Bücher, gesellschaft

Jugendbuch-Tipp: „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble

„Warum du schweigst“ von Martin Schäuble ist ein Jugendbuch über ein sehr wichtiges und auch sehr aktuelles Thema, nämlich sexueller Mißbrauch im Sport. Als Fan von Sportarten wie Eiskunstlauf und Kunstturnen ist man hier leider Schlimmes gewohnt: strukturelles Versagen, Systeme die Machtmissbrauch begünstigen und oftmals die Verweigerung von Verbänden Missstände tatsächlich sichtbar zu machen und aufzuklären. In Martin Schäubles Buch geht es um Mädchenfußball, aber die Erfahrungen sind wohl leider überall ähnlich.

Das Buch wird abwechselnd aus Sicht von Lena und Tim erzählt. Lena ist 16 und begeisterte Fußballspielerin in einer Jugendmannschaft. Tim findet Lena gut und traut sich am Anfang des Buches endlich sie um ein Date zu bitten. Doch in den nächsten Wochen merkt er, dass Lena sich merkwürdig verhält. Lena wiederum freut sich  zunächst, dass ihr etwas dröger älterer Trainer, der das Team nicht genug fordert durch Charly, einen jüngeren engagierten Trainer ersetzt wird. Doch schnell wird ihr unbehaglich zumute, denn Charly überschreitet Grenzen, kleinere und größere…

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen, er behandelt natürlich heftige Themen, aber das ganze ist sensibel und sehr einfühlsam umgesetzt. Vom Schreibstil entfacht das Buch so einen Sog, dass ich es innerhalb eines Tages ausgelesen hatte. Der Wechsel zwischen Tim und Lena beim Erzählen gibt Leser:innen immer wieder eine kleine Verschnaufpause von Lenas Erfahrungen und zeigt außerdem auf wie auch ein aufmerksames und sich sorgendes Umfeld mit so einer Situation überfordert sein kann. Das Buch ist sehr wichtig und eignet sich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Absolute Leseempfehlung!

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„Wenn Liebe nicht reicht“ von Nova Meyerhenrich – Ein bewegender und hilfreicher Erfahrungsbericht über Depressionen

Nova Meyerhenrich ist TV-Moderatorin (aktuell moderiert sie zum Beispiel „Prominent“ auf VOX) und Schauspielerin. Ich muss zugeben, dass mir ihre Arbeit weitgehend unbekannt ist, da ich die TV-Sendungen, die sie moderierte nie wirklich gesehen habe („Prominent“ sah ich nur zu Zeiten von „Mein Name ist Constanze Rick! gelegentlich). Ihr erstes Buch „Wenn Liebe nicht reicht“ hat aber gar nichts mit der Glamour-Welt des Showbusiness zu tun, sondern ist ein ehrlicher und schonungsloser Erfahrungsbericht aus ihrem eigenen Leben: er erzählt von den Depressionen unter denen ihr Vater litt und aufgrund derer er sich letztendlich das Leben nahm und wie das Leben mit der Krankheit des Vaters sich auf sie und ihre Familie auswirkte.

Nova Meyerhenrich möchte mit ihrem Buch anderen betroffenen Angehörigen helfen und das Thema Depression zu einem Gesprächsthema machen, über das offen geredet wird, denn ihrer Familie fehlte diese Hilfe und es dauerte lange bis die Krankheit bei ihrem Vater überhaupt erkannt und diagnostiziert wurde, da die Krankheit damals noch viel mehr tabuisiert war wie heutzutage.

Jedes Kapitel im Buch beginnt mit einem Zitat eines Dialoges zwischen Nova und ihrer Mutter und schildert dann mehr oder weniger chronologisch von der Geschichte der Familie und der Entstehung der Krankheit ihres Vater. Abgerundet werden die persönlichen Erzählungen durch kleine Einschübe, in denen Dr. Mazda Adli (Psychiater und Depressionsforscher) sachliche Informationen zu dem Krankheitsbild Depression liefert. Diese Einschübe fand ich wirklich sehr informativ und erst beim Lesen wurde mir bewusst, dass ich die genauen Symptome einer Depression vorher auch noch gar nicht wirklich kannte bzw. mir noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, etwas das bei den meisten körperlichen „Volkskrankheiten“ ja eher undenkbar ist. Auch ein Zeichen, dass das Wissen über psychische Erkrankungen in Deutschland vermutlich noch sehr lückenhaft ist.

Das Buch ist in einem klaren und eingängigen Schreibstil geschrieben, ist eher sachlich und trotzdem sehr ehrlich und emotional bewegend, mir hat es wirklich ausnehmend gut gefallen. Nova Meyerhenrich erzählt mit großer Offenheit darüber wie sich die Krankheit des Vaters schleichend entwickelte, wie die Familie damit kämpfte, welche praktischen (z.B. finanziellen) und emotionalen Auswirkungen es auf die ganze Familie hatte und auch darüber wie sie zeitweise selbst in eine Co-Depression abrutschte, obwohl sie es schaffte nach außen hin im Beruf immer noch „perfekt“ zu funktionieren.

Ich denke, dass das Buch hervorragend geeignet ist, um die von Nova Meyerhenrich selbst gesetzten Ziele – zu helfen und aufzuklären – zu erreichen und für mich ist es sowohl für Betroffene, Angehörige, aber auch jeden anderen ein sehr empfehlenswertes Buch.