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Lese-Tipp: „Der große Sommer“ von Ewald Arenz

„Der große Sommer“ von Ewald Arenz ist ein schöner Coming-Of-Age Roman über einen Jungen, der in den 1980er Jahren aufwächst. Am Beginn des Buches treffen wir den Ich-Erzähler Friedrich, Frieder genannt, auf einem Friedhof, er sucht dort melancholisch nach einem Grab und den nimmt den Leser zurück in einen ganz besonderen Sommer, als er 16 Jahre alt war.
Frieder wohnt mit 2 eher unkonventionellen Eltern und 5 Geschwistern in einem eher chaotischen aber liebevollen Haushalt. Da er aber seine Schullaufbahn sträflich vernachlässigt hat, ist die einzige Hoffnung auf Versetzung eine Nachprüfung nach den Sommerferien und anstatt mit der Familie in den Urlaub fahren zu dürfen wird Frieder dazu verdonnert die Ferien bei seiner Großmutter und seinem Stief-Großvater zu verbringen, um zu lernen. Vor Letzterem hat Frieder fast schon Angst, denn der renommierte Arzt für Bakteriologie ist ein eher harter kühler Mann, der Gefühle nicht nur nicht zeigt, sondern nichtmal zu haben scheint. Frieder ist also erstmal wenig begeistert von der Idee, Trost gibt ihm seine Schwester Alma, die ebenfalls in der Stadt bleibt, sowie sein bester Freund Johann. Und dann ist da noch Petra, die Frieder im Freibad kennen lernt und in die er sich unsterblich verliebt.

So begleiten wir Frieder durch seinen letzten großen Sommer, der bittersüß, glücklich und traurig ist und in dem er sich nicht nur mit den Themen Liebe und Freundschaft auseinander setzen muss, sondern mit der Zeit auch immer mehr über die Großeltern erfährt. Bald sieht er sogar seinen spröden Großvater mit ganz anderen Augen…

Der Stil des Buches ist sehr poetisch, leicht und gleichzeitig tiefgründig, einfach ausgesprochen besonders. Teilweise fand ich Frieder für einen 16-jährigen der in den 80er Jahren aufwächst fast etwas ZU reflektiert, so klingt die Geschichte vielleicht doch etwas mehr nach dem erwachsenen Frieder am Grab (auch wenn Frieder und seine Freunde so einige ausgesprochen teenager-hafte Dummheiten begehen). Aber insgesamt hat das mein Lesevergnügen kein Bisschen getrübt, zu schön und mitreissend sind die Charaktere und die Geschichte dieses Buches. Somit ist das definitiv eines meiner größten Lese-Highlights in 2021.

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Buch-Tipp: „Hard Land“ von Benedict Wells

„Hard Land“ von Benedict Wells spielt in den 1980er Jahren in einer etwas heruntergekommenen Kleinstadt in Missouri. Der 15-jährige Sam lebt dort mit seinem Vater und seiner Mutter, die seit mehreren Jahren an einem Hirntumor leidet. Die ständige Angst vor dem Tod seiner Mutter belastet Sam und auch sonst war seit Teenager-Leben bisher geprägt von seiner Schüchternheit und Angststörungen. Doch als er sich im lokalen Kino um einen Sommerferien-Job bewirbt, um zu vermeiden, dass er über den Sommer zu Verwandten geschickt wird, verändert sich sein Leben. Denn dort arbeiten auch 3 ältere Teenager, die überraschenderweise mit der Zeit zu guten Freunden werden und im Falle der charmanten Tochter des Kinobesitzers vielleicht sogar zu etwas mehr. Erstmals seit langem erlebt Sam unbeschwerte und lustige Tage und gewinnt mit der Zeit an Selbstbewusstsein, auch wenn die Sorgen um seine Familie weiterhin immer im Hintergrund lauern. Das Buch behandelt dabei alle klassischen Themen des Erwachsenwerdens, Freundschaft, erste Liebe, Zukunftssorgen, Heimat, Familie und Trauer, aber mit viel Leichtigkeit und einer schönen Prise Melancholie.

Das Buch kann man sicher als klassischen „Coming-of-Age“ Roman bezeichnen, ein Genre das sowieso schon immer zu meinen Lieblingsgenres gehört. Trotzdem sticht „Hard Land“ aus der Masse der Bücher positiv heraus, denn der Roman ist einfach überdurchschnittlich gut geschrieben, charmant, berührend und lustig und trotzdem auch sehr ernst, aber immer ohne deprimierend zu wirken. Sam ist ein toller Hauptcharakter, aber auch alle andere Charaktere sind lebendig und der Autor schafft es das Leben von Sam und seinen Freunden mit einer Leichtigkeit zu schildern, die die Zeit beim Lesen nur so verfliegen lässt. Auch die Darstellung des ländlichen Missouris wirkte auf mich sehr authenthisch (natürlich kann man das als Außenstehender gar nicht wirklich beurteilen), so dass ich sogar etwas überrascht darüber war, dass es sich bei Benedict Wells um einen Deutschen Autor handelt.

Für mich ist „Hard Land“ eines dieser raren Bücher, bei denen man wirklich traurig ist, wenn es zu Ende ist und man die Charaktere hinter sich lassen muss, von dem her ist das definitiv eines meiner absoluten Lese-Highlights 2021. Ich habe mir auch vorgenommen noch mehr Bücher des Autors zu lesen.

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Buch-Tipp: „Triceratops“ von Stephan Roiss

Nachdem ich letztes Jahr gute Erfahrungen damit gemacht habe, habe ich mir auch dieses Jahr wieder vorgenommen mindestens ein Buch von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis zu lesen. Letztendlich habe ich mich sogar für zwei entschieden und „Triceratops“ von Stephan Roiss ist das Erste davon.

Das Buch erzählt von einer Kindheit in Österreich, erzählt aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der in nicht ganz einfachen Verhältnissen aufwächst und in der ganze Geschichte aus nicht näher erklärten Gründen in der „Wir“ Form von sich spricht. Das ist am Anfang für einen kurzen Moment verwirrend, dann fühlt es sich völlig natürlich an. Der Vater ist die einzige mehr oder weniger stabile Komponente in der Familie, die Mutter hat mit psychischen Problemen zu kämpfen, muss immer mal wieder in die geschlossene Abteilung. Der Junge wird dann gern zur „Aschbach-Großmutter“ abgeschoben, die ziemlich ursprünglich mit einer kleinen Rest-Landwirtschaft lebt. Ist die Mutter zuhause lässt sie sich wenn es ihr schlecht geht dagegen oft von ihren kleinen Sohn umsorgen, eine Verdrehung der Rollen, die das Kind stark belastet. Die große Schwester hat einen Hang zum Auslöschen von Spielzeug und Haustieren, scheint aber später zunächst mal die Kurve zu kriegen. Als sie zu ihrem Freund zieht und den sogar recht früh heiratet, verliert auch der Junge den Kontakt zu seinen Eltern immer mehr und flüchtet zu Punker-Freunden oder schläft im Freien. Bis eine große Katastrophe passiert…

Die Hauptperson hat also mit allen möglichen Problemen zu kämpfen und zeichnet wohl auch deswegen seit der frühen Kindheit Monster aller Art, auch Dinosaurier haben es ihm angetan und vor allem die Dickhäutigkeit des Triceratops. Sich selbst so einen „dicken Panzer“ zuzulegen klappt aber mehr schlecht als recht und ob er sich aus physischen oder psychischen Gründen selbst so sehr kratzt bis seine Haut blutig ist, kann nach einigen Jahren auch keiner mehr sagen. Wir erleben diese komplizierte Kindheit von den jüngsten Jahren bis zum Teenageralter mit, die schwierige Familiensituation, Mobbing in der Schule, Rebellion und die Beschäftigung mit der Vergangenheit der Familie. auch wenn die Geschichte weder fröhlich noch schön ist, ist sie trotzdem mitreissend, ich habe das Buch innerhalb von zwei Abenden verschlungen. Der namenlose Junge wächst einem im Laufe des Buches ans Herz, auch wenn er als Teenager nicht unbedingt „liebenswert“ ist und die ganze Geschichte ist authentisch und berührend, tragisch und trotzdem nicht zu deprimierend.