Bücher

Buchrezension: „No plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten

Heute möchte ich zur Abwechslung einmal ein Sachbuch vorstellen und zwar „No Plastic!: 101 einfache Wege, auf Plastik zu verzichten“ von Harriet Dyer. Das Buch ist vom Umfang her mit 130 Seiten sehr kompakt und auch bei Vermittlung der Inhalte und Tipps wurde vor allem Wert auf eine kurze und knackige Darstellung gelegt, jede der Seiten enthält entweder einen einzelnen präzise formulierten schriftlichen Tipp oder gelegentlich auch mal eine anschauliche Grafik. Dabei ist das Buch in mehrere Kapitel gegliedert, z.B. „Haushalt“, „Kosmetik“, „Reisen“ oder „Upcycling“. Am Besten gefallen haben mir die grundsätzlichen Informationen zu Plastik, also welche Arten von Plastik gibt es, was sind die Problematiken, … auch finde ich es gut, dass das Buch so übersichtlich und auf den Punkt gehalten wurde, so dass man es wirklich innerhalb von ca. einer Stunde durchlesen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mir die meisten Tipps im Buch schon bekannt waren (einen Teil davon habe ich auch schon umgesetzt, vor allem im Kosmetikbereich) und das Buch sich deswegen meiner Meinung nach vor allem für völlige Einsteiger in die Thematik eignet.

Am Anfang des Buches wird explizit darauf hingewiesen, dass nicht auf die Umweltbilanz von alternativen Produkten eingegangen wird, da das Buch nur darstellen möchte an welchen Stellen wie auf Plastik verzichtet werden kann. Das kann ich einerseits verstehen, da es sonst nicht möglich gewesen wäre die Kapitel so kurz und übersichtlich zu halten. Andererseits finde ich es schon wichtig zu wissen, was für Vor- und Nachteile ein Alternativprodukt hat und diese eventuell gar nicht so eine gute Umweltbilanz haben, wie man eventuell erwartet (z.B. enthalten wohl einige Bambuskaffeebecher laut Stiftung Warentest durchaus auch Plastik).

Das finale Kapitel über „Upcycling“ ist zwar interessant, aber die Tipps wohl eher nur was für sehr bastelfreudige Menschen mit Talent in dem Bereich. Für diese sind die Tipps sicher nett, allerdings weiß ich nicht ob man mit kurzen rein textuellen Anweisungen wirklich immer zurecht kommt.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für den Neueinstieg in das Thema Plastikvermeidung. Wenn man sich schon etwas mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann man aber vermutlich auf diversen Zero Waste Blogs fundiertere und tiefgehendere Informationen und Praxiserfahrungen finden.

Bücher

Buchtipp: „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“

Heute möchte ich ein Sachbuch vorstellen, das für mich eines der besten und wichtigsten Bücher 2019 ist, nämlich „Herr Sonneborg geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlement“, das Buch des Satirikers Martin Sonneborg („Titanic“ Redakteur und Gründer der Satire-Partei „Die PARTEI“ – sie ist bekanntlich sehr gut). Er schildert darin seine Erfahrungen als Abgeordneter im Europaparlament in den Jahre 2014 – 2019. Die PARTEI erhielt bei der Europa-Wahl 2014 0,6% der Stimmen und damit einen Platz im Europaparlament für Martin Sonneborn, der seitdem als fraktionsloser Abgeordneter zwischen sympathischen Menschen wie griechischen Rechtsextremen, dem NPD Vertreter Udo Voigt, Beatrice von Storch (von ihm liebevoll Beatrice von Strolch genannt) und anderen Vertretern von meist mehr oder weniger extremen Kleinparteien, die ebenfalls keiner Fraktion angehören.

Das Buch ist nun durchaus humoristisch und unterhaltsam geschrieben und liest sich deswegen auch sehr kurzweilig, es ist aber trotzdem keine reine Satire und schon gar nicht reine Unterhaltungslektüre, denn die Ereignisse und Entscheidungen im Europaparlament sind trotz der satirischen Aufmachung chronologisch und informativ geschildert (zusätzlich ergänzt mit Auszügen aus der Medienberichterstattung über die PARTEI). In zahlreichen Anekdoten lernt man mehr darüber was hinter den Kulissen der EU abläuft, oft bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken. Das Buch bietet deswegen tatsächlich einen ernsthaften, Augen öffnenden und oft desillusionierenden Einblick in die Europapolitik. Aus meiner Sicht lohnt es sich für quasi jeden es zu lesen (außer er sympathisiert mit rechtsextremen Kleinparteien oder gestandenen CDU Größen wie Elmar Brok).

Ich habe das Buch unter anderem auch gelesen, um mir ein besseres Bild darüber zu machen, ob die PARTEI einen Beitrag zur politischen Kultur liefert, die als konstruktiv angesehen werden kann (und damit ob die PARTEI wählbar ist) und ich für mich kann diese Frage auf jeden Fall mit „Ja“ beantworten. Um so befremdlicher finde ich die Reaktion etablierter Politiker und Parteien auf die PARTEI.
Offenbar wurden die bei der Europawahl 2014 erhaltenen 0,6% von den etablierten Parteien (vor allem CDU und SPD) als so bedrohlich empfunden, dass sie mit allen Mitteln versuchten für die Europawahl 2019 eine Sperrklausel von 3 oder 5% einzuführen, was aber glücklicherweise scheiterte und aus meiner Sicht ein sehr fragwürdiges Demokratieverständnis zeigt. Sowieso scheint die PARTEI bei etablierten Politikern einen Finger in eine Wunde zu legen, denn diese versuchen ständig diese und auch ihre Wähler abzuwerten , eine herablassende Einstellung die ja auch andere Kritiker und Aktivisten derzeit zu spüren kriegen. Glücklicherweise kriegen CDU und SPD ja im Moment durchaus in Umfragen die Folgen dieser sehr befremdlichen Arroganz zu spüren.

Bei der Europawahl 2019 steigerte die PARTEI sich übrigens auf sehr respektable 2,4% und erhielt damit sogar 2 Plätze im Europaparlament, die von Martin Sonneborn und Kabarettist Nico Semsrott wahr genommen werden. Nico Semsrott ist der Fraktion der Grünen beigetreten, Martin Sonneborn bleibt nach aktuellem Stand bei seinem Status als Fraktionsloser.

Generell scheint die PARTEI ihren Status als reine Satirepartei teilweise aufzugeben und auch „ernsthafter“ Politik machen zu wollen, was ich persönlich sehr begrüße. Und wenn Martin Sonneborn über die nächsten 5 Jahre Europaparlament wieder ein Buch schreibt, werden ich es auf jeden Fall wieder lesen.

Bücher

Buch-Tipp: „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“

„Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ von William Kent Krueger spielt im Jahre 1961 in einer Kleinstadt namens New Bremen im Mittleren Westen der USA. Der 13-jährige Frank lebt dort mit seinem jüngeren Bruder Jake, seiner 18-jährigen Schwestern Ariel und seinen Eltern. Der Vater ist ein methodistischer Pfarrer, der in seinem Beruf zu 100% aufgeht, die Mutter hat die Rolle als „Pfarrersfrau“ eher mäßig motiviert angenommen, nachdem ihr Mann nach den Erfahrungen als Soldat im 2. Weltkrieg das Jurastudium zugunsten seiner Berufung als Geistlicher aufgegeben hat. Sie leitet aber begeistert den Kirchenchor und Ariel gilt als große musikalische Hoffnung.

Frank ist eigentlich ein ganz normaler Junge, etwas wild und risikobereit, außerdem neigt er dazu zu plappern und zu klatschen und auch mal ein bisschen aufzuschneiden. Sein Bruder Jake stottert und ist entsprechend eher ruhig und zurückhaltend, da er viel gehänselt wird. Im Vergleich zu seinem Bruder wirkt er sehr verantwortungsbewusst und erwachsen. Die idyllische Kindheit der beiden Brüder wird in diesem Sommer durch einige Todesfälle getrübt, zuerst wird ein geistig etwas gehandicappter Junge vom Zug erfasst und dann finden Frank und Jake auch noch die Leiche eines Landstreichers in der Nähe der Bahngleise. Doch leider sollen das nicht die einzigen Todesfälle in dem Buch bleiben und der nächste Tod trifft die Familie deutlich schlimmer, so dass deren ganzes Leben aus den Fugen gerät.

Das Buch beginnt trotz der eher tragischen Ereignisse am Anfang mit einer großen Leichtigkeit und auch viel Humor, so dass ich zuerst fast etwas geschockt war als die Ereignisse dann doch abrupt sehr traurig und düster wurden. Allerdings bleibt die Geschichte durchgehend inspirierend und auch im Grunde positiv, so dass das ganze Buch am Ende sehr poetisch und lebensbejahend war. Außerdem ist es erstaunlich spannend und in der Mitte hatte ich fast das Gefühl einen Krimi zu lesen. Am Ende ist die Auflösung der Geschichte dann aber doch etwas zu leicht vorhersehbar (ich habe eigentlich fast alle Wendungen im Voraus erraten), um als Krimi durchgehen zu können, was mich aber nicht gestört hat, da es darum eigentlich gar nicht ging. Die zentralen Themen des Buches sind sicher der Umgang mit einem Verlust, Vergebung und auch wie man in schwierigen Zeiten Hoffnung schöpft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und die Geschichte hat mich sehr berührt. Mir hat auch gut gefallen, dass Frank als Held in dem Buch fast ein bisschen ambivalent war, er hat nicht nur positive Charaktereigenschaften und einige seiner Entscheidungen im Buch haben auch sehr negative Konsequenzen. Ich fand dies durchaus sympathischer als die oftmals sehr eindimensional positiven Charaktere wenn Kinder Hauptpersonen in Büchern sind.

Das Einzige was mir etwas merkwürdig vorkam war dass fast alle Charaktere in dem Buch sehr liberal wirkten, dafür das das Buch 1961 im Mittleren Westen der USA spielte. Ob das so realistisch dargestellt war, kann ich aber auch nicht beurteilen. Insgesamt ein sehr schöner und bewegender Roman, der trotz des eher traurigen Themas nicht deprimierend ist.

Bücher, Reiten

Für Pferdefreunde: „Gebrauchsanweisung für Pferde“ von Juli Zeh

Die „Gebrauchsanweisung für“ Reihe kannte ich bisher nur aus dem Bereich der Reiseführer, dort gibt es diese Bücher für zahlreiche Länder und Städte. „Gebrauchsanweisung für Pferde“ hat mich natürlich als Pferdebesitzerin sowieso direkt angesprochen, aber außerdem wurde es auch noch von einer meiner Lieblings-Romanschriftstellerinnen geschrieben, nämlich von Juli Zeh, deren Roman „Unterleuten“ ich nur Wärmstens empfehlen kann.

„Gebrauchsanweisung für Pferde“ las sich für mich ein bisschen wie eine Mischung aus einer typischen pferdischen Autobiografie und einem Ratgeber über das Lebewesen Pferd und dessen Bedürfnisse. Das Buch beginnt mit ersten Erfahrungen der Autorin als Kind in einer typischen (= aus heutiger Sicht verbesserungswürdigen) Reitschule und der großen Liebe zu diversen Schulpferden. Dort wird sich vermutlich fast jeder wiederfinden der vor einigen Jahrzehnten eine Reitschule besuchte. Weiter geht es mit der ersten Erfahrung als Reitbeteiligung (die im Falle von Juli Zeh durchaus eher skurril waren) und dann mit Umwegen hin zu dem Leben mit eigenen Pferden. Juli Zehs Reiterkarriere verlief dabei gar nicht so unähnlich zu meiner eigenen (bei ihr war es Reitschule – Reitbeteiligung – Pferdepause – eigene Pferde und bei mir Reitschule – Pferdepause – Reitschule – eigenes Pferd), so dass ich mich mit Vielem was sie schrieb identifizieren konnte. Dabei sind die Texte auch noch keineswegs trocken geschrieben, sondern humorvoll und oft selbstironisch und auch mit viel Liebe und Gefühl zum Thema Pferd.

Das allein hätte das Buch für mich schon absolut lesenswert gemacht. Der zweite Aspekt des Buches ist aber, dass es sich tatsächlich auch mit den Bedürfnissen des Lebewesens Pferd beschäftigt und dabei auf verschiedene Themen wie Haltung, Training und vor allem pferdegerechte Kommunikation anstatt Vermenschlichung des Pferdes eingeht. Man merkt dabei auch, dass Juli Zeh sehr fundierte Kenntnisse über Pferde und auch tiefgehendes Wissen bezüglich der Reiter- und Ausbildungsszene hat.
Ein paar kleinere Schwächen hat das Buch für mich auch, die Kapitel wirken teilweise etwas willkürlich aneinander gereiht und ein Kapitel beschäftigt sich überwiegend mit Gedanken von Juli Zeh zu ihrem Beruf als Schriftstellerin. Das fand ich selbst durchaus sehr interessant, da ich mich sowohl für das Schreiben interessiere als auch für Juli Zeh als Schriftstellerin im Speziellen. Für Leute die ein reines Pferdebuch erwarten, könnte das Kapitel trotzdem ein bisschen überflüssig wirken. Auch das „Glossar“ zur Reitersprache am Ende hätte ich nicht unbedingt gebraucht, da ein Reiter sowieso alle Begriffe kennen wird und für jemand anderen sind sie vermutlich nicht soooooo spannend. Ob das Buch sich auch für Leute eignet, die gar keine Ahnung von Pferden haben ist für mich schwer einzuschätzen. Für Reiter und Pferdefans ist es auf jeden Fall unterhaltsam, kurzweilig, zum Nachdenken anregend und auch eine emotionale Liebeserklärung ans Pferd.

Bücher

Krimitipp: „Schattenkind“ von Anne Holt

Die Handlung von „Schattenkind“ von Anne Holt beginnt in Norwegen an einem schicksalhaften Tag, nämlich am Tag an dem Anders Breivik den Terroranschlag in Oslo und das Massaker auf Utoya begeht. Die Tragödie auf die die Kriminalpsychologin Johanne Vik an diesem Tag trifft, hat aber gar nichts mit den schrecklichen Geschehnissen zu tun.
Sie wollte eigentlich nur auf die Geburtstagsfeier des 8-jährigen Sohnes ihrer alten Schulfreundin Ellen. Doch zu ihrem Schock findet sie dort stattdessen traumatisierte Eltern und ein totes Kind vor, angeblich fiel der Junge Sander von einer Trittleiter, als er versuchte die Decke im Wohnzimmer zu bemalen. Sander galt als schwieriges und lebhaftes Kind und hatte eine ADHS Diagnose, so dass die Eltern als Grund für den Unfall seinen unbändigen Bewegungsdrang anbringen.

Da quasi alle Krankenwägen und Polizisten mit dem Terroranschlag in Oslo beschäftigt sind, dauert es lange bis überhaupt ein Polizist am Ort des Geschehens auftaucht und zwar der noch sehr unsichere und unerfahrene Jungpolizist Henrik Holme.
Der macht zwar so einige Fehler und fühlt sich anfangs mit dem Fall überfordert, aber er kann sich Eindrucks nicht erwehren, dass in dem Fall etwas nicht stimmt und nimmt relativ schnell Sanders Vater Jon ins Visier. Ellen bittet verzweifelt Johanne um Hilfe, die sich aber nicht wirklich in den Fall hinein ziehen lassen möchte. Natürlich klappt das nicht wirklich und so graben Johanne und Henrik Holme unabhängig voneinander immer tiefer im Familienleben von Ellen, Jon und Sander.

Mir hat der Krimi wirklich hervorragend gefallen, Anne Holt ist sowieso immer ein Garant für hochwertige psychologische Krimis (ich kann mich nicht erinnern von ihr schon mal etwas gelesen zu haben, das ich nicht gelungen fand). Es handelt sich also nicht um einen Spannungsroman, sondern um eine intelligente Aufdeckung einer Familientragödie, die noch dazu mit einem wirklich ungewöhnlichen Ende aufwartet (das wiederum vermutlich nicht jedem gefallen dürfte). Das Verhältnis zwischen Krimihandlung und Privatleben der Ermittlerin fand ich auch gelungen. Etwas skeptisch war ich bezüglich der Vermengung der Geschichte mit dem Anschlag von Anders Breivik, diese diente aber mehr oder weniger nur als Hintergrund dafür, dass Hendrik Holme als Ermittler in Erscheinung treten konnte und macht insofern schon Sinn, da es sonst wenig glaubwürdig gewesen wäre, dass Hendrik Holme so eine tragende Rolle in den Ermittlungen spielt.

Bücher

Buchrezension: „Sleeping Beauties“ von Stephen & Owen King

„Sleeping Beauties“ ist (meines Wissens) das erste Buch, das Stephen King zusammen mit seinem Sohn Owen King geschrieben hat. Wie auch für Stephen Kings Solo-Romane typisch hat es eine epische Länge von an die 900 Seiten, ist also nichts für Leute, die es gerne kurz und knackig mögen. Obwohl das Buch übersinnliche Elemente enthält, handelt es sich keineswegs um einen Horrorroman, ich würde es am Ehesten als Fantasy Roman zur „Me too“ Debatte beschreiben 😉 (obwohl es von 2 Männern geschrieben ist, ist Feminismus, Sexismus, Patriarchat und der fortwährende Konflikt zwischen Frauen und Männern wohl das prägende Thema des Buches…dass es von 2 Männern stammt mag man merkwürdig finden, ist aus meiner Sicht aber durchaus gelungen).

Die Handlung spielt in einer Kleinstadt namens Dooling in den Appalachian Mountains (eine Gegend, die in Büchern und Filmen im Moment immer den Eindruck erweckt, als gäbe es da fast nur arme Menschen die Crack kochen und rauchen…), aber die Geschehnisse betreffen die ganze Welt. Von einem Tag auf den anderen fallen plötzlich Frauen in einen Art Dornröschen-Schlaf, sobald sie einschlafen bildet sich um ihren Körper eine Art spinnwebenartiger Kokon und die Frauen wachen nicht mehr auf. Versucht man den Kokon zu entfernen, nimmt das in der Regel kein gutes Ende für denjenigen der es versucht. Gleichzeitig mit dieser bedrohlichen Krankheit taucht in der Kleinstadt Dooling eine mysteriöse Frau auf und tötet 2 Drogendealer auf brutale Art und Weise…hat sie etwas mit den Geschehnissen zu tun?

In den ersten Tagen der Seuche, die „Aurora“ genannt wird, versuchen die Frauen die noch nicht eingeschlafen sind mit allen Mitteln (primär Drogen) wach zu bleiben, während die Männer mehr und mehr die Kontrolle über die Situation verlieren. Die drauf resultierende Geschichte beschäftigt sich dann mit fast allen gesellschaftlichen Themen, die die USA im Moment bewegen, ganz vorne dabei, Seximus und Waffen und stellt die große Frage ob eine Welt in der es nur Männer oder nur Frauen gibt, wohl überhaupt existieren könnte, besser oder schlechter oder gar wünschenswert wäre?

Mir hat der Roman gut gefallen, wobei ich mir vorstellen kann, dass jemand der einen Horrorroman oder Thriller erwartet hat, wohl enttäuscht sein könnte, denn ein Spannungsroman ist das Buch keineswegs und manchen Lesern wird er wohl auch etwas zu langatmig sein. Im Vergleich zum Schreibstil von Stephen King (alleine) finde ich den Stil etwas klarer und nüchterner und etwas weniger „jovial“, was einerseits erfrischend ist wenn man schon unzählige Stephen King Romane gelesen hat, andererseits aber etwas weniger Nähe zu den Charaktere schafft wie Stephen King das alleine irgendwie immer gelingt. Insgesamt ein gelungener Roman zu den großen gesellschaftlichen Debatten dieses Jahres (was eine Leistung ist, da ich vermute, dass der Roman schon sehr viel länger in Entstehung ist).

Bücher

Buchtipp: „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng

„Kleine Feuer überall“ ist der 2. Roman der Autorin Celeste Ng.
Schon ihr Debutroman „Was ich euch nicht erzählte“ hat mir sehr gut gefallen, weswegen ich auf „Kleine Feuer überall“ sehr gespannt war.
Das Buch spielt in der Vorstadt-Gemeinde „Shaker Heights“ bei Cleveland in Ohio. Den Ort gibt es wirklich (und ich habe der Autorenbeschreibung entnommen, dass die Autorin tatsächlich dort aufgewachsen ist). Shaker Heights ist eine Plan-Gemeinde, die
am Reißbrett entworfen wurde und durch strikte Regeln geprägt ist (zum Beispiel darüber in welcher Farbe man sein Haus streichen darf, was dem typischen Deutschen jetzt nicht besonders vorkommen wird), die allen Bewohnern ein perfektes Leben bieten soll.
Genauso diszipliniert wie Shaker Heights ist das Leben von Elena Richardson, die mit ihrem Ehemann und ihren 4 Kindern dort wohnt.

Die Richardsons besitzen außer ihrem eigenen Wohnhaus noch ein 2. Haus in Shaker Heights, in dem sie Wohnungen vermieten. Da Elena Richardson sich gerne wohltätig gibt, vermietet sie eine Wohnung darin an die Fotografin und Künstlerin Mia, die mit ihrer 15-jährigen Tochter Pearl nach Shaker Heights gezogen ist. Mia versucht von ihrer Fotografie zu leben und hält sich ansonsten mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Elena bietet ihr deswegen eine Teilzeit-Stelle als Haushälterin bei den Richardsons an. Mia ist das genaue Gegenteil von der kontrollierten und vernünftigen Elena, sie zieht mit ihrer Tochter seit Jahren durch die ganzen Vereinigten Staaten, ist eher spontan und chaotisch.
Auf Pearl (die kein konstantes Zuhause gewohnt ist) übt die scheinbar „perfekte“ Familie Richardson eine große Faszination aus, auf Izzy (die jüngste Tochter der Richardsons und das „Schwarze Schaf“ der Familie) wirkt Mia um so anziehender. So verweben sich die Leben der beiden Familien anfangs immer mehr, die Kinder schließen Freundschaften, Mia wird zu einer Art Ersatzmutter für Izzy, während Pearl immer mehr Zeit mit den anderen Kindern der Richardson Familie verbringt. All das geht so lange gut geht bis Mia (mehr oder weniger durch einen Zufall) für Unruhe in Elenas kontrolliertem Umfeld sorgt und Elena daraufhin beginnt in Mias Vergangenheit zu wühlen…

Der Schreibstil des Buches ist wie schon in Celeste Ng’s letztem Buch sehr klar und eher nüchtern, was die Geschichte aber nicht weniger emotional macht. Mir hat sehr gut gefallen, wie die unterschiedlichen Lebensentwürfe der beiden Familie geschildert werden und die Auswirkungen, die daraus entstehen, dass sie aufeinander prallen. Für mich ein weiterer starker Roman, der durchaus mit „Was ich euch nicht erzählte“ mithalten kann, auch wenn die Geschichte in eher leisen Tönen daher kommt.

Bücher

Jugendbuch-Rezension: „Gänseblümchen sterben einsam“

Ich lese auch als Erwachsene sehr gerne Bücher aus dem Genre „Young Adult“, besonders angetan haben es mir dabei bisher amerikanische Autoren wie zum Beispiel Rainbow Rowell (die eine großartig gefühlvolle Art und Weise hat über Liebe zu schreiben). Im deutschsprachigen Bereich kenne ich noch nicht viele Autoren, weswegen ich dem Buch „Gänseblümchen sterben einsam“ von Regina Meissner gerne eine Chance gegeben habe. Das Thema des Buches klang für mich zwar sehr ernst, aber sehr interessant und ansprechend.

Das Leben der 17-jährigen Moira gerät am Anfang des Buches völlig aus den Fugen, den ihr älterer Bruder Liam hat für die ganze Familie völlig unerwartet Selbstmord begangen. Das Buch beginnt mit der sehr intensiven und bedrückenden Beschreibung seiner Beerdigung. Danach befindet sich Moiras ganze Familie in einer Art Schockzustand, der Vater vergräbt sich bei der Arbeit, die Mutter im Bett und Moira muss einen ersten heroischen Versuch direkt wieder zur Schule zu gehen abbrechen. Beim Besuch von Liams Grab und der Stelle an der er Selbstmord begangen hat, bemerkt Moira bald einen Jungen auf einem Skateboard, der aber die Flucht ergreift als Moira ihn ansprechen will. Als die beiden durch einen Zufall doch aufeinander treffen ist Moira schnell völlig fasziniert von dem fremden Jungen, der sich Ryan nennt. Je näher sie ihm kommt, desto besser schafft sie es Liams Verlust zu verarbeiten. Doch hat Ryan etwa etwas zu verbergen?

Ich muss zugeben, dass ich bezüglich des Buches sehr hin- und her gerissen war, das erste Kapitel fand ich sehr stark, dann hatte ich aber erst mal wirklich Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, denn den fand ich zeitweise wirklich sehr kitschig und auch für ein 17-jähriges Mädchen zu altmodisch (teilweise erinnerte er an eine Rosamunde Pilcher Verfilmung), so stolperte man immer wieder über Sätze wie „Ungesagte Worte ersterben in meiner Kehle“, „Der Fremde trat aus dem Schatten, „Sanft ergriff sie meine Hand“. Dazu kam noch, dass auch noch alle Charaktere Namen haben wie aus einer Rosemunde Pilcher Verfilmung, Moira, Delilah, … (als ein Lehrer auch noch Mr. Ivanhoe hiess, musste ich doch kurz kichern). Das Buch soll wohl in Großbritannien spielen, allerdings wirkt die Namensgebung doch auch mehr wie Großbritannien 1952 oder so. Vor allem die Teile, die Moiras Freundschaft zu Delilah schildern, fand ich doch sehr blumig und gestelzt teilweise.

Allerdings nahm das Buch ab dem Moment wo Moira Ryan kennenlernt an Fahrt auf und auch den Schreibstil fand ich ab merkwürdigerweise wieder gelungener, die sich entfaltende Liebesgeschichte fand ich sehr schön erzählt und das Buch entfaltet dann auch eine eigene Spannung und einen Sog, der dazu führte, dass ich es ab da in einem Rutsch ausgelesen habe. So kann ich sagen, dass es mir ab da doch noch gut gefallen hat, auch wenn es nicht wirklich meinen Geschmack getroffen hat. Ich denke die (junge) Autorin hat auf jeden Fall viel Talent, ist allerdings stilistisch noch etwas unausgewogen. Ich vermute ich bin auch einfach nicht die Zielgruppe der Autorin, denn sie schreibt sonst vor allem Bücher aus dem romantischen Fantasy oder Mystery Bereich (mit Titeln wie „Der Fluch der 6 Prinzessinnen – Schwanenfeuer“), was absolut nicht mein Ding ist. Hätte ich das vorher ergoogelt, hätte ich vermutlich vorher abschätzen können, dass dieser Roman nicht ganz mein Ding sein würde. Dafür kann die Autorin aber nichts und ich denke für Jugendliche (und eventuell Erwachsene), die es stilistisch gern etwas romantischer und blumiger mögen, ist das Buch sicher genau das Richtige. Mir hat es trotz des blumigen Stils im Großen und Ganzen dann doch ganz gut gefallen. Nicht ganz wohl fühle ich mich mit der etwas romantisierend verklärte Darstellung des Thema Selbstmords. Ich kann mir zwar vorstellen, dass das bei vielen Jugendlichen gut ankommt, aber gerade deswegen finde ich es etwas problematisch (problematischer auch als die so viel kritisierte drastische Darstellung in einer Serie wie „Tote Mädchen lügen nicht“). Aber die meisten Jugendlichen die das Buch lesen dürften alt genug sein, um sich dazu selbst eine Meinung zu bilden.

Insgesamt eine interessante Leseerfahrung von einer jungen talentierten Autorin.

Bücher

Lesetipp: „Dann schlaf auch Du“ – Mary Poppins in der Albtraumversion

In „Dann schlaf auch Du“ sucht das französische Paar Myriam und Paul ein Kindermädchen für ihre beide kleinen Kinder. Myriam war einige Jahre mit den Kindern zu Hause, inzwischen fällt ihr aber die Decke auf den Kopf und sie möchte wieder ihren Beruf als Anwältin nachgehen. Myriam und Paul machen sich also auf die Suche nach einem perfekten Kindermädchen und scheinen auch schon nach relativ kurzer Zeit einen echten Glückstreffer zu landen, die 50-jährige Louise wird Ihnen von deren vorherigen Arbeitgebern wärmstens empfohlen, sie macht einen zuverlässigen und fast schon perfektionistischen Eindruck und kommt gut mit den Kindern zurecht (auch mit der eher quengeligen 5-jährigen Tochter). Am Anfang wirkt auch alles fast wie im Märchen, Louise entpuppt sich als eine Art französische Mary Poppins und kümmert sich nicht nur um die Kindern, sondern gleich noch mit um den Haushalt und ums Kochen für die 4-köpfige Familie. Myriam und Paul haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen, die Nützlichkeit von Louise für ihren Alltag wischt aber alle anfänglichen Zweifel an Louises Über-Engagement hinweg.

Mir hat das Buch super gefallen, obwohl es sehr spannend ist, ist es eigentlich kein Thriller (das Ende wird auch schon gleich am Anfang des Buches „verraten“). sondern eine Psychostudie, die sich viel Zeit nimmt das Verhalten und das Innenleben von Louise zu beleuchten. Hier hat mir gut gefallen, dass Louise nicht wie in vielen Thrillern mit ähnlichem Thema als Psychopathin dargestellt wird, sondern dass das Buch Schritt für Schritt aufzeigt wie das Leben von Louise immer mehr auseinanderfällt, während Myriam und Paul kaum etwas davon mitbekommen, auch weil es sie im Endeffekt gar nicht wirklich interessiert. Das Buch zeigt sehr gut auf, wie Myriam und Paul quasi alles was Louise tut hinnehmen, weil ihre Leistung als Nanny ihr Leben einfach zu bequem macht, während sie alles was Ihnen nicht gefällt möglichst lange ignorieren oder schön reden.

Die Charaktere in dem Buch sind allesamt nicht unbedingt sympathisch (nicht einmal die Kinder), aber die Motive und Gefühlswelten der beteiligten Person sind immer nachvollziehbar und das Buch zeigt in beeindruckender Art und Weise wie ein Leben völlig zerfallen kann, ohne dass das Umfeld überhaupt etwas davon mitbekommt. Die Thematik ist natürlich sehr düster und sicher nicht das Richtige für jedermann, mir hat das Buch aber wirklich hervorragend gefallen.

Bücher

Krimi-Tipp: „Die Eishexe“ von Camilla Läckberg

„Die Eishexe“ von Camilla Läckberg ist der neueste Krimi rund um die Schriftstellerin Erica und dem Polizistenteam rund um Ericas Mann Patric. Wobei es schwierig ist bei der Reihe von Camilla Läckberg wirkliche Hauptpersonen auszumachen, denn es tummelt sich da ein ganzes Sammelsurium an Ermittlern und sonstiger Charaktere. Damit ist vielleicht auch schon eine der wenigen Schwächen des Buches genannt, denn der Einstieg gestaltet sich (vor allem für Neulinge der Reihe, aber auch für erfahrene Leser) doch etwas schwierig, so viele Handlungsstränge werden am Anfang aufgemacht. Außerdem erfährt man noch etwas über das Privatleben aller Kommissare, so dass man auf den ersten hundert Seiten des Romans doch ziemlich damit beschäftigt ist, sich überhaupt die ganzen Namen der beteiligten Personen zu merken…

Danach nimmt das Buch aber immer mehr Fahrt auf und wird immer spannender, so dass ich das Buch vor allem in der 2. Hälfte gar nicht mehr aus der Hand legen konnte und die letzten ca. 350 Seiten an einem Tag quasi auf einen Schwung verschlungen habe, etwas das mir schon lange nicht mehr passiert ist und dass einen guten Krimi für mich definitiv ausmacht. Deswegen sehe ich auch bei meiner Bewertung sehr gerne über die kleineren Schwächen des Buches hinweg (die da wären: die schon erwähnte manchmal etwas übertriebene Beschäftigung mit dem doch auch oft eher banalen Privatleben der Ermittler, die manchmal etwas klischeehaften Ereignisse und Ausdrucksweisen und einen gewissen Hang zum Kitsch bei der Schilderung von Erica und Patrics Privatleben und der Tatsache, dass die Ermittler sich manchmal etwas unlogisch verhandeln und Ermittlungsstränge, die selbst für Laien offensichtlich scheinen entweder erst sehr spät oder gar nicht verfolgen). Denn bei der Story gibt es sonst fast nichts zu meckern, sie ist komplex, unterhaltsam, mitreißend und bleibt bis zum Ende spannend.

Am Anfang der Geschichte steht der Tod zweier kleiner Mädchen. Die 4-jährige Stella wurde vor 30 Jahren im Wald ermordert, den Mord gestanden ihre beiden 13-jährigen Babysitterinnen, Helen und Marie. Auch wenn sie das Geständnis später zurücknahmen, blieb der Fall ungelöst und der Makel der Mörderinnen an beiden haften. 30 Jahre später wohnt Helen immer noch in dem Ort und Marie ist eine erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin geworden, die für einen Filmdreh zurück in ihr Heimatdorf reist. Kaum ist sie wieder da, geschieht das Unfassbare, von dem gleichen Bauernhof auf dem Stella lebte, verschwindet wieder ein kleines Mädchen und auch dieses wird wenig später tot aufgefunden. Haben Helen und Marie wieder gemordet? Oder ist ein anderer Täter von damals zurück? Handelt es sich um Zufall oder einen Nachahmer? Aus dieser Krimi-Handlung macht Camilla Läckberg ein Buch das komplex ist, aber oft auch grausam und sehr brutal. Ich würde es jedem empfehlen, der sich von dieser Beschreibung nicht abschrecken lässt und der gerne Krimis liest, die sich langsam wie ein Puzzle auf ein Ergebnis zu bewegen. Für zarte Gemüter oder Leute die es gern präzise und geradlinig haben, ist das Buch vermutlich eher nichts.

Mich hat es hervorragend unterhalten und für mich ist Camilla Läckberg im Moment eine der besten modernen Krimi-Autorinnen.