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Hörbuch-Tipp: „Ein Grab für zwei“ von Anne Holt

„Ein Grab für zwei“ von Anne Holt ist ein Hörbuch, das mich aus mehreren Gründen angesprochen hat. Erstens habe ich schon einige Krimis von der Autorin gelesen und diese hatten ausnahmslos eine hohe Qualität. Außerdem fand ich das Thema spannend. Wurden doch gerade erst die Olympischen Spiele von Peking von einem Dopingskandal überschattet, da kam mir ein Krimi in dem Doping im Hochleistungssport eine Rolle spielt gerade Recht.

Ermittlerin in dieser Reihe von Anne Holt ist Selma Falck, selbst ehemals Leistungssportlerin und Olympia-Medaillengewinnerin, außerdem bekannte und beliebte Star-Anwältin. Allerdings befindet sich Selma Falck zu Beginn des Romans am aktuellen Tiefpunkt, ihre Spielsucht hat ihre Karriere nachhaltig ruiniert. So am Boden wird sie von einem ehemaligen Klienten um Hilfe gebeten. Dessen Adoptivtochter Hege Chin Morell steht kurz vor den Olympischen Spielen von Pjöngchang unter Doping-Verdacht, dabei ist sie eine der ganz großen Goldmedaillenfavoritinnen.
Selma soll herausfinden ob Sabotage hinter der Sache steckt und Heges Ruf rechtzeitig vor den Spielen wieder rein waschen…

Der Krimi der sich aus dieser Ausgangslage entspinnt ist sehr komplex und bald stellt sich heraus, dass der Dopingfall nur die Spitze des Eisberges darstellt. Und dann wird auch noch ein anderer Spitzenlangläufer tot aufgefunden…
Selma spricht mit Menschen, ist teils persönlich involviert, gräbt in der Vergangenheit, hat teils extravagante und fragwürdige Methoden und ganz langsam kristallisiert sich heraus, was eigentlich hinter der ganzen Sache steckt.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass der Fall doch ein paar Längen hat und die Geschichte vielleicht etwas kompakter erzählt werden hätte können. Trotzdem eine sehr interessante Ermittlerin und ein Setting das gerade für Wintersport-Fans sehr attraktiv ist. Katja Bürkle liest das Buch sehr klar, aber trotzdem mit einer sehr guten Interpretation der verschiedenen Charaktere.

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Krimitipp: „Schattenkind“ von Anne Holt

Die Handlung von „Schattenkind“ von Anne Holt beginnt in Norwegen an einem schicksalhaften Tag, nämlich am Tag an dem Anders Breivik den Terroranschlag in Oslo und das Massaker auf Utoya begeht. Die Tragödie auf die die Kriminalpsychologin Johanne Vik an diesem Tag trifft, hat aber gar nichts mit den schrecklichen Geschehnissen zu tun.
Sie wollte eigentlich nur auf die Geburtstagsfeier des 8-jährigen Sohnes ihrer alten Schulfreundin Ellen. Doch zu ihrem Schock findet sie dort stattdessen traumatisierte Eltern und ein totes Kind vor, angeblich fiel der Junge Sander von einer Trittleiter, als er versuchte die Decke im Wohnzimmer zu bemalen. Sander galt als schwieriges und lebhaftes Kind und hatte eine ADHS Diagnose, so dass die Eltern als Grund für den Unfall seinen unbändigen Bewegungsdrang anbringen.

Da quasi alle Krankenwägen und Polizisten mit dem Terroranschlag in Oslo beschäftigt sind, dauert es lange bis überhaupt ein Polizist am Ort des Geschehens auftaucht und zwar der noch sehr unsichere und unerfahrene Jungpolizist Henrik Holme.
Der macht zwar so einige Fehler und fühlt sich anfangs mit dem Fall überfordert, aber er kann sich Eindrucks nicht erwehren, dass in dem Fall etwas nicht stimmt und nimmt relativ schnell Sanders Vater Jon ins Visier. Ellen bittet verzweifelt Johanne um Hilfe, die sich aber nicht wirklich in den Fall hinein ziehen lassen möchte. Natürlich klappt das nicht wirklich und so graben Johanne und Henrik Holme unabhängig voneinander immer tiefer im Familienleben von Ellen, Jon und Sander.

Mir hat der Krimi wirklich hervorragend gefallen, Anne Holt ist sowieso immer ein Garant für hochwertige psychologische Krimis (ich kann mich nicht erinnern von ihr schon mal etwas gelesen zu haben, das ich nicht gelungen fand). Es handelt sich also nicht um einen Spannungsroman, sondern um eine intelligente Aufdeckung einer Familientragödie, die noch dazu mit einem wirklich ungewöhnlichen Ende aufwartet (das wiederum vermutlich nicht jedem gefallen dürfte). Das Verhältnis zwischen Krimihandlung und Privatleben der Ermittlerin fand ich auch gelungen. Etwas skeptisch war ich bezüglich der Vermengung der Geschichte mit dem Anschlag von Anders Breivik, diese diente aber mehr oder weniger nur als Hintergrund dafür, dass Hendrik Holme als Ermittler in Erscheinung treten konnte und macht insofern schon Sinn, da es sonst wenig glaubwürdig gewesen wäre, dass Hendrik Holme so eine tragende Rolle in den Ermittlungen spielt.