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Buch-Tipp: „Prag 1989 – Tagebuch einer Siebzehnjährigen“ von Magdaléna Platzová

Rund um den 3. Oktober habe ich ein Buch gelesen, das thematisch auch sehr gut zum Tag der Deutschen Einheit passt, auch wenn es um ein anderes Land geht in dem 1989 endlich der Eiserne Vorhang fiel: die damalige Tschechoslowakei. In „Prag 1989 – Tagebuch einer Siebzehnjährigen“ von Magdaléna Platzová erzählt die tchechische Journalistin und Autorin von ihrer eigenen Jugend und ihrer eigenen Rolle bei der sogenannten Samtenen Revolution, die den Systemwechsel herbeiführte. Am 17. November 1989 stand die Autorin bei einer Demonstration in Prag in der 1. Reihe, bis heute festgehalten nicht nur auf dem Cover des Buches, sondern auch auf Youtube (in Minute 0:51 dieses Videos https://www.youtube.com/watch?is=cyoZEwGPGbxbCp-U&v=f2fGdV43hhk&feature=youtu.be). Die entsprechenden Videos sind auch im Buch verlinkt.

Das Buch selbst ist wie der Titel schon verspricht, das Tagebuch der jungen Magdalena, sorgfältig und hervorragend übersetzt von Kathrin Janka. Die Tagebucheinträge beginnen im März 1989, einen Tag nach dem 17. Geburtstag der Autorin und enden im Februar 1990, in einem nun freien Land, das sich selbst, auch dank Menschen wie Magdalena von seinem kommunistischen Unrechts-Regime befreit hat. In den Tagebucheinträgen wird beschrieben wie Schüler, Studenten, Dissidenten und andere Bürger auf die Straße gehen, immer wieder, trotz Polizeigewalt und Schikanen und wie die Bewegung immer mehr an Stärke gewinnt und sich ein ganzes Land innerhalb eines Jahres völlig verändert. 

Trotzdem zeigt das Tagebuch auch noch eine ganz andere Seite, nämlich die von Magdalena als ganz normaler Teenager, mit ganz normalen Teenagersorgen, Liebeskummer, der Suche nach dem ersten Freund und was ich besonderes spannend fand: dass Magdalena und ihre Schwester im Sommer 1989 tatsächlich die Erlaubnis erhielten eine Auslandsreise nach Frankreich und Italien anzutreten. Die Erlebnisse und Beschreibungen der beiden Jugendlichen sind auch heute noch tatal spannend und erfrischend (und Overtourism war 1989 auch schon ein Thema). Für mich haben sich die Beschreibungen auch unheimlich aktuell angefühlt (kaum zu glauben, dass 1989 bald 40 Jahre her sein wird).

Die politischeren Beschreibungen der Proteste und Aktionen hingegen haben mich mit extrem viel Bewunderung erfüllt, mit wieviel Leidenschaft die Schüler:innen damals in Prag für ihre Freiheit gekämpft haben und wieviel kritisches Denken die Autorin und ihre Altersgenoss:innen trotz Propaganda und Zensur entwickelt haben. 

Das Einzige was für Deutsche Leser etwas schwer zugänglich sind, sind die vielen Namen von tschecheislowakischen Musiker und Politikern, die man überwiegend natürlich hier nicht unbedingt kennt wenn es nicht gerade um Vaclav Havel handelt, der im Buch natürlich auch eine sehr wichtige Rolle einnimmt. Dafür gibt es aber am Ende des Buches ein hilfreiches Personenverzeichnis, sowie ein Glossar mit wichtigen Begrifflichkeit.

Mein Fazit zu dem Buch: ich finde es ist gerade zur aktuellen Zeit, wo man den Eindruck gewinnen kann, dass wir alle als Gesellschaft unsere über Jahrzehnte erkämpften Freiheitsrechte achtlos wegwerfen, egal ob absichtlich oder durch Gleichgültigkeit, Überforderung  oder mangelnden Mut. Denn es zeigt wie viel Menschen erreichen können, selbst völlig machtlose, junge Menschen, wenn sie wirklich für eine Sache kämpfen. Außerdem gibt es durchaus auch Hoffnung, zeigt es doch dass jedes totalitäre System irgendwann am Ende ist und unter Druck zusammenbricht und wir immer wieder an einem Punkt stehen können, wo wir einen Neuanfang beginnen können.

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Krimi-Tipp: „Alles wird Asche“ von Nele Neuhaus

„Alles wird Asche„ ist der neueste Roman der Reihe rund um Pia Sander und Oliver von Bodenstein von Nele Neuhaus. Ich habe die meisten (alle?) der früheren Bücher der Reihe gelesen und meist Spaß daran gehabt, auch wenn einige Bücher etwas langatmig waren. „Alles wird Asche“ hat 560 Seiten und ist somit auch wieder umfangreich geraten. Ich kann schonmal sagen, dass mein Fazit ähnlich ausfällt wie meistens: das Buch hat mir gefallen, es hatte aber auch ein paar Längen. Von dem her würde ich es im soliden Mittelfeld einordnen. Zumindest schafft es Nele Neuhaus bisher ihre Reihe auf gleichbleibendem Niveau zu halten. Inhaltlich wagt sie sich an ein hochaktuelles Trendthema: im Mittelpunkt steht ein Unternehmen, dass eine extrem leistungsfähige KI (Prometheus) entwickelt hat und mit der die (deutsche) Tech-Firma ein Vermögen scheffeln könnte, doch diese hatte einen ungewöhnlichen Geschäftsführer, ein Tech-Milliardär der moralische Bedenken über Geldgier stellt (so weit so unrealistisch). 

Dieser Tech-Milliardär ist aber zu Beginn des Buches schon einige Jahre tot, seine Familie und das Umfeld des Unternehmens hat trotzdem nicht von Prometheus profitiert und plötzlich werden nach und nach Menschen grausam ermordet, die in die Geschäfte rund um die revolutionäre KI verwickelt waren.  

Pia und Oliver Bodenstein versuchen herauszufinden was hinter dem Ganzen steckt während vor allem Pia gleichzeitig mit Irrungen und Wirrungen ihres Privatlebens zu kämpfen hat (Bodenstein bleibt deswegen in diesem Buch relativ blass, denn er hat außer klassischer Ermittlungsarbeit nicht viele Anteile). 

Das Buch beschreibt die Geschehnisse aus unzähligen verschiedenen Perspektiven , trotzdem gelingt es der Autorin die Charaktere recht überzeugend zu entwickeln, so dass sie nicht austauschbar wirken. Auch die Beschreibung der KI-Thematiken wirkt auf mich (die beruflich in der Tech-Branche tätig ist) relativ authentisch, wobei die Autorin auf Nummer sicher geht und sehr oberflächlich bleibt. 

Eventuell hätte etwas weniger Umfang und Komplexität die Krimi-Handlung etwas spannender gemacht, trotzdem fand ich das Buch insgesamt gelungen.