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Buch-Tipp: „Vogel mit Licht“ von Susanne Mesterharm

„Vogel mit Licht“ von Susanne Mesterharm ist ein außergewöhnliches Buch mit einem außergewöhnlichen Thema: es geht um Berit und wie im Untertitel „Geschichte einer multiplen Persönlichkeit“ schon ersichtlich ist, hat diese eine Dissoziative Identitätsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung genannt). 

Manchmal fehlen Berit ganze Tage, Wochen oder sogar Monate. Sie hat ein „Radio“ im Kopf und hört ständig Stimmen. Trotzdem schafft sie es im Alltag einigermaßen zu funktionieren und zu studieren, auch wenn ihr ihre anderen Innenpersonen immer wieder Steine in den Weg legen, wenn sie mal wieder das Steuer übernommen haben. Wie Berit damit umgeht schildert dieser Roman intensiv, manchmal auch humorvoll und sehr überzeugend. 

Ich war sehr beeindruckt wie einfühlsam die Autorin Berits Leben und ihre verschiedenen Innenpersonen beschreibt und vor allem wie stark das Buch sprachlich ist, sogar abgesehen vom wirklich interessanten und berührenden Inhalt hat mich das Buch auch  mit der Sprache unheimlich abgeholt: poetisch, klar und feinfühlig. Das hatte ich zugegebenermaßen nicht unbedingt erwartet, da das Buch im Self-Publishing erschienen ist und es der Debütroman von Susanne Mesterharm ist. Es gibt zwar auch ein, zwei Stellen wo man kleinere Lektoratsfehler finden kann (z.B. spricht Berit bei einem Vergleich von Gigabytes von Daten obwohl die Handlung soweit ich es richtig erkannt habe ca. in den 1990er Jahren spielt, wo das keine üblichen Datenmengen waren), aber im Verhältnis dazu wie stark das Buch insgesamt ist, sind solche Kleinigkeiten absolut irrelevant. Auch schafft es die Autorin Berits persönliche Weiterentwicklung beim Handling von Beruf, Freundschaft, Therapie und Liebesleben wirklich schlüssig darzustellen. Außerdem behandelt das Buch zwar unfassbar schlimme Traumata, aber da Berit immer Menschen in ihrem Leben hat, die wirklich für sie da sind (z.B. ihre Freundin Frida und ihre Therapeutin) bleibt das Buch immer hoffnungsvoll und wirkte auf mich nie deprimierend oder zu belastend (für Menschen mit ähnlichen Traumata könnte es allerdings zu triggernd sein).

Ich war am Ende sehr beeindruckt wie authentisch die Autorin über diese komplexe Thematik schreibt, was sich aber erklärt nachdem ich im Epilog gelesen habe, dass die Autorin Psychotherapeutin ist und mit Menschen mit DIS gearbeitet hat. 

Dass das Buch einen Selfpublishing Buchpreis gewonnen hat wundert mich nach der Lektüre nicht und ist absolut verdient!