Bücher

Krimi-Tipp: „Frau Faust“ von Antje Zimmermann

„Frau Faust“ ist der Debut-Krimi der Kölner Journalistin Antje Zimmermann. Ich wurde vor allem durch den interessanten Titel darauf aufmerksam. Dieser ist auch durchaus Programm, denn die Kommissarin Katharina „Kata“ Sismann war neben ihrer Polizeikarriere erfolgreiche und fast unschlagbare Boxerin. Bis zu einem schicksalshaften Kampf, der ihrer Box-Karriere ein abruptes Ende setzte und sie auch im Polizeidienst mit „angeschlagenem“ Ruf zurückliess.

Auch das Milieu des Kriminalfalls ist spannend, eine bekannte und charismatische Krimiautorin wird ermordet. Gefunden wird sie von einer Teilnehmerin ihres renommierten Schreibkurses, die selbst von einer Karriere als Krimi-Autorin träumt.

Anfangs hat mir der Krimi trotz der etwas einfach plakativen Sprache gut gefallen. Das Setting in der Literatur-Szene ist sehr unterhaltsam gewählt und auch die Spannungen zwischen Bestseller-Autorin und ihrem von Konkurrenzdenken zerfressenen Schreibkurs sind durchaus mitreissend.

Zum Ende hin liess der Krimi für mich dann aber doch etwas nach und ich hatte den Eindruck die Autorin hat sich etwas verzettelt, die Auflösung hat mich nicht ganz überzeugt, ein Charakter der Amfang recht zentral ist, spielte letzendlich für das Buch überhaupt keine Rolle und die „düstere“ Hauptkommissarin war vielleicht doch etwas zu klischeehaft angelegt. Für mich wurde beim Lesen recht offensichtlich, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt, dass vielleicht noch ein etwas sorgfältigeres und kritischeres Lektorat gebraucht hätte. Das Talent der Autorin ist aber trotzdem augenscheinlich und unterhaltsam war der Krimi trotzdem.

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Buch-Tipp: „Das Marterl“ von Johannes Laubmeier

In „Das Marterl“ von Johannes Laubmeier kommt ein junger Mann in seine bayerische Heimatstadt zurück. Extra hat er abgewartet bis seine Mutter zu einer spirituellen Reise nach Asien aufgebrochen ist, denn der Grund für die Reise ist, dass der junge Mann sich endlich mit dem Tod des Vaters auseinander setzen will und dazu möchte er alleine sein. Dieser starb vor 10 Jahren bei einem Motorradunfall. Seitdem hat der Erzähler in Großbritannien gelebt, bevor er mit seiner Lebensgefährtin zurück nach Deutschland, aber nach Berlin, zog. In seinem Heimatort war er seitdem nur selten und den Tod des Vaters hat er nie richtig verarbeitet. Jetzt also ist er zurück in der Kleinstadt A. (die im ganzen Buch nur abgekürzt wird, aber von Erzählungen zu Geschichte und Sehenswürdigkeiten kann man die Stadt mit Google innerhalb von Sekunden identifizieren) und lässt sich erstmal mehr oder weniger treiben. Besucht Orte seiner Kindheit, den Unfallort, räumt den alten Schuppen seines Vaters aus, trifft ehemalige Freunde und Weggefährten und bekommt ganz langsam eine Verbindung zu dem Ort zurück, aber auch zu seinen Gefühlen von damals.

Die aktuelle Erzählung wechselt sich immer ab mit Episoden aus der Kindheit des Jungen, Erinnerungen an eine ganz normale Kindheit in der bayerischen Provinz, Erinnerungen an den Vater und an die Heimat.

Die Sprache des Buches ist dabei finde ich einfach nur wunderschön. Melancholich und authenthisch ohne dabei aufgesetzt oder übertrieben „literarisch“ zu sein, einfach nur intensiv und direkt, so dass das Buch wirklich sehr berührt und sowohl die Kindheit des Jungen lebendig werden lässt als auch die Stadt A. und das „typische“ bayerische Kleinstadtleben, das einerseits durchaus ironisch und kritisch betrachtet wird, aber trotzdem nie ablehnend oder wertend. Ein ganz großartiges Debut von einem sehr talentierten Autor.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Ein Grab für zwei“ von Anne Holt

„Ein Grab für zwei“ von Anne Holt ist ein Hörbuch, das mich aus mehreren Gründen angesprochen hat. Erstens habe ich schon einige Krimis von der Autorin gelesen und diese hatten ausnahmslos eine hohe Qualität. Außerdem fand ich das Thema spannend. Wurden doch gerade erst die Olympischen Spiele von Peking von einem Dopingskandal überschattet, da kam mir ein Krimi in dem Doping im Hochleistungssport eine Rolle spielt gerade Recht.

Ermittlerin in dieser Reihe von Anne Holt ist Selma Falck, selbst ehemals Leistungssportlerin und Olympia-Medaillengewinnerin, außerdem bekannte und beliebte Star-Anwältin. Allerdings befindet sich Selma Falck zu Beginn des Romans am aktuellen Tiefpunkt, ihre Spielsucht hat ihre Karriere nachhaltig ruiniert. So am Boden wird sie von einem ehemaligen Klienten um Hilfe gebeten. Dessen Adoptivtochter Hege Chin Morell steht kurz vor den Olympischen Spielen von Pjöngchang unter Doping-Verdacht, dabei ist sie eine der ganz großen Goldmedaillenfavoritinnen.
Selma soll herausfinden ob Sabotage hinter der Sache steckt und Heges Ruf rechtzeitig vor den Spielen wieder rein waschen…

Der Krimi der sich aus dieser Ausgangslage entspinnt ist sehr komplex und bald stellt sich heraus, dass der Dopingfall nur die Spitze des Eisberges darstellt. Und dann wird auch noch ein anderer Spitzenlangläufer tot aufgefunden…
Selma spricht mit Menschen, ist teils persönlich involviert, gräbt in der Vergangenheit, hat teils extravagante und fragwürdige Methoden und ganz langsam kristallisiert sich heraus, was eigentlich hinter der ganzen Sache steckt.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass der Fall doch ein paar Längen hat und die Geschichte vielleicht etwas kompakter erzählt werden hätte können. Trotzdem eine sehr interessante Ermittlerin und ein Setting das gerade für Wintersport-Fans sehr attraktiv ist. Katja Bürkle liest das Buch sehr klar, aber trotzdem mit einer sehr guten Interpretation der verschiedenen Charaktere.

Bücher

Krimi-Tipp: „Der Tod der dreckigen Anna“ von Tina Seel

„Der Tod der dreckigen Anna“ von Tina Seel ist ein außergewöhnlicher Krimi. Aufmerksam wurde ich auf das Buch zuerst durch den auffälligen Titel und das interessant und wie ich finde einfach aber besonders attraktiv gestaltete Cover. Der Roman spielt in einem kleinen Dorf in der Pfalz im Jahr 1974 und basiert auf einem echten Mordfall, den die Autorin als Kind in ihrem eigenen Dorf miterlebte. Im Dorf wohnen 3 ältere Schwestern gemeinsam in einem Haus, etwas verwahrlost, etwas isoliert von den anderen Dorfbewohnern und als schrullig bis unangenehm bekannt. Innerhalb eines Jahres sterben zwei der Schwestern, zurück bleibt nur die etwas geistig behinderte Anna, die kaum spricht. Zwei Verwandte kümmern sich notdürftig um Anna, doch überwiegend lebt sie alleine im Haus der Schwestern und kommt mehr oder weniger zurecht. Am Heiligabend 1974 dann der Schock: als Anna nicht wie verabredet bei ihren Verwandten erscheint, finden diese sie ermordert und brutal zugerichtet in ihrem Haus vor.

Der Krimi wird dann auf verschiedenen Zeitebenen erzählt: in der Gegenwart versuchen die Kriminalpolizisten dem Täter auf die Spur zu kommen, außerdem wird schnell klar wie sehr dieser brutale Mord das Gleichgewicht in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft durcheinander bringt. Dazwischen werden die Jahre und Monate bis zur Tat erzählt und wer der Täter ist bleibt dementsprechend dann auch nicht lange ein Geheimnis für den Leser. Um die Mördersuche wie in einem klassischen Krimi geht es aber in diesem Buch auch nicht, stattdessen stehen die Entwicklung des Täters und die Dorfbewohner im Mittelpunkt, es handelt sich also wohl eher um eine Mischung aus Psychogram und Dorfroman. Dazu kommt eine teilweise etwas derbe, aber authentische Sprache, die einen gefühlt direkt ins Jahr 1974 zurückversetzt und die den Roman besonders charmant aber auch eindringlich macht. Etwas überrascht war ich entsprechend auch wie sehr mich das Geschehen teilweise „mitgenommen“ hat, was vor allem daran liegt, wie überzeugend und plastisch die Autorin das Innenleben des Mörders gezeichnet wird, es gruselt einen teilweise richtig vor ihm. Für mich ist dieser Roman eine wirklich beeindruckende Debüt-Leistung der Autorin, die aus dem 08/15 Krimi-Material sehr positiv heraussticht.

Bücher

Krimi-Rezension: „Der Sucher“ von Tana French

Tana French ist eine meiner Lieblingskrimiautorinnen. Besonders mag ich ihre sehr detailreichen Charakterbeschreibungen und die tiefgründigen Geschichten, die ihre bisherigen Krimis immer ausmachten (thrillerartige Hochspannung darf man bei ihren Krimis eher nicht erwarten, es handelt sich meiner Meinung nach um typische psychologische Krimis). Deswegen war ich sehr gespannt auf „Der Sucher“. Hauptperson ist der amerikanische Ex-Polizist Cal, der trotz noch relativ jungem Alter nach einer Scheidung und dem Hadern mit seinem Beruf als Polizist „ausgestiegen“ ist. Er kaufte sich ein altes heruntergekommenes Haus im ländlichen Irland, Alleinlage, renovierungsbedürftig.
Doch kaum hat er sich eingelebt und eine erste Freundschaft mit seinem Nachbarn Mart geschlossen, passieren komische Dinge. Einzelne Schafe von umliegenden Bauern werden auf merkwürdige Art gerissen (was für ein Tier verursacht solche Verletzungen?) und Cal wird von einem scheuen Jungen beobachtet, der nachts um Haus schleicht. Als Cal diesen Jungen – den 13-jährigen Trey – zur Rede stellt, stellt sich heraus, dass dieser Cals Hilfe möchte. Sein älterer Bruder Brendan ist vor Monaten spurlos verschwunden und Trey möchte, dass Cal ihm hilft herauszufinden was passiert ist. Da Treys Familie arm ist und in der Kleinstadt als „Problemfamilie“ gilt, nimmt niemand Brendans Verschwinden besonders erst, alle scheinen davon auszugehen, dass er freiwillig abgehauen ist. Zuerst lehnt Cal die Bitte ab, doch schließlich lässt er sich doch breit schlagen. Doch was wie eine harmlose Privatinvestigation anfängt wird bald auch für Cal gefährlich…

Die Idee des Buches fand ich sehr interessant, trotzdem muss ich sagen, dass es mich doch nicht ganz so zu 100% begeistert hat wie andere Krimis von Tana French. Etwas unrealistisch erschien es mir z.B., dass Cal als Neuzugezogener mit fadenscheinigen Ausreden die eher misstrauischen Dorfbewohner nach einem ihm völlig unbekannten Teenager ausfragt und diese sich dabei relativ wenig zu denken scheinen und auch recht intime Infos ausplaudern, obwohl Cal ja in Irland nicht mal Polizist ist und keinerlei Befugnisse hat. Das war für mich einfach etwas unrealistisch und der Grund warum ich das Buch zwar gut und unterhaltsam fand, aber nicht zu 100% überzeugend. Für mich also ein solider Krimi mit ruhigem Erzähltempo und guter Atmosphäre, aber nicht ganz der große Wurf von den ich mir von Tana French’s neuestem Buch erwartet habe.

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Krimi-Rezension: „Eisesschatten“ von Jonas Moström

Eisesschatten“ von Jonas Moström ist von der Aufmachung her ein typische schwedischer Krimi (gerne für Cover genommen: ein einsames Schweden-Haus im Schnee). In der kleinen und wirtschaftlich etwas abgehängten Stadt Svartviken verschwindet die 16-jährige Ebba ausgerechnet an dem Tag als sie zur Lucia gekrönt werden sollte. Sie stieg auf dem Weg zur Krönung in ein Auto, das mit ihr spurlos verschwand. Ihr Lehrer Pierre gerät unter Verdacht, weil er sich an die minderjährigen Schülerinnen rangemacht haben soll und wird kurz nachdem die Suche nach Ebba offiziell eingestellt wurde, in seinem Zuhause brutal ermordet.
Da die Ermittlungen der lokalen Polizeibehörde in beiden Fällen ins Leere gelaufen sind, wird eine Profiling-Spezialeinheit aus der Stadt nach Svartviken geschickt, angeführt von der Psychiaterin Nathalie Svensson. Die Ermittler sollen Licht ins Dunkle bringen und herausfinden was wirklich mit Ebba geschah.

Der Krimi ist eigentlich recht klassisch aufgebaut, die Ermittler kommen in die Kleinstadt, müssen sich mit den lokalen Polizisten bekannt machen, natürlich gibt es die üblichen Konflikte in diesem klassischen Krimi-Setting. Ansonsten werden Verdächtige befragt, Dorfbewohner kennengelernt, es gibt gesellschaftliche und familiäre Spannungen und noch ein paar private Irrungen und Wirrungen der Ermittler.
Insgesamt hat mir das Buch auch gut gefallen, allerdings gibt es auch kleinere Schwächen, einen richtigen Thriller-artigen Spannungsaufbau gibt es nicht und auch bei der Charakterentwicklung hätte es meiner Meinung nach noch Luft nach oben gegeben: so ist z.B. der Vater von Ebba angeblich ein ziemlicher Choleriker, der Ex-Freund von Ebba ein misstrauischer Flüchtlingsjunge. Trotzdem arbeiten alle Verdächtigen letztendlich selbst in Drucksituationen immer erstaunlich brav und widerstandslos mit der Polizei zusammen, was mir irgendwie in den geschilderten Settings nicht 100% realistisch erscheint.

Insgesamt würde ich den Krimi deswegen als solide Kost bezeichnen, die aus bewährten Elementen zusammengesetzt ist, es fehlt aber ein bisschen das Besondere das den Krimi und das Ermittlerteam aus der Masse der Skandinavien-Krimis heraushebt und den Wunsch weckt noch mehr Krimis von dem Autor zu lesen.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Unterm Schinder“ von Andreas Föhr

Ich bin ein großer Fan der Krimi-Reihe von Andreas Föhr rund um Kommissar Wallner und seinem für einen Polizisten etwas fragwürdigen Mitarbeiter Kreuthner. Bisher habe ich alle Bände gelesen, „Unterm Schinder“ ist der erste Band den ich mir als Hörbuch angehört habe.

Die Geschichte geht direkt mit einer typischen Verfehlung von Kreuthner los. Um die neue (junge und gutaussehende) Kollegin Lisa zu beeindrucken fingiert Kreuthner an dem verlassenen Bauernhof seines Vaters einen bewaffneten Raubüberfall. Sein Kollege Sennleitner soll mit einer Schreckschusspistole den Einbrecher spielen, damit Kreuthner Lisa mit seinem beherzten Eingreifen vor der „Gefahr“ retten kann und sie sich am Besten gleich verliebt in seine Arme stürzt.
Stattdessen trifft Kreuthner dort aber auf einen echten Schusswechsel und findet dann auch noch eine Leiche. Bei dieser handelt es sich um die Ehefrau eines Mordopfers von vor 2 Jahren, was Wallner Kopfzerbrechen bereitet, denn die Mörderin des Ehemanns sitzt eigentlich im Gefängnis. Wurde die Ehefrau von jemand anderem getötet oder sitzt etwa die falsche Person seit 2 Jahren im Gefängnis?

Der Sprecher des Hörbuchs ist Michael Schwarzmeier, der die Geschichte in einem angenehmen ruhigen Ton vorliest, hervorragend gelingen ihm als Kontrast die Sprechstimmen der männlichen Protagonisten im Dialekt. Highlight war dabei für mich definitiv seine Darstellung von Wallners Großvater Manfred, der im Alter von 90 Jahren diesmal die Mangfall-Mühle und sogar Halluzinagene für sich entdeckt.

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen, der Kriminalfall ist relativ komplex für einen humoristischen Regionalkrimi, die Irrungen und Wirrungen von Manfred sorgen für eine heitere Auflockerung ohne dass der Klamauk im Buch überhand nimmt und das Format Hörbuch eignet sich für das Genre finde ich besonders gut, vor allem durch die gelungene Darbietung des Sprechers bei den Dialogen.

Bücher

Krimi-Tipp: „Die Frau vom Strand“ von Petra Johann

„Die Frau vom Strand“ von Petra Johann spielt in einem beschaulichen Küstenstädtchen an der Ostsee. Rebecca lebt dort mit ihrer Frau Lucy und ihrer kleinen 5 Monate alten Tochter in einem Haus fast direkt am Strand. Unter der Woche ist Rebecca mit ihrer Tochter meist allein, denn ihre Frau arbeitet in Hamburg als Geschäftsführerin einer Firma, die Computerspiele entwickelt und wohnt unter der Woche wegen der Pendelstrecke meist in einer Zweitwohnung vor Ort. Rebecca genießt die Ruhe am Meer, trotzdem freut sie sich als sie durch eine Zufallsbegegnung Julia kennen lernt, eine junge Frau die angeblich Urlaub an der Ostsee macht. Die beiden Frauen freunden sich rapide an und treffen sich jeden Tag. Um so erstaunter ist Rebecca als Julia nach einer Woche plötzlich genauso überraschend spurlos verschwunden ist wie sie plötzlich aufgetaucht ist. Erst versucht Rebecca sie wiederzufinden, doch bald geht ihr auf, dass Julia nicht der Mensch war für den sie sie gehalten hat…

Diese Vorgeschichte ist im Roman sehr intensiv in Form einer Ich-Erzählung von Rebecca erzählt, etwas überraschend schwenkt der Roman danach in einen klassischen Ermittlungskrimi um, der aus Sicht der leitenden Kommissarin erzählt wird (worin genau sie ermittelt möchte ich hier nicht verraten, um nicht zu viel zu spoilern), ein interessanter Stilbruch. Auch der Teil der aus Sicht der Kommissarin erzählt wird fand ich sehr atmosphärisch, dicht und voller interessanter gut ausgearbeiteter Charaktere. Die Einordnung des Buches als „Thriller“ finde ich hingegen nicht so sehr gelungen, da ich das Buch eigentlich für einen klassischen Krimi halte (was mir aber sehr recht ist, da ich Thriller eher selten wirklich mag und dem Buch nur wegen des spannend klingenden Klappentextes eine Chance gegeben habe).

Ingesamt haben ich sowohl Charaktere als auch Plot überzeugt und der Spannungsbogen ist so gelungen, dass ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen habe, immer ein klares Qualitätsmerkmal für einen Krimi. Petra Johann ist somit eine deutsche Autorin nach der ich in Zukunft öfter Ausschau halten werde.

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Buch-Tipp: „Kein Feuer kann brennen so heiß“ von Ingrid Noll

Ingrid Noll ist in Deutschland sicherlich am Bekanntesten für ihren Krimi „Die Apothekerin“, der durch hinterlistigen schwarzen Humor zu bestechen wusste. Auch andere Krimis von Ingrid Noll haben mich mit ihrem subtilen Humor immer wieder gut unterhalten, doch die letzten Jahre hatte ich wenig von ihr gehört.

„Kein Feuer kann brennen so heiß“ ist nun ihr neu erschienener Roman, in dem die Altenpflegerin Lorina die Hauptrolle spielt. Lori ist nicht besonders gutaussehend und leidet seit ihrer Kindheit unter ihrer Tollpatschigkeit und einem nicht besonders ausgeprägten Selbstbewusstsein. Ein Handicap das sicher auch dadurch bestärkt wurde, dass sie auch in ihrer Familie als der Tollpatsch galt, nicht zu vergleichen mit ihrer hübscheren und beliebteren Schwester Carola. Doch zumindest beruflich läuft es für Lorina gerade gut, denn sie hat eine Stelle im Haushalt einer betuchten älteren Dame ergattert, die nach einem Schlaganfall Hilfe braucht. Lorina darf bei ihr wohnen, hat relativ moderate Arbeitszeiten und im Haus auch noch Gesellschaft des etwas weibstollen Masseurs Boris und der Haushaltshilfe Nadine. Lorina fühlt sich mit Beruf, Arbeitgeberin und dem sozialen Umfeld sehr wohl, doch als der charakterlich etwas spezielle Boris in ihrem Bett landet, überschlagen sich die Ereignisse bald…

Das Buch ist in lockerem Tonfall geschrieben und die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz. Trotzdem hat mich das Buch nicht zu 100% überzeugt, denn als Krimi überzeugt es nicht wirklich und auch sonst fehlt der ganzen Geschichte etwas die Handlung. Es plätschert trotz kreativer Ideen alles etwas gefällig vor sich hin, doch den Biss der alten Krimis von Ingrid Noll findet man darin nicht wirklich wieder. So bleibt es eher ein netter Unterhaltungsroman für zwischendurch, der mir aber trotzdem recht gut gefallen hat.

Bücher

Krimi-Tipp: „Der dunkle Garten“ von Tana French

Tana French ist eine irische Krimiautorin, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. Typisch für sie ist sicher ihr weitschweifiger und detailreicher Erzählstil, der das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und nicht den jeweiligen Plot. Für Leute, die es kurz und knapp mögen oder die auf Action stehen, ist diese Autorin also definitiv grundsätzlich nichts. Mir hat aber gerade das an ihren Büchern immer besonders gefallen, da ich psychologische Krimis schon immer sehr gerne mag und mich auch gern in dicke Wälzer vertiefe. Trotzdem hatte ich bei den Büchern von Tana French zuletzt auch mal einen Durchhänger, da mir bei einem oder zwei ihrer neueren Krimis die Hauptcharaktere zu unsympathisch waren.

„Der dunkle Garten“ konnte mich aber mal wieder fast zu 100% überzeugen (wenn auch dort die Hauptcharaktere nicht unbedingt dadurch glänzen besonders liebenswert zu sein). Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht Toby, er ist Ende 20, arbeitet im Marketing Bereich und kam bisher immer recht störungsfrei durch Leben. Er hat Kumpels mit denen er sich gern locker betrinkt, eine fast schon zu perfekt liebenswerte Freundin und trotz gelegentlicher beruflicher Turbulenzen läuft bei ihm eigentlich alles immer rund, er sieht sich als Glückskind…zumindest bis ihn nach einer durchzechten Kneipennacht 2 Einbrecher nachts in seiner Wohnung überfallen und zusammenschlagen. Toby landet mit einem Schädelbruch und diversen anderen Blessuren im Krankenhaus und hat noch lange an den Folgeschäden zu kämpfen: Gedächtnisstörungen, eine eingeschränkte Funktion seines linken Beines und der linken Hand und noch andere kleinere Probleme, die dazu führen, dass er sich alles bloß nicht leistungsfähig vorkommt.

Als er von seiner Cousine erfährt, dass sein Onkel Hugo an einem tödlichen Gehirntumor erkrankt ist, nimmt er deren Vorschlag bei seinem Onkel in dem alten geliebten Familiensitz „Ivy House“ zu leben und sich in dessen letzten Monaten um ihn zu kümmern, nach etwas zögern an. Da seine Freundin auch noch mitkommt und Toby mit dem Haus, das früher seinen Großeltern gehörte, eine Kindheitsidylle verbindet, läuft auch erst mal alles toll an. Huge geht es zunächst noch recht gut, Toby leidet nicht so unter Angststörungen wie in der alten Wohnung und er fängt langsam an sich wieder besser zu fühlen und erinnert sich an glückliche Jugendzeiten im Ivy House mit seiner Cousin Susanna und seinem Cousin Leon. Doch dann machen die Kinder von Susanna bei einem Familientreffem im Garten des Ivy House eine folgenschwere Entdeckung. Und schon wird Tobys ganzes Selbstverständnis, sowie sein Bild von seiner Jugend und Familie völlig erschüttert.
Aus dieser Situation heraus macht sich Toby auf die Geheimnisse der Vergangenheit und sich selbst zu erforschen und was ans Licht kommt ist selten erfreulich. Noch dazu machen ihm seine Gedächtnislücken zu schaffen, er kann sich selbst nicht trauen.

Das Buch ist sicher kein klassischer Krimi, es benötigt schon einige hundert Seiten um zu dem Punkt zu kommen, wo überhaupt ein wirklicher klassischer Kriminalfall auftaucht. Mir hat aber gerade diese langsame und geheimnisvolle Erzählweise gefallen. Fans von tiefgründigen psychologischen Krimis werden mit dem Buch sicherlich auf ihre Kosten kommen.