblutet. Frida Paulsens Freundin Jo findet das Opfer und versucht sie zu retten. Nach der Befragung durch die Polizei verschwindet Jo aber und behauptet die Polizei wolle ihr etwas anhängen. Auch Frida merkt, dass Jo etwas verheimlicht und macht sich auf die Suche nach der Freundin. Hat sie etwa wirklich etwas mit dem Mord zu tun?

Schreibstil

Der Schreibstil ist sachlich, gut lesbar und unterhaltsam, so dass man Romy Fölcks Bücher schnell weglesen kann. Trotzdem sind die Charaktere lebendig geschildert und man kann sich gut mit ihnen identifizieren. 

Fazit

Die Krimis von Romy Fölck sind sehr gute Unterhaltung, wenn man gerne Regionalkrimis liest und einen gelungenen Mix zwischen Privatkram und Krimihandlung mag. Eigentlich würde ich dem Buch eine volle Leseempfehlung geben, hätten mich nicht einige unlogischen und unrealistischen Verhaltensweisen der Polizisten beim Ermitteln etwas genervt. So spielt zum Beispiel ein Teil der Handlung direkt an der Küste. Es gibt einen Notfall und Frida versucht einen Notruf abzusetzen, landet aber im dänischen Mobilnetz und beim dänischen Notruf. Anstatt dann auf Englisch um Hilfe zu bitten legt sie einfach auf und spricht einem Kollegen auf die Mailbox. Das fand ich einfach völlig abstrus und später passiert es dann auch nochmal fast genauso. Solche Versuche die Handlung künstlich dramatisch zu halten, finde ich dann doch auch handwerklich etwas arg ungeschickt.

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Krimi-Tipp: „Das Geheimnis der Grays“ von Anne Meredith

Heute möchte ich die Neuauflage eines historischen Krimis vorstellen und zwar „Das Geheimnis der Grays“ (Originaltitel: „Portrait Of A Murderer“) von Anne Meredith. Anne Meredith ist ein Pseudonym der britischen Autorin Lucy Beatrice Malleson, die unter dem weiteren Synonym Anthony Gilbert eine langjährige Krimireihe rund um den Ermittler Arthur Crook verfasste. Unter dem Pseudonym Anne Meredith hat sie nur 2 Bücher veröffentlicht, eine Autobiografie und eben den psychologischen Krimi „Das Geheimnis der Grays“.

Der Roman erschien erstmalig 1933 und spielt an Weihnachten 1932. Die ziemlich zerstrittene Familie Gray versammelt sich an Weihnachten beim autoritären und übellaunigen Familienoberhaupt Adrian Gray im alten Herrenhaus der Familie auf dem Land. Vordergründig natürlich um gemeinsam Weihnachten zu feiern.
Allerdings haben die meisten Familienmitglieder andere Absichten, denn sie stecken in mehr oder minder ernsten finanziellen Schwierigkeiten und erhoffen sich von den Festtagen, den Vater dazu zu kriegen, Ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Adrians ältester Sohn Richard möchte sich einen Adelstitel erkaufen, wird jedoch von einer Geliebten erpresst. Der Schwiegersohn Eustace hat mit windigen Spekulationsgeschäften nicht nur seine Klienten sondern auch Adrian über den Tisch gezogen. Und der jüngere Sohn Hildebrand ist ein mittelloser Künstler, der eine ganze Horde von Kindern durchbringen muss, für die er sich eigentlich gar nicht nicht interessiert. Lediglich die jüngste Tochter Ruth und ihr Mann stecken nicht in Schwierigkeiten und haben beim Weihnachtsbesuch keine Hintergedanken. Der 1. Weihnachtsfeiertag beginnt statt mit Geschenken dann direkt mit einem Schock, Adrian Gray wird ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden…

Dies klingt auf den ersten Blick wie ein typischer Whodunnit im Stile von Agatha Christie, entpuppt sich aber als psychologischer Krimi bei dem (für die damalige Zeit sicher noch außergewöhnlich und innovativ) die Gefühlswelt des Mörders im Vordergrund steht. Denn wer der Mörder ist, wird schon im ersten Drittel des Buches enthüllt, der Mord wird nämlich in der Ich-Perspektive aus Sicht des Mörders geschildert. Dieser versucht in Folge seine Tat zu vertuschen und diese stattdessen einem anderen Familienmitglied anzuhängen.

Der Roman nimmt sich anfangs viel Zeit die verschiedenen Familienmitglieder vorzustellen, wobei der Blick auf die damalige Gesellschaft ziemlich bissig und ironisch gerät. Glücklich sind nur die wenigstens der vorgestellten Paare und Familienmitglieder.
Im 2. Teil steht der Mörder und sein Innenleben im Vordergrund, im 3. Teil dann die Auswirkungen des Mordes und die Frage ob der Mörder mit seinem Vertuschungsversuch davon kommt. Der Stil ist natürlich etwas altmodisch, allerdings trotzdem sehr leicht lesbar und wer gerne altmodische Krimis wie z.B. von Agatha Christie liest, wird mit dem Buch sicher seine Freude haben. Ich fand es sehr unterhaltsam und auch durchaus vom Aufbau kreativ. Auch wenn die Aufmachung des Klett-Cotta Verlags vielleicht etwas irreführend ist (der englische Titel passt auch viel besser zum Inhalt als der Deutsche) hat es mir eigentlich sogar besser gefallen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen klassischen „Wer ist der Mörder?“ Roman gehandelt hat.

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Thriller – Tipp – „In deinem Namen“ von Harlan Coben

Heute möchte ich mal wieder einen sehr gelungenen Thriller vorstellen: „In Deinem Namen“ von Harlan Coben. Da dieses Genre sich ja durch eine gewisse typische Struktur auszeichnet, möchte ich die Rezension als Experiment heute auch mal in einer speziellen dazu passenden Struktur schreiben:

Cover

Das Cover zeigt eine mystisch wirkende Holzhütte (an einem Seeufer?), das zwar eine passende Thriller-artige Atmosphäre verbreitet, aber rein gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Das Cover bekommt also keinen Preis für „passt zur Handlung“, ist aber zumindest nett anzuschauen

Autor

Harlan Coban ist für mich ein Thriller Autor mit dem man nicht viel falsch machen kann. Ich habe über die Jahre einige Bücher von ihm gelesen, zuletzt fiel er mir allerdings mal wieder auf, weil er auch der Autor der hervorragenden Netflix Serie „Safe“ war, die ich wirklich klasse fand und die bei mir auch die Lust geweckt hat mal wieder einen Roman von ihm zu lesen.

Charaktere

Die Hauptfigur des Thrillers heißt absurderweise Nap, was wie sich herausstellt eine Abkürzung für Napoleon Dumas ist. Nap ist in Frankreich geboren, was den Namen Napoleon aber deswegen nicht unbedingt realistischer macht 😉
Nap ist Polizist, der nie über den Tod seines Zwillingsbruders im Alter von 18 Jahren und das Verschwinden seiner Jugendliebe hinweg gekommen ist.
Ansonsten spielen nur relativ wenige Personen eine größere Rolle in dem Buch. Naps beste Freundin, sein Mentor – auch ein Polizist der stark mit den Ereignissen rund um den Tod von Naps Bruder verbunden ist -und seine Jugendliebe, die verschwundene Maura sind die wichtigsten Charaktere im Roman. Mir hat diese  „Übersichtlichkeit“ gut gefallen.

Plot

Der Polizist Nap hat im Alter von 18 Jahren ein schlimmes Trauma erlitten. Sein Zwillingsbruder starb zusammen mit seiner damaligen Freundin, die beiden wurden von einem Zug überrollt. Ob es Selbstmord oder ein Unfall war, wurde nie richtig geklärt. In der gleichen Nacht verschwand auch noch Naps damalige
Freundin Maura, die seitdem verschwunden blieb. Als im Zuge eines aktuellen Mordfalls Spuren zu Maura führen, wittert Nap die Chance endlich herauszufinden was mit Maura, aber auch mit seinem Bruder damals wirklich geschah.

Schreibstil
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nap Dumas geschrieben. Nap gibt sich nach außen hin ziemlich hart und schnoddrig, es wird aber schnell klar, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist, der viele Altlasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Mir ist er ziemlich schnell ans Herz gewachsen, auch wenn ich schnoddrige männliche Ich-Erzähler in Romanen normalerweise nicht so besonders mag.

Fazit

Für mich war das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und ich fand auch die Geschichte für einen Thriller kreativ und thematisch eher außergewöhnlich. Außerdem fand ich es zur Abwechslung mal wieder recht nett einen Thriller zu lesen, der nicht Teil einer Serie ist.
Mit Bauchgefühl ist es mir gelungen, den „Bösewicht“ im Roman ziemlich früh zu vermuten, trotzdem finde ich das Buch nicht allzu vorhersehbar, wenn man Viel-Leser ist, bekommt man halt mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür. Die Geschichte an sich hatte für mich vom Feeling her auch nicht so viel von einem Psychothriller, stattdessen sendet es gewisse Vibes von Akte X und Stranger Things aus, auch wenn die Hauptpersonen alle erwachsen sind. Ich fand es sehr unterhaltsam und spannend zu lesen, ohne, dass man sich Sorgen um unnötige Brutalität oder Serienkiller-Gemetzel machen muss. Es ist also auch für Leute geeignet, die 08/15 Serienkiller Thriller eher nicht so mögen und es gerne etwas „mysteriöser“ haben.