Bücher, gesellschaft

Buch-Tipp: „Wolfgang Grupp“ von Volker ter Haseborg

Das Buch das ich heute vorstelle, gehört nicht wirklich zu meinen typischen Genres, lese ich doch eher selten bis nie Biografien aus dem Bereich Wirtschaft. Das Buch von Volker ter Haseborg über Wolfgang Grupp hat aber meine Neugierde geweckt, da es sich bei trigema um ein Unternehmen aus Baden-Württemberg handelt und Wolfgang Grupp sicher eine einmalige polarisierende Person in der Deutschen Wirtschaftslandschaft darstellt. Und ich kann gleich eingangs sagen: das Buch ist richtig gut! Was vor allem an der hervorragenden journalistischen Arbeit von Volker der Haseborg liegt, der nicht nur mit Wolfgang Grupp sprach, sondern auch mit dessen Familie, trigema Mitarbeitern und diversen Weggefährten und was für mich am Positivsten war: das Buch betreibt keine Hofberichterstattung, sondern ist durchaus auch kritisch was Grupps Ansichten und Verhaltensweisen angeht. Dabei liest sich das Buch auch noch super spannend und kurzweilig und ich fand neben der Lebensgeschichte von Grupp und der Geschichte des Unternehmens trigema  die Einblicke in das (in heutigen Zeiten sicher einzigartige) wirtschaftliche Konzept von trigema unheimlich interessant. Es wird sicher spannend sein zu sehen, ob Grupps Kinder es langfristig schaffen werden das Unternehmen auch weiterhin erfolgreich zu führen, während sie ihm ihren eigenen Stempel aufdrücken. Ich wünsche es Ihnen auf jeden Fall, denn 

Bonita Grupp und Wolfgang Grupp Jr. fand ich auch von ihren Aussagen im Buch und aus Interviews beide sehr sympathisch.

Toll fand ich auch das Kapitel über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von trigema, die primär auf Wunsch der Kinder und Ehefrau von Wolfgang Grupp durchgeführt wurde, der damit zwar einverstanden war, aber sehr damit zu kämpfen hatte seinen Großvater nicht völlig uneingeschränkt verehren zu können. 

Wolfgang Grupp bleibt sicher ein schwieriger und ambivalenter Charakter (mit in manchen Dingen  – vor allem Ukrainekrieg – für mich fragwürdigen politischen Ansichten, die im Buch auch durchaus kritisch angesprochen werden), dessen Lebensleistung man aber sicher anerkennen muss (genauso wie dass er wollte dass eine Biografie über ihn geschrieben wird, die auch kritisieren darf, die Größe dies zuzulassen haben wohl die Wenigsten). Durch die Thematisierung des Selbstmordversuchs (der während der Interviewphase des Buches passierte und auch den Autor sehr schockierte) wird Grupp aber auch menschlicher. Für mich steht er auch nach der Lektüre für eine bestimmte Generation (schwäbischer) Mann, der sich ganz durch seine Arbeit und das „gebraucht werden“ definiert und der nie gelernt hat auf eine andere Art und Weise Selbstwert und Sinn zu finden. Von dem her bietet das Buch alles: eine interessante Unternehmensgeschichte, so einiges Skurriles, Trauriges und Menschliches und Einblicke in wirtschaftliche und politische Problematiken vor denen natürliches auch andere Unternehmen in Deutschland stehen. 

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