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Literarischer Mai – Mit Krimis und Kindheitserinnerungen

Heute möchte ich drei Bücher vorstellen, einmal das in Teilen autobiografische Buch „Raumpatrouille“ des Schauspielers Matthias Brandt und zwei Krimis, die mich beide leider nicht 100% überzeugt haben, aber beide durchaus trotzdem lesenswert sind.

Matthias Brand – „Raumpatrouille“ (Genre: Kindheit/Geschichten)

„Raumpatrouille“ ist ein übersichtliches (ich glaube es sind knapp 200 Seiten) Buch mit Kindheitserinnerungen des bekannten Schauspielers Matthias Brandt, dem jüngsten Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt. Dadurch bedingt handelt es sich bei den episodenhaften Erzählungen einerseits natürlich nicht um Eindrücke einer „ganz normalen“ Kindheit, andererseits aber doch, denn vieles was dem jungen Erzähler passiert und was er fühlt, wird wohl jedem der sich noch an seine Kindheit erinnert vertraut vorkommen. Hier fand ich vor allem beeindruckend, dass der Autor wirklich toll rüberbringt wie man als Kind oftmals gefühlt hat, das hat sich für mich sehr authentisch angefühlt. Trotzdem gibt es natürlich Besonderheiten: die ständige Präsenz von Personenschützern (und anderen Bediensteten), das Leben in einem durch einen Wachdienst abgeschirmten Haus und das doch etwas distanziert wirkende Verhältnis zu einem mächtigen aber vielbeschäftigten und etwas unerreichbaren Vater.

Das Buch hat hierbei keine lineare Erzählweise, sondern schildert verschiedene Episoden, teils mit ganz normalen banalen Kindheitsereignissen (wie einer missglückten Karriere als Fußballtorwart), teils mit wirklich humorvollen und lustigen Episoden und teils mit ernsthafteren und nachdenklichen Tönen. Es ergibt sich das Gesamtbild einer Kindheit, die einerseits ganz normal und glücklich wirkt, andererseits auch einige Schwierigkeiten hinter der Fassade durchscheinen lässt. Wie viel davon tatsächliche Erinnerung und wie viel Fiktion ist, lässt der Autor im Vorwort offen.

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen, den Schreibstil finde ich auch sehr gut gelungen und humorvoll. Allein durch die Sprunghaftigkeit und den geringen Umfang bleiben die Einblicke ein bisschen an der Oberfläche.

Tana French – „Gefrorener Schrei“ (Genre: Krimi)

Ich habe bisher alle Krimis von Tana French gelesen und war bisher immer von allen gleichermaßen begeistert, fand sie vor allem sprachlich immer auf einem sehr hohen Niveau. Ich lese auch sehr gerne detailverliebte Krimis mit ausschweifenden Erzählungen und Dialogen und dazu hatte Tana French schon immer einen Hang.

Leider hat mich „Gefrorener Schrei“ aber nicht so begeistert wie die bisherigen Krimis der Autorin, was zum einen daran lag, dass mir bei diesem Roman die Haupt-Ermitterlin und auch die meisten anderen Charaktere nicht besonders sympathisch waren. Normalerweise stört mich so etwas nicht, ich mag auch unsympathische Charaktere, so lange sie interessant und komplex sind, aber hier war es irgendwie so, dass ich die Detektivin Antoinette Conway oftmals nicht als interessant, sondern primär als anstrengend empfand und auch ihre ziemliche flapsige Sprech- und Erzählweise war nicht so wirklich mein Ding.

Außerdem fand ich die Idee des Buches zwar gut, es geht weniger um den Kriminalfall an sich, sondern darum welche Intrigen sich in dem Polizeirevier von Antoinette Conway abspielen, um Mobbing, Verfolgungswahn und um die Frage wer spielt ein falsches Spiel. Der tatsächliche Kriminalfall ist auch gar nicht so komplex: eine junge Frau wird in ihrer Wohnung erschlagen nachdem sie sich offenbar auf ein romantisches Abendessen vorbereitet hatte. Der Hauptverdächtige ist klar, ihr neuer Freund. Doch ist der Fall in Wirklichkeit komplexer? Die Polizeiarbeit stellt sich hier primär als kleinteilige Ermittlungsarbeit und langwierige Verhöre des und der Verdächtigen dar (leider waren diese Verhöre auch im Buch teilweise merklich langwierig und etwas repetitiv). Und man erlebt wie Conway und ihr Partner verschiedenen Fährten folgen, immer auf der Suche nach der Aufdeckung des Ganzen.

Insgesamt fand ich das Buch nicht schlecht zu lesen, von der Grundidee durchaus interessant, aber für mich hat das Ganze nicht 100% funktioniert und entwickelte deswegen eine gewisse Zähigkeit. Für mich deswegen der schwächste Krimi von Tana French. Interessenten der Autorin (die eigentlich wirklich gut ist!) empfehle ich mit einem beliebigen anderen Roman zu starten.

Helen Callaghan – „Dear Amy“ (Genre: Thriller)

„Dear Amy“ ist ein Psychothriller, der schon optisch in einem ziemlich typischen Thriller Gewand daher kommt, das schon mal Lust auf das Buch macht (auch wenn man über das neongrüne Design sicher gespaltener Meinung sein kann). Auch die Story klingt vielversprechend. Die 15-jährige Katie verschwindet nach einem Streit mit ihren Eltern spurlos, die Polizei geht erstmal davon aus, dass sie ausgerissen ist.

Die Lehrerin Margot, die nebenberuflich als „Brief-Kummerkasten-Tante“ bei einer Regionalzeitschrift arbeitet erhält zu diesem Zeitpunkt plötzlich Briefe von einem anderen jungen Mädchen, Bethan, das allerdings schon vor Jahrzehnten spurlos verschwand und nie gefunden wurde, aber von der Polizei für tot gehalten wurde. Margot ist geschockt, sind die Briefe etwa echt? Und hängt der alte Fall um Bethan mit dem aktuellen Verschwinden von Katie zusammen? Der Fall lässt ihr keine Ruhe und schnell wird sie immer tiefer in die Ermittlungen rein gezogen…

So die Prämisse des Buches, das vom Schreibstil her leicht und zügig zu lese ist und für mich durchaus unterhaltsam war. Auch die Story beginnt eigentlich vielversprechend und Margot ist ein interessanter Hauptcharakter. Trotzdem hat mich das Buch letzendlich aus verschiedenen Gründen nicht vom Hocker gerissen. Erstens kommt es wie für Thriller häufig üblich nach ca. 2/3 des Buches mit einer unerwarteten Wendung daher. Leider war diese Wendung für Thriller-Geübte Leser aber schon nach ca. 100 Seiten des Buches so einfach vorausschaubar, dass mir ab da schon klar war, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Dadurch werden auch die Ereignisse bis zum Ende relativ einfach voraussehbar, was dem Thriller den Spannungseffekt so ziemlich nimmt.

Zusätzlich hatte ich ein bisschen Probleme das Buch in Großbritannien zu verorten, es spielt zwar in Cambridge, aber ich hatte ständig das Gefühl einen amerikanischen Thriller zu lesen (eventuell kommt das daher, dass die Autorin laut Klappentext zwar aus einer britischen Familie stand, aber in den USA geboren ist) und es kam für mich trotz Erwähnung einiger lokalen Sehenswürdigkeiten von Cambridge irgendwie nie ein Bezug zu der Lokalität auf. Und drittens enthielt das Buch einige private Irrungen und Wirrungen der Protagonistin (Scheidung und neuer „love interest“), die aber etwas lieblos und klischeehaft kurz abgehandelt wurden, so dass man sich fragt, wozu sie überhaupt Teil der Story waren.

Das klingt jetzt alles sehr negativ, insgesamt hat mir das Buch aber trotzdem noch gut gefallen, was zeigt, dass die Autorin durchaus viel Talent für das Genre hat, beim nächsten Buch würde ich mir nur etwas mehr Finesse und etwas weniger Thriller-Klischees wünschen, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, nochmal was von ihr zu lesen.

Bücher

Buchtipps zum Osterfest – Lustig und nachdenklich

Diesen Monat war ich eine Woche im Urlaub, weswegen ich eine leichte Urlaubslektüre für unterwegs gebraucht habe. Was würde sich dafür mehr anbieten als ein „Bilderreisetagebuch“ von Deutschlands Comedy Star Martina Hill? Außerdem habe ich einen „Coming-Of-Age“ Roman über ein junges Mädchen auf Sinnsuche gelesen, der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat:

Martina Hill – „Was mache ich hier eigentlich“ (Genre: Reise/Comedy)

„Was mach ich hier eigentlich“ von Martina Hill habe ich mir gekauft, da ich ein großer Fan von Martinas Serie „Knallerfrauen“ bin und Martina Hill aktuell meine deutsche Lieblings-Komödiantin ist. Deswegen dachte ich, dass ich mit ihrem kleinen und vom Umfang recht übersichtlichen Büchlein über ihren Kurztrip nach China auch nichts falsch machen kann. Meine Vermutung wurde auch durchaus bestätigt.

Hintergrund des Buches ist, dass Martina es wohl geschafft hat mit ihrer Serie „Knallerfrauen“ in China zu einer gewissen Bekanntheit zu gelangen, da sich Folgen der Serie mit Untertiteln in chinesischen sozialen Netzwerken verbreitet haben und ihr Humor dort gut ankam (was ich ganz witzig finde, da der Humor „Knallerfrauen“ ja durchaus teilweise recht „speziell“ daher kommen kann und viele Sketche ja auch durchaus textlastig sind. Allerdings ist das wohl kein chinesisches Phänomen, denn eine amerikanische Facebook Freundin von mir hat auch schonmal einen Ausschnitt aus „Knallerfrauen“ geteilt). Martina wurde deswegen nach China eingeladen um mit einem chinesischen Comedian ein paar Sketche fürs chinesische Fernsehen zu drehen.

In dem Buch erzählt Martina von ihrer Reise nach China, den Dreharbeiten, ihrer Flugangst und ihrem Besuch einiger (sehr mainstream-lastigen) chinesischen Sehenswürdigkeiten. Sprachlich ist das Buch leicht, etwas flapsig und Slapstick-artig geschrieben und mit einigen persönlichen Anekdoten aus Martinas Kindheit und Jugend garniert, die auch sehr nett sind, um einen kleinen Eindruck in ihr Leben zu bekommen. Große Literatur ist das natürlich nicht und auch als richtiges Reisetagebuch oder um wirklich etwas Tiefgehendes über China zu erfahren eignet sich das Buch nicht, dazu bleibt es zu anekdotisch und oberflächlich. Es ist aber eine unterhaltsame und charmante leichte Lektüre für zwischendurch. Ich habe das Buch wie oben angemerkt selbst auf einer Urlaubsreise gelesen (allerdings nicht nach China 😉 ) und für solche Gelegenheiten ist es genau das Richtige, vorausgesetzt natürlich man kann mit Martina Hill und ihrem Humor generell etwas anfangen.

Jan Schomburg – „Das Licht und die Geräusche“ (Genre: Belletristik)

Im Mittelpunkt von „Das Licht und die Geräusche“ stehen 3 Jugendliche oder junge Erwachsene (das genaue Alter wird soweit ich mich erinnere nicht erwähnt), Johanna, Boris und Ana-Clara. Johanna ist in ihren Schulkameraden Boris verliebt, der aus Portugal nach Deutschland zurück gezogen ist und in Johannas Schulklasse gekommen ist. Irgendwie entwickelt sich zwischen den beiden aber nie etwas Romantisches, Boris ist offiziell noch mit seiner portugiesischen Freundin Ana-Clara zusammen, auf die Johanna entsprechend eifersüchtig reagiert. Obwohl sich Johanna mehr wünscht, bleiben sie und Boris nur enge Freunde.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt wo Boris anfängt sich merkwürdig zu verhalten und plötzlich verschwindet. Jetzt verändert sich alles und Johanna muss auf die Suche nach ihm gehen…

Ohne zu viel über den Inhalt des Buches verraten zu wollen, sind die zentralen Themen im Buch wohl die Liebe, das Erwachsen werden und die Suche nach sich selbst. Was dem Autor aus meiner Sicht wirklich hervorragend gelungen ist, ist das Schreiben aus Sicht von Johannas Gefühlswelt heraus, das Buch fühlt sich wirklich so an, als würde man in Johannas Gedanken stecken bzw. als wäre man selbst Johanna…dadurch kommt man ihrem Leben irgendwie sehr nahe und alles ist unheimlich authentisch. Für mich hat er die oftmals egozentrischen, unlogischen und unsicheren Gedanken, die man als Teenager hat auch wirklich glaubwürdig eingefangen und die Teile des Buches, die die Interaktion von Johanna mit Schulkameraden und mit ihrer Familie schildern, fand ich wirklich sehr überzeugend.

Das Highlight des Buches für mich war allerdings die Sprache, die gleichzeitig einfach und direkt ist, aber trotzdem poetisch und speziell. Gleichzeitig ist die Erzählweise etwas sprunghaft, was manche Lesen stören könnte, für mich hat es super zum Buch gepasst.

Als Schwäche würde ich nennen, dass die Handlung an sich etwas vorhersehbar ist und das Buch auch sicher nichts für Menschen ist, für die eine überzeugende Storyline das Wichtigste an einem Buch ist. Da mich die Sprache aber so überzeugt hat, fand ich das Buch trotzdem sehr lesenwert.

Bücher

Buchtipps fürs Frühjahr

Im März habe ich zwei sehr unterschiedliche Bücher gelesen, einmal einen spannenden Horrorthriller für Zwischendurch und einmal eine interessante und humorvolle Lebensgeschichte aus Irland:

John Boyne – The Heart’s Invisible Furies (Genre: Belletristik)

„The Heart’s Invisible Furies“ war mein erster Roman von John Boyne. Protagonist des Romans, der eine Zeitspanne von 1945 bis heute umfasst ist Cyril Avery. Cyril wird im Irland der 40er Jahre als uneheliches Kind einer jungen Teenager Mutter geboren, die wegen ihrer Schwangerschaft vom katholischen Priester ihrer kleinen Dorfgemeinde des Ortes verwiesen wird und sich alleine und praktisch ohne Geld nach Dublin durchschlägt. Cyril gibt sie wegen mangelnder Perspektiven nach der Geburt zur Adoption frei, so dass er von einem reichen aber ziemlich schrulligen Ehepaar adoptiert wird.

Das Buch erzählt Cyrils Leben von seiner Geburt (auch die Geschichte seiner Mutter kommt nicht zu kurz) bis ins hohe Alter, wobei jedes Kapitel 7 Jahre später spielt als das Kapitel zu vor. So bekommt man in unterschiedlichen Episoden Einblick in die Entwicklung von Cyril und die Irrungen und Wirrungen seines Erwachsenenlebens. Im Mittelpunkt steht dabei die Suche von Cyril nach seiner sexuellen Identität, denn er wächst im erzkatholischen und bigotten Irland als schwuler Junge und Mann auf und hat mit vielen Schwierigkeiten und Hürden zu kämpfen, schon allein deswegen weil Homosexualität in Irland (genau wie in Deutschland) damals nicht nur verpönt, sondern sogar verboten war und verfolgt wurde. Heute erscheint das fast nicht mehr denkbar, doch sollte man bedenken, dass das Gesetz das Homosexualität unter Männern verbietet in Deutschland erst 1994 aufgehoben wurde. Und erst gerade diese Woche wurde nach jahrzehntelangem Ringen ein Gesetz erlassen, dass die Männer, die nach dem „Schwulen-Paragraphen“ verurteilt wurden rehabilitiert und die noch Lebenden zumindest finanziell etwas entschädigt. In Irland dürfte diese Entwicklung zeitlich ähnlich verlaufen sein wie in Deutschland, obwohl die katholische Kirche dort natürlich noch viel länger sehr viel Macht hat (um so erstaunlicher ist es, dass Irland das erste Land der Welt war, dass die „Ehe für alle“ tatsächlich durch einen Volksentscheid eingeführt hat, auch dieser Entscheid wird in dem Buch kurz thematisiert). So spielt dieses Thema im Roman eine tragende Rolle, wird aber mit sehr viel schwarzen und teils auch Slapstick-artigem Humor erzählt, der vor allem in der ersten Hälfte des Buches in den skurrilen Dialogen seine volle Wirkung entfalten kann. Im zweiten Teil des Buches wird alles etwas ernster, was aber gut zur Entwicklung der Geschichte passt, denn auch Cyril wird immer reifer und erwachsener und kommt mit sich selbst, seinem Leben und seinem Heimatland ins Reine.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es auch ein paar Schwächen aufweist. Der Autor verwendet einige stilistische Kniffe, vor allem spielen Zufälle eine sehr große Rolle in dem Buch, so wie das etwas sehr gehäufte Auftreten von dramatischen Ereignissen. Das alles führt dazu, dass das Buch nicht wirklich realistisch wirkt, allerdings war das aus meiner Sicht ein absichtlich gewähltes Stilmittel. Durch die häufige Benutzung nutzt es sich allerdings doch ein bisschen ab. Trotzdem finde ich das Buch sehr lesenswert. Ich habe es im englischen Original gelesen. Das Englisch ist angenehm zu lesen und ich würde sagen „mittelschwer“.

Isa Grimm – Klammroth (Genre: Thriller/Horror)

„Klammroth“ ist seit längerer Zeit der erste Thriller bzw. Horrorroman den ich lese. Eigentlich mag ich das Genre ganz gerne, allerdings finde ich dass die meisten Bücher doch sehr nach dem gleichen Schema geschrieben sind, so dass sich das Genre schnell abnutzt wenn man viele thematisch ähnliche Bücher liest. „Klammroth“ von der unter einem Pseudonym schreibenden Autorin Isa Grimm sticht allerdings definitiv aus dem Einheitsbrei heraus und hat mich sehr gut unterhalten. Die Einordnung in ein Genre finde ich übrigens etwas schwierig, das Buch scheint als Horror geführt zu werden, allerdings halten sich übernatürliche Aspekte doch eher in Grenzen und auch von der Atmosphäre her hatte ich eher das Gefühl einen psychologischen Thriller mit leichtem Mystery-Touch zu lesen.

Zur Story: Anais stammt aus dem ehemals touristisch attraktiven Weindorf „Klammroth“. Im Alter von 16 Jahren hat sie mit relativ milden Verletzungen ein schreckliches Brandunglück in einem alten Verkehrstunnel bei ihrem Heimatort überlebt, bei dem unzählige ihrer Klassenkameraden verbrannten oder schwer verletzt wurden. Damals „floh“ Anais mehr oder weniger ins Internat und kehre nie mehr wirklich in ihr Heimatdorf zurück. Viele Jahre später muss sie dann zurückkehren, gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Tochter, denn ihre Stiefmutter wurde tot aufgefunden, ebenfalls verbrannt in Anais altem Elternhaus. Eigentlich will Anais nur so schnell wie möglich die Formalitäten regeln, denn ihre Stiefmutter (die nach dem Unglück nach Klammroth kam und – geschäftstüchtig – eine Schmerzklinik für Brandopfer eröffnete und Anais‘ Vater kennenlernte) stand ihr sowieso nie nah und an ihre Vergangenheit möchte sie möglichst wenig erinnert werden. Doch kaum in Klammroth angekommen trifft Anais auf Menschen aus ihrer Vergangenheit und wird in die Aufarbeitung der aktuellen und damaligen Ereignisse hineingezogen.

So viel der Hintergrund der Geschichte. Die Story an sich hat mir gut gefallen, auch wenn sie vor allem gegen Ende doch etwas an den Haaren herbeigezogen daherkommt, was aber bei einem Mysterythriller vertretbar ist. Sie ist aber erstaunlich gut geschrieben und auch die Charaktere und die Atmosphäre sind sehr gut beschrieben, so dass sich ein ingesamt sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch ergibt. Der Horror und die Spannung kommen dabei eher subtil daher und auch Brutalitäten halten sich eher in Grenzen.

Bücher, gesellschaft

Buchrezension: Ein Roman über Amerika in stürmischen Zeiten

Heute möchte ich ausnahmsweise mal nur ein einzelnes Buch vorstellen, dass aber auch so besonders (und so umfangreich 😉 ) ist, dass sich das definitiv lohnt:

Nathan Hill – „Geister“ (Genre: Belletristik)

„Geister“ von Nathan Hill ist ein amerikanischer Gesellschafts- und Familienroman, der perfekt in die heutige Zeit passt. Der Hauptdarsteller des Buches ist Samuel, ein ziemlich erfolgloser Literaturprofessor, der eigentlich mal davon geträumt hat, ein großer Schriftsteller zu werden. Unmotiviert verbringt er im Jahr 2011 fast sein ganzes Berufsleben heimlich in dem Online-Rollenspiel „Elfscape“ (das sicher nicht nur entfernt an World of Warcraft erinnern soll) als er überraschend den Anruf eines Anwalts erhält. Seine Mutter, die ihn schon in seiner frühesten Kindheit verlassen hat wurde verhaftet weil sie einen Anschlag auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten verübt hat (der zwar nicht an Donald Trump, aber durchaus an den nicht minder abschreckenden Mike Pence erinnert). Der Anschlag bestand zwar nur daraus bei einer Kundgebung in einem Park ein paar Kieselsteine auf den Kandidaten zu werfen (von dem einer immerhin im Auge landete), trotzdem gilt Samuels Mutter Faye nun als linke Radikal-Terroristin und ist in aller Munde.

Samuel soll nun im Auftrag des Anwalts einen Brief für sie verfassen, der vor Gericht zu ihren Gunsten sprechen soll, eine Idee von der Samuel gar nichts hält, denn er hat seiner Mutter nie verziehen ihn verlassen zu haben. Trotzdem lässt er sich auf ein Treffen mit ihr ein.

So die interessante Prämisse des Romans. Was daraus erfolgt ist einerseits eine tiefgründige Familiengeschichte über die Aufarbeitung von Verletzungen der Vergangenheit, andererseits eine ironisch und messerscharf pointierte Aufbereitung der amerikanischen Gesellschaft. Besonders interessant daran ist dass der Roman primär auf zwei Zeitebenen spielt, einerseits im fiktiven Jahr 2011. Andererseits wird Fayes Studentenzeit geschildert, im dramatischen Jahr 1968 in Chicago, in der Zeit der Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg, kurz vor Nixons Wahl zum Präsidenten. Dabei hat mich besonders beeindruckt wie in mancher Hinsicht diese Zeit der heutigen unruhigen Zeit zu ähneln scheint, eine aufgeheizte Gesellschaft, die in mehrere Lager gespalten ist, eine schwierige Weltlage, die Wahl eines Präsidenten, die wie eine Zäsur wirkte (und ein dramatisches und unrühmliches Ende nahm). Vielleicht kann einem das in der heutigen Zeit etwas Hoffnung geben, denn damals sah für viele Leute die Welt vermutlich ziemlich aus den Fugen geraten aus und danach ging es mit den USA auch weiter und es kamen wieder ruhigere Zeiten.

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn er sicher kein Buch ist, das man schnell mal nebenher liest. Die Sprache ist absolut bemerkenswert und grandios, humorvoll, gestochen scharf, ohne mühsam zu wirken. Der Roman hat viele Handlungsstränge, die nicht unbedingt immer viel miteinander zu tun haben, er reißt viele Themen an, ist nicht unbedingt linear und vermischt Familiengeschichte und Gesellschaftskritik und  hat mit über 800 Seiten auch eine stolze Länge. Das ist genau die Art Buch, die ich liebe, aber sicherlich nichts für Menschen, die auf Dynamik und klare Handlungen Wert legen und keine „dicken Wälzer“ mögen. Für mich als Erstlingswerk eines Autors absolut herausragend und ich werde Nathan Hill sicherlich als Autor im Auge behalten und hoffe, dass da noch viel mehr kommt.

Bücher

Buchrezensionen zum Jahresende – Einmal schwermütig, einmal leicht

Das literarische Jahr möchte ich mit zwei sehr unterschiedlichen Büchern beenden, einem das sehr schwer und schwierig ist und zum Ausgleich einmal netter Krimi-Klamauk für zwischendurch 😉

Beile Ratut – „Das Schwarze Buch der Gier“ (Genre: Belletristik)

„Das Schwarze Buch der Gier“ wird aus Sicht von Alba erzählt, einer Frau, die im Alter von 6 Jahren ihren großen Bruder verlor. Bis zu ihrem 6. Geburtstag verlebte Alba eine einfache, aber recht sorglose und behütete Kindheit irgendwo auf dem Land, sie bewunderte ihren größeren Bruder Samuel und fühlte sich von ihren Eltern beschützt und geliebt. An ihrem 6. Geburtstag passiert das Unfassbare, ihr Bruder geht zum Spielen aus dem Haus und kommt nicht wieder. Zuletzt beobachtete sein Freund wie er mit einem Autofahrer sprach. Seitdem ist Samuel spurlos verschwunden und in Albas Elternhaus zieht die Sprachlosigkeit ein. Ihr Vater, schon immer eher ruhig, wird noch schweigsamer. Ihre Mutter stürzt sich in Arbeit und Routine. Alba bleibt ruhig, unauffällig und blass, eine Außenseiterin, gut in der Schule, aber ohne wirklichen Kontakt zu anderen Menschen.

Das Buch spielt teilweise in Albas Kindheit und erzählt in Rückblicken von der Zeit als ihr Bruder verschwand und ihrer Schulzeit danach. Der größte Teil des Buches aber handelt von der erwachsenen Alba und ihrem Versuch einen Platz im Leben zu finden und Kontakte zu ihren Mitmenschen oder zu Männern aufzubauen. Dabei steht immer das Verschwinden ihres Bruders im Weg und ihr Denken wird immer mehr beherrscht von der Frage was ihrem Bruder wohl geschehen ist , wer ihn gestohlen hat und was mit ihm passiert ist. Immer mehr beschäftigt sie sich gedanklich mit den Abgründen der Menschen und der Menschheit, mit Gier, Grausamkeit und dem was aus ihrer Sicht hinter der Fassade der Zivilisation jederzeit lauert, so lange bis sie selbst ganz von Angst und Misstrauen dominiert ist.

Das Buch ist in einem sehr ruhigen, etwas schwermütigen Tonfall geschrieben und ist oft trotz der teilweise sehr verstörenden Texte geradezu poetisch. Mir hat es sehr gut gefallen, es hat nicht viel Handlung, aber die Fragen die aufgeworfen werden, entwickeln eine gewaltige Wucht, am Ende gibt es auch etwas Hoffnung, trotzdem ist es jetzt natürlich nicht unbedingt ein Buch, das man unbeschränkt weiterempfehlen kann. Jedem der auch mal etwas lesen möchte und kann, das nicht immer einfach zu ertragen ist, sollte hier aber auf jeden Fall zugreifen, denn die Autoren ist sehr talentiert.

Volker Klüpfel/Martin Kobr – „Himmelhorn“ (Genre: Regionalkrimi)

„Himmelhorn“ ist schon der neunte Regionalkrimi rund um den unter Regionalkrimi Fans sicherlich jedem bekannten Kommissar Kluftinger. Am Anfang des neuen Falls ist Kluftinger gerade dabei zusammen mit seinem Lieblingsfreund/feind sein neues Elektro-Mountainbike im Oytal bei Oberstdorf auszuprobieren, als die beiden eine grausliche Entdeckung machen, 3 abgestürzte Bergsteiger in der Nähe eines besonders gefährlichen Aufstiegs auf den Himmelhorn, den namensgebenden Berggipfel dieses Krimis. Schnell stellt sich raus, dass es sich dabei um einen relativ bekannten Bergsteiger handelt, der hier mit seiner Produktionsfirma einen Bergfilm drehen wollte, sowie zweier lokaler Bergführer. Während Kluftinger hier relativ schnell wittert, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging, zeigen sich Teile seines Teams merkwürdig demotiviert. Und zuhause ist bei Kluftinger auch viel los, Schwiegertochter Miki ist hochschwanger, der Sohn im Studiumsstress und Kluftinger entdeckt zur Entspannung den Unterhaltungswert einer schmalzigen Vorabendserie.

Ingesamt bietet der neue Kluftinger-Krimi wie immer sehr nette und abwechslungsreiche Unterhaltung. Gut gefallen hat mir diesmal, dass die Handlung weitgehend ohne übertriebenen Klamauk auskommt (das war in ein paar anderen Vorgängerbänden durchaus zu viel des Guten), der Kriminalfall an sich, sowie dass das Oytal so eine große Rolle spielt, da ich in dieser Region selbst schon oft im Urlaub war.

Nicht so gut gefallen hat mir der wieder sehr hohe Anteil an Privatkram, darunter litt der tatsächliche Krimi etwas, vor allem da sehr viele eher unwichtige Nebenstränge in die Handlung eingearbeitet wurden. Ebenso haben die Autoren die Angewohnheiten reale Nachrichten-Ereignisse als kleine Gimmicks in den Geschichten zu verarbeiten, was ich ein bisschen unnötig finde. Insgesamt war es aber auch in der inzwischen 9. Ausgabe ein vergnügliches Leseerlebnis einer Reihe, die bisher noch nicht allzu viele Abnutzungserscheinungen zeigt.

Bücher

Lesend in den Winter – Buchrezensionen November 2016

 

Diesen Monat habe ich zwei Bücher gelesen, auf die ich primär durch Titel und Buchcover aufmerksam geworden bin. In beiden Fällen machen die Cover Lust auf ein Leseerlebnis, das eher außergewöhnlich sein dürfte und in beiden Fälle wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Grade weil ich die Cover so mochte, möchte ich diesmal auch beide Bücher mit Cover vorstellen:

Leveret Pale – „Wahn: denn den Sinn habe ich erschossen“ (Genre: Horror)

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Auf das Buch bin ich vor allem durch das Cover und den Titel aufmerksam geworden, denn Beides finde ich absolut genial. Die kompakte (104 Seiten) im Books on Demand Verlag erschienene Sammlung von Kurzgeschichten ist der Nachfolgeband der Horrorgeschichten Sammlung „Wahnsinn“, die ich bisher noch nicht gelesen habe (aber wie ich schon verraten kann, auf jeden Fall auch noch lesen möchte). „Wahn“ soll im Vergleich zum Erstling eher weniger klassische Horrorgeschichten enthalten, sondern eben eher Geschichten, die sich mit dem Thema Wahn und Wahnvorstellungen (desöfteren im Kontext von Drogenkonsum) beschäftigen. Ich fand aber, dass zumindest einige der Geschichte durchaus auch als eher klassische Horror-Geschichten angesehen werden konnten.

Insgesamt fand ich die Sammlung sehr abwechslungsreich, es sind sehr kurze Geschichten dabei, aber auch zwei bis drei längere. Generell merkt man dem Autor sein sehr junges Alter (anscheinend ist er erst 17!) noch an, der Schreibstil wirkt auf mich noch etwas sprunghaft und man merkt manchmal, dass er sich von vielen verschiedenen klassischen und modernen Autoren aus dem Bereich Horror inspirieren lässt, wie er auch selbst sagt. Allerdings sind die Geschichte sprachlich und inhaltlich definitiv auf sehr hohem Niveau und auch oft originell und kreativ, auch den eher schwarzen Humor, der öfters durchscheint hat mir super gefallen. Da es finde ich gar nicht so viele Autoren gibt, die Horror wirklich gut können, hat es mich sehr gefreut in dem Bereich ein neues Talent kennen zu lernen und dann auch noch aus Deutschland. Am Überzeugendsten fand ich übrigens die Geschichten bei denen ich den Eindruck hatte, dass der Autor eigene Erfahrungen mit einbringen konnte.

Generell bin ich Büchern aus Selbstverlagen und Books on Demand übrigens eher skeptisch gegenüber gestellt, weil es dort doch auch viel gibt, dass mich sprachlich und vom Lektorat her nicht überzeugt. Ein paar kleine Lektorats-Fehler (konkret waren es 3) sind mir in „Wahn“ auch aufgefallen, aber es war keineswegs so, dass es störend war und da das Buch ansonsten auf einem sehr hohen sprachlichen Niveau ist, hat es mich nicht gestört.

Insgesamt würde ich „Wahn“ vor allem Horror-Fans empfehlen und Leute, die gerne etwas außergewöhnliche und alternative Kurzgeschichten für zwischendurch mögen.

Rose Kleinknecht-Herrmann: „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“

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Auf das Buch „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“ von Rose Kleinknecht-Herrmann bin ich ebenfalls vor allem durch das Cover und den doch eher außergewöhnlichen Titel aufmerksam geworden. Das Buch ist von Rose Kleinknecht-Herrmann, die selbst von 1946 bis 1985 in Paris und Stuttgart unterrichtet hat, aus Sicht des alternden Lehrers Wolfgang Fink geschrieben.

Fink erzählt in der Ich-Perspektive über sein Berufs-Privatleben als Lehrer an einem Gymnasium. Wann genau die Ereignisse spielen ist dabei nicht immer ersichtlich, insgesamt deckt das Buch aber wohl das System von den 60ern bis 80ern ab. Wolfgang Fink ist dabei kein übermäßig sympathischer Ich-Erzähler, er ist frustriert, demotiviert und auch in seine Ehe mit Ehefrau Ute hat sich Frust und Resignation eingeschlichen, ebenso in das konfliktbehaftete Zusammenleben mit seinen beiden Kindern im Teenager Alter. Fink kann wohl durchaus als „gescheiterte Existenz“ beschrieben werden, der durch den Jahrzehntelangen Schulbetrieb so zermürbt ist, dass er einen damals noch vollkommen unbekannten „Burnout“ erleidet.

Mitgefühl für ihn zu empfinden fällt einerseits durchaus sehr leicht, beschreibt er sein Leiden doch so glaubhaft, dass man durchaus „mit leidet“, andererseits ist es doch fast unmöglich seine Sicht auf die Welt und seine Mitmenschen nachzuvollziehen, denn Wolfgang Fink sieht sich eigentlich immer als Opfer der Umstände, des Systems und sein Blick auf seine Mitmenschen ist auch oft eher grausam und lieblos, zumindest schonungslos. Eine ambivalente Gestalt und damit ein hervorragender Protagonist, wenn auch eher ein Anti-Held.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, man lernt sehr viel über das Schulsystem und gesellschaftliche Fragen aus einer Zeit, die knapp vor meiner eigenen Schulzeit lag (ich bin 1979 geboren), aber auch über die Probleme bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Schulbetrieb, vor allem was Lehrer angeht, die die damalige Zeit noch miterlebt haben. Ein Roman ist das Buch wohl eher nicht, eher eine Geschichte die schildert, wie einer an seiner Umwelt scheitert. Kleine Abstriche in der Bewertung gibt es von mir lediglich deswegen, weil ich die ersten zwei Drittel geringfügig besser fand als das Ende, das sich ein bisschen im Sande verläuft.

 

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Buchrezensionen September 2016

Im August und September habe ich wieder einige interessante Bücher gelesen und diesmal war ich mit der Auswahl auch sehr zufrieden, zwar wiederum noch kein absolutes Mega-Highlight, das mich völlig von den Socken gerissen hätte, aber trotzdem 3 sehr gute Bücher:

Paula Fürstenberg – Familie der geflügelten Tiger (Genre: Belletristik)

„Familie der geflügelten Tiger“ ist ein kompaktes und edel wirkendes Buch, das sich mit der Lebensgeschichte der jungen Johanna beschäftigt. Johanna ist in der Uckermark aufgewachsen, zusammen mit ihrer Mutter. Ihr Vater hat sich Kurz vor Ende der DDR von der Familie abgesetzt, als Johanna noch ein Kleinkind war, laut Johannas Mutter in den Westen.

Bücher

Buch Rezensionen Sommer 2016

In den letzten paar Wochen hab ich wieder ein paar Bücher gelesen, diesmal war allerdings keins dabei, dass mich wirklich 100% vom Hocker gerissen hat. Gelungen fand ich die Bücher aber trotzdem, weswegen ich durchaus eine Leseempfehlung abgeben kann:

Stephen King: Finderlohn (Genre: Krimi/Thriller)

„Finderlohn“ ist Stephen Kings zweiter Roman (der erste war „Mr. Mercedes“) aus seiner Krimiserie um den pensionierten Polizisten Bill Hodges. Im Mittelpunkt des Buches steht eines von Kings Lieblingsthemen, nämlich die Schriftstellerei an sich, denn der ganze Plot dreht sich um das Lebenswerk eines fiktiven Autors, von dem einige Personen geradezu besessen sind. So beginnt das Buch auch damit, dass der kriminelle und ziemlich gestörte junge Morris seinen zurückgezogen lebenden Lieblingsschriftsteller überfällt und ermordet und dabei Geld und einige von ihm geschriebene Notizbücher erbeutet, die in den richtigen Händen Unmengen Geld wert sein könnten. Doch bevor Morris etwas mit seiner Beute anfangen kann, wird er wegen eines anderen Verbrechens fest genommen und landet für viele Jahrzehnte im Gefängnis.

Der Hauptteil des Buches spielt dann einige Jahrzehnte später, als der Junge Pete zufällig auf die Beute aus dem Raubüberfall stößt und fast zur gleichen Zeit Morris aus dem Gefängnis entlassen wird und sich selber auf die Suche nach seiner Beute macht…

So das Setup des Buches, das mir wirklich gut gefallen hat. Dass Literatur im Plot eine recht große Rolle spielt, gefällt mir gut und auch die beiden Hauptcharaktere Pete und Morris sind von Stephen King wirklich gut entwickelt, man kann sich in beide richtig reinversetzen, sogar in den skrupellosen und psychopathischen Morris.

Allerdings hat mir das Buch in der 2. Hälfte nicht mehr ganz so gefallen wie in der 1. Hälfte, da sich die Spannung, die am Anfang zu erahnen war, nicht ganz so aufgebaut hat, wie erwartet, was meiner Meinung nach auch daran lag, dass Stephen King im 2. Drittel ziemlich viel Zeit darauf verwendet hat einen Bogen zu den Charakteren und Ereignissen aus dem 1. Band zu schlagen, die aber für die eigentliche Handlung gar nicht so relevant gewesen wären. Hier stellt sich die Frage, ob das Buch ohne so eine starke Verknüpfung zu den Charakteren aus Mr. Mercedes nicht sogar besser gewesen wäre. Trotzdem hat mir auch dieser Band sehr gut gefallen, auch wenn ich Mr. Mercedes etwas besser fand. Einsteigern in die Reihe empfiehlt sich natürlich Band 1.

Emma Cline: The Girls (Genre: Belletristik, Sprache: Englisch)

Auf das Buch „The Girls“ von Emma Cline bin ich über eine Leserunde auf dem Buchportal Lovelybooks aufmerksam geworden. Das Buch spielt Ende der 60er Jahre in den USA und basiert lose auf den schrecklichen Geschehnissen rund um den Manson-Clan, wobei nicht der tatsächliche Manson Clan Inhalt der Geschichte ist, sondern eine fiktive Kommune, die lose an Charles Manson und seine Anhänger angelehnt ist.

Die Geschichte wird aus Sicht der 14-jährigen Evie erzählt, die einen frustrierenden Sommer zuhause verbringt, die Eltern haben sich getrennt, mit ihrer Mutter gibt es oft Streit, die Freundschaft zu ihrer besten Freundin zerbricht. In dieser schwierigen Zeit wird Evie auf einige Mädchen aufmerksam, die ganz anders zu sein scheinen als ihr eigenes trotz allem behütetes Teenagerleben. So erscheinen sie Evie wild, frei und faszinierend. Die Mädchen leben zusammen mit Russell, einem (Möchtegern)-Musiker auf einer Farm, in einer Art Hippie Kommune und schnell fühlt sich Evie dort auch wie zuhause.

Das Buch schildert auf eine sehr poetische Art und Weise wie Evie immer mehr in die Kommune rund um Russell hineingezogen ist und wie ihre Faszination für vor allem eines der Mädchen dort sie alle Vorsicht vergessen lässt. Der Schreibstil des Buches ist sehr poetisch und fließend und man bekommt wirklich ein Lebensgefühl für die damalige Zeit mitgegeben, allerdings fand ich obwohl ich oft Englisch lese, das Buch vom Wortschatz her doch recht anspruchsvoll, was meine Lesefluss etwas gebremst hat. Das Buch ist im Original denke ich eher etwas für geübte Englischleser. Inzwischen ist aber auch eine deutsche Ausgabe erschienen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, für wirklich übermäßige Begeisterung hat mir dann aber doch noch etwas gefehlt, ich finde das Buch gelungen, aber handlungstechnisch passiert anfangs doch relativ wenig, so dass man das Gefühl hat, das Buch könnte mehr Fahrt aufnehmen. Für ein Debutroman aber trotzdem sehr gelungen.

Federico Axat: Die Verwandlung des Schmetterlings (Genre: Belletristik/Kindheit/Jugend)

„Die Verwandlung des Schmetterlings“ ist für mich ein relativ schwierig zu bewertendes Buch, den am Anfang hatte ich definitiv erst mal Problem in das Buch reinzukommen, gerade das erste Kapitel das in der Ich-Perspektive aus Sicht eines einjährigen Kindes erzählt ist, hat mich nicht wirklich überzeugt (wenn erwachsene Autoren aus Sicht eines Kindes schreiben, führt das finde ich oft dazu, dass das Ergebnis unauthentisch klingt, bei einem 1-jährigen ist das fast schon automatisch so). Auch in den späteren Kapiteln, die aus Sicht des 12-jährigen Sam erzählt wird, fand ich die Sprache eher schwierig, denn sie ist recht blumig und von der Ausdrucksweise auch etwas altmodisch und sehr gewählt. Ich hatte deswegen durchaus Schwierigkeiten sie mit einem 12-jährigen Kind zu assoziieren. Eventuell ist das aber ein bisschen auch der Übersetzung aus dem Portugiesischen zuzuschreiben. Trotzdem liest sich das Buch aber sehr flüssig und unterhaltsam (die Kurzweiligkeit kommt auch dadurch, dass die Kapitel teils sehr kurz sind) und vom Stil her auch ein bisschen wie ein Jugendbuch (teilweise hatte ich ein bisschen das Gefühl eine Mischung aus „Kalle Blomquist“ und den Filmen „Super 8“ und Stephen Kings „Stand by me“ zu lesen), wobei lediglich der Stil ein bisschen an ein Jugendbuch erinnert, die Inhalte sind teilweise definitiv eher nicht jugendfrei und gegen Ende auch zumindest einmal ziemlich schockierend.

Handlungstechnisch steht im Mittelpunkt, Sam, 12 Jahre, der im Alter von einem Jahr mit seiner Mutter in einen Autounfall verwickelt war, bei dem die Mutter spurlos verschwand. Er wächst auf einem Hof in einer Pflegefamilie auf und verbringt einen aufregenden Sommer mit seinem Freund Billy und der neu zugezogenen reichen Freundin Miranda. Zusammen werden sie in Ereignisse verwickelt, die Sam auf die Spur des Schicksals seiner Mutter bringen. Aber auch Liebe, Erwachsenwerden und Mobbing durch andere Kinder sind zentrale Themen des Buches.

Auch inhaltlich ist das Buch ein bisschen eine Achterbahnfahrt, die Handlung läuft teilweise in viele Richtungen und auch etwas sprunghaft, so dass man am Anfang Vieles noch nicht richtig einschätzen kann und man sich gelegentlich fragt, wie die Fäden am Ende wieder zusammenlaufen sollen. Das tun sie durchaus und eine große Überraschung wartet am Ende auch noch auf den Leser.

Ich habe mich während des Lesens also öfter gefragt, wie viele Punkte ich dem Buch wohl geben würde, weil es mir einerseits wirklich gefallen hat, andererseits der Stil aber aus meiner Sicht schon sehr besonders war. Ich lag tatsächlich schwankend zwischen 3 und 5 Sternen (bei einer Höchstwertung von 5). Im Endeffekt fand ich das Buch dann aber doch wirklich gut: Weil das Buch einfach unheimlich unterhaltsam ist und es für mich ein großes Lesevergnügen war und aus der Masse der Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe deutlich heraussticht.

Bücher

Noch mehr Bücher-Highlights aus dem 2. Quartal 2016

Die letzten Monate hab ich noch ein paar Bücher gelesen, die ich überdurchschnittlich gut fand und deswegen etwas genauer vorstellen möchte:

Rainbow Rowell – „Carry on“ (Genre: Young Adult)

Den Roman „Carry on“ kann man wohl am Besten als Spin-Off von Rainbow Rowell’s Vorgängerroman „Fangirl“ bezeichnen. „Fangirl“ ist ein Coming-Of-Age Roman, in dem die junge Protagonistin mit Begeisterung Fanfiction über die Charaktere einer fiktiven Fantasy-Buch-Reihe schreibt, konkret über Simon Snow, einen jungen mächtigen Magier, der laut Prophezeihung dafür geboren ist, die Welt der Magier zu retten…in „Fangirl“ ist das Thema Fanfiction zwar ein Hauptthema des Buches, Simon Snow taucht dort aber nur in Ausschnitten auf.

In „Carry On“ hingegen ist er die Hauptperson und das Buch wirft den Leser sozusagen Mitten in das Leben des jungen Magiers, der aktuell die letzte Klasse einer Schule für junge Magier besucht. Wer dabei an Harry Potter denkt ist natürlich im Prinzip genau richtig, denn dass die fiktive Simon Snow Reihe an Ideen aus Harry Potter angelehnt ist, ist ziemlich offensichtlich…Simon Snow ist so was wie ein Held wider Willen, er hat eine beste Freundin, die schon ein bisschen an Hermine Grange erinnert, er hat einen Widersacher, er geht auf eine Magierschule…so gibt es einerseits zwar viele Parallelen zu Harry Potter, wer nun aber denkt „Carry On“ wäre eine billige Kopie oder ein Plagiat, tut dem Roman mehr als Unrecht, denn Rainbow Rowell hat hier etwas geschaffen, das wirklich bemerkenswert ist. Zwar gibt es wie gesagt deutliche Parallelen zur Harry Potter Reihe, aber auch viele Unterschiede, wie fast immer bei Rainbow Rowell stehen bei ihr weniger die Handlung, sondern die die Charaktere und ihr Gefühlsleben im Vordergrund und wie immer handelt es sich bei dem Roman eigentlich um eine klassische (in diesem Fall schwule) Liebesgeschichte. Müsste man den Einstieg in den Roman beschreiben, so kann man sich das in etwa so vorstellen, als würde man aus dem Nichts in den 6. Roman der Harry Potter geworfen worden, denn die ganze Vorgeschichte von Simon Snow ergibt sich aus Rückblicken…erzählt wird die Geschichte dann aus wechselnden Perspektiven, teils natürlich aus Sicht von Simon Snow, teils aus Sicht seiner Freundin Penelope, seines Widersachers und Love-Interests Baz, seiner Freundin Agatha und einiger anderer Neben-Charaktere.

Das Fantasy-Setting ist hier vor allem am Anfang nur der Rahmen um die Liebesgeschichte, hat mich aber vor allem am Ende und in der Auflösung wirklich überzeugt und sticht positiv aus dem typischen Fantasy-Einheitsbrei heraus. Was mich besonders beeindruckt hat, ist dass die Charaktere auf mich deutlich authentischer und weniger klischeehaft gewirkt haben, als es in Fantasyromanen oft der Fall ist, dazu kommt ein selbstironischer Humor…all das ergibt so ein charmantes und stimmiges Gesamtbild, dass ich das Buch sogar deutlich besser fand als „Fangirl“ (und ganz ehrlich gesagt sogar besser als Harry Potter).

Für mich ist Rainbow Rowell definitiv eine der talentiertesten Autorinnen im Young Adult Bereich, was man schon daran sieht, dass ich ihre Romane unheimlich gerne mag, obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne „Liebesgeschichten“ lese. Leider sind sowohl „Fangirl“ als auch „Carry On“ bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden. Allerdings ist das Englisch nicht sooo kompliziert, da es sich ja um ein Buch aus dem Young Adult Bereich handelt. Wer nur auf Deutsch liest und trotzdem Interesse an der Autorin hat, dem empfehle ich ihr Buch „Eleanor & Park“.

Haruki Murakami – „Wenn der Wind singt / Pinball 1973“ (Genre: Belletristik)

Der Japaner Haruki Murakami ist schon lange einer meiner Lieblingsautoren, auch wenn sein Stil und auch der Inhalt seiner Romane sicher Geschmackssache ist 😉

„Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ sind zwei Kurzromane beziehungsweise Novellen, die Haruki Murakami ganz am Anfang seiner Schriftsteller-Karriere veröffentlicht hatte (soweit ich die Einleitung richtig verstanden habe, waren es sogar seine ersten Romane überhaupt), die aber erst später auf Deutsch veröffentlicht wurden. Beide Kurzromane gehören insofern zusammen, da sie beide einige Monate aus dem Leben eines jungen nicht näher benannten Ich-Erzählers und seines Freundes „Ratte“ in den 1970er Jahren erzählen…“Wenn der Wind singt“ spielt hierbei etwas früher und schildert ein paar Wochen aus der Studentenzeit des Erzählers, der in den Semesterferien in seine Heimatstadt zurückgekommen ist und einige heiße Sommerwochen mit seinem Freund Ratte totschlägt, immer auf der Suche nach einem Sinn und durchaus auch nach der Liebe.

In „Pinball 1973“ ist der Erzähler ein paar Jahre älter und gerade ins Berufsleben gestartet, ansonsten hat sich aber gar nicht so viel verändert. Ansonsten ist es schwierig über die Handlung der Romane der zu schreiben, denn im Prinzip sind beide Romane Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Menschen, Fragmente, die auch durchaus eher zusammenhanglos geschildert sind. Vieles bleibt offen, man bekommt das Gefühl genauso wie der Erzähler etwas orientierungs- und planlos durch diese Monate zu gleiten, die poetische Spraches schafft es dabei ganz hervorragend das Gefühl rüberzubringen. Eine großartige Handlung oder Hochspannung darf man sich von diesen beiden Romanen sicherlich nicht erwarten und auch keinen abgeschlossenen Roman mit einer klaren definierten Handlung. Trotzdem haben mir die beiden Kurzromane ganz hervorragend gefallen, wobei ich „Wenn der Wind singt“ ein kleines bisschen besser gelungen fand als den zweiten Teil.

Jemandem der Murakami nicht kennt, würde ich nicht unbedingt dieses Buch als Einstieg vorschlagen (da es sich nicht um einen Roman mit einer richtigen Handlung handelt und sich vermutlich nicht optimal eignet, um rauszufinden, ob einem der Stil Murakamis wirklich liegt), sondern einer seiner „Klassiker“ wie zum Beispiel „Wilde Schafsjagd„oder „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt„.

Celeste Ng – „Was ich euch nicht erzählte“ (Genre: Gesellschaft/Familie)

Im Mittelpunkt des in den 70er Jahren spielenden Romans „Was ich euch nicht erzählte“ steht der ungeklärte Tod der 16-jährigen Lydia Lee. Lydia ist die mittlere Tochter einer fünfköpfigen Familie. Lydia war auf den ersten Blick ein ganz normaler ehrgeizig wirkender fleißiger Teenager. Der Roman stellt sich der Frage: Wie konnte es zu Lydias Tod kommen?

Die Familie besteht aus dem Vater James Lee (einem Sohn chinesischer Einwanderer), der Mutter Marylin Lee (einer weißen Amerikanerin) und den beiden Geschwistern Lydias, dem älteren Nath, der knapp vor dem Wechsel von High School zur Universität steht und der jüngeren Schwester Hannah.

Das Buch beginnt direkt mit dem Tod Lydias und beschäftigt sich in der Folge mit der Frage, was Lydia für ein Mensch war und wie das Leben und die Atmosphäre in ihrer Familie aussah. Außerdem wird die Geschichte und der Hintergrund von Lydias Eltern näher beleuchtet. Auf den ersten Blick wirken die Lees wie eine ganz normale Mittelstandsfamilie, aber nach Lydias Tod wird immer klarer, dass in der Familie so Einiges nicht in Ordnung war. Schritt für Schritt lernt man die einzelnen Familienmitglieder näher kennen und lernt so mit auch immer mehr über Lydia und ihr Schicksal. Die Sprache des Buches ist dabei sehr präzise, nüchtern und klar, was aber keineswegs heisst, dass die Emotionen zu kurz kommen. Das zentrale Thema des Buches ist die (mangelnde) Kommunikation innerhalb einer Familie, die Erwartungen die Menschen an ihr Leben haben und was sie daraus machen und die Frage was die Erwartungen von Eltern für ihre Kinder für einen Einfluß auf deren Leben haben. Auch die Vorurteile und der Hass, der einer ethnisch gemischten Familie und Einwanderern im Amerika der 70er Jahre entgegen schlug (ein Thema das leider immer noch kein Bisschen weniger aktuell geworden ist) und was es für einen Einfluss auf das Leben und das Selbstverständnis der Familienmitglieder hat, spielt eine wichtige Rolle.

Mir hat das Buch ganz hervorragend gefallen, die Sprache ist meiner Meinung nach wirklich exzellent und war genau mein Geschmack und man bekommt wirklich ein Gefühl für jedes einzelne Familienmitglied. Die Geschichte ist eher düster und tragisch, aber durchaus vor allem am Ende nicht hoffnungslos. Obwohl ein Todesfall den Kern bildet, um den sich der Roman aufbaut, handelt es sich dabei definitiv NICHT um einen Krimi oder Thriller, obwohl der Klappentext wie so oft hier etwas irreführend wirken kann.

 

Bücher

Bücher Highlights aus dem 2. Quartal 2016 – Teil 1

Auch im April, Mai und Juni habe ich wieder einige Bücher aus den Genres Belletristik, Young Adult und Krimis gelesen, die außergewöhnlichsten und spannendsten möchte ich hier wieder vorstellen.

Anneliese Mackintosh – „So bin ich nicht“ (Genre: Belletristik):

„So bin ich nicht“ von Anneliese Mackintosh ist definitiv das ungewöhnlichste und intensivste Buch, das ich dieses Jahr bisher gelesen habe.

Das Buch schildert in verschiedenen Episoden das Leben der jungen Greta, die sich durchs erste Drittel ihres Lebens kämpft und dabei auf der Suche nach sich selber ist und dabei oft scheitert. Im Zentrum des Buches steht außerdem das Verhältnis von Greta zu ihrer Familie, vor allem zu ihrem Vater. Allzu viel über den Inhalt des Buches zu verraten ist kaum möglich, handelt es sich doch nicht um eine lineare Geschichte oder einen klassischen Roman. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen fand ich das Buch extrem interessant und mitreissend.

Die Sprache in diesem Buch hat mir wirklich gut gefallen, sie schwankt allerdings passend zu dem intensiven Inhalt zwischen Extremen, teilweise ist sie sehr vulgär und promuisk, teilweise sehr poetisch, manchmal selbstironisch und sarkastisch. Manche Kapitel sind sehr persönlich geschildert, andere sind distanziert und trotzdem ergibt das Ganze für mich ein stimmiges Gesamtbild. Wer mit Vulgarität ein großes Problem hat, für den ist dieses Buch vielleicht nicht gut geeignet, aber sonst finde ich es absolut empfehlenswert. Obwohl der Inhalt des Buches oft eher traurig, teils schockierend und heftig ist, ist es kein hoffnungsloses oder besonders ernsthaftes Buch, ganz im Gegenteil hat es mich sehr oft zum Schmunzeln oder Lachen gebracht.

Rainbow Rowell – „Fangirl“ (Genre: Young Adult, Sprache: Englisch):

Die Hauptperson von „Fangirl“ ist Cath, ein 18-jähriges Mädchen das gerade frisch aufs College gekommen ist. Das eine Besondere an Cath ist, dass sie noch eine Zwillingsschwester hat, mit der sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens eng verbunden war, doch diese möchte sich jetzt abnabeln und auf dem College ihr eigenes Leben führen. Für Cath ist das eine sehr schwierige Situation, denn sie ist ein unsicherer Mensch mit vielen Ängsten und Zwängen und mit der Situation erst mal komplett überfordert.

Die zweite Besonderheit an Cath ist, dass sie Fanfiction schreibt, über einen fiktiven Held einer megaerfolgreichen Fantasyreihe, dem Jungmagier Simon Snow (dem erfahrenen Leser werden so einige Parallelen zu einem anderen bekannten Jungmagier aus der Weltliteratur auffallen 😉 ). Und Cath ist so eine erfolgreiche Fanfiction Autorin, dass sie tausende Follower im Internet hat.

Soweit die Prämisse des Romans, der auch deswegen etwas Besonderes ist, da zwischendrin immer wieder kleine Ausschnitte aus der fiktiven „Simon Snow“ Reihe und aus Cath‘ eigenen Simon Snow Fanfiction Stories eingearbeitet sind, die tatsächlich auch für sich alleine spannend und literarisch sehr gut sind. Ansonsten ist die „Geschichte“, die in diesem Roman erzählt wird vielleicht nicht die Allerneueste, es handelt sich um eine klassische Coming-Of-Age Geschichte über Cath‘ Erwachsenenwerden mit den zentralen Themen „Erste Liebe“, Abnabelung, Erwachsen werden und der Verarbeitung von schwierigen Erlebnissen in der Kindheit. Trotzdem ist dies keine 08/15 Geschichte, denn Rainbow Rowell hat ein tolles Händchen für Charaktere und Details und es macht einfach einen riesigen Spaß ihre Charaktere auf einem Stück ihres Lebensweges zu begleiten, für mich ist Rainbow Rowell deswegen aktuell eine der stärksten Autorinnen für den Bereich „Young Adult“ und auch sprachlich ist sie eine der besten (als Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen, eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens leider auch noch nicht).

Jörg Maurer – Schwindelfrei ist nur der Tod (Genre: Regionalkrimi):

In Kommissar Jennerweins 7. Fall befindet sich der Kommissar sozusagen auf Abwegen. Statt im aktuellen Fall seines Teams zu ermitteln ist er die meiste Zeit des Buches damit beschäftigt sich durch die Irrungen und Wirrungen seines privaten Umfelds zu kämpfen, die kriminalistischen Inhalte kommen aber auch bei diesem Exkurs nicht zu kurz. Es ist recht schwierig auf diesen Aspekt des Buches einzugehen, ohne zu viel zu verraten, deswegen halte ich mich hier kurz und schreibe lediglich, dass mir die „Privatermittlungen“ des Kommissars wirklich gut gefallen haben und dass sie auch gut zum Rest des Romans passten.

Der „Hauptfall“ des Buches ist durchaus auch sehr ungewöhnlich, denn es gibt zwar einen Fall, aber erst mal keine Leiche. Stattdessen erfährt die Polizei lediglich, dass ein Ausflugs-Heißluftballon verschwunden ist. Von dem Ballonführer und seinen Gästen fehlt jede Spur und so hat Jennerweins Team die interessante Aufgabe herauszufinden was mit dem Ballon passiert ist und wer dafür verantwortlich ist, ohne den Ballon oder eines der mutmaßlichen Opfer überhaupt zu Gesicht bekommen zu haben.

Mir haben beide Handlungsstränge des Buches gut gefallen, natürlich gewinnt der Roman wie immer nicht unbedingt einen Realismus-Preis, aber er ist gewohnt scharfsinnig und scharfzügig erzählt, wobei ich diesmal den Eindruck hatte, dass etwas mehr Wert auf die Handlung gelegt wurde als in manchen früheren Krimis von Jörg Maurer, wo für mich oft die Satire und der Kabarettismus im Vordergrund stand. Für mich war das wegen der Ausgewogenheit von Satire, Humor und Handlung deswegen einer der besten Jennerwein Krimis.

Akte X – „Vertrauen Sie niemandem“ (Genre: Mystery):

„Akte X – Vertrauen Sie niemandem“ ist ein Sammelband mit einer Sammlung von Akte X Kurzgeschichten verschiedener Autoren. Ich bin schon seit Jahren ein Fan der Serie, habe sowohl die alten Staffeln als auch die Neuauflage dieses Jahr begeistert angeschaut und somit war dieser Kurzgeschichten eine willkommene Ergänzung zu dem diesjährigen Akte X „Revival“. Trotzdem war ich etwas skeptisch was für eine Qualität von einem solchen Band zu erwarten ist und ob es möglich ist, in solchen Kurzgeschichten ein authentisches Akte X Feeling rüberzubringen.

Allerdings wurden meine Erwartungen mehr als übertroffen, die Geschichten im Buch sind weitgehend wirklich unterhaltsam (natürlich gibt es immer mal wieder Geschichten, die einen nicht ganz so überzeugen wie andere, das ist aber bei jedem Kurzgeschichten-Band so) und besonders beeindruckend fand ich, dass das Feeling der Serie in fast jeder Geschichte perfekt rüber gebracht wird, man kann sich wirklich fast jede Geschichte als Akte X Folge vorstellen. In den meisten Stories stehen natürlich Mulder und Scully als Ermittler im Vordergrund, es gibt aber auch einige Geschichten in denen z.B. Skinner die Hauptrolle spielt (und sogar 1-2 in denen Mulder und/oder Scully gar nicht vorkommen). Thematisch beschäftigen sich die meisten Stories eher mit übernatürlichen Phänomenen und Monstern, die Alien Verschwörungen spielen eher weniger eine Rolle, was ich persönlich sehr gut fand, da ich bei der Serie auch die „Monster of the Week“ Folgen immer am Unterhaltsamsten fand. Auch Humor kommt in vielen Geschichten nicht zu kurz.

Natürlich ist dieses Buch primär etwas für Akte X Fans, einige Geschichten enthalten Verweise zu Geschehnissen aus der Serie und auch sonst wird einen das Buch vermutlich eher weniger fesseln, wenn man mit Akte X gar nichts anfangen kann oder die Serie gar nicht kennt. Ich denke aber, dass so ein Buch sowieso nur von Fans der Serie gekauft werden wird. Und für solche bietet es tolle Unterhaltung. Wobei es sicher kein Buch ist, dass man am Stück runterlesen wird, sondern eher häppchenweise jeden Tag oder jede Woche eine Geschichte, wie bei einer TV-Serie halt 😉