Musik

Album – Rezension – „Helene Fischer“ von „Helene Fischer“ – Teil 1

Normalerweise rezensiere ich ja nur Bücher und nur ganz selten mal Musik, aber beim neuen Album von Deutschlands Queen of Pop/Schlager/Schlager-Pop/Wer weiß was sonst noch alles mache sogar ich mal eine Ausnahme.

Von Helenes bisherigen Studio-Alben (es sind derer schon 7, wenn man das Weihnachts-Album mitzählt) besitze ich nur die letzten 3 (in die ersten 4 habe ich bei Amazon Prime Music mal reingehört, was durchschnittlich ca. 10 Minuten gedauert hat und mit viel panikartigem „Weiter“ klicken verbunden war 😀 ). Wobei durchaus auch einzelne gute Songs drauf sind, die aber qualitativ so billig produziert klingen, als ob ich sie selber mit irgendeiner Programmtaste meines 80 Euro Keyboards eingespielt hätte, weswegen auch die guten Songs in der Studioversion nicht brauchbar waren.

Helenes drittletztes Album „Für einen Tag“ habe ich mal gekauft, aber dann für völlig unhörbar empfunden (hat aber ein hübsches Design). „Farbenspiel“ ist vom Inhalt schon sehr sehr gut, ich mag gut 2/3 der Songs drauf wirklich, klingt in der Studioversion aber immer noch zu Synthesizer mäßig (ich habe es aber ca. 3x gehört!) und „Weihnachten“ ist wirklich toll, aus anlassbedingten Gründen aber nur knapp 2 Monate im Jahr anhörbar. Ergo habe ich bisher fast ausschließlich die Live-Alben gehört, die wirklich erstklassig sind.

Da es von dem neuen Album aber logischerweise erst in vielen Monaten ein Live-Album geben wird, hab ich gespannt darauf gehofft, dass man diesmal bitte bitte schon die Studioversion anhören kann und wurde glücklicherweise nicht enttäuscht. Denn das Album ist vom Sound wirklich klasse und auch vom Inhalt zum größten Teil sehr überzeugend.

Allerdings ist es auch sehr sehr lang, in der Standardversion sind 18 Songs drauf, bei der Deluxe Version handelt es sich sogar um eine Doppel CD mit 24 Songs. Wenn man sich jetzt fragt, ob das nicht ein bisschen viel ist, dann ist das wohl berechtigt, allerdings ist zu bedenken, dass Helenes Plattenfirma und Management vor dem neuen Album vor der undankbaren Aufgabe stand, Helenes heterogene Fanbase zu befriedigen, was heißt man muss Leute glücklich machen, die mit Begeisterung SWR4 hören und Leute, die fast gegen eine Leitplanke fahren, wenn sie beim Radiosender suchen ausversehen SWR4 erwischen. Das könnte man nun natürlich theoretisch lösen, in dem man eine Entscheidung trifft, für einen Musik-Stil und einen roten Faden und sagt „die Leute, denen das nicht gefällt, auf die verzichten wir“ (je nach Entscheidung wäre das die eine oder die andere Hälfte der Fanbase). Das wäre aber neoliberal kapitalistisch gesehen gar nicht von Vorteil, weswegen man sich dafür entschieden hat, einfach für jeden passende Songs aufs Album zu packen, so dass für jeden was dabei ist (und jeder ca. ein Drittel der Songs halt in einen Unterordner namens „SWR 4 Schlager“ oder „blöder Pop Scheiß“ verschieben muss (die „Mitte“ der Songs sind für beide Zielgruppen anhörbar, nur die Extreme nicht).

Aus diesem Grund ist diese Rezension auch auf 2 Blogeinträge eingeteilt, hier für wirklich Interessierte die Rezension pro Song, inkl. tiefgründiger Textinterpretationen und Bewertung:

1. „Nur mit Dir“

Sound: Eine Uptempo Nummer im Dance-Pop-Schlager Gewand, die auf den ersten Blick ziemlich durchschnittlich klingt, aber irgendwie so mitreißend ist, dass man sie immer wieder anhören möchte und die deswegen Hit-potential hat.

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Klischee-Highlight: „Drückst meinen Knopf zum Schleudersitz“

5/5 Sterne

2. „Sonne auf der Haut“

Sound: Klingt wie ein merkwürdiges Musik-Gemisch aus irgendner komischer irischen Folklore am Anfang und billigem Dance-Schlager mit SWR4 Charme, eigentümlicherweise von Kristina Bach geschrieben, die immerhin auch Atemlos hingekriegt hat.

Text: Aneinanderreihung von Schlager-Klischee-Wortfetzen (Sonne, Glück, Freude, Liebe, Licht, Sommer, Leben…), vermutlich von Jim Pandzkos Affen beim  „Menschen Leben Tanzen Welt“ als Abfallprodukt abgefallen. Klischee-Highlight: „Dreh die Welt ins Licht“.

1/5 Sterne

3. „Wenn Du lachst“

Sound: eine ruhige sentimentale Ballade mit Gospel Chor Anklängen am Ende, die dadurch sehr kraftvoll wird. Schön kitschig und für mich eine der beste Balladen auf dem Album

Text: Lachen der adressierten Person erfüllt Sängerin mit Glückseligkeit und noch viel mehr. Klischee-Highlight: „Dann schaltest Du die Sonne ein“

5/5 Sterne

4. „Flieger“

Sound: Kraftvoller Pop-Schlager, der durchaus Hymnen-Potential hat. Für mich eines der stärksten Songs auf dem Album (das schreib ich insgesamt 10 x , weil ich 10 Favoriten habe 😛 )

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Konkreter Text ist eigentlich total bescheuert, wer hat sich nur diese Flugzeug Allegorie ausgedacht? Einer der Songs der glücklicherweise so gut ist, dass der Text völlig ignoriert werden kann. Klischee-Highlight:  „Am Glücksrad drehen“

5/5 Sterne

5. „Herzbeben“

Sound: geiler Dancefloor Elektro Pop Song zum Abtanzen, bei dem sogar absolute Disco- und Partymuffel (wie ich) sofort auf die Tanzfläche stürmen wollen. Wird live im Stadium garantiert der Hammer. Für mich mit Abstand der beste Song auf dem Album. Er wurde übrigens von Stephanie Stumph geschrieben, bisher  besser bekannt als Schauspielerin und Tochter des Schauspielers Wolfgang Stumph (Stubbe).

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Klischee-Highlight: Der Titel „Herzbeben“ ist das Klischee. Song hat vermutlich 99% der Fans positiv überrascht, weil vorher vermutlich jeder ihn wie ich mit Andrea Bergs Albumtitel „Seelenbeben“ assoziiert hat.

10/5 Sterne

6. „Wir zwei“

Sound: moderner Schlager Pop, der mich vom Stil an „Flieger“ erinnert, aber für mich nicht ganz so stark ist.

Text: Zwei neu verliebte Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Klischee – Highlight: „Die Welt neu erfinden und aus den Angeln heben“

4/5 Sterne (eigentlich würd ich 3/5 Sterne vergeben, aber dann haut mich eine bestimmte Freundin)

7. „Schon lang nicht mehr getanzt“

Sound: Altmodische träge Schlager-Ballade anno 2001, die immer grad läuft wenn man ausversehen am MDR vorbeizappt.

Text: Sängerin würde gern mal wieder das Leben in vollen Zügen genießen und gemeinsam alles erreichen, der Deckel zum Topf ist grad aber blöderweise nicht da (melancholisch).

2/5 Sterne

8. „Viva La Vida“

Sound: Ricky Martin in Castrop-Rauxel. Mein absolutes Hass-Lied beim ersten Hören, man stellt sich vor wie so ein deutscher Songschreiber ohne jeglichen Migrationshintergrund vor seiner Gelsenkirchner Barock Schrankwand sitzt und denkt „so jetzt schreib ich mal nen Sommer-Hit mit heißen lateinamerikanischen Rhythmen für die Andrea Berg, der genauso klingt wie bei dieser Shakira immer“. Man gewöhnt sich aber dran. Bei den Latin-Rhythmen an sich kann man ja nicht viel falsch machen.

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Klischee-Highlight: „Alles dreht, alles brennt“

3/5 Sterne

9. „Mit dem Wind“

Sound: Leichter melodischer Pop-Song mit Country Anklängen.  Wurde von einem amerikanischen Songschreiber geschrieben, was man irgendwie hört. Auch eines meiner absoluten Favoriten auf dem Album. Man hat sofort Sommer-Feeling und stellt sich vor im offenen Cabrio mit wehenden Haaren über einen amerikanischen Highway zu fahren.

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen, egal wo auf der Welt (fröhlich). Klischee-Highlight: „Der Sand in unsren Schuhen trägt uns dahin, wo die großen Wellen sind“ (hihihihihi)

5/5 Sterne

10. „Wir brechen das Schweigen“

Sound: Leichte Uptempo Nummer, die eine wirklich süße und charmante Melodie hat, die richtig süchtig macht und bei der Helene schön rau und kratzig klingt (schön, dass sie anfängt mit ihrer Stimme mehr zu spielen).

Text: Zwei Liebende genießen das Leben in vollen Zügen und können gemeinsam alles erreichen (fröhlich). Das ist ein Song bei dem man vom Titel erwartet hätte, dass es in dem Text um irgendetwas gehen MUSS. Denkste! Es geht genau um das gleiche banale Nichts, wie in den 9 davor auch. Eine beeindruckende Leistung, wenn man darüber nachdenkt. Klischee-Highlight: „Wir zünden die Sonne an“ (kommt mir unnötig vor) und „Wir schalten den Himmel ein“

5/5 Sterne

11. „Gibt mir Deine Hand“

Sound: sehr ruhige und traurige sentimentale Pop-Ballade, die grade das richtige Maß an Kitsch-Faktor hat, um zu funktionieren

Text: Zwei Liebende, die das Leben in vollen Zügen genossen haben und gemeinsam alles erreicht haben, müssen sich verabschieden, weil einer glaub grad das Zeitliche segnet (traurig, aber mit viel Hoffnung und Dankbarkeit und Stärke, weil so ein Abschied die Sängerin natürlich nur mit mehr Kraft für die Zukunft erfüllt, ist schließlich Helene Fischer, die kann nichts erschüttern!). Schlager-Klischee: „Jeder Weg ist auch ein Abschied“

4/5 Sterne

12. „Du hast mich stark gemacht“

Sound: Gefühlsduselige Ballade eines Kindes an die Eltern, das Helene mit 100% iger Sicherheit beim Premienkonzert ihres Albums entweder ihrer Mama, ihrem Papa oder beiden widmen wird (letzteres wäre netter). So was ist mir immer zu Disney.

Text: „You are the wind beneath my wings“ für Eltern auf Deutsch. Schlager-Klischee: „Und war ich einmal schwach, hast Du meinen Flügeln Wind gegeben“

2/5 Sterne

To be continued…

Bücher

Literarischer Mai – Mit Krimis und Kindheitserinnerungen

Heute möchte ich drei Bücher vorstellen, einmal das in Teilen autobiografische Buch „Raumpatrouille“ des Schauspielers Matthias Brandt und zwei Krimis, die mich beide leider nicht 100% überzeugt haben, aber beide durchaus trotzdem lesenswert sind.

Matthias Brand – „Raumpatrouille“ (Genre: Kindheit/Geschichten)

„Raumpatrouille“ ist ein übersichtliches (ich glaube es sind knapp 200 Seiten) Buch mit Kindheitserinnerungen des bekannten Schauspielers Matthias Brandt, dem jüngsten Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt. Dadurch bedingt handelt es sich bei den episodenhaften Erzählungen einerseits natürlich nicht um Eindrücke einer „ganz normalen“ Kindheit, andererseits aber doch, denn vieles was dem jungen Erzähler passiert und was er fühlt, wird wohl jedem der sich noch an seine Kindheit erinnert vertraut vorkommen. Hier fand ich vor allem beeindruckend, dass der Autor wirklich toll rüberbringt wie man als Kind oftmals gefühlt hat, das hat sich für mich sehr authentisch angefühlt. Trotzdem gibt es natürlich Besonderheiten: die ständige Präsenz von Personenschützern (und anderen Bediensteten), das Leben in einem durch einen Wachdienst abgeschirmten Haus und das doch etwas distanziert wirkende Verhältnis zu einem mächtigen aber vielbeschäftigten und etwas unerreichbaren Vater.

Das Buch hat hierbei keine lineare Erzählweise, sondern schildert verschiedene Episoden, teils mit ganz normalen banalen Kindheitsereignissen (wie einer missglückten Karriere als Fußballtorwart), teils mit wirklich humorvollen und lustigen Episoden und teils mit ernsthafteren und nachdenklichen Tönen. Es ergibt sich das Gesamtbild einer Kindheit, die einerseits ganz normal und glücklich wirkt, andererseits auch einige Schwierigkeiten hinter der Fassade durchscheinen lässt. Wie viel davon tatsächliche Erinnerung und wie viel Fiktion ist, lässt der Autor im Vorwort offen.

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen, den Schreibstil finde ich auch sehr gut gelungen und humorvoll. Allein durch die Sprunghaftigkeit und den geringen Umfang bleiben die Einblicke ein bisschen an der Oberfläche.

Tana French – „Gefrorener Schrei“ (Genre: Krimi)

Ich habe bisher alle Krimis von Tana French gelesen und war bisher immer von allen gleichermaßen begeistert, fand sie vor allem sprachlich immer auf einem sehr hohen Niveau. Ich lese auch sehr gerne detailverliebte Krimis mit ausschweifenden Erzählungen und Dialogen und dazu hatte Tana French schon immer einen Hang.

Leider hat mich „Gefrorener Schrei“ aber nicht so begeistert wie die bisherigen Krimis der Autorin, was zum einen daran lag, dass mir bei diesem Roman die Haupt-Ermitterlin und auch die meisten anderen Charaktere nicht besonders sympathisch waren. Normalerweise stört mich so etwas nicht, ich mag auch unsympathische Charaktere, so lange sie interessant und komplex sind, aber hier war es irgendwie so, dass ich die Detektivin Antoinette Conway oftmals nicht als interessant, sondern primär als anstrengend empfand und auch ihre ziemliche flapsige Sprech- und Erzählweise war nicht so wirklich mein Ding.

Außerdem fand ich die Idee des Buches zwar gut, es geht weniger um den Kriminalfall an sich, sondern darum welche Intrigen sich in dem Polizeirevier von Antoinette Conway abspielen, um Mobbing, Verfolgungswahn und um die Frage wer spielt ein falsches Spiel. Der tatsächliche Kriminalfall ist auch gar nicht so komplex: eine junge Frau wird in ihrer Wohnung erschlagen nachdem sie sich offenbar auf ein romantisches Abendessen vorbereitet hatte. Der Hauptverdächtige ist klar, ihr neuer Freund. Doch ist der Fall in Wirklichkeit komplexer? Die Polizeiarbeit stellt sich hier primär als kleinteilige Ermittlungsarbeit und langwierige Verhöre des und der Verdächtigen dar (leider waren diese Verhöre auch im Buch teilweise merklich langwierig und etwas repetitiv). Und man erlebt wie Conway und ihr Partner verschiedenen Fährten folgen, immer auf der Suche nach der Aufdeckung des Ganzen.

Insgesamt fand ich das Buch nicht schlecht zu lesen, von der Grundidee durchaus interessant, aber für mich hat das Ganze nicht 100% funktioniert und entwickelte deswegen eine gewisse Zähigkeit. Für mich deswegen der schwächste Krimi von Tana French. Interessenten der Autorin (die eigentlich wirklich gut ist!) empfehle ich mit einem beliebigen anderen Roman zu starten.

Helen Callaghan – „Dear Amy“ (Genre: Thriller)

„Dear Amy“ ist ein Psychothriller, der schon optisch in einem ziemlich typischen Thriller Gewand daher kommt, das schon mal Lust auf das Buch macht (auch wenn man über das neongrüne Design sicher gespaltener Meinung sein kann). Auch die Story klingt vielversprechend. Die 15-jährige Katie verschwindet nach einem Streit mit ihren Eltern spurlos, die Polizei geht erstmal davon aus, dass sie ausgerissen ist.

Die Lehrerin Margot, die nebenberuflich als „Brief-Kummerkasten-Tante“ bei einer Regionalzeitschrift arbeitet erhält zu diesem Zeitpunkt plötzlich Briefe von einem anderen jungen Mädchen, Bethan, das allerdings schon vor Jahrzehnten spurlos verschwand und nie gefunden wurde, aber von der Polizei für tot gehalten wurde. Margot ist geschockt, sind die Briefe etwa echt? Und hängt der alte Fall um Bethan mit dem aktuellen Verschwinden von Katie zusammen? Der Fall lässt ihr keine Ruhe und schnell wird sie immer tiefer in die Ermittlungen rein gezogen…

So die Prämisse des Buches, das vom Schreibstil her leicht und zügig zu lese ist und für mich durchaus unterhaltsam war. Auch die Story beginnt eigentlich vielversprechend und Margot ist ein interessanter Hauptcharakter. Trotzdem hat mich das Buch letzendlich aus verschiedenen Gründen nicht vom Hocker gerissen. Erstens kommt es wie für Thriller häufig üblich nach ca. 2/3 des Buches mit einer unerwarteten Wendung daher. Leider war diese Wendung für Thriller-Geübte Leser aber schon nach ca. 100 Seiten des Buches so einfach vorausschaubar, dass mir ab da schon klar war, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Dadurch werden auch die Ereignisse bis zum Ende relativ einfach voraussehbar, was dem Thriller den Spannungseffekt so ziemlich nimmt.

Zusätzlich hatte ich ein bisschen Probleme das Buch in Großbritannien zu verorten, es spielt zwar in Cambridge, aber ich hatte ständig das Gefühl einen amerikanischen Thriller zu lesen (eventuell kommt das daher, dass die Autorin laut Klappentext zwar aus einer britischen Familie stand, aber in den USA geboren ist) und es kam für mich trotz Erwähnung einiger lokalen Sehenswürdigkeiten von Cambridge irgendwie nie ein Bezug zu der Lokalität auf. Und drittens enthielt das Buch einige private Irrungen und Wirrungen der Protagonistin (Scheidung und neuer „love interest“), die aber etwas lieblos und klischeehaft kurz abgehandelt wurden, so dass man sich fragt, wozu sie überhaupt Teil der Story waren.

Das klingt jetzt alles sehr negativ, insgesamt hat mir das Buch aber trotzdem noch gut gefallen, was zeigt, dass die Autorin durchaus viel Talent für das Genre hat, beim nächsten Buch würde ich mir nur etwas mehr Finesse und etwas weniger Thriller-Klischees wünschen, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, nochmal was von ihr zu lesen.

Bücher

Buchtipps fürs Frühjahr

Im März habe ich zwei sehr unterschiedliche Bücher gelesen, einmal einen spannenden Horrorthriller für Zwischendurch und einmal eine interessante und humorvolle Lebensgeschichte aus Irland:

John Boyne – The Heart’s Invisible Furies (Genre: Belletristik)

„The Heart’s Invisible Furies“ war mein erster Roman von John Boyne. Protagonist des Romans, der eine Zeitspanne von 1945 bis heute umfasst ist Cyril Avery. Cyril wird im Irland der 40er Jahre als uneheliches Kind einer jungen Teenager Mutter geboren, die wegen ihrer Schwangerschaft vom katholischen Priester ihrer kleinen Dorfgemeinde des Ortes verwiesen wird und sich alleine und praktisch ohne Geld nach Dublin durchschlägt. Cyril gibt sie wegen mangelnder Perspektiven nach der Geburt zur Adoption frei, so dass er von einem reichen aber ziemlich schrulligen Ehepaar adoptiert wird.

Das Buch erzählt Cyrils Leben von seiner Geburt (auch die Geschichte seiner Mutter kommt nicht zu kurz) bis ins hohe Alter, wobei jedes Kapitel 7 Jahre später spielt als das Kapitel zu vor. So bekommt man in unterschiedlichen Episoden Einblick in die Entwicklung von Cyril und die Irrungen und Wirrungen seines Erwachsenenlebens. Im Mittelpunkt steht dabei die Suche von Cyril nach seiner sexuellen Identität, denn er wächst im erzkatholischen und bigotten Irland als schwuler Junge und Mann auf und hat mit vielen Schwierigkeiten und Hürden zu kämpfen, schon allein deswegen weil Homosexualität in Irland (genau wie in Deutschland) damals nicht nur verpönt, sondern sogar verboten war und verfolgt wurde. Heute erscheint das fast nicht mehr denkbar, doch sollte man bedenken, dass das Gesetz das Homosexualität unter Männern verbietet in Deutschland erst 1994 aufgehoben wurde. Und erst gerade diese Woche wurde nach jahrzehntelangem Ringen ein Gesetz erlassen, dass die Männer, die nach dem „Schwulen-Paragraphen“ verurteilt wurden rehabilitiert und die noch Lebenden zumindest finanziell etwas entschädigt. In Irland dürfte diese Entwicklung zeitlich ähnlich verlaufen sein wie in Deutschland, obwohl die katholische Kirche dort natürlich noch viel länger sehr viel Macht hat (um so erstaunlicher ist es, dass Irland das erste Land der Welt war, dass die „Ehe für alle“ tatsächlich durch einen Volksentscheid eingeführt hat, auch dieser Entscheid wird in dem Buch kurz thematisiert). So spielt dieses Thema im Roman eine tragende Rolle, wird aber mit sehr viel schwarzen und teils auch Slapstick-artigem Humor erzählt, der vor allem in der ersten Hälfte des Buches in den skurrilen Dialogen seine volle Wirkung entfalten kann. Im zweiten Teil des Buches wird alles etwas ernster, was aber gut zur Entwicklung der Geschichte passt, denn auch Cyril wird immer reifer und erwachsener und kommt mit sich selbst, seinem Leben und seinem Heimatland ins Reine.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es auch ein paar Schwächen aufweist. Der Autor verwendet einige stilistische Kniffe, vor allem spielen Zufälle eine sehr große Rolle in dem Buch, so wie das etwas sehr gehäufte Auftreten von dramatischen Ereignissen. Das alles führt dazu, dass das Buch nicht wirklich realistisch wirkt, allerdings war das aus meiner Sicht ein absichtlich gewähltes Stilmittel. Durch die häufige Benutzung nutzt es sich allerdings doch ein bisschen ab. Trotzdem finde ich das Buch sehr lesenswert. Ich habe es im englischen Original gelesen. Das Englisch ist angenehm zu lesen und ich würde sagen „mittelschwer“.

Isa Grimm – Klammroth (Genre: Thriller/Horror)

„Klammroth“ ist seit längerer Zeit der erste Thriller bzw. Horrorroman den ich lese. Eigentlich mag ich das Genre ganz gerne, allerdings finde ich dass die meisten Bücher doch sehr nach dem gleichen Schema geschrieben sind, so dass sich das Genre schnell abnutzt wenn man viele thematisch ähnliche Bücher liest. „Klammroth“ von der unter einem Pseudonym schreibenden Autorin Isa Grimm sticht allerdings definitiv aus dem Einheitsbrei heraus und hat mich sehr gut unterhalten. Die Einordnung in ein Genre finde ich übrigens etwas schwierig, das Buch scheint als Horror geführt zu werden, allerdings halten sich übernatürliche Aspekte doch eher in Grenzen und auch von der Atmosphäre her hatte ich eher das Gefühl einen psychologischen Thriller mit leichtem Mystery-Touch zu lesen.

Zur Story: Anais stammt aus dem ehemals touristisch attraktiven Weindorf „Klammroth“. Im Alter von 16 Jahren hat sie mit relativ milden Verletzungen ein schreckliches Brandunglück in einem alten Verkehrstunnel bei ihrem Heimatort überlebt, bei dem unzählige ihrer Klassenkameraden verbrannten oder schwer verletzt wurden. Damals „floh“ Anais mehr oder weniger ins Internat und kehre nie mehr wirklich in ihr Heimatdorf zurück. Viele Jahre später muss sie dann zurückkehren, gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Tochter, denn ihre Stiefmutter wurde tot aufgefunden, ebenfalls verbrannt in Anais altem Elternhaus. Eigentlich will Anais nur so schnell wie möglich die Formalitäten regeln, denn ihre Stiefmutter (die nach dem Unglück nach Klammroth kam und – geschäftstüchtig – eine Schmerzklinik für Brandopfer eröffnete und Anais‘ Vater kennenlernte) stand ihr sowieso nie nah und an ihre Vergangenheit möchte sie möglichst wenig erinnert werden. Doch kaum in Klammroth angekommen trifft Anais auf Menschen aus ihrer Vergangenheit und wird in die Aufarbeitung der aktuellen und damaligen Ereignisse hineingezogen.

So viel der Hintergrund der Geschichte. Die Story an sich hat mir gut gefallen, auch wenn sie vor allem gegen Ende doch etwas an den Haaren herbeigezogen daherkommt, was aber bei einem Mysterythriller vertretbar ist. Sie ist aber erstaunlich gut geschrieben und auch die Charaktere und die Atmosphäre sind sehr gut beschrieben, so dass sich ein ingesamt sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch ergibt. Der Horror und die Spannung kommen dabei eher subtil daher und auch Brutalitäten halten sich eher in Grenzen.

Bücher, gesellschaft

Buchrezension: Ein Roman über Amerika in stürmischen Zeiten

Heute möchte ich ausnahmsweise mal nur ein einzelnes Buch vorstellen, dass aber auch so besonders (und so umfangreich 😉 ) ist, dass sich das definitiv lohnt:

Nathan Hill – „Geister“ (Genre: Belletristik)

„Geister“ von Nathan Hill ist ein amerikanischer Gesellschafts- und Familienroman, der perfekt in die heutige Zeit passt. Der Hauptdarsteller des Buches ist Samuel, ein ziemlich erfolgloser Literaturprofessor, der eigentlich mal davon geträumt hat, ein großer Schriftsteller zu werden. Unmotiviert verbringt er im Jahr 2011 fast sein ganzes Berufsleben heimlich in dem Online-Rollenspiel „Elfscape“ (das sicher nicht nur entfernt an World of Warcraft erinnern soll) als er überraschend den Anruf eines Anwalts erhält. Seine Mutter, die ihn schon in seiner frühesten Kindheit verlassen hat wurde verhaftet weil sie einen Anschlag auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten verübt hat (der zwar nicht an Donald Trump, aber durchaus an den nicht minder abschreckenden Mike Pence erinnert). Der Anschlag bestand zwar nur daraus bei einer Kundgebung in einem Park ein paar Kieselsteine auf den Kandidaten zu werfen (von dem einer immerhin im Auge landete), trotzdem gilt Samuels Mutter Faye nun als linke Radikal-Terroristin und ist in aller Munde.

Samuel soll nun im Auftrag des Anwalts einen Brief für sie verfassen, der vor Gericht zu ihren Gunsten sprechen soll, eine Idee von der Samuel gar nichts hält, denn er hat seiner Mutter nie verziehen ihn verlassen zu haben. Trotzdem lässt er sich auf ein Treffen mit ihr ein.

So die interessante Prämisse des Romans. Was daraus erfolgt ist einerseits eine tiefgründige Familiengeschichte über die Aufarbeitung von Verletzungen der Vergangenheit, andererseits eine ironisch und messerscharf pointierte Aufbereitung der amerikanischen Gesellschaft. Besonders interessant daran ist dass der Roman primär auf zwei Zeitebenen spielt, einerseits im fiktiven Jahr 2011. Andererseits wird Fayes Studentenzeit geschildert, im dramatischen Jahr 1968 in Chicago, in der Zeit der Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg, kurz vor Nixons Wahl zum Präsidenten. Dabei hat mich besonders beeindruckt wie in mancher Hinsicht diese Zeit der heutigen unruhigen Zeit zu ähneln scheint, eine aufgeheizte Gesellschaft, die in mehrere Lager gespalten ist, eine schwierige Weltlage, die Wahl eines Präsidenten, die wie eine Zäsur wirkte (und ein dramatisches und unrühmliches Ende nahm). Vielleicht kann einem das in der heutigen Zeit etwas Hoffnung geben, denn damals sah für viele Leute die Welt vermutlich ziemlich aus den Fugen geraten aus und danach ging es mit den USA auch weiter und es kamen wieder ruhigere Zeiten.

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn er sicher kein Buch ist, das man schnell mal nebenher liest. Die Sprache ist absolut bemerkenswert und grandios, humorvoll, gestochen scharf, ohne mühsam zu wirken. Der Roman hat viele Handlungsstränge, die nicht unbedingt immer viel miteinander zu tun haben, er reißt viele Themen an, ist nicht unbedingt linear und vermischt Familiengeschichte und Gesellschaftskritik und  hat mit über 800 Seiten auch eine stolze Länge. Das ist genau die Art Buch, die ich liebe, aber sicherlich nichts für Menschen, die auf Dynamik und klare Handlungen Wert legen und keine „dicken Wälzer“ mögen. Für mich als Erstlingswerk eines Autors absolut herausragend und ich werde Nathan Hill sicherlich als Autor im Auge behalten und hoffe, dass da noch viel mehr kommt.

Allgemein

Mein Soundtrack von 2016 – Teil 2

Bevor das Jahr zu Ende geht, möchte ich noch einige weitere musikalische Highlights vorstellen, die ich dieses Jahr kennengelernt habe und die mich das ganze Jahr (vor allem im Auto) begleitet haben.

Jennifer Rostock – „Genau in diesem Ton“

Jennifer Rostock sind schon seit einigen Jahren einer meiner Lieblingsbands (auch wenn ich für die zielgruppentechnisch eigentlich vermutlich zu alt bin 😀 ), bisher war mein absoluter Favorit unter den Alben das Vorgängeralbum „Schlaflos“, aber „Genau in diesem Ton“ knüpft für mich nahtlos an und ich könnte jetzt nicht sagen, welches der beiden Alben mir besser gefällt. Die Musik ist teilweise laut, aggressive, teilweise leise und berührend und dazwischen sind auch immer Songs, die leicht und fröhlich daher kommen. An Jennifer Weist finde ich toll, dass sie sowohl laut und aggressiv singen kann, aber auch tolle gefühlvolle Balladen und dass man Jennifer Rostock stilistisch schwer einordnen kann (Mainstream Punk/Rock/Pop/links/spassig/politisch?). Das Album ist kraftvoll und wütend und passt damit super zum Jahr 2016, man fragt sich manchmal wo die ganzen wütenden leidenschaftlichen Musiker eigentlich geblieben sind, ich finde 2016 hätte es ruhig ein paar mehr wütende Alben geben können 😛

 

Robbie Williams – „The Heavy Entertainment Show“

Ich bin zwar kein Riesenfan von Robbie Williams, besitze aber glaub ich trotzdem so ziemlich jedes Album (mein Lieblingsalbum ist denke ich sein erstes Swing Album „Swing when you’re winning“, da ich generell ein großer Fan von Swing bin und es da gerne altmodisch mag, außerdem fand ich die Duette auf dem Album toll). „The Heavy Entertainment Show“ ist aber definitiv für mich auch eins von Robbies besten Alben, wobei ich finde dass die erste Single von dem Album ( „Dance Like a Russian“) einer der schwächsten Songs auf dem Album ist (es scheint einen neuen Trend zu geben immer das schlechteste Lied eines Albums als Lead Single zu verwenden, das ist mir dieses Jahr schon mehrfach so gegangen, dass mir die erste Single-Auskoppelung so ziemlich am Wenigsten gefällt). Das  neue Album von Robbie ist insgesamt finde ich wohltuend „konventionell“,  einfach gute Popmusik, die mich teilweise ein bisschen an die 80er/90er Jahre erinnert haben und zum Teil auch ein bisschen an Künstler wie den leider gerade verstorbenen George Michael. Meine Lieblingssongs auf dem Album sind die eher schnelleren Songs wie zum Beispiel das sehr funkige „Sensitive“ oder „Mixed Signals“.

 

Lady Gaga – „Joanne“

Lady Gaga ist ja eine Künstlerin, die von vielen Leuten nur mit ihrem inzwischen etwas abgelegten schrillen und extravaganten Auftreten verbunden wird, tatsächlich ist Lady Gaga aber schon immer eine hervorragende Sängerin und Musikerin. Ich habe alle ihre bisherigen Alben gekauft, da war es aber eigentlich immer so, dass auf jedem Album 1-2 richtige Hits drauf waren und dann noch 2-3 Songs, die ich ganz gut fand, aber auch immer viele Songs mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, da doch Vieles immer recht Dance lastig oder aus meiner Sicht „lärmig“ klang, was zwar vermutlich Trends entsprach, aber nicht unbedingt meinem Musikgeschmack.

Auf ihrem neuem Album ist aus meiner Sicht definitiv ein Stilwechsel zu erkennen, viele Songs auf dem Album sind ruhiger, viele gehen eher in Richtung „Country“ (das war bei früheren Alben nur bei „You and I“ deutlich der Fall und bei der „Country Roads“ Version von „Born this way“, beides absolute Lieblinge von mir). Deswegen trifft „Joanne“ als Album definitiv viel mehr meinen eigenen Musikgeschmack als Gagas ältere Alben und ist für mich schon allein deswegen mit Abstand das beste Album. Auch kommt ihre Stimme finde ich bei eher reduzierterer Musik und Konzentration aufs Wesentliche viel besser zur Geltung.

Leider wurde als erste Single von „Joanne“ ausgerechnet der Song „Perfect Illusion“ ausgewählt, den ich eher schwach und monoton finde, da finde ich so ziemlich alle anderen Songs auf dem Album deutlich besser. Meine Lieblingssongs aus dem Album sind von den Schnelleren definitiv „A-Yo“, sowie von den ruhigeren „Sinner’s Prayer“, „Angel Down“, „Joanne“ und nicht zu vergessen als besonderes Schmankerln gibt es noch ein Duett mit Florence Welch von Florence and the Machine.

 

Melissa Etheridge – „MEmphis Rock and Soul“

Melissa Etheridge ist schon seit Jahrzehnten eine meiner Lieblingssängerinnen, ich habe sie auch schon mal in Stuttgart live gesehen. Trotzdem war ich mir nicht 100% sicher ob ich mir ihr neues Album kaufen soll, da es ein reines Blues und Soul Album ist und obwohl ich diese Musikrichtung durchaus mal gerne höre ist, ist es ein Genre das ich eher in kleinen Dosen mag. Deswegen war ich mir nicht sicher, ob mir ein ganzes Album nicht zu viel sein würde, aber ich wurde absolut nicht enttäuscht, die Soul und Blues Klassiker passen hervorragend zu Melissas Stimme und sie singt mit so viel Power und Leidenschaft, das mir das Album keinen Moment langweilig wurde. Definitiv eine runde Sache.

 

Bücher

Buchrezensionen zum Jahresende – Einmal schwermütig, einmal leicht

Das literarische Jahr möchte ich mit zwei sehr unterschiedlichen Büchern beenden, einem das sehr schwer und schwierig ist und zum Ausgleich einmal netter Krimi-Klamauk für zwischendurch 😉

Beile Ratut – „Das Schwarze Buch der Gier“ (Genre: Belletristik)

„Das Schwarze Buch der Gier“ wird aus Sicht von Alba erzählt, einer Frau, die im Alter von 6 Jahren ihren großen Bruder verlor. Bis zu ihrem 6. Geburtstag verlebte Alba eine einfache, aber recht sorglose und behütete Kindheit irgendwo auf dem Land, sie bewunderte ihren größeren Bruder Samuel und fühlte sich von ihren Eltern beschützt und geliebt. An ihrem 6. Geburtstag passiert das Unfassbare, ihr Bruder geht zum Spielen aus dem Haus und kommt nicht wieder. Zuletzt beobachtete sein Freund wie er mit einem Autofahrer sprach. Seitdem ist Samuel spurlos verschwunden und in Albas Elternhaus zieht die Sprachlosigkeit ein. Ihr Vater, schon immer eher ruhig, wird noch schweigsamer. Ihre Mutter stürzt sich in Arbeit und Routine. Alba bleibt ruhig, unauffällig und blass, eine Außenseiterin, gut in der Schule, aber ohne wirklichen Kontakt zu anderen Menschen.

Das Buch spielt teilweise in Albas Kindheit und erzählt in Rückblicken von der Zeit als ihr Bruder verschwand und ihrer Schulzeit danach. Der größte Teil des Buches aber handelt von der erwachsenen Alba und ihrem Versuch einen Platz im Leben zu finden und Kontakte zu ihren Mitmenschen oder zu Männern aufzubauen. Dabei steht immer das Verschwinden ihres Bruders im Weg und ihr Denken wird immer mehr beherrscht von der Frage was ihrem Bruder wohl geschehen ist , wer ihn gestohlen hat und was mit ihm passiert ist. Immer mehr beschäftigt sie sich gedanklich mit den Abgründen der Menschen und der Menschheit, mit Gier, Grausamkeit und dem was aus ihrer Sicht hinter der Fassade der Zivilisation jederzeit lauert, so lange bis sie selbst ganz von Angst und Misstrauen dominiert ist.

Das Buch ist in einem sehr ruhigen, etwas schwermütigen Tonfall geschrieben und ist oft trotz der teilweise sehr verstörenden Texte geradezu poetisch. Mir hat es sehr gut gefallen, es hat nicht viel Handlung, aber die Fragen die aufgeworfen werden, entwickeln eine gewaltige Wucht, am Ende gibt es auch etwas Hoffnung, trotzdem ist es jetzt natürlich nicht unbedingt ein Buch, das man unbeschränkt weiterempfehlen kann. Jedem der auch mal etwas lesen möchte und kann, das nicht immer einfach zu ertragen ist, sollte hier aber auf jeden Fall zugreifen, denn die Autoren ist sehr talentiert.

Volker Klüpfel/Martin Kobr – „Himmelhorn“ (Genre: Regionalkrimi)

„Himmelhorn“ ist schon der neunte Regionalkrimi rund um den unter Regionalkrimi Fans sicherlich jedem bekannten Kommissar Kluftinger. Am Anfang des neuen Falls ist Kluftinger gerade dabei zusammen mit seinem Lieblingsfreund/feind sein neues Elektro-Mountainbike im Oytal bei Oberstdorf auszuprobieren, als die beiden eine grausliche Entdeckung machen, 3 abgestürzte Bergsteiger in der Nähe eines besonders gefährlichen Aufstiegs auf den Himmelhorn, den namensgebenden Berggipfel dieses Krimis. Schnell stellt sich raus, dass es sich dabei um einen relativ bekannten Bergsteiger handelt, der hier mit seiner Produktionsfirma einen Bergfilm drehen wollte, sowie zweier lokaler Bergführer. Während Kluftinger hier relativ schnell wittert, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging, zeigen sich Teile seines Teams merkwürdig demotiviert. Und zuhause ist bei Kluftinger auch viel los, Schwiegertochter Miki ist hochschwanger, der Sohn im Studiumsstress und Kluftinger entdeckt zur Entspannung den Unterhaltungswert einer schmalzigen Vorabendserie.

Ingesamt bietet der neue Kluftinger-Krimi wie immer sehr nette und abwechslungsreiche Unterhaltung. Gut gefallen hat mir diesmal, dass die Handlung weitgehend ohne übertriebenen Klamauk auskommt (das war in ein paar anderen Vorgängerbänden durchaus zu viel des Guten), der Kriminalfall an sich, sowie dass das Oytal so eine große Rolle spielt, da ich in dieser Region selbst schon oft im Urlaub war.

Nicht so gut gefallen hat mir der wieder sehr hohe Anteil an Privatkram, darunter litt der tatsächliche Krimi etwas, vor allem da sehr viele eher unwichtige Nebenstränge in die Handlung eingearbeitet wurden. Ebenso haben die Autoren die Angewohnheiten reale Nachrichten-Ereignisse als kleine Gimmicks in den Geschichten zu verarbeiten, was ich ein bisschen unnötig finde. Insgesamt war es aber auch in der inzwischen 9. Ausgabe ein vergnügliches Leseerlebnis einer Reihe, die bisher noch nicht allzu viele Abnutzungserscheinungen zeigt.

Fernsehen, Musik

Ich bin doch keine Maschine – Helene Fischer Show Aufzeichnung 2016 – Teil 2

Und munter weiter geht’s mit dem Bericht zur Helene Fischer Show 2016

Mary Poppins

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Ein obligatorischer Pflichtprogrammpunkt bei der Helene Fischer Show sind Musicals, was ja auch Sinn macht, da Helene bekanntlich staatlich ausgebildete Musical-Darstellerin ist. In den Musicals in der Sendung übernimmt sie dann meistens auch die weibliche Hauptrolle, während die männliche Hauptrolle aus unerfindlichen Gründen durch Mark Keller ersetzt wird, was bei leidenschaftlichen Musical Fans nicht so gut ankommt, aber dem Laienpublikum (also auch mir) vermutlich völlig egal sein dürfte. Nachdem ich 2015 das Pech hatte, dass beide Musicals überhaupt nicht mein Ding waren, hatte ich dieses Jahr das ausgleichende Glück, dass exakt die zwei Musicals dabei waren, die ich tatsächlich unbedingt mal sehen will 😀

Mary Poppins war das erste davon und es hat meine Erwartungen voll erfüllt, charmant, tolle Musik, schöne Kostüme, nettes Bühnenbild, genau mein Geschmack (ich mag eher so die alten traditionellen Broadway-Musicals und lieber Musicals, die nicht so dramatisch sind und/oder keine Menschen in Tierkostümen beinhalten).

Besonders gut gefallen haben mir bei dem Musical die beiden Kinder-Darsteller (ich glaube sie waren auch so ziemlich die Einzigen, die wirklich aus dem Cast des Musicals stammten), die beide sehr viel Ausdruck und Bühnenpräsenz hatten.

Ich werde mir Mary Poppins (das seit wenigen Wochen in Stuttgart im SI-Centrum läuft) sicherlich ansehen, warte aber im Moment noch ab, ob die Tickets noch etwas günstiger werden (Musicals im SI-Centrum finde ich persönlich ja preislich wirklich immer an der absoluten Schmerzgrenze, wenn man gute Plätze will, grad wenn man sich z.B. im Vergleich die Preise für Helene Fischer Konzertkarten anguckt, wo man vom Preis- /Leistungsverhältnis doch nochmal eine Schippe mehr geboten bekommt).

Bei der Nummer bemerkte man besonders stark ein spezielles Helene Fischer Zuschauer Phänomen, dass man vielleicht umgangsprachlich als „Helene Fischer Autismus“ bezeichnen können, nämlich die Angewohnheit der Fans zu 99,99% nein 100% auf Helene Fischer fixiert zu sein. Das äußert sich z.B. dadurch, dass am Ende von Mary Poppins das ganze Ensemble hochmotiviert tanzend und singend noch einen Song auf der Bühne performt hat, während Helene als Mary Poppins in der Luft davonschwebte und 99,99% des Publikums der entschwindenden Rückansicht von Helene nachstarrte (dieser Flug war übrigens live nicht grad überwältigend spektakulär, da die Fluggeschwindigkeit nach ca. 1,5 km/h aussah, aber das ist bestimmt sowas das im Fernsehen dann total geil rüberkommt 😀 ). Dieses Phänomen fällt sogar Gelegenheitszuschauern vor dem TV auf (O-Ton meine Mutter letztes Jahr „immer wenn Helene auftritt drehen die voll durch und wenn nicht, hocken alle nur so rum“).

Wir witzelten dann später irgendwann, dass wenn auf der linken Bühnenseite Madonna, Lady Gaga, Robbie Williams und die Stones zusammen die Performance ihres Lebens hinlegen würden, während Helene auf der rechten Bühnenseite in Trainingsklamotten auf ihrem Smartphone rumspielen würde, trotzdem alle mit offenem Mund Helene anstarren würden 😛

Generell war die Stimmung am ersten Tag ein bisschen mau, ich hatte den Eindruck da waren mehr „kann man sich ja mal angucken“ Zuschauer da. Am 2. Tag war die Stimmung viel besser und energiegeladener , allerdings befinden sich unter den Helene Fans auch ein gewisser Anteil an selbstdarstellerisch veranlagten Fans, bei denen man manchmal den Eindruck hat, dass mit sich selbst beschäftigt sein und ins Fernsehen kommen fast wichtiger ist als zuzugucken. Außerdem sind die Fans von Helene wirklich sehr heterogen, was ja immer als großen Vorteil dargestellt wird, aber auch den Nachteil hat, dass sehr sehr unterschiedliche Vorlieben und Erwartungen aufeinanderprallen. Insgesamt ergibt das eine etwas merkwürdige Dynamik, die sich in Form einer durchaus komplizierten Gesamtatmosphäre niederschlägt und dazu führt, dass die Aufgabe als Gast-Act in dieser Sendung aufzutreten vermutlich eher eine etwas undankbare Aufgabe ist. Ich könnte mir vorstellen, dass abgesehen von der natürlich sehr sehr guten Promo-Möglichkeit, diese Sendung nicht unbedingt die Nummer 1 auf der Auftritts-Wunschliste namhafter Künstler ist.

Ich hab den Eindruck Helene ist das durchaus auch bewusst, denn sie machte an Tag 1 eine etwas süffisante Bemerkung über die Diszipliniertheit des Publikums , die man wirklich nur als Kompliment auffassen kann, wenn man sehr merkbefreit ist 😀

Allerdings möchte ich noch anmerken, dass das auch am Gesamtkonzept der Sendung liegt, denn wenn man unbedingt will, dass für jeden was dabei ist, dann ist halt automatisch auch für jeden etwas nicht dabei. Und das führt halt dazu, dass Teile des Publikums ständig gelangweilt drauf warten, dass z.B. der nächste Party-Schlager oder Dance-Popsong kommt, während andere gerne in Ruhe eine Ballade genießen würden, ohne das irgendwer in der Reihe dahinter vor sich hin quasselt oder 5x so laut durch einen gar nicht klatschbaren Song klatscht wie hinterher beim Abschlussapplaus. Dies führt dazu, dass Teile des Publikum sich ständig gegenseitig auf die Nerven gehen, was der Gesamtstimmung auch nicht so zuträglich ist und der Einzelne kann daran halt auch nicht so viel verändern.

Reinhard Fendrich

Reinhard Fendrich war einer der Gäste auf die ich mich am Allermeisten gefreut habe, leider war er nur am ersten Aufzeichnungstag da. Dafür musste die Nummer glücklicherweise 2x aufgenommen werden (ich glaub weil sie beim ersten Mal die – eigentlich völlig unnötige – Pyrotechnik vergessen hatten), was mich sehr gefreut hat.

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Lustigerweise hatte eine Freundin noch 2 Tage vor der Sendung zu mir gemeint, Reinhard Fendrich wäre ein toller möglicher Gast, worauf ich drauf hinwies, dass der schon zu politisch/gesellschaftskritisch wäre. Damit hatte ich offenbar nicht völlig recht, aber ein bisschen schon, denn Helene nuschelte beim Anmoderieren zwar was von Songs mit wichtiger Botschaft wie „Schwarzoderweiss“ in ihren Bart (am Montag wurde die Anmoderation dann aber noch ohne Erwähnung von „Schwarzoderweiss“ wiederholt), die Helene, Quatsch „wir“, praktisch rund um die Uhr im Auto beim daneben sitzen hört, aber Singen durfte Reinhard Fendrich natürlich trotzdem nur ein für die HF Show passendes Hit-Medley (ohne wichtige Botschaften) im Duett mit Helene, das aber trotzdem total genial war 😀 Reinhard Fendrich ist einfach ein zeitloser Vollblut-Musiker, dessen Songs egal ob neu oder alt, politisch oder einfach über Liebe nicht oft genug gehört oder gespielt werden können. Schleichwerbung:

Meine österreichische Freundin hat von Helenes Fähigkeiten im Bereich „Singen in österreichischer Mundart“ übrigens sehr lobend gesprochen, das können anscheinen nur ganz wenige (das glaub ich sofort, ich kann ja nicht mal meinen eigenen Dialekt wirklich).

Ich find’s trotzdem etwas schade, dass Reinhard Fendrich keine Solo-Nummer hatte, aber vielleicht wollte er ja auch nicht.

Helene im Duett mit Bibi & Tina Darstellerin Lina Larissa Strahl

Die nächste Nummer war ein Duett von Helenes Song „Unser Tag“ mit der Hauptdarstellerin der „Bibi & Tina“ Filme (dafür bin ich zu alt, bei mir gab’s noch Bibi Blocksberg ohne Freundin und ohne Pferde), die auch als Sängerin aktiv ist. Habe übrigens heute (Einwurf für Ex-Rosenstolz Fans) in der Bunte gelesen, dass Peter Plate, der auch „Unser Tag“ geschrieben hat, auch Filmmusik für Bibi & Tina macht 🙂

Etwas merkwürdig wirkte die Nummer auf mich dadurch, dass die inzwischen 19-jährige Sängerin wie eine 12-jährige angezogen war und aber selbst in Turnschuhen größer war als Helene mit High Heels, was irgendwie ein ulkiges Gesamtbild ergab. Außerdem tanzten Helenes obligatorischen 10-12 US-Tänzer etwas sinnlos auf einem Haufen auf der rechten Bühnenseite rum während Helene und Lina Larissa auf der linken Bühnenhälfte sangen.

Die Tänzer fand ich diesmal sowieso relativ schlecht in die Sendung integriert, bei den meisten Nummern wirkten sie einfach nicht übermäßig notwendig, weswegen wir uns fragten, ob es sich wirklich gelohnt hat, die extra dafür aus den USA einzufliegen, aber ich hab inzwischen gelernt, dass Wiederholungen, Beständigkeit und möglichst wenige und wenn dann graduell schleichende Veränderungen wohl DAS Erfolgsrezept schlechthin im Universum der Marke Helene Fischer ist (damit immer alle schön mitgenommen werden und möglichst niemand vergrault wird) . Apropos, wo war eigentlich Maria Voskania?

Horst Lichter

Horst Lichter ist Fernsehkoch. Fernsehköche treten ja im Fernsehen in vielen Sendungen auf, z.B. Talkshows, Quizsendungen, Musiksendungen, Spieleshows, Polit-Sendungen (bestimmt) und manchmal abwegigerweise sogar in Kochsendungen. Damit war er natürlich auch der perfekte Kandidat für den obligatorischen Slot „Humor“, der in vergangenen HF Show Ausgaben übrigens auch schon von Wettermoderatoren abgedeckt wurde. Nach einer sehr traumatisierenden sexistischen Altherren-Bemerkung von Horst Lichter (der Humor) mussten wir an Tag 1 auf Toilette, weswegen ich aber die Hälfte des darauffolgenden Helene Duetts mit Gregory Porter verpasst habe. Eisern hab ich deswegen an Tag 2 den ganzen Auftritt von Horst Lichter verfolgt (Sketch in Anlehnung an was von Jerry Lewis), weiß aber trotzdem immer noch nicht so richtig was das jetzt eigentlich war. Aber Helene trägt eine lustige Brille.

Gregory Porter

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Gregory Porter ist dieser amerikanische Jazz-Sänger, der immer eine Sturmhaube und eine Mütze trägt (aus welchen Gründen auch immer). Er hat eine wunderschöne warme Stimme und war für mich eine echte Bereicherung für die Sendung. Mit Helene hat er eine Cover Version von „Purple Rain“ gesungen (das covert Helene gerne) und dann noch einen Solo-Song. Ich hab mich zwar sehr gefreut, dass er dabei war, aber ich finde das dieses Jahr die musikalische und inhaltliche Bandbreite der Sendung wirklich ein bisschen arg weit gefächert war (ein tollkühner Spagat), was ich ein bisschen schwierig finde, wegen dem Publikums-Aspekt den ich weiter oben beschrieben habe. Da frage ich mich ob man sich nicht irgendwann doch mal ein *bisschen* auf irgendwas festlegen sollte oder Sendungen mit einem roten Faden machen sollte. Nur weil man eine „Sendung, bei der für jeden was dabei ist“ macht, muss das ja trotzdem nicht heißen, dass man unbedingt immer ALLES gleichzeitig auffahren muss, das in der Unterhaltungsindustrie jemals von irgendjemandem erfunden wurde.

Tim Bendzko

Tim Bendzko verkörpert eigentlich den Typus “gefühlvoller männlicher junger Pop-Sänger”, den ich gar nicht mag, weil mir das zu “ich zerbrech an der Welt”-mäßig schnulzig-jammerig ist. Wobei ich von dieser Art Sänger Tim Bendzko eigentlich immer schon am Liebsten mag, weil “Nur mal kurz die Welt retten” ja echt ein putziger Gute Laune Song war. Den neuen Hit “Keine Maschine” fand ich im Radio aber blöd, weil der Text so doof ist und so. Jedenfalls hat Tim den natürlich hier auch gesungen (eigentlich hätt ich es ja ironisch-lustiger gefunden, wenn Helene den Text “Ich bin ein Mensch und keine Maschine” im Duett mit performt hätte, aber vielleicht hat sie auch gedacht, das wär jetzt echt zu platt 😉 ) und er hat mir live dann echt super gut gefallen. Mit Helene gab es ein Duett mit einem Song von Herbert Grönemeyer, das ich auch richtig richtig gut fand. Bei dieser HF Show hatte Helene finde ich im Pop und Jazz/Soul/Songwriter-Bereich wirklich lauter Duettpartner, die super zu ihr gepasst haben und umgekehrt, das war in den vergangenen Sendungen nicht immer so und ich hoffe, dass sie sich da inzwischen auch etwas mehr austoben kann als früher.

Jedenfalls hab ich mir das aktuelle Album direkt mal in die Musikbibliothek gezogen (Amazon Prime), “Keine Maschine” schon 7x angehört (eigentlich ist der Text auch gar nicht so doof) und da ist mir doch vorhin glatt die Maus bei Amazon auf den “Kaufen“ Button gerutscht. Wenn das so weitergeht hab ich irgendwann noch ein Album von Philipp Poisel oder so. Das tollste Lied auf dem Album find ich ist übrigens bisher “Warum ich Lieder singe“ auch wenn das Lied natürlich auch echt schnulzig-jammerig ist 😉 Ich hab mich übrigens noch nicht getraut den Song namens “Sternenstaub” anzuklicken, aber das wär doch auch ein schöner Titel für Helenes nächstes Album.

Ich glaub der Tim Bendzko fand das Publikum übrigens auch ein bisschen merkwürdig (von der ersten Reihe sieht man die Gesichtsausdrücke so gut, Fluch und Segen zugleich 😀 ), aber vielleicht war er ja nur etwas überfordert von den Menschen, die die HF Show traditionell benutzen um ihren Weihnachtsschmuck mal um den Hals oder auf dem Kopf Probe zu tragen.

To be continued….

Bücher

Lesend in den Winter – Buchrezensionen November 2016

 

Diesen Monat habe ich zwei Bücher gelesen, auf die ich primär durch Titel und Buchcover aufmerksam geworden bin. In beiden Fällen machen die Cover Lust auf ein Leseerlebnis, das eher außergewöhnlich sein dürfte und in beiden Fälle wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Grade weil ich die Cover so mochte, möchte ich diesmal auch beide Bücher mit Cover vorstellen:

Leveret Pale – „Wahn: denn den Sinn habe ich erschossen“ (Genre: Horror)

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Auf das Buch bin ich vor allem durch das Cover und den Titel aufmerksam geworden, denn Beides finde ich absolut genial. Die kompakte (104 Seiten) im Books on Demand Verlag erschienene Sammlung von Kurzgeschichten ist der Nachfolgeband der Horrorgeschichten Sammlung „Wahnsinn“, die ich bisher noch nicht gelesen habe (aber wie ich schon verraten kann, auf jeden Fall auch noch lesen möchte). „Wahn“ soll im Vergleich zum Erstling eher weniger klassische Horrorgeschichten enthalten, sondern eben eher Geschichten, die sich mit dem Thema Wahn und Wahnvorstellungen (desöfteren im Kontext von Drogenkonsum) beschäftigen. Ich fand aber, dass zumindest einige der Geschichte durchaus auch als eher klassische Horror-Geschichten angesehen werden konnten.

Insgesamt fand ich die Sammlung sehr abwechslungsreich, es sind sehr kurze Geschichten dabei, aber auch zwei bis drei längere. Generell merkt man dem Autor sein sehr junges Alter (anscheinend ist er erst 17!) noch an, der Schreibstil wirkt auf mich noch etwas sprunghaft und man merkt manchmal, dass er sich von vielen verschiedenen klassischen und modernen Autoren aus dem Bereich Horror inspirieren lässt, wie er auch selbst sagt. Allerdings sind die Geschichte sprachlich und inhaltlich definitiv auf sehr hohem Niveau und auch oft originell und kreativ, auch den eher schwarzen Humor, der öfters durchscheint hat mir super gefallen. Da es finde ich gar nicht so viele Autoren gibt, die Horror wirklich gut können, hat es mich sehr gefreut in dem Bereich ein neues Talent kennen zu lernen und dann auch noch aus Deutschland. Am Überzeugendsten fand ich übrigens die Geschichten bei denen ich den Eindruck hatte, dass der Autor eigene Erfahrungen mit einbringen konnte.

Generell bin ich Büchern aus Selbstverlagen und Books on Demand übrigens eher skeptisch gegenüber gestellt, weil es dort doch auch viel gibt, dass mich sprachlich und vom Lektorat her nicht überzeugt. Ein paar kleine Lektorats-Fehler (konkret waren es 3) sind mir in „Wahn“ auch aufgefallen, aber es war keineswegs so, dass es störend war und da das Buch ansonsten auf einem sehr hohen sprachlichen Niveau ist, hat es mich nicht gestört.

Insgesamt würde ich „Wahn“ vor allem Horror-Fans empfehlen und Leute, die gerne etwas außergewöhnliche und alternative Kurzgeschichten für zwischendurch mögen.

Rose Kleinknecht-Herrmann: „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“

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Auf das Buch „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“ von Rose Kleinknecht-Herrmann bin ich ebenfalls vor allem durch das Cover und den doch eher außergewöhnlichen Titel aufmerksam geworden. Das Buch ist von Rose Kleinknecht-Herrmann, die selbst von 1946 bis 1985 in Paris und Stuttgart unterrichtet hat, aus Sicht des alternden Lehrers Wolfgang Fink geschrieben.

Fink erzählt in der Ich-Perspektive über sein Berufs-Privatleben als Lehrer an einem Gymnasium. Wann genau die Ereignisse spielen ist dabei nicht immer ersichtlich, insgesamt deckt das Buch aber wohl das System von den 60ern bis 80ern ab. Wolfgang Fink ist dabei kein übermäßig sympathischer Ich-Erzähler, er ist frustriert, demotiviert und auch in seine Ehe mit Ehefrau Ute hat sich Frust und Resignation eingeschlichen, ebenso in das konfliktbehaftete Zusammenleben mit seinen beiden Kindern im Teenager Alter. Fink kann wohl durchaus als „gescheiterte Existenz“ beschrieben werden, der durch den Jahrzehntelangen Schulbetrieb so zermürbt ist, dass er einen damals noch vollkommen unbekannten „Burnout“ erleidet.

Mitgefühl für ihn zu empfinden fällt einerseits durchaus sehr leicht, beschreibt er sein Leiden doch so glaubhaft, dass man durchaus „mit leidet“, andererseits ist es doch fast unmöglich seine Sicht auf die Welt und seine Mitmenschen nachzuvollziehen, denn Wolfgang Fink sieht sich eigentlich immer als Opfer der Umstände, des Systems und sein Blick auf seine Mitmenschen ist auch oft eher grausam und lieblos, zumindest schonungslos. Eine ambivalente Gestalt und damit ein hervorragender Protagonist, wenn auch eher ein Anti-Held.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, man lernt sehr viel über das Schulsystem und gesellschaftliche Fragen aus einer Zeit, die knapp vor meiner eigenen Schulzeit lag (ich bin 1979 geboren), aber auch über die Probleme bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Schulbetrieb, vor allem was Lehrer angeht, die die damalige Zeit noch miterlebt haben. Ein Roman ist das Buch wohl eher nicht, eher eine Geschichte die schildert, wie einer an seiner Umwelt scheitert. Kleine Abstriche in der Bewertung gibt es von mir lediglich deswegen, weil ich die ersten zwei Drittel geringfügig besser fand als das Ende, das sich ein bisschen im Sande verläuft.

 

Musik

Mein Soundtrack von 2016 – Teil 1

So langsam nähert sich die Zeit der Jahresrückblicke und wie letztes Jahr möchte ich auch dieses Jahr wieder einen kleinen Einblick in die musikalischen Veröffentlichungen geben, die mich dieses Jahr begleitet haben. Normalerweise kaufe ich eher selten tatsächliche Neuveröffentlichungen, auch weil mir die meiste aktuelle Chart-Musik, die im Pop- und Rockbereich so rauskommt nicht wirklich gefällt, aber dieses Jahr hab ich tatsächlich doch auch einige neue Alben gekauft, die mir super gefallen haben. Es waren aber auch einige ältere Alben dabei, mit denen ich erst mal anfange:

Cro – MTV Unplugged

MTV Unplugged ist eine meiner Lieblings-Musik-Formate, es handelt sich dabei um kleine intime Unplugged Konzert meist mit ein paar Gästen und Duetten. Das Unplugged Album von Cro hab ich mir relativ spontan mal gekaufen, ich bin kein Fan von Cro, aber er ist ein cooler Typ (soweit man sehen kann 😀 ) und hat Live definitiv richtig was drauf. Typischerweise finde ich sein bekanntestes Lied („Easy“) mit Abstand am Langweiligsten. Auf der CD gefallen mir vor allem die schnelleren und lustigeren Songs am Besten , das Konzert macht einfach gute Laune. Mein Lieblingssong ist aber trotzdem einer der ruhigen Duette, wobei der Song im Original gar nicht von Cro ist:

Die Ärzte – Rock’n’Roll Realschule

Und weil wir grad eh schon bei MTV Unplugged sind, auch mein zweites Album ist ein älteres MTV Unplugged Album und zwar von den Ärzten. Das besondere an „Rock’n’Roll Realschule“ ist, dass es tatsächlich in einer Realschule unter Mithilfe einer Schülerband aufgezeichnet wurde, mit teils ungewöhnlichen Instrumenten. Musikalisch bietet das Album eine gute Mischung zwischen sehr bekannten Songs wie „Westerland“ oder „Schrei nach Liebe“ und Songs, die der Mainstream Ärzte Hörer eher nicht (mehr) kennt. Natürlich ist auch das eine oder andere eher Provokante oder Versaute dabei 😉 Für mich ist dieses Konzert eine der Besten Live-CDs, die ich kenne. Als Hörprobe einer der spaßigsten Songs von dem Konzert

 

Weiter geht’s mit einigen tatsächlichen Neuerscheinungen, die ich mir in der ersten Jahreshälfte 2016 gegönnt habe…wenn ich genötigt werden würde zu sagen was meine Lieblings-Musik-Genres sind dann würde ich mich wohl für Country und Folk entscheiden, weswegen viele meiner Käufe 2016 auch aus diesem Bereich stammen:

Cyndi Lauper – Detour

„Detour“ von Cyndi Lauper ist eine reines Country Album, das auch eher traditionell daher kommt, sie singt darauf einige ältere Klassiker. Das Album ist also sicherlich nur etwas für wirkliche Country Fans, die auch altmodischere Country Songs wie z.B. von Dolly Parton mögen. Ich finde das Album sehr gut gelungen, es bietet eine gute Mischung aus Balladen und schnelleren Songs und Cyndis Stimme passt hervorragend zu Country. Ich finde ja sie hat sich musikalisch großartig entwickelt und ich finde es toll, dass sie die Gelegenheit später in ihrer Karriere nutzt, um sich musikalisch vielfältig auszuprobieren (sie hat auch schon ein reines Blues Album veröffentlicht). Mein absoluter Lieblingssong von dem Album ist übrigens ausgerechnet ein Weihnachts-Lied, „Hard Candy Christmas“, das auch schon von Dolly Parton gesungen wurde. Davon hab ich aber keine gute Youtube Aufnahme gefunden, deswegen einer der schnelleren Songs:

 

Cyndi Lauper – The Body Acoustic

Und weil wir grad schon bei Cyndi Lauper sind, ich habe mir dieses Jahr noch ein Album von Cyndi gekauft, das allerdings auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, nämlich ein Akustik-Album, auf dem einige ihrer alten Hits (darunter natürlich auch ihre großen Hits wie „Girls just wanna have fun“, „Time After Time“ und „True Colors“ ) in teilweise außergewöhnlichen Akustik-Versionen aufgenommen wurden, die meisten davon auch als Duett mit Sängerinnen und Sängern wie Sarah McLachlan, Ani DiFranco, Shaggy, Jeff Beck und anderen. Da Akustik eh genau mein Ding ist, kann man damit sowieso nicht viel falsch machen bei mir, aber ich finde das Album selbst dafür überdurchschnittlich. Am Besten gefallen mir auf dem Album die ruhigeren Nummern wie z.B. „I’ll be your river“ oder „Waters Edge“.

 

Lissie – My Wild West

Lissie ist eine US-Amerikanische Folk Sängerin, die oft stimmlich mit Stevie Nicks verglichen wird (sicherlich auch durchaus zu Recht). „My Wild West“ ist schon ihr drittes Studioalbum, auch die ersten beiden habe ich mir gekauft und finde sie total super. „My Wild West“ ist ihr erstes Album bei einem Alternativ-Label und es befasst sich inhaltlich mal nicht mit den üblichen Themen Liebe und Herzschmerz 😉 , sondern mit ihrem Umzug von Kalifornien zurück in ihre Heimat, den Mittleren Westen. Stilistisch kommt das Album ruhiger und weniger poppig daher, als die beiden ersten, mir gefällt es aber trotzdem oder gerade deswegen fast sogar noch etwas besser als die Vorgänger. Von den schnelleren und kraftvolleren Songs gefallen mir „Don’t you give up on me“ und „Daughters“ am Besten, aber für mich sind die allerbesten Songs auf dem Album die etwas melancholischen Balladen wie „Go For a Walk“ und „Ojai“ (übrigens eine Stadt in Kalifornien in der Lissie gelebt hat)

 

Bücher

Lesend in den Oktober: Buchrezensionen Oktober 2016

Im Oktober habe ich auf der Buchplattform Lovelybooks ein sehr interessantes Jugendbuch zu einem sehr aktuellen Thema gewonnen, dass ich hier sehr gerne vorstellen möchte. Außerdem habe ich mal wieder einen guten Krimi gelesen 🙂

Benno Köpfer/Peter Mathews: Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten (Genre: Jugendbuch)

Bei „Kadir, Der Krieg und die Katze des Propheten“ handelt es sich augenscheinlich um ein primär an Jugendliche gerichtetes Buch (empfohlenes Lesealter ist 14-16 Jahre, wobei das Buch definitiv auch für Erwachsene sehr interessant ist) über einen 16-jährigen Jungen namens Kadir, der in die Fänge von Salafisten gerät und schließlich sogar nach Syrien reist, um sich dem IS anzuschließen, also ein sehr aktuelles und auch durchaus schwieriges Thema. Erzählt wird die Geschichte primär aus der Sicht von Mark, einem Schulfreund und Fußball-Kumpel von Kadir. Die beiden kennen sich seit sie kleine Kinder sind, gingen gemeinsam zur Schule und spielten in der gleichen Jugend-Fußballmannschaft. Sie sind gute Freunde, doch in letzter Zeit hat sich Kadir zurückgezogen, spricht immer weniger mit Mark und außer beim Fußball sehen sich die beiden kaum noch. Und plötzlich ist Kadir verschwunden, er taucht zu einem wichtigen Fußball-Match nicht mehr auf. Mark versucht zusammen mit Kadirs Schwester Meral herauszufinden, was mit Kadir passiert ist und schnell kommt der Verdacht auf, Kadir habe sich radikalisiert und sei sogar nach Syrien gereist…

So weit die grundlegende Geschichte des Buches. Erzählt wird das ganze in Rückblicken, man lernt anfangs viel über Kadir und seine türkischstämmige Familie, deren normales Familienleben und wie Kadir in Richtung des Salafismus abdriftet. Gerade der Anfang kommt dabei gelegentlich etwas belehrend daher, man merkt dem Buch teilweise an, dass es kein reiner Roman ist, sondern auch aufklären und erklären soll. Vor allem in diesen Passagen fand ich das Buch nicht immer 100% überzeugend, denn man merkt an diesen Stellen oft, dass Charaktere nur im Buch vorkommen, um eine erklärende Funktion zu erfüllen oder eine bestimmte Sichtweise abzudecken (besonders auffallend fand ich das z.B. bei dem Leiter eines Jugendtreffs, einem Geistlichen in einer Moschee oder Yannick, einem Schulkamerad von Mark). An diesen Stellen wirkte das Buch deswegen auf mich etwas zu konstruiert. Ich habe in meiner Jugend auch viele Bücher gelesen, die sich mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigten (z.B. Klassiker wie „Die Welle“, „die Wolke“ oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“), die aber trotzdem als literarisches Werk komplett überzeugten. Dieses Gefühl hatte ich bei diesem Buch nicht immer.

Im zweiten Teil der Geschichte wird erzählt was Kadir in Syrien erlebt, diese Teilen wirkten viel weniger konstruiert und es kam auch mehr Spannung auf und alles wirkte deutlich authentischer. Hier fand ich das Buch dann sehr stark und die Ereignisse auch sehr eindringlich. Das Buch macht einen guten Job darin zu erklären wie und warum Jugendliche dem IS verfallen, wo die Reize für Jungen wie Kadir liegen, es macht aber auch klar, dass es dafür keine einfachen Lösungen gibt, denn (vor allem labile und unsichere) Jugendliche werden für derartige extremistische Gruppen (nicht nur Salafisten, sondern auch andere extremistische Vereinigungen, ich kann mir gut vorstellen, dass z.B. rechtsextreme Gruppen sehr ähnlich agieren und auf sehr ähnliche Art und Weise für manche Jugendliche reizvoll wirken) sicherlich immer sehr anfällig sein.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es mich als literarisches Werk bzw. als Roman nicht zu 100% überzeugt hat. Es ist sicher auch ein gutes Buch, um es ihm Rahmen des Schulunterrichts zu lesen und zu diskutieren, generell halte ich das bei dem schwierigen Thema und der für mich doch nicht ganz 100% überzeugenden Aufbereitung bei jugendlichen Lesern sogar für besser. Am Ende des Buches gibt es noch ein kurzes Interview mit den beiden Autoren, in dem sie die Hintergründe des Buches erläutern, das hat mir dann wiederum gut gefallen.

Hjorth & Rosenfeldt: Die Menschen, die es nicht verdienen (Genre: Krimi)

„Die Menschen, die es nicht verdienen“ ist der 5. Band in der Krimireihe um den Kriminalpsychologien Sebastian Bergmann und das Team der Stockholmer Reichsmordkommission.

Diesmal wird das Team mit einem perfiden Serienmörder konfrontiert. Dieser hält sich für einen selbsternannten Wächter von Bildung und Intellekt und tötet offenbar Menschen, die auf aus seiner Sicht unberechtigte Weise durch Social Media oder Fernsehauftritte zu Erfolg und „Ruhm“ gebracht haben, zum Beispiel Stars von Reality-TV Doku Soaps, Z-Promis oder Blogger. Der Kriminalfall hat mir hierbei insgesamt sehr gut gefallen, es gibt einen interessanten und intelligenten Bösewicht, der sich mit den Ermittlern messen möchte (mich erinnerte der Täter trotz anderer inhaltlicher Ausrichtung seines Wahns etwas an Anders Breivik) und die Thematik die dahinter steckt ist durchaus sehr aktuell und glaubwürdig. Auch die Ermittlungen und die Auflösung des Kriminalfalls fand ich bis auf 1-2 kleinere Logikschwächen und unwahrscheinlicher Zufälle (die man in solchen Krimis ja fast immer hat) überzeugend.

Wie immer in dieser Reihe spielt das Privatleben und das teilweise belastete Verhältnis der Ermittler untereinander eine relativ große Rolle. Im 4. Band war mir das teilweise ein bisschen zu viel des Guten, aber jetzt im 5. Band fand ich das Verhältnis zwischen Kriminalfall und Privatproblemen ausgewogener, auch weil diesmal der Kriminalfall nicht so sehr mit dem Privatleben Sebastian Bergmanns verwoben war wie in Band 4. Trotzdem sollte man sich bei dieser Reihe bewusst sein, dass die Liebeswirrungen und Familienbeziehungen der einzelnen Ermittler einen wichtigen Teil des Geschehens bilden. Wer so etwas gar nicht mag, sollte die Finger von dieser Reihe lassen. Da die Charaktere alle sehr interessant sind (wenn auch definitiv nicht unbedingt besonders sympathisch), stört es mich persönlich nicht und es macht auch zu einem großen Teil den Charme dieser Reihe aus. Deswegen ist es auch kaum möglich einzelne Bücher aus dieser Reihe autonom zu lesen, da man Vieles nicht verstehen würde. Ich empfehle also für Neueinsteiger alle 5 Bände von Anfang an zu lesen.

Für mich ist die Reihe um Sebastian Bergmann im Moment eine der stärksten skandinavischen Krimireihen, sie ist sicherlich durch die sehr extremen und exzentrischen Charaktere außergewöhnlich, aber dafür etwas action-reicher und nicht so melancholisch wie manche andere skandinavische Erfolgskrimis.