Bücher

Thriller Tipp – „Wenn das Licht gefriert“ von Roman Klementovic

„Wenn das Licht gefriert“ ist ein Psychothriller des österreichischen Schriftstellers Roman Klementovic.
Vor vielen Jahr verschwand die 18-jährige Anna nach ihrer Geburtstagsparty spurlos, Tage später wurde ihre Leiche im Wald gefunden. Der Täter wurde nie gefasst, zusätzlich schien in der Gegend auch noch ein weiterer Psychopath sein Unwesen zu treiben, der immer wieder Menschen überfiel unter verprügelte.

Jahrzehnte später sind Annas Eltern immer noch nicht über den Verlust hinweg und auch Elisabeth, die Mutter von Annas bester Freundin Valerie konnte die schlimmen Ereignisse von damals nie wirklich vergessen. Dann dreht auch noch ein TV-Sender eine reisserische TV-Reportage über den Fall. Elisabeth schaut die TV-Sendung zusammen mit ihrem an Alzheimer erkrankten Mann und ist geschockt als dieser bisher unbekannte Dinge über die damalige Mordnacht erzählt. Hat er etwa etwas mit dem damaligen Mord zu tun oder sind das nur wirre Gedanken eines dementen Mannes?

Da Elisabeth nicht zur Ruhe kommt, fängt sie auf eigene Faust an Nachforschungen anzustellen und löst eine Kette von Ereignissen aus, die bald lebensgefährlich werden.

Generell habe ich mit dem Genre Thriller etwas Probleme, vor allem bei deutschsprachigen Thrillern, da diese mir oft zu reißerisch sind. Hier fand ich die Ausgangsidee aber mal richtig spannend, so dass ich dem Genre mal wieder eine Chance geben wollte. Grundsätzlich wurden meine Erwartungen auch nicht enttäuscht, die Story beginnt sehr spannend und man wird sofort in die Geschichte hineingesogen. Das bleibt im Prinzip auch so bis zum Ende, allerdings wurde es mir in Teilen dann doch wieder zu klischeehaft, da etwas zu viele konstruierte „überraschende Wendungen“ auftauchten und hier und da einiger der typischen „Frau hört nachts komisches Geräusch im Keller und geht natürlich alleine nachsehen“ Momente. So fand ich die 2. Hälfte nicht mehr ganz so stark wie die Erste, aber trotzdem war es ein sehr solider unterhaltsamer Thriller. Zu reißerisch und blutig wurde es auch keineswegs, es ist eher etwas für Leute, die es etwas subtiler mögen.

Bücher

Buch-Tipp: „Triceratops“ von Stephan Roiss

Nachdem ich letztes Jahr gute Erfahrungen damit gemacht habe, habe ich mir auch dieses Jahr wieder vorgenommen mindestens ein Buch von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis zu lesen. Letztendlich habe ich mich sogar für zwei entschieden und „Triceratops“ von Stephan Roiss ist das Erste davon.

Das Buch erzählt von einer Kindheit in Österreich, erzählt aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der in nicht ganz einfachen Verhältnissen aufwächst und in der ganze Geschichte aus nicht näher erklärten Gründen in der „Wir“ Form von sich spricht. Das ist am Anfang für einen kurzen Moment verwirrend, dann fühlt es sich völlig natürlich an. Der Vater ist die einzige mehr oder weniger stabile Komponente in der Familie, die Mutter hat mit psychischen Problemen zu kämpfen, muss immer mal wieder in die geschlossene Abteilung. Der Junge wird dann gern zur „Aschbach-Großmutter“ abgeschoben, die ziemlich ursprünglich mit einer kleinen Rest-Landwirtschaft lebt. Ist die Mutter zuhause lässt sie sich wenn es ihr schlecht geht dagegen oft von ihren kleinen Sohn umsorgen, eine Verdrehung der Rollen, die das Kind stark belastet. Die große Schwester hat einen Hang zum Auslöschen von Spielzeug und Haustieren, scheint aber später zunächst mal die Kurve zu kriegen. Als sie zu ihrem Freund zieht und den sogar recht früh heiratet, verliert auch der Junge den Kontakt zu seinen Eltern immer mehr und flüchtet zu Punker-Freunden oder schläft im Freien. Bis eine große Katastrophe passiert…

Die Hauptperson hat also mit allen möglichen Problemen zu kämpfen und zeichnet wohl auch deswegen seit der frühen Kindheit Monster aller Art, auch Dinosaurier haben es ihm angetan und vor allem die Dickhäutigkeit des Triceratops. Sich selbst so einen „dicken Panzer“ zuzulegen klappt aber mehr schlecht als recht und ob er sich aus physischen oder psychischen Gründen selbst so sehr kratzt bis seine Haut blutig ist, kann nach einigen Jahren auch keiner mehr sagen. Wir erleben diese komplizierte Kindheit von den jüngsten Jahren bis zum Teenageralter mit, die schwierige Familiensituation, Mobbing in der Schule, Rebellion und die Beschäftigung mit der Vergangenheit der Familie. auch wenn die Geschichte weder fröhlich noch schön ist, ist sie trotzdem mitreissend, ich habe das Buch innerhalb von zwei Abenden verschlungen. Der namenlose Junge wächst einem im Laufe des Buches ans Herz, auch wenn er als Teenager nicht unbedingt „liebenswert“ ist und die ganze Geschichte ist authentisch und berührend, tragisch und trotzdem nicht zu deprimierend.

Bücher

Jugendbuch-Tipp: „Sein Reich“ von Martin Schäuble

Heute möchte ich einen interessanten Jugendroman vorstellen, der sogar in meiner Heimat spielt, nämlich Sein Reich von Martin Schäuble. Hauptperson ist der 15-jährige Juri, er lebt mit seiner Mutter und deren Freund in Stuttgart. Die Sommerferien stehen kurz bevor, aber im Gegensatz zu seinen Freunden in de r Schule kann er sich keine spannenden Urlaubsreisen leisten und die familiäre Situation zuhause belastet ihn ebenso, denn der Freund seiner Mutter macht nicht viel außer zuhause rumhängen und Bier saufen.

So bekommt Juri also die Idee seinen Vater im Schwarzwald überraschend zu besuchen, obwohl er ihn seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat, nämlich seit dieser Juri und seine Mutter an der Haustür abgewiesen hat. Trotzdem erscheint der Versuch Juri lohnender als die ganzen Sommerferien in Stuttgart rumzuhängen. Diesmal gelangt Juri auch durch die offene Haustür ins Haus seines Vaters und auch wenn der nicht gerade begeistert reagiert und eher wortkarg ist, lässt er Juri zumindest bleiben.

Am Anfang findet Juri den Urlaub auf dem Land auch durchaus interessiert, sein Vater bastelt mit ihm an einem Modellflugzeug und dessen Freund Achim lebt mit seiner Frau und 4 Kindern im Wald, die haben zwar alle etwas merkwürdig altmodische Namen, aber die 13-jährigen Zwillinge haben es Juri durchaus angetan und auch zur sonstigen Dorfjugend kann er Kontakt knüpfen, so dass er bald zwischen der 13-jährigen Margarete und der älteren Jule aus dem Dorf hin und hergerissen ist. Eigentlich also ein durchaus ansprechender Sommer in Aussicht, aber mit der Zeit kommt Juri doch so Einiges an seinem Vater und dessen Freunden merkwürdig vor, warum bastelt der Mechaniker Karl Nummerschilder mit der Aufschrift “Deutsches Reich” an die Autos seiner Freunde. Spätestens als Juris Vater ihm erleuchtende Bücher aufschwatzt und ihm einen Bunker zeigt, den er zusammen mit seinem Freund Achim im Wald gebaut hat, wird Juri klar, dass sein Vater nicht nur ein harmloser Spinner ist, wie er zuerst dachte und ihm wird immer mulmiger…

Das Buch ist in eher einfacher und für Teenager sicher gut zu lesender Sprache geschrieben, die durchaus ernsthafte Thematik rund um Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und Prepper wird trotzdem locker rüber gebracht und Juri ist ein sehr sympathischer Hauptcharakter, so dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat dieses Buch zu lesen, eindeutig eine Leseempfehlung.

Bücher

Die letzten Tage von Virginia Woolf: „Ach, Virginia“ von Michael Kumpfmüller

„Ach, Virginia“ von Michael Kumpfmüller ist ein sehr außergewöhnlicher biografischer Roman, der sich ausschließlich mit den letzten 10 Tagen des Lebens der Schriftstellerin Virginia Woolf beschäftigt. Diese beging am 28. März 1941 Selbstmord, indem sie ins Wasser ging, das Buch spielt also in den 10 Tagen zuvor und man wird quasi direkt in die Gedankenwelt der Schriftstellerin geworfen. Sie hat gerade ihr letztes Buch fertig gestellt, hält dieses aber für komplett misslungen und ist wie schon mehrmals bisher in ihrem Leben am Rande eines Zusammenbruchs. Sie fürchtet, dass ihr Ehemann sie zu einer Einweisung in einer psychatrischen Klinik zwingen oder überreden wird. Sie kann nicht schlafen, leidet gelegentlich darunter Stimmen zu hören, tigert durch die Wohnung, kann weder arbeiten noch sich ausruhen und die Hilfeversuche ihres Ehemannes und ihrer Schwester, sowie der befreundeten Ärztin Octavia lehnt sie ab. So werden die letzten Tage in Virginias Leben aus Sicht der Schriftstellerin geschildert, wobei natürlich ihr Innenleben, sowie die Reflektion über vergangene und aktuelle Beziehungen (zum Beispiel ihre mehrjährige Liebesbeziehung zu der Schriftstellerin Vita Sackville-West) den größten Raum einnehmen. Auch ohne bis ins Detail mit Werk und Leben von Virginia Woolf vertraut zu sind, kann man dem Roman hierbei problemlos folgen (ich habe allerdings parallel etwas Recherche betrieben und mich mit ihrer Biografie beschäftigt).

Wieviel genau vom Inhalt der letzten Tage belegt ist und wieviel der Fantasie des Autors entsprungen kann ich natürlich ohne tiefere Kenntnisse nicht beurteilen, gehe aber davon aus, dass viele der Ereignisse belegt sind, denn sowohl die Abschiedsbriefe an Virginias Ehemann Leonard und ihre Schwester, also auch die Autobiografie von Virginias Ehemann und Virginias eigene Tagebucheinträge der letzten Tage, stehen als belegte Quellen zur Verfügung. Trotzdem ist das Buch natürlich ein fiktiver Roman, aber aus meiner Sicht hervorragend gelungen, mitreißend und glaubwürdig.

Jetzt ist das Thema des Buches natürlich sehr bedrückend, zumal man schon zum Beginn des Buches weiß, dass es mit dem Selbstmord der Hauptperson enden wird. Trotzdem fand ich die Lektüre weder deprimierend noch besonders schwer. Für mich ein faszinierender und außergewöhnlicher Roman, der auch Lust weckte sich mehr mit Virginia Woolfs Romanen und anderen Werken über ihr Leben zu beschäftigen.

Bücher

Krimi-Tipp: „Der dunkle Garten“ von Tana French

Tana French ist eine irische Krimiautorin, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. Typisch für sie ist sicher ihr weitschweifiger und detailreicher Erzählstil, der das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und nicht den jeweiligen Plot. Für Leute, die es kurz und knapp mögen oder die auf Action stehen, ist diese Autorin also definitiv grundsätzlich nichts. Mir hat aber gerade das an ihren Büchern immer besonders gefallen, da ich psychologische Krimis schon immer sehr gerne mag und mich auch gern in dicke Wälzer vertiefe. Trotzdem hatte ich bei den Büchern von Tana French zuletzt auch mal einen Durchhänger, da mir bei einem oder zwei ihrer neueren Krimis die Hauptcharaktere zu unsympathisch waren.

„Der dunkle Garten“ konnte mich aber mal wieder fast zu 100% überzeugen (wenn auch dort die Hauptcharaktere nicht unbedingt dadurch glänzen besonders liebenswert zu sein). Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht Toby, er ist Ende 20, arbeitet im Marketing Bereich und kam bisher immer recht störungsfrei durch Leben. Er hat Kumpels mit denen er sich gern locker betrinkt, eine fast schon zu perfekt liebenswerte Freundin und trotz gelegentlicher beruflicher Turbulenzen läuft bei ihm eigentlich alles immer rund, er sieht sich als Glückskind…zumindest bis ihn nach einer durchzechten Kneipennacht 2 Einbrecher nachts in seiner Wohnung überfallen und zusammenschlagen. Toby landet mit einem Schädelbruch und diversen anderen Blessuren im Krankenhaus und hat noch lange an den Folgeschäden zu kämpfen: Gedächtnisstörungen, eine eingeschränkte Funktion seines linken Beines und der linken Hand und noch andere kleinere Probleme, die dazu führen, dass er sich alles bloß nicht leistungsfähig vorkommt.

Als er von seiner Cousine erfährt, dass sein Onkel Hugo an einem tödlichen Gehirntumor erkrankt ist, nimmt er deren Vorschlag bei seinem Onkel in dem alten geliebten Familiensitz „Ivy House“ zu leben und sich in dessen letzten Monaten um ihn zu kümmern, nach etwas zögern an. Da seine Freundin auch noch mitkommt und Toby mit dem Haus, das früher seinen Großeltern gehörte, eine Kindheitsidylle verbindet, läuft auch erst mal alles toll an. Huge geht es zunächst noch recht gut, Toby leidet nicht so unter Angststörungen wie in der alten Wohnung und er fängt langsam an sich wieder besser zu fühlen und erinnert sich an glückliche Jugendzeiten im Ivy House mit seiner Cousin Susanna und seinem Cousin Leon. Doch dann machen die Kinder von Susanna bei einem Familientreffem im Garten des Ivy House eine folgenschwere Entdeckung. Und schon wird Tobys ganzes Selbstverständnis, sowie sein Bild von seiner Jugend und Familie völlig erschüttert.
Aus dieser Situation heraus macht sich Toby auf die Geheimnisse der Vergangenheit und sich selbst zu erforschen und was ans Licht kommt ist selten erfreulich. Noch dazu machen ihm seine Gedächtnislücken zu schaffen, er kann sich selbst nicht trauen.

Das Buch ist sicher kein klassischer Krimi, es benötigt schon einige hundert Seiten um zu dem Punkt zu kommen, wo überhaupt ein wirklicher klassischer Kriminalfall auftaucht. Mir hat aber gerade diese langsame und geheimnisvolle Erzählweise gefallen. Fans von tiefgründigen psychologischen Krimis werden mit dem Buch sicherlich auf ihre Kosten kommen.

Allgemein, Bücher

Roman-Biografie über Michael Ende: „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“ von Charlotte Roth ist eine Romanbiografie über den Schriftsteller Michael Ende. Wie vermutlich die meisten Kinder habe ich dessen berühmtesten Bücher „Lukas und der Lokomotivführer“, „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ als Kind begeistert gelesen (und vor allem die Augsburger Puppenkisten Adaption vom Lukas geliebt). Mit seinem Leben und seiner Entwicklung als Autor habe ich mich aber nie näher beschäftigt. Trotzdem hat mich die Idee einer Romanbiografie über sein Leben sofort angesprochen, schon alleine durch den sehr faszinierenden und inspirierenden Titel.

Die Geschichte beginnt schon vor der Geburt Michael Endes, mit dem Kennenlernen seiner Eltern Edgar Ende und seiner Mutter Luise. Edgar Ende ist Künstler und Maler, vor und auch nach Michaels Geburt in Garmisch-Partenkirchen nur mit sehr wechselhaftem und unzuverlässigem kommerziellen Erfolg gesegnet. Michaels Mutter liebt ihren kleinen Sohn abgöttisch, eine Liebe die schon in den ersten Jahren des Familienlebens bei mir beim Lesen ein etwas unwohles Gefühl hervorrief, obwohl nichts im Text eine Erklärung dafür lieferte. Das das Gefühl etwas gerechtfertigt war, zeigte sich im späteren Verlauf des Buches allerdings noch, denn die Liebe von Michaels Mutter erschien dann später doch oft als durchaus „erdrückend“. Auch der starke Zusammenhalt der armen aber glücklichen Familie aus den ersten Jahren bleibt nicht lange erhalten, so dass Michaels Kindheit zuerst durch viele erbitterte Streitereien der Eltern und dann auch noch durch die Gräuel der Nazi-Zeit geprägt sind. Trotzdem bekommt Michael von seinen Eltern schon immer ein Faible für Kunst, Fantasie und Träumereien vermittelt. Nachdem es beruflich für seinen Vater zuerst etwas bergauf ging, wird dessen Kunst während der Nazizeit zu entarteter Kunst erklärt und verboten, die Familie landet wieder ganz am Anfang und kann sich nur durch die Arbeit der Mutter als Heil-Masseurin mit Mühe und Not in einer kleinen Münchner Wohnung über dem Wasser halten.

Beeindruckend fand ich bei dem Teil der Geschichte die Erzähl- und Bildkraft der Autorin Charlotte Roth, die den Einfluss der schwierigen Zeit auf das Kind Michael so lebhaft vermittelte, dass es für mich eine der eindrücklichsten und bewegendsten Schilderungen einer Kindheit im 3. Reich war, auch wenn das hier nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte ausmachte. So lernte ich auch in diesem Buch das erste Mal welchen Einfluß diese Kindheitserfahrungen zum Beispiel auf die Entstehnung von „Momo“ waren und was Hintergrund und Inspiration für die Zeit stehlenden Grauen Herren waren, etwas das mir als Kind nicht bewußt war.

Der 2. Teil des Buches beschäftigt sich dann entsprechend einerseits überwiegend mit Michael Endes schriftstellerischer Karriere, die durch bemerkenswert viele Zweifel, Schreibblockaden und Fehlschläge geplagt war und andererseits mit seinen Beziehungen zu seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, deren großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen, sowie seinem etwas schwierigem Verhältnis zum Thema Treue. Besonders interessant fand ich auch zu erfahren wie schwierig und für den Autor deprimierend der Prozess der Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ verlief und wie unzufrieden und verhasst der endgültige Film für Michael Ende war (er wurde nur unter Androhung einer für seinen Verlag und ihn selbst existenzbedrohenden Klage dazu genötigt sich nicht mehr gegen den Film zu positionieren) . Da ich den Film als Kind gar nicht so schrecklich fand (obwohl ich die Kritik von Michael Ende aus dem Buch jetzt im Nachhinein schon gut nachvollziehen kann und es auch als Kind schon etwas merkwürdig fand, dass Fuchur aussieht wie ein putziger Hund), war das quasi erst mal etwas schockierend. Aber genauso habe ich erst dieses Jahr erfahren, dass Stephen King die doch sehr kultige Verfilmung von „Shining“ mit Jack Nicholson hasste. Vermutlich kommt es gar nicht so oft vor, dass eine Romanverfilmung die künstlerischen Ansprüche des Autors erfüllt.

Sprachlich und stilistisch fand ich das Buch wirklich herausragend und auch sonst hat es mir immens Spaß gemacht auf diese Art und Weise mehr über den Autor Michael Ende und seine Werke zu erfahren. So erhält man als Leser nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Texten und Figuren eines Autors und ich habe richtig Lust bekommen die Klassiker von Michael Ende unter diesen neuen Voraussetzungen mal wieder zu lesen. Fans von Biografien (man sollte sich bewusst sein, dass bei einer Romanbiografie der künstlerische Ausdruck vor 100% Faktentreue steht, was im Vorwort auch betont wird) und Fans von Büchern über Autoren und Literatur, sowie allen Lesern, die Michael Endes Bücher mögen empfehle ich das Buch uneingeschränkt.

eiskunstlauf

Für Eiskunstlauf-Fans: „Beautiful on the Outside“ von Adam Rippon

Heute möchte ich eine englischsprachige Sport-Autobiografie vorstellen: „Beautiful on the outside“ des erst 30 jährigen US-amerikanischen Eiskunstläufers Adam Rippon. Adam ist nun nicht unbedingt einer der allergrößten Stars des Eiskunstlaufs gewesen und auch kein mehrfacher Welt- oder Olympiasieger. Seine größten sportlichen Erfolge waren trotzdem beachtlich, nämlich der Gewinn der Amerikanischen Meisterschaften, der Gewinn der Team-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2018, sowie gute Top Ten Platzierungen bei Olympia und Weltmeisterschaften.
Auch unabhängig vom Amateuer Sport ist Adam Rippon inzwischen wohl einer der bekanntesten männlichen Eiskunstläufer in den USA, den seine Entertainmentqualitäten, sowie wie er sich während der Olympischen Spiele 2018 mit dem homophoben Vize-Präsident der USA Mike Pence anlegte, sorgten dafür dass er der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. So spielte er z.B. in Taylor Swifts Musikvideo zu „You need to calm down“ mit, arbeitet fürs Fernsehen und führt einen erfolgreichen Youtube Channel.

In seiner Autobiografie geht es aber fast ausschließlich um seine (inzwischen beendete) Karriere als Amateur Eiskunstläufer und von dem her macht es tatsächlich Sinn, dass er das Buch über diesen Teil seines Lebens schon mit „zarten“ 30 Jahren veröffentlicht hat.

Das Buch erzählt von den ersten Jahren seiner Eiskunstlaufkarriere als Kind bis hin zu dem absoluten Karriere-Highlight, den Olympischen Winterspielen 2018. Im Gegensatz zu vielen anderen Top-Läufern stammt er nicht aus einer privilegierten Familie (Eiskunstlaufen ist ein sehr teurer Sport, den man noch dazu in der Regel jahrelang selbst finanzieren muss, bevor Preisgelder oder Sponsorenverträge eventuell ausreichen, um zumindest die Kosten zu decken), sondern aus einer ziemlich normalen Familie mit noch dazu 6 Kindern, so dass seine Mutter viele Opfer bringen und unermüdlich daran arbeiten musste, seine Eislaufkarriere zu unterstützen. Auch begann er erst mit 9 oder 10 Jahren mit dem Training, was für einen Wettkampfläufer sehr spät ist (die meisten Top-Läufer beginnen bereits mit 3 oder 4 Jahren). Dafür hat er es später definitiv noch sehr beeindruckend weit gebracht.

Sehr gut gefallen hat mir an dem Buch erstens der sehr witzige, selbstironische, aber trotzdem sehr reflektierte erwachsene Schreibstil. Das allein hat es zu einem Vergnügen gemacht das Buch zu lesen, aber auch der Inhalt kann vollends überzeugen. Mir hat vor allem gut gefallen, dass das Buch eine sehr gute Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Themen findet: Entwicklung der (nicht immer problemlosen) Beziehung zu seiner Mutter und seinem Vater , Schilderung vom Eiskunstlauf-Trainingsalltag, Anekdoten über seine Trainer (Eiskunstlauffans werden vor allem Nikolai Morozov und Rafael Aratunian natürlich kennen), Wettbewerbe, aber auch Coming Out, Privat- und Liebesleben und Freundschaften mit anderen Eisläufern wie Ashley Wagner und Mirai Nagasu. Dabei ist das Buch für ein amerikanisches Buch über Eiskunstlaufen sehr offen und nicht dem schönen Schein verpflichtet (wie es bei anderen Eiskunstlauf Biografien doch oft zu sein scheint) und auch Themen wie Alkohol, Sex und leichte Drogen werden nicht ausgeklammert.

Mir hat vor allem gut gefallen, dass man durch das Buch einmal einen Einblick bekommt, wie viele verschiedene Faktoren im Hintergrund die Karriere eines Eisläufers beeinflussen, als Fan schaltet man meist den TV (oder heute Youtube) ein, sieht einen Wettbewerb bei dem ein Läufer einen schlechten Tag hat und stürzt und hat aber keine Ahnung, welche finanziellen Hindernisse, privaten Beziehungsprobleme oder sonstige Unwegsamkeiten den Läufer die letzten Tage oder Wochen so begleitet haben. Man bekommt dadurch nochmal einen ganz anderen Blick darauf wie schwierig so eine Sportler-Karriere ist, allein deswegen fand ich das Buch für jeden Sportfan lesenswert.

Bücher

Young Adult Tipp: „Das Schicksal weiß schon, was es tut“

„Das Schicksal weiß schon, was es tut“ von Brigid Kemmerer ist ein Young Adult Roman, der meine Aufmerksamkeit vor allem durch das schlichte, aber sehr gelungene Cover erlangte. Vom Setup gewinnt das Buch vielleicht keinen Kreativ-Preis, denn im Zentrum steht die Liebesgeschichte zweier an der High School sozial geächteten Teenager (dass zwei Außenseiter oder zwei Nerds sich ineinander verlieben kommt in diesem Genre vermutlich genauso oft vor wie die Variante, dass sich ein Außenseiter in den mega beliebten Cheerleader/Football Star verliebt. Es wäre sicher einmal eine interessante Aufgabe einen Young Adult Roman zu schreiben in dem sich zwei beliebte Teenager ohne Problem ineinander verlieben und das interessant zu gestalten 😉 ).

Die beiden Hauptcharaktere in „Das Schicksal weiß schon, was es tut“ haben aber beide die Besonderheit nicht schon immer an ihrer High School geächtet zu sein, sondern bei beiden liegt der Grund erst relativ kurz in der Vergangenheit. Maegan hat vor ca. einem Jahr bei einem wichtigen SAT-Test betrogen, was dazu führte, dass auch die Tests aller ihrer Mitschüler annuliert und neu geschrieben werden mussten. Entsprechend begeistert sind ihre Mitschüler von Maegan. Rob hingegen wurde in Sippenhaft genommen. Seit Vater hat als Finanzberater mit windigen Betrügereien die halbe Kleinstadt-Community um ihr Geld gebracht. Nachdem er verhaftet wurde, versuchte er Selbstmord zu begehen, scheiterte aber und lebt seit dem pflegebedürftig bei Rob und dessen Mutter, die seitdem auch noch mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Und als wäre das noch nicht alles kam Maegans Schwester Samantha gerade schwanger vom College heim, so dass auch bei Maegan der Haussegen schief hängt. In dieser schwierigen Situation lernen Maegan und Rob sich mehr oder wenig unfreiwillig näher kennen, da beide keinen anderen Partner für ein Mathe-Projekt finden und trotz Startschwierigkeiten merken sie bald, dass der andere gar nicht so übel ist…

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus Sicht von Rob und Maegan erzählt, die Sprache ist dabei sehr humorvoll und trotzdem feinfühlig und liest sich wunderbar leicht weg. Auch die Chemie zwischen Rob und Maegan stimmt. Interessanterweise gerät die Liebesgeschichte in der 2. Hälfte des Buches eher etwas in den Hintergrund, da die Geschichte rund um Robs Vater einen wichtigeren Teil einnimmt. Dies macht das Buch deutlich weniger vorhersehbar als es am Anfang den Eindruck erwecken mag. Insgesamt hat mich das Buch hervorragend unterhalten, auch wenn man sich eventuell die Geschichte rund um Samanthas Schwangerschaft hätte sparen können, da der Hauptplot denke ich völlig ausgereicht hätte um dem Buch die nötige Tiefe zu verleihen. Das ist aber nur eine Kleinigkeit und tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Bücher

Buchrezension: „No plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten

Heute möchte ich zur Abwechslung einmal ein Sachbuch vorstellen und zwar „No Plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten“ von Harriet Dyer. Das Buch ist vom Umfang her mit 130 Seiten sehr kompakt und auch bei Vermittlung der Inhalte und Tipps wurde vor allem Wert auf eine kurze und knackige Darstellung gelegt, jede der Seiten enthält entweder einen einzelnen präzise formulierten schriftlichen Tipp oder gelegentlich auch mal eine anschauliche Grafik. Dabei ist das Buch in mehrere Kapitel gegliedert, z.B. „Haushalt“, „Kosmetik“, „Reisen“ oder „Upcycling“. Am Besten gefallen haben mir die grundsätzlichen Informationen zu Plastik, also welche Arten von Plastik gibt es, was sind die Problematiken, … auch finde ich es gut, dass das Buch so übersichtlich und auf den Punkt gehalten wurde, so dass man es wirklich innerhalb von ca. einer Stunde durchlesen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mir die meisten Tipps im Buch schon bekannt waren (einen Teil davon habe ich auch schon umgesetzt, vor allem im Kosmetikbereich) und das Buch sich deswegen meiner Meinung nach vor allem für völlige Einsteiger in die Thematik eignet.

Am Anfang des Buches wird explizit darauf hingewiesen, dass nicht auf die Umweltbilanz von alternativen Produkten eingegangen wird, da das Buch nur darstellen möchte an welchen Stellen wie auf Plastik verzichtet werden kann. Das kann ich einerseits verstehen, da es sonst nicht möglich gewesen wäre die Kapitel so kurz und übersichtlich zu halten. Andererseits finde ich es schon wichtig zu wissen, was für Vor- und Nachteile ein Alternativprodukt hat und diese eventuell gar nicht so eine gute Umweltbilanz haben, wie man eventuell erwartet (z.B. enthalten wohl einige Bambuskaffeebecher laut Stiftung Warentest durchaus auch Plastik).

Das finale Kapitel über „Upcycling“ ist zwar interessant, aber die Tipps wohl eher nur was für sehr bastelfreudige Menschen mit Talent in dem Bereich. Für diese sind die Tipps sicher nett, allerdings weiß ich nicht ob man mit kurzen rein textuellen Anweisungen wirklich immer zurecht kommt.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für den Neueinstieg in das Thema Plastikvermeidung. Wenn man sich schon etwas mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann man aber vermutlich auf diversen Zero Waste Blogs fundiertere und tiefgehendere Informationen und Praxiserfahrungen finden.

Bücher

Buchtipp: „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“

Heute möchte ich ein Sachbuch vorstellen, das für mich eines der besten und wichtigsten Bücher 2019 ist, nämlich „Herr Sonneborg geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlement“, das Buch des Satirikers Martin Sonneborg („Titanic“ Redakteur und Gründer der Satire-Partei „Die PARTEI“ – sie ist bekanntlich sehr gut). Er schildert darin seine Erfahrungen als Abgeordneter im Europaparlament in den Jahre 2014 – 2019. Die PARTEI erhielt bei der Europa-Wahl 2014 0,6% der Stimmen und damit einen Platz im Europaparlament für Martin Sonneborn, der seitdem als fraktionsloser Abgeordneter zwischen sympathischen Menschen wie griechischen Rechtsextremen, dem NPD Vertreter Udo Voigt, Beatrice von Storch (von ihm liebevoll Beatrice von Strolch genannt) und anderen Vertretern von meist mehr oder weniger extremen Kleinparteien, die ebenfalls keiner Fraktion angehören.

Das Buch ist nun durchaus humoristisch und unterhaltsam geschrieben und liest sich deswegen auch sehr kurzweilig, es ist aber trotzdem keine reine Satire und schon gar nicht reine Unterhaltungslektüre, denn die Ereignisse und Entscheidungen im Europaparlament sind trotz der satirischen Aufmachung chronologisch und informativ geschildert (zusätzlich ergänzt mit Auszügen aus der Medienberichterstattung über die PARTEI). In zahlreichen Anekdoten lernt man mehr darüber was hinter den Kulissen der EU abläuft, oft bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken. Das Buch bietet deswegen tatsächlich einen ernsthaften, Augen öffnenden und oft desillusionierenden Einblick in die Europapolitik. Aus meiner Sicht lohnt es sich für quasi jeden es zu lesen (außer er sympathisiert mit rechtsextremen Kleinparteien oder gestandenen CDU Größen wie Elmar Brok).

Ich habe das Buch unter anderem auch gelesen, um mir ein besseres Bild darüber zu machen, ob die PARTEI einen Beitrag zur politischen Kultur liefert, die als konstruktiv angesehen werden kann (und damit ob die PARTEI wählbar ist) und ich für mich kann diese Frage auf jeden Fall mit „Ja“ beantworten. Um so befremdlicher finde ich die Reaktion etablierter Politiker und Parteien auf die PARTEI.
Offenbar wurden die bei der Europawahl 2014 erhaltenen 0,6% von den etablierten Parteien (vor allem CDU und SPD) als so bedrohlich empfunden, dass sie mit allen Mitteln versuchten für die Europawahl 2019 eine Sperrklausel von 3 oder 5% einzuführen, was aber glücklicherweise scheiterte und aus meiner Sicht ein sehr fragwürdiges Demokratieverständnis zeigt. Sowieso scheint die PARTEI bei etablierten Politikern einen Finger in eine Wunde zu legen, denn diese versuchen ständig diese und auch ihre Wähler abzuwerten , eine herablassende Einstellung die ja auch andere Kritiker und Aktivisten derzeit zu spüren kriegen. Glücklicherweise kriegen CDU und SPD ja im Moment durchaus in Umfragen die Folgen dieser sehr befremdlichen Arroganz zu spüren.

Bei der Europawahl 2019 steigerte die PARTEI sich übrigens auf sehr respektable 2,4% und erhielt damit sogar 2 Plätze im Europaparlament, die von Martin Sonneborn und Kabarettist Nico Semsrott wahr genommen werden. Nico Semsrott ist der Fraktion der Grünen beigetreten, Martin Sonneborn bleibt nach aktuellem Stand bei seinem Status als Fraktionsloser.

Generell scheint die PARTEI ihren Status als reine Satirepartei teilweise aufzugeben und auch „ernsthafter“ Politik machen zu wollen, was ich persönlich sehr begrüße. Und wenn Martin Sonneborn über die nächsten 5 Jahre Europaparlament wieder ein Buch schreibt, werden ich es auf jeden Fall wieder lesen.