Bücher

Jugendbuch-Tipp: „Scandor“ von Ursula Poznanski

“Scandor” von Ursula Poznanski ist mir das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse begegnet, wo ich ein Interview mit ihr dazu gehört habe. Dabei handelt es sich um ihren neuesten Jugendbuch-Thriller mit interessanter und wie fast immer etwas Sci-Fi artiger Thematik: 100 Personen werden scheinbar zufällig zu einer Challenge eingeladen, darunter die 19-jährige Tessa und der gleichaltrige Phillip. Sie bekommen einen neuartigen Lügendetektor am Arm angebracht, der jede Aussage von Ihnen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Werden sie bei einer Lüge ertappt, fliegen sie aus dem Wettbewerb. Wer am Längsten durchhält gewinnt 5 Millionen Euro. Um die Motivation der Teilnehmer zu steigen, nicht freiwillig aus dem Rennen auszusteigen muss jeder der mitmacht einen Vertrag unterzeichnen, der ihn verpflichtet sich nach dem Ausscheiden seiner größten Angst zu stellen.

Wie erwartet, ist es gar nicht so einfach im Alltag nicht zu lügen, denn natürlich sind auch keine kleinen Notlügen oder höfliche Floskeln, die nicht ganz erst gemeint sind, erlaubt. Doch auch sonst bietet der Wettbewerb einige Tücken, denn wer steckt eigentlich dahinter und hat der- oder diejenige vielleicht einen Hintergedanken?
Jemand der gerne Erwachsenen-Thriller liest, wird sicher hier seine Erwartungen nicht erfüllt sehen, denn Gewalt, Hochspannung oder blutige Geschehnisse sucht man hier (glücklicherweise) vergebens. Das Buch lebt für mich vor allem von der Grundidee und der Beschäftigung mit den Auswirkungen, die man sich auch in seinem eigenen Alltag sehr gut vorstellen kann: was würde es wirklich bedeuten im Alltag nie lügen zu dürfen, bei der Arbeit, bei der Unterhaltung mit geliebten Menschen oder bei Zufallsbegegnungen. Zudem werden die Teilnehmer von dem Spiel auch noch mit Spezialaufgaben unter Druck gesetzt, so dass es nicht möglich ist, sich dem Spiel durch Isolation zu entziehen. Die hinter dem Spiel liegende Handlung ist vielleicht nicht völlig unvorhersehbar, aber trotzdem wie ich finde in sich logisch und spannend erzählt.
An Ursula Poznanskis Büchern überzeugt mich immer ihre durchgehend hohe sprachliche und auch inhaltliche Qualität, denn obwohl sie sehr viele Bücher schreibt, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen, dass mir nicht gefallen hat. “Scandor” gehört sogar zu den Büchern, die mir mit am Besten gefallen haben.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Die Burg“ von Ursula Poznanski

„Die Burg“ von Ursula Poznanski habe ich mir als Hörbuch rausgesucht, da ich einen leichten, aber unterhaltsamen Thriller haben wollte, der nicht zu blutig ist und aus meiner Erfahrung mit Ursula Poznanskis Büchern war ich zuversichtlich das all das auf „Die Burg“ zutrifft. Meine Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht: das Trendthema „KI“ wurde unterhaltsam in Szene gesetzt (ob alles davon realistisch ist, ist bei einem Thriller ja nicht wirklich wichtig). Auch Fans von Escape Rooms und Escape Room Spielen sollten mit dem Buch voll auf ihre Kosten kommen: der exzentrische Millinär Nevio (der sofort an jemanden wie Elon Musk erinnert) hat eine alte Burg komplett in ein KI-gesteuertes Escape Room Adventure umgebaut. Vor der Eröffnung hat er eine gemischte Runde von Personen eingeladen, um die Anlage auf Herz und Nieren zu testen: darunter Maxim, den Besitzer einiger traditioneller Escape Rooms, Professor Melerski, der die historische Umsetzung der Burg-Escape Rooms bewerten soll und Yvonne, Influencerin, die natürlich kräftig die Werbetrommel rühren soll. Dazu kommen noch Emil, ein ehemaliger Top-Athlet und Petra, die die Teilnahme bei einem Gewinnspiel gewonnen hat. Doch während alle ein harmloses spannendes Wochenende erwarten, hat die KI andere Pläne…

Während des Hörens war ich mir nicht zu 100% sicher, ob es sich bei „Die Burg“ um einen Thriller für Erwachsene oder Jugendliche handelt (da Poznanski ja auch viele Jugendthriller schreibt). Da auf blutige Details weitgehend verzichtet wurde, würde ich sagen, dass das Buch sich an der Grenze bewegt. Für Fans von wirklich brutalen Thrillern ist das Buch also vermutlich nichts, aber für mich war es genau das Richtige. Ein paar Kleinigkeiten kann man sicherlich bemängeln, die Charakterentwicklung bleibt teilweise etwas auf der Strecke (vor allem bei den Mitarbeitern) und manchmal benehmen sich die Charaktere etwas sehr blauäugig (so stellen die Mitarbeiter bestimmt 2x fest, dass sie sich wohl nicht lautstark vor der „mitlauschenden“ KI unterhalten sollten, damit diese nichts von ihren Plänen erfährt, kommen aber trotzdem das ganze Buch lang nicht auf die Idee sich darauf zu einigen das eben tatsächlich nicht mehr zu tun). Das Hören der Geschichte macht aber einfach Spaß, was einen über kleine Schwächen großzügig hinwegsehen lässt.

Der Sprecher Rainer Strecker hat mich bei dem Buch zu 100% überzeugt. Er liest lebendig und mit einer zur Story passenden Art und Weise, die das ganze Hörbuch fast wie ein Hörspiel wirken lässt. Das passt hervorragend zu dem dynamischen und spielerischen Ansatz des Buches.