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Buchrezension: „Sleeping Beauties“ von Stephen & Owen King

„Sleeping Beauties“ ist (meines Wissens) das erste Buch, das Stephen King zusammen mit seinem Sohn Owen King geschrieben hat. Wie auch für Stephen Kings Solo-Romane typisch hat es eine epische Länge von an die 900 Seiten, ist also nichts für Leute, die es gerne kurz und knackig mögen. Obwohl das Buch übersinnliche Elemente enthält, handelt es sich keineswegs um einen Horrorroman, ich würde es am Ehesten als Fantasy Roman zur „Me too“ Debatte beschreiben 😉 (obwohl es von 2 Männern geschrieben ist, ist Feminismus, Sexismus, Patriarchat und der fortwährende Konflikt zwischen Frauen und Männern wohl das prägende Thema des Buches…dass es von 2 Männern stammt mag man merkwürdig finden, ist aus meiner Sicht aber durchaus gelungen).

Die Handlung spielt in einer Kleinstadt namens Dooling in den Appalachian Mountains (eine Gegend, die in Büchern und Filmen im Moment immer den Eindruck erweckt, als gäbe es da fast nur arme Menschen die Crack kochen und rauchen…), aber die Geschehnisse betreffen die ganze Welt. Von einem Tag auf den anderen fallen plötzlich Frauen in einen Art Dornröschen-Schlaf, sobald sie einschlafen bildet sich um ihren Körper eine Art spinnwebenartiger Kokon und die Frauen wachen nicht mehr auf. Versucht man den Kokon zu entfernen, nimmt das in der Regel kein gutes Ende für denjenigen der es versucht. Gleichzeitig mit dieser bedrohlichen Krankheit taucht in der Kleinstadt Dooling eine mysteriöse Frau auf und tötet 2 Drogendealer auf brutale Art und Weise…hat sie etwas mit den Geschehnissen zu tun?

In den ersten Tagen der Seuche, die „Aurora“ genannt wird, versuchen die Frauen die noch nicht eingeschlafen sind mit allen Mitteln (primär Drogen) wach zu bleiben, während die Männer mehr und mehr die Kontrolle über die Situation verlieren. Die drauf resultierende Geschichte beschäftigt sich dann mit fast allen gesellschaftlichen Themen, die die USA im Moment bewegen, ganz vorne dabei, Seximus und Waffen und stellt die große Frage ob eine Welt in der es nur Männer oder nur Frauen gibt, wohl überhaupt existieren könnte, besser oder schlechter oder gar wünschenswert wäre?

Mir hat der Roman gut gefallen, wobei ich mir vorstellen kann, dass jemand der einen Horrorroman oder Thriller erwartet hat, wohl enttäuscht sein könnte, denn ein Spannungsroman ist das Buch keineswegs und manchen Lesern wird er wohl auch etwas zu langatmig sein. Im Vergleich zum Schreibstil von Stephen King (alleine) finde ich den Stil etwas klarer und nüchterner und etwas weniger „jovial“, was einerseits erfrischend ist wenn man schon unzählige Stephen King Romane gelesen hat, andererseits aber etwas weniger Nähe zu den Charaktere schafft wie Stephen King das alleine irgendwie immer gelingt. Insgesamt ein gelungener Roman zu den großen gesellschaftlichen Debatten dieses Jahres (was eine Leistung ist, da ich vermute, dass der Roman schon sehr viel länger in Entstehung ist).

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Tipp für Stephen King Fans: „Basar der bösen Träume“

„Basar der bösen Träume“ ist ein typischer umfangreicher Sammelband mit Kurzgeschichten von Stephen King. Dabei ist zu beachten, dass die meisten der Geschichten über die Jahre und Jahrzehnte hinweg schon in anderen Büchern oder Zeitschriften oder einzeln (wie die ehemalige Kindle Exklusivstory „Ur“) veröffentlicht wurden. Anscheinend ist nur eine Geschichte in dem Geschichtenband wirklich eine Neuheit. Allerdings hat mich das wenig gestört, obwohl ich quasi jedes Buch von Stephen Kind, das er jeweils veröffentlicht hat, gelesen habe. Die meisten der Geschichten, die ich schon kannte, hatte ich vermutlich vor Jahrzehnten gelesen, so dass sie fast neu auf mich wirkten, außerdem kamen mir sowieso nur grob die Hälfte der Story bekannt vor.

Die Sammlung an sich fand ich sehr gelungen, richtige Horrorfans werden vermutlich nicht auf ihre Kosten kommen, denn Monster und Gruselhorror sucht man hier mit wenigen Ausnahmen vergebens, auch Übersinnliches spielt nicht in allen Geschichten eine Rolle. Oftmals handelt es sich mehr um einen leichten psychologischen Grusel, aber auch Humor kommt nicht zu kurz und es gibt auch ein- bis zwei eher positive Stories mit „Happy End“, sowie 2 Gedichte. Ich fand wirklich fast alle Geschichten rundum gelungen und habe mich nicht gelangweilt (nicht mal bei der Baseball-Geschichte, für die sich Stephen King im Vorwort quasi noch „entschuldigt“ hat, allerdings habe ich persönlich schon immer einen Soft Spot für Baseball).

Abgerundet wird die Kurzgeschichtensammlung noch durch die Vorworte, die jede einzelne Geschichte begleiten und in denen Stephen King zu jeder Geschichte eine kleine Anekdote über die Entstehung erzählt. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von Vorworten, meist finde ich diese eher unnötig und langweilig, aber Stephen King ist finde ich sozusagen der Meister der Vorworte und der Einzige, der es schafft dabei nie zu langweilen, sondern einem wirklich einen kleinen Einblick in das Leben als Autor zu geben.

Für mich also eine sehr gelungene Sammlung für Stephen King Fans und Fans von Geschichten mit einem eher subtilen Grusel.

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Noch mehr literarischer Mai: Bissige Gesellschaftskritik, plus Übersinnliches von Stephen King

Heute möchte ich zwei Bücher vorstellen, die mir besonders gut gefallen haben, das erste war ein ziemlich dicker Wälzer, „Unterleuten“ von Juli Zeh, das zweite „Mind Control“, der Abschluss der „Mr. Mercedes“ Thriller Trilogie von Stephen King.

Juli Zeh – „Unterleuten“ (Genre: Belletristik)

„Unterleuten“ (sicher nicht unabsichtlich genauso zu Lesen wie „Unter Leuten“) ist ein kleines fiktives Dorf in Brandenburg mit ca. 200 Einwohnern, in dem auf den ersten Blick die Welt noch in Ordnung ist. Dort lebt im Jahr 2010 (daran erkennbar, dass einige reale Ereignisse aus diesem Jahr aufgegriffen werden) eine interessante Mischung aus alten Dorfbewohnern, die schon ihr ganzes Leben in dem kleinen Dorf verbracht haben und zugezogenen Menschen aus Berlin oder Westdeutschland, die versuchen dem hektischen Leben der Großstadt durch die Flucht in das ländliche Idyll zu entfliehen.

Der Anfang des Buches lässt sich viel Zeit die verschiedenen Charaktere vorzustellen, jedes Kapitel ist durchgängig durchs ganze Buch immer abwechselnd aus Sicht eines anderen Charakters erzählt. Dies bedingt natürlich viele Perspektivenwechsel, mich hat das aber überhaupt nicht gestört, ich mag diese Erzählweise generell sehr gerne. Die Charaktere sind dabei einerseits herrlich aus dem Leben gegriffen und gleichzeitig überzeichnet, der wutbürgerliche Dauermotzer Kron, der sich in einer jahrzehntelangem Dauerstreit mit dem einerseits abstoßenden, andererseits trotzdem erschreckend menschlichem Dorf-Tycoon befindet. Hinzu kommen unter anderem der opportunistische Bürgermeister, eine westdeutsche Pferdeflüsterin, der es vom großen Gestüt für ihre große Liebe (ihr Pferd) träumt, ihr etwas verweichlichter IT-Freund, der neben dem Pferd immer die Nebenrolle spielt, der militante Möchtegern-Tierschützer und seine junge Frau mit Baby, der prollige Automechaniker der scheinbar grundlos seine Nachbarn schikaniert, der gewissenlose aber einsame reiche Immobilienhai aus Bayern, der das halbe Land rund um Unterleuten gekauft hat, nur weil er es konnte…alle verfolgen in diesem kleinen Dorf ihre eigene Agenda oder möchten einfach nur in Ruhe leben. Schon bevor etwas passiert ist der idyllische Frieden im Dorf wohl nur ein oberflächlicher Schein, doch richtig Leben in die Bude kommt als ein (Wortspiel 😛 ) windiger junger Business-Schnösel bei einer Gemeindeversammlung von den Plänen seiner Firma fürs Dorf berichtet, ein Windpark mit 10 Windrädern soll errichtet werden, auf einem der wenigen Grundstücke, die dafür in Frage kommen.

In Folge dessen brechen die in Unterleuten schwelenden Konflikte erst so richtig auf, Intrigen und Eigeninteressen führen zu immer mehr Mißtrauen und auch lange verborgene Geheimnisse der Dorfgeschichte werden wieder an die Oberfläche gespült.

Die Geschichte ist für mich ein bisschen im Stil einer Groteske erzählt, wirkt aber keineswegs überzogen und unglaubwürdig. Die Ereignisse im Dorf ergeben ein fast perfektes Abbild der heute (gefühlt etwas aus den Fugen geratenen) globalisierten Welt des Raubtier-Kapitalismus in der sich jeder selbst der Nächste ist, während er entweder so tut als wolle er nur Gutes oder es vielleicht sogar noch tragischer vielleicht selbst glaubt. Das Buch funktioniert deswegen zweigleisig, einmal tatsächlich als Roman über die abgeschiedene Welt einer winzigen Dorfgemeinschaft, andererseits als Gesellschaftskritik. Für mich ein wirklich hervorragender Roman.

Stephen King – „Mind Control“ (Genre: Thriller)

„Mind Control“ ist der 3. und letzte Teil von Stephen Kings Thriller-Reihe um den pensionierten Polizisten Bill Hodges. Die fortlaufende Reihe fing im ersten Teil ursprünglich mit einem ganz klassischen Thriller an, ohne übersinnliche Elemente und ich fand, dass Stephen King da einen sehr guten Job gemacht hat. In Band 1 („Mr. Mercedes“) dreht sich alles um die Gräueltat von Brady Hartsfield, der mit einem gestohlenen Mercedes in die Warteschlange vor einer Job-Messe raste und zahlreiche Menschen tötete und verletzte. Am Ende des 1. Bandes gelingt es Hodges gemeinsam mit seinem engsten Team Hartsfield zu überwältigen, dieser dämmert seitdem mit schweren Hirnverletzungen in einer Klinik vor sich hin. Er ist zwar inzwischen aus dem Koma erwacht, aber angeblich nicht in der Lage zu sprechen oder mit seiner Umwelt zu interagieren. Doch schon im 2. Band der Reihe („Finderlohn“), in der Hartsfield nur eine Nebenrolle spielt, hat Hodges Zweifel daran.

Im 3. Band dreht sich nun wiederum alles um Bill Hodges und seine Fehde mit Hartsfield. Am Anfang der Reihe kommt es zu einigen aufsehenerregenden Selbstmorden, die Opfer waren Betroffene des ursprünglichen Mercedes Massakers, weswegen ein befreundeter Polizist Bill Hodges und seine Assistenten Holly zum Tatort ruft.
Hodges (der inzwischen 70 Jahre alt ist und mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat) und Holly kommen schnell Zweifel an dem angeblichen Selbstmord und als es zu noch mehr aufsehenerregenden Vorfällen rund um Brady Hartsfield und seiner Vergangenheit kommt, müssen die beiden bald erkennen, dass Hodges Zweifel an Hartsfields Zustand mehr als berechtigt war.

Ich muss zugeben, dass ich vor Beginn des Buches etwas Zweifel hatte, ob es mir so gut gefallen würde, weil schon am Klappentext ablesbar war, dass übersinnliche Phänomene in dem Buch eine recht große Rolle spielen würden und mir aber irgendwie gefallen hatte, dass es sich in der Reihe bisher eben primär nur um ganz „normale“ Krimis gehandelt hatte. Allerdings hat mir das Buch dann doch ganz hervorragend gefallen, denn die Ereignisse werden spannend erzählt, die inzwischen ziemlich lieb gewonnenen Charaktere interagieren King-typisch und die Geschichte bringt die Krimi-Reihe zu einem zwar etwas traurigen aber gelungenen Abschluss.
Ein bisschen Abzug gibt es von mir lediglich dafür, dass die Geschichte in der Mitte zeitweise etwas an Fahrt verliert, die sie aber am Ende definitiv wieder gewinnt. Insgesamt hat mir diese Trilogie von Stephen Kind super gefallen, Neueinsteiger sollten aber unbedingt alle 3 Bände lesen, vor allem der letzte Band lässt sich ohne Vorgängerwissen sicher eher schlecht genießen.