Allgemein, Bücher

Lesetipp: „Visions of Hanna“ von Rascha Peper

Die letzten beiden Wochen war ich zur Abwechslung einmal mit einem älteren Roman beschäftigt, der bereits 2003 in der 1. Auflage erschien und
den ich aus einer Bücherkiste entnommen habe. Da ich wie alle Bücherbegeisterten dazu neigte viel zu viele Bücher anzuhäufen, kaufe ich inzwischen nur noch sehr selten Bücher und lese stattdessen auch viel auf dem eReader. Physische Bücher lasse ich mir meist nur noch zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken oder bekomme sie entweder geliehen oder eben aus Büchertauschecken, die es ja zum Glück immer häufiger gibt.

„Visions of Hanna“ von der niederländischen Autorin Rascha Peper ist ein Familienroman mit einer eher ungewöhnlichen „Hauptfigur“.
Hanna – die dem Buch den Titel gibt – ist nämlich längst tot. Der Leser erfährt am Anfang des Buches nur vage, dass Hanna nach einem Bootsunglück auf offenem Meer mit einer Yacht versunken ist und und ihre Leiche mitsamt dem Boot nie geborgen wurde. Wie es genau dazu kam bleibt am Anfang offen. Trotzdem bleibt sie zentrales Thema des Buches, denn die Charaktere des Buches haben alle nie wirklich mit Hannas Tod abgeschlossen. Eeder ihr Vater, ein pensionierter Schneider, noch ihr Ex-Freund Gerard, ein Meeresforscher, der inzwischen in New York lebt und auch nicht dessen bester Freund Robin, der Hanna vor Jahren Gerard ausspannte, was zu einem Verwürfnis zwischen den beiden führte. Robin ist Taucher und besessen von dem Gedanken Hanna doch noch zu bergen, auch wenn ihm die Motive dafür selbst nicht 100% klar sind. Auch Emma, Hannas 15-jährige Nichte, ist merkwürdig faszinierend vom Schicksal ihrer Tante und verliebt sich dann auch noch mit der ganzen Leidenschaft einer 15-jährigen in den 37-jährigen Robin.

Die Erzählweise des Buches ist eher ruhig und gemächlich, aber für mich nie langweilig, vor allem weil die Geschichte viel leisen Humor und einen gewissen Hang zur Skurrilität mitbringt. Auch wachsen einem die unterschiedlichen Charaktere in Windeseile ans Herz, so dass die Geschichte mich trotz der relativ wenig „Handlung“ im klassischen Sinn sofort in den Bann zog und auch sehr gut unterhielt. Im Prinzip geht es in dem Buch darüber wie die betroffenen Personen mit Verlusten umgehen, wie sie versuchen ihr eigenes Leben mehr schlecht als recht weiter zu leben und um Versöhnung. Besonders gut gefallen haben mir dabei als Charaktere Emma und ihr Onkel Gerard, in dessen Leben sich auch noch eine Vielzahl weiterer sehr skurril und unterhaltsam ausgearbeitete Nebencharaktere tummeln.

Nicht ganz schlüssig war für mich die Bedeutung eines anderen Charakters (mit einem etwas merkwürdigen Fetisch), der keinen wirklichen Bezug zu Hanna hat, außer dass er am Ende zufällig eine Entdeckung macht, die etwas mit ihr zu tun hat. Außerdem war ich nicht 100% zufrieden mit dem Ende des Buches, das eine etwas vage Andeutung enthielt, die aber nie wirklich aufgelöst wurde. Wirklich überrascht hat mich diese Wendung auch nicht, aber sie hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen hat, da ich sie auch eher unnötig fand. So erweckte das Buch für mich den Eindruck eines wirklich lesenswerten, liebenswerten Romans bei dem ich mir nicht sicher bin ob die Autorin wirklich wusste worauf sie mit dem Buch am Ende heraus will.

 

Bücher

Skandinavien-Krimi: „Die Opfer, die man bringt“ von Hjorth/Rosenfeldt

Heute möchte ich mal wieder einen Skandinavien Krimi vorstellen und zwar „Die Opfer, die man bringt“, den neuesten Band von Hjorth und Rosenfeldt aus der Reihe rund um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann.

Cover

Das Cover zeigt die Silhouette eines Mannes in einem Mantel in dessen Körper sich ein Friedhof erkennen lässt (was irgendwie nix mit der Handlung zu tun hat, Mordopfer spielen in dem Buch eher eine untergeordnete Rolle), ansonsten ist das Cover im typischen Stil der Krimireihe gehalten, was dazu führt dass Leser der Reihe es wohl beim Stöbern sofort erkennen werden. Insgesamt ist das Cover wohl eher noch kein Grund das Buch zu kaufen.

Autor

Die beiden Autoren sind mir persönlich nur von dieser Reihe bekannt, arbeiten wohl aber zum Beispiel auch als Drehbuchautoren (z.B. „Die Brücke“).

Charaktere

Die Charaktere der Polizisten und natürlich von Sebastian Bergmann nehmen in dieser Reihe auf jeden Fall eine sehr zentrale Rolle ein. Oft dreht sich die Handlung mindestens genauso viel – wenn nicht sogar noch mehr – um das Privatleben des Ermittlungsteams als um den Kriminalfall. Und da gibt es mehr als genug Stoff. Sebastian Bergmann ist zwar Kriminalpsychologe, aber selbst im Bereich Empathie und Sozialkompetenz eher schwach bestückt. Außerdem nimmt seine ungesunde Obsession mit seiner erwachsenen Tochter Wanja, die auch Teil des Ermittlungsteams ist, wie in jedem Krimi der Reihe einen Teil der Handlung ein. Sebastian Bergmann ist sicher einer der schillerndsten Figuren im Krimi-Bereich im Moment und sicher auch eine der Provozierendsten. Auch über die Kommissare Ursula, Torkel und Wanja erfahren wir in diesem Buch wie immer Privates und erfreulicherweise haben zumindest diese in diesem Roman eher normale Probleme (oder sogar mal gar keine). Dafür wirken gegenüber Jungpolizist Billy sogar die meisten Kriminellen noch normal. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte an der Reihe, man ist aus skandinavischen Krimis ja Einiges an „kaputten“ Kommissaren gewohnt, aber bei Hjorth und Rosenfeldt hat man zuweilen das Gefühl, dass sie Charakterentwicklung nur über Eskalation vorantreiben können. Das ist mir dann doch langsam etwas zu viel des Gutes, zumal Sebastian Bergmann als Hauptcharakter eben auch schon ein Extrem darstellt.

Plot

Im Zentrum der Krimihandlung steht eine Vergewaltigungsreihe, die etwas außergewöhnlich ist. Der Täter scheint nicht wahllos Frauen anzugreifen, sondern die Opfer gezielt herauszusuchen. Außerdem scheinen sich zumindest ein paar der Frauen zu kennen. Insgesamt hat mir die Handlung des Kriminalfalls recht gut gefallen, da es sich nicht um eine typische „psychopathischer Serienkiller“ Handlung handelt. Die Suche nach Motiv und Identität des Täters bleibt aber aufgrund der vielen privaten Nebenstränge fast ein bisschen im Hintergrund, was dazu führt dass die Auflösung des Falls gefühlt schleppend voranschreitet. Die Auflösung ist dann durchaus überraschend, aber am Ende in Teilen mal wieder ein bisschen dick aufgetragen.

Schreibstil

Die Kapitel im Buch sind eher kurz, durch den klaren und direkten Schreibstil kommt Spannung auf. Ich sehe beim Schreibstil einen klaren Pluspunkt für das Autorenduo, denn sie sind sehr gut darin den Leser zu fesseln, obwohl die Bücher immer recht komplexe unterschiedliche Handlungen miteinander vereinen.

Fazit

Das Buch ist sehr unterhaltsam, der Kriminalfall ordentlich und auch die privaten Handlungsstränge sind fesselnd. Trotzdem lässt mich die Reihe immer ambivalent zurück und selbst kaufen würde ich die Bücher wohl eher nicht mehr (ich „erbe“ sie immer von meiner krimibegeisterten Mutter). Die Krimis sind auf jeden Fall nur etwas für Kenner der Reihe, denn würde man das aktuellste Buch lesen ohne die Vorgänger zu kennen, bliebe man wohl ziemlich verwirrt zurück, da die privaten Handlungsstränge alle Vorkenntnisse benötigen. Ansonsten stört mich, dass die Autoren gefühlt bei jedem Buch immer noch was drauf legen müssen was die moralischen Abgründe und schockierenden Verhaltensweisen angeht, das ist mir persönlich zu plump. Auch in diesem Buch wird am Ende mal wieder eine Entwicklung ins Spiel gebracht, die eher abstoßend ist und meiner Meinung nach auch eher unnötig. Insgesamt finde ich die Reihe unterhaltsam, allerdings trifft sie nicht wirklich zu 100% meinen Geschmack.

Bücher

Promi-Autobiografie: „Ich war mein größter Feind“ von Adele Neuhauser

Adele Neuhauser ist aktuell meine Lieblings-Tatort-Schauspielerin. Ich muss zugeben, dass ich vor dem Tatort ihren Namen und ihr Gesicht auch schon kannte und sicher die eine oder andere Produktion gesehen hatte, aber leider nicht näher mit ihrer künstlerischen Arbeit vertraut war. Das lässt sich für ihre vergangene Arbeit als Theaterschauspielerin nicht mehr ändern, aber ich hoffe, ich werde die Zeit finden zumindest noch mehr von ihren anderen Filme und Serien anzuschauen. Die Tatort Figur der „Bibi Fellner“ finde ich aber dermaßen
charmant und gelungen, dass ich auf Anhieb zu einem Riesenfan von ihr wurde (ich war etwas entsetzt in dem Buch zu lesen, wie laut Adele Neuhauser die künstlerische Ausgestaltung von Bibi Fellner von den Deutschen Sendeanstalten – explizit nicht den Österreichischen – eingeschränkt wird…da wundert es mich nicht mehr, dass alle neuen Tatort Kommissare gefühlt nach 3 Folgen schon wieder hinwerfen 😛 ) und deswegen habe ich mich auch sehr darauf gefreut ihre Autobiografie zu lesen, die mir auch von meiner Freundin von Glimrende empfohlen wurde.

Das Buch macht auf den ersten Blick mit dem Titel „Ich war mein größter Feind“ einen eher düsteren Eindruck, ich kann in der Hinsicht allerdings Entwarnung geben, denn das Buch ist keineswegs traurig oder deprimierend, sondern sehr menschlich, unterhaltsam, berührend und abwechslungsreich. Adele hat das Buch nach eigener Aussage nach einer (unerwartet) sehr schweren Zeit in ihrem Leben geschrieben, nämlich nachdem beide Eltern und ihr Bruder Alexander innerhalb kurzer Zeit verstorben sind. Trotzdem ist es ein sehr lebensbejahendes und nach Vorne blickendes Buch geworden.

Es ist keine klassische chronologische Autobiographie, die mit der frühen Kindheit anfängt und sich ins Erwachsenenleben fortsetzt, sondern es sind ineinander abgeschlossene Kapitel, die sich jemals mit einem anderen Abschnitt oder Thema aus Adeles Leben beschäftigt. Dabei gibt es eine sehr gelungene Ausgewogenheit zwischen beruflichen und privaten Themen, es gibt tiefere Einblicke in Adeles Theaterkarriere (was ich sehr spannend fand, da ich mich mit diesem Teil des Showbusiness wenig auskenne) und dem damit verbundenen künstlerischen Prozess, sowie Einblicke in ihre spätere mehr TV- und Filmorientierte Karriere. Aber auch ihre Kindheit, die Lebensgeschichte ihrer Eltern, ihre Ausbildung, ihre Ehe und ihr Sohn, sowie Reflektionen über ihr eigene Entwicklung kommen nicht zu kurz. Der Schreibstil ist kurzweilig, gut zu lesen, nicht übermäßig sentimental, aber trotzdem sehr ehrlich und berührend, so dass ich das eine der schönsten Autobiografien fand, die ich bisher gelesen habe. Zudem ist Adele Neuhauser wie ich finde wirklich ein sehr faszinierender und besonderer Mensch.

Aufgelockert wird das Buch mit sehr schönen Bildern von Adele in jedem Alter und von ihren Familienmitgliedern.

Bücher

Buchtipp: „Schamlos“ von Bile und Srour

Heute möchte ich ein Sachbuch für Jugendliche vorstellen, nämlich „Schamlos“ von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz.

Die 3 Autorinnen sind norwegische Bloggerinnen, Muslimas und Feministinnen, die gemeinsam dieses Buch für junge Mädchen geschrieben haben. Im Buch erzählen sie erstens selbst von ihren Erfahrungen darüber wie es ist als muslimisches Mädchen „mit Migrationshintergrund“ in einem westlichen Land wie Norwegen aufzuwachsen, gleichzeitig haben sie aber auch einige anonyme Geschichten (bzw. eher Kurzberichte) von anderen Mädchen aus ihren Communities aufgenommen. Abgerundet wird das Buch mit einigen Fotos aus dem Leben der Autorinnen, sehr sehr hübschen Illustrationen sowie durch Diskussionen zwischen den Dreien über Politik, Gesellschaft, „negative soziale Kontrolle“ und die sonstigen im Buch behandelnden Themen. Diese Diskussionen sind im Buch durch pinke Blasen abgebildet, was das Schriftbild sehr schön auflockert und das Gefühl eines spontanen Chats vermittelt. Generell ist das Buch sehr hübsch und und leicht lesbar gestaltet und hat mit ca. 150 Seiten eine angenehme Länge, die es sehr kurzweilig macht und sicher für die angepeilte Zielgruppe junger Mädchen auch sehr zugänglich. Ein paar wenige Geschichten waren nicht auf Anhieb verständlich wenn man nicht aus Norwegen kommt (so geht es in einem Artikel um eine norwegisches Abi-Tradition, von der ich noch nie gehört hatte und einmal um eine norwegische Fernsehserie für Teenager, diese werden aber in den Fußnoten am Ende des Buches erklärt.)

Die Geschichten und Diskussionen behandeln alle möglichen Themen wie Religion, Familienleben, Sex/Aufklärung, Mobbing, Rassismus, das Verhältnis zwischen muslimischen Jugendlichen und ihren Eltern, Schule und Politik. Viele schwierige Themen mit Zündstoff also, die im Buch aber sehr direkt und locker rübergebracht werden, so dass man nie das Gefühl hat ein „schweres“ Buch zu lesen, sondern ein sehr lebendiges und sympathisches Buch das zum Nachdenken und Debattieren anregt und außerdem eine Anlaufstelle für junge Mädchen sein will, die niemanden haben mit dem sie über solche Themen reden können.

Ich finde das Buch ist absolut lesenswert und vor allem für jeden geeignet, der sich seine Meinungen über das Leben anderer Menschen gerne anhand derer eigener Erzählungen und Erfahrungen bildet und nicht anhand seiner eigenen festgefahrenen Meinungen und Vorurteile. Von dem her ist es sicher auch ein Buch das möglichst viele erwachsene Politiker, Lehrer und sonstige Menschen lesen sollten um nicht immer nur „über“ andere Personengruppen zu diskutieren sondern mit ihnen.

Allgemein, Bücher

Besondere Short Stories: „Cat Person“ von Kristen Roupenian

Heute möchte ich einen Kurzgeschichtenband vorstellen, der für mich wirklich aus der Masse der Bücher herausgestochen ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
„Cat Person“ von Kristen Roupenian ist eine Sammlung von 12 Stories. Die titelgebende Geschichte wurde ursprünglich im New Yorker veröffentlicht, über einen Internet Hype bekannt und von Feuilleton-Zeitschriften mit Lob und Superlativen geradezu überhäuft. Laut THE GUARDIAN ist „Cat Person“ 2,6 Millionen mal geteilt worden und somit die ‚meistdiskutierte Story aller Zeiten‘ (ich vermute geteilt heißt auf Twitter, was ich nicht nutze und ergo hätte ich die angeblich meistdiskutierte Story aller Zeiten schlicht überhaupt nicht mitbekommen , wäre ich nicht beim Stöbern auf den Kurzgeschichten-Band gestoßen 😉 Spannend hierbei ist, dass die Geschichte wohl wirklich viral im Internet so oft verbreitet wurde, dass die Autorin allein daraus einen millionenschweren Vertrag für den zugehörigen Kurzgeschichten-Band bekommen hat, eine Art als Schriftsteller einzusteigen, die denke ich auch heute noch eher eine Ausnahme darstellt.

Mich machen solche übertriebene Lobpreißungen allerdings meist eher etwas skeptisch und da ich in letzter Zeit sowieso eine Pechsträhne mit Büchern hatte, die mich nicht wirklich überzeugt haben, ging ich eher ohne allzu große Erwartungen an das Buch heran. Auch lese ich das Genre Kurzgeschichten eher selten. Die Frage ist also, wie fand ich das Buch: Überraschenderweise muss ich sagen, dass es mich wirklich vom Hocker gehauen hat, denn die Geschichten sind kreativ, gemein, böse, brilliant geschrieben, teilweise schockierend, irritierend, anregend und kurzweilig, oft auch witzig…wirklich bemerkenswert etwas inhaltlich und stilistisch derart auf den Punkt gebrachtes und brilliant geschriebenes als Debut herauszubringen.

Trotz meiner Lobeshymne wird das Buch vermutlich nicht für jeden etwas sein, denn es ist wie jemand anders irgendwo treffend schrieb kein „nettes“ Buch. Die Geschichten legen schonungslos die Abgründe menschlicher Begierden, Sehnsüchte und verkorkster Beziehungen offen und sind dabei auch oft noch auf eine Art und Weise gemein, die mich an Roald Dahl denken lies (obwohl die Stories vom Inhalt her eigentlich völlig anders sind und natürlich weitaus moderner).

Die „Hype-Geschichte“ Cat Person fand ich auch wirklich gelungen, darin geht es um eine junge Frau (gerade dem Teenager Alter entwachsen), die einen älteren Typen kennenlernt und nach einer spaßigen und charmanten Chat-Flirt-Arie mit ihm ins Bett steigt, nur um festzustellen, dass das reale Erlebnis doch eher ein Erwachen mit Schrecken ist, es geht um Begierde, Flirten, schlechten Sex,…trotzdem ich die Story wirklich gut fand, gibt es doch einige Geschichten, die ich zwar einerseits skurriler, aber andererseits sogar noch einen Ticken genialer fand. Die meisten Geschichten im Buch beschäftigen sich mit den Irrungen und Wirrungen von sexuellen Beziehungen zwischen Frau und Mann oder Frau und Frau, es gibt aber auch einige Geschichten in denen einen Mutter-Kind Beziehung im Vordergrund steht oder die aus Sicht eines Kindes erzählt wird.

Bücher

Portugal – Krimi: „Lost in Fuseta“

„Lost in Fuseta“ von Gil Ribeiro ist der erste Teil einer Krimi-Reihe, die in Portugal spielt und sich um den Deutschen Ermittler Leander Lost (ergo das Wortspiel im Titel) aus Hamburg dreht, der im Rahmen eines etwas unwahrscheinlich klingenden EU-weiten Austauschsprogramms ein Jahr in Portugal verbringt (während ein portugiesischer Polizist ein Jahr in Hamburg verbringt. Also so eine Art „RTL2 Frauentausch“ für Polizisten 😉 ) Leander hat aber einige Hürden zu überwinden, die andere Polizisten eher nicht haben, denn er ist Asperger Autist und kann zum Beispiel nicht lügen und keine Witze und keine Ironie erkennen. So eckt er unter seinen Kollegen immer wieder an und seine beiden portugiesischen Kollegen Carlos und Graciana haben schnell den Verdacht, dass er von seinen Deutschen Kollegen nur für den Austausch ausgewählt wurde, um ihn loszuwerden.

Nachdem Leander Lost in Portugal angekommen ist, wird seine Ankunft gleich durch einen Mord unterbrochen, ein stadtbekannter Privatdetektiv wurde auf einem Boot erschlagen. Leander Losts Einstieg in die gemeinsame Polizeiarbeit verläuft aber so holprig, dass er beinahe gleich wieder nach Hause zurück geschickt wird…doch glücklicherweise schaffen es Carlos, Graciana und Leander doch noch das Ruder herumzureißen und sich aneinander anzunähern.

Mir wurde das Buch von meiner Mutter wärmstens empfohlen, die die Krimireihe super und sehr unterhaltsam und lustig findet. Leider konnte ich selbst nur sehr wenig damit anfangen, denn mich haben einige Punkte daran massiv genervt: Erstens spielt die Krimihandlung teilweise eine extrem untergeordnete Rolle, auf den ersten 90 Seiten passiert nach dem Auffinden der Leiche erstmal quasi gar nix mehr in der Richtung und auch danach bleibt das Drumherum wie Privatkram und Beschreibung von Land und Leuten recht dominant. Mir war das Verhältnis etwas zu unausgewogen und ich empfand den Krimi deswegen als langatmig.

Zweitens fand ich die Darstellung von Portugal und den Portugiesen etwas zu romantisch verklärt…es las sich ein bisschen wie die Darstellung eines südeuropäischen Landes aus Sicht eines Deutschen Touristen, der da im Sommer immer hinfährt und die Portugiesen um ihren Lebensstil beneidet (der Autor heißt in Wirklichkeit Holger Karsten Schmidt und wohnt in meiner Region). Dieses Gefühl kann man vermutlich nur nachvollziehen wenn man begeisterter Südeuropa Tourist ist und die Vorstellung spät abends stundenlang in großem Kreis zusammen zu sitzen und zu essen attraktiv findet.

Drittens wirkte die Asperger Erkrankung von Leander Lost auf mich ein bisschen wie ein Gimmick, auch wenn seine Schwierigkeiten durchaus ernsthaft dargestellt wurden, kam es trotzdem etwas so rüber als würde das ganze also „putzige Besonderheit“ und Begabung transportiert, ähnlich wie in dem Film „Rain Man“ und ich finde das kommt immer etwas gönnerhaft rüber (interessanterweise erwähnte der Autor auch im Nachwort, dass ihn das Thema Autismus seit dem Film Rain Man interessiert). Dazu kam auch noch, dass die Kommissarin eine kleine Schwester hat, die sich zufällig beruflich mit Asperger Autisten auskennt und sich sofort in Leander verliebt, das war mir dann doch auch etwas zu zuckrig.

Generell wirkte der Roman etwas wie ein etwas schnulzenhaft angehauchter ZDF-Fernsehkrimi wo auch immer was „fürs Herz“ und ein bisschen Humor dabei sein muss. Vermutlich bin ich deswegen auch einfach nicht die Zielgruppe, denn solche ZDF Filme finde ich meist auch etwas zu nah am Kitsch.  Den Kriminalfall an sich fand ich gar nicht so uninteressant, aber er ging mir in dem Gesamtkonstrukt einfach zu viel unter.

Bücher

Young Adult Tipp: „The Exact Opposite of Okay“

„The Exact Opposite of Okay“ von Laura Steven ist ein Young Adult Roman, der sich mit dem Thema „Slut Shaming“ auseinander setzt. Hauptperson des Buches ist die 18-jährige Izzy, die Vollwaise ist und mit ihrer Oma zusammen in eher prekären Verhältnissen lebt: die Familie hat nicht viel Geld und die gesundheitlich angeschlagene Oma hält die beiden mit einem schlecht bezahlten Job über Wasser. Izzy ist nicht besonders gut in der Schule, liebt aber das Schreiben von Drehbüchern und das Filmen von Comedy-Sketches. Sie träumt von einer Karriere als Comedy Star oder Drehbuchautorin, hat aber nicht mal das Geld um sich ein College-Studium oder eine Ausbildung leisten zu können. Sie versteckt ihre Gefühle und Schwächen hinter Witzeleien und sarkastischen Bemerkungen und verbringt ihre Freizeit am Liebsten mit ihren besten Freunden, der indisch stämmigen Ajita und ihren langjährigem Sandkastenfreund Danny. Als Izzy auf einer Party mit zwei Jungs schläft und dann auch noch Nacktfotos mit einem der beiden austauscht, gerät sie in einen Strudel der Ereignisse, der ihr ganzes Leben aus der Bahn wirft.

Das Buch ist in Tagebuch-Form geschrieben und beginnt kurz vor dem großen „Sex-Skandal“. Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam, auch wenn Izzys Dauer-Sarkasmus vor allem anfangs etwas anstrengend sein kann (und das sage ich als großer Sarkasmus Fan 😉 ). Ich lese aber generell gerne Bücher in Tagebuch-Form, deswegen hat mir das Format sehr gut gefallen. Die Ereignisse und auch die Charaktere sind für mich gut herausgearbeitet, lediglich die Reaktionen (bzw. Nicht-Reaktionen) der Schule auf die Ereignisse fand ich irgendwie etwas befremdlich (auch wenn Izzy im Buch volljährig war, fände ich es merkwürdig wenn eine Schule bei derartigen Ereignissen überhaupt keine Maßnahmen ergreift um seine Schüler zu beschützen und zum Beispiel Mobbing einzudämmen). Gut gefallen hat mir, dass Izzy in dem Buch sehr vielschichtig geschildert wird, sie ist nicht nur die „Heldin“, sondern handelt teilweise auch sehr gedankenlos (damit meine ich jetzt nicht mal das Versenden von Nacktbildern über das Smartphone, sondern eher Zwischenmenschliches im Umgang mit ihrer besten Freundin) und ihr Charakter entwickelt sich im Laufe des Buches glaubwürdig weiter, so dass die hinter ihrer Fassade verborgenen Gefühle zu Tage treten können.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass das Buch teilweise fast etwas mehr wie ein feministisches Manifest wirkt als wie ein Roman, der rein um seiner Story wegen erzählt wird, was sich zum Beispiel darin äußert, dass vor allem Izzys Freund Danny etwas zu schablonenhaft ausgearbeitet wirkt. Man hat etwas den Eindruck seine Rolle existiert primär um ein bestimmtes Verhalten zu demonstrieren. Davon einmal abgesehen fand ich das Buch aber wirklich sehr gelungen und es sticht sowohl thematisch als auch vom Stil aus der Masse der Young Adult Romane heraus.

Bücher

Krimi-Tipp: „Bluthaus“ von Romy Fölck

Heute möchte ich „Bluthaus“ vorstellen, den 2. Regionalkrimi aus der Elbmarsch von Romy Fölck. Hauptperson der Krimireihe ist die Polizistin Frida Paulsen, die nach dramatischen Ereignissen im Vorgänger-Band mit ihrer Karriere als Polizistin hadert und eigentlich gerade eine Pause aus dem Polizeidienst nimmt.

Cover

Ein Reetdach-bedecktes Häuschen, das im Buch auch tatsächlich eine wichtige Rolle spielt: von dem her kann man sagen „Thema getroffen“.

Autor

Romy Fölck ist eine recht neue Stimme in der Deutschen Krimi-Szene. Ihren ersten Roman „Totenweg“ habe ich auch schon gelesen und für ziemlich gut befunden. Da Norddeutschland im Regionalkrimi-Markt noch nicht ganz so dominierend vertreten ist wie zum Beispiel die Alpenregion freue ich mich immer über neue Autoren in diesem Genre.

Charaktere

Hauptpersonen in dem Buch sind Frida Paulsen, eine noch junge Polizistin, die bei den Geschehnissen im ersten Band „Totenweg“ fast ums Leben kam. Weiterhin spielt ihr Kollege Bjarne Haverkorn eine wichtige Rolle im Buch. Er ist ein älterer bodenständiger Ermittlungsbeamter, dessen Privatleben auch in diesem Band einige Turbulenzen durchläuft. Die Krimihandlung dreht sich in diesem Band um Friedas alte und sprunghafte Jugendfreundin Jo, die im ersten Band auch schon auftauchte. Abgesehen davon gibt es in dem Buch noch einige Nebencharaktere, aber im Gegensatz zu anderen Krimireihen ist das Ermittlungsteam überschaubar, was mal eine nette Abwechslung ist. 

Plot

Eine Frau wird in einem alten leerstehenden Bauernhaus brutal erstochen und verblutet. Frida Paulsens Freundin Jo findet das Opfer und versucht sie zu retten. Nach der Befragung durch die Polizei verschwindet Jo aber und behauptet die Polizei wolle ihr etwas anhängen. Auch Frida merkt, dass Jo etwas verheimlicht und macht sich auf die Suche nach der Freundin. Hat sie etwa wirklich etwas mit dem Mord zu tun?

Schreibstil

Der Schreibstil ist sachlich, gut lesbar und unterhaltsam, so dass man Romy Fölcks Bücher schnell weglesen kann. Trotzdem sind die Charaktere lebendig geschildert und man kann sich gut mit ihnen identifizieren. 

Fazit

Die Krimis von Romy Fölck sind sehr gute Unterhaltung, wenn man gerne Regionalkrimis liest und einen gelungenen Mix zwischen Privatkram und Krimihandlung mag. Eigentlich würde ich dem Buch eine volle Leseempfehlung geben, hätten mich nicht einige unlogischen und unrealistischen Verhaltensweisen der Polizisten beim Ermitteln etwas genervt. So spielt zum Beispiel ein Teil der Handlung direkt an der Küste. Es gibt einen Notfall und Frida versucht einen Notruf abzusetzen, landet aber im dänischen Mobilnetz und beim dänischen Notruf. Anstatt dann auf Englisch um Hilfe zu bitten legt sie einfach auf und spricht einem Kollegen auf die Mailbox. Das fand ich einfach völlig abstrus und später passiert es dann auch nochmal fast genauso. Solche Versuche die Handlung künstlich dramatisch zu halten, finde ich dann doch auch handwerklich etwas arg ungeschickt.

Bücher

Krimi Rezension: „Der Unfall auf der A35“ von Graeme Macrae Burnet

Den Roman „Der Unfall auf der A35“ habe ich auf meine Leseliste genommen, da ich auf sehr unterschiedliche Rezensionen dazu gestoßen bin. Den Ausschlag zum Lesen hat dann auch tatsächlich eine sehr negative Rezension gegeben, die bemängelte, dass es sich bei dem Roman keineswegs um einen Krimi handeln würde. Auch sonst war die Leserin oder der Leser nicht überzeugt.
Da ich zwar sehr gerne Krimis lese, aber es in dem Genre doch eher selten Innovationen zu entdecken gibt, war ich dadurch neugierig auf einen Krimi der nicht einem typischen entspricht. Außerdem fand ich Cover und Klappentext ansprechend.

Hauptfiguren des Buches sind der französische Polizist Georges Gorski und der 17 jährige Teenager Raymond. Beide leben in der elsässischen Kleinstadt Saint Louis. Gorski ist dort Polizeichef, hat aber Probleme mit dem Selbstwertgefühl, seinem Privatleben, seinen Kollegen (und dem Alkohol).
Raymond ist der Sohn des Anwalts Bertrand Barthelme. Dieser kommt am Anfang des Buches durch einen angeblichen Unfall auf der A35 ums Leben. Eigentlich würde der Fall zu Akten gelegt werden, denn nichts daran scheint verdächtig. Aber Bertrands attraktive Ehefrau bittet Gorski um Nachforschungen und da er sich von ihr angezogen fühlt, fängt er an auf eigene Faust zu ermitteln. Raymond findet im Schreibtisch seines verstorbenen Vaters einen Zettel mit einer unbekannten Adresse in einer nahegelegenen Kleinstadt und fängt ebenfalls an sich auf die Spurensuche zu machen.

Die Kritik, dass das Buch kein Krimi sei, kann ich durchaus nachvollziehend, denn der Kriminalfall steht in dem Buch keineswegs im Vordergrund.
Stattdessen beschäftigt es sich ausführlich mit dem Innenleben der beiden ziemlich problembelastenden Charaktere Gorski und Raymond. Düster und negativ wirkt das Buch dadurch aber nicht, denn es hat einen sehr leisen schwarzen Humor und vor allem die (auch sexuellen) Irrungen und Wirrungen des pubertierenden Raymonds sind sehr unterhaltsam zu lesen. So würde ich das Haupttheme des Buches eher als Charakterstudie zweier Männer, die mit ihrem Leben und ihrer Position in der von ihnen eher verhassten Kleinstadt Saint Louis nicht zurechtkommen sehen. Mich hat es aber überhaupt nicht gestört, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich durch die vorher gelesenen Rezensionen „vorgewarnt“ war und dem Buch deswegen gegenüber sehr offen eingestellt war.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und direkt und dadurch sehr kurzweilig zu lesen und der Autor vermittelt glaubwürdig, dass das Buch in einem Frankreich vor einigen Jahrzehnten spielt (wann genau konnte ich nicht so richtig fassen, aber aus den Informationen zu schließen die über die Lebensgeschichte des Vaters preis gegeben werden habe ich eine Handlung geschlossen, die ca. Ende der 1970er oder Anfang der 1980er Jahre spielt).

Auch die Geschichte rund um den Autor und das Setting des Buches ist durchaus spannend. Wer sich dafür interessiert, sollte (erst nach Lektüre des Buches) gerne einmal Google bemühen.

Insgesamt fand ich das Buch kurzweilig, unterhaltsam und kreativ und für mich war es deswegen eine gute Wahl.

Bücher

Jörg Maurer: „Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“

„Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“ ist schon die 11. Folge der Krimiserie von Jörg Maurer rund um Kommissar Jennerwein und sein Team.
Damit ist es wie bei vielen Regionalkrimi-Serien wohl auch eher ein Buch für Kenner und Fans der Serie und nicht unbedingt zum Einstieg geeignet.

In diesem Band hat Kommissar Jennerwein sein ganzes Team zum Feiern in seine Berghütte eingeladen. Es soll also mal nicht um Verbrechen und Ermittlungen gehen, sondern einfach nur um Spaß. So beginnt der Abend in der Hütte auch entsprechend entspannt, nach und nach kommen die Teammitglieder an (wenn auch teilweise mit erheblichen Schwierigkeiten), doch im Laufe des Abends wird klar, dass sich ein brandgefährlicher Eindringling unter den Feiernden befindet. Und so geht es plötzlich nicht mehr um einen geselligen Abend unter Kollegen, sondern ums pure Überleben.

Parallel zu der aktuellen Krimihandlung hat der Roman noch einen Sub-Plot in dem wir mehr über die Jugend von Jennerwein erfahren,  er erzählt nämlich seinen Kollegen von seinem ersten „Kriminalfall“. Zu Schulzeiten wurde seine Schule von einem Übeltäter heimgesucht, der während der ganzen Adventszeit Stinkbomben im Schulgebäude zündete…Jennerwein versuchte damals den Schuldigen zu ermitteln, was angeblich der Einstieg in seinen Berufswunsch als Polizist war. So springt das Buch zwischen diesen beiden Erzählsträngen hin und her, was eine abwechslungsreiche Geschichte ergibt.

Was mich an dem Roman etwas überrascht hat, ist dass die Handlung rund um die Berghütte doch relativ action-reich ist, ich hatte eher eine Art klassischen „Whodunnit“ Krimi auf einer Berghütte erwartet. Dadurch war das Buch aber sehr kurzweilig und unterhaltsam zu lesen, auch wenn die Handlung natürlich teilweise etwas ins Absurde abdriftete (das ist bei den Jennerwein Krimis aber öfters so). Insgesamt ist es ein nettes Buch für die Vorweihnachtszeit, das einen kurzweilig unterhält sofern man nicht zu viel Realismus erwartet.