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Jugendbuch-Rezension: „Gänseblümchen sterben einsam“

Ich lese auch als Erwachsene sehr gerne Bücher aus dem Genre „Young Adult“, besonders angetan haben es mir dabei bisher amerikanische Autoren wie zum Beispiel Rainbow Rowell (die eine großartig gefühlvolle Art und Weise hat über Liebe zu schreiben). Im deutschsprachigen Bereich kenne ich noch nicht viele Autoren, weswegen ich dem Buch „Gänseblümchen sterben einsam“ von Regina Meissner gerne eine Chance gegeben habe. Das Thema des Buches klang für mich zwar sehr ernst, aber sehr interessant und ansprechend.

Das Leben der 17-jährigen Moira gerät am Anfang des Buches völlig aus den Fugen, den ihr älterer Bruder Liam hat für die ganze Familie völlig unerwartet Selbstmord begangen. Das Buch beginnt mit der sehr intensiven und bedrückenden Beschreibung seiner Beerdigung. Danach befindet sich Moiras ganze Familie in einer Art Schockzustand, der Vater vergräbt sich bei der Arbeit, die Mutter im Bett und Moira muss einen ersten heroischen Versuch direkt wieder zur Schule zu gehen abbrechen. Beim Besuch von Liams Grab und der Stelle an der er Selbstmord begangen hat, bemerkt Moira bald einen Jungen auf einem Skateboard, der aber die Flucht ergreift als Moira ihn ansprechen will. Als die beiden durch einen Zufall doch aufeinander treffen ist Moira schnell völlig fasziniert von dem fremden Jungen, der sich Ryan nennt. Je näher sie ihm kommt, desto besser schafft sie es Liams Verlust zu verarbeiten. Doch hat Ryan etwa etwas zu verbergen?

Ich muss zugeben, dass ich bezüglich des Buches sehr hin- und her gerissen war, das erste Kapitel fand ich sehr stark, dann hatte ich aber erst mal wirklich Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, denn den fand ich zeitweise wirklich sehr kitschig und auch für ein 17-jähriges Mädchen zu altmodisch (teilweise erinnerte er an eine Rosamunde Pilcher Verfilmung), so stolperte man immer wieder über Sätze wie „Ungesagte Worte ersterben in meiner Kehle“, „Der Fremde trat aus dem Schatten, „Sanft ergriff sie meine Hand“. Dazu kam noch, dass auch noch alle Charaktere Namen haben wie aus einer Rosemunde Pilcher Verfilmung, Moira, Delilah, … (als ein Lehrer auch noch Mr. Ivanhoe hiess, musste ich doch kurz kichern). Das Buch soll wohl in Großbritannien spielen, allerdings wirkt die Namensgebung doch auch mehr wie Großbritannien 1952 oder so. Vor allem die Teile, die Moiras Freundschaft zu Delilah schildern, fand ich doch sehr blumig und gestelzt teilweise.

Allerdings nahm das Buch ab dem Moment wo Moira Ryan kennenlernt an Fahrt auf und auch den Schreibstil fand ich ab merkwürdigerweise wieder gelungener, die sich entfaltende Liebesgeschichte fand ich sehr schön erzählt und das Buch entfaltet dann auch eine eigene Spannung und einen Sog, der dazu führte, dass ich es ab da in einem Rutsch ausgelesen habe. So kann ich sagen, dass es mir ab da doch noch gut gefallen hat, auch wenn es nicht wirklich meinen Geschmack getroffen hat. Ich denke die (junge) Autorin hat auf jeden Fall viel Talent, ist allerdings stilistisch noch etwas unausgewogen. Ich vermute ich bin auch einfach nicht die Zielgruppe der Autorin, denn sie schreibt sonst vor allem Bücher aus dem romantischen Fantasy oder Mystery Bereich (mit Titeln wie „Der Fluch der 6 Prinzessinnen – Schwanenfeuer“), was absolut nicht mein Ding ist. Hätte ich das vorher ergoogelt, hätte ich vermutlich vorher abschätzen können, dass dieser Roman nicht ganz mein Ding sein würde. Dafür kann die Autorin aber nichts und ich denke für Jugendliche (und eventuell Erwachsene), die es stilistisch gern etwas romantischer und blumiger mögen, ist das Buch sicher genau das Richtige. Mir hat es trotz des blumigen Stils im Großen und Ganzen dann doch ganz gut gefallen. Nicht ganz wohl fühle ich mich mit der etwas romantisierend verklärte Darstellung des Thema Selbstmords. Ich kann mir zwar vorstellen, dass das bei vielen Jugendlichen gut ankommt, aber gerade deswegen finde ich es etwas problematisch (problematischer auch als die so viel kritisierte drastische Darstellung in einer Serie wie „Tote Mädchen lügen nicht“). Aber die meisten Jugendlichen die das Buch lesen dürften alt genug sein, um sich dazu selbst eine Meinung zu bilden.

Insgesamt eine interessante Leseerfahrung von einer jungen talentierten Autorin.

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Lesetipp: „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs

„Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs ist ein Jugendbuch, das mit einer interessanten Grundidee aufwartet. 7 junge Mädchen im Alter zwischen 13 und ca. 17 melden sich in den Sommerferien mehr oder weniger motiviert für ein Abenteuer-„Überlebenstraining“-Camp in der freien Natur an. Die Haupt-Protagonistin ist die 15-jährige Charlotte aus deren Sicht die Erlebnisse erzählt werden, sie ist sehr schüchern und wird schnell rot und sagt deswegen meist lieber gar nichts. Die anderen 6 Mädchen machen einen eher unkonventionellen Eindruck auf Charlotte und sind eine bunt gemischte Truppe. Noch merkwürdiger aber wirken die beiden Organisatoren des Sommer-Camps und so kommt es nach einigen merkwürdigen Begebenheiten dazu, dass die 7 Mädchen auf eigene Faust aus dem Camp flüchten und sich stattdessen im Erzgebirge für einen ganz „eigenen“ Abenteuerurlaub in einer Höhle im Wald einnisten, die eines der Mädchen aus ihrer Kindheit kennt.

Der Anfang des Buches hat mir wirklich super gefallen, die Erlebnisse rund um den Einzug in das eigentliche Camp sind super beschrieben und auch einfach unheimlich komisch und skurril. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Hauptfigur und der Schreibstil, der ihre kreative Gedankenwelt wiedergibt hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat das Buch für mich nach dem starken Start etwas nachgelassen, denn in weiten Teilen der Mitte passiert einfach relativ wenig und auch die Geschichte am Ende ist zwar geheimnisvoll, aber dann doch irgendwie nicht soooo mitreißend, wie sie hätte sein können. Außerdem fand ich einige Charaktere des Buches sehr stark beschrieben und charakterisiert, ein bis zwei Mädchen der Gruppe bleiben aber so blass, dass ich mir kein wirkliches Bild von ihnen machen konnte (dass „Rike“ existiert vergaß ich quasi immer völlig, bis ihr Name mal wieder erwähnt wurde). Spannend hingegen fand ich das Setting im Erzgebirge und die vielen lokalkoloritischen und auch historischen Infos zu der Region, die ins Buch eingewoben wurde, denn darüber weiß man als West-Deutsche meist eher wenig.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und nett zu lesen und es ist definitiv auch stilistisch und inhaltlich mal etwas ganz anderes, aber zu einem richtig herausragenden Buch hat mir doch ein Quentchen Spannung gefehlt.

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Meine Lieblings-Kinder und Jugendbücher – Teil 1

Aufgrund der netten Inspiration von Stefka (Stefka bloggt) möchte ich ihre Idee aufgreifen und meine Lieblings Kinder- und Jugendbücher hier vorstellen. Ich habe schon als Kind immer  extrem viel und extrem schnell gelesen und damals auch gerne mehrere Bücher gleichzeitig (die lagen dann auf einem hohen „lese ich gerade Stapel“ neben mir auf dem Sofa 😉 ). Da ich es nicht geschafft habe, eine Top 10 meiner Lieblingskinderbücher zu erstellen (der Stapel mit den Top 10 bestand nach erster Sichtung aus 21 Büchern), werde ich in diesem Thema erst mal einige meiner Lieblings-Kinderbuchautoren vorstellen, die Autoren von denen ich als Kind praktisch alle Bücher verschlungen habe:

Astrid Lindgren

Astrid Lindgren bleibt für mich vermutlich DIE Kinderbuchautorin schlechthin. Ich liebe fast alles was sie geschrieben hat und alle ihre Bücher kann man auch als Erwachsene noch lesen und sie bleiben weiterhin speziell und wunderbar. Ich konnte mich für fast alle Bücher von Astrid Lindgren begeistern (es gibt ein paar wenige, die ich gar nicht mag, wie z.B. „Karlsson vom Dach“, den Typen fand ich immer total gruselig…und ein paar die nie so richtig mein Ding waren wie „Ronja Räubertochter oder die ich einfach nie gelesen habe, aber im Großen und Ganzen finde ich ihr Gesamtwerk großartig), aber auch von ihr habe ich Favoriten, die da sind:

  • „Wir Kinder aus Bullerbü“: Als kleines Kind konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen als in einem „Dorf“ (wenn man 3 Höfe als Dorf bezeichnen kann) wie Bullerbü zu wohnen. Die Geschichten der Kinder aus Bullerbü sind einfach mit so viel Liebe und Humor erzählt. Ich mag auch die Verfilmungen unheimlich gerne. Ich denke meine Liebe zu Skandinavien wäre ohne diese Bücher vermutlich nicht so entstanden 😉
  • „Madita“ ist eine meiner Lieblings-„Heldinnen“ aus Astrid Lindgrens Geschichten, vielleicht gerade weil sie (und auch ihre kleine Schwester) keine typischen Heldin ist, keine nettes braves Mädchen, sondern ein Mädchen, das irgendwie ständig aneckt und gar nicht so „nett“ ist. Gerade das macht ihre Geschichten besonders liebenswert und realistisch. Und auch bei dieser Geschichte LIEBE ich die Verfilmungen (es gibt an Weihnachten ja nichts tolleres als die Astrid Lindgren Verfilmungen, die gerne jedes Jahr wiederholt werden)
  • „Kalle Blomquist“: einfach tolle Detektivgeschichten, die für mich richtig spannend waren. Eine der Geschichten (die mit dem Mord) fand ich sogar ein bisschen heftig gruselig als Kind. Ich sehe es sowieso als eine der großen Stärken von Astrid Lindgren an, dass sie spannende und schöne und traurige und leichte und schwere Bücher schreiben konnte und eigentlich alles gleich gut.
  • „Die Brüder Löwenherz“: dieses Buch habe ich als Kind nur einmal gelesen, da ich es einfach so furchtbar traurig fand (kein Wohlfühl-Buch das man immer und immer wieder lesen kann). Ich habe es vor einigen Jahren als Erwachsene wieder gelesen und fand es einfach unfassbar gut, aber immer noch furchtbar traurig. Und ich finde es ist ein sehr mutiges und wichtiges Thema für ein Kinderbuch.
  • „Pippi Langstrumpf“: Der Klassiker schlechthin 😉 Ich muss zugeben, dass ich die Bücher zwar gerne haben, aber dass für mich Pippi Langstrumpf für immer Inger Nilsson bleiben wird. Sie ist einfach so sehr „Pippi Langstrumpf“, dass das einer der wenigen Geschichten ist, wo ich wirklich die Verfilmung noch mehr mag als die Bücher. Und ich kann mir niemand anderen in der Rolle vorstellen.
  • „Mio mein Mio“: Auch das wie „Die Brüder Löwenherz“ ein eher schwermütigeres Buch von Astrid Lindgren, dessen Faszination mich erst mit den Jahren gepackt hat. Als Kind mochte ich diesen Roman nicht so besonders, aber als Jugendliche und Erwachsene fand ich ihn sehr sehr gut.

Wer sich übrigens für das Gesamtwerk von Astrid Lindgren interessiert und dicke Schmöker mag, dem kann ich das Buch „Zum Donnerdrummel!“ empfehlen, ein 1000 seitiges Werksporträt zu Astrid Lindgren, das mit wirklich viel Liebe und Hintergrundinfos und schönen Illustrationen daher kommt.

Wenn es einen Kinderbuchautor gibt, den ich genauso gut finde wie Astrid Lindgren, dann ist das:

Erich Kästner

Erich Kästner ist für mich einer der besten deutschen Schriftsteller, egal ob es um Kinder- oder um Erwachsenenbücher geht.

Meine Lieblingskinderbücher von ihm sind „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Pünktchen und Anton“. „Das doppelte Lottchen“ hat mir durchaus auch gefallen, kann aber nicht ganz mit den anderen drei mithalten 😉 Wie auch bei Astrid Lindgren habe ich bei ihm auch die Verfilmungen seiner Romane sehr geliebt. Mein Favorit ist hierbei die Verfilmung von „Das fliegende Klassenzimmer“ aus dem Jahr 1973 (die mit Joachim Fuchsberger). Wie ich irgendwann im Internet erlesen habe, gilt diese als die schlechteste Verfilmung. Mir egal, ich find sie toll 😀

Und um den Eindruck zu verstärken, dass ich als Kind am Liebsten Bücher gelesen habe, die schon zu der Zeit Jahrzehnte alt waren 🙂 , kommt hier noch eine Autorin, die vermutlich noch altmodischer daher kommt als Astrid Lindgren und Erich Kästner:

Else Ury

Else Ury ist 1877 geboren und ihre Bücher sind vermutlich aus heutiger Sicht zumindest auch nicht NOCH altmodischer als in den 80ern als ich sie gelesen habe. Ihr bekanntestes Buch ist vermutlich „Nesthäkchen“, das ich auch im Bücherregal habe, aber meine absolute Liebe als Kind galt ihrer „Professors Zwillinge“ Reihe, diese ist ursprünglich in den 20er Jahren erschienen und umfasst 5 Bände. Die habe ich als Kind mehrfach verschlungen. Darin wird das Leben der Zwillinge Suse und Herbert (im ersten Band noch „Mädi“ und „Bubi“ 😀 ) von der Kindergartenzeit bis ins junge Erwachsenenleben geschildert. Hierbei ist die Sprache aus heutiger Sicht schon extrem altmodisch, aber mich hat das als Kind kein bisschen gestört. Aus heutiger Sicht ist das Frauenbild sicherlich auch sehr antiquiert, aber aus mir ist ja trotzdem was geworden 😉

Alle alten Bücher sind dann aber doch nicht zeitlos geeignet…

Und als Kontrast möchte ich zum Ende hin noch ein paar altmodische Kinderbücher herausgreifen, die mich als Kind doch etwas verstört haben, das wären:

  1. Der Struwwelpeter: Aus meiner Sicht ein grausliges moralisch fragwürdiges Machtwerk, das nur dazu diente, Kinder zu erschrecken und einzuschüchtern. Fand ich als Kind schon schrecklich und ich hoffe mal, dass es heute keine Eltern mehr gibt, die das ihren Kindern ernsthaft kaufen. Ich glaube als ich klein war, hat man das allen Kindern gekauft, weil man das halt so gemacht hat 😛
  2. Johanna Spyri – Gritlis Kinder Reihe: Johanna Spyri ist sicherlich am Bekanntesten als Autorin von „Heidi“. Ihre Reihe um „Gritli“ und „Gritli’s Kinder“ habe ich von meiner Oma geerbt. Mit den Büchern an sich ist eigentlich soweit alles in Ordnung, bloß stirbt gefühlt in jedem Buch ein Kind sehr realitätsnah beschrieben an Schwindsucht, nachdem es ewig blut hustend im Bett dahin gesiecht ist. Das fand ich als Kind dann doch etwas sehr verstörend, wenn auch für die Zeit des Romans sicherlich sehr realistisch…

Im nächsten Blogpost geht’s dann weiter mit mehr Kinderbüchern, ein paar sind vermutlich sogar nach dem 2. Weltkrieg veröffentlich worden 😉