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Buch-Tipp: „Spielverderberin“ von Marie Menke

„Spielverderberin“ von Marie Menke ist ein Roman, der sich mit drei jungen Frauen beschäftigt: Sophie, Lotte und Romy. Sophie und Lotte stammen aus der gleichen ländlichen Gegend im Süthland (eine Region, die mir überhaupt nichts sagte, was wie sich rausstellte daran liegt dass die Autorin sie erfunden hat) und kennen sich seit Kindertagen. Romy zieht erst später mit ihren Eltern aus München in die Region und ist aus Sicht von Sophie und Lotte ein faszinierendes Stadtkind. Während Lotte und Romy sich eng anfreunden, bleibt Sophie zunächst außen vor. Diese Konstellation ändert sich als Lotte aus offensichtlich psychischen Gründen Zeit in einer Klinik verbringen muss. Sophie und Romy nähern sich an und die ganze Freundschaftsdynamik ändert sich…

Der Hauptteil des Buches wird aus Sicht von Sophie ca 5 Jahre später erzählt, die drei Freundinnen sind inzwischen erwachsen, Sophie und Romy leben in Köln, während Lotte immer noch im Süthland wohnt. Angeregt durch einen Chat von Lotte treffen sich die drei erstmalig wieder, doch die Kluft die sich durch ein tragisches Ereignis vor 5 Jahren gebildet hat, stellt sich als unüberwindbar heraus. 

Das Buch spielt mit der Frage was genau damals zwischen den drei Freundinnen ereignet hat, was erst gegen Ende aufgelöst wird und als Spannungsbogen durchaus funktioniert. Trotzdem hat mich das Buch nicht zu 100% überzeugt, denn Sophie ist mir als Ich-Erzählerin einfach etwas zu ich-bezogen und anstrengend gewesen, ihre Obsession mit Romy wirkte für mich eher nervig, ihre Minderwertigkeitskomplexe bezüglich dem Aufwachsen auf dem Landleben irgendwie überzogen und künstlich überhöht (empfinde ich zumindest als jemand die selbst auf dem Land aufgewachsen ist so). Über Romy und Lotte erfährt man relativ wenig, ich denke mehrere Perspektiven hätten dem Buch mehr Vielschichtigkeit gebracht. 

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Sachbuch-Tipp: „Kein Bock Club“ von Maria Popov

„Kein Bock Club“ von Maria Popov ist ein Buch, auf das ich über einige Posts auf Instagram aufmerksam wurde,  bei dem ich mir aber zunächst nicht sicher war ob ich es interessant genug finde es zu lesen, da es auf den ersten oberflächlichen Blick den Anschein erweckte, dass es darin nur um Asexualität ging und ich mir nicht sicher war, ob mich das genug interessieren würde. Nachdem eine Freundin das Hörbuch gehört hatte und weiterempfahl griff ich aber doch zu und wurde nicht enttäuscht, denn das Buch beschäftigt sich mit sehr vielen sehr relevanten Themen: dem Stellenwert von Sex in der Gesellschaft, dem überzogenen Blick auf die Bedeutung heteronormativer Beziehungen, weibliche und männliche Sexualität, gesellschaftliche Normen und Prägungen, Feminismus und Patriarchat.

Dazu erzählt die Autorin viele persönliche Anekdoten darüber wie ihr Blick auf Sex und Beziehungen durch ihre Jugendzeit geprägt wurde und wie schwer es ist sich davon zu lösen. Und am Wertvollsten an dem Buch finde ich den Fokus darauf wie gut es der Gesellschaft und den Menschen darin tun würde wenn man Freundschaften und alternative Beziehungsformen gleichberechtigt neben (sowieso meist romantisierte Vorstellungen von) romantische und durch Sex geprägte Beziehungen stellen würde. 

Das Buch ist bei der Vielfalt von Themen sehr kurzweilig und ich fand auch das Verhältnis zwischen persönlichen Anekdoten und Sachbuch ausgewogen. 

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Young Adult Tipp: „Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner

„Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja Buchner ist ein Young Adult Roman, der ein schwieriges Thema angeht. Die 15-jährige Helene Mey und ihre Freundin Cassie sind unzertrennliche Freundinnen. Bis zu dem Zeitpunkt als ein ehemaliger Mitschüler der beiden an der Schule einen Amoklauf begeht. Cassie ist unter den Toten und Helene hadert mit ihrem Überleben, Schuldgefühlen und ihrer Wut. Sie erträgt die Vorstellung nicht, dass der Täter Cassie zufällig ausgewählt hat und möchte unbedingt herausfinden, ob der Täter Cassie oder die anderen Opfer kannte, um einen Sinn hinter der Tat zu finden. Etwas Halt in dieser schwierigen Zeit gibt ihr nur ihre Freundschaft zu dem zwei Jahre älteren Erik, für den aber auch Cassie vor ihrem Tod schwärmte. Als Erik Interesse an Helene zu zeigen beginnt, möchte sie dieses deswegen erstmal gar nicht zulassen…

Der Roman hat also die typischen Zutaten eines Young Adults Romans, auf der einen Seite ein durchaus schweres Thema, das für viele Teenager Relevanz haben dürfte. Auf der anderen Seite die im Genre fast schon obligatorische Liebesgeschichte. Vom Schreibstil hat mir das Buch hervorragend gefallen, der ist eingängig, trotzdem durchaus etwas poetisch und Helene ist ein sehr interessanter und vielschichtiger Hauptcharakter, nicht auf den ersten Blick liebenswert, oft in ihrem Zorn egoistisch und etwas rücksichtslos, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Ihr Trauerprozess und wie sie langsam ins Leben zurückfinden wird ist glaubhaft beschrieben, die Liebesgeschichte ist einfühlsam und nicht kitschig und die Thematik rund um die Nachwirkungen eines Amoklaufs auf Freunde, Familie und Helene selbst wird im Buch gut herausgearbeitet. Lediglich den Epilog des Buches fand ich vom Stil etwas mit dem Rest brechend und für mich wäre er auch nicht wirklich nötig gewesen.