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Lesetipp: „Dann schlaf auch Du“ – Mary Poppins in der Albtraumversion

In „Dann schlaf auch Du“ sucht das französische Paar Myriam und Paul ein Kindermädchen für ihre beide kleinen Kinder. Myriam war einige Jahre mit den Kindern zu Hause, inzwischen fällt ihr aber die Decke auf den Kopf und sie möchte wieder ihren Beruf als Anwältin nachgehen. Myriam und Paul machen sich also auf die Suche nach einem perfekten Kindermädchen und scheinen auch schon nach relativ kurzer Zeit einen echten Glückstreffer zu landen, die 50-jährige Louise wird Ihnen von deren vorherigen Arbeitgebern wärmstens empfohlen, sie macht einen zuverlässigen und fast schon perfektionistischen Eindruck und kommt gut mit den Kindern zurecht (auch mit der eher quengeligen 5-jährigen Tochter). Am Anfang wirkt auch alles fast wie im Märchen, Louise entpuppt sich als eine Art französische Mary Poppins und kümmert sich nicht nur um die Kindern, sondern gleich noch mit um den Haushalt und ums Kochen für die 4-köpfige Familie. Myriam und Paul haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen, die Nützlichkeit von Louise für ihren Alltag wischt aber alle anfänglichen Zweifel an Louises Über-Engagement hinweg.

Mir hat das Buch super gefallen, obwohl es sehr spannend ist, ist es eigentlich kein Thriller (das Ende wird auch schon gleich am Anfang des Buches „verraten“). sondern eine Psychostudie, die sich viel Zeit nimmt das Verhalten und das Innenleben von Louise zu beleuchten. Hier hat mir gut gefallen, dass Louise nicht wie in vielen Thrillern mit ähnlichem Thema als Psychopathin dargestellt wird, sondern dass das Buch Schritt für Schritt aufzeigt wie das Leben von Louise immer mehr auseinanderfällt, während Myriam und Paul kaum etwas davon mitbekommen, auch weil es sie im Endeffekt gar nicht wirklich interessiert. Das Buch zeigt sehr gut auf, wie Myriam und Paul quasi alles was Louise tut hinnehmen, weil ihre Leistung als Nanny ihr Leben einfach zu bequem macht, während sie alles was Ihnen nicht gefällt möglichst lange ignorieren oder schön reden.

Die Charaktere in dem Buch sind allesamt nicht unbedingt sympathisch (nicht einmal die Kinder), aber die Motive und Gefühlswelten der beteiligten Person sind immer nachvollziehbar und das Buch zeigt in beeindruckender Art und Weise wie ein Leben völlig zerfallen kann, ohne dass das Umfeld überhaupt etwas davon mitbekommt. Die Thematik ist natürlich sehr düster und sicher nicht das Richtige für jedermann, mir hat das Buch aber wirklich hervorragend gefallen.

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Krimi-Tipp: „Die Eishexe“ von Camilla Läckberg

„Die Eishexe“ von Camilla Läckberg ist der neueste Krimi rund um die Schriftstellerin Erica und dem Polizistenteam rund um Ericas Mann Patric. Wobei es schwierig ist bei der Reihe von Camilla Läckberg wirkliche Hauptpersonen auszumachen, denn es tummelt sich da ein ganzes Sammelsurium an Ermittlern und sonstiger Charaktere. Damit ist vielleicht auch schon eine der wenigen Schwächen des Buches genannt, denn der Einstieg gestaltet sich (vor allem für Neulinge der Reihe, aber auch für erfahrene Leser) doch etwas schwierig, so viele Handlungsstränge werden am Anfang aufgemacht. Außerdem erfährt man noch etwas über das Privatleben aller Kommissare, so dass man auf den ersten hundert Seiten des Romans doch ziemlich damit beschäftigt ist, sich überhaupt die ganzen Namen der beteiligten Personen zu merken…

Danach nimmt das Buch aber immer mehr Fahrt auf und wird immer spannender, so dass ich das Buch vor allem in der 2. Hälfte gar nicht mehr aus der Hand legen konnte und die letzten ca. 350 Seiten an einem Tag quasi auf einen Schwung verschlungen habe, etwas das mir schon lange nicht mehr passiert ist und dass einen guten Krimi für mich definitiv ausmacht. Deswegen sehe ich auch bei meiner Bewertung sehr gerne über die kleineren Schwächen des Buches hinweg (die da wären: die schon erwähnte manchmal etwas übertriebene Beschäftigung mit dem doch auch oft eher banalen Privatleben der Ermittler, die manchmal etwas klischeehaften Ereignisse und Ausdrucksweisen und einen gewissen Hang zum Kitsch bei der Schilderung von Erica und Patrics Privatleben und der Tatsache, dass die Ermittler sich manchmal etwas unlogisch verhandeln und Ermittlungsstränge, die selbst für Laien offensichtlich scheinen entweder erst sehr spät oder gar nicht verfolgen). Denn bei der Story gibt es sonst fast nichts zu meckern, sie ist komplex, unterhaltsam, mitreißend und bleibt bis zum Ende spannend.

Am Anfang der Geschichte steht der Tod zweier kleiner Mädchen. Die 4-jährige Stella wurde vor 30 Jahren im Wald ermordert, den Mord gestanden ihre beiden 13-jährigen Babysitterinnen, Helen und Marie. Auch wenn sie das Geständnis später zurücknahmen, blieb der Fall ungelöst und der Makel der Mörderinnen an beiden haften. 30 Jahre später wohnt Helen immer noch in dem Ort und Marie ist eine erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin geworden, die für einen Filmdreh zurück in ihr Heimatdorf reist. Kaum ist sie wieder da, geschieht das Unfassbare, von dem gleichen Bauernhof auf dem Stella lebte, verschwindet wieder ein kleines Mädchen und auch dieses wird wenig später tot aufgefunden. Haben Helen und Marie wieder gemordet? Oder ist ein anderer Täter von damals zurück? Handelt es sich um Zufall oder einen Nachahmer? Aus dieser Krimi-Handlung macht Camilla Läckberg ein Buch das komplex ist, aber oft auch grausam und sehr brutal. Ich würde es jedem empfehlen, der sich von dieser Beschreibung nicht abschrecken lässt und der gerne Krimis liest, die sich langsam wie ein Puzzle auf ein Ergebnis zu bewegen. Für zarte Gemüter oder Leute die es gern präzise und geradlinig haben, ist das Buch vermutlich eher nichts.

Mich hat es hervorragend unterhalten und für mich ist Camilla Läckberg im Moment eine der besten modernen Krimi-Autorinnen.