Bücher, Hörbuch

Hörbuch-Tipp: „Konfetti Blues“ von Lutz van der Horst

„Konfetti Blues“ ist der erste Roman von Comedian Lutz van der Horst, den ich als Hörbuch (vom Autor selbst gelesen) gehört habe. Laut Untertitel handelt es sich bei dem Buch um einen Liebesroman, bei dem aber natürlich der Humor und auch das Thema Comedy nicht zu kurz kommt. Held der Geschichte ist der bisexuelle Max, der versucht eine Karriere als Comedian zu starten, aber bisher nur „lustige“ Pannenvideos (die Sorte wo Kinder ausrutschen und in eine Pfütze fallen) mit genauso „lustigen“ Texten versehen darf. An seiner Karriere als Stand-Up Comedian arbeitet er bisher eher erfolglos und seine erste TV-Sendung lief nur noch nach Mitternacht und wurde nach 3 Folgen aus ihm nicht bekannten Gründen direkt wieder abgesetzt. 

Während es im Berufsleben also nicht läuft, sieht es privat nicht viel besser aus. Zwar erblickt Max  bei einer wilden Partynacht Yuma, den (scheinbaren) Mann seiner Träume, doch der weist nach einem One Night Stand plötzlich ein sehr abweisendes Verhalten auf und auch Max’ Outing bei seinen Eltern verläuft eher katastrophal. 

So stolpert Max auf der Suche nach beruflichem und privaten Erfolg durch sein Leben, doch sucht er vielleicht an den falschen Stellen nach seinem Liebesglück?

Mit gut 7 Stunden Hörzeit ist das Hörbuch gut für zwischendurch geeignet, Lutz van der Horst liest gut und engagiert, so dass mir das Hörbuch sehr viel Spaß gemacht hat. Auch wenn die Liebesgeschichte vielleicht etwas vorhersehbar ist, hat mir die Mischung aus Liebesgeschichte und skurrilem Humor gut gefallen. 

Max als Hauptperson ist charmant, aber hat gleichzeitig auch Ecken und Kanten, genau wie die anderen Charaktere im Buch, was es für mich sehr lebensecht gemacht hat. 

Bücher

Sachbuch-Tipp: „Kein Bock Club“ von Maria Popov

„Kein Bock Club“ von Maria Popov ist ein Buch, auf das ich über einige Posts auf Instagram aufmerksam wurde,  bei dem ich mir aber zunächst nicht sicher war ob ich es interessant genug finde es zu lesen, da es auf den ersten oberflächlichen Blick den Anschein erweckte, dass es darin nur um Asexualität ging und ich mir nicht sicher war, ob mich das genug interessieren würde. Nachdem eine Freundin das Hörbuch gehört hatte und weiterempfahl griff ich aber doch zu und wurde nicht enttäuscht, denn das Buch beschäftigt sich mit sehr vielen sehr relevanten Themen: dem Stellenwert von Sex in der Gesellschaft, dem überzogenen Blick auf die Bedeutung heteronormativer Beziehungen, weibliche und männliche Sexualität, gesellschaftliche Normen und Prägungen, Feminismus und Patriarchat.

Dazu erzählt die Autorin viele persönliche Anekdoten darüber wie ihr Blick auf Sex und Beziehungen durch ihre Jugendzeit geprägt wurde und wie schwer es ist sich davon zu lösen. Und am Wertvollsten an dem Buch finde ich den Fokus darauf wie gut es der Gesellschaft und den Menschen darin tun würde wenn man Freundschaften und alternative Beziehungsformen gleichberechtigt neben (sowieso meist romantisierte Vorstellungen von) romantische und durch Sex geprägte Beziehungen stellen würde. 

Das Buch ist bei der Vielfalt von Themen sehr kurzweilig und ich fand auch das Verhältnis zwischen persönlichen Anekdoten und Sachbuch ausgewogen. 

Bücher

Buch-Tipp: „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ von Fiona Sironic 

Jedes Jahr lese ich ein oder zwei Bücher von der Longlist des Deutschen Buchpreises. Dieses Jahr sind es zufällig sogar zwei Bücher von der Shortlist geworden, denn beide Bücher, die ich ausgewählt habe, haben es darauf geschafft. Das erste davon möchte ich heute vorstellen:

„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ von Fiona Sironic ist mir direkt durch den sehr außergewöhnlichen und etwas sperrigen Titel aufgefallen, der meine Neugier definitiv geweckt hat. Und das Buch hielt auch was es verspricht, es ist etwas Besonderes: die 16-jährige Era lebt mit ihrer Mutter in einem Deutschland der nicht näher definierten Zukunft. Der Klimawandel ist weiter voran geschritten und der Lebensraum der Menschen zusammengeschrumpft. Die Menschen bekommen kaum noch Kinder, so dass Era zwar zur Schule geht, da aber auf verhältnismäßig wenige Mitschüler:innen trifft. In der Stadt ist es zu heiß und zu eng, auf dem Land drohen Waldbrände. Trotzdem haben sich Era und ihre Mutter entschieden in einer Hütte am Waldrand zu leben. Dort notiert Era akribisch aussterbende Vogelarten (eine stetig zunehmende Liste) und schaut sich Live-Streams im Internet an. Dabei vor allem die von zwei Mädchen, die wie der Titel des Buches schon sagt, samstags in den Wald gehen und Sachen in die Luft jagen. Durch einen Zufall trifft Era im Wald auf die beiden und erkennt Maja, eine Mitschülerin die durch ihre reichen lesbischen Influencerinnen-Eltern früher eine Internet-Bekanntheit war, bis sie sich weigerte gefilmt zu werden. Era ist fasziniert und nimmt Kontakt mit Maja auf…

Das Buch ist schwer zu beschreiben, einerseits ist es sicherlich dystopisch, allerdings ist es nicht hoffnungslos oder deprimierend, es behandelt im Prinzip ganz normale Teenager Themen und vor allem die Frage wie man in einer Welt ohne Zukunft erwachsen werden, sich verlieben und Beziehungen herstellen kann. Era und ihre Mutter sind arm, Maja und ihre Schwester leben trotz der widrigen Lebensbedingungen immer noch ein luxuriöses Leben. Doch Maja ist wütend und zieht Era mit in einen Sog der Zerstörung. 

Mir hat das Buch hervorragend gefallen, vor allem da es trotz ernsthafter Thematik eine Leichtigkeit hat, die es zu einem richtigen Lesevergnügen macht. 

Bücher

Krimi-Tipp: „Lavender House“ von Lev AC Rosen

Heute möchte ich einen sehr unterhaltsamen „cozy“ Mystery-Krimi vorstellen, nämlich den Roman „Lavender House“ von Lev AC Rosen. Die Handlung spielt in den 1950er Jahren: der schwule Polizist Andy wurde bei einer Razzia in einem Schwulenclub von seinen Kollegen entdeckt und hat seinen Job verloren. Gerade als er sich in einer Bar betrinkt und darüber nachdenkt sein Leben zu beenden wird er von einer mysteriösen Frau namens Pearl angesprochen, die ihn für einen Privatdetektiv-Job anheuern möchte. Offenbar weiß sie wer er ist und dass er genau der richtige für ihre heikle Situation ist. Denn Pearl lebt heimlich zusammen mit ihrer Frau Irene Lamontaine in einem mondänen Anwesen, natürlich ist sie offiziell nicht Irenes Ehefrau, sondern ihre Angestellte. 

Irenes Firma Lamontaine ist mit dem Verkauf von selbst gefertigten Duftseifen reich geworden, die Irene in liebevoller Kleinarbeit designt hat. Doch vor kurzer Zeit starb Irene in ihrer Bibliothek als sie an einer neuen Seifenrezeptur gearbeitet hat und Pearl vermutet, dass es Mord war. Doch natürlich kann sie nicht die Polizei rufen, denn die in dieser Zeit geächteten Familienverhältnisse sollen nicht ans Licht kommen (auch Irenes Sohn ist schwul und lebt mit seinem Freund zusammen, aber auch seine „Tarnungs“-Ehefrau und ihre Mutter leben im Haus, sowie mehrere Angestellte aus der queeren Undergrund-Szene).

Der Krimi hat gleich meinen Nerv getroffen, eine Mischung aus Knives Out meets Agatha Christie und das alles in einem queeren Umfeld sorgt für eine kreative und unterhaltsame Mischung. Nun ist es so, dass ich schon recht viele „Closed Room“-Krimis gelesen habe und viele sind überraschend schlecht. Viele Autor:innen scheinen mit dem Konzept etwas überfordert, so dass die Grundidee super ist, aber die Umsetzung nicht klappt, aber Lev AC Rosen gelingt es wirklich gut, auch wenn der Fokus des Romans nicht ausschließlich darauf lag einen Krimi zu schreiben (aber vielleicht ist das sogar der Schlüssel zum Erfolg, vielleicht konnte er weniger verkrampft an das Konzept dran gehen).

Andy ist ein sehr sympathischer Charakter, die Krimihandlung fand ich gelungen und das Setting ist ungewöhnlich aber trotzdem glaubwürdig und die damals offene Homophobie der Polizei und Gesellschaft ist hervorragend dargestellt, ohne dass der Roman seinen Optimismus und seine Leichtigkeit verliert. 

Auf Englisch sind schon weitere Teile der Reihe erschienen, nach denen ich auf jeden Fall Ausschau halten werde. 

Allgemein, Bücher

Buch-Tipp-Mix Sommer 2025: Stephen King und Young Adult Dystopie

Heute möchte ich zwei Bücher vorstellen, die ich im Juli gelesen habe. Nummer 1 ist ein Geschichtsband von meinem absoluten Lieblingsautor (seit meiner Kindheit), nämlich:

„Ihr wollt es dunkler“ von Stephen King

„Ihr wollt es dunkler“ ist ein typischer Geschichtsband von Stephen King, mit verschiedenen Kurzgeschichten, die von wirklich sehr kurz (wenige Seiten) bis hin zu zwei längeren Geschichten von um die 150 Seiten reichen. Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass die Entwürfe von einigen Geschichten schon Jahrzehnte alt sind und Stephen King die jetzt erst beendet hat. Mir wäre das ohne die Erklärung nicht aufgefallen, auch wenn Stephen Kings neuere Romane nicht mehr so horrorlastig sind wie am Anfang seiner Karriere (wobei er ja auch schon damals Geschichten ohne Horror-Elemente verfasst hat), ist er seinem Stil immer so treu geblieben, dass die Geschichten für mich überhaupt nicht den Eindruck machen entweder altmodisch oder neumodisch zu sein. Der Geschichtsband ist wie aus einem Guß und mich haben alle Stories hervorragend unterhalten. Ein echtes Lesevergnügen, mit Geschichten die auch oft zum Nachdenken anregen.

Zusätzlich zu diesem Buch eines sehr erfahrenen Autors habe ich gelesen:

„The Last Bookstore on Earth“ von Lily Braun-Arnold

„The Last Bookstore on Earth“ ist eine Young Adult Dystopie von der jungen Autorin Lily Braun-Arnold. In dem Debütroman steht die jugendliche Liz, die seit einem – am Anfang noch nicht näher erklärten – dystopischen „Sturm“ alleine in einem Buchladen lebt, bei dem sie vor der Katastrophe gearbeitet hat. Was mit ihrer Familie passiert ist, weiß man anfangs noch nichts, doch Liz hat es geschafft sich einigermaßen komfortabel in dem zwar teilweise beschädigten, aber noch einigermaßen benutzbaren Gebäude einzurichten. Übers Wasser hält sie sich mit Tauschhandel mit den noch wenigen verbliebenden anderen Stadt-Bewohnern, die gelegentlich vorbeiziehen. Veränderungen mag sie nicht und Gefahren der Zukunft versucht sie zu verdrängen. Als eines Tages eine andere junge Frau namens Maeve auf der Suche nach Unterkunft bei ihr einbricht und ab diesem Zeitpunkt mit ihr zusammen in der Buchhandlung lebt wird ihre Routine unterbrochen und Liz muss ihre Komfortzone verlassen. Aber auch wenn ihr Maeve anfangs auch noch sehr unsympathisch ist, fängt sie mit der Zeit auch an Gefühle für sie zu entwickeln…

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der Schreibstil ist für eine 19-jährige Autorin wirklich toll und mitreissend und man wird sofort in die Story reingezogen. Die Schwachpunkte waren für mich, dass die romantischen Aspekte der Story für so einen Young Adult Format etwas sehr subtil und zwischen den Zeilen erfolgte, was auch die Charakterentwicklung von Liz und Maeve etwas minderte. Dafür gibt es im Verhältnis relativ viel Gewalt, das hätte ich mir etwas ausgewogener gewünscht. Außerdem sind einige (medizinische oder physikalische) Teile der Story nicht besonders realistisch, das würde ich bei dem sehr jungen Alter der Autorin und der Tatsache dass es sich um ein Young Adult Buch handelt aber nicht als so dramatisch bewerten.

Bücher, gesellschaft

Buch Tipp: „Paper Doll“ von Dylan Mulvaney

„Paper Doll: Notes from a Late Bloomer“ ist teils Autobiographie teils „Tagebuch“ von der transsexuellen Influencerin Dylan Mulvaney, die während Corona zuerst auf Social Media einen steilen Aufstieg mit Comedy-Clips und Videos über ihre Transition hinlegte, nur um dann vom rechts-religiösen America einen starken Shitstorm/Backlash zu erledigen, weil die Biermarke Bud Light (wohl aus rechtlichen Gründen im Buch nur als GenericBeerBrand bezeichnet) einen Werbespot mit ihr drehte (warum nicht jeder unabhängig vom Geschlecht Light-Bier trinken oder bewerben kann und sollte erschließt sich dem vernunftbegabten Menschen wohl eher nicht, aber wir leben ja aktuell leider nicht in vernunftbegabten Zeiten, ganz im Gegenteil).

In dem Buch, das äußerlich sehr leicht und humorvoll aufgemacht ist, geht es also nicht nur um schöne Anekdoten und eine heile Showbiz-Welt, sondern auch um mentale Gesundheit, den Wahnsinn von Social Media, aber natürlich auch um Dylans persönliche Erfahrungen mit ihrer Transition und ihren Werdegang im Musical und Showbiz und als Influencerin und ich kann sagen, dass das Buch meine Erwartungen mehr als erfüllt hat, so fand ich es wirklich sehr bewegend, unterhaltsam und lehrreich. 

Das Format wechselt dabei zwischen Tagebucheinträgen aus den ersten 365 Tagen ihrer Transition und tiefgehenderen Kapiteln über verschiedene Themen und Erfahrungen, die Abschnitte unterscheiden sich auch durch verschiedene Schriftarten. Mir hat das wirklich sehr gut gefallen, da das Buch dadurch für mich die perfekte Mischung aus leichter Unterhaltung und ernsteren Kapiteln trifft. Ein tolles Buch für jeden der gerne mehr über andere Menschen lernt, Humor, Herzlichkeit und Musicals mag und in der aktuellen politischen Lage nicht vergessen möchte, dass es in den USA auch Millionen von wirklich tollen und liebenswerten Menschen gibt.

Bücher

Buch-Tipp: „Killer Potential“ von Hannah Deitch

„Killer Potential“ ist der Debütroman von Hannah Deitch und als Thriller einkategorisiert. Ein klassischer Hochspannungs-Thriller ist das Buch allerdings für mich nicht, Cover, Klappentext und Atmosphäre weckten in mir sofort Assoziationen zu Bonnie & Clyde oder Thelma & Louise:

Die SAT-Tutorin (Nachhilfelehrerin für die amerikanische Abschlussprüfung) Evie verdient ihr Geld damit den Sprösslingen reicher Familien in Los Angeles in deren Luxus-Zuhause Nachhilfe zu geben. Doch an einem Tag geht alles schief: als Evie am Haus ihrer Schülerin ankommt, entdeckt sie deren Eltern ermordet im Pool und als wäre das nicht genug auch noch eine gefesselte Frau in einer Kammer. Durch eine Verquickung unglücklicher Umstände geraten Evie und die Fremde unter Verdacht und fliehen vom Tatort. Es folgt ein Roadtrip durch die ganze USA mit unerwarteten Folgen, während dessen sich Evie und die geheimnisvolle Fremde immer näher kommen.

Die Idee des Buches fand ich wirklich super und auch die Erzählweise ist kreativ und mal was anderes für einen Thriller. Evie erzählt die Geschichte in der Ich-Perspektive und man erfährt viel über ihre Gedankenwelt und Gefühle. Insgesamt handelt es sich um eine verspielten und durchaus außergewöhnlichen Roman. Trotzdem hat er mich nicht 100% überzeugt, denn im Mittelteil gab es doch einige Längen, in denen nicht wirklich viel tatsächlich passiert. Der zweite Schwachpunkt ist meiner Meinung nach, dass der Verlauf der Flucht nicht wirklich unbedingt sehr glaubwürdig ist, ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass die beiden Flüchtenden im realen Leben nicht relativ schnell gefasst worden wären. 

Allerdings nahm das Buch im letzten Drittel für mich wieder deutlich an Fahrt auf und wenn man die Skepsis im Bezug auf den Plot etwas ausblendet kann man mit dem Roman trotzdem sehr gut unterhalten werden. Auf jeden Fall ein beachtliches Debut, die Schwächen kann die Autorin in weiteren Büchern dann hoffentlich auch noch beheben.

Bücher

Buch-Tipp: „Cher – Die Autobiografie, Teil 1“

Diesen Monat habe ich mal wieder ein Buch aus einem meiner absoluten Lieblingsgenres gelesen, nämlich die Autobiografie von Cher, bzw. der erste Teil davon. Sehr unmissverständlich heißt das Buch entsprechend auch:

„Cher – Die Autobiografie, Teil 1“. Nicht der glamouröseste Titel, vor allem für jemanden mit so einem bewegten Leben wie Cher es hatte, aber ansonsten gefällt mir zumindest das Cover sehr gut, so dass sich das Buch auch als Sammlerstück gut im Regal machen dürfte.

Wichtiger ist aber sowieso der Inhalt und der kann zu 100% überzeugen. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Zeitraum von vor Chers Geburt bis ca. 1979, als Cher entscheidet ernsthaft Schauspielerin zu werden. Dazwischen liegt eine bewegte Zeit: ein turbulentes Liebes- und Eheleben mit Sonny und anderen Partnern und eine Karriere mit Höhen und Tiefen, sowie die Geburt zweier Kinder. Mehr als genug Stoff für etwas unter 500 Seiten also. Schon Chers Kindheit war dank Chers etwas sprunghafter Mutter (teils natürlich auch durch ökonomische Zwänge bedingt) mehr als turbulent, es viel mir wirklich schwer halbwegs den Überblick zu behalten wie oft die Familie quer durch die ganzen USA umgezogen ist, die Schule gewechselt und wie oft Chers Mutter Chers leiblichen Vater geheiratet hat 😉 Ich wusste tatsächlich nicht besonders viel Konkretes über Chers Leben, obwohl ich als Kind einige ihrer Filme geliebt habe und natürlich die bekanntesten Hits von ihr alleine und mit Sonny kenne und viele der Songs auch sehr mag. Von dem her gab es für mich wirklich viel Neues zu lernen, das Buch ist aber auch generell so spannend und unterhaltsam geschrieben, dass man finde ich auch generell kein großer Fan von Cher sein muss um großen Spaß an dem Buch zu haben.

Abgesehen davon, dass man natürlich viel über ihr Leben und ihre Partnerschaften mit Sonny Bono, dem Musiker Gregg Allman und dem KISS Mitglied Gene Simmons, erfährt, ist es auch superspannend zu erfahren, wie es für Frauen war in den USA der 1940er bis 1970er zu leben und aufzuwachsen (ungefähr so wie Trump es aktuell mit Hochdruck versucht wiederherzustellen, was für jemanden aus Chers Generation vermutlich NOCH deprimierender sein muss also sowieso schon). So starb z.B. Chers Mutter 2x fast an den Folgen einer illegalen (da legal nicht verfügbaren) Abtreibung, Cher beschreibt erschreckende Erfahrungen mit Rassismus ihrer eigenen Verwandtschaft und wie homophob die Gesellschaft noch war (so musste sie  als Teenagerin gemeinsam mit einem schwulen Freund von einer heimlichen Schwulenparty fliehen als die Polizei auftauchte). Alles Dinge deren Veränderung wir heute scheinbar gar nicht mehr wert schätzen anstatt für ihren Erhalt zu kämpfen.

Abgerundet wird das Ganze mit teils skurrilen Anekdoten aus dem Showbiz, über Zusammentreffen, Arbeit und Parties mit vielen anderen bekannten Größen und natürlich ist ein zentraler Teil ihre Karriere mit Sonny, der harte Weg sich im Showbiz einen dauerhaften Namen zu machen und Chers eigene Befreiung aus der privaten Beziehung mit Sonny (die nicht das dauerhafte Ende der beruflichen Beziehung bedeutete).

Abgerundet wird das Buch durch einige sehr schöne und persönliche Familienfotos und Fotos von Chers früheren Karriere.

Mir hat der erste Teil hervorragend gefallen und ich werde den zweiten Teil entsprechend auf jeden Fall lesen und bin schon sehr gespannt.

Bücher

Buch-Tipp: „#Maspalomas Pride“ von Maximillian von Genster

„#Maspalomas Pride“ von Maximillian von Genster ist ein queerer Wohlfühlroman, der sicherlich zu einem großen Teil auf persönlichen Erlebnissen beruht. In dem satirisch humoristischen Urlaubsbericht, fährt Max zusammen mit zwei schwulen Freunden und Dragqueen Liesel ein paar Tage in die queere Urlaubshochburg Cran Canaria, passend zur dort stattfindenden Pride Parade. 

Ich war nun selbst noch nie dort, fand die Schilderungen aber sehr unterhaltsam, auch weil das Buch die dortigen optischen Highlights in Sachen Hotels und Partymeilen nicht romantisiert, was auf mich den Eindruck eines etwas heruntergekommenen, aber gleichzeitigen charmantem Party-Urlaubsparadieses erweckte, nicht ganz so prollig bierselig wie der Bierkönig auf Mallorca, dafür deutlich queerer (natürlich gibt es auch heterosexuelle Besucher der Insel, die im Buch auch etwas ihr Fett mitkriegen, genauso wie aber die auch nicht immer gar so tolerante queere Community).

Insgesamt ist es ein sehr nettes Buch für zwischendrin, wenn man in Urlaubsstimmung kommen möchte und von den sexuellen und sonstigen Erlebnissen von Max und seinen Freunden lesen möchte. Ich würde sagen das Buch ist zu 95% Fun, aber auch ein paar ernsthafte Gedanken und Sticheleien runden das Leseerlebnis ab. 

Bücher

Buch-Tipp: „Wünschen“ von Chukwuebuka Ibeh

Der Roman „Wünschen“ ist ein unheimlich ergreifender Roman des jungen
nigerianischen Schriftstellers Chukwuebuka Ibeh, das mich trotz des
eher schweren Themas sofort angesprochen hat, auch das Cover hat mich
auf Anhieb berührt. In dem Buch geht es um den jungen Obiefuna, der in
Nigeria aufwächst. Während sein jüngerer Bruder ein ganz „typischer“
fußballbegeisterter Rabauke ist, ist Obiefuna sensibler, ein Tanztalent
und ein Junge der heraussticht und um den sich seine Mutter Sorgen
macht. Als Obiefunas  Vater ihn in einer intimen Situation mit einem
Jungen aus dem Heimatdorf der Familie erwischt, der zeitweise zum
Arbeiten bei der Familie wohnt, verfrachtet er ihn sofort in ein
christliches Jungen-Internat. Egal wo auf der Welt ist das nun nicht
gerade der richtige Ort, um weitere homosexuelle Erfahrungen zu
verhindern und Obiefuna schafft es mit einer Mischung aus Opportunismus
und einem Hauch von bewahrter Freiheit nicht nur zu überleben, sondern
eigentlich ganz gut zu überleben. Als er als Student seinen ersten
richtigen Freund kennenlernt und dessen liberalen Freundeskreis scheint
sich Obiefunas Wunsch nach einem freien selbstbestimmten Leben doch noch
zu erfüllen, doch politisch formiert sich eine immer größere Gefahr.

Für mich war dieses Buch einerseits sehr schön, aufgrund der
wunderschönen Sprache, des tollen Hauptcharakters und der Erzählweise.
Andererseits war es auch ein grausames Buch, denn die ganze Zeit wird
einem eine Hoffnung vermittelt, die im letzten Viertel grausam
weitgehend zerstört wird (so dass ich sogar einmal einen ganzen Tag
Pause machen musste, bevor ich weiterlesen konnte). Sehr gut schildert
das Buch wie Politiker aus reinem Kalkül und Eigennutz auf dem Rücken
von Minderheiten populistische Entscheidungen treffen, die sie gar nicht
wirklich interessieren, die aber Menschenleben und Menschenwürde ganzer
Bevölkerungsgruppen zerstören. Umso verwerflicher und umso wütender
macht es, dass auch in Deutschland Politiker mit dieser Art Populismus
agieren und damit meine ich nicht mal unbedingt die AfD, von der man gar
nichts anderes erwartet, sondern vor allem Politiker wie Söder oder
Merz, die für Parteien stehen, von denen man mehr erwarten können
sollte.Ein unheimlich wichtiges poetisches Buch, das auch jeder gelesen
haben sollte, der Sätze von sich gibt, wie zum Beispiel dass man Pride
Paraden doch heute gar nicht mehr braucht.