Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Bachelorette Party“ von Camilla Sten

„Bachelorette Party“ von Camilla Sten ist ein  Thriller, den ich als Hörbuch gehört habe und der ein im Moment sehr beliebtes Setting gewählt hat: eine einsame Insel auf der die Protagonist:innen von der Außenwelt abgeschnitten sind. Da nicht alle Autor:innen es schaffen solche Geschichten wirklich gut umzusetzen, war ich gespannt wie es Camilla Sten (übrigens die Tochter der bekannten schwedischen Krimi-Autorin Viveca Sten) gelungen ist.

Schauplatz des Geschehens ist eine kleine Insel in den schwedischen Schären. 10 Jahre vor Beginn der aktuellen Geschichte verbrachten vier Freundinnen dort ein jährliches Mädels-Treffen, mit verstörendem Ausgang, die vier Freundinnen verschwinden spurlos und werden nie gefunden…nun – 10 Jahre später – will Anneliese auf der Insel ihren Jungesellinnen-Abschied feiern, zusammen mit ihren besten Freundinnen. Eine davon ist Tessa, eine Podcasterin deren Leben gerade in Scherben liegt und die sich fast besessen für True Crime interessiert und die das Verschwinden der vier Frauen nie losließ. Die Insel gehört inzwischen der Schwester einer der verschwundenen Frauen, sie will dort ein exklusives Yoga-Retreat für die Teilnehmerinnen der Bachelorette-Party veranstalten. Exklusiv vor allem, weil das neue Hotel auf der Insel eigentlich noch gar nicht eröffnet ist…

Was eigentlich ein entspanntes Achtsamkeits-Wochenende werden soll, erfüllt Tessa von Anfang an mit Unbehagen, denn irgendwas fühlt sich für sie nicht richtig an…

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und es hat meine Erwartungen definitiv erfüllt: die Atmosphäre auf der Insel ist beklemmend, die Thriller Handlung spannend und auch nicht ZU vorsehbar und das Buch wird nie langweilig. Kleinere Schwächen waren für mich lediglich, dass einige der Charaktere etwas blass bleiben und Tessa teilweise etwas hysterisch und kopflos reagiert (vor allem ironisch, da sie irgendwo im Buch mal die Theorie aufstellt, dass sie sich so intensiv mit True Crime beschäftigt hat, damit sie im Fall einer echten Gefahr auf alles vorbereitet ist, hat wohl eher nicht so gut geklappt).

Das Hörbuch ist mit etwas unter 9 Stunden eher kompakt und hört sich somit sehr gut, wenn man etwas Spannendes und Kurzweiliges hören möchte. Julia Nachtmann liest das Buch sehr dynamisch und lebendig und haucht vor allem der erzählenden Hauptfigur Tessa sehr viel Leben und Persönlichkeit ein. Für mich ein perfekter Urlaubs-Thriller. 

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Hörbuch-Tipp: „The Exes“ von Leodora Darlington

Den Thriller „The Exes“ von Leodora Darlington habe ich als Hörbuch gehört. Von dem Buch habe ich mir einen etwas außergewöhnlichen Roman versprochen, keine 08/15 Krimi- oder Thrillerkost. Diese Erwartung wurde auch durchaus erfüllt. Auch wenn ich das Buch vielleicht nicht unbedingt als Thriller einordnen würde, dafür passiert meines Erachtens vielleicht etwas zu wenig Aufregendes. Wenn dann passt auf jeden Fall eher das Genre des psychologischen Thrillers der leisen Töne. 

Natalie, die Hauptperson, ist mit James verheiratet, doch zu Beginn des Buches fängt die Ehe schon an zu bröckeln, denn James hat entdeckt, dass Natalies Ex-Freunden die Beziehung zu ihr in der Vergangenheit scheinbar nicht gut bekommen ist, denn ganze drei von ihnen sind tot. James Misstrauen ist geweckt und Natalie muss sich zusammen mit ihrer Therapeutin ihrer Vergangenheit stellen und alte Wunden wieder aufreissen. 

Dabei weiß man als Hörer:in nie so richtig wem man trauen kann, denn Natalie ist eine sogenannte unzuverlässige Erzählerin, so stellt sich durchgängig die Frage: kann man ihrer Einschätzung und Darstellung der Geschichte trauen? Kann sie sich selbst trauen? 

Insgesamt hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen, einziger Wermutstropfen für mich war, dass ein Charakter im Buch sich in seiner Rolle so unpassend verhält , dass mir irgendwie klar war, dass etwas mit dieser Person nicht stimmt, was einerseits etwas irritierend war und zweitens eine der Wendungen wenig überraschend ausfallen lies. 

Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus der Ich-Perspektive von Natalie, dieser weit größte Teil des Buches wird gelesen von Sandrine Mittelstädt. Außerdem gibt es gegen Ende kurze Sequenzen aus Sicht von anderen Personen, gelesen von Benito Bause und Viola Müller (die aufgrund der wenigen „Sendezeit“ nicht wirklich dazu kommen besonders aufzufallen, aber auf jeden Fall auch gut lesen). Insgesamt fand ich die Sprecher:innen alle sehr gut, wenn auch etwas kühl von der Ausstrahlung. 

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Jugendbuch-Tipp: „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble

„Warum du schweigst“ von Martin Schäuble ist ein Jugendbuch über ein sehr wichtiges und auch sehr aktuelles Thema, nämlich sexueller Mißbrauch im Sport. Als Fan von Sportarten wie Eiskunstlauf und Kunstturnen ist man hier leider Schlimmes gewohnt: strukturelles Versagen, Systeme die Machtmissbrauch begünstigen und oftmals die Verweigerung von Verbänden Missstände tatsächlich sichtbar zu machen und aufzuklären. In Martin Schäubles Buch geht es um Mädchenfußball, aber die Erfahrungen sind wohl leider überall ähnlich.

Das Buch wird abwechselnd aus Sicht von Lena und Tim erzählt. Lena ist 16 und begeisterte Fußballspielerin in einer Jugendmannschaft. Tim findet Lena gut und traut sich am Anfang des Buches endlich sie um ein Date zu bitten. Doch in den nächsten Wochen merkt er, dass Lena sich merkwürdig verhält. Lena wiederum freut sich  zunächst, dass ihr etwas dröger älterer Trainer, der das Team nicht genug fordert durch Charly, einen jüngeren engagierten Trainer ersetzt wird. Doch schnell wird ihr unbehaglich zumute, denn Charly überschreitet Grenzen, kleinere und größere…

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen, er behandelt natürlich heftige Themen, aber das ganze ist sensibel und sehr einfühlsam umgesetzt. Vom Schreibstil entfacht das Buch so einen Sog, dass ich es innerhalb eines Tages ausgelesen hatte. Der Wechsel zwischen Tim und Lena beim Erzählen gibt Leser:innen immer wieder eine kleine Verschnaufpause von Lenas Erfahrungen und zeigt außerdem auf wie auch ein aufmerksames und sich sorgendes Umfeld mit so einer Situation überfordert sein kann. Das Buch ist sehr wichtig und eignet sich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Absolute Leseempfehlung!

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Hörbuch-Tipp: „Das Signal“ von Ursula Poznanski

Heute will ich ein absolutes Hörbuch-Highlight vorstellen: „Das Signal“ von Ursula Poznanski. Die Autorin ist schon seit Jahren eine meiner absoluten Favoritinnen im Bereich Thriller und Krimis für Jugendliche und Erwachsene, da ihre Bücher immer innovativ sind, gut geschrieben, spannend und das bei gleichbleibend hohem Niveau. In vielen ihrer Thriller spielen moderne Technologien und teilweise auch Science Fiction Elemente eine Rolle, so ist das durchaus bei „Das Signal“, wobei die Technologien hier etwas profaner und alltäglicher daher kommen als in manch anderen Romanen: Die Innenarchitektin Viola Decker findet sich nach einem Unfall schockiert im Krankenhaus wieder, beim Einsturz ihres Weinkellers wurde sie unter Schutt begraben und verlor ein Bein. Warum sie in dem bekannterweise unsicheren Gewölbe unterwegs war, weiß sie nicht mehr. Ihr Mann, ein im TV bekannter etwas windiger Meinungsforscher kümmert sich auf den ersten Blick wundervoll um Viola, doch sie traut seiner Fürsorge nicht ganz. Vor allem nachdem er ohne Absprache eine unnahbare Pflegerin für sie engagiert und sie aus Sicherheitsgründen ins Erdgeschoss ihres Hauses verbannt, während er selbst im Schlafzimmer im Obergeschoss schläft.

Da Viola nicht mobil ist, stattet sie ihren Mann (und mit der Zeit noch so einiges mehr) mit GPS-Trackern aus und wird immer süchtiger danach zu verfolgen wo er sich aufhält. Doch bald stellt sie fest, dass zu viel zu wissen auch unliebsame Überraschungen bedeuten kann. Und immer noch bleibt das Rätsel was an dem Tag als sie ihr Bein verlor eigentlich genau passiert ist…

Mir hat das Buch wirklich hervorragend gefallen. Die Charaktere sind alle interessant und was mein Highlight war: Viola ist von Anfang an nicht das typische Thriller-Opfer, dass versucht sich gegen einen gefährlichen Bösewicht zu verteidigen, sondern eine durchaus selbst moralisch ambivalente Person mit einem starken eigenen Willen. Dadurch machte mir dieser Thriller deutlich mehr Spaß als die typischen 08/15 Krimis.

Getoppt wird das sowieso schon gute Buch noch durch Tessa Mittelstädt (vielen Zuschauer:innen bekannt als langjährige Assistentin im Kölner Tatort) als Sprecherin, die einen der besten Hörbuch-Jobs macht, die ich bisher gehört habe. Sie bringt die Geschichte und auch die Hauptperson wirklich zum Leben, so dass ich mir keine perfektere Art und Weise vorstellen könnte, dieses Buch zu konsumieren. 

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Hörbuch-Tipp: „Death at Morning House“ von Maureen Johnson

„Death at Morning House“ von Maureen Johnson ist ein Mystery-Krimi für Jugendliche, der mich in jeder Hinsicht überrascht und überzeugt hat. Ich habe ihn als Hörbuch gehört, das sehr kompetent und angenehm von Katja Körber gelesen wird.

Im Mittelpunkt des Buches steht Marlowe Wexler, ein queerer Teenager. Marlowe hat einen Crush auf ihre Mitschülerin Akilah. Bei einem Date versucht sie Akilah mit einem romantischen Candlelight-Dinner zu beeindrucken, brennt dabei aber leider versehentlich das Cottage von Bekannten ab, in dem sie für diese in deren Abwesenheit als Ferienjob nach dem Rechten geschaut hat. Nach diesem Faux-Pax ist es mit der Romantik erstmal vorbei und Marlowe wird um der deprimierenden Realität zu entkommen ein Ferienjob als Tourguide im Morning House angeboten. Dabei handelt es sich um ein altes Anwesen auf einer Insel nahe der Grenze zu Kanada, das in den 1930er Jahren von dem fragwürdigen Arzt Dr. Ralston (mit einer Besessenheit für Eugenik und einem gesunden Lebensstil) und seinen (Adoptiv)kindern bewohnt wurde , bis zu dem Tag als unter tragischen Umständen zwei der Kinder zu Tode kamen. 

Als Marlowe bei ihrem Job ankommt und die anderen jugendlichen Tour-Guides kennen lernt, merkt sie schnell, dass es dort so einiges an Spannungen und Geheimnissen in Gegenwart und Vergangenheit zu entdecken gibt. Und dann kommt es auch noch zu einem mysteriösen Verschwinden…

Das Buch hat mir wirklich hervorragend gefallen, aus den folgenden Gründen: für einen Jugend-Krimi (und um ehrlich zu sein auch im Vergleich zu vielen Krimis für Erwachsene) ist das Buch unheimlich vielschichtig, es gibt zwei Erzählebenen die sich abwechseln, erstens Marlowes Erlebnisse in der Gegenwart und die Geschehnisse um die Familie Ralston in den 1930er Jahren. Beide Handlungsstränge sind interessant und am Ende gelingt es der Autorin auch beides glaubwürdig miteinander zu verbinden. Die Charaktere sind zahlreich aber trotzdem auch überwiegend sehr gut ausgearbeitet und der Stil ist unheimlich charmant, mit viel Humor und einer sympathischen und etwas vom Pech verfolgten „Heldin wieder Willen“. Definitiv ein großes Lese- oder Hörvergnügen.

Bücher

Sachbuch-Tipp: „Kein Bock Club“ von Maria Popov

„Kein Bock Club“ von Maria Popov ist ein Buch, auf das ich über einige Posts auf Instagram aufmerksam wurde,  bei dem ich mir aber zunächst nicht sicher war ob ich es interessant genug finde es zu lesen, da es auf den ersten oberflächlichen Blick den Anschein erweckte, dass es darin nur um Asexualität ging und ich mir nicht sicher war, ob mich das genug interessieren würde. Nachdem eine Freundin das Hörbuch gehört hatte und weiterempfahl griff ich aber doch zu und wurde nicht enttäuscht, denn das Buch beschäftigt sich mit sehr vielen sehr relevanten Themen: dem Stellenwert von Sex in der Gesellschaft, dem überzogenen Blick auf die Bedeutung heteronormativer Beziehungen, weibliche und männliche Sexualität, gesellschaftliche Normen und Prägungen, Feminismus und Patriarchat.

Dazu erzählt die Autorin viele persönliche Anekdoten darüber wie ihr Blick auf Sex und Beziehungen durch ihre Jugendzeit geprägt wurde und wie schwer es ist sich davon zu lösen. Und am Wertvollsten an dem Buch finde ich den Fokus darauf wie gut es der Gesellschaft und den Menschen darin tun würde wenn man Freundschaften und alternative Beziehungsformen gleichberechtigt neben (sowieso meist romantisierte Vorstellungen von) romantische und durch Sex geprägte Beziehungen stellen würde. 

Das Buch ist bei der Vielfalt von Themen sehr kurzweilig und ich fand auch das Verhältnis zwischen persönlichen Anekdoten und Sachbuch ausgewogen. 

Bücher

Hörbuch-Tipp: „Body Number One“ von Helen Fields

„Body Number One“ von Helen Fields ist ein Hörbuch-Thriller der in Edinburgh spielt. Im Laufe das Buches wurde mir bewusst, dass es sich dabei wohl um Teil einer (mir unbekannten) Reihe handelt, da man den Eindruck bekam, dass die verschiedenen Ermittler:innen der Leserschaft bekannt sein müsste. Richtig gestört hat das aber nicht und der Krimi-Handlung kann man auch problemlos folgen, wenn man den Charakteren das erste Mal begegnet. 

Ausgangspunkt der Geschichte ist, dass ein mysteriöser Killer scheinbar wahllos und mit verschiedenen Methoden verschiedene Menschen tötet, ohne dass ein Zusammenhang zwischen ihnen erkennbar wäre. Nicht nur Geschlecht, auch Hautfarbe, sozialer Status und Alter wirken willkürlich gewählt.  Der sich daraus entwickelnde Fall und die Entwicklungen und Verwicklungen sind dann tatsächlich sehr kreativ und endet auch mit einer Wendung, die für einen Thriller recht raffiniert ist (als Verdacht kam sie mir trotzdem vor der Auflösung, aber ich lese auch sehr viele Krimis).

Etwas irritierend fand ich dass die Charaktere in dem Buch teils etwas merkwürdige Namen trugen („Woolwine“, „Waterfall“, „Midnight“, die eher Assoziationen mit einem schnulzigem Romantikroman in mir erweckten, aber das ist ja eher nebensächlich).

Gelesen wird das Buch von Kaja Sesterhenn, die einen sehr guten Job macht und alle Charaktere individuell zum Leben erwecken konnte. Die wenigen etwas horrorartigen Momente des Buches brachte sie sogar so überzeugend rüber, dass mir das Buch für kurze Momente sogar fast etwas zu gruselig war. 

Insgesamt hat mich das Hörbuch sehr gut unterhalten. Etwas mehr Charakterentwicklung hätte den Ermittler:innen aber nicht geschadet, zumal es sehr viele davon gab, aber vielleicht entwickelt sich das eher über den Gesamtverlauf der Reihe.

Bücher

Hörbuch-Tipp: „Der Trailer“ von Linus Geschke

„Der Trailer“ von Linus Geschke ist ein Thriller den ich als Hörbuch gehört habe. Gesprochen wird der Roman überdurchschnittlich gut von Richard Barenberg, weswegen ich definitiv empfehle den Thriller zu hören, denn der Sprecher erweckt die verschiedenen Charaktere mit so viel Dynamik und Unterschieden zwischen den verschiedenen Personen zum Leben, dass man fast das Gefühl hat ein Hörspiel zu hören.

Aber auch der Inhalt hat mich durchaus überzeugt: die aktuell wegen einer internen Untersuchung suspendierte Polizistin Frieda ist Gast in einem True Crime Podcast, in dem sie über einen 14 Jahre alten Cold Case spricht. Sie hat zwar nie in dem Fall ermittelt, aber sie kennt das Opfer, Lisa, mit dem sie gemeinsam in einem kleinen Ort aufgewachsen ist. Vor ca 14 Jahren verschwand Lisa von einem Campingplatz namens Donkerbloem in den belgischen Ardennen. Sie wurde nie gefunden und ihr Schicksal blieb somit ungewiß. Durch den Podcast wird auch Friedas Interesse an dem Fall wieder erweckt und sie beginnt zu ermitteln…

Und aufgeschreckt durch den Podcast wird auch jemand anders an die Geschehnisse in Camp Donkerbloem erinnert: der etwas zwielichtige Wout Meertens, der eine Bar führt und einige kriminelle Machenschaften in seiner Vergangenheit und Gegenwart hat. Auch er war damals in Camp Donkerbloem. Obwohl er eigentlich nichts von der Polizei hält lässt er sich von seinem Mitarbeiter Tayfun überreden Frieda anonym anzurufen, um seine Erinnerungen mit ihr zu teilen. 

Gemeinsam setzen die beiden eine Kette von Ereignissen in Gange, die auch 15 Jahre später Leben in Gefahr bringt…

Mir hat der Thriller sehr gut gefallen. Dass nicht eine klassische Ermittlung der Kommissarin im Mittelpunkt steht, macht die Geschichte besonders und interessant und die sehr unterschiedlichen Charaktere wachsen einem durchaus ans Herz. Auch die Auflösung hat mir gut gefallen. Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie, aber auch sehr gut einzeln lesbar. 

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Krimi-Tipp: „Das Nest“ von Sophie Morton-Thomas

Das Nest“ von Sophie Morton-Thomas ist ein psychologischer Kriminalroman, der durch einen außergewöhnlichen, aber sehr mitreissenden Stil geprägt ist. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Fran. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn Bruno an der Küste Englands und führt einen Campingplatz. Ihr Leben ist nicht besonders aufregend, sie liebt es Vögel zu beobachten und kann in diesem Hobby völlig versinken.

Doch schon am Anfang des Buches wird einem als Leser:in klar, dass Frans naturnahes Leben nicht wirklich idyllisch ist: das Verhältnis zu ihrem Mann könnte besser sein, auf dem Campingplatz lebt auch noch ihre Schwester mit ihrem alkoholkranken Partner und ihrer kleinen Tochter Sadie kostenfrei, was zu Konflikten führt.

Neben dem Campingplatz hat sich eine Gruppe Roma Reisender mit ihren eigenen Vans niedergelassen, Tad, ein älterer Herr der Gruppe lernt Bruno und Sadie kennen und beobachtet die Geschehnisse rund um Frans Familie als Außenstehender.

Nachdem Brunos und Sadies Lehrerin verschwindet (auch noch nachdem Sadie in der Schule Probleme mit ihr hatte) beginnt rund um Frans Leben alles auseinanderzubrechen…

„Das Nest“ ist ein Roman den ich einerseits großartig fand, denn die Atmosphäre  ist sehr eigenwillig und originell und Frans komplexes Innenleben ist hervorragend herausgearbeitet. Außerdem war die Geschichte trotz wenig Action wirklich mitreissend, so dass ich das Buch gar nicht mehr zur Seite legen konnte. Eigentlich spricht also alles für ein wirklich brillantes Buch, allerdings gab es auch kleine Abstriche: dadurch dass alle Geschehnisse ausschließlich aus der sehr subjektiven Sicht von Fran (die eine sehr erratische Erzählerin ist) und Tad erzählt werden bleiben die anderen wichtigen Charaktere der Geschichte in ihren Handlungen und Motiven undurchsichtig und es ist teilweise schwierig ihre Charaktere zu fassen zu bekommen. Dies ist vor allem bei Sadie und Bruno eine verpasste Chance. Und vielleicht damit zusammenhängend: ich fand die Handlungen vieler Personen im Buch nicht wirklich nachvollziehbar und fand es immer wieder schwierig zu glauben, dass jemand wirklich so handeln würde. 

Von dem her fand ich das Buch spannend, originell, toll geschrieben, aber etwas unglaubwürdig. Trotzdem empfehle ich es jedem der einmal einen Krimi lesen will, der aus dem Einheitsbrei heraussticht.

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Hörbuch-Tipp: „Coram House“ von Bailey Seybolt

„Coram House“ von Bailey Seybolt ist ein Thriller, den ich als Hörbuch gehört habe. 

Im Mittelpunkt steht die True Crime Autorin Alex Kelley, die nach dem Tod ihres Ehemannes und eines beruflichen Skandals ihre Wunden leckt. Als sie den Auftrag erhält quasi anonym im Auftrag eines Klienten ein weiteres Buch zu schreiben hofft sie auf einen literarischen Neuanfang ohne allzu viel Aufmerksamkeit. 

Sie soll die tragischen Ereignisse rund um einen vor Jahrzehnten passierten Missbrauchsskandal in einem von Nonnen und Priestern geführten Kinderheims namens „Coram House“ literarisch aufarbeiten. Der Gerichtsprozess rund um die Ereignisse endete in den 1980er Jahren mit einem Vergleich, doch der damalige Chefermittler möchte sich mit dem in Auftrag gegebenen Buch ein Denkmal setzen. 

Während ihrer Recherchen wird Alex auf Tommy, einen kleinen Jungen, aufmerksam, der wohl 1968 unter ungeklärten Umständen ertrank und gerade als Alex versucht tiefer in die damaligen Geschehnisse einzutauchen und rauszufinden was damals wirklich mit Tommy geschah, stößt sie im Wald auch noch auf eine ganz aktuelle Leiche. Hängt diese etwa mit den alten Geschehnissen zusammen? 

Im Großen und Ganzen hat mir der Roman gut gefallen, auch wenn ich ihn eher als Mystery-Krimi bezeichnen würde als als Thriller. Die Geschichte ist mysteriös und interessant und die Vermischung der alten Geheimnisse und der Gefahren in der Gegenwart macht sie noch etwas interessanter. Allerdings hat mich die Geschichte nicht zu 100% überzeugt: etwas nervig fand ich Alex, die mir etwas zu ich-bezogen und selbstmitleidig um sich selbst kreist (vor allem dafür, dass sie ständig betont wie sehr sie Tommys Schicksal nicht loslässt). Und auch die zumindest angedeuteten romantischen Avancen zwischen Alex und anderen Charakteren im Buch fand ich für die Handlung und das Genre eher überflüssig. Davon abgesehen aber trotzdem ein guter Krimi. 

Gelesen wird das Buch sehr gelungen von Heidi Jürgens (die die tatsächliche Handlung komplett liest) und Wolfgang Berger, der dazwischen eingeschobene Gerichtsprotokolle aus den 80er Jahren vorliest. Heidi Jürgens liest sehr lebendig und variiert sehr gut zwischen Alex und den anderen Charakteren, so dass es sehr viel Spaß macht das Buch als Hörbuch zu hören.