Bücher, Hörbuch

Hörbuch: „I kissed Shara Wheeler“ von Casey McQuiston

„I kissed Shara Wheeler“ ist ein Young Adult Hörbuch von Casey McQuiston, das eine humorvolle queere Liebesgeschichte erzählt und mir vor allem wegen des bunten Covers in Auge stach. Hauptperson des Buches ist Chloe, die mit ihren beiden Müttern im liberalen Kalifornien aufgewachsen ist, aber nach dem Tod der Großmutter zurück in den Heimatstaat ihrer einen Mutter zog, ausgerechnet ins stockkonservative Alabama. Dort eckt Chloe zwar oftmals (auch absichtlich) an, ist aufgrund ihres Ehrgeizes und ihrer herausragenden Noten aber trotzdem kurz davor die High School als Jahrgangsbeste abzuschließen. Zwischen ihr und dem Triumph steht nur Shara Wheeler, blond, intelligent, beliebt, wunderschön und Tochter des Schuldirektors. Mit ihr steht Chloe in leidenschaftlicher Konkurrenz. Nur wenige Wochen vor dem Schulabschluss passiert dann das Unfassbare: Shara küsst Chloe und verschwindet am nächsten Tag spurlos, hinterlässt aber merkwürdige Botschaften auf Notizzetteln. Zusammen mit Shara’s Freund und dem Nachbarsjungen Rory versucht Chloe widerwillig rauszufinden was für ein Spiel Shara spielt.

So weit die Story des Buches, das einige gute Ansätze hat, mich aber insgesamt leider nicht 100% überzeugt hat. Mein erstes Problem mit dem Buch ist, dass sich die Handlung doch ein bisschen sehr in Grenzen hält, Als Leser:in weiß man eigentlich nie so richtig warum Shara eigentlich verschwunden ist, warum Chloe sie überhaupt sucht und auch die Auflösung des ganzen bleibt irgendwie nicht besonders nachvollziehbar. Zweitens funktioniert das Buch als Liebesgeschichte finde ich nicht so richtig, denn eine Chemie zwischen Shara und Chloe kommt eigentlich nie so richtig auf. Das ist eigentlich auch nicht so richtig verwunderlich, ist Shara doch mehr als 70% des Buches (ich hab auf die Hörbuch Fortschrittsanzeige geschaut) verschwunden und wird nur aus Sicht von Chloe charakterisiert, die aber kein gutes Haar an ihr lässt (was vermutlich unterdrückte sexuelle Anziehung rüberbringen soll, es aber eher nicht tut). 

Erst gegen Ende des Buches treffen Shara und Chloe tatsächlich wieder aufeinander, weswegen dieser Teil des Buches mir auch am Besten gefallen hat. 

Die Sprecherin des Hörbuches las für meinen Geschmack auch etwas zu konfrontativ und hart, was Chloe vielleicht noch etwas kratzbürstiger rüberkommen liess als ihr Charakter angelegt war, eventuell hätte man mit einer etwas „weicheren“ Sprecherin ein anderes Bild von Chloe bekommen?

Das klingt jetzt alles sehr negativ, trotzdem hatte das Buch gute Ansätze und war unterhaltsam, Romantik kam für mich aber zu wenig auf.

Bücher

Young Adult Tipp: „Letztendlich waren wir auch nur verliebt“ von William Hussey

„Letztendlich waren wir auch nur verliebt“ von William Hussey hat für einen Young Adult Roman eine etwas außergewöhnliche und traurige Ausgangssituation, denn das verliebte Paar um das es in dem Roman geht wird direkt am Anfang brutal auseinander gerissen: Der schüchterne, bisher ungeoutete und nicht besonders beliebte Dylan verliebte sich Hals über Kopf in seinen neuen Mitschüler Ellis, der so ganz anders ist als Dylan: selbstbewusst, provokant, schillernd und offen queer. Einige Monate wie auf einer Achterbahn verbringen Dylan und Ellis zusammen, dann wird ihre Beziehung überraschend öffentlich, denn jemand hat die beiden heimlich gefilmt und das Video auf Instagram geteilt. Dylan nutzt die Gelegenheit sich zu outen und eigentlich wäre nun erst Recht alles Bestens, aber in der gleichen Nacht gibt es einen folgenschweren Unfall und Ellis kommt ums Leben.

Die Ereignisse überschlagen sich also schon ganz am Anfang des Romans und ähnlich turbulent und leidenschaftlich wie der Beginn ist auch das ganze Buch. Während Dylan in der Gegenwart von Schuldgefühlen überwältigt wird, ist er gleichzeitig sicher, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Er ist sich sicher, dass er in der Unfallnacht von einer unbekannten Person gerettet wurde, die Ellis bewusst sterben liess. Während Polizei und auch sein Umfeld dies skeptisch als Symptom seiner Schuldgefühle als Überlebender sieht, ist Dylan fest entschlossen herauszufinden wer die Person war. Außerdem will er Ellis verborgene Geheimnisse lüften, denn dieser benahm sich in den letzten Monaten teilweise merkwürdig…

Das Buch erzählt abwechselnd von der Zeit nach Ellis Tod und abwechselnd erfährt der Leser was in den vergangenen Monaten passiert ist, von Dylans und Ellis erstem Kennenlernen bis hin zu der tragischen Nacht in der Ellis ums Leben kann.

Die Themen im Buch sind also sehr vielfältig: Coming out, Konflikte mit den Eltern, eine Liebesgeschichte, Dylans Beziehung zu seinem besten Freund Mike und dazu Dylans Recherchen, die dem Buch fast ein bisschen den Anschein eines Krimis gibt. Das klingt in der Beschreibung irgendwie überladen, aber in der Praxis funktioniert das Buch einfach, alles fügt sich nahtlos und harmonisch ineinander, die Charaktere sind sympathisch, stark und liebevoll gezeichnet und werden für den Leser lebendig.

Für mich deswegen ein wirklich außergewöhnlich guter Young Adult Roman, der aus der Masse heraussticht, spannend und charmant ist und trotz der Tatsache, dass eine Hälfte des Liebespaares tot ist, trotzdem unheimlich romantisch ist. Für mich eines der Lese-Highlights 2022.

Hörbuch

Hörspiel-Tipp: „Krabat“ von Otfried Preussler

„Krabat“ von Otfried Preussler ist eines meiner absoluter Lieblings-Jugendbücher aller Zeiten. Ich habe es als Kind bestimmt um die 10x gelesen und auch als Erwachsene 1-2x. Als ich nun sah, dass es eine Neuauflage der Hörspiel-Fassung von 2016 gibt, habe ich beschlossen mich mal an eine andere Umsetzung zu wagen.
Die Geschichte dürfte Vielen vermutlich bekannt sein, der Kampf gegen Schwarze Magie, die Kraft der Liebe, für ein Jugendbuch sehr düster und teils auch brutal, basierend auf der alten sorbischen Krabat-Sage, ist es ein sehr poetisches und kraftvolles Buch. Der 14-jährige Waisenjunge Krabat wird von einem Traum wiederholt auf eine Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm aufmerksam gemacht, sie scheint nach ihm zu rufen und nachdem er sich dorthin aufgemacht hat, beginnt er eine Lehre als Müllerbursche. Zunächst findet er die Arbeit trotz des strengen und teils grausamen Müllermeisters spannend, vor allem als er lernt, dass dort nicht nur die Arbeit als Müllersbursche gelehrt wird, sondern die Kunst der Schwarzen Magie. Doch bald muss Krabat erkennen, dass er einen Pakt eingegangen ist, der ins Verderben führt und dass in der Mühle schlimme Dinge vorgehen…

Das Hörspiel wird von den vielen Beteiligten Lesern sehr gut gelesen und ist mit sehr sehr schöner mystischer und atmosphärisches Musik unterlegt, alles ist sehr harmonisch arrangiert, Max Mauff liest den Krabat sehr sensibel, sehr gut gefallen hat mir auch Laura Maire als seine Angebetete Kantorka.

So hat mir das Hörspiel wirklich gut gefallen, auch wenn ich als Fan des Buches sagen muss, dass es mich doch nicht ganz in gleichem Massen verzaubern konnte wie das Buch, aber das ist vermutlich auch sehr schwierig, wenn man das Buch so sehr mag und den für ein Hörspiel notwendigen Kürzungen geschuldet und vermutlich eher eine individuelle Sache, generell ist das Hörspiel absolut empfehlenswert. Ausgesprochen gelungen finde ich auch das Cover der neuen Ausgabe.

Bücher

Jugendbuch-Tipp: „Optimisten sterben früher“ von Susin Nielsen

Optimisten sterben früher“ ist ein Young Adult Roman der kanadischen Jugendbuchautorin Susin Nielsen. Hauptfigur ist die Jugendliche Petula, die seit dem Tod ihrer kleinen Schwester im Alter von 3 Jahren übervorsichtig und mit diversen Angst- und Zwangsstörungen belastet durchs Leben geht. Sie gibt sich die Schuld am Tod ihrer Schwester, denn diese erstickte im Schlaf an einem Knopf eines Anzugs, den Petula für sie genäht hatte. Seitdem versucht Petula jedes Risiko für sich selbst und ihre Familie auszuschalten, sammelt Artikel über tragische und unwahrscheinliche tödliche Unglücke, übererfüllt selbst ohne Corona jegliche Hygieneanforderungen und dazu sieht sie es noch als Aufgabe an die Ehe ihrer Eltern am Laufen zu halten, indem sie auch den Familienalltag möglichst konfliktfrei gestaltet. Bei einer schulischen Kunst-Therapiegruppe (von den Kids zynisch „Basteln für Bekloppte“ genannt) lernt sie Jacob kennen, der nach einem Unfall auf Petulas Schule gewechselt ist, eine Armprothese trägt und die Gruppe trotz seiner eigenen Probleme durch seine positiven Impulse bereichert. Auch Petula öffnet sich ihm langsam und – wie in Young Adult Romanen unvermeidlich 😉 – verliebt sich in ihn. Doch es stellt sich heraus, dass Jacob über seine eigene Vergangenheit nicht ehrlich war…

Der Roman ist sicher für einen Young Adult recht typisch und hat all die üblichen „Inhaltsstoffe“, trotzdem fand ich, dass er definitiv sehr positiv heraussticht. Die Charaktere sind farbig und lebendig gezeichnet und sehr charmant, mit Petula kann sich vermutlich jeder identifizieren, der Schreibstil ist trotz des schweren Themas humorvoll und leicht und die ganze Geschichte ist mindestens so humorvoll wie traurig. Von dem her eine absolute Leseempfehlung.

Bücher

Young Adult Tipp: „Die Liebesbriefe von Abelard und Lily“ von Laura Creedle

„Die Liebesbriefe von Abelard und Lily“ von Laura Creedle ist ein typischer Young Adult Roman, in dem sich 2 Außenseiter im High School Alter ineinander verlieben. Dieses Genre ist im Young Adult Bereich seit Jahren sehr beliebt, so dass immer etwas die Gefahr besteht, dass sich die Bücher sehr ähneln. Aber „Die Liebesbriefe von Abelard und Lilly“ haben mich definitiv begeistert, vor allem wegen der Charaktere. Lily hat ADHS oder zumindest eine ADHS artige Störung und deswegen immer Probleme mit ihrer Impulskontrolle, Aufmerksamkeit und dem Erfüllen von Aufgaben im Schulalltag.

Außerdem vermisst sie ihren Vater, der die Familie vor einigen Jahren verlassen hat und verträgt ihre ADHS-Medikamente nicht besonders gut. Insgesamt ist die Schule für Lily also aktuell eher kein Quell der Freude, auch wenn ihre beste Freundin immer für sie da ist.
Doch als sie eines Tages ausversehen gemeinsam mit ihrem Mitschüler Abelard (der zwar hochintelligent ist, aber eine autistischen Störung hat) eine Schiebetür in der Schule kaputt macht, lernen die beiden sich beim Nachsitzen näher kennen und verlieben sich ineinander.

Für Lily ändert das viel, denn zum ersten Mal fühlt sie sich von jemanden genauso angenommen wie sie ist, Abelard findet sie perfekt und auch wenn die Beziehung zu ihm nicht einfach ist (als sie einmal 15 Minuten zu spät zu einem Besuch kommt bekommt Abelard der mit Veränderungen nicht gut umgehen kann, gleich einen Anfall) schwebt Lily für ihre Verhältnisse auf Wolke 7. Doch dann bekommt Abelard ein Angebot, dass er fast nicht ablehnen kann…

Das Buch wird aus Sicht von Lily erzählt, die ihren Schul-, Freundes- und Familienalltag mit viel Ironie und Humor schildert. Lily und Abelard sind tolle und sympathische Charaktere und man kann sich mit ihnen und Lilys Problemen sehr gut identifizieren. Für mich deswegen ein sehr liebeswertes, leichtes und gelungenes Buch, das ich in Windeseile verschlungen habe.

Bücher

Jugendbuch-Tipp: „Comedy-Queen“ von Jenny Jägerfeld

„Comedy Queen“ von Jenny Jägerfeld ist ein schwedisches Jugendbuch, in dessen Mittelpunkt die gerade 12 Jahre alt gewordene Sasha steht. Sasha lebt seitdem ihre depressive Mutter Selbstmord begangen hat zusammen mit ihrem Vater und hat nur ein neues Ziel, sie möchte unbedingt Stand-Up Comedienne werden. Denn ihre Mutter brachte seit Jahren Menschen zum weinen und traurig sein und Sasha ist überzeugt, möchte sie im Leben bestehen, muss sie alles genau gegenteilig machen wie ihre Mutter. Dafür hat sie extra eine Liste mit Dingen gemacht, die sie auf keinen Fall machen möchte und dazu gehören nicht nur Dinge die ihre Mutter gerne getan hat wie „in den Wald gehen“ oder „Bücher lesen“ (was Sashas schulisches Weiterkommen in eine schwere Krise versetzt, da es auch für Schulbücher gilt), sondern eben auch „Comedy Queen werden“ und „gar nicht erst versuchen sich um etwas Lebendiges zu kümmern“. Da Sasha niemandem von der Liste erzählt, führt ihr Verhalten zu so einiger Irriation bei Familie und Freunden und als ihr Vater sie auch noch zu einer psychologischen Beratung animieren möchte, um über den Tod der Mutter zu sprechen, ist Sasha umso entschlossener zu jeder Zeit möglichst normal und fröhlich rüber zu kommen.

Obwohl das Buch ein trauriges Thema hat, ist es nie deprimierend oder besonders düster, denn Sasha ist eine sehr sympathische und liebenswerte Hauptperson und ihre Erlebnisse sind mit viel Witz und Selbstironie erzählt, so dass das Buch das traurige Thema Depression und Verlust zwar 100% ernst nimmt, aber trotzdem einen Ton findet, der auch jugendliche Leser ansprechen dürfte und der das ganze Buch charmant und trotzdem berührend und einfühlsam macht. Empfohlen wird das Buch für die Altersgruppe 10 – 12 Jahre, aber ich fand es auch als Erwachsene sehr lesenswert.

Bücher

Jugendbuch-Tipp: „Sein Reich“ von Martin Schäuble

Heute möchte ich einen interessanten Jugendroman vorstellen, der sogar in meiner Heimat spielt, nämlich Sein Reich von Martin Schäuble. Hauptperson ist der 15-jährige Juri, er lebt mit seiner Mutter und deren Freund in Stuttgart. Die Sommerferien stehen kurz bevor, aber im Gegensatz zu seinen Freunden in de r Schule kann er sich keine spannenden Urlaubsreisen leisten und die familiäre Situation zuhause belastet ihn ebenso, denn der Freund seiner Mutter macht nicht viel außer zuhause rumhängen und Bier saufen.

So bekommt Juri also die Idee seinen Vater im Schwarzwald überraschend zu besuchen, obwohl er ihn seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat, nämlich seit dieser Juri und seine Mutter an der Haustür abgewiesen hat. Trotzdem erscheint der Versuch Juri lohnender als die ganzen Sommerferien in Stuttgart rumzuhängen. Diesmal gelangt Juri auch durch die offene Haustür ins Haus seines Vaters und auch wenn der nicht gerade begeistert reagiert und eher wortkarg ist, lässt er Juri zumindest bleiben.

Am Anfang findet Juri den Urlaub auf dem Land auch durchaus interessiert, sein Vater bastelt mit ihm an einem Modellflugzeug und dessen Freund Achim lebt mit seiner Frau und 4 Kindern im Wald, die haben zwar alle etwas merkwürdig altmodische Namen, aber die 13-jährigen Zwillinge haben es Juri durchaus angetan und auch zur sonstigen Dorfjugend kann er Kontakt knüpfen, so dass er bald zwischen der 13-jährigen Margarete und der älteren Jule aus dem Dorf hin und hergerissen ist. Eigentlich also ein durchaus ansprechender Sommer in Aussicht, aber mit der Zeit kommt Juri doch so Einiges an seinem Vater und dessen Freunden merkwürdig vor, warum bastelt der Mechaniker Karl Nummerschilder mit der Aufschrift “Deutsches Reich” an die Autos seiner Freunde. Spätestens als Juris Vater ihm erleuchtende Bücher aufschwatzt und ihm einen Bunker zeigt, den er zusammen mit seinem Freund Achim im Wald gebaut hat, wird Juri klar, dass sein Vater nicht nur ein harmloser Spinner ist, wie er zuerst dachte und ihm wird immer mulmiger…

Das Buch ist in eher einfacher und für Teenager sicher gut zu lesender Sprache geschrieben, die durchaus ernsthafte Thematik rund um Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und Prepper wird trotzdem locker rüber gebracht und Juri ist ein sehr sympathischer Hauptcharakter, so dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat dieses Buch zu lesen, eindeutig eine Leseempfehlung.

Bücher

Young Adult Tipp: „Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner

„Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner ist ein Young Adult Roman, der ein schwieriges Thema angeht. Die 15-jährige Helene Mey und ihre Freundin Cassie sind unzertrennliche Freundinnen. Bis zu dem Zeitpunkt als ein ehemaliger Mitschüler der beiden an der Schule einen Amoklauf begeht. Cassie ist unter den Toten und Helene hadert mit ihrem Überleben, Schuldgefühlen und ihrer Wut. Sie erträgt die Vorstellung nicht, dass der Täter Cassie zufällig ausgewählt hat und möchte unbedingt herausfinden, ob der Täter Cassie oder die anderen Opfer kannte, um einen Sinn hinter der Tat zu finden. Etwas Halt in dieser schwierigen Zeit gibt ihr nur ihre Freundschaft zu dem zwei Jahre älteren Erik, für den aber auch Cassie vor ihrem Tod schwärmte. Als Erik Interesse an Helene zu zeigen beginnt, möchte sie dieses deswegen erstmal gar nicht zulassen…

Der Roman hat also die typischen Zutaten eines Young Adults Romans, auf der einen Seite ein durchaus schweres Thema, das für viele Teenager Relevanz haben dürfte. Auf der anderen Seite die im Genre fast schon obligatorische Liebesgeschichte. Vom Schreibstil hat mir das Buch hervorragend gefallen, der ist eingängig, trotzdem durchaus etwas poetisch und Helene ist ein sehr interessanter und vielschichtiger Hauptcharakter, nicht auf den ersten Blick liebenswert, oft in ihrem Zorn egoistisch und etwas rücksichtslos, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Ihr Trauerprozess und wie sie langsam ins Leben zurückfinden wird ist glaubhaft beschrieben, die Liebesgeschichte ist einfühlsam und nicht kitschig und die Thematik rund um die Nachwirkungen eines Amoklaufs auf Freunde, Familie und Helene selbst wird im Buch gut herausgearbeitet. Lediglich den Epilog des Buches fand ich vom Stil etwas mit dem Rest brechend und für mich wäre er auch nicht wirklich nötig gewesen.

Bücher

Young Adult Tipp: „Das Schicksal weiß schon, was es tut“

„Das Schicksal weiß schon, was es tut“ von Brigid Kemmerer ist ein Young Adult Roman, der meine Aufmerksamkeit vor allem durch das schlichte, aber sehr gelungene Cover erlangte. Vom Setup gewinnt das Buch vielleicht keinen Kreativ-Preis, denn im Zentrum steht die Liebesgeschichte zweier an der High School sozial geächteten Teenager (dass zwei Außenseiter oder zwei Nerds sich ineinander verlieben kommt in diesem Genre vermutlich genauso oft vor wie die Variante, dass sich ein Außenseiter in den mega beliebten Cheerleader/Football Star verliebt. Es wäre sicher einmal eine interessante Aufgabe einen Young Adult Roman zu schreiben in dem sich zwei beliebte Teenager ohne Problem ineinander verlieben und das interessant zu gestalten 😉 ).

Die beiden Hauptcharaktere in „Das Schicksal weiß schon, was es tut“ haben aber beide die Besonderheit nicht schon immer an ihrer High School geächtet zu sein, sondern bei beiden liegt der Grund erst relativ kurz in der Vergangenheit. Maegan hat vor ca. einem Jahr bei einem wichtigen SAT-Test betrogen, was dazu führte, dass auch die Tests aller ihrer Mitschüler annuliert und neu geschrieben werden mussten. Entsprechend begeistert sind ihre Mitschüler von Maegan. Rob hingegen wurde in Sippenhaft genommen. Seit Vater hat als Finanzberater mit windigen Betrügereien die halbe Kleinstadt-Community um ihr Geld gebracht. Nachdem er verhaftet wurde, versuchte er Selbstmord zu begehen, scheiterte aber und lebt seit dem pflegebedürftig bei Rob und dessen Mutter, die seitdem auch noch mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Und als wäre das noch nicht alles kam Maegans Schwester Samantha gerade schwanger vom College heim, so dass auch bei Maegan der Haussegen schief hängt. In dieser schwierigen Situation lernen Maegan und Rob sich mehr oder wenig unfreiwillig näher kennen, da beide keinen anderen Partner für ein Mathe-Projekt finden und trotz Startschwierigkeiten merken sie bald, dass der andere gar nicht so übel ist…

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus Sicht von Rob und Maegan erzählt, die Sprache ist dabei sehr humorvoll und trotzdem feinfühlig und liest sich wunderbar leicht weg. Auch die Chemie zwischen Rob und Maegan stimmt. Interessanterweise gerät die Liebesgeschichte in der 2. Hälfte des Buches eher etwas in den Hintergrund, da die Geschichte rund um Robs Vater einen wichtigeren Teil einnimmt. Dies macht das Buch deutlich weniger vorhersehbar als es am Anfang den Eindruck erwecken mag. Insgesamt hat mich das Buch hervorragend unterhalten, auch wenn man sich eventuell die Geschichte rund um Samanthas Schwangerschaft hätte sparen können, da der Hauptplot denke ich völlig ausgereicht hätte um dem Buch die nötige Tiefe zu verleihen. Das ist aber nur eine Kleinigkeit und tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Bücher

Jugendbuch: „Ich bin V wie Vincent“

„Ich bin V wie Vincent“ von Lucinde Hutzenlaub ist ein Jugendbuch ab 12 Jahre in dem es um das schwierige, aber für Jugendliche sicher immer hochaktuelle Thema Mobbing geht.

Im Mittelpunkt des Buches steht Milo. Er ist mit seinen Eltern und seinem Bruder Carl aus Namibia nach Deutschland gezogen, da sein Vater aus beruflichen Gründen umsiedeln musste. Milo vermisst seine Freunde, die Farm seiner Eltern in Namibia und mit dem Deutschen Wetter kann er sich auch nicht so recht anfreunden. Seine Stimmung ist also sowieso schon nicht gut und dann stellt sich seine neue Schulklasse auch noch als Katastrophe heraus. Sein Mitschüler Max terrorisiert gefühlt die halbe Klasse und pickt sich Milo direkt als nächstes Opfer heraus. Einziger Lichtblick in der Klasse ist Nike, in die sich Milo unsterblich verliebt. Doch auch sie hat so ihre Probleme mit Max.

Während sich Milo im realen Leben ohnmächtig fühlt, kommt ihm in der virtuellen Welt eine Idee…er eröffnet einen anonymen Youtube Account unter dem Pseudonym „V wie Vincent“ (angelehnt an seinen Lieblingsfilm „V wie Vendetta“), in dem er sich gegen Mobbing und für mehr Zusammenhalt und Courage ausspricht und zu seiner großen Überraschung wird der Kanal ein Riesenerfolg…und hat echte Konsequenzen in der wirklichen Welt, leider nicht nur Positive.

Das Buch ist sehr kurzweilig und einfach zu lesen, die Sprache ist direkt gehalten und für die angepeilte Altersgruppe sicher gut lesbar. Allerdings hatte ich aufgrund des männlichen Protagonisten erwartet, dass das Buch sich vielleicht eher an männliche jugendliche Leser richtet, dafür fand ich die Liebesgeschichte aber irgendwie ein bisschen arg schmalzig formuliert und bin mir sehr unsicher ob das Jungs in dem Alter so ansprechen würde. Was mich auch noch etwas störte ist dass Milo auf mich ein bisschen sehr idealisiert war und alles etwas sehr schwarz/weiss gemalt. Die „Bösen“ im Buch hören ständig Deutsch-Rap, Milo hört Woodstock Musik aus der Zeit seiner Eltern und gerne auch mal Klassik…hmmm…die (nett wirkenden!) Jungs an der Supermarkt Kasse hinter mir gestern wirkten auf mich nicht so als ob sie sich mit so einem Milo identifizieren würden oder so sprechen würden wie er.

Von dem her bin ich etwas hin und her gerissen von dem Buch, es ist sehr unterhaltsam und leicht zu lesen und sicher auch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing, in dem viele Schüler Situationen und Dinge aus dem Schulalltag wieder erkennen können. Die Autorin schrieb am Ende des Buches, dass sie das Buch aufgrund eigener Mobbing-Erfahrungen in ihrer Kindheit geschrieben hat und deswegen nehme ich an, dass es deswegen so geschrieben ist und dass Milo und was er erreicht wirklich inspirierend wirken soll.

Allerdings habe ich doch etwas Bedenken, dass es für wirklich Betroffene zu unrealistisch rüber kommen könnte, denn das das in der realen Welt ein Betroffener so hinkriegen würde wie in dem Buch halte ich für unwahrscheinlich. Die Jugendlichen in dem Buch handeln eher „übermenschlich“, doch wie oft wird gerade ein Mobbing-Opfer dazu in der Lage sein? Außerdem befremdete mich etwas, dass die Jugendlichen in dem Buch doch sehr „alleine gelassen“ werden, im Prinzip müssen Milo und Nike die ganzen Probleme (wozu z.B. auch durchaus aggressive sexuelle Belästigung zählt) „alleine“ lösen, während Lehrer und Eltern offenbar vorher ewig nichts getan haben und dann später auch nichts tun bzw. nicht viel. Die Erwachsenen im Buch agieren sehr passiv. Das mag tatsächlich realistisch sein, aber läuft der hoffnungsvollen Botschaft der Geschichte vielleicht etwas zuwider, denn beim Betroffenen könnte der Eindruck aufkommen, dass er sich selbst helfen muss…

Das klingt jetzt beim Schreiben alles erst mal ganz schön negativ, aber so habe ich das Buch nun auch nicht empfunden. Ich denke es eignet sich aber besser, um in der Klasse zum Beispiel gemeinsam gelesen und dann mit Lehrer besprochen zu werden als zumindest jüngere Leser ganz damit allein zu lassen. Gut fand ich auch, dass aktuelle Themen wie Social Media und Youtube-Channels mit eingebaut wurden.