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Buchtipp: „Der Outsider“ von Stephen King

„Der Outsider“ von Stephen King ist sicher kein 100% klassischer Krimi, da er ähnlich wie die Romane der „Mr. Mercedes“ Trilogie auch übernatürliche Elemente enthält. Der Roman spielt überwiegend in Flint City, Oklahoma, einer Kleinstadt in der der College-Professor und Baseballtrainer Terry Maitland beliebt und hochangesehen ist. Um so schockierender ist es als ein kleiner Junge ermordet und verstümmelt aufgefunden wird und gleich diverse Zeugen Terry Maitland eindeutig als Täter identifizieren. Auch forensische Spuren bestätigen seine Täterschaft. Der Polizist Ralph Anderson lässt sich aufgrund der völlig unmissverständlichen Ausgangslage und der Tatsache, dass Terry auch seinen eigenen Sohn trainierte dazu hinreißen Coach Maitland in aller Öffentlichkeit während eines Baseballspiels publikumswirksam zu verhaften, vor den Augen von dessen Frau und der 2 kleinen Töchter.

Um so verwirrender entwickeln sich dann die nächsten Tage für die Ermittler, denn Terry Maitland scheint nicht nur der eindeutige Täter zu sein, sondern gleichzeitig auch noch ein bombensicheres Alibi zu haben. Er war während der Tat auf einem Schriftsteller-Kongress, zusammen mit 3 Kollegen, die bezeugen können, dass er die ganze Zeit vor Ort war und zusätzlich wurde er auch noch zur Tatzeit bei einer Lesung im Publikum gefilmt. Eigentlich eine völlig unmögliche Situation.

Der erste Teil des Romans liest sich wie ein klassischer „Whodunit“ Krimi, der mit einer ziemlich mysteriösen Ausgangslage beginnt. Nachdem die Ereignisse rund um Terry Maitland ein tragisches – wenn auch nicht unerwartetes – Ende nehmen, ist Ralph Anderson um so motivierter Licht in die rational unmöglich scheinenden Ereignisse zu bringen. Zusammen mit Maitlands Anwalt und einem Privatdetektiv, den dieser engagiert hatte, versucht Anderson herauszufinden was wirklich hinter dem Mord steckt. Ab diesem Punkt nimmt das Buch eine Wendung hin zu einem klassischeren Stephen King Roman und als die Ermittlungen das Team aus Flint City heraus führen tritt eine alte Bekannte auf den Plan: Holly Gibney, die schrullige Assistentin des inzwischen verstorbenes Detektives Jim Hodges aus der Mr. Mercedes Trilogie. Der Rest des Buches fühlt sich dann eher wie eine Fortsetzung dieser Reihe an, die „alten“ King Themen wie Freundschaft und Loyalität im Kampf von „Gut“ gegen „Böse“ spielen wieder eine große Rolle und der Schreibstil ist auch wieder klassischer wie man es von Stephen King gewohnt ist.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es weder besonders gruselig, noch besonders Thriller-mäßig spannend ist, sondern trotz der übernatürlichen Elemente ein eher ruhiger Krimi ist.

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Krimi-Rezension: „Muttertag“ von Nele Neuhaus

„Muttertag“ ist der neueste Krimi von Nele Neuhaus aus ihrer Krimireihe mit den Kommissaren Pia Sander und Oliver von Bodenstein (wobei die Kommissarin
in den ersten Bänden noch Kirchhoff hieß und der Roman immer noch als „Kirchhoff/Bodenstein“ Krimi zum Beispiel bei Amazon aufgeführt wird). Ich habe alle oder zumindest die meisten der Bücher aus der Reihe gelesen, da meine Mutter ein Fan der Reihe ist.
So richtig begeistert hat mich bisher aber nur der Band „Schneewittchen muss sterben“, die anderen Krimis fand ich in der Regel aber solide Unterhaltung.
„Muttertag“ ist wie die meisten der Vorgängerromane ein sehr umfangreiches Buch geworden. Normalerweise mag ich dicke Schmöker (so war ich auch immer ein großer Fan der Krimis von Elizabeth George, die ja auch immer sehr dick waren). Da ich die Charaktere ihrer Bücher aber sehr lieb gewonnen hatte, hat mich das gar nicht gestört, denn mit Charakteren die man mag, möchte man als Leser ja gerne so viel Zeit wie möglich verbringen. Ein perfektes Buch ist für mich eines an dessen Ende man traurig ist, dass es schon zu Ende ist…wie sah das Lesevergnügen nun bei „Muttertag“ aus?

Am Anfang des Buches war ich eigentlich sehr zuversichtlich. Der Kriminalfall wirkte nämlich sehr vielversprechend.
Die Komissarin Pia Sander wird am Anfang des Buches in ein altes Herrenhaus gerufen, dort wurde ein alter Mann – Theodor Reifenrath- tot aufgefunden. Die Familie Reifenrath betrieb dort früher einen Mineralwasserproduktionsbetrieb, der aber schon vor Jahrzehnten Pleite ging. Danach kümmerten sich das Mordopfer und seine (inzwischen seit Jahren verschollene) Frau auf dem großen Grundstück jahrzehntelang um Pflegekinder, die aus schwierigen Verhältnissen stammten. Jetzt liegt Theo mit einer Kopfwunde tot in seinem Haus, auf den ersten Blick ist er vielleicht nur nach einem Schwächeanfall gestürzt und eines natürlichen Todes gestorben. Doch dann finden die Ermittler nicht nur den halb verhungerten Hund des Toten, sondern auch noch menschliche Knochen und die Ermittler müssen nicht nur herausfinden, ob Theo ermordet wurde, sondern auch noch was hinter den Menschenknochen steckt. Schnell stellt sich heraus, dass es in der Vergangenheit der Reifenraths so einige dunkle Flecken und „Leichen im Keller“ gibt.

Die ersten 80 Seiten des Romans waren wirklich unterhaltsam geschrieben und machten Lust auf einen komplexen und interessanten Kriminalfall. Allerdings konnte
das Buch meine Erwartungen dann leider nicht wirklich erfüllen, mich haben gleich mehrere Punkte gestört. Erstens gestaltete sich der Mittelteil des Buches leider als sehr langatmig (und mit Mittelteil meine ich leider so ca. die Seiten 100 – 500). Die Ermittler befragen unzählige Verdächtige und Personen, die man sich allein wegen der Fülle schon kaum merken kann, so richtig voran geht in der Krimihandlung aber nichts. Das ist vielleicht im Hinblick auf die Darstellung von Polizeiarbeit realistisch, aber als Unterhaltung nicht ganz so mitreißend. Zweitens gibt es neben der normalen Ermittlungsarbeit noch eine Nebenhandlung, die sich eines für mich etwas unnötigen (und noch dazu durchschaubaren) Identitätskniffes bedient…und Drittens fremdelte ich in dem Buch auch noch etwas mit den Charakteren. Oliver von Bodenstein ist zwar weiterhin sympathisch, spielt in diesem Band aber eine eher untergeordnete Rolle und bleibt blass. Pia Sander war mir in diesem Band aber irgendwie unsympathisch, da sie eine gewisse Selbstgerechtigkeit entwickelt zu haben scheint. Noch dazu zog sich durch den Roman für mich eine Tendenz zum „Victim Blaming“, was ich angesichts des heiklen Themas ziemlich unangenehm fand. Der einzige Charakter der für mich im Buch eine positive Charakterentwicklung erfuhr war Pias Chefin Nicola.

Zusammengefasst war dieses Buch für mich also kein Schmöker in den ich mich mit Begeisterung vertieft habe, denn mir fehlte gerade das eingangs erwähnte: anstatt mit geliebten Charakter mitzufiebern war ich am Ende eher froh sie los zu sein. Für große Fans der Reihe ist das Buch sicherlich trotzdem geeignet, mich hat es leider nicht überzeugt.

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Schweden-Krimi: „Minus 18 Grad“ von Stefan Ahnhem

Heute möchte ich einen Ausflug ins Genre Skandinavien-Krimi unternehmen: „Minus 18 Grad“ von Stefan Ahnhem. Dabei handelt es sich bereits um den 3. Teil einer Krimi-Reihe, von denen ich die ersten beiden Teile nicht gelesen habe.

Cover

Auf dem Cover ist eine zu Schweden passende winterliche Wald Landschaft zu sehen, die ein Gefühl von Kälte und Winter vermittelt und damit gut zum Titel des Buches passt. Das Bild wird auf den Innenseiten des Umschlags weitergeführt, was für ein Taschenbuch eine recht hübsche Spielerei ist.

Autor

Den Autor kannte ich im Gegensatz zu vielen anderen skandinavischen Krimi-Autoren noch nicht. Laut Klappentext schreibt er auch Drehbücher für Krimis und war zum Beispiel Autor einiger Wallander Verfilmungen.

Charaktere

Charaktere gibt es in dem Buch „Minus 18 Grad“ mehr als genug, wenn nicht sogar ein paar zu viele? Die Hauptperson ist wohl der Kommissar Fabian Risk, der nicht der Leiter seines Ermittlungsteams ist, aber diese Rolle mehr oder weniger unfreiwillig doch einnimmt, da die Chefin des Teams ein Alkoholproblem hat, das im Buch auch eine größere Rolle spielt. Fabian Risk schlägt sich mit Eheproblemen und einem (wohl in einem vorigen Band) traumatisierten Sohn im Teenageralter herum. Weiterhin gibt es noch mehrere andere Polizisten im Team, die eine mehr oder weniger große Rolle einnehmen. Und zusätzlich dazu gibt es noch eine junge dänische Polizistin, die in einem völlig anderen Fall in Dänemark ermittelt und deren Beziehung zu Fabian Risk sich erst im Laufe des Buches erschließt. Auch die beiden Fälle laufen anfangs parallel ohne dass erkenntlich wird warum es zwei so unterschiedliche Handlungsstränge gibt.
Dazu gibt es noch natürlich noch den/die Mörder in beiden Fällen und eine ganze Menge Nebenfiguren. Auch Fabian Risks Familie spielt eine nicht unwichtige Rolle. Dass man bei dieser Fülle an Personen nicht den Überblick verliert ist durchaus eine gute Leistung vom Autor.

Plot

Ein Mann fährt nach einer wilden Verfolgungsjagd über eine Kaimauer und kann nur noch tot geborgen werden. Der Gerichtsmediziner macht eine verblüffende Entdeckung, denn der Mann war offenbar schon mehrere Tage tot und offenbar auch längere Zeit tief gefroren. Wie kam er also ins Auto und wer hat es gefahren? Das ist der Ausgangspunkt der Geschichte, aus dem sich mit der Zeit ein sehr komplexer Kriminalfall ergibt. Dieser ist vielleicht nicht unbedingt sonderlich realistisch, denn dazu ist der Täter ein bisschen zu „übermenschlich“ geraten, allerdings ist das Ganze so gut aufgebaut und in sich durchaus schlüssig, dass mich das nicht wirklich gestört hat.
Parallel gibt es noch einen völlig unabhängigen Kriminalfall rund um die junge Polizistin Dunja in Dänemark (die wohl in einem der vorherigen Bücher schon mit Fabian Risk zu tun hatte). Auch wenn die Fälle Schnittpunkte haben, drängt sich der Gedanke auf, dass der Roman genug Stoff für 2 unterschiedliche Bücher geboten hätte (zumal der Krimi auch recht dick ist).

Schreibstil

Das Buch ist flüssig und leicht lesbar geschrieben und die Handlung ist recht dynamisch, auch da die Kapitel angenehm kurz sind und häufig die Perspektive wechseln. Mir hat der Stil gut gefallen und die kurzen Kapitel machen es auch gut möglich das Buch während einer Arbeitswoche in kleineren Häppchen zu lesen ohne den Faden zu verlieren. Durch die komplexe Handlung kam jetzt nicht unbedingt rasante Thriller-Spannung auf, das habe ich aber auch nicht vermisst.

Fazit

Das Buch ist sehr unterhaltsam mit überdurchschnittlich kreativen Kriminalfällen, die aus der Masse der Krimis und Thriller herausstechen. Die Charaktere sind alle sympathisch und trotz der Fülle relativ gut ausgearbeitet, einige Nebenfiguren bleiben aber schablonenhaft. Dass ich die ersten beiden Bände nicht kannte, hat mich nicht übermäßig gestört, denn man kann die Hintergründe aus dem Kontext herleiten. Trotzdem wirkt das Buch vielleicht einen Ticken überladen und da hätte etwas weniger an mancher Stelle nicht geschadet. Auch dass am Ende quasi schon ein neuer Fall angeteasert wird fand ich unnötig (wenn einem eine Reihe gefällt, bleibt man auch ohne solche Tricks dabei).

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Thriller – Tipp – „In deinem Namen“ von Harlan Coben

Heute möchte ich mal wieder einen sehr gelungenen Thriller vorstellen: „In Deinem Namen“ von Harlan Coben. Da dieses Genre sich ja durch eine gewisse typische Struktur auszeichnet, möchte ich die Rezension als Experiment heute auch mal in einer speziellen dazu passenden Struktur schreiben:

Cover

Das Cover zeigt eine mystisch wirkende Holzhütte (an einem Seeufer?), das zwar eine passende Thriller-artige Atmosphäre verbreitet, aber rein gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Das Cover bekommt also keinen Preis für „passt zur Handlung“, ist aber zumindest nett anzuschauen

Autor

Harlan Coban ist für mich ein Thriller Autor mit dem man nicht viel falsch machen kann. Ich habe über die Jahre einige Bücher von ihm gelesen, zuletzt fiel er mir allerdings mal wieder auf, weil er auch der Autor der hervorragenden Netflix Serie „Safe“ war, die ich wirklich klasse fand und die bei mir auch die Lust geweckt hat mal wieder einen Roman von ihm zu lesen.

Charaktere

Die Hauptfigur des Thrillers heißt absurderweise Nap, was wie sich herausstellt eine Abkürzung für Napoleon Dumas ist. Nap ist in Frankreich geboren, was den Namen Napoleon aber deswegen nicht unbedingt realistischer macht 😉
Nap ist Polizist, der nie über den Tod seines Zwillingsbruders im Alter von 18 Jahren und das Verschwinden seiner Jugendliebe hinweg gekommen ist.
Ansonsten spielen nur relativ wenige Personen eine größere Rolle in dem Buch. Naps beste Freundin, sein Mentor – auch ein Polizist der stark mit den Ereignissen rund um den Tod von Naps Bruder verbunden ist -und seine Jugendliebe, die verschwundene Maura sind die wichtigsten Charaktere im Roman. Mir hat diese  „Übersichtlichkeit“ gut gefallen.

Plot

Der Polizist Nap hat im Alter von 18 Jahren ein schlimmes Trauma erlitten. Sein Zwillingsbruder starb zusammen mit seiner damaligen Freundin, die beiden wurden von einem Zug überrollt. Ob es Selbstmord oder ein Unfall war, wurde nie richtig geklärt. In der gleichen Nacht verschwand auch noch Naps damalige
Freundin Maura, die seitdem verschwunden blieb. Als im Zuge eines aktuellen Mordfalls Spuren zu Maura führen, wittert Nap die Chance endlich herauszufinden was mit Maura, aber auch mit seinem Bruder damals wirklich geschah.

Schreibstil
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nap Dumas geschrieben. Nap gibt sich nach außen hin ziemlich hart und schnoddrig, es wird aber schnell klar, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist, der viele Altlasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Mir ist er ziemlich schnell ans Herz gewachsen, auch wenn ich schnoddrige männliche Ich-Erzähler in Romanen normalerweise nicht so besonders mag.

Fazit

Für mich war das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und ich fand auch die Geschichte für einen Thriller kreativ und thematisch eher außergewöhnlich. Außerdem fand ich es zur Abwechslung mal wieder recht nett einen Thriller zu lesen, der nicht Teil einer Serie ist.
Mit Bauchgefühl ist es mir gelungen, den „Bösewicht“ im Roman ziemlich früh zu vermuten, trotzdem finde ich das Buch nicht allzu vorhersehbar, wenn man Viel-Leser ist, bekommt man halt mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür. Die Geschichte an sich hatte für mich vom Feeling her auch nicht so viel von einem Psychothriller, stattdessen sendet es gewisse Vibes von Akte X und Stranger Things aus, auch wenn die Hauptpersonen alle erwachsen sind. Ich fand es sehr unterhaltsam und spannend zu lesen, ohne, dass man sich Sorgen um unnötige Brutalität oder Serienkiller-Gemetzel machen muss. Es ist also auch für Leute geeignet, die 08/15 Serienkiller Thriller eher nicht so mögen und es gerne etwas „mysteriöser“ haben.

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Krimi-Rezension: „Rachgier“ von Val McDermid

Von ValMcDermid habe ich über die Jahre schon einige Krimis gelesen und vor allem vom Schreibstil her, hat mich diese Autorin noch nie enttäuscht, weswegen ich auch auf „Rachgier“ sehr gespannt war. Ihre älteren Bücher zeichneten sich für mich vor allem durch tiefgründige psychologische Spannung aus, die ich sonst vor allem aus älteren Kriminalromanen wie von Martha Grimes oder Ruth Rendell kannte (solche psychologischen Krimis scheinen leider im Moment aus der Mode zu sein). „Rachgier“ ist aber kein Krimi, sondern der schon 10. Teil einer Thriller-Reihe rund um die Ermittlerin Carol Jordan und den Profiler Tony Hill. Ich glaube ich habe schonmal 1 oder 2 Bücher aus der Reihe gelesen, die mir aber nicht besonders in Erinnerung blieben.

In „Rachgier“ leitet Carol Jordan ein neu gegründetes Sonderermittlungsteam, das für die Aufklärung von besonders schwierigen ungelösten Fällen gegründet wurde. Das Team kommt aber nicht so richtig in die Gänge, da Carol mit den Nachwirkungen eines schweren Traumas (ihr Bruder und dessen Frau wurden im Rahmen eines älteren Falles brutal ermordet) und mit ihrer Alkoholsucht zu kämpfen hat. Tony versucht sie zu unterstützen und scheint ansonsten mehr oder weniger nur am Rande Teil des Teams zu sein. Unter diesen schwierigen Bedingungen wird die Spezialeinheit mit einem besonders perfiden Killer konfrontiert, dessen Motiv und Identität man als Leser früh erfährt: er wurde von seiner Freundin und Geschäftspartnerin verlassen und sinnt auf Rache, in Stellvertretung zunächst durch Mord an anderen Frauen. Zum Finden seiner Opfer schleicht er sich heimlich in Hochzeiten ein und flirtet mit einsamen Frauen, die dort alleine sind, nur um sie nach wenigen Tagen oder Wochen zu töten. All dies ist früh im Buch schon klar, weswegen sich die Handlung primär darum dreht wie die Spezialeinheit mit sich selbst kämpft und den Fall (nicht) löst.

Insgesamt ist die Idee und Handlung des Buches schon originell, außerdem bekommen die einzelnen Ermittler des Teams individuell genügend Raum im Buch, so dass man alle gut kennenlernt, auch wenn man mit der Serie nicht vertraut ist. Insgesamt fand ich aber, dass die Handlung sich doch etwas dahinzieht, grad da ermittlungstechnisch eigentlich nicht viel passiert. Außerdem muss ich zugeben, dass Carol Jordan mir mit ihrer märtyrerhaften Art und der ganzen Selbstzerstörung in diesem Buch ausgesprochen unsympathisch war und Tony Hill recht blass blieb, was einen irritierenden Gesamteindruck ergab, der durch das Ende nicht wirklich verbessert wurde. Deutlich sympathischer fand ich die Ermittlerin Paula, die Storyline rund um ihren Pflegesohn Torin hatte aber irgendwie mit dem Rest der Handlung nichts zu tun und wirkte deswegen etwas konstruiert.

Insgesamt kann man also schon sagen, dass mich das Buch etwas enttäuscht hat und außerdem nicht wirklich Lust darauf gemacht hat, noch mehr Bände aus der Reihe zu lesen. Für Val McDermids Klasse wiederum spricht, dass es trotzdem sehr gut geschrieben und kurzweilig zu lesen war. Trotzdem wirkt es für mich wie eine ziemlich beliebige 08/15 Psychothriller Reihe (die Themen Spezialermittlungsteam, Profiler und so weiter sind ja nun auch nicht neu in dem Genre), die im Falle dieses Buches eher versucht durch eine etwas abwegige Charakterentwicklung aufzufallen, die mich aber nicht wirklich überzeugt hat. Mit ValMcDermids älteren Krimis aus anderen Reihen kann dieses Buch meiner Meinung nach nicht mithalten.

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Krimi-Rezension: „Escape Room“ von Chris McGeorge

Die Hauptperson in „Escape Room“ von Chris McGeorge ist Morgan Sheppard, ein bekannter Fernsehmoderator, der es als Kind zu Berühmtheit brachte als er den angeblichen Selbstmord seines Mathelehrers als Mord enttarnte und den Mörder entlarvte. Aktuell läuft es für Sheppard aber nicht mehr so gut, seine TV-Sendung ist ziemlich trashig, er hat ein Problem mit Drogen und Alkohol und führt ein ziemlich rücksichtsloses Jet Set Leben.
Im Urlaub in Paris lernt er eine attraktive Frau kennen, doch anstatt mit ihr in Paris erwacht er ohne Erinnerung daran was passiert ist in einem Hotelzimmer in London, ans Bett gefesselt und ziemlich verwirrt. Mit ihm im Zimmer noch eine Handvoll anderer Personen und im Badezimmer eine Leiche.Schnell wird klar, dass ein Unbekannter mit Sheppard ein perfides Spiel spielt. Innerhalb weniger Stunden soll er den Mörder ermitteln, nur dann werden er und seine Mitstreiter frei gelassen. Gelingt ihm das nicht, wird der Unbekannte das Hotel in die Luft sprengen.

Der Autor ist laut eigenen Angaben bzw. Klappentext ein Fan von klassischen Krimis wie z.B. von Agatha Christie und möchte diese stilistisch gerne gemischt mit modernen Elementen wiederbeleben. Ersichtlich wird dies sicher daran, dass der Roman ein ziemlich konstruiert wirkendes Szenario als Prämisse benutzt, was in altmodischen Krimis ja als Stilmittel oft vorkam (und „Der Mörder ist immer der Gärtner“), aber in modernen Krimis und Thrillern eher aus der Mode gekommen ist.
Ich fand diese Idee eigentlich sehr nett, allerdings weicht der Autor in der Umsetzung von dem „geschlossenen System“ des Hotelzimmers mit einer Reihe verdächtiger Charaktere doch wieder ab, da ein Teil der Geschichte in der Vergangenheit spielt und in Rückblenden aus der jüngeren Vergangenheit von Sheppard und den anderen Charakteren erzählt. Außerdem gibt es intensive Rückblicke in die Kindheitsgeschichte von Sheppard , diese haben mir aber gut gefallen und sind auch wichtig um die Auflösung des Romans zu verstehen. Insgesamt weicht das das Konzept halt sehr auf, so dass die eigentlichen Ermittlungsgespräche von Sheppard mit den verdächtigen Personen und auch das verschlossene Hotelzimmer im Endeffekt für die Auflösung gar nicht wirklich wichtig sind, was ich ein bisschen schade fand.
Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam, wenn auch vom Schreibstil keine literarische Hochleistung (2-3 Schreibfehler habe ich auch entdeckt, was für eine mäßige Lektoratsleistung spricht).
Für mich war das Buch eine nette Unterhaltung für zwischendurch von einem talentierten Autor, der in Zukunft aber sicher noch etwas Feinschliff in seine Arbeit und in seinen Schreibstil bringen kann.

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Jugend-Thriller: „Schattenkuss“ von Inge Löhnig

Nachdem ich zuletzt einige umfangreichere Bücher gelesen habe, war mir mal wieder nach etwas leichterer Lektüre in Form eines Krimis oder Thrillers. „Schattenkuss“ von Inge Löhnig habe ich in einer Büchertauschecke zufällig gefunden, zunächst war ich etwas skeptisch, den der Titel und auch das Cover verbreiteten doch ein bisschen potentiellen Kitsch- oder Mystery-Alarm. Allerdings war die Sorge unbegründet, denn das Buch fand ich dann wirklich unterhaltsam und gut geschrieben.

Die Sommerferien haben für die 16-jährige Lena gerade erst begonnen, da bekommt die Familie eine schlimme Nachricht: Lena’s Großmutter mütterlicherseits ist verstorben. Lena weiß nicht so richtig was sie mit der Nachricht anfangen kann, denn sie hatte kaum Kontakt zu der Großmutter, mit der sich ihre Mutter zerstritten hatte. Trotzdem begleitet sie ihre Mutter zur Haushaltsauflösung in den Heimatort der Oma nach Bayern. Auf der Fahrt dorthin erfährt sie noch eine unglaubliche Nachricht, ihre Mutter hat eine Schwester, von der sie Lena noch nie erzählt hatte und die im Alter von ca. 18 Jahren spurlos verschwand und seitdem angeblich in Spanien lebt. Außer ein paar Postkarten gab es von ihr aber keine Lebenszeichen und auch ein Privatdetektiv konnte sie nicht aufspüren.
Als Lena auch noch entdeckt, dass die verschollene Tante Ulrike ihr ziemlich ähnlich sah, wirft sie sich in deren alte Klamotten und versucht herauszufinden was damals als Ulrike verschwand eigentlich passiert ist. Aber die meisten Verwandten und Dorfbewohner blocken ziemlich ab, auch Lenas Mutter…

Der Schreibstil des Buches ist einfach, aber trotzdem flüssig und gut lesbar und mir hat gut gefallen, dass das Buch in einem ganz normalen Dorf in Bayern spielt (normalerweise spielen solche Bücher ja gerne in irgendwelchen düsteren mysteriösen Dörfern…das einzig klischeehafte am Setting ist eine alte verfallene Villa) und dass das Buch eine gelungene Mischung zwischen (nicht allzu nervenaufreibender) Krimi-/Thrillerhandlung und ganz normaler Teenie – und Familiensorgen ist. Blutrünstig ist das Ganze nicht, da es sich bei dem Buch auch um einen Thriller für Jugendliche handelt. Lena ist eine ganz sympathische Hauptperson, auch wenn sie eine merkwürdige Mischung zwischen einerseits schon recht erwachsen und andererseits in manchen Belangen extrem unvernünftig/naiv ist (für eine 16-jährige allerdings wiederum vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich). Natürlich kommt das Buch nicht ganz ohne Klischees aus (dass der Nachbars-Sohn aussehen musste wie Robert Pattison in Twilight wär vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen 😉 ) und auch die Auflösung ist für geübte Krimileser nicht allzu schwer vorauszusehen, aber das Buch unterhält sehr gut und ist für mich für Zwischendurch wirklich eine nette Lektüre gewesen.

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Thriller für Jugendliche: „Mädchen, Mädchen, tot bist Du

Neulich habe ich für eine Zugreise eine „leichte“ Unterhaltung gesucht und da ich sehr gerne Bücher aus dem Bereich „Young Adult“ lese, habe ich mich in dem Bereich umgesehen. Da ich in letzter Zeit einige Coming of Age und Liebesgeschichten gelesen habe, hab ich mir diesmal ein ganz anderes (und nicht so weitverbreitetes) Genre ausgesucht: Thriller für ein jugendliches Publikum.
Generell lese ich nicht so besonders gerne Thriller und im Jugendbuchbereich habe ich eigentlich noch gar nichts aus diesem Genre ausprobiert. „Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ von Mel Wallis de Vries klang für mich aber ganz unterhaltsam, deswegen wollte ich der Sache mal eine Chance geben.
Die Autorin ist wohl in den Niederlanden führend in diesem Genre und sie hat auch schon einige Jugend-Thriller geschrieben, die alle eine ähnliche Titel- und Covergestaltung haben.

„Mädchen, Mädchen – Tot bist Du“ fängt damit an, dass ein junges Mädchen augenscheinlich Selbstmord begangen hat, indem sie sich aufgehängt hat…
in der Folge bekommen aber auch noch andere Mädchen anonyme Drohbriefe und schnell stellt sich heraus, dass hier wohl ein Serienkiller ein perfides Spiel mit den Mädchen treibt…Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der Opfer erzählt, was ich ausgesprochen ungewöhnlich fand und was zuerst auch mal einen gewissen Schock-Effekt hatte.

Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen und bewegt sich abgesehen von der Thriller-Handlung im typischen Schulumfeld, wobei typische Probleme junger pubertierender Mädchen (Freundschaft, Jungs, Mobbing und Zickereien) im Vordergrund stehen. Nicht ganz überzeugend fand ich, dass sich die einzelnen
Charaktere doch alle sehr ähneln und man nicht immer wirklich das Gefühl hatte, eine Geschichte aus der Perspektive von unterschiedlichen jungen Mädchen erzählt zu bekommen. Da fehlt doch etwas Tiefe bei der Charakterentwicklung, die bei diesem Genre vielleicht aber auch etwas zu viel verlangt wäre (sind doch
auch im Erwachsenen-Metier Thriller doch eher selten für ihren Tiefgang in diesem Bereich bekannt).

Die Thriller Handlung fand ich auch gar nicht so unkomplex, die Geschichte ist in sich schlüssig und alle Fragen werden am Ende gut aufgelöst. Das hat mir wirklich gut gefallen. Von dem her hat mich das Buch als Urlaubslektüre gut unterhalten. Ich denke trotzdem, dass die Thriller von Mel Wallis de Vries sich vermutlich alle recht ähnlich sind und ich hätte jetzt aktuell nicht das Bedürfnis noch einen zu lesen, was aber auch daran liegt, dass ich generell nicht so gerne Thriller lese. Aber wenn man auf der Suche nach einem guten leicht lesbaren Buch aus dem Genre ist, das nicht zu reißerisch daher kommt und sich in einem typischen „Schüler-Umfeld“ bewegt, der ist mit dem Roman sicherlich sehr gut bedient.

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Thriller-Tipp: „Ich beobachte Dich“

Thriller lese ich inzwischen nur noch recht selten, weil in dem Genre finde ich noch mehr als bei Krimis, dass die Handlung oft nach „Schema F“ abläuft.
Außerdem mag ich es nicht, wenn diese zu reißerisch oder blutrünstig sind.
Von Chevy Stevens hatte ich aber schon 1-2 Bücher gelesen und ihr Schreibstil und ihre eher psychologischen Thriller haben mir überdurchschnittlich gut gefallen, weswegen ich auch zu „Ich beobachte Dich“ gegriffen habe.

Die Hauptpersonen in dem Roman sind Lindsey und ihre Tochter Sophie. Lindsey war früher in einer missbräuchlichen Ehe mit dem eifersüchtigen und zu Gewalt neigendem Andrew gefangen, der ihr in den Jahren nach der Hochzeit das Leben zur Hölle machte.
Nach einigen Jahren schaffte sie es endlich ihrer Ehehölle zu entfliehen, Andrew tötete bei dem Versuch sie wiederzufinden bei einem Autounfall allerdings eine Frau und saß deswegen bisher im Gefängnis. Lindsay hat sich in den Jahren seitdem in einer kleinen Stadt an der Küste Kanadas zusammen mit ihrer inzwischen 17-jährigen Tochter Sophie ein neues Leben aufgebaut. Sie führt eine kleine Putzfirma, organisiert eine Selbsthilfegruppe für Frauen, die ähnliche Probleme haben wie sie selber und hat gerade eine neue lockere Beziehung.
Sophie hingegen ist nie wirklich über den Verlust ihres Vaters hinweg gekommen, dessen negative Seiten ihre Mutter recht erfolgreich von ihr fern gehalten hatte.
Heimlich hat sie angefangen ihm Briefe ins Gefängnis zu schreiben und als er aus dem Gefängnis entlassen wird, zieht er in den gleichen Ort wie Lindsey und Sophie.
Für Lindsey ist schnell klar, dass er es immer noch auf sie abgesehen hat, Sophie hingegen ist hin und hergerissen wem sie vertrauen soll und möchte ihren Vater unbedingt kennenlernen.

Das erste Drittel des Thrillers hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Buch springt in dem Teil zwischen den aktuellen Geschehnissen und Rückblenden auf Lindseys Ehe hin und her. Die Geschehnisse der Vergangenheit sind eindringlich und erschreckend geschildert und auch der Spannungsaufbau in der Gegenwart ist sehr beklemmend (einmal hab ich spät abends noch in dem Buch gelesen und sogar davon geträumt). In der Mitte fand ich allerdings, dass nach einer mehr oder weniger unerwarteten Wendung die Luft aus der Story erst mal etwas raus war. Der stilistische Kniff der Autorin quasi alle Charaktere die im Buch auftauchen als mögliche Bedrohung ins Spiel zu bringen, nutzt sich mit der Zeit auch etwas ab. Die Auflösung des Buches fand ich dann leider auch etwas zu vorhersehbar, allerdings nimmt es im letzten Drittel handlungstechnisch doch noch mal richtig Fahrt auf. So richtig überraschen werden die Geschehnisse erfahrene Thriller- und Krimifans aber wohl eher nicht.

Deswegen fand ich den Thriller im Endeffekt dann nur „solide“. Es wirkt etwas als hätten der Autorin etwas die Ideen gefehlt um aus dem tollen Anfang heraus etwas wirklich Kreatives zu gestalten. Für Thrillerfans ist das Buch aber sicherlich trotzdem ein guter Kauf und vom Schreibstil sind die Bücher von Chevy Stevens sowieso immer
lesenswert. Auch das das Buch abwechselnd aus Sicht von Lindsey und Sophie erzählt wurde, hat mir gut gefallen, da man so beide Charaktere intensiv kennenlernt.

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Krimi-Lesetipp: „Durst“ von Jo Nesbo

„Durst“ ist der neueste Thriller aus der „Harry Hole“ Reihe von Jo Nesbo, aus der ich schon einige Bücher gelesen habe. Inzwischen ist Harry Hole offiziell gar kein Polizist mehr, sondern arbeitet als Hochschuldozent und ist mit seiner Ehefrau Rakel und Stiefsohn Oleg quasi häuslich geworden.

In seiner alten Polizeidienststelle leitet die junge Polizistin Katrine Bratt die Ermittlungen und es erwartet sie ein besonders gruseliger Fall, eine junge Frau wird quasi ausgeblutet mit durchgebissener Kehle aufgefunden und es scheint als sei der Täter ein Mensch gewesen, ein Mörder der wohl Gefallen daran findet, das Blut seiner Opfer zu trinken. Zu finden scheint er die Opfer über die Dating-App Tinder…und schon bald nach dem ersten Mord gibt es ein zweites Opfer. Der ehrgeizige (und wirklich sehr unsympathische) Polizeichef Mikael Bellmann träumt indes von einer großen Karriere als Justizminister und möchte auf keinen Fall, dass ein ungelöster Mordfall seinen Aufstiegschancen im Wege steht, weswegen er um jeden Preis versucht Harry Hole wieder für die Ermittlungen zu gewinnen. Zu dem Sonderermittlungsteam kommt noch ein junger talentierter Polizist namens Anders Wyller und ein selbsternannter Professor für Vampirismus, der in der Vergangenheit für sein Forschungsfeld viel Spott einstecken musste, jetzt aber hochgefragt ist…aber grade als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen wird auch noch Harrys Frau schwer krank…

Soweit die Prämisse des Buches, auch wenn der Hintergrund etwas reißerisch daherkommt, handelt es sich um einen intelligenten psychologischen Thriller mit interessanten Charakteren in dem viele falsche Fährten gelegt werden und so einige erwartete und unerwartete Wendungen auftauchen. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn es für einen Psychothriller vielleicht nicht total innovativ ist, sondern eher ein klassischer Vertreter mit allen Zutaten, die man von so einem Thema so erwartet. Das Ende ist sehr spannend und führte bei mir durchaus dazu, dass ich das Buch die letzten 100 Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte, genau wie man es von einem guten Thriller erwartet. Einzige Schwäche des Buches war für mich, dass doch sehr offensichtlich einzelne Personen als „potentielle Verdächtige“ inszeniert werden und es dann nur noch darum geht, wer von ihnen tatsächlich etwas zu verbergen hat und bei wem es sich um eine falsche Fährte handelte. Für sehr erfahrene Krimileser waren diese Konstrukte doch etwas sehr offensichtlich, was dem Lesespaß aber trotzdem keinen Abbruch tat.