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Lesetipp: „Samy“ von Zdenka Becker

„Samy“ ist der Titelheld von Zdenka Beckers Roman, der dem Buch auch gleich den Namen gibt. Am Anfang des Buches liegt Samy im Krankenhaus, offenbar hat es eine Art Unfall gegeben, aber Samy ist kaum ansprechbar und erinnert sich an nichts. Die Psychologin Hana, die Samy privat seit Jahren kennt, weil sie mit dessen Mutter befreundet ist, versucht ihm die Ereignisse zu entlocken und einen Zugang zu ihm zu finden. Entlang dieser aktuellen Ereignisse wird die schwierige Lebensgeschichte von Samy erzählt, bis hin zu dem tragischen Ende.

Samy wächst in der damaligen Slowakei auf, seine Mutter ist Slowakin, sein Vater ein Österreicher indischer Herkunft, den seine Mutter auf einem seltenen Berlin-Besuch während eines Kongresses kennen gelernt hat und mit dem sie eine kurze aber intensive Affäre hatte. Das Ergebnis davon ist Samy, der als einziger dunkelhäutiger Junge in seiner Umgebung in der Slowakei mit so einigen Anfeindungen zu leben hat. Besonders schwer zu schaffen macht ihm sein ehemaliger Jugendfreund Harry und leider gelingt es Samy nicht über die Kränkungen der Kindheit hinweg zukommen, so dass er sich je älter er wird immer mehr in einem Strudel der Hoffnungslosigkeit und Paranoia verfängt.

Das Leben von Samy wird von früher Kindheit an erzählt, bis hin zu seinem Leben als Jugendlicher und als junger Erwachsener. Aber auch die Lebensgeschichte seiner Mutter Olga bekommt viel Raum und ich fand es besonders interessant auch Einiges über den Kommunismus und das Leben in der Slowakei der letzten Jahrzehnte zu erfahren. Man merkt, dass die slowakisch-österreichische Autorin dort auf sehr viele eigene Erfahrungen zurückgreifen kann.

Das Buch basiert anscheinend auf realen Ereignissen und manchmal merkt man das finde ich am Erzählstil, der ein bisschen wie eine Fallgeschichte daherkommt, was mich aber nicht gestört hat. Manchmal fand ich den Erzählstil allerdings etwas sperrig und ein bisschen unterkühlt, aber trotzdem sehr eindringlich.

Samys Lebensgeschichte und wie ihm sein Leben immer weiter entgleitet wird anschaulich und bewegend geschildert und viele Ereignisse des Buches lassen einen wütend und betroffen zurück, deswegen hat es mir insgesamt sehr gut gefallen.

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Lesetipp für ein Jugendbuch: „Ikarus fliegt“ von Sally Christie

„Ikarus fliegt“ von Sally Christie ist ein Jugendbuch für Jugendliche im Alter von 12 – 15 Jahren. Die Hauptrolle in dem Buch spielt Alex Meadows, ein Junge dessen hervorstechendste Charaktereigenschaften am Anfang des Buches wohl Vorsicht und maximaler Opportunismus sind, denn Alex hat vor nichts mehr Angst als davor in der Mittelschule negativ aufzufallen, oder überhaupt aufzufallen. Zu viel Angst hat er vor der Clique von Alan, einem Jungen der alle anderen herumschubst. Alex‘ neuer Nachbar (von den anderen Schülern nur Bogsy genannt) hat es gleich am Anfang seiner Schulkarriere geschafft bei Alan in Ungnade zu fallen und wird deswegen von Alan gepiesackt und von allen anderen Schülern gemieden. Auch Alex versucht sich deswegen so gut es geht von ihm fernzuhalten, was so weit geht, dass er sogar peinlichst darauf achtet nicht gleichzeitig mit Bogsy in den Bus ein- und auszusteigen, obwohl sie an der gleichen Haltestelle einsteigen.

Doch dann kommt Unruhe in die Klassengemeinschaft, alle Schüler erhalten plötzlich kleine Geheimbotschaften, die darauf hinweisen, dass bald ein Junge fliegen wird, wie Ikarus, der gerade im Unterricht behandelt wird? Was genau mit den Botschaften gemeint ist und von wem sie stammen ist unklar, aber als Alex zufällig etwas darüber herausfindet, muss er seine geliebte Deckung Stück für Stück aufgeben.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, wobei ich finde, dass es etwas langsam in Fahrt kommt und in der ersten Hälfte ein paar Längen hat. Die zweite Hälfte fand ich dann aber sehr spannend. Alex ist als Hauptcharakter zuerst relativ schwer zu mögen, aber ich denke sein Verhalten ist durchaus typisch und nachvollziehbar. Was mir auch gut gefallen hat, ist dass er sich seiner Charaktereigenschaften durchaus bewußt ist (so nimmt er z.B. wahr, dass sein kleiner Bruder Timmy viel mutiger und offener ist als er selbst) und dass er sich im Verlauf des Buches zwar weiterentwickelt, aber er bleibt mehr oder weniger ein „Held“ wider Willen und wird nicht plötzlich zu einem mutigen „Superhelden“, der es mit allen aufnimmt, was in solchen Geschichten ja gerne mal der Fall ist. Im Sinn dieser Charakterentwicklung finde ich das Buch sehr realistisch. Die Handlung an sich ist vielleicht nicht 100% glaubwürdig, denn im echten Leben würden sich zumindest die Erwachsenen (hoffentlich) etwas anders verhalten, aber darüber kann man in einem Roman denke ich mal hinweg sehen.

Insgesamt ein gutes Buch zum Thema Zivilcourage und Freundschaft mit einer Handlung, die aus der Masse herausragt. Vom Stil ist es wohl eher für Kinder und Jugendliche geeignet, die auch schon eher die ruhigen Töne schätzen können.

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Lesetipp: „Der gefährlichste Ort der Welt“

Diesen Monat lese ich (rein zufällig) zwei Bücher, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen, nämlich Mobbing in der Schulzeit. Das erste davon (ein Roman für Erwachsene) möchte ich heute vorstellen:

„Der gefährlichste Ort der Welt“ von Lindsey Lee Johnson spielt in Kalifornien, in einer auf den ersten Blick idyllischen Kleinstadt namens „Mills Valley“ nahe bei San Francisco. Dort wohnen überwiegend reiche, privilegierte Menschen, die eigentlich in der Theorie wenig Sorgen haben sollten.

Im ersten Teil des Buches lernen wir den 13-jährigen Tristan Bloch kennen. Er geht auf die Middle School in Mills Valley und gilt als merkwürdig, er ist etwas übergewichtig, trägt komische Klamotten und ist zwar sehr intelligent, aber nicht wie die anderen Kinder an der High School. Nach einer zufälligen Begegnung begeht er den fatalen Fehler einen Liebesbrief an seine Mitschülerin Cally zu schreiben, in dem er seine innersten Gefühle offenbart. Cally ist entsetzt und überfordert und zeigt den Brief ihren Freunden, allen voran dem beliebten Sport-Ass Ryan. Schnell eskaliert die Sache auf Facebook und am Ende weiß Tristan keinen Ausweg mehr.

Der Rest des Buches spielt einige Jahre danach an der High School von Mills Valley und erzählt in verschiedenen Episoden aus dem Leben von Tristans früheren Klassenkameraden. Dabei ist jedem Schüler ein Kapitel gewidmet, diese sind lose dadurch verbunden, dass meist ein Kapitel mit einem Ereignis aus dem vorherigen Kapitel anfängt. So erlebt der Leser wie es Tristans Klassenkameraden ergangen ist und was für Geheimnisse und Sorgen jeder mit sich herumträgt. Der Schreibstil ist dabei sehr klar und gelungen, so dass das Buch wirklich angenehm lesbar ist und den Leser auch durchaus mitreisst. Trotzdem muss ich zugeben, dass das Buch mich nicht zu 100% gepackt hat. Das lag für mich an 2 Gründen: erstens finde ich den Aufbau doch ein kleines Bisschen zu konstruiert wirkend (als hätte die Autorin sich etwas zu merkbar Mühe mit der Form des Geschichte gegeben) und zweitens fand ich die Charaktere des Buches doch in ihrer Gesamtheit etwas zu klischeehaft. So kommt quasi jeder Stereotyp aus einem amerikanischen Teenie-High-School-Film oder Roman vor. Vielleicht liegt das daran, dass amerikanische Teenies per se ein Klischee sind 😉 , allerdings gibt es doch Bücher und Serien wo die Thematik für mich etwas vielschichter aufgearbeitet wird.

Trotzdem fand ich das Buch insgesamt sehr gut gelungen und auch unterhaltsam. Aktuell lese ich ein Jugendbuch mit ähnlicher Thematik („Ikarus fliegt“ von Sally Christie) und bin gespannt, wie das Thema dort im Vergleich umgesetzt ist (das Fazit daraus gibt es dann im nächsten Blogeintrag…).