Bücher

Buch-Tipp: „Wir kommen zurecht“ von Annika Büsing

Wir kommen zurecht” von Annika Büsing ist ein poetischer und ruhiger Coming-Of-Age Roman, bei dem der knapp 18-jährige Phillip im Mittelpunkt steht. 

Phillip ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager, er lebt mit seinem Vater und dessen Freundin Stella zusammen und bereitet sich aufs Abi vor. Das Verhältnis zu Stella ist ambivalent, das zum Vater ebenso, Phillip ist ein ruhiger und kurz angebundener Typ Mensch, der wenig Gefühle in der Öffentlichkeit zeigt. Er hat gelernt zu funktionieren und sich davon abgesehen stoisch zu geben. Während seine Probleme mit Mädchen, seinem besten Freund und schulische Sorgen ganz typisch wirken, vermittelt das Buch gut, dass da auch noch eine dunkle Wolke aus der Vergangenheit Phillips ganzes Leben geprägt hat und weiter prägt: nämlich seine Mutter Astrid. Die im Buch selbst eher selten in Erscheinung tritt, aber durch kleine Häppchen erfährt man als Leser:in, dass diese psychische Probleme hat und schon seit Phillips früher Kindheit hatte und dass seine unzuverlässige Beziehung zu seiner Mutter ihn sehr stark geprägt hat. Der Roman zeigt dies aber nicht indem er diese Probleme frontal in den Mittelpunkt stellt, sondern als kleine Disruptionen, Erinnerungen und gelegentlichen Auftauchen von Astrid in Phillips Leben.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es mir manchmal etwas zu sprunghaft war zwischen Realität und Träumereien von Phillip. Ansonsten fand ich den Schreibstil aber wunderschön, unaufgeregt, etwas poetisch und so, dass einem Phillip und seine Freunde ans Herz wachsen.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Julia und der Hai“ von Kiran Millwood Hargrave

„Julia und der Hai“ ist ein Kinderbuch von Kiran Millwood Hargrave, das ich mir als Hörbuch angehört habe. Empfohlen wird der Roman ab 10 Jahre, ich kann aber definitiv sagen, dass das Buch auch für Erwachsene absolut hörens- oder lesenswert ist. Julia zieht mit ihrer Familie für ein paar Monate in einen Leuchtturm auf den Shetland Inseln. Mit dabei der Vater, der Informatiker ist und am Leuchtturm etwas digitalisieren soll, die Mutter, die als Meeresbiologin arbeitet und für eine neuartige Forschung unbedingt einen Grönland-Hai finden will, sowie die Katze „Nudel“. Julia bewundert ihre Mutter sehr, die mit Leidenschaft für ihren Beruf brennt, allerdings noch auf die notwendige Finanzierung für ihre aktuelle experimentelle Forschung wartet.

Das Buch beginnt sehr positiv und liebenswert, Julias Familie streitet zwar auch mal, doch beide Eltern lieben Julia und das Familienleben ist von Offenheit und Humor geprägt. Julia ist zwar nicht begeistert davon monatelang in einem Leuchtturm zu leben, ohne Kontakt zu ihren üblichen Freunden, aber immerhin lernt sie im nahegelegenen Dorf den Jungen Kin kennen, so dass die Aussicht auf einen schönen Sommer plötzlich gar nicht mehr so schlecht scheint. Doch Kin hat Probleme mit einigen Jungen im Dorf und die Suche nach dem Grönland-Hai zeigt nach anfänglicher Euphorie auch keine Fortschritte. Schleichend verändert sich die Stimmung im Leuchtturm und Julias Leben wird zunehmend von Unsicherheit geprägt.

Die Geschichte behandelt für ein Kinderbuch so einige schwierige Themen, Mobbing, mentale Gesundheit und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Julia ist ein spannender Charakter, so ist sie kein einfaches, rundum gutes und liebeswertes Kind, sie hat selbst Ecken und Kanten. Das Thema Mobbing wird in dem Buch sehr vielschichtig und nicht klischeehaft behandelt und auch die Geschichte um Julias Mutter ist außergewöhnlich und insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen, das zudem von Birte Schnöink sehr einfühlsam aus Sicht von Julia gelesen wird.