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Frankfurter Buchmesse 2024 – Teil 1

Nach einer krankheitsbedingten Pause im Jahr 2023, bin ich dieses Jahr wieder für einen Tag mit meiner Freundin von Glimrende zur Frankfurter Buchmesse gefahren. Da es am Wochenende aufgrund des öffentlichen Publikumverkehrs immer völlig überlaufen ist, haben wir uns wieder für den Freitag entschieden.

Die Fotospots waren sehr gelungen

Ähnlich wie letztes Mal, habe ich mir einige Lesungen und Interviews zu einem potentiellen Zeitplan zusammengestellt, von denen ich dann aber nur einige Programmpunkte spontan tatsächlich besichtigte, denn eigentlich ist ein Tag auf der Buchmesse natürlich viel zu wenig. Zunächst schlenderte ich erstmal zwei Stunden durch die großen Halle 3.0 und 3.1, wo einerseits die bekanntesten Verlage ihre Mainstream Bücher aus Belletristik und Sachbuch ausstellen, aber auch viele (teils obskure oder etwas skurrile) Kleinstverlage vertreten sind. So dass es sich auf jeden Fall empfiehlt sofern man ein Presseticket hat diese Halle zu besichtigen bevor es durch den öffentlichen Publikumsverkehr nachmittags zu voll wird. 

Beeindruckendes „Bridgerton“ Display

Wobei ich sagen muss, dass die Gänge mir dieses Jahr noch etwas breiter vorkamen, zudem wurden die großen Publikumsmagnete im „New Adult“ Bereich diesmal in eine andere Halle ausgelagert, was zur Entzerrung positiv beigetragen hat. Wie letztes Jahr nutzte ich diese Zeit vor allem um mir Leseinspirationen und -ideen für die kommenden Monate zu holen. Gekauft habe ich mir dieses Jahr aber nur die aktuelle Buchpreisgewinnerin („Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ Von Martina Hefter) worauf ich auch schon sehr gespannt bin.

Am Ende des Vormittags habe ich mir dann noch am Stand der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit der Schauspielerin Caroline Peters angeschaut, die ihren Roman „Ein anderes Leben“ vorstellte, in dem sie die Geschichte dreier Schwestern erzählt, die die gleiche Mutter, aber drei unterschiedliche Väter haben. Darin verarbeitete Caroline Peters aber vor allem auch die Lebensgeschichte und die Persönlichkeit ihrer Mutter, so dass es sich um ein sehr persönliches Buch handeln dürfte. Da es Carolines erster Roman ist (entstanden unter anderem auch wegen der Corona-Zwangspause) wurde sie natürlich dazu befragt, wie sie auf die Idee kam ein Buch zu schreiben und wie sich der Schaffensprozess von der Arbeit als Schauspielerin unterscheidet und wie sie mit Kritik umgeht, was ich alles sehr spannend fand. Interessant fand ich, dass man Caroline Peters trotz ihrer Souveränität und Erfahrung als Prominente und Schauspielerin auch etwas anmerkte, dass sie im Vergleich zu den „Profi“-Schriftsteller:innen, die ich mir später noch anhörte noch nicht so daran gewöhnt ist ein Buch zu promoten, was ich aber sehr sympathisch fand, denn so waren die Antworten einerseits etwas überlegter und auch etwas unvorhersehbarer und ihre Perspektive als Schauspielerin war auch nochmal etwas anders als die von jemandem der als Hauptberuf jedes Jahr bis zu zwei Büchern schreibt. Ich werde ihren Roman auf jeden Fall auch noch lesen und bei Gelegenheit vorstellen. 

Caroline Peters im Gespräch

Danach machten meine Freundin und ich erstmal eine Mittagspause, wie immer war das Angebot auf dem Vorplatz im Freien sehr gut und abwechslungsreich und es war sehr angenehm etwas frische Lust zu schnappen. Nach der Mittagspause besichtigten wir den Pavillon des diesjährigen Gastlandes Italien. Auf den allerersten Blick wirkte die Ausstellung und die Präsentation auf mich etwas altmodisch (vor allem vermutlich wegen der Nutzung römisch anmutender Säulen), aber insgesamt hat es mir dann sehr gut gefallen, auch wenn passend zur italienischen Kultur tatsächlich vor allem die Vergangenheit auf den ersten Blick mehr im Fokus stand als die Moderne. Was sich teils aber als oberflächlich Eindruck entpuppte, denn einige auf den ersten Blick altmodische Gemälde stellten sich auf den zweiten Blick auf wirklich geniale Fotografien des verlassenen Pompejis heraus, die der Fotograf während des Corona-Lockdowns aufgenommen hatte. Insgesamt war der Pavillon eine sehr ansprechende Mischung zwischen Literatur und Kunst. Natürlich gab es auch eine große Auswahl von Büchern aus Italien.

Gastland „Italien“

Den zweiten Teil mit Eindrücken von der Buchmesse gibt es dann in Kürze.

Bücher

Buch-Tipp: „Gebt mir etwas Zeit“ von Hape Kerkeling

Den Sommer über habe ich meinem Hobby „Lesen“ nicht ganz so viel Zeit gewidmet, da man im Sommer ja meist doch mehr unterwegs ist. Passend zur Frankfurter Buchmesse Zeit möchte ich aber mal wieder zwei Bücher aus meinem Lieblingsgenre „Autobiografien“ vorstellen, in diesem ersten Beitrag ist das „Gebt mir etwas Zeit“ von Hape Kerkeling. Ich liebe es einfach, den persönlichen Blick verschiedener Menschen auf sich selbst kennen zu lernen und ihre eigene Erfahrungen aus ihrer Sicht zu lesen, ich finde das erweitert auch unheimlich den Horizont und weckt Empathie, eine Eigenschaft die der Gesellschaft aktuell mehr den je zu fehlen scheint.

Und in einer Welt in der widerliche Egomanen wie Donald Trump, JD Vance oder Elon Musk laut sind (und ich finde nicht mal diese Menschen am Schlimmsten daran, sondern die Leute die sie wählen oder auch nur verharmlosen) oder Typen wie Thomas Gottschalk natürlich auf der Frankfurter Buchmesse eingeladen sind, um mal wieder lautstark ihre Masche überall zu vermarkten, dass sie arme unterdrückte Gesellen sind, die gar nix mehr sagen dürfen (außer halt im Fernsehen, auf der Buchmesse, im Spiegel, im Podcast, usw …) ist es um so schöner, dass es auch noch angenehme, warmherzige leise Menschen gibt, denen man zuhören kann und auch sollte. 

Entsprechend ist das erste Buch, das ich heute vorstelle, dass neue Buch von Hape Kerkeling, einem der angenehmsten Menschen in der Deutschen Fernseh- und Kulturlandschaft. Ich habe schon fast alle Bücher von ihm gelesen (gut, außer das mit den Katzen, das ist selbst mir zu viel „Special Interest“) und jedes hat mich berührt. Ich liebe seine warmherzige, leise Art und seinen feinsinnigen Humor, der niemals in den Klamauk abdriftet.

„Gebt mir etwas Zeit“ ist nun von der Grundidee etwas außergewöhnlich und es ist auch tatsächlich entgegen meiner Aussage von oben keine klassische Autobiografie. Befasst sich Hape darin doch zu einem großen Anteil mit der Ahnengeschichte seiner Vorfahren. Die Idee dazu kam ihm wohl während Corona und so wurde aus dem Buch eine Mischung aus eigenen Erinnerungen an vor allem die 1980er Jahre, die Aufarbeitung der (mutmaßlichen) Herkunft seiner Großmutter Bertha und der vermutlich überwiegend fiktiven Geschichte einiger realen Vorfahren im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Geschildert werden diese Episoden abwechselnd, so mischen sich tatsächliche Erinnerungen von Hape mit den teilweise fiktiven Geschichten seiner Vorfahren. Ich fand diese abwechselnden Kapitel gut, denn so kommt keine Langeweile auf. 

Ich muss zugeben, dass mir die Kapitel in denen Hape seine Erinnerungen an die 1980er Jahre schildert mit Abstand am Besten gefallen haben. Das liegt vermutlich zu einem kleinen Teil daran, dass mich persönlich Ahnenforschung nicht so besonders interessiert, zu einem viel größeren Teil aber daran, dass diese Erinnerungen einfach unheimlich berührend sind, mit das Schönste und gleichzeitig Traurigste das ich dieses Jahr bisher gelesen habe. Denn Hape teilt in diesem Handlungsstrang nicht nur seine Erfahrungen mit den ersten Schritten in der Deutschen Fersehbranche (so verstaubt, homophob und sexisistisch wie man sich diese vorstellt, was sich vermutlich auch 2024 noch nicht signifikant verändert hat), sondern auch eine queere Liebesgeschichte in Amsterdam, in einer Zeit in dem der Drang nach Freiheit und Liebe durch AIDS gefährlich bedroht war. Ich war bei diesem Teil fast besonders froh, dass jedes Kapitel durch ein „historisches“ Kapitel unterbrochen war, denn so bekam man die ganzen Emotionen häppchenweise und somit etwas leichter verdaulich. Trotzdem musste ich bei einem Kapitel fast ein bisschen weinen.

Die historischen Fiktionskapitel basieren, so wie ich es verstanden habe auf realen Personen, von deren Leben auch Einiges im Buch durch Quellenangaben belegt ist. Darauf aufbauend schrieb Hape die teilweise Lebensgeschichte eines Ahnen in Amsterdam auf. Dieser Teil der Geschichte gefiel mir überwiegend auch gut, denn man lernte sehr viel über die Geschichte von Amsterdam, damalige gesellschaftliche religiöse Zwänge und auch kritische Themen wie Sklaverei und Kolonialgeschichte wurden nicht ausgespart.

Den Dritten Fokus des Buchs, die Herkunft von Hapes Oma Bertha fand ich nicht ganz so stark wie den Rest, ist aber sicher etwas das für Hape selbst sehr wichtig war. 

Insgesamt kann man das Mischen von so unterschiedlichen Themenschwerpunkten in einem Buch vielleicht auch etwas kritisch sehen, für mich hat das Buch ingesamt aber sehr gut funktioniert und es war mal wieder eine Freude etwas von Hape zu lesen, der in der Fernsehlandschaft für mich auf jeden Fall eine große Lücke hinterlassen hat.

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Jugendbuch-Tipp: „Unsichtbar“ von Eloy Moreno

„Unsichtbar“ von Eloy Moreno ist ein spanisches Jugendbuch, das ein schwieriges Thema (Mobbing) auf eine unheimlich literarische und berührende Weise verarbeitet. Angesprochen hat mich bei dem Buch als erstes das schlichte, aber sehr gelungene Cover. Ansonsten wusste ich nicht wirklich was mich erwartet, aber das Buch hat auf jeden Fall jegliche Erwartungen übertroffen und mich sogar 2-3x fast zu Tränen gerührt. Dabei ist es kein hoffnungsloses Buch, sondern ein Buch voller Wärme, trotz der darin vorkommenden Traurigkeit. Ganz besonders ist auch die wirklich wundervolle poetische und trotzdem sehr direkte Sprache. 

Held der Geschichte ist ein namenloser Junge, von dem man am Anfang des Buches nur weiß, dass er im Krankenhaus liegt. Aufgrund eines angeblichen Unfalls. Ansonsten lernt man als Leser:in, dass der Junge davon überzeugt ist diverse Superheldenkräfte zu besitzen, darunter die Fähigkeit sich unsichtbar zu machen. Das Buch erzählt die aktuellen Geschehnisse und auch die Rückblenden, die zu dem Unfall führten dann aus Sicht des Jungen, aber auch aus Sicht anderer Personen aus seinem sozialen Umfeld. So schält sich Seite für Seite eine Geschichte heraus, die traurig ist, aber vermutlich überall auf der Welt jeden Tag genau so geschieht. 

Für mich ist „Unsichtbar“ eines der besten Bücher über Mobbing, das ich gelesen habe (das beste – das ich deswegen hier auch erwähnen möchte – ist meiner Meinung nach „Nennen wir ihn Anna“ von Peter Pohl) und ich empfehle es wirklich jedem unabhängig vom Alter. 

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Buch-Tipp: „Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek

Die „Wintertöchter“ Trilogie von Mignon Kleinbek entdeckte ich schon vor einer etwas längeren Zeit auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Die Autorin kommt aus meiner Region und der Landfrauenverein meines Heimatortes hatte eine Lesung mit ihr organisiert. Da das sehr interessant klang, habe ich mich mit einer Freundin zusammen angemeldet und wurde auch nicht enttäuscht. Die Autorin las Ausschnitte aus (wenn ich mich richtig erinnere) dem ersten und zweiten Band der Trilogie und überzeugte vor allem mit ihrem dichten und atmosphärischen Stil, der auch wenn der Inhalt der vorgelesenen Abschnitte teilweise ganz schön heftige Themen behandelte einen super unterhaltsamen und intensiven Abend bescherte. 

Jedenfalls ging ich mit dem Vorsatz aus der Lesung, die ganze Trilogie zu lesen, las dann aber zuerst mal ein autobiografisches Sachbuch der Autorin über ihre Rheuma-Erkrankung, das mir auch sehr gut gefallen hat.

Nun habe ich die ganze Trilogie beendet, die mir insgesamt wirklich gut gefallen hat, die zentralen Themen des Buches sind die Härten und Herausforderungen die Frauen Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben erdulden mussten, gepaart mit einigen mystischen Elementen und einer starken Familiengeschichte. Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Anna, die 1940 im österreichischen Forstau geboren ist und mit ihrer Mutter ein schwieriges und karges Leben auf einer Alm führt, nachdem der Vater in der Nacht ihrer Geburt verstarb. Zudem ist Anna, wie schon einige Frauen in ihrer Familie mit einer besonderen Gabe versehen, mit der man in den damaligen rauen Zeiten besser kein Aufsehen erregen will. Als Annas Mutter Maria einen neuen Mann kennenlernt, scheint sich ihr Leben kurz ins bessere zu wenden, doch das bleibt leider ein schrecklicher Trugschluss…

Die ersten beiden Bände der Trilogie spielen überwiegend in den 1940er und 1950er Jahren und schildern Annas Kindheit und Jugend, der dritte Band macht dann einen großen Sprung nach vorne ins Jahr 2004. Der Schreibstil ist aus heutiger Sicht sicherlich etwas altmodisch, passt aber gut zur Atmosphäre der Geschichte und man merkt durchgehend wieviel Liebe und Herzblut die Autorin in diese Trilogie gesteckt hat. Ich würde die Bücher generell jedem empfehlen, der keine Angst vor schweren Themen hat (manchmal fand ich die Fülle an schrecklichen Ereignissen, die vor allem Anna zustoßen fast selbst etwas belastend, aber ich denke das hätte sich auch mildern lassen, wenn ich nicht alle 3 Bände am Stück gelesen hätte) und den auch ein Hauch Mystik und Übernatürliches nicht abschreckt. Insgesamt eine Trilogie, die aus der Masse der Bücher absolut heraussticht und es hat mich auch gefreut, mal Literatur aus meiner Heimatregion zu lesen (auch wenn das Buch an sich natürlich woanders spielt, für mich als „Bergliebhaberin“ aber auch ein super interessantes Setting, mit dem die Autorin viele persönliche Erinnerungen verbindet, so dass man merkt, dass sie sich mit der Region selbst auch sehr gut auskennt.

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Buch-Tipp: „Wünschen“ von Chukwuebuka Ibeh

Der Roman „Wünschen“ ist ein unheimlich ergreifender Roman des jungen
nigerianischen Schriftstellers Chukwuebuka Ibeh, das mich trotz des
eher schweren Themas sofort angesprochen hat, auch das Cover hat mich
auf Anhieb berührt. In dem Buch geht es um den jungen Obiefuna, der in
Nigeria aufwächst. Während sein jüngerer Bruder ein ganz „typischer“
fußballbegeisterter Rabauke ist, ist Obiefuna sensibler, ein Tanztalent
und ein Junge der heraussticht und um den sich seine Mutter Sorgen
macht. Als Obiefunas  Vater ihn in einer intimen Situation mit einem
Jungen aus dem Heimatdorf der Familie erwischt, der zeitweise zum
Arbeiten bei der Familie wohnt, verfrachtet er ihn sofort in ein
christliches Jungen-Internat. Egal wo auf der Welt ist das nun nicht
gerade der richtige Ort, um weitere homosexuelle Erfahrungen zu
verhindern und Obiefuna schafft es mit einer Mischung aus Opportunismus
und einem Hauch von bewahrter Freiheit nicht nur zu überleben, sondern
eigentlich ganz gut zu überleben. Als er als Student seinen ersten
richtigen Freund kennenlernt und dessen liberalen Freundeskreis scheint
sich Obiefunas Wunsch nach einem freien selbstbestimmten Leben doch noch
zu erfüllen, doch politisch formiert sich eine immer größere Gefahr.

Für mich war dieses Buch einerseits sehr schön, aufgrund der
wunderschönen Sprache, des tollen Hauptcharakters und der Erzählweise.
Andererseits war es auch ein grausames Buch, denn die ganze Zeit wird
einem eine Hoffnung vermittelt, die im letzten Viertel grausam
weitgehend zerstört wird (so dass ich sogar einmal einen ganzen Tag
Pause machen musste, bevor ich weiterlesen konnte). Sehr gut schildert
das Buch wie Politiker aus reinem Kalkül und Eigennutz auf dem Rücken
von Minderheiten populistische Entscheidungen treffen, die sie gar nicht
wirklich interessieren, die aber Menschenleben und Menschenwürde ganzer
Bevölkerungsgruppen zerstören. Umso verwerflicher und umso wütender
macht es, dass auch in Deutschland Politiker mit dieser Art Populismus
agieren und damit meine ich nicht mal unbedingt die AfD, von der man gar
nichts anderes erwartet, sondern vor allem Politiker wie Söder oder
Merz, die für Parteien stehen, von denen man mehr erwarten können
sollte.Ein unheimlich wichtiges poetisches Buch, das auch jeder gelesen
haben sollte, der Sätze von sich gibt, wie zum Beispiel dass man Pride
Paraden doch heute gar nicht mehr braucht.




Bücher

Buch-Tipp: „Feuerjagd“ von Tana French

„Feuerjagd“ von Tana French ist der zweite Teil einer Reihe, den ersten Band „Der Sucher“ habe ich vor einigen Jahren gelesen. Tana French ist schon lange einer meiner Lieblings-Krimiautorinnen, wobei ihr Stil sicher nicht für Leute geeignet ist, denen es bei Krimis und Thrillern vor allem um Hochspannung und dynamische Action geht. Ihr Schreibstil ist eher literarisch, gerne etwas weitschweifig und die Faszination ergibt sich aus den psychologischen Spannungen zwischen Menschen. Für mich ist sie in gewisser Weise eine Künstlerin mit Worten, keine Autorin, die am Fließband Krimireihen „raushaut“.


Die Reihe rund um den amerikanischen US-Cop Hal, der sich in einem kleinen sehr rustikal klingenden Dorf in Irland niedergelassen hat und dort mehr oder weniger gegen seinen Willen in Konflikte und das Leben in der Dorfgemeinschaft hineingezogen wird ist aber auch für Tana French finde ich eher etwas außergewöhnlich, denn das typische Irland Feeling, das man zumindest als Deutsche(r) mit Irland verbindet kommt dort eher nicht auf, stattdessen fühlt sich das Buch immer ein bisschen an wie ein US-amerikanischer Western mit rauen kauzigen Männern und Frauen, die versuchen in dieser Welt zu überleben, ein Stil der von der Autorin sicherlich beabsichtigt ist. In „Feuerjagd“ wird dieses Gefühl noch verstärkt, da Irland darin in einer klimawandelbedingten Hitzewelle ächzt. Die Charaktere werden den Lesern des ersten Bandes sofort wieder bekannt sein kommen, Hals junge Protege Trey ist nun ein Teenager, deren Leben sich eigentlich gut entwickelt hat, doch das Wiederauftauchen ihres Vaters stellt die Dorfgemeinschaft und Treys Standing im Dorf auf eine neue Probe. Ich würde übrigens das Buch auch nur empfehlen wenn man den ersten Teil gelesen hat, denn ich denke ohne Hintergrund ist das Handeln der Personen nicht wirklich nachvollziehbar.
Wie gut hat mir der Roman, dessen Inhalt ich möglichst wenig spoilern möchte, denn nun aber gefallen? Ich muss sagen gut, aber andere Reihen der Autorin haben mich etwas mehr mitgerissen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein so eingeschränkter Mikrokosmos wie er in den beiden Romanen geschaffen wird, sich wirklich eignet um eine längere Reihe darauf aufzubauen, aber die ersten beiden Bände finde ich auf jeden Fall lesenswert.

Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Totholz“ von Andreas Föhr

Die Regionalkrimi-Reihe von Andreas Föhr rund um Kommissar Wallner und den ausgesprochen exzentrischen Wachtmeister Kreuthner gehört schon lange zu meinen Lieblingsreihen. Bisher habe ich aber alle Bücher gelesen, „Totholz“ ist mein erstes Hörbuch. Das war auf jeden Fall eine gute Idee, denn der Sprecher Michael Schwarzmaier macht auf jeden Fall einen super Job und liest auch die Charaktere hervorragend mit authentischem Dialekt.
Wer die Reihe kennt, wird bekommen was er erwartet: viel Humor, einige skurrile Situationen, einen Polizisten mit einer sehr frei ausgelegten Vorstellung von Recht und Gesetz, etwas Privatleben und viele familiäre Verflechtungen. So beginnt das Buch gleich damit, dass Kreuthner gemeinsam mit Wallners Opa Manfred versucht einer konkurrierende Schwarzbrennerin eine Lektion zu erteilen. Diese nächtliche Aktion verläuft aber etwas explosiver als sich Kreuthner vorgestellt hatte und setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die dann sogar zur Entdeckung einer Leiche führen.

Fortan versuchen Wallner und Kreuthner rauszufinden, wer der Tote ist und wer Grund hatte ihn zu ermorden. Doch auch diverse andere Handlungsstränge halten die Polizisten auf Trab. Ich muss zugeben, dass der Kriminalfall in dem Band nicht zu meinen Favoriten gehörte, etwas verworren und überladen waren die Handlungstränge. Insgesamt fand ich den Band aber trotzdem unterhaltsam zu hören, hoffe aber dass der nächste Band vielleicht einen etwas strafferen Fall anzubieten hat.

Bücher

Buch-Tipp: „Unter Wasser ist es still“ von Julia Dibbern

„Unter Wasser ist es still“ ist ein sehr ruhiges und gedankenvolles Buch, ganz wie man es vom Titel her auch erwartet. Maira lebt in Frankfurt und hat sich dort eine berufliche Existenz aufgebaut, sie arbeitet als Restauratorin in einem inhabergeführten Geschäft, sie hat eine gute Freundin mit der sie joggt und ab und zu ausgeht. Solange sie ihren Kopf beschäftigt hält und nicht zu viel nachdenkt, ist ihr Leben in Ordnung. Doch als ihr Chef Ingmar ihr das Angebot macht sein Geschäft nach seinem Ruhestand zu übernehmen, muss Maira sich ihrer Vergangenheit stellen, denn zur Finanzierung benötigt sie das Geld aus dem Verkauf ihres Hauses an der Ostsee. Als Leser:in weiß man am Anfang nur, dass Mairas Mutter dort nach einem dramatischen Tag verstarb, als Maira noch ein Teenager war und dass Maira die Geschehnisse bisher nicht verarbeitet hat und Schuldgefühle hat. Auch der Kontakt zu ihren engen Freunden Jasper und Anne aus dieser Zeit ist abgebrochen, zumal Maira seit diesem Tag wütend auf Jasper ist. Erst überlegt Maira das Haus einfach blind an einen Investor zu verkaufen, aber dann macht sie sich doch auf den Weg, um das Haus zumindest einmal in Ruhe auszumisten. Der Plan emotional nicht involviert zu werden und am Besten niemanden aus ihrer Vergangenheit wieder zu sehen, geht – nicht sehr überraschend – nicht auf…

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist sehr introspektiv, man kann mit Maira mitfühlen und auch ihre Begegnungen mit den Menschen aus ihrer Vergangenheit sind sehr berührend. Das Buch erzählt immer abwechselnd die Geschehnisse in der Gegenwart, dazwischen sind Rückblenden eingebaut, mit denen man Schritt für Schritt erfährt, was zwischen Maira und ihrer Mutter passiert ist. Diese Abschnitte fand ich besonders schmerzhaft und bewegend und unglaublich authentisch geschildert. Warum es trotzdem nicht ganz zu 5 Sternen gereicht hat? Vielleicht war es mir in der Auflösung ein kleines bisschen zu viel Harmonie (auch wenn das einen angenehmen Gegenpunkt zu den tragischen Ereignissen und dem melancholischen Grundton setzt). Trotzdem ein absolut lesenswertes Buch!

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Buch-Tipp: „Das glückliche Paar“ von Naoise Dolan

Der Mai war für mich ein sehr gelungener Lesemonat, da ich im Urlaub gleich drei Bücher hintereinander weg gelesen habe, die mir überdurchschnittlich gut gefallen haben. Der irische Roman „Das glückliche Paar“ von Naoise Dolan war darunter vermutlich mein Favorit, obwohl die Thematik auf den ersten Blick nicht besonders tiefgründig wirkt: Es geht in dem Roman um das irische Pärchen Celine und Luke. Die beiden zahlen Irland-typisch 2000 Euro Miete für ein winziges Apartment, in dem der Boiler oft nicht funktioniert, Celine ist Konzertpianistin und immer in Sorge um ihre Hände, Luke hat Theologie studiert und die bisher größte gemeinsame Verpflichtung ist ihre Katze. Nun haben sich die beiden entschieden zu heiraten, doch bei der (aus finanziellen Gründen) bei ihrer wohlhabenden Tante abgehaltenen Verlobungsfeier in London ist Luke plötzlich verschwunden und reagiert nicht auf Celines Nachrichten. 

Der Roman begleitet Celine und Luke ca. vom Zeitpunkt dieser Verlobungsfeier bis hin zum Tag der Hochzeit. Dabei ist die Erzählweise des Romans sehr kreativ, die Handlung wird immer abwechselnd aus Sicht verschiedener Beteiligter erzählt, darunter natürlich Celine und Luke, aber auch Celines Schwester und Lukes Ex-Freund, der nach Jahren noch nicht über ihn hinweg ist. Das liest sich sehr leicht,  humorvoll und trotzdem werden ernsthafte Fragen beantwortet, zum Thema Vertrauen, Partnerschaft und was eine Ehe/Beziehung ausmacht. Die Charaktere könnten vermutlich nicht unperfekter sein, wachsen einem aber trotzdem ans Herz. Ein richtiges Lesevergnügen, das meiner Meinung nach auch gerade danach schreit verfilmt zu werden. 

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Young Adult Tipp: „Schallplattensommer“ von Alina Bronsky

„Schallplattensommer“ ist das erste Buch, das ich von Alina Bronsky gelesen habe. Ihre Romane sind mir zwar schon öfters begegnet, aber irgendwie hat keiner davon es bisher auf meine Leseliste geschafft. „Schallplattensommer“ war auf jeden Fall eine sehr gute erste Wahl, habe ich das Buch (das allerdings auch nicht allzu dick ist) doch an einem einzelnen Abend verschlungen. Heldin des Buches ist  ein junges Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen Maserati, die eigentlich noch zur Schule gehen sollte. Doch diese schwänzt sie seit längerem, stattdessen hilft sie ihrer Großmutter deren rustikale Dorfkneipe in einem nicht näher genannten Ferienort zu führen (vom Gefühl her verorte ich das Buch an die Ostsee oder irgendeinen See in Ostdeutschland, bin mir aber nicht sicher ob im Buch überhaupt ein Ort genannt wurde). Maseratis Alltag kommt durcheinander, als eine reiche Familie in die bisher verlassene Villa des Ortes zieht und die beiden Söhne der Familie auf Maserati aufmerksam werden: der gutaussehende „Surfer-Boy“ Caspar und sein grüblerischer Bruder Theo, so zumindest Maseratis erster Eindruck der beiden. Doch bald zeigt sich, dass nicht nur Maseratis Leben komplexer ist als es auf den ersten Eindruck scheint. 

Der Roman ist wirklich recht einzigartig, er hat Leichtigkeit, Humor und vielschichtige Charaktere, eine Liebesgeschichte, es passiert auf den ersten Blick gar nicht mal so viel, aber trotzdem verfliegt das Buch, hat sehr viel Charme und passt zum Sommer, hält somit was der Titel verspricht und hat mich wirklich hervorragend unterhalten.