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Buch-Tipp: „Der König“ von Jo Nesbø

„Der König“ von Jo Nesbø hat meine Aufmerksamkeit geweckt, da es mal kein typischer Skandinavien-Krimi oder Thriller ist, in dem ein typisch nordischer grummeliger Kommissar versucht einem Serienkiller das Handwerk zu legen. Stattdessen sind die Hauptpersonen des Romans selbst eher zwilichte Personen. Die Brüder Roy und Carl leben in einem kleinen Dorf in Norwegen, namens Os, Roy ist Automechaniker, sein Bruder Carl gilt als „König von Os“, denn er führt ein Wellness-Hotel und gilt als erfolgreicher Geschäftsmann. Roy und Carl haben große Träume für Os, vor allem Roy möchte den kleinen Ort durch den Bau einer Achterbahn für Touristen noch attraktiver machen, doch ein Bauvorhaben bedroht die Attraktivität des Ortes. Also müssen Roy und Carl zu Tricks greifen, um die Sache zu ihren Gunsten zu drehen. Die beiden haben allerdings buchstäblich noch deutlich mehr Leichen im Keller und als der Dorfpolizist versucht Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen, wird schnell klar, dass Roy und Carl nicht nur enge Familienmitglieder sind, sondern auch Rivalen. 

Erst durch eine andere Rezension habe ich im Nachhinein mitbekommen, dass „Der König“ tatsächlich der zweite Band einer neuen Reihe ist, in „Ihr Königreich“ wurden die Brüder Carl und Roy dem Leser bereits vorgestellt, allerdings hatte ich den Start dieser Reihe nicht mitbekommen. Ich hatte beim Lesen von „Der König“ jedoch nie das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe oder dass mir Informationen fehlen, also ein sehr gutes Zeichen, dass das Buch auch unabhängig vom Vorgänger lesbar ist.

Trotzdem muss ich sagen, dass mich „Der König“ nur teilweise überzeugt hat. Der Roman ist auf jeden Fall mal etwas anders, das Dorfleben wird überzeugend geschildert, es ist fast unmöglich den bauernschlauen Roy trotz seiner zahlreichen Charakterfehler nicht zumindest etwas zu mögen  und die Erzählweise der Geschichte hat fast etwas von einem Western und ist somit etwas für Leute, die es in einem Romane auch gern mal etwas altmodischer und robuster haben. Gestört hat mich, dass in dem Krimi nie so Richtung Spannung aufkam und dass die Liebesgeschichte zwischen Roy und der jüngeren Natalie für so einen Roman doch fast etwas kitschig daherkam. Und auch der Aufhänger des Achterbahn-Traums wirkt ein bisschen wie ein merkwürdiges Hirngespinst, das wenig zur Handlung beiträgt. Insgesamt lässt mich der Roman also nicht unbedingt mit dem dringenden Wunsch zurück mehr von dieser Reihe zu lesen, als Einzel-Roman war es aber eine nette Abwechslung vom Krimi-Alltag.

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Jugendbuch-Tipp: „Scandor“ von Ursula Poznanski

“Scandor” von Ursula Poznanski ist mir das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse begegnet, wo ich ein Interview mit ihr dazu gehört habe. Dabei handelt es sich um ihren neuesten Jugendbuch-Thriller mit interessanter und wie fast immer etwas Sci-Fi artiger Thematik: 100 Personen werden scheinbar zufällig zu einer Challenge eingeladen, darunter die 19-jährige Tessa und der gleichaltrige Phillip. Sie bekommen einen neuartigen Lügendetektor am Arm angebracht, der jede Aussage von Ihnen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Werden sie bei einer Lüge ertappt, fliegen sie aus dem Wettbewerb. Wer am Längsten durchhält gewinnt 5 Millionen Euro. Um die Motivation der Teilnehmer zu steigen, nicht freiwillig aus dem Rennen auszusteigen muss jeder der mitmacht einen Vertrag unterzeichnen, der ihn verpflichtet sich nach dem Ausscheiden seiner größten Angst zu stellen.

Wie erwartet, ist es gar nicht so einfach im Alltag nicht zu lügen, denn natürlich sind auch keine kleinen Notlügen oder höfliche Floskeln, die nicht ganz erst gemeint sind, erlaubt. Doch auch sonst bietet der Wettbewerb einige Tücken, denn wer steckt eigentlich dahinter und hat der- oder diejenige vielleicht einen Hintergedanken?
Jemand der gerne Erwachsenen-Thriller liest, wird sicher hier seine Erwartungen nicht erfüllt sehen, denn Gewalt, Hochspannung oder blutige Geschehnisse sucht man hier (glücklicherweise) vergebens. Das Buch lebt für mich vor allem von der Grundidee und der Beschäftigung mit den Auswirkungen, die man sich auch in seinem eigenen Alltag sehr gut vorstellen kann: was würde es wirklich bedeuten im Alltag nie lügen zu dürfen, bei der Arbeit, bei der Unterhaltung mit geliebten Menschen oder bei Zufallsbegegnungen. Zudem werden die Teilnehmer von dem Spiel auch noch mit Spezialaufgaben unter Druck gesetzt, so dass es nicht möglich ist, sich dem Spiel durch Isolation zu entziehen. Die hinter dem Spiel liegende Handlung ist vielleicht nicht völlig unvorhersehbar, aber trotzdem wie ich finde in sich logisch und spannend erzählt.
An Ursula Poznanskis Büchern überzeugt mich immer ihre durchgehend hohe sprachliche und auch inhaltliche Qualität, denn obwohl sie sehr viele Bücher schreibt, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen, dass mir nicht gefallen hat. “Scandor” gehört sogar zu den Büchern, die mir mit am Besten gefallen haben.

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Buch-Tipp: „Nach uns der Himmel“ von Simone Buchholz

„Nach uns der Himmel“ von Simone Buchholz ist ein nicht allzu umfangreicher Roman, der auf den ersten Blick eine unspektakuläre Geschichte erzählt. Drei Paare, ein Sohn im Teenageralter und eine junge Frau landen nach einem wetterbedingt turbulenten Flug auf ihrer Ferieninsel. Noch etwas mitgenommen von der Anreise machen die Urlauber sich mit dem Urlaubsort vertraut und auch wenn sie sich vorher nicht alle kannten, haben sie doch etwas gemeinsam: fast alle sind mehr oder weniger unglücklich in ihren Beziehungen. Während ich die Beschreibungen der ganz normalen Alltagskonflikte schon sehr gelungen und unterhaltsam fand, wird beim Lesen des Buchs sehr schnell klar, dass es auf der Insel nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Denn warum haben die Urlauber oft solche Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit der Inselbewohner zu erlangen? Worauf die Geschichte in dem Buch hinausläuft ist nicht besonders schwierig zu erraten, es war aber sicher auch kein Anliegen der Autorin, den Clou der Geschichte besonders lange geheim zu halten. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob mich die Idee des Buches ganz abholt, aber zum Ende hin muss ich sagen, dass das Buch für mich gut funktioniert hat, eine schöne ruhige intelligente Geschichte über das Leben und was die Menschlichkeit ausmacht.