Bücher

Lesend in den Oktober: Buchrezensionen Oktober 2016

Im Oktober habe ich auf der Buchplattform Lovelybooks ein sehr interessantes Jugendbuch zu einem sehr aktuellen Thema gewonnen, dass ich hier sehr gerne vorstellen möchte. Außerdem habe ich mal wieder einen guten Krimi gelesen 🙂

Benno Köpfer/Peter Mathews: Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten (Genre: Jugendbuch)

Bei „Kadir, Der Krieg und die Katze des Propheten“ handelt es sich augenscheinlich um ein primär an Jugendliche gerichtetes Buch (empfohlenes Lesealter ist 14-16 Jahre, wobei das Buch definitiv auch für Erwachsene sehr interessant ist) über einen 16-jährigen Jungen namens Kadir, der in die Fänge von Salafisten gerät und schließlich sogar nach Syrien reist, um sich dem IS anzuschließen, also ein sehr aktuelles und auch durchaus schwieriges Thema. Erzählt wird die Geschichte primär aus der Sicht von Mark, einem Schulfreund und Fußball-Kumpel von Kadir. Die beiden kennen sich seit sie kleine Kinder sind, gingen gemeinsam zur Schule und spielten in der gleichen Jugend-Fußballmannschaft. Sie sind gute Freunde, doch in letzter Zeit hat sich Kadir zurückgezogen, spricht immer weniger mit Mark und außer beim Fußball sehen sich die beiden kaum noch. Und plötzlich ist Kadir verschwunden, er taucht zu einem wichtigen Fußball-Match nicht mehr auf. Mark versucht zusammen mit Kadirs Schwester Meral herauszufinden, was mit Kadir passiert ist und schnell kommt der Verdacht auf, Kadir habe sich radikalisiert und sei sogar nach Syrien gereist…

So weit die grundlegende Geschichte des Buches. Erzählt wird das ganze in Rückblicken, man lernt anfangs viel über Kadir und seine türkischstämmige Familie, deren normales Familienleben und wie Kadir in Richtung des Salafismus abdriftet. Gerade der Anfang kommt dabei gelegentlich etwas belehrend daher, man merkt dem Buch teilweise an, dass es kein reiner Roman ist, sondern auch aufklären und erklären soll. Vor allem in diesen Passagen fand ich das Buch nicht immer 100% überzeugend, denn man merkt an diesen Stellen oft, dass Charaktere nur im Buch vorkommen, um eine erklärende Funktion zu erfüllen oder eine bestimmte Sichtweise abzudecken (besonders auffallend fand ich das z.B. bei dem Leiter eines Jugendtreffs, einem Geistlichen in einer Moschee oder Yannick, einem Schulkamerad von Mark). An diesen Stellen wirkte das Buch deswegen auf mich etwas zu konstruiert. Ich habe in meiner Jugend auch viele Bücher gelesen, die sich mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigten (z.B. Klassiker wie „Die Welle“, „die Wolke“ oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“), die aber trotzdem als literarisches Werk komplett überzeugten. Dieses Gefühl hatte ich bei diesem Buch nicht immer.

Im zweiten Teil der Geschichte wird erzählt was Kadir in Syrien erlebt, diese Teilen wirkten viel weniger konstruiert und es kam auch mehr Spannung auf und alles wirkte deutlich authentischer. Hier fand ich das Buch dann sehr stark und die Ereignisse auch sehr eindringlich. Das Buch macht einen guten Job darin zu erklären wie und warum Jugendliche dem IS verfallen, wo die Reize für Jungen wie Kadir liegen, es macht aber auch klar, dass es dafür keine einfachen Lösungen gibt, denn (vor allem labile und unsichere) Jugendliche werden für derartige extremistische Gruppen (nicht nur Salafisten, sondern auch andere extremistische Vereinigungen, ich kann mir gut vorstellen, dass z.B. rechtsextreme Gruppen sehr ähnlich agieren und auf sehr ähnliche Art und Weise für manche Jugendliche reizvoll wirken) sicherlich immer sehr anfällig sein.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es mich als literarisches Werk bzw. als Roman nicht zu 100% überzeugt hat. Es ist sicher auch ein gutes Buch, um es ihm Rahmen des Schulunterrichts zu lesen und zu diskutieren, generell halte ich das bei dem schwierigen Thema und der für mich doch nicht ganz 100% überzeugenden Aufbereitung bei jugendlichen Lesern sogar für besser. Am Ende des Buches gibt es noch ein kurzes Interview mit den beiden Autoren, in dem sie die Hintergründe des Buches erläutern, das hat mir dann wiederum gut gefallen.

Hjorth & Rosenfeldt: Die Menschen, die es nicht verdienen (Genre: Krimi)

„Die Menschen, die es nicht verdienen“ ist der 5. Band in der Krimireihe um den Kriminalpsychologien Sebastian Bergmann und das Team der Stockholmer Reichsmordkommission.

Diesmal wird das Team mit einem perfiden Serienmörder konfrontiert. Dieser hält sich für einen selbsternannten Wächter von Bildung und Intellekt und tötet offenbar Menschen, die auf aus seiner Sicht unberechtigte Weise durch Social Media oder Fernsehauftritte zu Erfolg und „Ruhm“ gebracht haben, zum Beispiel Stars von Reality-TV Doku Soaps, Z-Promis oder Blogger. Der Kriminalfall hat mir hierbei insgesamt sehr gut gefallen, es gibt einen interessanten und intelligenten Bösewicht, der sich mit den Ermittlern messen möchte (mich erinnerte der Täter trotz anderer inhaltlicher Ausrichtung seines Wahns etwas an Anders Breivik) und die Thematik die dahinter steckt ist durchaus sehr aktuell und glaubwürdig. Auch die Ermittlungen und die Auflösung des Kriminalfalls fand ich bis auf 1-2 kleinere Logikschwächen und unwahrscheinlicher Zufälle (die man in solchen Krimis ja fast immer hat) überzeugend.

Wie immer in dieser Reihe spielt das Privatleben und das teilweise belastete Verhältnis der Ermittler untereinander eine relativ große Rolle. Im 4. Band war mir das teilweise ein bisschen zu viel des Guten, aber jetzt im 5. Band fand ich das Verhältnis zwischen Kriminalfall und Privatproblemen ausgewogener, auch weil diesmal der Kriminalfall nicht so sehr mit dem Privatleben Sebastian Bergmanns verwoben war wie in Band 4. Trotzdem sollte man sich bei dieser Reihe bewusst sein, dass die Liebeswirrungen und Familienbeziehungen der einzelnen Ermittler einen wichtigen Teil des Geschehens bilden. Wer so etwas gar nicht mag, sollte die Finger von dieser Reihe lassen. Da die Charaktere alle sehr interessant sind (wenn auch definitiv nicht unbedingt besonders sympathisch), stört es mich persönlich nicht und es macht auch zu einem großen Teil den Charme dieser Reihe aus. Deswegen ist es auch kaum möglich einzelne Bücher aus dieser Reihe autonom zu lesen, da man Vieles nicht verstehen würde. Ich empfehle also für Neueinsteiger alle 5 Bände von Anfang an zu lesen.

Für mich ist die Reihe um Sebastian Bergmann im Moment eine der stärksten skandinavischen Krimireihen, sie ist sicherlich durch die sehr extremen und exzentrischen Charaktere außergewöhnlich, aber dafür etwas action-reicher und nicht so melancholisch wie manche andere skandinavische Erfolgskrimis.

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Buchrezensionen September 2016

Im August und September habe ich wieder einige interessante Bücher gelesen und diesmal war ich mit der Auswahl auch sehr zufrieden, zwar wiederum noch kein absolutes Mega-Highlight, das mich völlig von den Socken gerissen hätte, aber trotzdem 3 sehr gute Bücher:

Paula Fürstenberg – Familie der geflügelten Tiger (Genre: Belletristik)

„Familie der geflügelten Tiger“ ist ein kompaktes und edel wirkendes Buch, das sich mit der Lebensgeschichte der jungen Johanna beschäftigt. Johanna ist in der Uckermark aufgewachsen, zusammen mit ihrer Mutter. Ihr Vater hat sich Kurz vor Ende der DDR von der Familie abgesetzt, als Johanna noch ein Kleinkind war, laut Johannas Mutter in den Westen.

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Buch Rezensionen Sommer 2016

In den letzten paar Wochen hab ich wieder ein paar Bücher gelesen, diesmal war allerdings keins dabei, dass mich wirklich 100% vom Hocker gerissen hat. Gelungen fand ich die Bücher aber trotzdem, weswegen ich durchaus eine Leseempfehlung abgeben kann:

Stephen King: Finderlohn (Genre: Krimi/Thriller)

„Finderlohn“ ist Stephen Kings zweiter Roman (der erste war „Mr. Mercedes“) aus seiner Krimiserie um den pensionierten Polizisten Bill Hodges. Im Mittelpunkt des Buches steht eines von Kings Lieblingsthemen, nämlich die Schriftstellerei an sich, denn der ganze Plot dreht sich um das Lebenswerk eines fiktiven Autors, von dem einige Personen geradezu besessen sind. So beginnt das Buch auch damit, dass der kriminelle und ziemlich gestörte junge Morris seinen zurückgezogen lebenden Lieblingsschriftsteller überfällt und ermordet und dabei Geld und einige von ihm geschriebene Notizbücher erbeutet, die in den richtigen Händen Unmengen Geld wert sein könnten. Doch bevor Morris etwas mit seiner Beute anfangen kann, wird er wegen eines anderen Verbrechens fest genommen und landet für viele Jahrzehnte im Gefängnis.

Der Hauptteil des Buches spielt dann einige Jahrzehnte später, als der Junge Pete zufällig auf die Beute aus dem Raubüberfall stößt und fast zur gleichen Zeit Morris aus dem Gefängnis entlassen wird und sich selber auf die Suche nach seiner Beute macht…

So das Setup des Buches, das mir wirklich gut gefallen hat. Dass Literatur im Plot eine recht große Rolle spielt, gefällt mir gut und auch die beiden Hauptcharaktere Pete und Morris sind von Stephen King wirklich gut entwickelt, man kann sich in beide richtig reinversetzen, sogar in den skrupellosen und psychopathischen Morris.

Allerdings hat mir das Buch in der 2. Hälfte nicht mehr ganz so gefallen wie in der 1. Hälfte, da sich die Spannung, die am Anfang zu erahnen war, nicht ganz so aufgebaut hat, wie erwartet, was meiner Meinung nach auch daran lag, dass Stephen King im 2. Drittel ziemlich viel Zeit darauf verwendet hat einen Bogen zu den Charakteren und Ereignissen aus dem 1. Band zu schlagen, die aber für die eigentliche Handlung gar nicht so relevant gewesen wären. Hier stellt sich die Frage, ob das Buch ohne so eine starke Verknüpfung zu den Charakteren aus Mr. Mercedes nicht sogar besser gewesen wäre. Trotzdem hat mir auch dieser Band sehr gut gefallen, auch wenn ich Mr. Mercedes etwas besser fand. Einsteigern in die Reihe empfiehlt sich natürlich Band 1.

Emma Cline: The Girls (Genre: Belletristik, Sprache: Englisch)

Auf das Buch „The Girls“ von Emma Cline bin ich über eine Leserunde auf dem Buchportal Lovelybooks aufmerksam geworden. Das Buch spielt Ende der 60er Jahre in den USA und basiert lose auf den schrecklichen Geschehnissen rund um den Manson-Clan, wobei nicht der tatsächliche Manson Clan Inhalt der Geschichte ist, sondern eine fiktive Kommune, die lose an Charles Manson und seine Anhänger angelehnt ist.

Die Geschichte wird aus Sicht der 14-jährigen Evie erzählt, die einen frustrierenden Sommer zuhause verbringt, die Eltern haben sich getrennt, mit ihrer Mutter gibt es oft Streit, die Freundschaft zu ihrer besten Freundin zerbricht. In dieser schwierigen Zeit wird Evie auf einige Mädchen aufmerksam, die ganz anders zu sein scheinen als ihr eigenes trotz allem behütetes Teenagerleben. So erscheinen sie Evie wild, frei und faszinierend. Die Mädchen leben zusammen mit Russell, einem (Möchtegern)-Musiker auf einer Farm, in einer Art Hippie Kommune und schnell fühlt sich Evie dort auch wie zuhause.

Das Buch schildert auf eine sehr poetische Art und Weise wie Evie immer mehr in die Kommune rund um Russell hineingezogen ist und wie ihre Faszination für vor allem eines der Mädchen dort sie alle Vorsicht vergessen lässt. Der Schreibstil des Buches ist sehr poetisch und fließend und man bekommt wirklich ein Lebensgefühl für die damalige Zeit mitgegeben, allerdings fand ich obwohl ich oft Englisch lese, das Buch vom Wortschatz her doch recht anspruchsvoll, was meine Lesefluss etwas gebremst hat. Das Buch ist im Original denke ich eher etwas für geübte Englischleser. Inzwischen ist aber auch eine deutsche Ausgabe erschienen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, für wirklich übermäßige Begeisterung hat mir dann aber doch noch etwas gefehlt, ich finde das Buch gelungen, aber handlungstechnisch passiert anfangs doch relativ wenig, so dass man das Gefühl hat, das Buch könnte mehr Fahrt aufnehmen. Für ein Debutroman aber trotzdem sehr gelungen.

Federico Axat: Die Verwandlung des Schmetterlings (Genre: Belletristik/Kindheit/Jugend)

„Die Verwandlung des Schmetterlings“ ist für mich ein relativ schwierig zu bewertendes Buch, den am Anfang hatte ich definitiv erst mal Problem in das Buch reinzukommen, gerade das erste Kapitel das in der Ich-Perspektive aus Sicht eines einjährigen Kindes erzählt ist, hat mich nicht wirklich überzeugt (wenn erwachsene Autoren aus Sicht eines Kindes schreiben, führt das finde ich oft dazu, dass das Ergebnis unauthentisch klingt, bei einem 1-jährigen ist das fast schon automatisch so). Auch in den späteren Kapiteln, die aus Sicht des 12-jährigen Sam erzählt wird, fand ich die Sprache eher schwierig, denn sie ist recht blumig und von der Ausdrucksweise auch etwas altmodisch und sehr gewählt. Ich hatte deswegen durchaus Schwierigkeiten sie mit einem 12-jährigen Kind zu assoziieren. Eventuell ist das aber ein bisschen auch der Übersetzung aus dem Portugiesischen zuzuschreiben. Trotzdem liest sich das Buch aber sehr flüssig und unterhaltsam (die Kurzweiligkeit kommt auch dadurch, dass die Kapitel teils sehr kurz sind) und vom Stil her auch ein bisschen wie ein Jugendbuch (teilweise hatte ich ein bisschen das Gefühl eine Mischung aus „Kalle Blomquist“ und den Filmen „Super 8“ und Stephen Kings „Stand by me“ zu lesen), wobei lediglich der Stil ein bisschen an ein Jugendbuch erinnert, die Inhalte sind teilweise definitiv eher nicht jugendfrei und gegen Ende auch zumindest einmal ziemlich schockierend.

Handlungstechnisch steht im Mittelpunkt, Sam, 12 Jahre, der im Alter von einem Jahr mit seiner Mutter in einen Autounfall verwickelt war, bei dem die Mutter spurlos verschwand. Er wächst auf einem Hof in einer Pflegefamilie auf und verbringt einen aufregenden Sommer mit seinem Freund Billy und der neu zugezogenen reichen Freundin Miranda. Zusammen werden sie in Ereignisse verwickelt, die Sam auf die Spur des Schicksals seiner Mutter bringen. Aber auch Liebe, Erwachsenwerden und Mobbing durch andere Kinder sind zentrale Themen des Buches.

Auch inhaltlich ist das Buch ein bisschen eine Achterbahnfahrt, die Handlung läuft teilweise in viele Richtungen und auch etwas sprunghaft, so dass man am Anfang Vieles noch nicht richtig einschätzen kann und man sich gelegentlich fragt, wie die Fäden am Ende wieder zusammenlaufen sollen. Das tun sie durchaus und eine große Überraschung wartet am Ende auch noch auf den Leser.

Ich habe mich während des Lesens also öfter gefragt, wie viele Punkte ich dem Buch wohl geben würde, weil es mir einerseits wirklich gefallen hat, andererseits der Stil aber aus meiner Sicht schon sehr besonders war. Ich lag tatsächlich schwankend zwischen 3 und 5 Sternen (bei einer Höchstwertung von 5). Im Endeffekt fand ich das Buch dann aber doch wirklich gut: Weil das Buch einfach unheimlich unterhaltsam ist und es für mich ein großes Lesevergnügen war und aus der Masse der Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe deutlich heraussticht.

gesellschaft, Reiten

Warum die Welt ein besserer Ort wäre wenn jeder ein Pferd hätte ;-)

Dieser Blog heißt ja „Alles vom Ponyhof – und noch mehr“. Der Name kommt davon, dass ich hier eigentlich mal überwiegend über mein Pony bloggen wollte oder zumindest über Buch- und DVD-Rezensionen zum Thema Reiten. Allerdings klappt mit meinem Pony die letzten paar Monate/Jahre irgendwie alles super. Und wie das so ist, wenn’s gut läuft, hat man irgendwie gar nicht so viel zu sagen. Ich genieße eher und lese auch gar nicht mehr so viele Pferdebücher. Ergo kann ich keine Rezensionen drüber schreiben 😀

Aber es gibt trotzdem Einiges zu erzählen über die Pferdewelt und heute möchte ich mal die gewagte These aufstellen, dass die Welt ganz sicher besser wäre, wenn jeder ein Pferd hätte.

Bei Pferden gibt es nämlich im Allgemeinen 2,5 mögliche Zustände, der erste davon und mit Sicherheit auch der Häufigste ist:

Das Pferd „hat was“

Das gemeine Hauspferd hat nämlich immer was, entweder was ganz Ernstes oder was potentielles Ernstes oder was nicht ganz so Ernstes. Kolik, Hufrehe, Kreuzverschlag, Arthrose, Spat, Chip, nen Pickel der ein Sarkoid sein kann oder bloß ein Pickel, Haarlinge, PSSM, ECS, IR, EMS, KPU, VPU (das hab ich grad erfunden, aber dass KPU existiert hat auch noch keiner wissenschaftlich nachgewiesen, von dem her wird’s das bestimmt schon – irgendwann – geben), Satteldruck, schwere Kindheit, verritten, tritt zu kurz, tritt nicht unter, geht nicht über den Rücken, hebt sich raus, autoritäre Erziehung, antiautoritäre Erziehung, Übersäuerung, Selenmangel, Selenüberschuss, Herbstzeitlose, Glyphosat, Jakobskreuzkraut, COB, Gebäudemängel, Durchtrittigkeit, überbaut, kuhhessig, struppiges Fell, Fellwechselstörungen, Sommerekzem, Headshaking, Steigen, Bocken, unspezifische Lahmheit, Hangbeinlahmheit, Stützbeinlahmheit, schiefe Hufe, bröselige Hufe, HWS-Syndrom, Ataxie, hohe Trachten, keine Trachten, …(aus Platzgründen zähle ich hier mal nur ca. 1% der möglichen Probleme auf, die ein Pferd so haben kann).

Hat das Pferd nun „was“ hat der gemeine Pferdebesitzer für mögliche Weltprobleme ja nun sowieso gar keine Zeit, da könnte Donald Trump Präsident von Russland und den USA gleichzeitig werden, ein Atomkrieg toben, Trixie von Storch 50x am Tag der Mauszeiger ausrutschen, Zombies angreifen und alle Bienen spontan Massenselbstmord begehen, das bemerkt der Besitzer eines kranken Pferdes sowieso nicht. Er ist nämlich beschäftigt mit Tierarzt, THP, Sattler, Physiotherapeut, Bioresonanz, esoterischer Pendeltante, Tierkommunikatoren rufen, Blutbilder  machen lassen (macht man bei sich selber zur Vorsorge ja auch IMMER), Futtermittel kaufen/zusammenmischen/verteufeln , tüddeln, pinseln, streicheln, Globuli, Schüsslersalze, Medikamente kaufen, Petitionen gegen Giftpflanzen unterzeichnen, missionieren, sich im Internet verunsichern lassen, klugscheißen, sich selber klugbescheißen lassen…um irgendjemanden zu hassen, in den Krieg zu ziehen hat dieser Pferdebesitzer aber schon mal weder Geld noch Zeit (für Urlaub allerdings auch nicht). Ergo –> Welt besser.

Zustand Nummer 2 ist der zweithäufigste Zustand in der Pferdwelt:

Das Pferd „hat bestimmt was“

Trotz 24 h Überwachung  hat das Pferd auf den ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Blick scheinbar nichts. Aber „es guckt so!“ und „es macht was (in der Regel irgendwas das es von einem Fahrrad unterscheidet)“. Das kann nur bedeuten, das Pferd hat ganz bestimmt irgendwas, man hat es bloß noch nicht gefunden! Was tut der gemeine Pferdebesitzer da? Genau das gleiche wie bei Zustand 1. Ergo –> Welt besser.

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Wie das guckt! Das hat doch garantiert was…

 

Zustand Nummer 3 ist nun wirklich sehr sehr selten, aber er soll schon vorgekommen sein:

Das Pferd „hat nichts“

Das Pferd wirkt irgendwie meistens ganz munter. Man kann drauf reiten. Man hat ständiges ein komisches Gefühl dabei („das kann doch nicht sein? Irgendwas stimmt doch hier nicht?!“).

Führt dieser Zustand nun dazu, dass der gemeine Pferdebesitzer mehr Zeit hat sich positiv oder negativ ins Weltgeschehen einzubringen? Nee, natürlich nicht, weil:

a) er reitet ja immer, was mehr Glücksgefühle ausschüttet als 5 Tafeln Schokolade auf einmal essen. Oder er ist glücklich, weil er etwas unglaublich Schönes gesehen hat wie zum Beispiel:

schnute
Eine Pferdeschnute ❤

 

 

b) das Pferd soll ja weiterhin so gesund bleiben wie jetzt gerade, deswegen tut er immer noch 99% der unter Zustand 1 aufgelisteten Dinge

c) er ist immer mit füttern und misten beschäftigt. Sollte er in einem Vollversorgungsstall stehen oder Helfer irgendeiner Art haben, ist er immer mit der 24 h Überwachung von füttern und misten beschäftigt, weil wenn’s um eigene Pferd geht, kann man eh keinem trauen

d) weil er sein ganzes Geld für Sättel, Schabracken, Bandagen, Decken (das gemeine isländische Robustpferd hat neuerdings auch schon 4 verschiedene Arten Pferdedecken), Reitunterricht, Reitkurse, Schnickschnack, Glitzerhalfter, Pflegemittel, … ausgibt, kann er auch nie irgendwo hin fahren

Ergo wäre die Welt fraglos ein besserer Ort, wenn jeder ein Pferd hätte, bloß sind die halt leider zu teuer (vor allem wenn sie krank sind 😛 ).

Reisen

Impressionen aus Südtirol – Die letzten Tage

An den letzten 3 Tagen unsres Urlaubs hatte ich nicht mehr so viel Lust zu fotografieren und deswegen nicht mehr so viele Fotos. Am Tag nach unsrer großen Wanderung ließen wir es etwas ruhiger angehen und machten nur einen kleinen Ausflug zum Kronplatz, da wir eines der vielen (ich glaube es sind 6) Reinhold Messner Museen besichtigen wollten, die es in Südtirol gibt. Um zum Kronplatz zu gelangen fuhren wir mit dem Auto nach St. Vigil und von dort über den Furkel Pass zur Bahnstation. Mit der Seilbahn ging es dann auf den Kronplatz hinauf. Das dortige Messner Mountain Museum Corones hat das Thema „Traditioneller Alpinismus“ und ist vor allem auch architektonisch interessant, es wurde von der inzwischen verstorbenen Architektin Zaha Hadid entworfen und ist futuristisch wirkend in den Berg hineingebaut.

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Messner Mountain Museum Corona

Das Museum ist nicht allzu groß, aber durch die Lage im Berg (mehrstöckig) definitiv außergewöhnlich. Eine Plattform im Freien bietet einen tollen Rundumblick auf die umliegenden Bergle.

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Hat was von nem Sci-Fi Film

Nach dem Museumsbesuch machten wir noch einen Rundgang um den Kronplatz, gönnten uns einen Pause im Cafe (diesmal im Gegensatz zum Vortag bei angenehmen Temperaturen, auch wenn der Preis für eine Eiscafé etwas stattlich war 😛 ).

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Gleitschirmflieger

Am darauf folgenden Tag haben wir uns nochmal für eine kleinere Wanderung entschieden, diesmal von der Seiser Alm einen Rundweg um den Kompatsch. Diese Wanderung war zwar eine der Einfachsten, aber trotzdem in der Praxis die gefährlichste. Zuerst bin ich gestolpert und habe mir die Hand aufgerissen und dann wurden wir dank einiger fieser Windböen an einer Einkehrhütte fast von einem riesigen herumfliegenden Sonnenschirm erschlagen 😉 (wir flüchteten nach etwas Schockstarre unter das Dach eines Sandkastens auf dem Spielplatz 😀 ). Ansonsten blieb die Wanderung aber ein gemütlicher gemäßigter Rundweg.

Abends sind wir noch nach Kastelruth gefahren, da dort so was wie eine „Shopping Night“ war. Dort stellten wir auch fest, dass der italienische Erstliga-Verein FC Bologna dort gerade zu Gast ist, eine Tatsache, die uns am nächsten Tag noch mehr unterhalten sollte…Kastelruth ist finde ich ein ganz nettes kleines Städtchen, natürlich sehr bekannt für seine berühmten Vertreter, die dort auch ausgiebig gehuldigt werden:

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Denkmal für die Spatzen

Dort gibt es sogar einen Kastelruther Spatzen Fanshop (das dazu gehörige Museum war leider abends nicht mehr geöffnet 😀 ) , der so ziemlich alles verkauft was man sich nur vorstellen kann, mein absoluter Favorit war:

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Als liebevolles Detail schwimmt hier im unteren Teil der Maus ein Bild der Spatzen in Flüssigkeit

Etwas irritierend fand ich, dass man dort Volksmusik- und Schlager-CDs für 22,90 Euro hätte kaufen können, die man bei Amazon für 8,99 kriegt 😀 Auch Helene Fischers Stadion-Tournee von letztem Jahr mutet dort an wie ein Fremdkörper zwischen Dingen wie clubbb3 und Andreas Fulterer 😛 (aber daran, dass sie dort immer noch zu finden ist, ist sie auch selbst Schuld).

Am letzten Tag hatten wir Besuch von einer Bekannten aus Italien, mit der wir nochmal auf die Seiser Alm gefahren und einen kleinen Rundweg gelaufen sind. Dort trainierte dann ulkigerweise der FC Bologna (erkennbar an den Trainingsklamotten) mitten auf unsrem Wanderweg (so dass man durchaus Gefahr lief überrannt zu werden) und dann auch noch am gleichen Ausflugslokal wie wir, wo sie auch zu mittag aßen (meine Freundinnen fanden das Essen der Profisportler etwas zu ungesund 😀 ).

Unsere Rundwanderung geriet dann gegen Ende noch etwas anstrengender als geplant, da auf der Karte nicht zu erkennen war, dass das letzte Stück des Wegen zuerst steil bergab in ein Tal und danach natürlich wieder rauf führen würde. Dadurch wurde die Wanderung aber landschaftlich noch etwas abwechslungsreicher.

Insgesamt kann ich Südtirol und die Dolomiten uneingeschränkt weiterempfehlen, wenn man ein Fan des Wanderns und der Berge ist. Aber auch sonst bietet die Region Einiges an Ausflugsmöglichkeiten und die Natur ist wirklich unheimlich schön.

Reisen

Impressionen aus Südtirol – Wanderung um Langkofel und Plattkofel

Unser Highlight im Bezug auf Wandern war bei unsrem Südtirol Urlaub eine ca. 5 einhalb stündige Wanderung um die beiden Berge Langkofel und Plattkofel. Dazu sind wir morgens zu dem Alpenpass Sellajoch gefahren, was mit mehr Schwierigkeiten verbunden war als erwartet, zuerst waren wir mit einer Automaten-Tankstelle erst mal überfordert (ein Problem, das dank mangelhafter Beschilderung alle anderen offensichtlichen Touristen an der Tankstelle auch hatten. Einen ungeduldigen Italiener ohne Englisch-Kenntnisse verleitete das zum Aufgeben und uns zu der Vermutung, dass die Englisch-Kenntnisse vom Durchschnitts-Italiener vielleicht sogar noch schlechter sind als vom Durchschnitts-Deutschen?!) und dann staute sich kurz vor dem Sellajoch plötzlich alles komplett. Gerade als wir aufgeben und umkehren wollten (weil die Wanderung ja auch noch zeitlich in den Tag passen musste 😉 ), ging’s dann aber doch weiter und es stellte sich raus, dass am Sellajoch auch noch eine Festlichkeit vorbereitet wurde…

Am Sellajoch entdecken wir gleich mal eine sehr altertümlich wirkende Bergbahn, mit der wir zum Glück nicht fahren mussten 🙂

bahn
Ein- oder Zweimann Kabine?

 

Die Wanderung führte dann durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, die deutlich karger war als an der Seiser Alm (für mich total begeisternd, denn ich kann mich ja für karge Landschaften unheimlich begeistern, Hochland von Island oder Norwegen, ein Traum (warum weiß ich auch nicht so recht, vielleicht ist es der Gedanke, dass DAS sicher trotzdem alles mal übrig bleibt, wenn die Menschheit sich mal erfolgreich selbst ausgerottet hat 😛 ) …so karg war es hier natürlich nicht, aber auch wunderschön

berge
Karge Schönheit

Die Strecke fing mit gut befestigten Wegen an und führte dann zeitweise durch eher steiniges Gebiet und teilweise durch bewaldete Abschnitte

weg
Trittsicherheit brauchte man schon

Auch ein Geröllfeld galt es zu überwinden:

geroell
Durchs Geröllfeld

Nach den anstrengenden Abschnitten gab es dann einen schönen Fernblick Richtung Seiser Alm zu bewundern

blick

Hinter diesem Tor folgte dann (doch noch eine gute Gehstunde weiter) nach ca. 4 stunde die sehr verdiente Essens- und Trinkpause an der Plattkofelhütte

zaun

Die Rast an der Plattkofelhütte wurde dann allerdings nicht ganz so erholsam wie erhofft, denn drinnen gab es keine Plätze mehr und draußen war es dank eines eiskalten Windes (der irgendwie nur dort vorhanden war, während der Wanderung war das Wetter super) beim Essen dann so kalt, dass wir gefühlt fast erfroren sind (dass aus den Wasserhähnen der Toilette auch nur eiskaltes Wasser kam, half auch nicht weiter). Bis zurück zum Sellajoch waren es dann aber nochmal gut anderthalb Stunden, in denen uns wieder gut warm wurde.

Insgesamt waren wir 7 Stunden unterwegs, davon ziemlich genau 5:30 an Gehzeit. Die Wanderung war als mittelschwer angegeben, was ich auch passend finde. Durchaus anstrengend, aber da es nur einen steilen Anstieg gibt, von der Kondition her gut machbar (ich finde es eher kräfte- und konzentrationsmäßig anstrengend, da man doch recht gute Trittsicherheit braucht).

Allgemein

Impressionen aus Südtirol – Rundweg auf der Seiser Alm

Am 3. Tag unsres Urlaubs sind wir nach St. Ulrich gefahren und von dort mit der Seilbahn auf die Seiser Alm. Da wir für den nächsten Tag eine größere Wanderung geplant haben, wollten wir diesmal eher nur einen „Spaziergang“ machen (man will sich ja nicht übernehmen 😉 ).

herz
Gibt’s was Schöneres als Berge?

Auf unsrem Rundweg entdeckten wir eine überdimensionierte Holzbank (die wohl schon im ZDF Fernsehgarten einen Auftritt hatte, laut meinen Freundinnen), die wir heldenhaft erklommen haben. Zwischendrin haben wir einen überdurchschnittlich schönen Ausfluglokal gehalten, das einen wirklich perfekten Blick auf Langkofel und Plattkofel boten (das sind die beiden Berge, die man oben durch das Herz sieht) und zur Stärkung gab’s sehr gesund Pommes und Spezi.

fahrrad
Wie in der Werbung…

Zurück im Tal machten wir noch eine Fahrt nach St. Kristina und Wolkenstein, auf der etwas wirren Suche nach der Weltcup-Abfahrtsstrecke Gardena-Gröden . Dabei machten wir die Feststellung, dass manche Karten auf Hinweistafeln doch etwas sehr stilisiert sind, aber nach einigem Umhergefahre entdeckten wir den Zielraum dann doch noch bei St. Kristina. Da wir schon da waren, nutzen wir die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang durch den Ort, der immerhin eine „Mega Krippe“ (so der offizielle Name) zu bieten hatte, eine tatsächlich beeindruckend große (komplett handgeschnitzte) Krippe.

Zum Abschluss noch einige visuelle Impressionen von unsrer Wanderung:

wiese
Schönheit im Großen

 

pony Kopie
Einen halben Tigerschecken haben wir auch entdeckt
pflanze
Schönheit im Kleinen
Allgemein

Impressionen aus Südtirol – Wanderung rund um Laranz

Südtirol bietet sich natürlich zum Wandern besonders an, trotzdem sind wir natürlich nicht jeden Tag gewandert. Wir haben zwei kleinere Wanderungen gemacht, eine etwas größere und schwerere Tagestour und noch 1-2, die ich eher als Spaziergänge bezeichnen würde. An unserem ersten Tag ging’s noch nicht direkt auf den Berg, sondern wir haben uns für eine Wanderung direkt von Seis aus entschieden. Wir sind einen ca. 3 – 4 stündigen Rundweg zwischen Seis und Kastelruth gewandert („Rund um Laranz“).

berg
Frühmorgendlicher Ausblick auf die Berge

 

Der Weg führte durch den Wald am Ausblick „Königswarte“ vorbei Richtung Kastelruth und dann in einer Schleife zurück Richtung Seis. Die Beschreibung unseres Wanderwegs war zwar im Prinzip sehr gut, trotzdem fanden wir uns einmal auf einem Wiesenweg wieder, auf dem der erkennbare Weg aufhörte, so dass wir eine Wiese an einem Steilhang ) (fast) runter(rutschen) mussten, das war aber auch der einzige unvorhergesehen aufregende Teil der Wanderung 😉

wald
Into the woods

 

Auf dem Rückweg machten wir halt am Pflegerhof (http://www.pflegerhof.com/) einem Bio-Kräuterhof in St. Oswald (gehört zu Kastelruth), der idyllisch direkt neben einer kleinen Burgruine liegt und einen Hofladen hat in dem man die Produkte des Hofes (Kräuter, Tees, Kräutersalze, einige Kosmetikprodukte) direkt kaufen kann.

ruine
Ruine am Pflegerhof
krauter
Teile des Kräutergartens

 

 

Nach der Pause und dem Einkauf einiger Mitbringsel ging’s zurück Richtung Seis, wir machten aber noch eine Getränkepause an einem eher wenig besuchten 😀 Gaststätte, wo wir nach der Info, dass es kein Fanta gibt (stand auf der Speisekarte) jeder eine Flasche Cola erhielten auf der wir das Datum 2014 entdecken (wir haben es optimistisch als Abfüllungsdatum interpretiert…ich fand die Cola schmeckte normal, aber eine Freundin war dann doch der Meinung gegen Ende Anzeichen von Abgelaufensein bemerkt zu haben 😉 ). So gestärkt ging es vorbei an der Malenger Mühle, einer mehr als 500 Jahre alten kleinen Mühle, die zu Schauzwecken und für den Hausgebrauch wohl noch gelegentlich in Betrieb genommen wird und innen liebevoll mit verschiedenen Getreiden und Informationen geschmückt ist.

 

Reisen

Impressionen aus Südtirol – Teil 1

Dieses Jahr war ich mit drei Freundinnen zusammen im Sommerurlaub in Südtirol. Ich war noch nie in dieser Region, meine Freundinnen aber schon und da ich die Berge liebe (Ich bin definitiv mehr ein „Berg-Typ“ als ein „Meer-Typ“- an meinen letzten Strandurlaub kann ich mich kaum noch erinnern 😉 ) war ich für diese Idee natürlich sofort zu begeistern.

Gewohnt haben wir in Seis am Schlern, einem kleinen Ort in der Nähe von Kastelruth (dürfte in Deutschland eher bekannt sein), im Hotel „Schwarzer Adler“ (http://www.hotelschwarzeradler.it/), das ich praktisch uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Relativ klein und familiär, mit sehr freundlichem Service, einer doch eher überdurchschnittlichen Küche, Dachterrasse und Pool. Das Essen in Südtirol hat mir gut geschmeckt, denn es ist nicht so deftig wie zum Beispiel letztes Jahr in Österreich und hat eher schon mediterrane Einflüsse.

seis
Blick aus unserem Hotelzimmer

 

Vom Schwerpunkt her war unser Urlaub natürlich teilweise dem Wandern gewidmet, es blieb aber auch genug Zeit zum relaxen und für Ausflüge. Von Seis aus sind einige kleinere Südtiroler Städte gut zu erreichen, zum Beispiel Meran, Bozen oder Brixen (in diesem Urlaub waren wir nur in Meran). Die Highlights unserer Wanderungen und Ausflüge möchte ich jetzt gerne etwas vorstellen.

Die Gärten von Schloss Trautmannsdorff in Meran

schloss
Blick aus den Gärten auf das Schloss

 

In den Gärten von Schloss Trautmannsdorff kann man viele verschiedene Pflanzen und Blumen bewundern, die thematisch und regional gruppiert sind, so gibt es einen Bereich mit Waldpflanzen (vor allem Bäume und Farne), einen Bereich mit Blumen und Pflanzen, die typisch für Südtirol sind, japanische Gärten, einen „Garten der Liebenden“, so wie eine ziemlich spektakuläre freihängende Aussichtsplattform und eine Voliere mit Papageien.

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Aussichtsplattform (durchaus etwas wacklig)

 

Im Schloss selbst gibt es außerdem ein Museum zur Geschichte des Tourismus in Südtirol von den Anfängen bis zur heutigen Zeit, in dem das Thema Tourismus auf unterhaltsame und durchaus auch kritische und bissige Weise abwechslungsreich beleuchtet wird. Außerdem gibt es einige Informationen zu Sisi, die das Schloss Trautmannsdorff auch einige Male besucht hat, das Schloss ist also auch für Sisi Fans definitiv interessant (eine Sisi Statue in den Gärten gibt es auch noch, sowie einen Bademantel den sie dort getragen hat und als eher skurriles Artefakt, den Rest eines völlig eingetrockneten Rührkuchens, der Sisi dort angeblich serviert wurde und von dem sie ein Stück gegessen haben soll – wie man die Echtheit solcher Dinge damals wohl sichergestellt hat, sei mal dahingestellt 😀 ).

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Eine der unzähligen Blumen im Schlossgarten
Bücher

Noch mehr Bücher-Highlights aus dem 2. Quartal 2016

Die letzten Monate hab ich noch ein paar Bücher gelesen, die ich überdurchschnittlich gut fand und deswegen etwas genauer vorstellen möchte:

Rainbow Rowell – „Carry on“ (Genre: Young Adult)

Den Roman „Carry on“ kann man wohl am Besten als Spin-Off von Rainbow Rowell’s Vorgängerroman „Fangirl“ bezeichnen. „Fangirl“ ist ein Coming-Of-Age Roman, in dem die junge Protagonistin mit Begeisterung Fanfiction über die Charaktere einer fiktiven Fantasy-Buch-Reihe schreibt, konkret über Simon Snow, einen jungen mächtigen Magier, der laut Prophezeihung dafür geboren ist, die Welt der Magier zu retten…in „Fangirl“ ist das Thema Fanfiction zwar ein Hauptthema des Buches, Simon Snow taucht dort aber nur in Ausschnitten auf.

In „Carry On“ hingegen ist er die Hauptperson und das Buch wirft den Leser sozusagen Mitten in das Leben des jungen Magiers, der aktuell die letzte Klasse einer Schule für junge Magier besucht. Wer dabei an Harry Potter denkt ist natürlich im Prinzip genau richtig, denn dass die fiktive Simon Snow Reihe an Ideen aus Harry Potter angelehnt ist, ist ziemlich offensichtlich…Simon Snow ist so was wie ein Held wider Willen, er hat eine beste Freundin, die schon ein bisschen an Hermine Grange erinnert, er hat einen Widersacher, er geht auf eine Magierschule…so gibt es einerseits zwar viele Parallelen zu Harry Potter, wer nun aber denkt „Carry On“ wäre eine billige Kopie oder ein Plagiat, tut dem Roman mehr als Unrecht, denn Rainbow Rowell hat hier etwas geschaffen, das wirklich bemerkenswert ist. Zwar gibt es wie gesagt deutliche Parallelen zur Harry Potter Reihe, aber auch viele Unterschiede, wie fast immer bei Rainbow Rowell stehen bei ihr weniger die Handlung, sondern die die Charaktere und ihr Gefühlsleben im Vordergrund und wie immer handelt es sich bei dem Roman eigentlich um eine klassische (in diesem Fall schwule) Liebesgeschichte. Müsste man den Einstieg in den Roman beschreiben, so kann man sich das in etwa so vorstellen, als würde man aus dem Nichts in den 6. Roman der Harry Potter geworfen worden, denn die ganze Vorgeschichte von Simon Snow ergibt sich aus Rückblicken…erzählt wird die Geschichte dann aus wechselnden Perspektiven, teils natürlich aus Sicht von Simon Snow, teils aus Sicht seiner Freundin Penelope, seines Widersachers und Love-Interests Baz, seiner Freundin Agatha und einiger anderer Neben-Charaktere.

Das Fantasy-Setting ist hier vor allem am Anfang nur der Rahmen um die Liebesgeschichte, hat mich aber vor allem am Ende und in der Auflösung wirklich überzeugt und sticht positiv aus dem typischen Fantasy-Einheitsbrei heraus. Was mich besonders beeindruckt hat, ist dass die Charaktere auf mich deutlich authentischer und weniger klischeehaft gewirkt haben, als es in Fantasyromanen oft der Fall ist, dazu kommt ein selbstironischer Humor…all das ergibt so ein charmantes und stimmiges Gesamtbild, dass ich das Buch sogar deutlich besser fand als „Fangirl“ (und ganz ehrlich gesagt sogar besser als Harry Potter).

Für mich ist Rainbow Rowell definitiv eine der talentiertesten Autorinnen im Young Adult Bereich, was man schon daran sieht, dass ich ihre Romane unheimlich gerne mag, obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne „Liebesgeschichten“ lese. Leider sind sowohl „Fangirl“ als auch „Carry On“ bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden. Allerdings ist das Englisch nicht sooo kompliziert, da es sich ja um ein Buch aus dem Young Adult Bereich handelt. Wer nur auf Deutsch liest und trotzdem Interesse an der Autorin hat, dem empfehle ich ihr Buch „Eleanor & Park“.

Haruki Murakami – „Wenn der Wind singt / Pinball 1973“ (Genre: Belletristik)

Der Japaner Haruki Murakami ist schon lange einer meiner Lieblingsautoren, auch wenn sein Stil und auch der Inhalt seiner Romane sicher Geschmackssache ist 😉

„Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ sind zwei Kurzromane beziehungsweise Novellen, die Haruki Murakami ganz am Anfang seiner Schriftsteller-Karriere veröffentlicht hatte (soweit ich die Einleitung richtig verstanden habe, waren es sogar seine ersten Romane überhaupt), die aber erst später auf Deutsch veröffentlicht wurden. Beide Kurzromane gehören insofern zusammen, da sie beide einige Monate aus dem Leben eines jungen nicht näher benannten Ich-Erzählers und seines Freundes „Ratte“ in den 1970er Jahren erzählen…“Wenn der Wind singt“ spielt hierbei etwas früher und schildert ein paar Wochen aus der Studentenzeit des Erzählers, der in den Semesterferien in seine Heimatstadt zurückgekommen ist und einige heiße Sommerwochen mit seinem Freund Ratte totschlägt, immer auf der Suche nach einem Sinn und durchaus auch nach der Liebe.

In „Pinball 1973“ ist der Erzähler ein paar Jahre älter und gerade ins Berufsleben gestartet, ansonsten hat sich aber gar nicht so viel verändert. Ansonsten ist es schwierig über die Handlung der Romane der zu schreiben, denn im Prinzip sind beide Romane Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Menschen, Fragmente, die auch durchaus eher zusammenhanglos geschildert sind. Vieles bleibt offen, man bekommt das Gefühl genauso wie der Erzähler etwas orientierungs- und planlos durch diese Monate zu gleiten, die poetische Spraches schafft es dabei ganz hervorragend das Gefühl rüberzubringen. Eine großartige Handlung oder Hochspannung darf man sich von diesen beiden Romanen sicherlich nicht erwarten und auch keinen abgeschlossenen Roman mit einer klaren definierten Handlung. Trotzdem haben mir die beiden Kurzromane ganz hervorragend gefallen, wobei ich „Wenn der Wind singt“ ein kleines bisschen besser gelungen fand als den zweiten Teil.

Jemandem der Murakami nicht kennt, würde ich nicht unbedingt dieses Buch als Einstieg vorschlagen (da es sich nicht um einen Roman mit einer richtigen Handlung handelt und sich vermutlich nicht optimal eignet, um rauszufinden, ob einem der Stil Murakamis wirklich liegt), sondern einer seiner „Klassiker“ wie zum Beispiel „Wilde Schafsjagd„oder „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt„.

Celeste Ng – „Was ich euch nicht erzählte“ (Genre: Gesellschaft/Familie)

Im Mittelpunkt des in den 70er Jahren spielenden Romans „Was ich euch nicht erzählte“ steht der ungeklärte Tod der 16-jährigen Lydia Lee. Lydia ist die mittlere Tochter einer fünfköpfigen Familie. Lydia war auf den ersten Blick ein ganz normaler ehrgeizig wirkender fleißiger Teenager. Der Roman stellt sich der Frage: Wie konnte es zu Lydias Tod kommen?

Die Familie besteht aus dem Vater James Lee (einem Sohn chinesischer Einwanderer), der Mutter Marylin Lee (einer weißen Amerikanerin) und den beiden Geschwistern Lydias, dem älteren Nath, der knapp vor dem Wechsel von High School zur Universität steht und der jüngeren Schwester Hannah.

Das Buch beginnt direkt mit dem Tod Lydias und beschäftigt sich in der Folge mit der Frage, was Lydia für ein Mensch war und wie das Leben und die Atmosphäre in ihrer Familie aussah. Außerdem wird die Geschichte und der Hintergrund von Lydias Eltern näher beleuchtet. Auf den ersten Blick wirken die Lees wie eine ganz normale Mittelstandsfamilie, aber nach Lydias Tod wird immer klarer, dass in der Familie so Einiges nicht in Ordnung war. Schritt für Schritt lernt man die einzelnen Familienmitglieder näher kennen und lernt so mit auch immer mehr über Lydia und ihr Schicksal. Die Sprache des Buches ist dabei sehr präzise, nüchtern und klar, was aber keineswegs heisst, dass die Emotionen zu kurz kommen. Das zentrale Thema des Buches ist die (mangelnde) Kommunikation innerhalb einer Familie, die Erwartungen die Menschen an ihr Leben haben und was sie daraus machen und die Frage was die Erwartungen von Eltern für ihre Kinder für einen Einfluß auf deren Leben haben. Auch die Vorurteile und der Hass, der einer ethnisch gemischten Familie und Einwanderern im Amerika der 70er Jahre entgegen schlug (ein Thema das leider immer noch kein Bisschen weniger aktuell geworden ist) und was es für einen Einfluss auf das Leben und das Selbstverständnis der Familienmitglieder hat, spielt eine wichtige Rolle.

Mir hat das Buch ganz hervorragend gefallen, die Sprache ist meiner Meinung nach wirklich exzellent und war genau mein Geschmack und man bekommt wirklich ein Gefühl für jedes einzelne Familienmitglied. Die Geschichte ist eher düster und tragisch, aber durchaus vor allem am Ende nicht hoffnungslos. Obwohl ein Todesfall den Kern bildet, um den sich der Roman aufbaut, handelt es sich dabei definitiv NICHT um einen Krimi oder Thriller, obwohl der Klappentext wie so oft hier etwas irreführend wirken kann.