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Promi-Autobiografie: „Ich war mein größter Feind“ von Adele Neuhauser

Adele Neuhauser ist aktuell meine Lieblings-Tatort-Schauspielerin. Ich muss zugeben, dass ich vor dem Tatort ihren Namen und ihr Gesicht auch schon kannte und sicher die eine oder andere Produktion gesehen hatte, aber leider nicht näher mit ihrer künstlerischen Arbeit vertraut war. Das lässt sich für ihre vergangene Arbeit als Theaterschauspielerin nicht mehr ändern, aber ich hoffe, ich werde die Zeit finden zumindest noch mehr von ihren anderen Filme und Serien anzuschauen. Die Tatort Figur der „Bibi Fellner“ finde ich aber dermaßen
charmant und gelungen, dass ich auf Anhieb zu einem Riesenfan von ihr wurde (ich war etwas entsetzt in dem Buch zu lesen, wie laut Adele Neuhauser die künstlerische Ausgestaltung von Bibi Fellner von den Deutschen Sendeanstalten – explizit nicht den Österreichischen – eingeschränkt wird…da wundert es mich nicht mehr, dass alle neuen Tatort Kommissare gefühlt nach 3 Folgen schon wieder hinwerfen 😛 ) und deswegen habe ich mich auch sehr darauf gefreut ihre Autobiografie zu lesen, die mir auch von meiner Freundin von Glimrende empfohlen wurde.

Das Buch macht auf den ersten Blick mit dem Titel „Ich war mein größter Feind“ einen eher düsteren Eindruck, ich kann in der Hinsicht allerdings Entwarnung geben, denn das Buch ist keineswegs traurig oder deprimierend, sondern sehr menschlich, unterhaltsam, berührend und abwechslungsreich. Adele hat das Buch nach eigener Aussage nach einer (unerwartet) sehr schweren Zeit in ihrem Leben geschrieben, nämlich nachdem beide Eltern und ihr Bruder Alexander innerhalb kurzer Zeit verstorben sind. Trotzdem ist es ein sehr lebensbejahendes und nach Vorne blickendes Buch geworden.

Es ist keine klassische chronologische Autobiographie, die mit der frühen Kindheit anfängt und sich ins Erwachsenenleben fortsetzt, sondern es sind ineinander abgeschlossene Kapitel, die sich jemals mit einem anderen Abschnitt oder Thema aus Adeles Leben beschäftigt. Dabei gibt es eine sehr gelungene Ausgewogenheit zwischen beruflichen und privaten Themen, es gibt tiefere Einblicke in Adeles Theaterkarriere (was ich sehr spannend fand, da ich mich mit diesem Teil des Showbusiness wenig auskenne) und dem damit verbundenen künstlerischen Prozess, sowie Einblicke in ihre spätere mehr TV- und Filmorientierte Karriere. Aber auch ihre Kindheit, die Lebensgeschichte ihrer Eltern, ihre Ausbildung, ihre Ehe und ihr Sohn, sowie Reflektionen über ihr eigene Entwicklung kommen nicht zu kurz. Der Schreibstil ist kurzweilig, gut zu lesen, nicht übermäßig sentimental, aber trotzdem sehr ehrlich und berührend, so dass ich das eine der schönsten Autobiografien fand, die ich bisher gelesen habe. Zudem ist Adele Neuhauser wie ich finde wirklich ein sehr faszinierender und besonderer Mensch.

Aufgelockert wird das Buch mit sehr schönen Bildern von Adele in jedem Alter und von ihren Familienmitgliedern.

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Buchtipp: „Schamlos“ von Bile und Srour

Heute möchte ich ein Sachbuch für Jugendliche vorstellen, nämlich „Schamlos“ von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz.

Die 3 Autorinnen sind norwegische Bloggerinnen, Muslimas und Feministinnen, die gemeinsam dieses Buch für junge Mädchen geschrieben haben. Im Buch erzählen sie erstens selbst von ihren Erfahrungen darüber wie es ist als muslimisches Mädchen „mit Migrationshintergrund“ in einem westlichen Land wie Norwegen aufzuwachsen, gleichzeitig haben sie aber auch einige anonyme Geschichten (bzw. eher Kurzberichte) von anderen Mädchen aus ihren Communities aufgenommen. Abgerundet wird das Buch mit einigen Fotos aus dem Leben der Autorinnen, sehr sehr hübschen Illustrationen sowie durch Diskussionen zwischen den Dreien über Politik, Gesellschaft, „negative soziale Kontrolle“ und die sonstigen im Buch behandelnden Themen. Diese Diskussionen sind im Buch durch pinke Blasen abgebildet, was das Schriftbild sehr schön auflockert und das Gefühl eines spontanen Chats vermittelt. Generell ist das Buch sehr hübsch und und leicht lesbar gestaltet und hat mit ca. 150 Seiten eine angenehme Länge, die es sehr kurzweilig macht und sicher für die angepeilte Zielgruppe junger Mädchen auch sehr zugänglich. Ein paar wenige Geschichten waren nicht auf Anhieb verständlich wenn man nicht aus Norwegen kommt (so geht es in einem Artikel um eine norwegisches Abi-Tradition, von der ich noch nie gehört hatte und einmal um eine norwegische Fernsehserie für Teenager, diese werden aber in den Fußnoten am Ende des Buches erklärt.)

Die Geschichten und Diskussionen behandeln alle möglichen Themen wie Religion, Familienleben, Sex/Aufklärung, Mobbing, Rassismus, das Verhältnis zwischen muslimischen Jugendlichen und ihren Eltern, Schule und Politik. Viele schwierige Themen mit Zündstoff also, die im Buch aber sehr direkt und locker rübergebracht werden, so dass man nie das Gefühl hat ein „schweres“ Buch zu lesen, sondern ein sehr lebendiges und sympathisches Buch das zum Nachdenken und Debattieren anregt und außerdem eine Anlaufstelle für junge Mädchen sein will, die niemanden haben mit dem sie über solche Themen reden können.

Ich finde das Buch ist absolut lesenswert und vor allem für jeden geeignet, der sich seine Meinungen über das Leben anderer Menschen gerne anhand derer eigener Erzählungen und Erfahrungen bildet und nicht anhand seiner eigenen festgefahrenen Meinungen und Vorurteile. Von dem her ist es sicher auch ein Buch das möglichst viele erwachsene Politiker, Lehrer und sonstige Menschen lesen sollten um nicht immer nur „über“ andere Personengruppen zu diskutieren sondern mit ihnen.

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Krimi-Rezension: „Als Luca verschwand“ von Petra Hammesfahr

„Als Luca verschwand“ ist der neueste Kriminalroman von Petra Hammesfahr. Ich habe schon einige Bücher von ihr gelesen und habe sie eher als eine Autorin in Erinnerung, die in ihren Thrillern auf Hochspannung setzt. Deswegen war ich gespannt ob das Thema „ein Säugling verschwindet“ in dem neuesten Buch nicht zu reißerisch oder nervenaufreibend umgesetzt sein würde. Die Befürchtung war allerdings völlig unbegründet, denn „Als Luca verschwand“ ist definitiv kein Thriller, eigentlich noch nicht mal wirklich ein Krimi. Ich würde es am Ehesten als Familiendrama rund um einen Kriminalfall bezeichnen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Familie des 9-monatigen Luca. Dieser wird von seiner Mutter Mel bei einem Einkauf vor dem Drogeriemarkt abgestellt, während sie mit dessen 3-jährigem Bruder Einkäufe erledigt. Als sie den Laden verlässt ist Luca verschwunden. In seiner Nähe wurde eine stadtbekannte Frau gesehen, die dafür bekannt ist, dass sie kleinen Kindern Lollies schenkt und ansonsten aber als harmlos gilt. Natürlich gerät sie sofort unter Verdacht, aber auch die Mutter und Lucas Familie scheint nicht ganz koscher:
warum zum Beispiel lies Mel den Kinderwagen mit Luca unbewacht im Freien stehen? Was für Konflikte schwelen in der Familie und was hat Mels angespanntes Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter Gabi – einer schrulligen aber bekannten Krimiautorin – mit der Sache zu tun? Der ermittelnde Kommissar Klinkhammer steht zudem unter besonderem Druck, denn er kennt Gabi – die Oma des kleinen Luca – schon länger.

Das Buch hat ein eher ruhiges Erzähltempo und außerdem viele Perspektivenwechsel. Normalerweise mag ich das, allerdings fand ich es in diesem Buch fast etwas too much, da es teilweise etwas schwer war den ständigen Sprüngen zu folgen.Nach und nach werden die Motive der einzelnen Personen und die Hintergründe der belastenden Familienbeziehungen aufgedeckt. Parallel erfährt der Leser mehr von Anni, der Frau, die Luca angeblich entführt haben soll und deren tragischer Lebensgeschichte. Die Kommissare ermitteln in beide Richtungen, da völlig unklar ist wer Luca nun wirklich entführt hat.

Im Prinzip ist die Geschichte durchaus sehr interessant und ich mag eigentlich auch ruhige komplexe Geschichten, allerdings fand ichdass in diesem Roman die Hintergründe der Familienmitglieder fast ein bisschen langsam und nur häppchenweise aufgedeckt wurden, was dazu führte dass man oft nicht wirklich nachvollziehen konnte, warum einzelne Personen so irrational handelten, da man gar nicht wußte warum es Spannungen mit anderen Personen in der Familie gibt.
Auch die Handlungsweisen der Kommissare fand ich in Teilen nicht nachvollziehbar. Dass man ermittelt obwohl man wie Kommissar Klinkhammer mit der betroffenen Familie näher verbandelt ist, kommt in Romanen ja öfters vor, aber dass man deswegen auch noch Alleingänge macht und wichtige Infos nicht weitergibt, wirkte dann doch etwas zu viel des Guten. Außerdem fand ich es etwas irritierend, dass in dem Buch ein 9-monatiges Kind verschwindet und trotzdem gefühlt die Hälfte der Personen im Buch ständig mit Infos hinter dem Berg halten, obwohl sie selbst gar keinen wirklichen Grund dazu haben. Das Verschwinden von Luca bleibt deswegen auch gefühlt fast eine Nebensache.

Aus all diesen Gründen hat mich das Buch nicht so wirklich vom Hocker gerissen, auch wenn ich den Kriminalfall im Prinzip nicht uninteressant fand. Für mich ein Buch, das man zur Unterhaltung gut lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss.

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Besondere Short Stories: „Cat Person“ von Kristen Roupenian

Heute möchte ich einen Kurzgeschichtenband vorstellen, der für mich wirklich aus der Masse der Bücher herausgestochen ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
„Cat Person“ von Kristen Roupenian ist eine Sammlung von 12 Stories. Die titelgebende Geschichte wurde ursprünglich im New Yorker veröffentlicht, über einen Internet Hype bekannt und von Feuilleton-Zeitschriften mit Lob und Superlativen geradezu überhäuft. Laut THE GUARDIAN ist „Cat Person“ 2,6 Millionen mal geteilt worden und somit die ‚meistdiskutierte Story aller Zeiten‘ (ich vermute geteilt heißt auf Twitter, was ich nicht nutze und ergo hätte ich die angeblich meistdiskutierte Story aller Zeiten schlicht überhaupt nicht mitbekommen , wäre ich nicht beim Stöbern auf den Kurzgeschichten-Band gestoßen 😉 Spannend hierbei ist, dass die Geschichte wohl wirklich viral im Internet so oft verbreitet wurde, dass die Autorin allein daraus einen millionenschweren Vertrag für den zugehörigen Kurzgeschichten-Band bekommen hat, eine Art als Schriftsteller einzusteigen, die denke ich auch heute noch eher eine Ausnahme darstellt.

Mich machen solche übertriebene Lobpreißungen allerdings meist eher etwas skeptisch und da ich in letzter Zeit sowieso eine Pechsträhne mit Büchern hatte, die mich nicht wirklich überzeugt haben, ging ich eher ohne allzu große Erwartungen an das Buch heran. Auch lese ich das Genre Kurzgeschichten eher selten. Die Frage ist also, wie fand ich das Buch: Überraschenderweise muss ich sagen, dass es mich wirklich vom Hocker gehauen hat, denn die Geschichten sind kreativ, gemein, böse, brilliant geschrieben, teilweise schockierend, irritierend, anregend und kurzweilig, oft auch witzig…wirklich bemerkenswert etwas inhaltlich und stilistisch derart auf den Punkt gebrachtes und brilliant geschriebenes als Debut herauszubringen.

Trotz meiner Lobeshymne wird das Buch vermutlich nicht für jeden etwas sein, denn es ist wie jemand anders irgendwo treffend schrieb kein „nettes“ Buch. Die Geschichten legen schonungslos die Abgründe menschlicher Begierden, Sehnsüchte und verkorkster Beziehungen offen und sind dabei auch oft noch auf eine Art und Weise gemein, die mich an Roald Dahl denken lies (obwohl die Stories vom Inhalt her eigentlich völlig anders sind und natürlich weitaus moderner).

Die „Hype-Geschichte“ Cat Person fand ich auch wirklich gelungen, darin geht es um eine junge Frau (gerade dem Teenager Alter entwachsen), die einen älteren Typen kennenlernt und nach einer spaßigen und charmanten Chat-Flirt-Arie mit ihm ins Bett steigt, nur um festzustellen, dass das reale Erlebnis doch eher ein Erwachen mit Schrecken ist, es geht um Begierde, Flirten, schlechten Sex,…trotzdem ich die Story wirklich gut fand, gibt es doch einige Geschichten, die ich zwar einerseits skurriler, aber andererseits sogar noch einen Ticken genialer fand. Die meisten Geschichten im Buch beschäftigen sich mit den Irrungen und Wirrungen von sexuellen Beziehungen zwischen Frau und Mann oder Frau und Frau, es gibt aber auch einige Geschichten in denen einen Mutter-Kind Beziehung im Vordergrund steht oder die aus Sicht eines Kindes erzählt wird.

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Krimi-Rezension: „Muttertag“ von Nele Neuhaus

„Muttertag“ ist der neueste Krimi von Nele Neuhaus aus ihrer Krimireihe mit den Kommissaren Pia Sander und Oliver von Bodenstein (wobei die Kommissarin
in den ersten Bänden noch Kirchhoff hieß und der Roman immer noch als „Kirchhoff/Bodenstein“ Krimi zum Beispiel bei Amazon aufgeführt wird). Ich habe alle oder zumindest die meisten der Bücher aus der Reihe gelesen, da meine Mutter ein Fan der Reihe ist.
So richtig begeistert hat mich bisher aber nur der Band „Schneewittchen muss sterben“, die anderen Krimis fand ich in der Regel aber solide Unterhaltung.
„Muttertag“ ist wie die meisten der Vorgängerromane ein sehr umfangreiches Buch geworden. Normalerweise mag ich dicke Schmöker (so war ich auch immer ein großer Fan der Krimis von Elizabeth George, die ja auch immer sehr dick waren). Da ich die Charaktere ihrer Bücher aber sehr lieb gewonnen hatte, hat mich das gar nicht gestört, denn mit Charakteren die man mag, möchte man als Leser ja gerne so viel Zeit wie möglich verbringen. Ein perfektes Buch ist für mich eines an dessen Ende man traurig ist, dass es schon zu Ende ist…wie sah das Lesevergnügen nun bei „Muttertag“ aus?

Am Anfang des Buches war ich eigentlich sehr zuversichtlich. Der Kriminalfall wirkte nämlich sehr vielversprechend.
Die Komissarin Pia Sander wird am Anfang des Buches in ein altes Herrenhaus gerufen, dort wurde ein alter Mann – Theodor Reifenrath- tot aufgefunden. Die Familie Reifenrath betrieb dort früher einen Mineralwasserproduktionsbetrieb, der aber schon vor Jahrzehnten Pleite ging. Danach kümmerten sich das Mordopfer und seine (inzwischen seit Jahren verschollene) Frau auf dem großen Grundstück jahrzehntelang um Pflegekinder, die aus schwierigen Verhältnissen stammten. Jetzt liegt Theo mit einer Kopfwunde tot in seinem Haus, auf den ersten Blick ist er vielleicht nur nach einem Schwächeanfall gestürzt und eines natürlichen Todes gestorben. Doch dann finden die Ermittler nicht nur den halb verhungerten Hund des Toten, sondern auch noch menschliche Knochen und die Ermittler müssen nicht nur herausfinden, ob Theo ermordet wurde, sondern auch noch was hinter den Menschenknochen steckt. Schnell stellt sich heraus, dass es in der Vergangenheit der Reifenraths so einige dunkle Flecken und „Leichen im Keller“ gibt.

Die ersten 80 Seiten des Romans waren wirklich unterhaltsam geschrieben und machten Lust auf einen komplexen und interessanten Kriminalfall. Allerdings konnte
das Buch meine Erwartungen dann leider nicht wirklich erfüllen, mich haben gleich mehrere Punkte gestört. Erstens gestaltete sich der Mittelteil des Buches leider als sehr langatmig (und mit Mittelteil meine ich leider so ca. die Seiten 100 – 500). Die Ermittler befragen unzählige Verdächtige und Personen, die man sich allein wegen der Fülle schon kaum merken kann, so richtig voran geht in der Krimihandlung aber nichts. Das ist vielleicht im Hinblick auf die Darstellung von Polizeiarbeit realistisch, aber als Unterhaltung nicht ganz so mitreißend. Zweitens gibt es neben der normalen Ermittlungsarbeit noch eine Nebenhandlung, die sich eines für mich etwas unnötigen (und noch dazu durchschaubaren) Identitätskniffes bedient…und Drittens fremdelte ich in dem Buch auch noch etwas mit den Charakteren. Oliver von Bodenstein ist zwar weiterhin sympathisch, spielt in diesem Band aber eine eher untergeordnete Rolle und bleibt blass. Pia Sander war mir in diesem Band aber irgendwie unsympathisch, da sie eine gewisse Selbstgerechtigkeit entwickelt zu haben scheint. Noch dazu zog sich durch den Roman für mich eine Tendenz zum „Victim Blaming“, was ich angesichts des heiklen Themas ziemlich unangenehm fand. Der einzige Charakter der für mich im Buch eine positive Charakterentwicklung erfuhr war Pias Chefin Nicola.

Zusammengefasst war dieses Buch für mich also kein Schmöker in den ich mich mit Begeisterung vertieft habe, denn mir fehlte gerade das eingangs erwähnte: anstatt mit geliebten Charakter mitzufiebern war ich am Ende eher froh sie los zu sein. Für große Fans der Reihe ist das Buch sicherlich trotzdem geeignet, mich hat es leider nicht überzeugt.

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Buch Tipp: „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ von Emma Braslavsky

„Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ von Emma Braslavsky ist ein Buch auf das ich ausschließlich wegen des ungewöhnlichen Titels aufmerksam geworden bin. Den Klappentext fand ich auch interessant, konnte mir aber konkret wenig unter dem Buch vorstellen. Es hat aber auf jeden Fall sofort meine Neugierde geweckt. Auch Cover und Gestaltung der Hardcover Ausgabe sind überdurchschnittlich gelungen, weswegen ich froh bin, dass ich mir die gebundene Ausgabe des Buches als Geschenk gewünscht hatte. Worum geht es nun aber?

Das Buch kann wohl am Ehesten als Menschheits-Satire beschrieben werden oder als Abenteuerroman über das Schicksal der Menschheit, wie die Autorin es in einem Interview glaube ich ungefähr formuliert hatte. Das Buch spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, wann genau erfährt der Leser aber nicht. Der Eindruck, dass es sich um die Zukunft handelt wird daraus gewonnen, dass Wissenschaft und Technik etwas weiter fortgeschritten zu sein scheinen (so kann z.B. die Smartwatch der Hauptfigur Gewitter inzwischen punktgenau voraussagen) und dass der Klimawandel wohl so weit voran geschritten ist, dass Orkane und andere Extremwetterlagen deutlich mehr Menschen töten als heutzutage sowieso schon., Allerdings wirkt die Weltlage doch mehr oder weniger wie heute, so dass das Buch sich sehr aktuell anfühlt und nicht wie eine ferne Dystopie oder Utopie.

Hauptpersonen des Buches sind einerseits Jo und Jivan, ein Pärchen Ende 30, das auf den ersten Blick nicht besonders gut zusammenpasst. Jo ist eine freiheitsliebende und fanatische Umweltaktivistin, die unbedingt die Welt retten will (oder wenigstens in einer entsprechenden Organisation beruflich ganz nach oben kommen). Jivan ist ein ziemlich chauvinistischer Loser, der sein mit dem Bau von Bunkeranlagen verdientes Geld ständig durch seine Spielsucht (Online-Games) verliert und sich deswegen in eine finanziell unmögliche Lage manövriert hat, von der er seiner Frau Jo aber nichts erzählt. Sein Verhältnis zu Jo wirkt eher manisch und unter Liebe scheint er zahlreiche Manipulationsversuche zu verstehen.

Die zweite Hauptperson des Buches ist Roana, eine 19-jährige, die von ihrem Vater zu einem einsamen Sabbatical am Fuße eines Vulkans verdonnert wurde (angeblich eine Familientradition), damit sie endlich erwachsen wird und in seine langweiligen beruflichen Fußstapfen tritt. Roana aber hält es erstens in der einsamen Einöde nicht aus und setzt sich nach Buenos Aires ab und ist zweitens (ziemlich größenwahnsinnig) davon überzeugt dass sie zu Höherem berufen ist, nur wozu genau und wie weiß sie noch nicht.

Die dritte Hauptperson des Buches ist kein Mensch, sondern eine Insel…und zwar eine die bisher keine kannte. Freigelegt durch einen Orkan wird sie zum Symbol für einen Neuanfang (oder die Rettung?) der ganzen Menschheit, die eine ganze Armada von Staaten, Organisationen und Gruppierungen für sich beanspruchen möchte, notfalls auch gewaltsam.

Das Buch folgt seinen Protagonisten mit viel Wortwitz und Ironie durch die Irrungen und Wirrungen ihrer Versuche gleich die Welt zu verbessern oder alternativ zumindest ihre eigene Haut zu retten. Das Buch ist sicher nicht für jeden was, denn es ist nicht sehr linear, oft absurd und sehr verspielt, ich fand es aber sehr unterhaltsam und interessant. Was mir auch gefallen ist, dass dem Buch seine schwierigen Charaktere trotz aller Satire trotzdem am Herz zu liegen scheint und diese mit all ihren Unzulänglichkeiten liebevoll gestaltet sind. Das Buch ist also nicht zu zynisch, was bei Satiren schnell mal dazu führt, dass sie ins Verächtliche oder Destruktive abdriften (ein Problem, dass ich zum Beispiel mit „The White Tiger“ von Aravind Adiga hatte, das ich vor einiger Zeit gelesen habe). Für mich also ein sehr gelungenes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der es etwas außergewöhnlicher mag.

Das Buch hat übrigens auch einen sehr unterhaltsamen musikalischen Buchtrailer:

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Krimi-Tipp: „Todesstiche“ von Nina Darnton

„Todesstiche“  von Nina Darnton kommt optisch im typischen Thriller Design daher, auch der Titel klingt natürlich nach einem eher reißerischen Thriller (die dazu abgedruckte Wespe passt null zur Handlung und ist wohl eine sehr unkreative Verarbeitung des Wortes „Stich“ im Titel). Dieser Eindruck täuscht aber eher, was vielleicht für eine Vermarktung des Buches nicht ganz optimal ist, denn eigentlich handelt es sich bei dem Buch eher um einen psychologischen Krimi oder sogar noch eher um einen Entwicklungsroman der Hauptperson Jennifer und ein Familiendrama.

Die Hauptrolle im Buch spielt Jennifer, eine amerikanische Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Ihr Mann arbeitet den ganzen Tag als Haushalt und Jennifer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die perfekte verständnisvolle Helikopter-Mutter für ihre 3 Kinder zu sein. Auf andere berufstätige Mütter schaut sie eher herunter und sie ist stolz auf ihr geradezu perfektes Leben und ihre perfektes Leben. Sie ist also geradezu unerträglich unsympathisch 😉 und man wünscht ihr irgendwelche Probleme geradezu auf den Hals. Diese kommen dann auch in Form einer Hiobsbotschaft aus Spanien, wo ihre älteste Tochter Emma aktuell studiert. Emma wurde festgenommen, nachdem in ihrer Wohnung ein Mann erstochen wurde. Laut Emma versuchte er sie zu vergewaltigen, worauf ein zufällig vorbeikommender Algerier ihn erstach, um Emma zu retten. Jennifer fliegt sofort nach Spanien, um ihrer Tochter zur Seite zu stehen. Während die Polizei Emmas Geschichte für höchst unglaubwürdig hält und immer mehr Indizien gegen ihre Version sprechen, hält Jennifer eisern zu Emma, bis auch ihr immer mehr Zweifel an ihrer Tochter kommen.

Der Ausgangspunkt des Buches erinnerte mich etwas an den Fall Amanda Knox (auch wenn der Mordfall sich letztendlich nicht sehr ähnelt), weswegen das Buch mein Interesse weckte (ich hatte erst vor einiger Zeit eine Netflix Doku über Amanda Knox gesehen). Das Buch hat mich definitiv auch nicht enttäuscht, es ist gut geschrieben, die Infos über Land und Leute wirken kompetent recherchiert und mir gefiel sehr gut, dass die Autorin sehr viel Wert auf Charakterentwicklung und psychologische Hintergründe legt. Das Buch las sich eher wie altmodischer psychologischer Krimi a la Ruth Rendell, was schon immer ein Krimi-Genre ist, dass ich besonders liebe. Auch macht Jennifer im Laufe des Buches eine glaubhafte Entwicklung durch, so dass sie einem doch fast noch sympathisch wird. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, allerdings finde ich die Vermarktung als Thriller bei der Deutschen Ausgabe etwas unglücklich, da Thriller-Fans vermutlich enttäuscht sein werden (die englische Originalausgabe heißt zum Beispiel „Perfect Mother“, was auch viel besser zum Inhalt passt). Diese Ambivalenz verspürte wohl auch der Verlag zu irgendeinem Zeitpunkt, denn es sind im Internet zwei Cover Versionen zu finden, einen mit Untertitel „Thriller“ und einen mit Untertitel „Roman“.

Als Schwachpunkt würde ich sehen, dass eigentlich gar nicht so wirklich viel passiert, so dass man nicht wirklich von Überraschungen in der Handlung sprechen kann. Auch die eine existierende Wendung hat etwas Unausweichliches, weswegen sie nicht wirklich überrascht. Trotzdem für mich ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch.

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Young Adult Tipp: „The Exact Opposite of Okay“

„The Exact Opposite of Okay“ von Laura Steven ist ein Young Adult Roman, der sich mit dem Thema „Slut Shaming“ auseinander setzt. Hauptperson des Buches ist die 18-jährige Izzy, die Vollwaise ist und mit ihrer Oma zusammen in eher prekären Verhältnissen lebt: die Familie hat nicht viel Geld und die gesundheitlich angeschlagene Oma hält die beiden mit einem schlecht bezahlten Job über Wasser. Izzy ist nicht besonders gut in der Schule, liebt aber das Schreiben von Drehbüchern und das Filmen von Comedy-Sketches. Sie träumt von einer Karriere als Comedy Star oder Drehbuchautorin, hat aber nicht mal das Geld um sich ein College-Studium oder eine Ausbildung leisten zu können. Sie versteckt ihre Gefühle und Schwächen hinter Witzeleien und sarkastischen Bemerkungen und verbringt ihre Freizeit am Liebsten mit ihren besten Freunden, der indisch stämmigen Ajita und ihren langjährigem Sandkastenfreund Danny. Als Izzy auf einer Party mit zwei Jungs schläft und dann auch noch Nacktfotos mit einem der beiden austauscht, gerät sie in einen Strudel der Ereignisse, der ihr ganzes Leben aus der Bahn wirft.

Das Buch ist in Tagebuch-Form geschrieben und beginnt kurz vor dem großen „Sex-Skandal“. Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam, auch wenn Izzys Dauer-Sarkasmus vor allem anfangs etwas anstrengend sein kann (und das sage ich als großer Sarkasmus Fan 😉 ). Ich lese aber generell gerne Bücher in Tagebuch-Form, deswegen hat mir das Format sehr gut gefallen. Die Ereignisse und auch die Charaktere sind für mich gut herausgearbeitet, lediglich die Reaktionen (bzw. Nicht-Reaktionen) der Schule auf die Ereignisse fand ich irgendwie etwas befremdlich (auch wenn Izzy im Buch volljährig war, fände ich es merkwürdig wenn eine Schule bei derartigen Ereignissen überhaupt keine Maßnahmen ergreift um seine Schüler zu beschützen und zum Beispiel Mobbing einzudämmen). Gut gefallen hat mir, dass Izzy in dem Buch sehr vielschichtig geschildert wird, sie ist nicht nur die „Heldin“, sondern handelt teilweise auch sehr gedankenlos (damit meine ich jetzt nicht mal das Versenden von Nacktbildern über das Smartphone, sondern eher Zwischenmenschliches im Umgang mit ihrer besten Freundin) und ihr Charakter entwickelt sich im Laufe des Buches glaubwürdig weiter, so dass die hinter ihrer Fassade verborgenen Gefühle zu Tage treten können.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass das Buch teilweise fast etwas mehr wie ein feministisches Manifest wirkt als wie ein Roman, der rein um seiner Story wegen erzählt wird, was sich zum Beispiel darin äußert, dass vor allem Izzys Freund Danny etwas zu schablonenhaft ausgearbeitet wirkt. Man hat etwas den Eindruck seine Rolle existiert primär um ein bestimmtes Verhalten zu demonstrieren. Davon einmal abgesehen fand ich das Buch aber wirklich sehr gelungen und es sticht sowohl thematisch als auch vom Stil aus der Masse der Young Adult Romane heraus.

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Krimi-Tipp: „Das Geheimnis der Grays“ von Anne Meredith

Heute möchte ich die Neuauflage eines historischen Krimis vorstellen und zwar „Das Geheimnis der Grays“ (Originaltitel: „Portrait Of A Murderer“) von Anne Meredith. Anne Meredith ist ein Pseudonym der britischen Autorin Lucy Beatrice Malleson, die unter dem weiteren Synonym Anthony Gilbert eine langjährige Krimireihe rund um den Ermittler Arthur Crook verfasste. Unter dem Pseudonym Anne Meredith hat sie nur 2 Bücher veröffentlicht, eine Autobiografie und eben den psychologischen Krimi „Das Geheimnis der Grays“.

Der Roman erschien erstmalig 1933 und spielt an Weihnachten 1932. Die ziemlich zerstrittene Familie Gray versammelt sich an Weihnachten beim autoritären und übellaunigen Familienoberhaupt Adrian Gray im alten Herrenhaus der Familie auf dem Land. Vordergründig natürlich um gemeinsam Weihnachten zu feiern.
Allerdings haben die meisten Familienmitglieder andere Absichten, denn sie stecken in mehr oder minder ernsten finanziellen Schwierigkeiten und erhoffen sich von den Festtagen, den Vater dazu zu kriegen, Ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Adrians ältester Sohn Richard möchte sich einen Adelstitel erkaufen, wird jedoch von einer Geliebten erpresst. Der Schwiegersohn Eustace hat mit windigen Spekulationsgeschäften nicht nur seine Klienten sondern auch Adrian über den Tisch gezogen. Und der jüngere Sohn Hildebrand ist ein mittelloser Künstler, der eine ganze Horde von Kindern durchbringen muss, für die er sich eigentlich gar nicht nicht interessiert. Lediglich die jüngste Tochter Ruth und ihr Mann stecken nicht in Schwierigkeiten und haben beim Weihnachtsbesuch keine Hintergedanken. Der 1. Weihnachtsfeiertag beginnt statt mit Geschenken dann direkt mit einem Schock, Adrian Gray wird ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden…

Dies klingt auf den ersten Blick wie ein typischer Whodunnit im Stile von Agatha Christie, entpuppt sich aber als psychologischer Krimi bei dem (für die damalige Zeit sicher noch außergewöhnlich und innovativ) die Gefühlswelt des Mörders im Vordergrund steht. Denn wer der Mörder ist, wird schon im ersten Drittel des Buches enthüllt, der Mord wird nämlich in der Ich-Perspektive aus Sicht des Mörders geschildert. Dieser versucht in Folge seine Tat zu vertuschen und diese stattdessen einem anderen Familienmitglied anzuhängen.

Der Roman nimmt sich anfangs viel Zeit die verschiedenen Familienmitglieder vorzustellen, wobei der Blick auf die damalige Gesellschaft ziemlich bissig und ironisch gerät. Glücklich sind nur die wenigstens der vorgestellten Paare und Familienmitglieder.
Im 2. Teil steht der Mörder und sein Innenleben im Vordergrund, im 3. Teil dann die Auswirkungen des Mordes und die Frage ob der Mörder mit seinem Vertuschungsversuch davon kommt. Der Stil ist natürlich etwas altmodisch, allerdings trotzdem sehr leicht lesbar und wer gerne altmodische Krimis wie z.B. von Agatha Christie liest, wird mit dem Buch sicher seine Freude haben. Ich fand es sehr unterhaltsam und auch durchaus vom Aufbau kreativ. Auch wenn die Aufmachung des Klett-Cotta Verlags vielleicht etwas irreführend ist (der englische Titel passt auch viel besser zum Inhalt als der Deutsche) hat es mir eigentlich sogar besser gefallen, dass es sich bei dem Buch nicht um einen klassischen „Wer ist der Mörder?“ Roman gehandelt hat.

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Buchrezension: „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent

Heute habe ich eine ungewöhnliche Aufgabe: ich rezensiere ich ein Buch mit dem ich nicht so richtig warm wurde, nämlich „Mein Ein und Alles“ von Gabriell Tallent. Ich hatte die Leseprobe gelesen und fand sie sehr vielversprechend, außerdem mag ich solche Geschichten eigentlich, also Geschichten darüber wie jemand sich aus schwierigen Lebensumständen befreit und so eine Geschichte schien „Mein Ein und Alles“ zu sein.

Das Buch dreht sich um die 14-jährige Turtle (eigentlich Julia) Alveston aus Kalifornien. Sie lebt mit ihrem Vater in einem ziemlich heruntergekommenen Haus nahe der Meeresküste , in einer bewaldeten Gegend bei Mendocino (beim Lesen des Buches habe ich realisiert, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie darüber nachgedacht hatte wo sich der im Schlager besungene Ort eigentlich befindet). Sie geht zur Schule, ist dort aber eine Außenseiterin, was auch an ihrem eigenen abweisenden Verhalten liegt, sie scheint nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Menschen zu hassen, vor allem gerade, die die eigentlich versuchen auf sie zu zu gehen. Die Gründe dafür werden schnell klar, sobald man etwas mehr über die toxische und kranke Beziehung zwischen ihrem Vater Martin und ihr erfährt. Turtle glaubt nicht daran etwas am Status Quo ihres Lebens verändern zu können, sucht auch oft Entschuldigungen für ihren Vater und zerfleischt sich gedanklich selbst…doch als sie auf einem Streifzug durch die Wälder Jacob und Brett kennenlernt – 2 Jungs im Highschool-Alter – verändert sich ihr Leben langsam aber sicher und die Geschehnisse nehmen einen Lauf der zu einer immer größeren Eskalation führt. Irgendwann kämpft Turtle nicht mehr nur um ihre Befreiung sondern um Leben und Tod.

Das Buch ist also durchaus sehr interessant, die Thematik verstörend und Turtle eine spannende und komplexe Hauptfigur. Trotzdem hatte ich einige Probleme mit dem Buch: erstens ist die Sprache irgendwie sperrig. Die Landschaftsbeschreibung blieben für mich irgendwie schwer zugänglich, so dass ich es irgendwie nicht schaffte diese Teile aufzunehmen. Interessanterweise passt auch das Cover irgendwie zu diesem Gefühl, es zeigt ein irgendwie altmodisch wirkendes Dickicht von Nadelbäumen, das gleichzeitig anzieht und irritiert.

Der Rest des Buches ist im Prinzip gut geschrieben, allerdings war ich von einigen Schimpfwörtern irritiert, die irgendwie zu altmodisch für ein Buch wirkten in dem eine 14-jährige die Hauptrolle spielt (auch ihr Vater dürfte vermutlich nicht viel älter als 40-50 sein). So wurde z.B. das Wort „Luder“ häufig verwundet, was ich mir als Sprache bei einer 14-jährigen einfach schwer vorstellen konnte. Da wäre es interessant mal ins Original hineinzulesen um zu vergleichen was für Wörter dort verwendet wurden. Ich bin mir bei diesem Buch sprachlich wirklich nicht sicher, ob ich ein Problem mit der Buchsprache an sich hatte oder auch eher mit der Übersetzung. Insgesamt wirkt der Stil irgendwie unausgewogen.

Mein zweites Problem mit dem Buch war, dass ich es insgesamt doch ziemlich schwer zu verdauen fand. Eigentlich bin ich bei dramatischen Familiengeschichten hart im nehmen und lese zwischendurch auch gerne mal düstere oder schwierige Bücher, aber aus irgendeinem Grund kam ich bei diesem Buch fast an meine Grenzen (vielleicht lag es auch daran, dass ich es ausgerechnet im trüben November angefangen habe???). Ich glaube es war eine Kombination aus der teils etwas schwer zugänglichen Sprache und der Tatsache, dass die geschilderten Ereignisse, sowie die Charaktere Martin und auch Turtle selbst, als Charaktere schwer zu ertragen sind. Deshalb bewegte ich mich eher langsam Kapitel für Kapitel durch das Buch und hatte irgendwann in der Mitte mal das Bedürfniss parallel etwas Leichtes zu lesen (was ich nur nicht getan habe, weil meine Lesezeit diesen Monat etwas begrenzt war).

Trotzdem fand ich das Buch durchaus lesenswert und kann nicht sagen, dass es mich nicht zum Nachdenken gebracht hätte. Interessanterweise fand ich die letzten Kapitel in denen sich Turtles Lebenssituation massiv gewandelt hat sehr viel bewegender und emotionaler als alles davor, vielleicht auch weil Turtle als Mensch da aufgetaut ist. Insgesamt habe ich also ein sehr ambivalentes Verhältnis zu dem Buch, weswegen ich auch nicht sagen kann ob und wem ich es weiterempfehlen würde.