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Buch-Tipp: „Frieda“ von Geraldine Oetken

„Frieda“ von Geraldine Oetken ist ein leises und trauriges Buch, das dazu passend mit einem ruhigen und wie ich finde sehr schönen Cover ausgestattet wurde. Das Buch wurde geschrieben von Geraldine Oetken, die aus einer Oldenburger Unternehmerfamilie stammt. Im Mittelpunkt des Buches steht Frieda, Geraldines Urgroßtante, über die sie nur sehr wenig weiß: angeblich sei sie ihm Alter von 5 Jahren auf den Kopf gefallen. Sie starb 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung. Mit diesem mageren Rahmen legt Geraldine los, sie möchte mehr erfahren: was widerfuhr ihrer Urgroßtante im unmenschlichen System der Nazis in dem ihr Leben als minderwertig und „lebensunwert“ angesehen wurde. Sie möchte aber auch herausfinden warum es in ihrer Familie so wenig über Frieda zu erzählen gibt und warum die Firma der Familie während der NS-Zeit in der kollektiven Erinnerung quasi nicht zu existieren scheint. An welche Dinge möchte man sich nicht erinnern?

Entsprechend sind die Themen des Buches natürlich sehr schwer, es geht um Euthanasie und Hungermorde, um das unmenschliche System der Nazis und darüber wie die Gesellschaft weggeschaut hat, aber auch darüber wie noch heute versucht wird Aufarbeitungen im Wege zu stehen. 

Der Stil des Buches ist dabei sehr persönlich, denn Geraldine Oetken spricht ihre Tante Frieda oft direkt mit Du an, so wird eine Nähe geschaffen, obwohl Frieda ihre Verwandte natürlich nicht wirklich kannte und auch Schwierigkeiten hat überhaupt noch konkrete Spuren ihres Lebens zu finden. Und auch wenn über Friedas Leben wenig bekannt ist, lernt man um so mehr über den Rechercheprozess der Autorin und was das mit ihr persönlich macht und um so mehr über die grausame Realität in Heimen für Behinderte und psychische Kranke während der NS-Zeit. 

Ein sehr wichtiges Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte, auch um sich notwendigerweise bewusst zu machen wie nahe unter der Oberfläche auch heute schon wieder die Unmenschlichkeit lauert, die unser ganzes Land schon einmal ins Verderben gerissen hat und wie wir alle dazu beitragen, das solche Dinge geschehen können. 

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Krimi-Tipp: „Ein unglücklicher Tod“ von Peter Grainger

„Ein unglücklicher Tod“ von Peter Grainger ist der erste Teil einer britischen Krimireihe, die nicht komplett neu ist, sondern im englischsprachigen Raum schon 2013 im Selbstverlag erschienen ist und wohl sehr erfolgreich war (was man auch daran sieht, dass es 17 Bände gibt). Nun ist also der erste Band im Diogenes Verlag und auf deutsch erschienen und ich kann direkt sagen, dass das Buch tatsächlich sehr überzeugen kann, denn der Kommissar, DC Smith, ein älterer etwas bodenständiger aber trotzdem geheimnisvoller Veteran weckt sofort die Sympathie der Leser:innen und der junge Polizei-Assistent, der DC Smith zugeteilt wird bietet einen passenden Kontrast dazu. Am Anfang des Buches erfährt man, dass DC Smith nach einer schief gegangenen Ermittlung zurück im Dienst ist (nicht unbedingt zur Begeisterung seiner Vorgesetzten, die nichts dagegen gehabt hätten wenn er in Rente geht) und erst mal die Ermittlungen in einem auf den ersten Blick ziemlich harmlos erscheinenden Badeunfall abschließen soll: ein Teenager ist nach einer feucht fröhlichen Party am Fluss ertrunken. Doch nach Gesprächen mit Zeugen und dem Autopsiebericht hat Smith das Gefühl, dass an dem Tod des Jugendlichen etwas faul ist. 

Der Schreibstil des Buches ist ruhig und verfügt über einen leisen Humor, genauso ist das Buch zwar kurz, aber trotzdem entwickelt der Kriminalfall sich erstaunlich tiefgründig und außergewöhnlich. Mir gefiel auch, das viele Dinge irgendwie zwischen den Zeilen stehen, es einem aber trotzdem immer klar ist worauf die Geschichte hinaus läuft. 

Fast verwunderlich, dass es so lange gedauert ist, bis die Reihe im Deutschen Markt erscheint. Ich freue mich schon auf weitere Bände der Reihe.

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Buch-Tipp: „Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm

„Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“ von Philipp W. Wilhelm ist eines der beiden Bücher, die ich mir thematisch zur Pride Month im Juni herausgesucht habe. Es ist im Selbstverlag erschienen und ist ein biografisch geprägter Roman über Johannes, der beim Besuch einer Vorstellung der „Rocky Horror Show“ in München über die er als Journalist eine Kritik schreiben soll, direkt in seineJugend im provinziellen Bayern zurück katapultiert wird und sich plötzlich mit seinem Aufwachsen als Kind und Teenager, der nicht „richtig reinpasst“, mit seinem eher distanzierten Verhältnis zu den eigenen Eltern und seinen wehmütigen Erinnerungen an die inzwischen verstorbenen Großeltern beschäftigen muss.

Mich hat das Buch extrem positiv überrascht und abgeholt, denn nur selten habe ich eine Geschichte, die aus Sicht eines Kindes erzählt wird, so authentisch und glaubwürdig wahr genommen. Man ist als Leser:in direkt selbst wieder 8,9 oder 10 Jahre alt und denkt und fühlt wie ein Kind. Dadurch wächst einem der junge Johannes sofort ans Herz und man ist mitten drin in der Geschichte. Auch sprachlich ist das Buch extrem stark. Im Lektorat gab es 2-3 Fehler, was ich für ein Buch im Selbstverlag aber völlig im Rahmen finde (zumal man heutzutage leider auch in professionell lektorierten Büchern von großen Verlagen derartiges vorfindet).

Toll fand ich, dass der Protagonist Johannes ein ähnlicher Jahrgang ist wie ich selbst, weswegen viele seiner Kindheitserinnerungen bei mir direkt nostalgische Gefühle wecken (allein die Bedeutung von Masters of the Universe Action Figuren für Kinder in den 80ern…), so dass ich mich mit vielen seiner Erlebnisse identifizieren konnte.

Ein absoluter Lese-Tipp für jeden der gerne berührende Coming-of-Age Bücher liest. Die Rocky Horror Show zu kennen und zu mögen ist ein weiterer Pluspunkt, aber absolut nicht nötig um Spaß an dem Buch zu haben.