Allgemein, Bücher

Buch-Tipp-Mix Sommer 2025: Stephen King und Young Adult Dystopie

Heute möchte ich zwei Bücher vorstellen, die ich im Juli gelesen habe. Nummer 1 ist ein Geschichtsband von meinem absoluten Lieblingsautor (seit meiner Kindheit), nämlich:

„Ihr wollt es dunkler“ von Stephen King

„Ihr wollt es dunkler“ ist ein typischer Geschichtsband von Stephen King, mit verschiedenen Kurzgeschichten, die von wirklich sehr kurz (wenige Seiten) bis hin zu zwei längeren Geschichten von um die 150 Seiten reichen. Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass die Entwürfe von einigen Geschichten schon Jahrzehnte alt sind und Stephen King die jetzt erst beendet hat. Mir wäre das ohne die Erklärung nicht aufgefallen, auch wenn Stephen Kings neuere Romane nicht mehr so horrorlastig sind wie am Anfang seiner Karriere (wobei er ja auch schon damals Geschichten ohne Horror-Elemente verfasst hat), ist er seinem Stil immer so treu geblieben, dass die Geschichten für mich überhaupt nicht den Eindruck machen entweder altmodisch oder neumodisch zu sein. Der Geschichtsband ist wie aus einem Guß und mich haben alle Stories hervorragend unterhalten. Ein echtes Lesevergnügen, mit Geschichten die auch oft zum Nachdenken anregen.

Zusätzlich zu diesem Buch eines sehr erfahrenen Autors habe ich gelesen:

„The Last Bookstore on Earth“ von Lily Braun-Arnold

„The Last Bookstore on Earth“ ist eine Young Adult Dystopie von der jungen Autorin Lily Braun-Arnold. In dem Debütroman steht die jugendliche Liz, die seit einem – am Anfang noch nicht näher erklärten – dystopischen „Sturm“ alleine in einem Buchladen lebt, bei dem sie vor der Katastrophe gearbeitet hat. Was mit ihrer Familie passiert ist, weiß man anfangs noch nichts, doch Liz hat es geschafft sich einigermaßen komfortabel in dem zwar teilweise beschädigten, aber noch einigermaßen benutzbaren Gebäude einzurichten. Übers Wasser hält sie sich mit Tauschhandel mit den noch wenigen verbliebenden anderen Stadt-Bewohnern, die gelegentlich vorbeiziehen. Veränderungen mag sie nicht und Gefahren der Zukunft versucht sie zu verdrängen. Als eines Tages eine andere junge Frau namens Maeve auf der Suche nach Unterkunft bei ihr einbricht und ab diesem Zeitpunkt mit ihr zusammen in der Buchhandlung lebt wird ihre Routine unterbrochen und Liz muss ihre Komfortzone verlassen. Aber auch wenn ihr Maeve anfangs auch noch sehr unsympathisch ist, fängt sie mit der Zeit auch an Gefühle für sie zu entwickeln…

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der Schreibstil ist für eine 19-jährige Autorin wirklich toll und mitreissend und man wird sofort in die Story reingezogen. Die Schwachpunkte waren für mich, dass die romantischen Aspekte der Story für so einen Young Adult Format etwas sehr subtil und zwischen den Zeilen erfolgte, was auch die Charakterentwicklung von Liz und Maeve etwas minderte. Dafür gibt es im Verhältnis relativ viel Gewalt, das hätte ich mir etwas ausgewogener gewünscht. Außerdem sind einige (medizinische oder physikalische) Teile der Story nicht besonders realistisch, das würde ich bei dem sehr jungen Alter der Autorin und der Tatsache dass es sich um ein Young Adult Buch handelt aber nicht als so dramatisch bewerten.

Allgemein

Buchtipp-Mix: Mai 2025 – Schweden-Krimi, Jennifer Weist und eine queere Autobiografie

Heute möchte ich drei ganz unterschiedliche Bücher vorstellen, die ich diesen Monat beendet habe:

„Never Not Changing – 25 erste Male“ von Gazelle & Gialu

„Never not changing“ von Gazelle und Gialu ist eine Art Tagebuch über „25 erste Male“ der beiden queeren Influencer:innen. 

Gazelle & Gialu sind mir schon länger bekannt, da mir Gazelles Instagram Account irgendwann in den letzten Jahren vom Algorithmus vorgeschlagen wurden. Gazelles humorvolle Videos über „typisch Deutsche“ Eigenschaften und Verhaltensweisen sind unheimlich lustig und auf den Punkt, so dass ich ihr seitdem folge. In Ihrem autobiografischen gemeinsamen Buch teilen Gazelle und Gialu verschiedene zeitlich unabhängige Episoden aus ihrem Leben, Themen wie Coming-Out, Erfahrungen mit der Gazelles Erfahrungen als transexuelle Frau im (Büro-)Berufsleben, aber auch Transfeindlichkeit und Einblicke in ihre Beziehung werden in abwechselnden und kurzweiligen Häppchen sehr unterhaltsam geteilt, untermalt mit charmanten Illustrationen und Tipps zur Selbstliebe für die Leser:innen. 

„Der Polarkreis“ von Liza Marklund

„Der Polarkreis“ von Liza Marklund ist ein sehr schöner Krimi mit literarischem Setting: im Zentrum stehen 5 Freundinnen in einem kleinen schwedischen Dorf, die im Sommer 1980 kurz vor dem Schulabschluss stehen. Seit Jahren sind sie als außerschulische Mitglieder eines kleines Lesezirkels in dem sie jeden Monat ein Buch besprechen. Doch so wie sich auch ihre gemeinsame Schulzeit dem Ende zuneigt, so fängt auch die Freundschaft der Mädchen an zu zerfallen. Dann verschwindet eines der Mädchen und knapp 40 Jahre später wird ihre Leiche bei Sanierungsarbeiten an einer Brücke im Dorf gefunden. Wird sich jetzt herausstellen was damals geschah?

Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen, es hat ein eher ruhiges Erzähltempo, aber die Erzählweise und vor allem der Aufhänger mit dem Buchclub hat mir wirklich super gefallen und ist etwas für alle die alles rund um Literatur lieben. Auch dass die Geschichte nacheinander aus der Perspektive aller 5 Mädchen/Frauen erzählt wird, die sehr unterschiedlich (und auch nicht alle sympathisch) sind, war ein super Kniff. Ein Krimi für alle die psychologische und eher verspielte Krimis mögen. 

„Nackt“ von Jennifer Weist

„Nackt“ von Jennifer Weist habe ich mir gekauft, da ich schon seit Jennifer Rostock Zeiten ein großer Fan von ihr und ihrer Musik bin  (egal ob von Jennifer Rostock oder von ihrem Solo-Projekt Yaenniver) und Jennifer auch schon seit Jahren auf Instagram folge. Über ihre Vergangenheit oder auch über die Bandgeschichte von Jennifer Rostock wußte ich aber bisher nur wenig (ich habe als Fan eigentlich immer nur die Musik angehört), also war ich sehr gespannt auf das Buch. Jennifer erzählt darin auf etwas über 400 Seiten einerseits autobiografisch von ihrer Kindheit und ihrer Zeit mit Jennifer Rostock (vor allem den Anfängen der Band), ihren Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch, mit Drogen, mit Dating und mit Machtmissbrauch in der Musikbranche (leider klingen diese Erlebnisse immer gleich, egal ob man die Erfahrungen von Cher in den 1960ern oder 1970ern liest oder die Erfahrungen von Frauen in den 2000ern oder heute) . Das Buch enthält aber nicht nur rein autobiografische Anekdoten, sondern auch Betrachtungen und Überlegungen zu Feminismus, sexueller Selbstbestimmung, Gesundheit, Politik und viel Selbstreflexion. Natürlich ist das Buch genau wie Jennifer meinungsstark, laut, kritisch, aber auch erfrischend selbstkritisch und sehr abwechslungsreich, fast jeder Lebens- und Gesellschaftsbereich wird abgedeckt (ich fand z.B. Jennifers Erfahrungen mit gesundheitlichen Problemen sehr informativ, da viele Menschen die ich kenne ähnliche Probleme haben oder hatten). Insgesamt ein super Buch, das inspiriert und zum Nachdenken anregt und das ich nicht nur gelesen habe, sondern auch im Rahmen von Jennifers Lese- und Akustiktour live erlebt habe, in einer großartigen und inspirierenden Mischung aus Lesung, persönlichen Anekdoten und musikalischer Begleitung. 

Allgemein

Frankfurter Buchmesse 2024 – Teil 2

Am Nachmittag der Frankfurter Buchmesse habe ich mir die Buchvorstellung von Ursula Poznanski angeschaut, die ihren neuen Jugendbuch-Thriller „Scandor“ präsentierte. Von Ursula Poznanski habe ich immer mal wieder Bücher gelesen, sie ist bekannt dafür sehr regelmäßig vor allem Thriller für Erwachsene und Jugendliche herauszubringen (wobei man letztere auch als Erwachsene sehr gut lesen kann), die sich meist mit Utopien und Zukunftsthemen beschäftigen und die trotz hohen Outputs immer durch eine hohe Qualität überzeugen. In „Scandor“ geht es um einen besonderen Wettbewerb, in dem 100 Menschen mit einem neuartigen Lügendetektor am Arm gegeneinander antreten. Wer lügt fliegt raus, der Gewinner bekommt 5 Millionen Euro. 

Ursula Poznanski wurde zu ihrem Schaffensprozess befragt, sie veröffentlicht in der Regel zwei Bücher im Jahr, an denen sie ca. 4-5 Monate schreibt und im Hinterkopf entwickelt sie während sie ein Buch schreibt oft schon Ideen für das nächste. Sie betonte dass es sich bei der schriftstellerischen Arbeit einfach auch um einen Beruf handelt und sie sich jeden Tag hinsetzt mit dem Ziel ca. 1500 Worte zu schreiben. Außerdem wurde sie gefragt wie und wann sie entscheidet ob ein Buch ein Jugendbuch wird oder ein Thriller für Erwachsene, was sich laut ihr immer sehr schnell von selbst ergibt. Erstens sind in Jugendbuch-Thrillern für sie die meisten Gewaltszenen (wie z.B. die Auffindung eines abgetrennten Fingers) nicht denkbar und zweitens haben die Jugendbuch-Thriller in der Regel sehr junge Protagonisten. Wobei ich sagen muss, dass ich schon Bücher von ihr gelesen habe, wo ich nicht sicher hätte sagen können, ob es jetzt ab 14 ist oder für Erwachsene, was daran liegt, dass ihre Thriller glücklicherweise generell nicht sehr gewalttätig oder blutrünstig sind (was ich bei Thrillern überhaupt nicht mag, wenn man das Gefühl hat, dass Thriller-Autor:innen Gewalt nur um der Gewalt willen in ihre Bücher einbauen). Mir hat das Interview mit der sehr charismatischen Schriftstellerin sehr gut gefallen.

Ursula Poznanski im Gespräch

Ich schaute im Anschluss noch kurz bei der Signierstunde von Desiree Nick vorbei, die ihr neues Kochbuch promotete und ich sehr gerne sehen wollte wie sie in echt aussieht. Ich kann sagen, absolut fantastisch! Ich mag Desiree Nick trotz oder gerade wegen ihrer scharfzüngigen Art und häufigen Provokationen. Auf der Buchmesse war sie aber gar nicht scharfzüngig, sondern kümmerte sich sehr herzlich um die oft erst etwas schüchternen Menschen in der Schlange. Mein Highlight war ein Schüler, der offenbar im Rahmen eines Schulausflugs da war und sich sein Deutsch-Heft mitten zwischen den Aufgaben signieren liess (was Desiree Nick zu der Aussage brachte, dass sie sich wundert, dass die Schüler heutzutage immer noch von Hand schreiben). 

Desiree Nick signiert

Danach schlenderten meine Freundin und ich noch etwas durch die Halle 3.1, von der wir noch lange nicht alles geschafft hatten und schauten uns auch die etwas kleineren und abgelegenen Stände an. Wie immer begegnet man dabei einigen eher links- oder rechtsextremistischen Verlagen (die irgendwie immer auch durch ein besonders unprofessionelles und abschreckendes Design auffallen) oder extrem esoterischen oder religiösen Anbietern (mein Highlight dieses Jahr war irgendeine Gruppierung die vor Patientenverfügungen warnte), aber auch kleinere Nischenverlage und Regionalverlage. Ich freute mich vor allem den hier in Bawü ansässigen Pinguletta Verlag zu entdecken, von dem ich dieses Jahr zwei gute Bücher bzw. Buchreihen gelesen habe (die „Wintertöchter“ Trilogie von Mignon Kleinbek und „ALS und andere Ansichtssachen“ von Christian Bär, beides sehr empfehlenswert).

Noch ein Fotospot in Action

Zum Ende des Besuchs der Buchmesse gab es dann noch ein richtiges Highlight, meine Freundin hatte zwei Plätze bei einem Meet and Greet mit Frank Schätzing ergattert und mich als ihre Begleitung mitgenommen. Frank Schätzing stellte dort seinen neuen (schon vom Umfang her sehr epischen) Roman „Helden“ vor. Ich hatte im Vorfeld schon etwas dazu recherchiert und herausgefunden, dass es sich dabei um eine Fortsetzung zu einem in Köln spielenden Mittelalter Krimi namens „Tod und Teufel“ handelt. Etwas verwirrt war ich deswegen trotzdem, hatte ich doch überhaupt nicht mitbekommen, wann Frank Schätzing in dieses Genre gewechselt ist. Die Auflösung kam dann am Anfang des Gesprächs, denn erst da realisierte ich, dass Frank Schätzing diesen ersten Band schon vor 30 Jahren geschrieben hatte (was nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, da er aufgrund der „Fortsetzung“ dieses Jahr neu herausgebracht wurde und ich nur das neue Erscheinungsdatum gesehen hatte).

„Helden“ erzählt nun also die Geschichte des Hauptcharakters des alten Romans weiter, allerdings nicht mehr in Köln, sondern in Schottland in den Highland und wohl als komplett unabhängige Geschichte, so dass man den neuen Roman auch für sich alleine lesen kann (was ich wohl vermutlich auch machen werde, den den neuen Band habe ich nun schon da). Frank Schätzing, der mit seiner sehr freundlichen Ehefrau zusammen da war, erzählte Einiges zur Entstehungsgeschichte des Romans, zu seinen Recherchen und dazu wie und wieviel am Tag er schreibt (Spoiler: ich finde sehr lange), was sehr interessant im Vergleich zu Ursula Poznanski war (die natürlich deutlich mehr Bücher in kurzer Zeit und dafür aber deutlich weniger komplexe Bücher schreibt). Sehr spannend auch, dass er die Arbeit an dem Buch zwischendrin unterbrach, um ein Sachbuch über den Klimawandel zu schreiben, nachdem er sich so sehr über eine Journalistin geärgert hatte, die bei einem gemeinsamen Event zum Thema Klimaschutz versucht hatte ihn und Carla Reemtsma gegeneinander auszuspielen, anstatt an konstruktiven Lösungen und Diskussionen interessiert zu sein.

„Helden“ von Frank Schätzing

Ein weiterer Punkt, der „Helden“ besonders macht ist die wirklich beeindruckende Marketing Kampagne und das Design des Buchcovers und des Drumherums (z.B. visuell tolle Charakter-Karten für alle wichtigen Protagonisten). Alle Visuals zum Buch wurden von Frank Schätzing mit KI erstellt und obwohl ich bei KI-generierten Bildern wirklich sehr kritisch und eher ablehnend bin, muss ich sagen, dass das wirklich sehr sehr gut gelungen ist, die Bilder sind extrem atmosphärisch und ästhetisch (gut, man denkt sofort an eine Hochglanz Netflix Serie, die irgendein Cross-Over zwischen Games of Thrones und Herr der Ringe beinhaltet, aber man bekommt auf jeden Fall sofort einen Eindruck vom Stil der Geschichte und auch die Charakterkarten sind wirklich gelungen und vermitteln durchaus eine Persönlichkeit der Protagonisten). Als jemand, die schon immer über Cover und visuelle Darstellungen auf Bücher aufmerksam ist, finde ich dieses Cover und Marketing wirklich zu 100% gelungen und es macht sofort Lust das Buch zu kaufen.

Das ganze Meet & Greet ging super schnell rum und war sehr unterhaltsam und damit eine hervorragende Abrundung der Buchmesse. Danach begaben wir uns wie immer mit Sinneseindrücken etwas überladen, aber glücklich, auf den Heimweg. Hoffentlich bis zum kommenden Jahr!

Allgemein

Buch-Tipp: „Simón“ von Miqui Otero

„Simón“ von Miqui Otero ist ein märchenhaft anmutender Roman aus Spanien. Im Zentrum steht der junge Simon, der quasi in der Bar seiner Familie in Barcelona aufwächst. Geführt wird diese gemeinsam von seinen Eltern und seinem Onkel und seiner Tante. Deswegen ist sein älterer Cousin Rico fast so etwas wie ein Bruder für ihn, cool und fast mystisch, den er bewundert und vergöttert. Ansonsten in der Schule nicht sehr beliebt, sondern als eher merkwürdig angesehen, hat Simon noch Estela, das exzentrische Nachbarsmädchen als Spielgefährtin und seine Bücher, die Rico im schenkte. Dazu viele schrullige Barbesucher, die seine Kindheit prägen. Diese erfährt aber einen drastischen Einschnitt, als sein Cousin Rico nach einer wilden Ausgehnacht zu der er Simon mitnahm einfach verschwindet. Ist er abgehauen, ist ihm etwas passiert, war jemand hinter ihm her? Und warum fragen ihn ständig Bekannte von Rico nach einem angeblichen Schatz? Die Familie redet nicht über Rico und Simon bleibt in Ungewissheit zurück, bis er eine Nachricht in einem Buch findet.

Es ist recht schwierig zu beschreiben, was „Simón“ für ein Buch ist. Einerseits hat es etwas märchenhaftes, was auch im Erzählstil widergespiegelt wird, andererseits ist es aber auch einfach eine Geschichte übers Erwachsenwerden, in der wir Simon über mehrere Jahrzehnte begleiten. Er träumt davon ein erfolgreicher Starkoch zu werden, reich und erfolgreich ´, lehnt seine Kindheit und Herkunft hat und vergisst auf einem kurzen Höhenflug fast seine alten Freunde…bis er unsanft auf dem Boden der Tatsache landet. Dazu ist der Roman aber auch ein Buch über Spanien, über Barcelona und über die Schwierigkeiten der jungen Generation dort zu „überleben“. Simon sucht seinen Cousin Rico und sich, der Leser wird auf diese Reise mitgenommen, in einem bunten und außergewöhnlichen Entwicklungsroman, der mir gut gefallen hat, auch wenn man sich auf eine etwas verspielte Sprache einlassen muss.

Allgemein, Fitness, yoga

Yez Yoga Festival in Stuttgart – Ein Tag voller Yoga

Heute geht es zur Abwechslung mal wieder nicht um Bücher. Denn ich möchte von einem tollen (noch relativen neuen) Event für Yogafreunde in Stuttgart erzählen, dem Yez Yoga Festival. Das Yoga Festival fand dieses Jahr schon zum 2. Mal statt und wird organisiert von dem Fußballer und Ex-Bundesliga-Spieler Timo Hildebrand, sowie dem Stuttgarter Yoga-Studio Yoga13. Zusammen mit einer guten Freundin war ich schon letztes Jahr bei der Premiere dabei und absolut begeistert, aber vielleicht damals zu erschöpft um darüber zu berichten? 😉 Keine Ahnung, aber dieses Jahr möchte ich die Gelegenheit auf jeden Fall nützen etwas detaillierter über das Festival zu schreiben.

Es dauert 2 Tage und findet in der Carl-Benz-Arena in Stuttgart statt (direkt neben dem Fußball-Stadion). Wir hatten uns sowohl letztes Jahr als auch dieses Jahr für ein Tagesticket für den Samstag entschieden. Der Yoga-Samstag geht dabei von 9:00 bis 20:00 und es werden jeweils Einheiten in 2 unterschiedlichen Spaces angeboten, einmal 8 teilweise sehr unterschiedliche Yoga-Sessions im großen Main Space und dazu noch kleinere Workshops (zum Beispiel zum Thema Blackroll, therapeutisches Yoga für den Rücken oder Faszientraining) in kleinem Blackroll Space. Dazu gibt es noch einen Shop- und Ausstellungsbereich mit Ständen von den zahlreichen Sponsoren (auch Shopping technisch wäre also Einiges geboten, allerdings bin ich Yoga-mäßig sehr gut ausgerüstet) , sowie einen Catering Bereich mit sehr sehr leckeren ausschließlich veganen Leckereien und Mittagsgerichten (wir entschieden uns für eine gebackene Süßkartoffel, mit Chutney, Linsen und Salat, eine sehr gute Entscheidung).

Von der Atmosphäre her muss man sich sicher etwas umstellen, wenn man in Kursen kleine ruhige Yoga-Klassen gewohnt ist oder zuhause praktiziert. Denn auf dem Main Floor reihen sich hunderte Matten neben und hintereinander und auch die Umgebungsgeräusche sind recht vielfältig (so ist z.B. der Ausstellungsbereich und der kleine Space nur mit einem Vorhang vom Main Space getrennt, so dass man hört wenn dort parallel Veranstaltungen stattfinden oder Menschen laut reden und lachen). Allerdings muss ich sagen, dass das erstens wohl dem typischen Yoga in Indien deutlich näher kommt als das „verwestlichte Feelgood-Entspannungs-Yoga“, das hier so weit verbreitet ist und zweitens, dass ich mich irgendwie in so einer Menschenmenge tatsächlich teilweise besser auf mich selbst fokussieren konnte als zuhause oder in einer ganz ruhigen Umgebung, wo jedes kleines Geräusch um so mehr auffällt. Ein tolles Erlebnis und spätestens bei Mantras oder kurzes Chants wird das Gruppenerlebnis definitiv um so eindrucksvoller.

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Eröffnungsrede von Timo Hildebrand mit dem Yez Yoga Orga Team

Wie auch letztes Jahr nahmen wir ausschließlich an den Sessions im Main Space teil.Von den 8 angebotenen Yoga-Klassen haben wir auch dieses Jahr wieder 6 Stück „geschafft“, was eine zusammengerechneten Netto-Yoga-Zeit von 6:45 h ergab. Im letzten Jahr hatten wir es genauso gemacht und ich muss sagen, dass ich danach wirklich ziemlich erschöpft war. Dieses Jahr fielen mir die 6 Sessions im Vergleich geradezu leicht (obwohl auch wieder 2 sehr anspruchsvolle und sportliche dabei waren). Dabei denke ich, dass 2 Faktoren zusammen kamen: erstens bin ich tatsächlich schon deutlich fitter und geübter (letztes Jahr fielen mir einige Übungen wie Side-Planks und dynamische Übergänge mit vielen Chaturangas noch sehr schwer, dieses Jahr war ich da fast schon im Flow), zweitens war finde ich das Programm für den Samstag auch noch ein bisschen „cleverer“ aufgebaut. Letztes Jahr kamen fast alle anstrengenden Stile und Sessions am Stück und erst ganz am Ende ruhigere Stile wie Yin Yoga. Diesmal startete das Festival mit 3 kraftvollen Sessions, gefolgt von 2 ruhigeren bzw. alternativen, um dann am Ende nochmal Aktivität aufzunehmen. Ich denke, so kann der Körper zwischendrin auch besser regenerieren. Jedenfalls hätte ich denke ich dieses Jahr auch alle 8 Sessions am Samstag geschafft, allerdings wollten wir in Ruhe Mittagessen und die letzte Session ließen wir dann auch aus, um ums nicht ganz so spät auf den Heimweg zu machen.

Die Yoga-Stile waren dabei wieder abwechslungsreich und gut gemischt. Der Morgen begann mit einer langsamen klassischen Vinyasa Einheit mit Susanne Klingenstein aus Stuttgart zum Aufwärmen, gerade richtig um den Körper auf Betriebstemperatur zu kriegen 😉

Danach folgte das für mich erste große Highlight, die Jivamukti Session mit Gabriele Bozic aus München. Jivamukti Yoga habe ich erst wenige Male gemacht, ist aber ein relativ moderner Stil der definitiv sehr viel Spaß bereitet und durch die Kombination mit teilweise sehr mitreissender Musik unglaublich viel Energie im Körper erzeugt. Irgendwie fühlt man sich egal wie anstrengend es ist, hinterher kraftvoller als vorher. Außerdem hat Gabriela eine sehr charmante und humorvolle Art, die unheimlich motiviert.

Die Anusara Session mit Kat Swenson war herausfordernd und mit sehr klaren Anweisungen angesagt, die für diesen Yoga Stil, der sehr auf korrekte Ausführung und Ausrichtung bedacht ist, typisch und passend sind. Ich fand den Kontrast zwischen der sehr spielerischen Vermittlungsform von Gabriele Bozic und der etwas „autoritär“ (im positiven Sinne) wirkenden Kat Swenson etwas amüsant, so direkt hintereinander.

Nach der Mittagspause kam die für uns „experimentellste“ Stunde, nämlich eine Budokon Einheit mit Carola Fassl aus Wien. Dabei handelt es sich um eine interessante Mischung aus Bewegungen, die z.B. aus dem Kampfsport, aus Contemporary Dance und Animal Movements stammt und komplett im freien Raum ohne Matten stattfand. Mir hat es sehr gut gefallen, da man gezwungen war sich etwas aus seiner Komfortzone raus zu bewegen. Grad für introvertierte Menschen immer eine gute Sache! Außerdem würde ich mich generell gerne auch mehr mit Tanz beschäftigen.

Die nächste Klasse war wieder ein herausforderndes Highlight, eine weitere Jivamukti Stunde, diesmal mit Tobias Holzinger von Yoga13 . Diese Stunde verband wieder perfekt Humor, Musik, Chants, wirklich anstrengende Asanas und eine sehr kreative Session-Gestaltung.

Zum Abschluss gab es dann wieder komplettes Yoga-Neuland für mich: „Therapeutisches Fliegen“ mit Afia Joy Adu-Sanyah aus Frankfurt. Therapeuthisches Fliegen ist eine Art des Paar-Yogas, das auf den ersten Blick dem Acro-Yoga ähnelt, aber so wie ich verstanden habe eher einen therapeutischen Fokus in der Auswirkung der Übungen hat. Meiner Freundin und mir war es fürs erste Mal definitiv schon akrobatisch genug 😉 Die Übung, die wir in der Einheit gezeigt bekamen und dann auch selbst ausprobieren durften, war diese hier: https://www.instagram.com/p/BYsagFylarN/

Da wir es etwas anspruchsvoll fanden, das gleich als 2 komplette Anfänger zusammen zu probieren, waren wir froh, dass wir als dritte Partnerin eine schon etwas erfahrenere Yoga-Schülerin ins Team holen konnten, die die Übung schonmal gemacht hatte. So klappte es dann tatsächlich besser als wir erwartet hatten und war ein spannendes Erlebnis! Etwas schade war lediglich, dass die Session mit einer Länge von 45 Minuten etwas knapp bemessen war.

Danach begaben wir uns hochzufrieden und voller toller Anregungen für die eigene Yoga-Praxis auf dem Heimweg! Ich kann das Festival allen yoga-begeisternten (mit mindestens guten Grundkenntnissen in einer gängigen Yoga-Richtung) nur empfehlen. Falls es in eine 3. Runde geht, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

 

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Roman-Biografie über Michael Ende: „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“ von Charlotte Roth ist eine Romanbiografie über den Schriftsteller Michael Ende. Wie vermutlich die meisten Kinder habe ich dessen berühmtesten Bücher „Lukas und der Lokomotivführer“, „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ als Kind begeistert gelesen (und vor allem die Augsburger Puppenkisten Adaption vom Lukas geliebt). Mit seinem Leben und seiner Entwicklung als Autor habe ich mich aber nie näher beschäftigt. Trotzdem hat mich die Idee einer Romanbiografie über sein Leben sofort angesprochen, schon alleine durch den sehr faszinierenden und inspirierenden Titel.

Die Geschichte beginnt schon vor der Geburt Michael Endes, mit dem Kennenlernen seiner Eltern Edgar Ende und seiner Mutter Luise. Edgar Ende ist Künstler und Maler, vor und auch nach Michaels Geburt in Garmisch-Partenkirchen nur mit sehr wechselhaftem und unzuverlässigem kommerziellen Erfolg gesegnet. Michaels Mutter liebt ihren kleinen Sohn abgöttisch, eine Liebe die schon in den ersten Jahren des Familienlebens bei mir beim Lesen ein etwas unwohles Gefühl hervorrief, obwohl nichts im Text eine Erklärung dafür lieferte. Das das Gefühl etwas gerechtfertigt war, zeigte sich im späteren Verlauf des Buches allerdings noch, denn die Liebe von Michaels Mutter erschien dann später doch oft als durchaus „erdrückend“. Auch der starke Zusammenhalt der armen aber glücklichen Familie aus den ersten Jahren bleibt nicht lange erhalten, so dass Michaels Kindheit zuerst durch viele erbitterte Streitereien der Eltern und dann auch noch durch die Gräuel der Nazi-Zeit geprägt sind. Trotzdem bekommt Michael von seinen Eltern schon immer ein Faible für Kunst, Fantasie und Träumereien vermittelt. Nachdem es beruflich für seinen Vater zuerst etwas bergauf ging, wird dessen Kunst während der Nazizeit zu entarteter Kunst erklärt und verboten, die Familie landet wieder ganz am Anfang und kann sich nur durch die Arbeit der Mutter als Heil-Masseurin mit Mühe und Not in einer kleinen Münchner Wohnung über dem Wasser halten.

Beeindruckend fand ich bei dem Teil der Geschichte die Erzähl- und Bildkraft der Autorin Charlotte Roth, die den Einfluss der schwierigen Zeit auf das Kind Michael so lebhaft vermittelte, dass es für mich eine der eindrücklichsten und bewegendsten Schilderungen einer Kindheit im 3. Reich war, auch wenn das hier nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte ausmachte. So lernte ich auch in diesem Buch das erste Mal welchen Einfluß diese Kindheitserfahrungen zum Beispiel auf die Entstehnung von „Momo“ waren und was Hintergrund und Inspiration für die Zeit stehlenden Grauen Herren waren, etwas das mir als Kind nicht bewußt war.

Der 2. Teil des Buches beschäftigt sich dann entsprechend einerseits überwiegend mit Michael Endes schriftstellerischer Karriere, die durch bemerkenswert viele Zweifel, Schreibblockaden und Fehlschläge geplagt war und andererseits mit seinen Beziehungen zu seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, deren großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen, sowie seinem etwas schwierigem Verhältnis zum Thema Treue. Besonders interessant fand ich auch zu erfahren wie schwierig und für den Autor deprimierend der Prozess der Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ verlief und wie unzufrieden und verhasst der endgültige Film für Michael Ende war (er wurde nur unter Androhung einer für seinen Verlag und ihn selbst existenzbedrohenden Klage dazu genötigt sich nicht mehr gegen den Film zu positionieren) . Da ich den Film als Kind gar nicht so schrecklich fand (obwohl ich die Kritik von Michael Ende aus dem Buch jetzt im Nachhinein schon gut nachvollziehen kann und es auch als Kind schon etwas merkwürdig fand, dass Fuchur aussieht wie ein putziger Hund), war das quasi erst mal etwas schockierend. Aber genauso habe ich erst dieses Jahr erfahren, dass Stephen King die doch sehr kultige Verfilmung von „Shining“ mit Jack Nicholson hasste. Vermutlich kommt es gar nicht so oft vor, dass eine Romanverfilmung die künstlerischen Ansprüche des Autors erfüllt.

Sprachlich und stilistisch fand ich das Buch wirklich herausragend und auch sonst hat es mir immens Spaß gemacht auf diese Art und Weise mehr über den Autor Michael Ende und seine Werke zu erfahren. So erhält man als Leser nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Texten und Figuren eines Autors und ich habe richtig Lust bekommen die Klassiker von Michael Ende unter diesen neuen Voraussetzungen mal wieder zu lesen. Fans von Biografien (man sollte sich bewusst sein, dass bei einer Romanbiografie der künstlerische Ausdruck vor 100% Faktentreue steht, was im Vorwort auch betont wird) und Fans von Büchern über Autoren und Literatur, sowie allen Lesern, die Michael Endes Bücher mögen empfehle ich das Buch uneingeschränkt.

Allgemein, yoga

Yoga-DVD: „Fluid Yoga“ von Klaus Busch & Tülin Sensan

Heute möchte ich gerne eine außergewöhnliche Yoga-DVD vorstellen, die mir freundlicherweise von Klaus Busch von Fluid Yoga & GetFluid aus Bremen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde.

Ich war recht gespannt auf die DVD, da die Yoga Richtung „Fluid Yoga“ sich laut Trailer und Beschreibung doch etwas von den mir bekannteren Richtungen unterscheidet (ich mache im Kurs Iyengar Yoga habe zusätzlich schon einige Erfahrungen mit Stilen wie Vinyasa, Anusara und Jivamukti gesammelt). Allerdings muss man sofern man schon etwas Hatha Yoga Erfahrung hat keine Sorge haben, dass das Fluid Yoga sich zu sehr von den bekannteren Richtungen unterscheidet. Wenn ich es beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es vergleichbar mit einer sehr sehr ruhigen Version von Vinyasa Yoga ist. Die Übungen werden zwar dynamisch ausgeführt, allerdings quasi in Zeitlupe und mit sehr sehr viel Fokus auf Details und Mikrobewegungen.

Auf der DVD gibt es eine kurze Einleitung, die sehr schön und stimmungsvoll gefilmt ist (hinterlegt mit schönen herbstlichen Naturaufnahmen) und in der die Hintergründe und Intention der DVD kurz erklärt werden. Man merkt dabei, dass auch sehr viel Wert darauf gelegt wurde eine besonders ästhetische DVD zu erstellen.

Der Praxisteil besteht aus 5 Übungsreihen und einer Tiefenentspannung. Die Yoga-Sequenzen sind in sehr reduziertem Rahmen gefilmt, mit voller Konzentration auf den Lehrer. Die Anweisungen weichen von „typischen“ Ansagen (z.B. aus dem Vinyasa Yoga) etwas ab, sind aber gut verständlich und auch recht intuitiv, so dass ich persönlich ohne größere Schwierigkeiten direkt damit zurecht kam. Allerdings wird nicht jede auszuführende Bewegung genau angesagt, so dass es nützlich sein kann, sich die Yoga-Übungsreihen vor dem Mitüben einmal anzuschauen.

Die einzelnen Module möchte ich hier kurz im Detail vorstellen:

  • Sonnengruß: eine ca. 14-minütige Interpretation eines Sonnengrußes bei der jede Seite je einmal sehr detailliert und präzise durchlaufen wird. Die Sequenz ist eher einfach und damit am Ehesten auch für komplette Einsteiger geeignet, vorausgesetzt man schaut sich die Sequenz vorher in Ruhe an.
  • Halbmond: eine kurze 7-minütige Einheit rund um den Halbmond, mit Dreiecksvarianten, dem klassischen Halbmond und einer seitlichen Halbmond Dehnung. Bei dieser Übungsreihe empfiehlt es sich auf jeden Fall die kurze Sequenz einmal komplett anzuschauen, bevor man sie selbst mitmacht, da nicht auf beiden Seiten alles detailliert angesagt wird und es im Dreieck nicht möglich ist, gleichzeitig auf den Bildschirm zu sehen. Ich habe direkt mitgemacht und dafür aber alles gleich 2x wiederholt. Fasziniert war ich davon wie stark meine Beweglichkeit sich durch/während dieser kurzen Sequenz verbesserte
  • Mondgruß: Der Mondgruß ist eine Reihe, die komplett im Sitzen und Liegen ausgeführt wird, aber gleichzeitig die vermutlich anspruchsvolle Sequenz, denn es handelt sich um eine 15-minütige Mischung aus Vorbeuge und Boot gefolgt von diversen Pflug und Schulterstand Variationen. Gerade wenn man den Pflug oder den klassischen Schulterstand noch nicht zu 100% beherrscht, sollte man mit dieser Reihe vorsichtig sein. Ich fand sie aber mit am Interessantesten, da ich Pflug und Krähe noch nie auf so eine dynamische und spielerische Art und Weise ausgeführt habe. Ich denke, das ist eine Sequenz mit der man sich immer wieder beschäftigen kann. Außerdem werden die Bauchmuskeln sehr gut beansprucht. Auch hier empfehle ich die Sequenz zuerst anzuschauen.
  • Vorwärtsbeugen: Eine ca. 12 minütige Sequenz aus mehreren Vorwärtsbeuge- Variationen im Sitzen inkl. gedrehter Varianten. Das ist eine Sequenz, die für mich persönlich herausfordernd ist, da meine Dehnfähigkeit in Vorwärtsbeugen nicht gerade überragend ist, aber auch hier war ich wieder extrem überrascht, wie sehr sich das innerhalb kürzester Zeit verbesserte, so einen starken Effekt in so kurzer Zeit hatte ich bisher weder in statischen Iyengar Yoga Stunden noch in dynamischen Vinyasa Einheiten. Die Methode die Asanas durch kleine und langsame vibrationsartige Bewegungen auszuführen scheint also wirklich nochmal eine besondere Wirkung auf den Körper zu haben.
  • Liegende Bäume: Wie der Name schon verspricht, handelt es sich hier um eine Sequenz (ebenfalls knapp 15 Minuten), die komplett im Liegen ausgeführt wird und diverse (auch gedrehte) Baum-Varianten und Bein-Dehnungen erhält. Wer keine besonders gute Beweglichkeit in der Hüfte und in den Beinrückseiten hat, sollte für diese Sequenz einen Yoga-Gurt bereitlegen.
  • Tiefenentspannung: eine klassische 12-minütige Tiefenentspannung (beginnend vom Kopf bis zu den Füßen angeleitet), die mir zu Abrundung der DVD sehr gut gefallen hat.

Zusätzlich enthält die DVD ein Lexikon (Liste der Asanas in den einzelnen Übungsreihen) . Alle Texte und Ansagen können wahlweise in Deutsch oder Englisch abgespielt werden. Musikalisch untermalt sind die Videosequenzen mit Gitarrenklängen.

Insgesamt hat mir die Yoga-DVD sehr gut gefallen, die einzelnen Übungsreihen sind durchdacht und abwechslungsreich und auch wenn es kein körperlich extrem forderndes Yoga ist, wirken die Asanas durch die langsamen Mikrobewegungen sehr intensiv und erhöhen Körpergefühl und Beweglichkeit auf sehr effektive Art und Weise. Ich hatte bisher noch nicht die Zeit alle Übungsreihen direkt hintereinander auf einmal zu üben, stelle mir das aber sehr intensiv vor und freue mich darauf, das demnächst einmal auszuprobieren.

Empfehlen würde ich die DVD für jeden außer für komplette Neueinsteiger ins Yoga, da man die einzelnen Asanas aus meiner Sicht erstmal unter Anleitung kennen lernen sollte, um Fehler in der Ausführung zu vermeiden (davon Yoga ausschließlich im Selbststudium zu lernen halte ich sowieso nichts, da ich das Risiko sich Fehler anzugewöhnen oder sich sogar zu schaden für zu hoch halte). Für fortgeschrittene Anfänger oder Fortgeschrittene ist sie aber auf jeden Fall zu empfehlen und vor allem für jeden, der einmal eine neue Sicht auf für ihn bekannte Yoga-Asanas und einen etwas anderen Stil  kennen lernen möchte. Für mich war der größte Aha-Effekt bei dieser Yoga-Richtung wie sehr man seine Dehnfähigkeit und Beweglichkeit mit so kurzen ruhigen Einheiten verbessern kann, außerdem mochte ich die ruhige fast meditative Atmosphäre der DVD total gerne, die auch dazu führt, dass man sich ganz wunderbar konzentriert darin vertiefen kann.

Weitere detaillierte Informationen zur DVD und zu den Übungsreihen, sowie ein FAQ, findet man auch auf der zugehörigen Internetseite http://www.fluid-yoga.de

 

 

Allgemein, Bücher

Lesetipp: „Visions of Hanna“ von Rascha Peper

Die letzten beiden Wochen war ich zur Abwechslung einmal mit einem älteren Roman beschäftigt, der bereits 2003 in der 1. Auflage erschien und
den ich aus einer Bücherkiste entnommen habe. Da ich wie alle Bücherbegeisterten dazu neigte viel zu viele Bücher anzuhäufen, kaufe ich inzwischen nur noch sehr selten Bücher und lese stattdessen auch viel auf dem eReader. Physische Bücher lasse ich mir meist nur noch zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken oder bekomme sie entweder geliehen oder eben aus Büchertauschecken, die es ja zum Glück immer häufiger gibt.

„Visions of Hanna“ von der niederländischen Autorin Rascha Peper ist ein Familienroman mit einer eher ungewöhnlichen „Hauptfigur“.
Hanna – die dem Buch den Titel gibt – ist nämlich längst tot. Der Leser erfährt am Anfang des Buches nur vage, dass Hanna nach einem Bootsunglück auf offenem Meer mit einer Yacht versunken ist und und ihre Leiche mitsamt dem Boot nie geborgen wurde. Wie es genau dazu kam bleibt am Anfang offen. Trotzdem bleibt sie zentrales Thema des Buches, denn die Charaktere des Buches haben alle nie wirklich mit Hannas Tod abgeschlossen. Eeder ihr Vater, ein pensionierter Schneider, noch ihr Ex-Freund Gerard, ein Meeresforscher, der inzwischen in New York lebt und auch nicht dessen bester Freund Robin, der Hanna vor Jahren Gerard ausspannte, was zu einem Verwürfnis zwischen den beiden führte. Robin ist Taucher und besessen von dem Gedanken Hanna doch noch zu bergen, auch wenn ihm die Motive dafür selbst nicht 100% klar sind. Auch Emma, Hannas 15-jährige Nichte, ist merkwürdig faszinierend vom Schicksal ihrer Tante und verliebt sich dann auch noch mit der ganzen Leidenschaft einer 15-jährigen in den 37-jährigen Robin.

Die Erzählweise des Buches ist eher ruhig und gemächlich, aber für mich nie langweilig, vor allem weil die Geschichte viel leisen Humor und einen gewissen Hang zur Skurrilität mitbringt. Auch wachsen einem die unterschiedlichen Charaktere in Windeseile ans Herz, so dass die Geschichte mich trotz der relativ wenig „Handlung“ im klassischen Sinn sofort in den Bann zog und auch sehr gut unterhielt. Im Prinzip geht es in dem Buch darüber wie die betroffenen Personen mit Verlusten umgehen, wie sie versuchen ihr eigenes Leben mehr schlecht als recht weiter zu leben und um Versöhnung. Besonders gut gefallen haben mir dabei als Charaktere Emma und ihr Onkel Gerard, in dessen Leben sich auch noch eine Vielzahl weiterer sehr skurril und unterhaltsam ausgearbeitete Nebencharaktere tummeln.

Nicht ganz schlüssig war für mich die Bedeutung eines anderen Charakters (mit einem etwas merkwürdigen Fetisch), der keinen wirklichen Bezug zu Hanna hat, außer dass er am Ende zufällig eine Entdeckung macht, die etwas mit ihr zu tun hat. Außerdem war ich nicht 100% zufrieden mit dem Ende des Buches, das eine etwas vage Andeutung enthielt, die aber nie wirklich aufgelöst wurde. Wirklich überrascht hat mich diese Wendung auch nicht, aber sie hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen hat, da ich sie auch eher unnötig fand. So erweckte das Buch für mich den Eindruck eines wirklich lesenswerten, liebenswerten Romans bei dem ich mir nicht sicher bin ob die Autorin wirklich wusste worauf sie mit dem Buch am Ende heraus will.

 

Allgemein, Bücher

Besondere Short Stories: „Cat Person“ von Kristen Roupenian

Heute möchte ich einen Kurzgeschichtenband vorstellen, der für mich wirklich aus der Masse der Bücher herausgestochen ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
„Cat Person“ von Kristen Roupenian ist eine Sammlung von 12 Stories. Die titelgebende Geschichte wurde ursprünglich im New Yorker veröffentlicht, über einen Internet Hype bekannt und von Feuilleton-Zeitschriften mit Lob und Superlativen geradezu überhäuft. Laut THE GUARDIAN ist „Cat Person“ 2,6 Millionen mal geteilt worden und somit die ‚meistdiskutierte Story aller Zeiten‘ (ich vermute geteilt heißt auf Twitter, was ich nicht nutze und ergo hätte ich die angeblich meistdiskutierte Story aller Zeiten schlicht überhaupt nicht mitbekommen , wäre ich nicht beim Stöbern auf den Kurzgeschichten-Band gestoßen 😉 Spannend hierbei ist, dass die Geschichte wohl wirklich viral im Internet so oft verbreitet wurde, dass die Autorin allein daraus einen millionenschweren Vertrag für den zugehörigen Kurzgeschichten-Band bekommen hat, eine Art als Schriftsteller einzusteigen, die denke ich auch heute noch eher eine Ausnahme darstellt.

Mich machen solche übertriebene Lobpreißungen allerdings meist eher etwas skeptisch und da ich in letzter Zeit sowieso eine Pechsträhne mit Büchern hatte, die mich nicht wirklich überzeugt haben, ging ich eher ohne allzu große Erwartungen an das Buch heran. Auch lese ich das Genre Kurzgeschichten eher selten. Die Frage ist also, wie fand ich das Buch: Überraschenderweise muss ich sagen, dass es mich wirklich vom Hocker gehauen hat, denn die Geschichten sind kreativ, gemein, böse, brilliant geschrieben, teilweise schockierend, irritierend, anregend und kurzweilig, oft auch witzig…wirklich bemerkenswert etwas inhaltlich und stilistisch derart auf den Punkt gebrachtes und brilliant geschriebenes als Debut herauszubringen.

Trotz meiner Lobeshymne wird das Buch vermutlich nicht für jeden etwas sein, denn es ist wie jemand anders irgendwo treffend schrieb kein „nettes“ Buch. Die Geschichten legen schonungslos die Abgründe menschlicher Begierden, Sehnsüchte und verkorkster Beziehungen offen und sind dabei auch oft noch auf eine Art und Weise gemein, die mich an Roald Dahl denken lies (obwohl die Stories vom Inhalt her eigentlich völlig anders sind und natürlich weitaus moderner).

Die „Hype-Geschichte“ Cat Person fand ich auch wirklich gelungen, darin geht es um eine junge Frau (gerade dem Teenager Alter entwachsen), die einen älteren Typen kennenlernt und nach einer spaßigen und charmanten Chat-Flirt-Arie mit ihm ins Bett steigt, nur um festzustellen, dass das reale Erlebnis doch eher ein Erwachen mit Schrecken ist, es geht um Begierde, Flirten, schlechten Sex,…trotzdem ich die Story wirklich gut fand, gibt es doch einige Geschichten, die ich zwar einerseits skurriler, aber andererseits sogar noch einen Ticken genialer fand. Die meisten Geschichten im Buch beschäftigen sich mit den Irrungen und Wirrungen von sexuellen Beziehungen zwischen Frau und Mann oder Frau und Frau, es gibt aber auch einige Geschichten in denen einen Mutter-Kind Beziehung im Vordergrund steht oder die aus Sicht eines Kindes erzählt wird.

Allgemein

Back to the ice rink – Figure Skating World Championships in Helsinki – Part 1

Note: This and the following blog entries are in English, because the topic is at least partly figure skating and I have more English speaking Facebook friends that might be interested in reading a report about skating than German ones 😉

Some years ago I was a really huge figure skating fan and my friend S. and I attended big events (usually Europeans, Worlds or the former Grand Prix in Gelsenkirchen) practically every year. Nowadays I’ve lost a bit of interest in skating, so we’ve only been travelling to a small local competition every year (Nebelhorn Trophy in Oberstdorf). But his year the combination of the World Championships taking place in one of our favorite cities (Helsinki) was just too good to say No 😉 , so we decided to go to our first big event in nearly 10 years (my last big competition as a spectator was Worlds in Göteborg 2008).

We arrived on Wednesday after a very smooth and punctual flight from Frankfurt and took the first day for a small walk to the harbour (our very excellent Hotel Fabian – I definitely recommend this hotel for any trip to Helsinki – was located very close to the harbour and the City center) and the cathedral before having dinner at a nice Italian restaurant.

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Harbour of Helsinki in evening light

Wednesday, March 29th

Wednesday was the first competition day. We had been told by the hotel staff that it would be fastest to take any regional train to „Pasila“ station, but in order to see a bit of the city on the way we wanted to take the slower tram instead. Except for that we didn’t find the stop for Tram #7 and gave up after about 10 minutes of wandering around 😛 The event took place in „Hartwall Arena“, a rather modern typical multifunctional event arena, that I found quite comfortable in comparison to most other arenas of the past, especially the seats were rather soft and nice (not only in comparison to the worst arena ever – the architectally fancy and new Palavela in Torino, that still probably brings nightmares to any skating fan who has attended an event there). Also I found the food offers better than at many other events (here Worlds in Dortmund comes to mind as an exceptionally bad example), even if very „Fast food“ centric, but we still managed to avoid eating there for the entire week. Since the train to central station was so fast, we always went back to the city between the afternoon and evening events and ate something there.

Ladies Short program

The first event of the competition was one of my absolute favorites (I have to say I was very unhappy with the event schedule that placed Ladies and Pairs first and Men and Dance last 😛 ), the Ladies short program. Due to the rather high ticket prices we only had All event tickets for the upper ranks (or „Nosebleed seats“ as North Americans call those kinds of places), but we were quite pleased with them, the sight was rather better than I had feared. I hadn’t brought my DSLR camera, because I thought we’d be sitting too far away, but in hindsight the photos with zoom lens would probably have been not too bad.

The first highlight of the event was Carolina Kostner, who due to her comeback had to skate in a rather early group. She skated to a very dramatic music and was able to deliver a rather solid skate. Of the music choices of the SP I nominated „You raise me up“ (barf), „Tango de Roxanne“ and „Chicago“ as the most overused choices 😉 Of the earlier skaters I was the most impressed with Kailani Crane from Australia (which I had already seen at Nebelhorn Trophy), Yvett Toth from Hungary and the tiny Elisabet Tursynbaeva from Kazakhstan. Evgenia Medvedeva is undoubtedly the strongest female skater at the moment, but I think I wasn’t too crazy about her SP, because it was to some rather boring piano music. Ashley Wagner on the other Hand skated to a Dance Remix of „Sweet Dreams“ from the Eurythmics, which was a nice change from the more conservative choices. My favorite from the Ladies SP was Anna Pogorilaya, who just has a very mature style and always a certain drama about her.

https://www.youtube.com/watch?v=4XqhO20ejro

Overall I was very impressed with the short program as a competition, because the level was great, nearly everybody skated clean or at least very nearly clean (I remember only a single really bad skate) and I was wondering whether the level of figure skating has improved so much over the last 10 years or if this was an exceptionally good event (the next days showed that it was rather the latter), because I remember sitting through some pretty horrid competitions during past events 😀 An unexpected surprise were 2 Canadian ladies on the podium after the SP, especially since Gabrielle Daleman seemed like pretty much a complete newcomer to me at the beginning of the season.

Pairs SP

The evening competition was the Pairs SP, which also turned out to be exceptionally good. Here the fact that you now have to reach a certain amount of Points earlier in the season to qualify for Worlds really seems to help the overall Level of skating, because quite honestly in the past there always were some weak pairs at Worlds and Euros that made you worry for the safety of the skaters when they tried overhead lifts or that were only capable of doing double side by side jumps or throws. Here we got to see some really good skates in the earlier Groups already, for example from the very promising Australian pair Alexandrovskaya & Windsor or from the rarely seen pair from North Korea Ryom & Kim, who seemed very excited about their good and engaging skate (it must be hard for the North Korean skaters to prepare well for big competitions, because they nearly never get to attend any international competitions, so they can’t get much experience in competing against rivals), which got them onto an excellent 14th place.

The top pairs were all very interesting to watch, also because they had a good mix of music choices, with Duhamel & Radford for example skating to the 80s song „Killer“ and the other Canadian pair to a Folklore program, that I already had liked very much at Nebelhorn. Marchei & Hotarek had managed to come up with a Blues Version of „Seven Nation Army“…I was very happy that Sui & Han (who definitely are my most favorite Chinese pair ever) were able to take the lead, she is just a rock star and totally sold that music (and I don’t even like Blues)

https://www.youtube.com/watch?v=nehjtw5He5g

Sawchenko & Massot also skated well and their cute and fun program looked much improved from the beginning of the season. Aljona just seems to have so much more fun skating with Bruno Massot (which I’m sure has nothing to do with her former partner, but with the old coaching and overall situation of the combination „Sawchenko-Szolkowy-Steuer“) , which leads to me enjoying Sawchenko & Massot a lot more than Sawchenko & Szolkowy in the past, even if I find Robin was the more elegant skater. Bruno does well with Aljona, but of course his posture and expression leaves room for improvement.  Robin of course also was at Worlds, as a coach for Tarasova & Morozov, who skated a Swing program and were very fast.

Overall I was very impressed with the first day of competition, because both events had exceptionally good performances and S. and I agreed that the trip had already been worth it for those 2 competitions alone 😉