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Buch-Tipp: „Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm

„Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm ist eines der beiden Bücher, die ich mir thematisch zur Pride Month im Juni herausgesucht habe. Es ist im Selbstverlag erschienen und ist ein biografisch geprägter Roman über Johannes, der beim Besuch einer Vorstellung der „Rocky Horror Show“ in München über die er als Journalist eine Kritik schreiben soll, direkt in seineJugend im provinziellen Bayern zurück katapultiert wird und sich plötzlich mit seinem Aufwachsen als Kind und Teenager, der nicht „richtig reinpasst“, mit seinem eher distanzierten Verhältnis zu den eigenen Eltern und seinen wehmütigen Erinnerungen an die inzwischen verstorbenen Großeltern beschäftigen muss.

Mich hat das Buch extrem positiv überrascht und abgeholt, denn nur selten habe ich eine Geschichte, die aus Sicht eines Kindes erzählt wird, so authentisch und glaubwürdig wahr genommen. Man ist als Leser:in direkt selbst wieder 8,9 oder 10 Jahre alt und denkt und fühlt wie ein Kind. Dadurch wächst einem der junge Johannes sofort ans Herz und man ist mitten drin in der Geschichte. Auch sprachlich ist das Buch extrem stark. Im Lektorat gab es 2-3 Fehler, was ich für ein Buch im Selbstverlag aber völlig im Rahmen finde (zumal man heutzutage leider auch in professionell lektorierten Büchern von großen Verlagen derartiges vorfindet).

Toll fand ich, dass der Protagonist Johannes ein ähnlicher Jahrgang ist wie ich selbst, weswegen viele seiner Kindheitserinnerungen bei mir direkt nostalgische Gefühle wecken (allein die Bedeutung von Masters of the Universe Action Figuren für Kinder in den 80ern…), so dass ich mich mit vielen seiner Erlebnisse identifizieren konnte.

Ein absoluter Lese-Tipp für jeden der gerne berührende Coming-of-Age Bücher liest. Die Rocky Horror Show zu kennen und zu mögen ist ein weiterer Pluspunkt, aber absolut nicht nötig um Spaß an dem Buch zu haben. 

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Buch-Tipp: „Wir kommen zurecht“ von Annika Büsing

Wir kommen zurecht” von Annika Büsing ist ein poetischer und ruhiger Coming-Of-Age Roman, bei dem der knapp 18-jährige Phillip im Mittelpunkt steht. 

Phillip ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager, er lebt mit seinem Vater und dessen Freundin Stella zusammen und bereitet sich aufs Abi vor. Das Verhältnis zu Stella ist ambivalent, das zum Vater ebenso, Phillip ist ein ruhiger und kurz angebundener Typ Mensch, der wenig Gefühle in der Öffentlichkeit zeigt. Er hat gelernt zu funktionieren und sich davon abgesehen stoisch zu geben. Während seine Probleme mit Mädchen, seinem besten Freund und schulische Sorgen ganz typisch wirken, vermittelt das Buch gut, dass da auch noch eine dunkle Wolke aus der Vergangenheit Phillips ganzes Leben geprägt hat und weiter prägt: nämlich seine Mutter Astrid. Die im Buch selbst eher selten in Erscheinung tritt, aber durch kleine Häppchen erfährt man als Leser:in, dass diese psychische Probleme hat und schon seit Phillips früher Kindheit hatte und dass seine unzuverlässige Beziehung zu seiner Mutter ihn sehr stark geprägt hat. Der Roman zeigt dies aber nicht indem er diese Probleme frontal in den Mittelpunkt stellt, sondern als kleine Disruptionen, Erinnerungen und gelegentlichen Auftauchen von Astrid in Phillips Leben.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es mir manchmal etwas zu sprunghaft war zwischen Realität und Träumereien von Phillip. Ansonsten fand ich den Schreibstil aber wunderschön, unaufgeregt, etwas poetisch und so, dass einem Phillip und seine Freunde ans Herz wachsen.