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Buchrezensionen September 2016

Im August und September habe ich wieder einige interessante Bücher gelesen und diesmal war ich mit der Auswahl auch sehr zufrieden, zwar wiederum noch kein absolutes Mega-Highlight, das mich völlig von den Socken gerissen hätte, aber trotzdem 3 sehr gute Bücher:

Paula Fürstenberg – Familie der geflügelten Tiger (Genre: Belletristik)

„Familie der geflügelten Tiger“ ist ein kompaktes und edel wirkendes Buch, das sich mit der Lebensgeschichte der jungen Johanna beschäftigt. Johanna ist in der Uckermark aufgewachsen, zusammen mit ihrer Mutter. Ihr Vater hat sich Kurz vor Ende der DDR von der Familie abgesetzt, als Johanna noch ein Kleinkind war, laut Johannas Mutter in den Westen.

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Buch Rezensionen Sommer 2016

In den letzten paar Wochen hab ich wieder ein paar Bücher gelesen, diesmal war allerdings keins dabei, dass mich wirklich 100% vom Hocker gerissen hat. Gelungen fand ich die Bücher aber trotzdem, weswegen ich durchaus eine Leseempfehlung abgeben kann:

Stephen King: Finderlohn (Genre: Krimi/Thriller)

„Finderlohn“ ist Stephen Kings zweiter Roman (der erste war „Mr. Mercedes“) aus seiner Krimiserie um den pensionierten Polizisten Bill Hodges. Im Mittelpunkt des Buches steht eines von Kings Lieblingsthemen, nämlich die Schriftstellerei an sich, denn der ganze Plot dreht sich um das Lebenswerk eines fiktiven Autors, von dem einige Personen geradezu besessen sind. So beginnt das Buch auch damit, dass der kriminelle und ziemlich gestörte junge Morris seinen zurückgezogen lebenden Lieblingsschriftsteller überfällt und ermordet und dabei Geld und einige von ihm geschriebene Notizbücher erbeutet, die in den richtigen Händen Unmengen Geld wert sein könnten. Doch bevor Morris etwas mit seiner Beute anfangen kann, wird er wegen eines anderen Verbrechens fest genommen und landet für viele Jahrzehnte im Gefängnis.

Der Hauptteil des Buches spielt dann einige Jahrzehnte später, als der Junge Pete zufällig auf die Beute aus dem Raubüberfall stößt und fast zur gleichen Zeit Morris aus dem Gefängnis entlassen wird und sich selber auf die Suche nach seiner Beute macht…

So das Setup des Buches, das mir wirklich gut gefallen hat. Dass Literatur im Plot eine recht große Rolle spielt, gefällt mir gut und auch die beiden Hauptcharaktere Pete und Morris sind von Stephen King wirklich gut entwickelt, man kann sich in beide richtig reinversetzen, sogar in den skrupellosen und psychopathischen Morris.

Allerdings hat mir das Buch in der 2. Hälfte nicht mehr ganz so gefallen wie in der 1. Hälfte, da sich die Spannung, die am Anfang zu erahnen war, nicht ganz so aufgebaut hat, wie erwartet, was meiner Meinung nach auch daran lag, dass Stephen King im 2. Drittel ziemlich viel Zeit darauf verwendet hat einen Bogen zu den Charakteren und Ereignissen aus dem 1. Band zu schlagen, die aber für die eigentliche Handlung gar nicht so relevant gewesen wären. Hier stellt sich die Frage, ob das Buch ohne so eine starke Verknüpfung zu den Charakteren aus Mr. Mercedes nicht sogar besser gewesen wäre. Trotzdem hat mir auch dieser Band sehr gut gefallen, auch wenn ich Mr. Mercedes etwas besser fand. Einsteigern in die Reihe empfiehlt sich natürlich Band 1.

Emma Cline: The Girls (Genre: Belletristik, Sprache: Englisch)

Auf das Buch „The Girls“ von Emma Cline bin ich über eine Leserunde auf dem Buchportal Lovelybooks aufmerksam geworden. Das Buch spielt Ende der 60er Jahre in den USA und basiert lose auf den schrecklichen Geschehnissen rund um den Manson-Clan, wobei nicht der tatsächliche Manson Clan Inhalt der Geschichte ist, sondern eine fiktive Kommune, die lose an Charles Manson und seine Anhänger angelehnt ist.

Die Geschichte wird aus Sicht der 14-jährigen Evie erzählt, die einen frustrierenden Sommer zuhause verbringt, die Eltern haben sich getrennt, mit ihrer Mutter gibt es oft Streit, die Freundschaft zu ihrer besten Freundin zerbricht. In dieser schwierigen Zeit wird Evie auf einige Mädchen aufmerksam, die ganz anders zu sein scheinen als ihr eigenes trotz allem behütetes Teenagerleben. So erscheinen sie Evie wild, frei und faszinierend. Die Mädchen leben zusammen mit Russell, einem (Möchtegern)-Musiker auf einer Farm, in einer Art Hippie Kommune und schnell fühlt sich Evie dort auch wie zuhause.

Das Buch schildert auf eine sehr poetische Art und Weise wie Evie immer mehr in die Kommune rund um Russell hineingezogen ist und wie ihre Faszination für vor allem eines der Mädchen dort sie alle Vorsicht vergessen lässt. Der Schreibstil des Buches ist sehr poetisch und fließend und man bekommt wirklich ein Lebensgefühl für die damalige Zeit mitgegeben, allerdings fand ich obwohl ich oft Englisch lese, das Buch vom Wortschatz her doch recht anspruchsvoll, was meine Lesefluss etwas gebremst hat. Das Buch ist im Original denke ich eher etwas für geübte Englischleser. Inzwischen ist aber auch eine deutsche Ausgabe erschienen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, für wirklich übermäßige Begeisterung hat mir dann aber doch noch etwas gefehlt, ich finde das Buch gelungen, aber handlungstechnisch passiert anfangs doch relativ wenig, so dass man das Gefühl hat, das Buch könnte mehr Fahrt aufnehmen. Für ein Debutroman aber trotzdem sehr gelungen.

Federico Axat: Die Verwandlung des Schmetterlings (Genre: Belletristik/Kindheit/Jugend)

„Die Verwandlung des Schmetterlings“ ist für mich ein relativ schwierig zu bewertendes Buch, den am Anfang hatte ich definitiv erst mal Problem in das Buch reinzukommen, gerade das erste Kapitel das in der Ich-Perspektive aus Sicht eines einjährigen Kindes erzählt ist, hat mich nicht wirklich überzeugt (wenn erwachsene Autoren aus Sicht eines Kindes schreiben, führt das finde ich oft dazu, dass das Ergebnis unauthentisch klingt, bei einem 1-jährigen ist das fast schon automatisch so). Auch in den späteren Kapiteln, die aus Sicht des 12-jährigen Sam erzählt wird, fand ich die Sprache eher schwierig, denn sie ist recht blumig und von der Ausdrucksweise auch etwas altmodisch und sehr gewählt. Ich hatte deswegen durchaus Schwierigkeiten sie mit einem 12-jährigen Kind zu assoziieren. Eventuell ist das aber ein bisschen auch der Übersetzung aus dem Portugiesischen zuzuschreiben. Trotzdem liest sich das Buch aber sehr flüssig und unterhaltsam (die Kurzweiligkeit kommt auch dadurch, dass die Kapitel teils sehr kurz sind) und vom Stil her auch ein bisschen wie ein Jugendbuch (teilweise hatte ich ein bisschen das Gefühl eine Mischung aus „Kalle Blomquist“ und den Filmen „Super 8“ und Stephen Kings „Stand by me“ zu lesen), wobei lediglich der Stil ein bisschen an ein Jugendbuch erinnert, die Inhalte sind teilweise definitiv eher nicht jugendfrei und gegen Ende auch zumindest einmal ziemlich schockierend.

Handlungstechnisch steht im Mittelpunkt, Sam, 12 Jahre, der im Alter von einem Jahr mit seiner Mutter in einen Autounfall verwickelt war, bei dem die Mutter spurlos verschwand. Er wächst auf einem Hof in einer Pflegefamilie auf und verbringt einen aufregenden Sommer mit seinem Freund Billy und der neu zugezogenen reichen Freundin Miranda. Zusammen werden sie in Ereignisse verwickelt, die Sam auf die Spur des Schicksals seiner Mutter bringen. Aber auch Liebe, Erwachsenwerden und Mobbing durch andere Kinder sind zentrale Themen des Buches.

Auch inhaltlich ist das Buch ein bisschen eine Achterbahnfahrt, die Handlung läuft teilweise in viele Richtungen und auch etwas sprunghaft, so dass man am Anfang Vieles noch nicht richtig einschätzen kann und man sich gelegentlich fragt, wie die Fäden am Ende wieder zusammenlaufen sollen. Das tun sie durchaus und eine große Überraschung wartet am Ende auch noch auf den Leser.

Ich habe mich während des Lesens also öfter gefragt, wie viele Punkte ich dem Buch wohl geben würde, weil es mir einerseits wirklich gefallen hat, andererseits der Stil aber aus meiner Sicht schon sehr besonders war. Ich lag tatsächlich schwankend zwischen 3 und 5 Sternen (bei einer Höchstwertung von 5). Im Endeffekt fand ich das Buch dann aber doch wirklich gut: Weil das Buch einfach unheimlich unterhaltsam ist und es für mich ein großes Lesevergnügen war und aus der Masse der Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe deutlich heraussticht.

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Noch mehr Bücher-Highlights aus dem 2. Quartal 2016

Die letzten Monate hab ich noch ein paar Bücher gelesen, die ich überdurchschnittlich gut fand und deswegen etwas genauer vorstellen möchte:

Rainbow Rowell – „Carry on“ (Genre: Young Adult)

Den Roman „Carry on“ kann man wohl am Besten als Spin-Off von Rainbow Rowell’s Vorgängerroman „Fangirl“ bezeichnen. „Fangirl“ ist ein Coming-Of-Age Roman, in dem die junge Protagonistin mit Begeisterung Fanfiction über die Charaktere einer fiktiven Fantasy-Buch-Reihe schreibt, konkret über Simon Snow, einen jungen mächtigen Magier, der laut Prophezeihung dafür geboren ist, die Welt der Magier zu retten…in „Fangirl“ ist das Thema Fanfiction zwar ein Hauptthema des Buches, Simon Snow taucht dort aber nur in Ausschnitten auf.

In „Carry On“ hingegen ist er die Hauptperson und das Buch wirft den Leser sozusagen Mitten in das Leben des jungen Magiers, der aktuell die letzte Klasse einer Schule für junge Magier besucht. Wer dabei an Harry Potter denkt ist natürlich im Prinzip genau richtig, denn dass die fiktive Simon Snow Reihe an Ideen aus Harry Potter angelehnt ist, ist ziemlich offensichtlich…Simon Snow ist so was wie ein Held wider Willen, er hat eine beste Freundin, die schon ein bisschen an Hermine Grange erinnert, er hat einen Widersacher, er geht auf eine Magierschule…so gibt es einerseits zwar viele Parallelen zu Harry Potter, wer nun aber denkt „Carry On“ wäre eine billige Kopie oder ein Plagiat, tut dem Roman mehr als Unrecht, denn Rainbow Rowell hat hier etwas geschaffen, das wirklich bemerkenswert ist. Zwar gibt es wie gesagt deutliche Parallelen zur Harry Potter Reihe, aber auch viele Unterschiede, wie fast immer bei Rainbow Rowell stehen bei ihr weniger die Handlung, sondern die die Charaktere und ihr Gefühlsleben im Vordergrund und wie immer handelt es sich bei dem Roman eigentlich um eine klassische (in diesem Fall schwule) Liebesgeschichte. Müsste man den Einstieg in den Roman beschreiben, so kann man sich das in etwa so vorstellen, als würde man aus dem Nichts in den 6. Roman der Harry Potter geworfen worden, denn die ganze Vorgeschichte von Simon Snow ergibt sich aus Rückblicken…erzählt wird die Geschichte dann aus wechselnden Perspektiven, teils natürlich aus Sicht von Simon Snow, teils aus Sicht seiner Freundin Penelope, seines Widersachers und Love-Interests Baz, seiner Freundin Agatha und einiger anderer Neben-Charaktere.

Das Fantasy-Setting ist hier vor allem am Anfang nur der Rahmen um die Liebesgeschichte, hat mich aber vor allem am Ende und in der Auflösung wirklich überzeugt und sticht positiv aus dem typischen Fantasy-Einheitsbrei heraus. Was mich besonders beeindruckt hat, ist dass die Charaktere auf mich deutlich authentischer und weniger klischeehaft gewirkt haben, als es in Fantasyromanen oft der Fall ist, dazu kommt ein selbstironischer Humor…all das ergibt so ein charmantes und stimmiges Gesamtbild, dass ich das Buch sogar deutlich besser fand als „Fangirl“ (und ganz ehrlich gesagt sogar besser als Harry Potter).

Für mich ist Rainbow Rowell definitiv eine der talentiertesten Autorinnen im Young Adult Bereich, was man schon daran sieht, dass ich ihre Romane unheimlich gerne mag, obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne „Liebesgeschichten“ lese. Leider sind sowohl „Fangirl“ als auch „Carry On“ bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden. Allerdings ist das Englisch nicht sooo kompliziert, da es sich ja um ein Buch aus dem Young Adult Bereich handelt. Wer nur auf Deutsch liest und trotzdem Interesse an der Autorin hat, dem empfehle ich ihr Buch „Eleanor & Park“.

Haruki Murakami – „Wenn der Wind singt / Pinball 1973“ (Genre: Belletristik)

Der Japaner Haruki Murakami ist schon lange einer meiner Lieblingsautoren, auch wenn sein Stil und auch der Inhalt seiner Romane sicher Geschmackssache ist 😉

„Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ sind zwei Kurzromane beziehungsweise Novellen, die Haruki Murakami ganz am Anfang seiner Schriftsteller-Karriere veröffentlicht hatte (soweit ich die Einleitung richtig verstanden habe, waren es sogar seine ersten Romane überhaupt), die aber erst später auf Deutsch veröffentlicht wurden. Beide Kurzromane gehören insofern zusammen, da sie beide einige Monate aus dem Leben eines jungen nicht näher benannten Ich-Erzählers und seines Freundes „Ratte“ in den 1970er Jahren erzählen…“Wenn der Wind singt“ spielt hierbei etwas früher und schildert ein paar Wochen aus der Studentenzeit des Erzählers, der in den Semesterferien in seine Heimatstadt zurückgekommen ist und einige heiße Sommerwochen mit seinem Freund Ratte totschlägt, immer auf der Suche nach einem Sinn und durchaus auch nach der Liebe.

In „Pinball 1973“ ist der Erzähler ein paar Jahre älter und gerade ins Berufsleben gestartet, ansonsten hat sich aber gar nicht so viel verändert. Ansonsten ist es schwierig über die Handlung der Romane der zu schreiben, denn im Prinzip sind beide Romane Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Menschen, Fragmente, die auch durchaus eher zusammenhanglos geschildert sind. Vieles bleibt offen, man bekommt das Gefühl genauso wie der Erzähler etwas orientierungs- und planlos durch diese Monate zu gleiten, die poetische Spraches schafft es dabei ganz hervorragend das Gefühl rüberzubringen. Eine großartige Handlung oder Hochspannung darf man sich von diesen beiden Romanen sicherlich nicht erwarten und auch keinen abgeschlossenen Roman mit einer klaren definierten Handlung. Trotzdem haben mir die beiden Kurzromane ganz hervorragend gefallen, wobei ich „Wenn der Wind singt“ ein kleines bisschen besser gelungen fand als den zweiten Teil.

Jemandem der Murakami nicht kennt, würde ich nicht unbedingt dieses Buch als Einstieg vorschlagen (da es sich nicht um einen Roman mit einer richtigen Handlung handelt und sich vermutlich nicht optimal eignet, um rauszufinden, ob einem der Stil Murakamis wirklich liegt), sondern einer seiner „Klassiker“ wie zum Beispiel „Wilde Schafsjagd„oder „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt„.

Celeste Ng – „Was ich euch nicht erzählte“ (Genre: Gesellschaft/Familie)

Im Mittelpunkt des in den 70er Jahren spielenden Romans „Was ich euch nicht erzählte“ steht der ungeklärte Tod der 16-jährigen Lydia Lee. Lydia ist die mittlere Tochter einer fünfköpfigen Familie. Lydia war auf den ersten Blick ein ganz normaler ehrgeizig wirkender fleißiger Teenager. Der Roman stellt sich der Frage: Wie konnte es zu Lydias Tod kommen?

Die Familie besteht aus dem Vater James Lee (einem Sohn chinesischer Einwanderer), der Mutter Marylin Lee (einer weißen Amerikanerin) und den beiden Geschwistern Lydias, dem älteren Nath, der knapp vor dem Wechsel von High School zur Universität steht und der jüngeren Schwester Hannah.

Das Buch beginnt direkt mit dem Tod Lydias und beschäftigt sich in der Folge mit der Frage, was Lydia für ein Mensch war und wie das Leben und die Atmosphäre in ihrer Familie aussah. Außerdem wird die Geschichte und der Hintergrund von Lydias Eltern näher beleuchtet. Auf den ersten Blick wirken die Lees wie eine ganz normale Mittelstandsfamilie, aber nach Lydias Tod wird immer klarer, dass in der Familie so Einiges nicht in Ordnung war. Schritt für Schritt lernt man die einzelnen Familienmitglieder näher kennen und lernt so mit auch immer mehr über Lydia und ihr Schicksal. Die Sprache des Buches ist dabei sehr präzise, nüchtern und klar, was aber keineswegs heisst, dass die Emotionen zu kurz kommen. Das zentrale Thema des Buches ist die (mangelnde) Kommunikation innerhalb einer Familie, die Erwartungen die Menschen an ihr Leben haben und was sie daraus machen und die Frage was die Erwartungen von Eltern für ihre Kinder für einen Einfluß auf deren Leben haben. Auch die Vorurteile und der Hass, der einer ethnisch gemischten Familie und Einwanderern im Amerika der 70er Jahre entgegen schlug (ein Thema das leider immer noch kein Bisschen weniger aktuell geworden ist) und was es für einen Einfluss auf das Leben und das Selbstverständnis der Familienmitglieder hat, spielt eine wichtige Rolle.

Mir hat das Buch ganz hervorragend gefallen, die Sprache ist meiner Meinung nach wirklich exzellent und war genau mein Geschmack und man bekommt wirklich ein Gefühl für jedes einzelne Familienmitglied. Die Geschichte ist eher düster und tragisch, aber durchaus vor allem am Ende nicht hoffnungslos. Obwohl ein Todesfall den Kern bildet, um den sich der Roman aufbaut, handelt es sich dabei definitiv NICHT um einen Krimi oder Thriller, obwohl der Klappentext wie so oft hier etwas irreführend wirken kann.

 

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Bücher Highlights aus dem 2. Quartal 2016 – Teil 1

Auch im April, Mai und Juni habe ich wieder einige Bücher aus den Genres Belletristik, Young Adult und Krimis gelesen, die außergewöhnlichsten und spannendsten möchte ich hier wieder vorstellen.

Anneliese Mackintosh – „So bin ich nicht“ (Genre: Belletristik):

„So bin ich nicht“ von Anneliese Mackintosh ist definitiv das ungewöhnlichste und intensivste Buch, das ich dieses Jahr bisher gelesen habe.

Das Buch schildert in verschiedenen Episoden das Leben der jungen Greta, die sich durchs erste Drittel ihres Lebens kämpft und dabei auf der Suche nach sich selber ist und dabei oft scheitert. Im Zentrum des Buches steht außerdem das Verhältnis von Greta zu ihrer Familie, vor allem zu ihrem Vater. Allzu viel über den Inhalt des Buches zu verraten ist kaum möglich, handelt es sich doch nicht um eine lineare Geschichte oder einen klassischen Roman. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen fand ich das Buch extrem interessant und mitreissend.

Die Sprache in diesem Buch hat mir wirklich gut gefallen, sie schwankt allerdings passend zu dem intensiven Inhalt zwischen Extremen, teilweise ist sie sehr vulgär und promuisk, teilweise sehr poetisch, manchmal selbstironisch und sarkastisch. Manche Kapitel sind sehr persönlich geschildert, andere sind distanziert und trotzdem ergibt das Ganze für mich ein stimmiges Gesamtbild. Wer mit Vulgarität ein großes Problem hat, für den ist dieses Buch vielleicht nicht gut geeignet, aber sonst finde ich es absolut empfehlenswert. Obwohl der Inhalt des Buches oft eher traurig, teils schockierend und heftig ist, ist es kein hoffnungsloses oder besonders ernsthaftes Buch, ganz im Gegenteil hat es mich sehr oft zum Schmunzeln oder Lachen gebracht.

Rainbow Rowell – „Fangirl“ (Genre: Young Adult, Sprache: Englisch):

Die Hauptperson von „Fangirl“ ist Cath, ein 18-jähriges Mädchen das gerade frisch aufs College gekommen ist. Das eine Besondere an Cath ist, dass sie noch eine Zwillingsschwester hat, mit der sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens eng verbunden war, doch diese möchte sich jetzt abnabeln und auf dem College ihr eigenes Leben führen. Für Cath ist das eine sehr schwierige Situation, denn sie ist ein unsicherer Mensch mit vielen Ängsten und Zwängen und mit der Situation erst mal komplett überfordert.

Die zweite Besonderheit an Cath ist, dass sie Fanfiction schreibt, über einen fiktiven Held einer megaerfolgreichen Fantasyreihe, dem Jungmagier Simon Snow (dem erfahrenen Leser werden so einige Parallelen zu einem anderen bekannten Jungmagier aus der Weltliteratur auffallen 😉 ). Und Cath ist so eine erfolgreiche Fanfiction Autorin, dass sie tausende Follower im Internet hat.

Soweit die Prämisse des Romans, der auch deswegen etwas Besonderes ist, da zwischendrin immer wieder kleine Ausschnitte aus der fiktiven „Simon Snow“ Reihe und aus Cath‘ eigenen Simon Snow Fanfiction Stories eingearbeitet sind, die tatsächlich auch für sich alleine spannend und literarisch sehr gut sind. Ansonsten ist die „Geschichte“, die in diesem Roman erzählt wird vielleicht nicht die Allerneueste, es handelt sich um eine klassische Coming-Of-Age Geschichte über Cath‘ Erwachsenenwerden mit den zentralen Themen „Erste Liebe“, Abnabelung, Erwachsen werden und der Verarbeitung von schwierigen Erlebnissen in der Kindheit. Trotzdem ist dies keine 08/15 Geschichte, denn Rainbow Rowell hat ein tolles Händchen für Charaktere und Details und es macht einfach einen riesigen Spaß ihre Charaktere auf einem Stück ihres Lebensweges zu begleiten, für mich ist Rainbow Rowell deswegen aktuell eine der stärksten Autorinnen für den Bereich „Young Adult“ und auch sprachlich ist sie eine der besten (als Hinweis: ich habe das Buch im englischen Original gelesen, eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens leider auch noch nicht).

Jörg Maurer – Schwindelfrei ist nur der Tod (Genre: Regionalkrimi):

In Kommissar Jennerweins 7. Fall befindet sich der Kommissar sozusagen auf Abwegen. Statt im aktuellen Fall seines Teams zu ermitteln ist er die meiste Zeit des Buches damit beschäftigt sich durch die Irrungen und Wirrungen seines privaten Umfelds zu kämpfen, die kriminalistischen Inhalte kommen aber auch bei diesem Exkurs nicht zu kurz. Es ist recht schwierig auf diesen Aspekt des Buches einzugehen, ohne zu viel zu verraten, deswegen halte ich mich hier kurz und schreibe lediglich, dass mir die „Privatermittlungen“ des Kommissars wirklich gut gefallen haben und dass sie auch gut zum Rest des Romans passten.

Der „Hauptfall“ des Buches ist durchaus auch sehr ungewöhnlich, denn es gibt zwar einen Fall, aber erst mal keine Leiche. Stattdessen erfährt die Polizei lediglich, dass ein Ausflugs-Heißluftballon verschwunden ist. Von dem Ballonführer und seinen Gästen fehlt jede Spur und so hat Jennerweins Team die interessante Aufgabe herauszufinden was mit dem Ballon passiert ist und wer dafür verantwortlich ist, ohne den Ballon oder eines der mutmaßlichen Opfer überhaupt zu Gesicht bekommen zu haben.

Mir haben beide Handlungsstränge des Buches gut gefallen, natürlich gewinnt der Roman wie immer nicht unbedingt einen Realismus-Preis, aber er ist gewohnt scharfsinnig und scharfzügig erzählt, wobei ich diesmal den Eindruck hatte, dass etwas mehr Wert auf die Handlung gelegt wurde als in manchen früheren Krimis von Jörg Maurer, wo für mich oft die Satire und der Kabarettismus im Vordergrund stand. Für mich war das wegen der Ausgewogenheit von Satire, Humor und Handlung deswegen einer der besten Jennerwein Krimis.

Akte X – „Vertrauen Sie niemandem“ (Genre: Mystery):

„Akte X – Vertrauen Sie niemandem“ ist ein Sammelband mit einer Sammlung von Akte X Kurzgeschichten verschiedener Autoren. Ich bin schon seit Jahren ein Fan der Serie, habe sowohl die alten Staffeln als auch die Neuauflage dieses Jahr begeistert angeschaut und somit war dieser Kurzgeschichten eine willkommene Ergänzung zu dem diesjährigen Akte X „Revival“. Trotzdem war ich etwas skeptisch was für eine Qualität von einem solchen Band zu erwarten ist und ob es möglich ist, in solchen Kurzgeschichten ein authentisches Akte X Feeling rüberzubringen.

Allerdings wurden meine Erwartungen mehr als übertroffen, die Geschichten im Buch sind weitgehend wirklich unterhaltsam (natürlich gibt es immer mal wieder Geschichten, die einen nicht ganz so überzeugen wie andere, das ist aber bei jedem Kurzgeschichten-Band so) und besonders beeindruckend fand ich, dass das Feeling der Serie in fast jeder Geschichte perfekt rüber gebracht wird, man kann sich wirklich fast jede Geschichte als Akte X Folge vorstellen. In den meisten Stories stehen natürlich Mulder und Scully als Ermittler im Vordergrund, es gibt aber auch einige Geschichten in denen z.B. Skinner die Hauptrolle spielt (und sogar 1-2 in denen Mulder und/oder Scully gar nicht vorkommen). Thematisch beschäftigen sich die meisten Stories eher mit übernatürlichen Phänomenen und Monstern, die Alien Verschwörungen spielen eher weniger eine Rolle, was ich persönlich sehr gut fand, da ich bei der Serie auch die „Monster of the Week“ Folgen immer am Unterhaltsamsten fand. Auch Humor kommt in vielen Geschichten nicht zu kurz.

Natürlich ist dieses Buch primär etwas für Akte X Fans, einige Geschichten enthalten Verweise zu Geschehnissen aus der Serie und auch sonst wird einen das Buch vermutlich eher weniger fesseln, wenn man mit Akte X gar nichts anfangen kann oder die Serie gar nicht kennt. Ich denke aber, dass so ein Buch sowieso nur von Fans der Serie gekauft werden wird. Und für solche bietet es tolle Unterhaltung. Wobei es sicher kein Buch ist, dass man am Stück runterlesen wird, sondern eher häppchenweise jeden Tag oder jede Woche eine Geschichte, wie bei einer TV-Serie halt 😉

 

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Bücher Highlights aus dem 1. Quartal 2016

Auch dieses Jahr habe ich schon einige Bücher gelesen, die Highlights möchte ich heute hier vorstellen, das sind all die Bücher, die ich aus irgendeinem Grund überdurchschnittlich gut fand, genreübergreifend. Zur Zeit lese ich eigentlich am Meisten Belletristik unterschiedlichster Art, so dass ich diesen Post diesmal auch genreübergreifend halten möchte.

  • Kameraübung“ – von Synke Köhler:„Kameraübung“ ist ein recht kompaktes Büchlein (ca. 125 Seiten) mit neun verschiedenen Erzählungen aus dem Alltag verschiedener Menschen. Das Cover ist schlicht und elegant und hat mich sofort angesprochen. Ich lese relativ selten Erzählungen oder Kurzgeschichten, wobei ich diese sehr gerne mag wenn sie wirklich gut sind.

    Dieses Buch hat mich kein bisschen enttäuscht. Die verschiedenen Erzählungen im Buch sind fast alle auf sehr hohem Niveau und schildern ganz unterschiedliche kleine Alltagsbegegnungen oder -ereignisse auf eine sehr beeindruckende Art und Weise. Manche der Geschichten sind sehr nahe an den Hauptpersonen „dran“, man fühlt mit ihnen mit, in anderen Geschichten ist der Erzählstil distanziert und es wird eher die Sicht eines neutralen Beobachters eingenommen. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen meist die Beziehungen zwischen den Personen, z.B. innerhalb einer Familie oder auch zwischen Menschen, die sich bisher gar nicht kannten. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist das die Geschichten relativ kurz sind, man aber irgendwo trotzdem jedes mal sofort im Geschehen drin war und ein Gefühl für die Charaktere und Personen hatte.

  • EINS“ – von Sarah Crossan:„EINS“ von Sarah Crossan ist ein außergewöhnliches Buch, sowohl was das Thema angeht, als auch die Umsetzung. Es geht um die beiden 16-jährigen Schwestern Grace und Tippi (die Eltern waren Hitchcock Fans 😉 , siamesische Zwillinge, die von der Hüfte aus abwärts zusammengewachsen sind. Die Geschichte wird als Ich-Erzählung aus Sicht der einen Schwester Grace erzählt, in kleinen Episoden und das Buch zieht sich inhaltlich über den Zeitraum von einigen Monaten. Der Schreibstil des Buches ist auf den ersten Blick ungewöhnlich, die einzelnen Kapitel sind sehr kurz (oft nur ca. zwei Seiten) und in kleinen Textblöcken dargestellt, die auf den ersten Blick wie Gedichte wirken. Das stört den Lesefluss aber kein bisschen, grad durch die kleinen Häppchen, liest sich das Buch sehr schnell runter und entwickelt einen Sog, so dass man immer weiter und weiter lesen will. Die Sprache ist poetisch und berührend, ohne jemals kitschig zu werden. Das Buch schildert die Probleme und normalen Teenie-Alltagssorgen der beiden Schwestern, ihrer jüngeren Schwester Dragon, der Eltern, ihrer Freunde und die Reaktionen der Mitmenschen auf die beiden Schwestern. Zu Beginn des Buches ändert sich für Grace und Tippi in ihrem Leben gerade sehr viel, denn durch finanzielle Probleme der Eltern sind sie gezwungen auf eine „normale“ Schule zu gehen, anstatt wie bisher zu Hause unterrichtet zu werden. Abgesehen davon möchte ich von der Handlung allerdings nicht zu viel vorab verraten.

    Das Buch ist rein fiktiv, im Epilog am Ende gibt die Autorin allerdings einige Hintergrundinfos über ihre Recherchen zu dem Thema und ich hatte den Eindruck, dass sie sich sehr intensiv und fundiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat (auch aus medizinischer Sicht), so dass ich darauf vertraue, dass die Informationen in dem Buch realistisch sind.

    Besonders gelungen finde ich bei diesem (Hardcover)-Buch übrigens auch das Cover, es besteht aus einem zum Teil transparenten Folienumschlag, dessen Bedeutung sich entpuppt wenn man ihn auch einmal entfernt und sieht zu dem auch sehr schön aus.

  • Bedenke, was Du tust“ – von Elizabeth George:Der neuste und 19. Roman aus der Inspector Lynley Krimi Reihe. Ich denke, jeder Krimileser kennt diese Reihe inzwischen entweder oder nicht, empfehlenswert sind die neuesten Bände sicherlich nur für Kenner, da das Privatleben der Kommissare ohne Vorkenntnisse vermutlich kein Interesse wecken kann, da man die Hintergründe des Verhaltens nicht verstehen würde. Standen in den letzten Inspector Lynley Romanen von Elizabeth George doch meistens Geschehnisse um Personen aus dem direkten Umfeld von Lynley und Havers im Mittelpunkt, so besinnt sich Elizabeth George hier meiner Meinung nach wieder etwas auf ihre Wurzeln, nämlich dem Schreiben von eher klassischen psychologischen Krimis. Natürlich spielt auch in diesem Fall das Privatleben von Lynley und Havers eine durchaus wichtige Rolle, aber es ist nicht ganz so im Fokus und der eigentliche Kriminalfall hat nichts mit den beiden zu tun, was ich angenehm fand.

    Die Geschehnisse selbst sind allerdings auch nicht unbedingt ein typischer Krimi, stattdessen stehen die Beziehungen und Geheimnisse zwischen den verschiedenen Personen, die in der Handlung eine Rolle spiele im Mittelpunkt und Elizabeth George nimmt sich sehr viel Zeit diese Charaktere einzuführen und langsam nach und nach aufzudecken wie alles zusammenhängt. Dies lässt sich schon alleine daran erkenne, dass es 200 Seiten dauert bis überhaupt mal der eigentliche Mord, um den es sich dreht, passiert. Ermordert wird in diesem Roman eine bekannte Feministin und Buchautorin und die Aufgabe von Havers und Lynley ist es herauszufinden wer aus dem Umfeld der Autorin denn einen Grund gehabt hätte sie umzubringen. Im Fokus der Ermittlung steht dabei ihre Angestellte Caroline, deren Familienverhältnisse wiederum den eigentlichen Mittelpunkt des Buches darstellen.

    Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, auch wenn es teilweise wirklich sehr ausschweifend erzählt ist, was aber für Elizabeth George ja typisch ist (Fans von actionreichen Thrillern und straffer Handlung und Erzählweise werden mit dieser Autorin sicherlich nicht warm werden). Kleine Punktabzüge gibt es dafür, dass ich das eigentliche „düstere Geheimnisse“ schon ganz am Anfang erraten habe, da es doch recht offensichtlich durchschimmerte und dafür dass der Anteil zwischen Krimihandlung und Privatleben der Ermittler zwar gut gepasst hat, dass mir die Stories um das Privatleben von Lynley und Havers allerdings langsam etwas bemüht wirken, so als wüsste Elizabeth George auch nicht mehr so wirklich was sie mit den beiden in Zukunft noch anfangen soll. Sonderlich störend fand ich diese Kleinigkeiten aber nicht.

  • Der Pfau“ – von Isabell Bogdan:Bücher, die mehr oder weniger dem Genre „Humor“ zugeordnet sind, betrachte ich ja oft etwas mit Skepsis, da Humor ja so eine individuelle Sache ist und man oft nicht weiß ob der eigene getroffen wird. An dem Buch „Der Pfau“ hat mich aber das wirklich außergewöhnlich schöne Cover, sowie das Setting in Schottland und das Thema Teambuilding angesprochen. Und dieses Mal wurde ich auch nicht enttäuscht.

    Die Geschichte spielt auf einem alten Landsitz von Lady und Lord Macintosh, der von den beiden zu einem Hotel mit Cottages umgebaut wurde und das sie mit einigen wenigen Helfern betreiben. In diesem Hotel gibt es so allerlei Viechzeugs, darunter einige Pfaufen, darunter einen verrückten Pfau…dieser Pfau gibt nun der Geschichte den Namen und spielt auch durchaus eine Hauptrolle, wenn auch eher auf indirekte Art und Weise.

    Besucht wird das Hotel von einer Gruppe Bankangestellter, samt Teambuildingscoach und Privatköchin, die ein Teambuilding-Wochenende in dem Hotel verbringen sollen. Durch eine Verkettung von Umständen wird das Wochenende etwas länger und ereignisreicher als erwartet. Allzuviel will ich von der Handlung auch gar nicht verraten.

    Generell handelt es sich aber um ein Buch, das gar nicht mal mit so viel tatsächlicher Handlung daher kommt sondern der Sprachwitz und die Beziehungen zwischen den Charakteren machen den Reiz aus. Die Sprache ist dabei sehr leicht und trotzdem intelligent, humorvoll ohne überzogen zu sein und das Ganze Buch liest sich einfach locker und flockig in Windeseile herunter. Es erinnert mich ein bisschen an eine alte Screwball-Filmkomödie. Mir hat an dem Buch am Besten gefallen, dass die Geschehnisse zwar irgendwie absurd sind, die Menschen sich irrational verhalten, das Ganze aber trotzdem nicht unglaubwürdig ist, die Menschen verhalten sich nämlich auf genau so eine Art und Weise irrational wie Menschen das tatsächlich häufig tun. Man kann sich also fast vorstellen, dass das Ganze tatsächlich irgendwo in etwa so passieren könnte.

    Mich hat das Buch insgesamt sehr gut unterhalten, es ist ein leichtes Buch, das aber trotzdem intelligent ist und so viel Spaß bereitet, es ist einfach ein charmantes kleines Buch.

  • Arschlochpferd – Allein unter Reitern“ von Nika S. Daveron:„Arschlochpferd“ basiert auf dem gleichnamigen Facebook-Blog über die Online- und Offline-Pferdewelt von Nika S. Daveron, der sich inzwischen auf Facebook großer Beliebtheit erfreut. Das Buch ist sicher nur für Reiter interessant, aber in dem Bereich der humoristischen Pferdeliteratur (der sowieso nicht besonders groß ist) sticht dieses Buch definitiv heraus. Beschäftigt es sich doch ironisch und bissig mit den Verrücktheiten der Pferdemenschen, sowohl in realer Wildbahn (Pferdehöfe) als auch in der virtuellen Welt (Pferdeforen und Facebook-Gruppen).

    Da das Buch auf einem Blog basiert, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass auch das Buch aus mehr oder weniger willkürlichen Blogbeiträgen und Episoden besteht, in Wirklichkeit ist es aber wirklich (fast) ein richtiger kleiner Roman, mit einer fortlaufenden Handlung, was mich sehr positiv überrascht hat und für ein Buch auch viel besser gefällt als lose Blogbeiträge. Geschildert wird das Leben einer fiktiven Neupferdebesitzerin, die sich mit wenig Herzblut und noch viel weniger Wissen durchs Neupferdebesitzerleben schlägt und dabei mit allen Skurrilitäten der Pferdewelt konfrontiert wird.

    Sprachlich ist das Buch sehr gut gelungen, der Schreibstil ist halt sehr ironisch, aber trotz der kabarettistischen Herangehensweise ist der Inhalt des Buches sehr fundiert und das Buch hat auch durchaus eine ernste und ernstzunehmende Botschaft. Auch kann ich als erfahrene Reiterin (offline und online) sagen, dass der Inhalt trotz Parodie leider eigentlich erstaunlich weniger überzogen ist, genauso in etwa geht’s halt leider wirklich oft zu, was dann (für die Pferde) gar nicht mal so lustig ist, wie es auf den ersten Blick klingt.

    Generell würde ich das Buch für jeden Pferdemenschen empfehlen, vorausgesetzt er hat Humor, ist nicht Überempfindlich und mag es auch gerne etwas bissiger und kritischer.

 

Allgemein, Reiten

Reit-DVD- und Buch-Rezension: Cavaletti von Ingrid Klimke

Da wir am neuen Stall sehr viele Holzstangen haben und auch einige vernünftige Kreuze und Cavaletti-Ständer hab ich mich diesen Winter vermehrt mit Stangenarbeit und auch mit Cavaletti beschäftigt, da Gletta (meine Islandstute) sehr gerne mit Stangen arbeitet und da immer mit besonders viel Energie und Motivation dabei ist (manchmal sogar mit zu viel davon 😉 , neigt sie doch etwas zum übereilten Anziehen vor den Stangen).

Um dem Ganzen auch eine theoretische Grundlage zu geben, habe ich mir das Buch „Cavaletti – Dressur und Springen“ von Ingrid Klimke gekauft und ergänzend dazu auch noch die DVD „Mit Cavaletti-Training zum Erfolg„.

Das Buch ist grob in 2 Abschnitte eingeteilt, im ersten geht es um die tatsächliche Cavaletti-Arbeit im Schritt und Trab und Galopp auf geraden und gebogenen Linien und sowohl an der Longe als auch unter dem Reiter. Wobei der Fokus bei der Arbeit unter dem Reiter liegt. In der 2. Hälfte geht es um Springgymnastik und Gymnastikreihen. Für den Freizeitreiter (vor allem mit Gangpferd) sind wohl eher die Grundlagen relevant. Wie immer ist Ingrid Klimke’s Buch sehr nüchtern und damit auch etwas trocken beschrieben, einen Preis für den Unterhaltungswert gewinnen ihre Bücher eher nicht, lesen sie sich vom Schreibstil her doch immer ein bisschen wie die FN-Richtlinien. Dafür sind die Fotos wie immer absolut vorbildlich und schön, nicht eine einzige schlechte Momentaufnahme ist irgendwo im Buch aufzutreiben und da es mir primär darum ging mich mit den Grundlagen der Cavaletti-Arbeit vertraut zu machen, war ich mit dem Buch auch sehr zufrieden. Es bietet eben grobe und allgemeine Richtlinien zur Cavaletti Arbeit, natürlich primär ausgerichtet auf die Arbeit mit dreigängigen Warmblütern. Am Ende des Buches sind noch beispielhafte Trainingspläne für Pferde unterschiedlicher Ausbildungsstufen aufgeführt.

Die DVD „Mit Cavaletti-Training zum Erfolg“ zeigt in 80 Minuten die praktische Anwendung von Cavaletti. Dabei liegt der Schwerpunkt auch primär auf der gerittenen Arbeit, wobei auch einige Sequenzen zur Cavalettiarbeit im Schritt und Trab an der Longe (mit Ausbindern) enthalten sind.

Die Inhalte auf der DVD sind schrittweise aufgebaut, zuerst wird Cavaletti Arbeit im Schritt gezeigt, sowohl die Gewöhnung junger Pferde als auch die Arbeit mit erfahrenen Pferden, dann wird Cavaletti Arbeit im Trab behandelt und zuletzt die Arbeit im Galopp, sowie die Arbeit mit Gymnastik-Spring-Reihen (diesem Teil wird aber nicht so viel Zeit gewidmet wie im Buch). Dabei wird größtenteils Ingrid Klimke selbst als Reiterin gezeigt, aber auch Schüler und ihre Tochter Greta. Die Pferde sind größtenteils Warmblüter, aber ich meine auch ein Endmaßpony identifiziert zu haben und auch ein Shetty hat einen kleinen Auftritt 😉

Aufgelockert wird die DVD durch einige Sequenzen zur „alternativen“ Arbeit mit Cavaletti (gebissloses Halsringreiten, Springen mit Halsring, Springen ohne Bügel, Arbeit mit Kindern) und was mir auch besonders gut gefallen hat ist dass auch gezeigt wurde wie man Cavaletti Arbeit beim Reitunterricht in einer Abteilung sinnvoll einsetzen kann.

Das Reiterliche ist bei der DVD praktisch fast unangreifbar perfekt und auf einem sehr hohen Niveau, der Umgang mit dem Pferd während der Arbeit ist immer freundlich, lobend und motivierend und obwohl auch unerfahrene Pferde gezeigt werden, die Fehler machen, gibt es keinerlei unschönen Momente. Auch Ablenkungen der Pferde bei der Arbeit durch neben dem Reitplatz auf der Weide galoppierende oder tobende Pferde werden mit Humor genommen (das ist durchaus etwas das man sich als Freizeitreiter ruhig mal zu Herzen nehmen kann, denn grade bei Freizeitreitern – da nehme ich mich selbst absolut nicht aus – habe ich den Eindruck, dass man auf kleinste „Störungen“ von außen oder Guckigkeit des eigenen Pferdes bei der Platz-/Hallenarbeit gerne mal genervt oder überdramatisch reagiert, obwohl es ja in der Regel noch nicht mal um irgendwas geht außer ums pure Vergnügen…

Das von Ingrid Klimke gezeigte reiterliche Können kann auf den Freizeitreiter natürlich alles etwas einschüchternd wirken 😉 , aber man bekommt ein Zielbild an dem man sich orientieren kann.

Etwas Schwierigkeiten bereitet es in der Praxis das dort gezeigte auf Gangpferde mit ihren gang- und gebäudespezifischen Besonderheiten zu transferieren, mit einem mehrgängigen Isländer wird man wohl auch eher selten in die Verlegenheit kommen Cavaletti-Arbeit als Vorbereitung für Passage zu nutzen oder im versammelten Galopp auf einer Acht auf dem Zirkel (mit kontinuierlichem Durch den Zirkel wechseln) zu arbeiten 😉

Für die tägliche Arbeit mit dem eigenen Islandpferd sind deswegen wohl eher die ersten 45 Minuten der DVD relevant, trotzdem fand ich es fast am Spannendsten zu sehen wie Ingrid Klimke fortgeschrittene Cavaletti-Arbeit auch nutzt um an versammelnden Dressur-Lektionen zu arbeiten (z.B. am versammelter Schritt, als vorbereitende Arbeit für die Passage, …). Dies ist eine Anwendungsform etwas das auch in der Dressurszene nicht besonders weit verbreitet sein dürfte, ich denke die meisten Reiter nützen Cavaletti-Arbeit doch vor allem als lösende Arbeit.

Die DVD enthält übrigens auch noch ein Begleitheft, das schematisch Cavaletti-Aufbauten und Richtlinien für Abstände zeigt und das man super mit in den Stall nehmen kann.

Vom Preis-/Leistungsverhältnisse finde ich die DVD auch in Ordnung, zwar sind Reit-DVDs immer sehr teuer, aber diese hat mit 80 Minuten Länge immerhin einen sehr brauchbaren Umfang und ist inhaltlich und von der Professionalität auf sehr hohem Niveau. Übrigens ist der Kommentar auch in englischer Sprache vorhanden.

 

 

Fitness

Yoga DVD Rezension – Yogamour Reihe – #1

Heute möchte ich mal wieder eine DVD aus meiner Yoga Praxis vorstellen, nämlich aus der DVD Reihe von Yogamour. Yogamour ist eine Online-Plattform für Yoga-Workout-Videos auf der man sehr viele (eher kurze) dynamische Yoga-Einheiten umsonst abspielen kann. Diese sind sehr nett für zwischendurch, wenn man keine Zeit für längere Workouts hat, allerdings finde ich generell 20 Minuten für diese sehr dynamischen Yoga Einheiten fast zu kurz, weswegen ich mir auch die 6 bisher erschienenen Kauf-DVDs von Yogamour zugelegt habe. Wem DVDs generell schon zu „altmodisch“ sind der kann diese Yoga-Workouts übrigens alternativ auch kostenpflichtig auf der Homepage von Yogamour runterladen, dann sind sie auch etwas günstiger als auf DVD.

Bei dem Yogamour Yoga-Stil handelt es sich um ein sehr dynamisches kraftvolles Yoga, der auch in der Regel eher anspruchsvoll ist, weswegen ich die ganze Plattform eher für erfahrene Yoga-Übende empfehlen würde, man sollte am Besten schon mit den technischen Grundlagen und mit den bekanntesten Hatha-Yoga-Asanas vertraut sein, damit man erstens eine Chance hat die dynamischen Sequenzen überhaupt direkt mitmachen zu können und um bei der dynamischen Ausübung keine technischen Fehler zu machen, die gesundheitsschädlich sein könnten. Eine gute Grundsportlichkeit (sowohl was Kraft als auch Ausdauer angeht) ist auch empfehlenswert.

Bisher sind auf Yogamour 6 DVDs erschienen, heute möchte ich die erste davon kurz vorstellen.

Yogamour 1 – Yogamour featuring Yam Yoga – bietet laut Beschreibung „70 Minuten Vinyasa Yoga für Fortgeschrittene und alle, die es werden wollen“

Hier würde ich das „für Fortgeschrittene“ auf jeden Fall dick unterschreiben (und jedem Anfänger dringend davon abraten sein Glück mit der DVD zu versuchen 😉 ). Diese 70 Minuten Einheit hat es nämlich durchaus in sich, die ersten 30 Minuten sind eine sehr intensive schnelle dynamische Sequenz bei der man ins Schwitzen kommt. Da alles sehr schnell angesagt wird, zudem oftmals nur mit den Sanskrit Begriffen, muss man eigentlich wirklich alle Asanas und Abfolgen schon gut kennen, um direkt mitmachen zu können. Vor allem weil auch kaum Möglichkeit besteht auf den Bildschirm zu gucken, da man bei vielen Asanas auf den Boden guckt. In den zweiten 30 Minuten wird die Sequenz etwas statischer und kraftbetonter, es sind auch einige wirklich anspruchsvolle Übungen dabei (Krähe und Kopfstand), die ich zum Beispiel selbst noch nicht beherrsche (für einige der schwierigen Übungen werden aber Alternativen angeboten und man kann ja auch jederzeit Vorübungen zu den schweren Asanas machen). Abgerundet wird die Übungsfolge mit einer klassischen 10-minütigen Endentspannung.

Diese DVD ist also etwas für jeden der eine anstrengende und dynamische Yoga Einheit machen möchte, bei der er gefordert wird und in der fast jede der bekannten Yoga-Stellungen vorkommt, so dass der ganze Körper beansprucht wird. Ich selbst bin mit dieser DVD bei der ersten Ausführung noch bei einigen Asanas an meine Grenzen gekommen, von der Kraft her hatte ich keine Probleme, aber für einige Asanas fehlte mir noch etwas die Beweglichkeit und auch von der Balance her waren einige Asanas anspruchsvoll.

Von der Anleitung finde ich die DVD gelungen, da die Yoga-Einheit am Anfang so dynamisch ist, redet Bärbel Miessner (die Lehrerin) natürlich auch sehr schnell und viel, daran gewöhnt man sich aber schnell, inhaltlich ist die Anleitung sehr gelungen und auch die Stimme ist angenehm. Ich habe die DVD beim ersten Ausführen mit Hintergrundmusik abgespielt, die fand ich anfangs etwas dudelnd, man kann die DVD aber auch alternativ ohne Musik abspielen. Auch die Möglichkeit eine englische Sprachspur auszuwählen (auch jeweils mit oder ohne Hintergrundmusik) besteht. Von der gesamten Aufmachung ist die DVD professionell produziert, aber ohne viel Schnickschnack, im Gesamtbild sehr ansprechend.

Zusätzlich gibt es auf der DVD noch zwei kurze Yoga-Sequenzen als Bonus:

  • „utthiva parshvakonasana“ – eine 15-minütige Sequenz, mit einem kurzen Sonnengruß, Kriegersequenzen, Drehsitz und Schulterbrücke, die sehr angenehm zu üben ist für zwischendurch und von der Schwierigkeit auch für fortgeschrittene Anfänger machbar ist
  • „Sun Salutation Pro“ – eine 10-minütige Sonnengruß Sequenz für Fortgeschrittene, die laut Kommentar auch gut als Aufwärmsequenz für andere Yogamour-Kurzeinheiten geeignet ist. Hat mir gut gefallen, kurz und knackig.

 

 

Allgemein, Fitness

DVD Rezension: Yoga für eine starke Mitte – Ursula Karven

Normalerweise bin ich nicht unbedingt ein Fan von Promi-Fitness DVDs, aber ich bin Tchibo Gelegenheitskäufer (das heißt immer wenn ich beim Edeka am Tchibo Regal vorbei komme und mich was interessiert, nehm ich das mit, meist aus dem Bereich Fitness und Fitnessbekleidung).

Die DVD „Yoga für eine starke Mitte“ mit Ursula Karven enthält 5 kurze Yoga-Sequenzen von ca. 20 Minuten, ist also von Dauer und Intensität eher übersichtlich gehalten. Mir kam das aber gerade recht, da ich unter der Woche abends nach der Arbeit selten Zeit für längere Yoga-Workouts habe und deswegen solche kurzen Workouts für den Alltag gut geeignet finde.

Die Yoga-Einheiten sind eher dynamisch gehalten, es handelt sich um  eher  fließende Abfolgen und nicht um kraftbetonte statische Asanas (beides hat seine Vor- und Nachteile, je nach Schwerpunkt den man setzen will). Die 5 Sequenzen sind inhaltlich:

  • „Atemflow“
  • „Twists/Drehhaltungen“
  • „Stützhaltungen“
  • „Rückbeugen“
  • „Pilates-Core-Basistraining“

Die 4 Yoga-Sequenzen haben mir gut gefallen, vor allem die Sequenz „Stützhaltungen“. Die Vinyasas (dynamische fließende Yoga-Sequenzen) werden Schritt für Schritt erarbeitet, von einfach zu schwerer werden die Bewegungsflüsse schrittweise aufgebaut und sind sehr angenehm, genau das richtige nach einem langen Büroarbeitstag. Die Ausführung von Ursula Karven finde ich gut, auch wenn sie keine Yoga-Trainerin ist, sind mir keine Fehler in ihrer Ausführung aufgefallen und man sieht, dass sie jahrelange Yoga-Erfahrung hat. Auch wird die Atmung auf diesen Yoga-DVDs gut angeleitet, das ist bei vielen anderen Yoga-DVDs nicht unbedingt so, ist aber finde ich grad bei dynamischen Yoga Sequenzen recht wichtig. Für mich mit relativ viel Yoga-Praxis und Fitness-Erfahrung sind die Sequenzen recht einfach und in der Kürze auch eher „Wellness“ zur Lösung von Verspannungen. Für Anfänger sind sie aber sicher durchaus fordernd. Ich denke sie sind z.B. auch gut als kurze Aufwärmprogramme für Reiter geeignet.

Was ich wie immer bei solchen DVDs als problematisch ansehe ist, dass man eigentlich nur so richtig etwas davon hat, wenn man schon mindestens fortgeschrittener Yoga-Anfänger ist und die ganzen Asanas schon kennt und technisch gut kann. Dann kann man nämlich direkt loslegen und mitmachen. Yoga von so einer DVD zu lernen halte ich generell für schwierig, da zu wenig zur technischen Ausführung der Übungen und zu möglichen Fehlern erklärt wird (das ist während so eines Vinyasas auch kaum möglich, wenn dann müsste man vorher die einzelnen Asanas nochmal extra anleiten) und weil man meistens nicht gleichzeitig auf den TV schauen und die Übungen ausführen kann (bei vielen Asanas schaut man ja zum Beispiel während der Ausführung auf den Boden). Bei dynamischen Vinyasas ist das noch schwieriger als bei statischeren Asanas. Ich denke Yoga lernen von so einer DVD kann man bestenfalls wenn man sich die Sequenzen vor dem Üben ein paar Mal anschaut (ich persönlich habe auf so etwas aber in der Regel keine große Lust). Ich persönlich würde jedem der Interesse an Yoga hat den Besuch von mindestens ein paar Grundkursen empfehlen, bevor es ans Üben alleine zu Hause geht. Wenn man dann eine solide Basis hat, kann man auch gut mit DVDs üben. Ausnahme: man ist sowieso schon sehr sportlich/fit und kennt die technische Ausführung von ähnlichen Sportarten (grade im Krafttraining mit eigenem Körpergewicht werden sehr viele Übungen aus dem Yoga auch verwendet).

Apropos „Sportart“: diese Yoga-DVD ist für mich eine reine Körperübungs-DVDs und hat mit anderen (geistigen) Aspekten von Yoga nichts zu tun (ich persönlich finde das aber nicht schlimm, ist ja immer die Frage was man aktuell will).

Die Pilates Core Einheit am Ende hat mir auch ganz gut gefallen, allerdings muss ich sagen, dass sich mir das Thema „Pilates“ an sich noch nicht erschlossen hat (ich weiß einfach zu wenig darüber, was das jetzt genau ausmacht im Vergleich zu anderen Trainingsmethoden und die Pilates Workouts, die ich bisher mitgemacht habe fand ich immer deutlich sanfter und einfacher als Yoga, deswegen kann ich den Hype den es vor ein paar Jahren um Pilates gab nicht so recht nachvollziehen). Ich kannte jede Einzelne der Übungen in diesem Pilates Workout entweder schon vom Yoga oder aus dem normalen Fitness-Krafttraining. Für mich handelt es sich bei der Sequenz auf dieser DVD eigentlich um ein moderates Bauchmuskel- und Core-Training für Zwischendurch.

Zur Atmosphäre: die DVD ist in Schweden aufgenommen, am Wasser, und erweckt eine angenehme Atmosphäre ohne allzu „stylisch“ rüberzukommen. Diese typischen „Yoga am Strand im Urlaubsparadies mit Meeresrauschen“ Lifestyle-Szenerien mancher Yoga-DVDs finde ich inzwischen etwas ausgelutscht, von dem her fand ich das eine gelungene Ausnahme (bloß die im Hintergrund gelegentlich vorbeifahrenden Schiffe/Boote fand ich teilweise kurz ablenkend).

Ich würde diese DVD generell für jeden empfehlen, der kurze harmonische angenehme dynamische Yoga-Workouts für den Alltag sucht. Ich werde mit dieser DVD als Abwechslung zu meinen längeren Yoga-DVDs sicher öfters üben und finde sie insgesamt wirklich gut gelungen.

 

 

Reiten

Klassiker der Reitliteratur rezensiert (Teil 1)

Reitlehre“ von Wilhelm Müseler

Neulich hat bei mir am Stall jemand alte Pferdebücher zum Verschenken ausgelegt, dabei habe ich mir ein paar gegriffen, entweder welche, die ich schon immer mal lesen wollte und zwei von denen ich noch gar nichts gehört hatte. Zur ersten Kategorie gehört die „Reitlehre“ von Wilhelm Müseler und zwar in der 44. Auflage von 1981. Das Buch stammt im Original aus dem Jahr 1933. Die neueste Ausgabe ist von 2005, diese ist laut Beschreibung zusätzlich mit Fußnoten versehen, in denen Begrifflichkeiten und Aussagen näher erklärt werden, die aus heutiger Sicht irreführend wirken können. Diese Ausgabe habe ich aber selbst noch nicht gesehen. Die Ausgabe von 1981 ist auch überarbeitet worden (entsprechend steht Kurd Albrecht von Ziegler als Co-Autor mit drin)

Das Buch gliedert sich grob in ca. 3 Teile, im ersten geht es vor allem um die Ausbildung des Reiters und den Reitersitz. Im 2. Teil geht es primär um die Ausbildung des Pferdes, die grob in 3 Phasen aufgeteilt ist (Arbeit mit dem ungerittenen Pferd, Grundausbildung der Dressur und weiterführende Ausbildung). Im 3. Teil werden Lektionen vorgestellt, sowie die verschiedenen Reit-Disziplinen und Prüfungen.

Der erste Teil zum Reitersitz ist einerseits sehr gelungen, vor allem betont der Autor dort Dinge, die heute gerne als neue „Methoden“ oder Erkenntnisse verkauft werden (nämlich zum Beispiel die Notwendigkeit sich Aufzuwärmen und durch gymnastische Übungen ohne Pferd die Grundlagen für einen geschmeidigen Reitersitz zu legen). Weiterhin wird viel Wert darauf gelegt zu betonen, dass es nichts bringt, den Reiter in eine starre „korrekte“ Schablone zu pressen. Eine große Schwäche des Buches, von der mich auch schon diverse Ausbildung gewarnt haben, ist die Beschreibung der „Kreuzhilfe“, die auch einen ganz schön großen Umfang hat. Abgesehen davon, dass der damals verbreitete Begriff des „Kreuz anspannens“ aus heutiger Sicht auch biomechanisch nicht viel Sinn macht (wenn dann sind es bekanntlich eher die Bauchmuskeln, die man zum Reiten kontrolliert anspannen können muss), ist das ganze Kapitel zum Kreuz anspannen tatsächlich so unglücklich beschrieben, dass es auch mit größtem Wohlwollen nicht möglich ist, diese Beschreibung nicht als die Aufforderung zum extensiven Schieben mit dem Sitz zu interpretieren. Dieser Teil ist also definitiv mit Vorsicht zu genießen.

Am Besten gefallen hat mir der 2. Teil des Buches, in dem es um die Ausbildung des Pferdes geht, hier sind die Beschreibungen größtenteils sehr präzise und hervorragend verständlich. Grade die Beschreibung der Losgelassenheit und woran man diese erkennt finde ich deutlich praxisnäher und verständlich als die eher knappen und theorie-lastigen Ausführungen in vielen modernen Reitbüchern. Auch die Lektionen und wozu sie dienen und wie sie erarbeitet werden ist sehr gut beschrieben, außerdem wird sehr viel Wert darauf gelegt zu betonen, dass man ein gut gerittenes Pferd nicht anhand einer bestimmten Haltung (schon gar nicht Kopf/Hals-Haltung) oder Momentaufnahme erkennt, sondern dies nur anhand des Gesamtbildes des Pferdes in Bewegung beurteilen kann. Konsequenterweise verzichtet der Autor deswegen auch komplett auf schematische oder bildliche Darstellungen einer „richtigen“ Haltung.

Den 3. Teil des Buches fand ich nicht ganz so interessant, da darin zwar viele Themen abgehandelt werden, allerdings meist eher oberflächlich (so zum Beispiel die Arbeit mit Bodenricks/Cavaletti oder das Springen und eine kurze Auflistung von Ausrüstungsgegenständen und Hilfsmitteln). Hier wäre es vielleicht sinniger gewesen, sich ein Thema herauszugreifen und dieses so intensiv zu betrachten wie die Dressurausbildung in den ersten 2/3 des Buches.

Was mir an der Ausgabe, die ich gelesen habe nicht sooo gut gefallen hat, ist das nicht wirklich erkennbar ist, welche Textteile „original“ aus 1933 stammen und welche überarbeitet wurden (manchmal lies sich nur aus dem Zusammenhang – technische Entwicklung oder Beschreibung von „Freizeitreitern“-  vermuten, dass die Aussagen eher nicht von 1933 stammen). Das die Erstausgabe schon über 70 Jahre alt ist, merkt man dem Text allerdings kaum an, dieser ist gut verständlich. Aus heutiger Sicht eher amüsant sind Tipps wie um erst mal einen lockeren Sitz zu bekommen auf dem Pferd zu singen, summen oder rauchen 😀 Letzteres würde man heute politisch korrekterweise wohl eher nicht mehr empfehlen.

Die Bilder in meiner Ausgabe stammen weitgehend aus den vergangenen Jahren und zwar aus Wettbewerben des Dressur- und Springsports, sowie aus der Vielseitigkeit. Sie sind fast alles sehr gelungen, haben aber nicht immer einen direkten Bezug zu dem geschriebenen Text (wenn dann illustrieren sie das Geschriebene aber passend).

Insgesamt liest sich das Buch gut und flüssig und sehr unterhaltsam (es ist auch kein allzu dicker „Wälzer“) und bietet sicherlich für jeden Reiter, der an der klassischen Reitweise Interesse hat viel zum Nachdenken und auch Umsetzen, sofern er daran denkt den Teil zum „Kreuz anspannen“ mit Vorsicht zu behandeln. Hier würden mich die Fußnoten der Ausgabe von 1995 definitiv interessieren, um herauszufinden ob dies dort entsprechend thematisiert wird.

 

 

 

Fitness

DVD-Rezension: YOGABASICS Grundkurs – 10 Stunden Yoga für Anfänger

Heute möchte ich mal eine DVD aus meinem Fitness-Programm vorstellen. Ich mache schon seit einigen Jahren Yoga, bis vor einem Jahr meist 1x wöchentlich einen Yoga-Kurs (davon die meisten Jahre als ich beruflich in München unterwegs war in dem wirklich hervorragenden „Yoga Institut München“). Seit ca. einem Jahr bin ich auch Zeitgründen dazu übergegangen eher zuhause zu üben und habe mir dafür einige Yoga-DVDs zugelegt, eine Reihe davon möchte ich heute vorstellen und zwar das „Anfänger“ Modul der YOGABASICS Reihe von Silvio Fritzsche (http://www.yogabasics.de/).

Der YOGABASICS Grundkurs besteht aus 5 DVDs mit insgesamt 10 Yoga-Einheiten á 60 Minuten, außerdem gibt es vor jeder Yoga-Einheit eine kurze theoretische Einführung. Vom Preis-Leistungsverhältnis (die DVDs kosten 39,90) finde ich das fast unschlagbar, denn sonst zahlt man gerne mal 15 – 20 Euro für eine DVD mit einem einzelnen Yoga- oder Fitness-Workout.  Jede der 10 Einheiten hat einen anderen Schwerpunkt z.B. beschäftigt sich die erste Einheit mit dem Thema „Standhaltungen“, die zweite Einheit mit „Vorbeugen“ und so werden alle wichtigen Arten von Yoga-Asanas tiefgehend behandelt. Am Anfang war ich etwas skeptisch über diese Einteilung, weil ich mich gefragt habe, ob es nicht zu einseitig oder anstrengend sein könnte 60 Minuten am Stück ähnliche Arten von Yoga-Übungen auszuführen. Aber die Yoga-Stunden sind sehr gut aufgebaut und auch wenn jede Einheit einen Schwerpunkt hat, werden genug ausgleichende Übungen integriert, so dass jede Stunde inhaltlich ausgewogen ist.

Von der Präsentation her ist die Reihe eher schlicht, ein normales Yoga-Studio (kein hipper Strand mit Chillout Musik in Thailand oder so 😉 ), Silvio Fritzsche, der die Übungen zeigt und anleitet und eine junge Frau, die die Übungen ausführt. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass die Übende die Übungen zwar gut ausführt und Yoga-Erfahrung hat, aber es sich offensichtlich nicht um einen Profi handelt, sondern um eine ganz normale Schülerin mit Stärken und Schwächen. Ein paar kleine Schwächen gibt es in der Präsentation gelegentlich, so verwechselt Silvio Fritzsche bei den Ansagen gelegentlich mal links und rechts, was mich aber nicht besonders gestört hat. Außerdem ist anzumerken, dass Silvio Fritzsche aus Sachsen stammt und einen relativ stark ausgeprägten Dialekt hat, was für Menschen aus anderen Gegenden eventuell ein ästhetisches Problem darstellen kann (ich weiß, dass ich als Schwabe in der Hinsicht eigentlich nichts sagen darf 😀 ). Davon abgesehen finde ich Aufbau und Didaktik dieser Yoga-Reihe praktisch perfekt, besonders positiv hervorzuheben ist auch, dass der Fokus eindeutig auf der technisch korrekten und gesundheitlich unbedenklichen Ausführung der Übungen liegt und nicht auf irgendwelchen Verrenkungen. Im Fokus dieser Reihe liegen die Körper-Übungen, auf Atemtechnik und Meditationstechniken wird zumindest in dieser Reihe noch nicht eingegangen (es gibt aber natürlich wie üblich eine Endentspannung), es gibt aber seit einiger Zeit einen Aufbaukurs, der mehr in diese Richtung geht, den habe ich aber noch nicht.

Was ich aus eigener Erfahrung etwas zweifelhaft finde ist die Eignung dieser Yoga-DVDs für blutige Yoga-Anfänger oder Leute, die noch keine besonders ausgeprägte Grund-Fitness haben, den ich fand diese DVDs beim ersten Üben wirklich sehr anstrengend und auch vom Yoga her schon sehr anspruchsvoll. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass es sich für mein Empfinden um eher kraftbetontes Yoga mit längeren statischen Halteübungen handelt und die Einheiten mit 60 Minuten auch recht lang sind und sich meist recht intensiv mit einer bestimmten Übungsthematik beschäftigen. Ich habe in der Vergangenheit meist ein etwas sanfteres Yoga geübt, dass außerdem mehr dynamische Yoga-Flows beeinhaltete (was ich deutlich weniger anstrengend finde). Deswegen fand ich die Reihe beim ersten Durchüben jedenfalls extrem anstrengend und ich war öfters mal an einem Punkt, wo ich dachte, ich sterbe gleich ab 😉 Im letzten halben Jahr habe ich vermehrt Fitnesstraining im Kraft-Ausdauerbereich gemacht und beim 2. Üben der DVD-Reihe finde ich sie nun nicht mehr ganz so anstrengend, aber immer noch gut fordernd und eindeutig anstrengender als z.B. die als „Fortgeschritten“ eingeordneten Workouts bei meinem Online-Fitness-Center.

Deswegen würde ich diese DVDs eher für im Yoga Bereich mindestens fortgeschrittene Anfänger empfehlen oder alternativ für Yoga-Anfänger, die aus anderen Sportbereichen eine hohe Grundfitness und ein gutes Körpergefühl mitbringen. Für wirkliche Anfänger oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen würde ich zum Einstieg einen „richtigen“ Anfänger-Yoga-Kurs in einem Yoga-Studio empfehlen (ich halte sowieso generell wenig davon sich neue Sportarten komplett über DVDs oder Bücher selbst beizubringen, weil das Risiko gesundheitsschädliche Fehler bei der Ausführung einzugehen meines Erachtens einfach zu hoch ist), bei dem ein Lehrer vor Ort Fehler korrigieren kann. Wenn man dann 1-2 Jahre Yoga-Erfahrung hat, sind diese DVDs dann sicher genau das Richtige. Davon abgesehen finde ich diese DVD-Reihe aber absolut empfehlenswert, wenn man eine fundierte und ausführliche DVD-Reihe sucht, die den Fokus Körperübungen hat.